Deutsch im Zeichen der US-amerikanischen Exoglossie. Monographie
.pdfafrikanischer, südamerikanischer Literatur und Folklore, dafür wird man vom amerikanischen Kitsch, der allenthalben als Kunst herausgebracht wird, regelrecht erschlagen. In „Lebe deinen Life-Code“, einem modernen Buch über gesunde Ernährung, berichtet der Autor DESPEGHEL über Lebensstilphänomene am Beispiel der Amerikaner und Deutschen; Studien, auf die er verweist, stammen zu 90 % aus den USA (nicht unbedingt, weil das
Thema „Lebensstil“ behandelt wird, wo sich die Vereinigten Staate alle Rechte vorbehalten möchten). Man könnte den Eindruck gewinnen, themenbezogene Erhebungen aus anderen Ländern sowie die nichtamerikanische Forschung zu diesem Problem seien völlig unwichtig.
Die Nachahmung Amerikas hatte allerdings ein weiteres Phänomen zur
Folge: den geistig-kulturellen Pauperismus in Deutschland, der durch den Ersatz des herkömmlichen Kulturstereotyps durch das amerikanische zustande gekommen ist: Zunehmende Kommerzialisierung aller Lebensbereiche, turbokapitalistische Kompromisslosigkeit, geistige Verrohung und Verarmung drängen solche Werte wie Menschlichkeit, Toleranz und Vernunft in den Hintergrund. Kindstötungen, Schändung von Minderjährigen, übersteigerter Feminismus, Amokläufe in Schulgebäuden, Kurzschlusshandlungen, Körpergewalt, Waffenwahn, Geldgier, Konsumterror manifestieren das
Apogäum der amerikanisch-deutschen Kultur, in der sich ein Menschenleben immer mehr dem stereotypen Szenario der meisten geistig anspruchslosen USamerikanischen Filme oder ihrer Coverversionen für PC-Games nähert. Ein kulturloser Rohling mit dem Gesichtsausdruck eines höheren Primaten, stets kauend und nebenbei an der Tastatur seines Handys herumdrückend, lässig, oberflächlich, mit unterentwickeltem Sprechund Denkvermögen, aber dafür
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mit maßlosem Selbstwertgefühl und Gebaren eines Weltenlenkers: Der American Way of Life rekrutiert täglich ganze Armeen solcher Lifestyle-Klone, die beispiellose Ignoranz gegenüber ihrer Herkunftskulturen praktizieren und für alles Erhabene nicht viel übrig haben. Die Kultur der Denker, Philosophen,
Gelehrten, Komponisten und Entdecker wurde in der BRD unter dem
Deckmantel der Demokratie aufgelöst und feierlich durch Coca-Cola, Fast Food, Rap, Gummikauen, Sex und Action ersetzt. Gedanklicher Tiefgang wich infantiler Sorglosigkeit und, wie es SCHREIBER nennt, „der puren „Top-“ und „Hot“-Verblödung“ (SCHREIBER, 2006: 183). „Bei dieser Oberflächlichkeit hat die europäische Kultur verloren“, schlussfolgert NÄSER (2000). Verständlich, denn „die Kinder müssen jetzt free erzogen werden“3.
Am 17. Mai 2002 appellierte der Deutsche Kulturrat an Bundesregierung und Parlament, dem Staatsziel Kultur Verfassungsrang zu geben und es im
Grundgesetz zu verankern. Der Geschäftsführer des Kulturrates ZIMMERMANN sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: «Der Staat schützt und fördert die Kultur» bedeute nicht mehr und nicht weniger als «die idealistische Vorstellung von der Kulturnation in praktische Politik zu übersetzen». Die Frage lautet aber: „Wessen Kultur sollte gesetzlich verankert werden?“
„Die Nachfrage nach Kunst und Kultur wächst“, betont MERKEL in ihrem Artikel auf der Webseite des Bundestags „Kulturland Deutschland“4 und ist bemüht „unsere kulturellen Standards unter den veränderten Bedingungen der Zukunft aufrecht zu erhalten“. Fatale Aussichten, besonders für die
Auslandsgermanistik!
3Aus einer Fernsehsendung bei ARD.
4Vom 1. Mai 2005. Unter: www.kulturrat.de/puk_liste.php?detail=43&rubrik=puk.
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Das in den deutschen politischen Kreisen wieder belebte Konzept der
„deutschen Leitkultur“ hat zwar einen Konsolidierungsanspruch, artikuliert jedoch ein anderes Extrem: ungerechtfertigten Sprachund Kulturnationalismus, der in der deutschen Geschichte reichlich vorhanden ist und übrigens einer weiteren Anglisierung überhaupt nicht widerspricht. Darauf wird noch im
Folgenden Bezug genommen.
In einem Jugendforum5, wo man in einem Thread das Thema „Müssen wir den USA eigentlich alles nachäffen?“ behandelte, finden sich folgende Aussagen, die Beweismaterial für das Konzept der amerikanischen Leitkultur liefern:
„Wir sind voll im „American Way of Life“ drin, außer der Einstellung, Mentalität und Sprache, ist doch fast alles so wie bei den Amis.“
„Nein, müssen wir nicht (nachäffen), aber wir tun es immer mehr. Leider.“
„Das ist typisch deutsch, würd´ ich mal sagen! Man kann nichts machen. Bald kommt noch „Thanksgiving“ dazu!!!“
Dem sei nur hinzugefügt, dass diese Diskussion aus dem Jahr 2007 (sic!), also genau 62 Jahre nach dem Kriegsende, stammt.
Im Brockhaus kann man im Stichwortartikel „Kulturpolitik“ nachlesen: „In Deutschland sind weite Gebiete der Kulturpolitik nach 1945 wieder in private und kirchliche Hand gegeben worden. Das Schulund Hochschulwesen untersteht trotz steigender finanzieller Beteiligung und Rahmenkompetenz des
Bundes der Länderhoheit. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind über Aufsichtsgremien der Kontrolle von Öffentlichkeit und Parlamenten
5 Unter: www.de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20071001061031AALCyfj&show=7.
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unterworfen. Die auswärtige Kulturpolitik Deutschlands wird vom Auswärtigen Amt betreut, wobei v.a. die Goethe-Institute außerhalb Deutschlands von Bedeutung sind, auch z.B. die Deutschen Historischen Institute“
(BROCKHAUS, 2002). Seit den Schrecken des Hitler-Regimes versagt sich die Gesetzgebung jedes Zentrismus. Folge: es gibt so gut wie keine einheitliche Kulturpolitik im Deutschland von heute.
„Einheitlichkeit“ scheint hier überhaupt ein Fremdwort zu sein: die
Geschichte liefert genug Beispiele von Dispersionserscheinungen und
Konsolidierungsdefiziten, die mit der herkömmlichen deutschen Kultur zusammenhängen. Inzwischen ist der Mangel an einer mehr oder weniger einheitlichen Linie hinsichtlich der kulturpolitischen Maßnahmen immens, aber vorübergehend füllt der amerikanische Lebensstil und der einschlägige Wortschatz alle Lücken in der deutschen Kulturmaterie auf. Vor allem Menschen der älteren Generation klagen, dass im Radio nur wenige Kanäle zu empfangen sind, die deutsche Lieder ausstrahlen. Das betrifft auch das Fernsehen, wo 90 % aller Filme – auch bei öffentlichen Sendern – dem Hollywood entstammen. Zu welcher Kultur tragen die Teilnehmer der Show
„Deutschland sucht den Superstar“ mit ihrem englischsprachigen Liedgut bei oder Dieter Bohlen, der seit den 80-er nur noch auf Englisch produziert? Oder etwa die vielen Produkt-Namen, die selten deutsch klingen? Welche Kultur möchte man damit bereichern? Schon gar nicht die europäische. Die Leidenschaft für Surrogate (Sex statt Liebe, Computersimulation statt Übung) krönt die deutsche Amerikanophilie, die langsam die autochthone Kultur ausradiert… unter Jubelrufen deren Träger.
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Jedoch wäre es ungerecht, solches Kulturverhalten bloß den Deutschen zuzuschreiben: weltweit hatte sich der American Way of Life angesiedelt und vergleichbare Sprachentwicklungstendenzen lassen sich auch bei vielen Nachbaren registrieren. Englisch ist immerhin eine Lingua franca (zu italienisch
Lingua franca = fränkische Sprache, Handelssprache) und ihr Einfluss auf ethnische Sprachen ist deren Größe umgekehrt proportional. Es kommt also in erster Linie auf die Strategie der Sprachpolitik als eines Bestandteils der Kulturpolitik an, ob die jeweilige Sprache der Aggression der Weltverkehrssprache trotzen kann, denn es geht im Grunde ums nackte Überleben der Sprachenvielfalt (KOCH-MEHRIN, in: SCHREIBER, 2006).
Somit darf es niemanden mehr überraschen, dass sich Sprachen wie Spezies verhalten, die für ihr Überleben sorgen müssen, zumal es zum ersten
Mal in der Welt passierte, dass eine Sprache zum globalen
Kommunikationsmittel wurde. Dabei wird auch heute noch zu oft übersehen, dass die Sprache zwangsläufig einen Kulturstandard vermittelt, womit man anfangs erst gar nicht gerechnet hatte. Wenn also die amerikanische Hegemonie mit einer Verachtung alles Fremden einhergeht, ist es nicht verwunderlich, dass einige Minderheitssprachen bald Geschichte werden, aber nicht nur Sprachen.
„Begleitet wird diese Entwicklung von einem Schwinden, ja dem
Zusammenbruch traditioneller Kulturen mit ihren Sinngebungen und Wertvorstellungen“, gibt HOBERG zu bedenken (2000: 303). Die Illusion einer
Makrosprache, die einen weltweit gültigen Kulturstandard mitbrächte, erklärt zwar die Strategie einer Weltsprache, ist jedoch lichtjahrtausendweit von jeder
Realität entfernt. Allein die Tatsache, dass dasselbe Englisch für die Benennung der sibirischen Realien die russische Sprache braucht, ist nur ein kleines
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Beispiel dafür, dass die Einräumung des Status einer Weltsprache schlechtweg eine andere Funktionsweise der letzteren mit versteht, die einer hiesigen Sprache diametral entgegengesetzt ist. Mit anderen Worten ausgedrückt: eine Sprache auf der Makroebene kann bei gleichbleibenden ethnisch-demographischen
Verhältnissen kaum den Sprachverkehr auf der lokalen Ebene ersetzen. Keine der Ebenen schließt die andere aus, wird allerdings der Makroebene ein höherer Stellenwert eingeräumt, entsteht ein sicheres Anzeichen für eine Exoglossie (s. Kap. 2). Der Sprachpolitik kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle zu: die eigene (nicht die fremde!) Sprache auf der Kulturebene zu konsolidieren und zu fördern. Bisher bewirkte die deutsche Sprachpolitik bloß die Zerstörung der eigenen Sprache: es wurden keine wirksamen Maßnahmen gegen die Amerikanisierung getroffen, man betrieb jahrzehntelang keine
Sprachbetrachtung, die auswärtige Sprachpolitik beschränkte sich auf den akademischen Austausch, die Sprache wurde ihrem Selbstlauf überlassen.
Man gab sich mit dem Kulturstereotyp zufrieden, bis die Quittung kam. Nicht nur wegen des Mangels an Sprachbetrachtung. Selbstverneinung und nicht zuletzt der Hang der Deutschen zur Übertreibung in Allem, sogar in
Nachahmung einer fremden Kultur, sicherten allem Amerikanischen einen festen Platz im deutschen Alltag.
Aber die Nachahmung ergibt aus den oben erwähnten Gründen überhaupt weder für die Verbreitung des (amerikanischen) Englischen noch für die
Modernisierung des Deutschen Sinn. Der Wunsch vieler Deutscher, die ihre
Sprache mit Versatzstücken aus dem Lexikon des American Way of Life schmücken, lässt im Grunde auf ein schweres Identitätsproblem schließen, das in der deutschen Geschichte wurzelt.
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1.2.Historischer Aufriss des amerikanischen Einflusses auf das Deutsche
Traditionell wird der amerikanische Einfluss auf die deutsche Sprache zusammen mit dem britischen betrachtet. Dieses hat zwei Gründe: erstens setzte er ursprünglich vor der Folie der sog. „Engländerei“ ein, nämlich in der Zwischenkriegszeit; zweitens lässt sich seit 1945 nach VIERECK (1988, 940) angesichts des politischen, wirtschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen
Übergewichts der USA keine genaue Trennung mehr führen: Was heute im amerikanischen Englischen entstanden sein mag, kann morgen schon dem britischen angehören (und umgekehrt) und auch gesamtenglisch sein.
Viele Linguisten sprechen von einem Sprachkontakt, vgl. STANFORTH (1968); EICHHOFF (1972); KANN / KOLTES (1977), indem sie auf Germanismen in den beiden Varianten des Englischen hinweisen, deren Zahl jedoch wesentlich geringer ist als die Zahl der englischsprachigen Entlehnungen im Deutschen. Diese Asymmetrie zeugt hinwiederum davon, dass ein solches Verhalten der beiden Sprachen alles andere als bloß ein „Kontakt“ ist.
In dieser Arbeit wird von dem Standpunkt ausgegangen, dass Amerika von den Deutschen gezielt als Orientierungsmaßstab sowie Entwicklungsvorbild in politischer, wirtschaftlicher u. a. Hinsicht ausgewählt worden war, woraus eine Veränderung des Kulturstereotyps auf der sozialen Ebene und eine differenzierte Zweisprachigkeit auf der sprachlichen Ebene resultierte. Solches komplizierte Sprachverhalten wird hier als Exoglossie bezeichnet und beruht auf einem differenzierten Rollenverhältnis der Kontaktsprachen, von denen die eine stets die gebende, also die Gebersprache, und die andere die nehmende –
Nehmersprache ist. Ihr Verhältnis beruht auf einer ungleichen
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Sprachstoffübernahme – in der Regel in die Nehmersprache – und wird allgemein als Entlehnung bezeichnet. Sicherlich kann auch vorkommen, dass sich die Gebersprache manchmal des nehmersprachlichen Wortgutes bedient.
Diese Art Verhalten der Gebersprache kann freilich auch als
„Entlehnung“ angesehen werden, repräsentiert allerdings eine andere Strategie: „Germanismen gelten als „schick“, betont DW6. „Meist sind es Journalisten, die die deutschen Ausdrücke als Erste benutzen, weil sie interessant klingen möchten. Diese werden dann im Lauf der Zeit von den Lesern übernommen und etablieren sich über kurz oder lang in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen“, heißt es ferner im Text. „Schick“, „interessant“ und Markenzeichen bestimmter gesellschaftlicher Kreise – die auf diese Weise entlehnten Germanismen sind funktional gesehen bei weitem nicht dasselbe wie ihre englischsprachigen Pendants im Deutschen. RIESEL spricht in diesem Zusammenhang von einem zweiten Fremdworttyp, der einen besonderen stilistischen Wert besitzt (RIESEL, 1959: 114–115).
Man könnte diese Art Entlehnung mit dem Fremdwortgut vergleichen, das die britischen Kolonialherren aus Indien mitbrachten, um ihre Rede zu schmücken und den Eindruck der Weltmänner zu erwecken, vgl. Chintz, Kummerbund, Pyjama, Shampoo. Sie gehören wie die meisten Germanismen im britischen oder amerikanischen Englischen zu sog. Exotismen (griech. exōtikos = fremd, ausländisch), die vorwiegend zur Koloritzeichnung und
Realienbeschreibung genutzt werden, vgl. nazi, diesel, mark, reich, Weimarization (Verschlechterung der politischen Lage; Beispiele nach VIERECK, 1988).
6 Unter: www.dw-world.de/dw/article/0,,2139767,00.html.
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Dass es heutzutage „längst nicht mehr Ausdrücke aus der Nazizeit sind“, wie DW es gerne haben möchte, ändert nichts an dem Status der Germanismen: sie gelten auch heute noch als Exoten, die entweder eine besondere stilistische
Funktion erfüllen, z.B. die Lehnprägung „guest worker“, die (häufig im Plural) verhüllend für „illegal eingereiste Arbeitskräfte“ steht, nicht ohne auf die Ausländersituation in Deutschland anzuspielen, oder gewisse Realien bzw.
Begriffe beschreiben, die das Deutsche, wie es GOETHE formuliert hatte, „ins Zartere gefasst hat“, z.B.:, rollmop[s], angst, glockenspiel. Die beiden Gruppen der Germanismen lassen einen starken Bezug zur deutschen Kulturrealität erkennen, was ihren Status als Exotismen belegt.
Insofern kann nur begrenzt von einem „Sprachkontakt“ geredet werden, als sich die beiden Sprachen derart asymmetrisch verhalten. Eine solche
Rollenverteilung zeugt unmissverständlich von einem differenzierten Sprachverhalten, das eher einem „aktiv – passiv“-Verhältnis gleichkommt. Aber dazu später mehr.
Es lassen sich also zwei amerikanische Einflussperioden, auch
„Entlehnungswellen“ genannt, unterscheiden: 1) in der Zwischenkriegszeit (1918–1939) und 2) nach 1945 (mehr zum Begriff „Entlehnungswelle“ im
Abschn. 2.2.).
1. Die erste Periode ist als „Amerikafimmel“, ein Ausdruck ZIEGLSCHMIDS (1935, 25), bekannt. Sie läutete – für viele völlig unbewusst – eine neue Epoche in der deutschen Sprachgeschichte ein und zeichnete sich durch einen deutlichen Vorzug der Kultur gegenüber der Sprache aus. Dies betraf vor allem die Referenzbereiche Freizeit und Unterhaltung. In den 20-er Jahren, die in die Geschichte als Roaring Twenties eingegangen waren, wurde
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unerwartet das deutsche Musikvokabular mit den Amerikanismen Jazz, Charleston, Foxtrott, Shimmy, Swing aufbereitet. Die Emigration der Deutschen in die USA nach der Machtübernahme der NehmerspracheDAP verstärkte ihren
Einfluss auf die Sprache der deutschen Exilanten und beendete diesen bald auf die des deutschen Mutterlandes. Es gibt im deutschen Allgemeinwortschatz nur noch wenige Entlehnungen aus dieser Zeit, aber diese sind größtenteils noch britischer Herkunft: Badminton, Lautsprecher, Einbahnstraße, Sex Appeal.
2. Mit dem Abstieg der deutschen Kultur und dem „beschädigten“
Selbstbewusstsein nach 1945 setzt die zweite Einflussperiode ein, die diesmal
„Amerikanismus“ genannt wird. „Aber auch unabhängig davon lässt sich ein offenbar tiefer Zweifel am Selbstwert der Deutschen beobachten“, betont VOIGT (2000). „So werden die eigene Forschung, die eigenen Hochschulen schlecht geredet, bis endlich alle überzeugt sind, dass nur noch ein radikaler
Umbau nach transatlantischem Vorbild hilft (VOIGT, ebd.).
Das Bild der USA als großer Befreiungsmacht, die die Deutschen sowohl vom Bösewicht HITLER befreiten, als auch vor den Russen – den maliziösen
Besatzern – beschützten, Kriegsgefangene besser behandelte und regelmäßig Flugzeuge mit Verpflegung nach Westberlin schickten, ließ nicht nur die verheerenden Bombardements der US-Luftflotte prompt vergessen, die zahlreiche Städte sowie Kunstund Kulturdenkmäler Deutschlands in Trümmer verwandelten, sondern kreierte auch einen Mythos, der so unerschütterlich ist, dass selbst viele deutsche Germanisten von heute daran nicht zu rütteln wagen.
So postuliert beispielsweise RAUSCH (2004) in ihrem zusammenfassenden Tagungsbericht über den transatlantischen Kulturtransfer im Kalten Krieg: „Die machtpolitisch asymmetrische Transferkonstellation
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