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Das Fremdwort im heutigen Deutsch. Спецкурс по филологии для студентов III курса. Учебное пособие

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Das fremdwort im heutigen deutsch 71

IX. Fremdwortbildung/Lehnwortbildung

(der folgende Text ist der unten angegebenen Quelle entnommen)

Zum Gegenstand der Fremdwortbildung (auch: Lehnwortbildung) zählt man zwei Gruppen von Wortbildungen. „Die einen sind Bildungen aus ausschließlich fremdsprachlichen (entlehnten) Elementen wie

Telekommunikation, telegen, rekonstruieren, bei den anderen haben sich fremde und native Elemente miteinander verbunden wie in Telefongespräch, Beratungstelefon, telegrafisch, hausieren, konsequenterweise. Die Fremdwortbildung umfasst die Wortarten Verb, Substantiv, Adjektiv und in geringem Umfang auch Adverb; im Mittelpunkt steht nachfolgend die Bildung von Substantiven“ [Barz 2005: 690].

Wortbildungsmittel

Komplexe Fremdwörter wie Junioren-Grand-Prix-Finale, Naivität, Do-it-yourself-Methode, Astronaut und Bibliothek lassen sich wie auch native Wörter in die Bestandteile zerlegen, aus denen sie gebildet sind. Als Segmente ergeben sich bei der Analyse der Beispiele Wörter (Junior, Finale, Methode, naiv), syntaktische Fügungen (Grand Prix, do it yourself), Affixe (-ität) und Konfixe (astro-, biblio-, -naut, -thek). Aus dieser Aufzählung geht hervor, dass sich Fremdwortbildung und native Wortbildung hinsichtlich ihrer Bildungsmittel nicht grundsätzlich unterscheiden. Was jedoch eine Besonderheit der Fremdwortbildung ausmacht, sind das umfangreiche Inventar an Affixen und Konfi- xen sowie deren spezielle Kombinationsregularitäten.

Die meisten fremdsprachlichen Konfixe stammen aus dem Lateinischen und Griechischen. Sie sind im Deutschen als Präoder Postkonfixe wortbildungsaktiv, häufig auch in beiden Positionen.

Präkonfixe enden meist auf -i oder -o, wobei die Endvokale Bestandteil des Konfixes oder Fugenelement sein können:

agro-, astro-, biblio-, bio-, elektro-, geo-, homo-, hydro-, mini-, mik- ro-, multi-, neo-, öko-, servo-, turbo-

Präkonfixe sind nicht wortartspezifisch. Sie kommen in Substantiven, Adjektiven und Verben gleichermaßen vor, und zwar v. a. in Verbindung mit fremden Zweitgliedern (Wörtern, Konfixen oder Affixen):

Hydro-/hydr- >Wasser<: Hydrobiologie, Hydrometer, hydrobiologisch, hydrodynamisch, Hydrograph, hydrieren

Postkonfixe bilden v.a. Substantive:

-burger, -drom, -lekt, -mat, -port, -skop, -tainer, -thek. Zahlreiche Konfixe sind positionsvariabel:

nautisch, Astronaut, thermal, endotherm.

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In der Postposition bilden manche Konfixe sowohl Substantive als auch Adjektive, vgl. substantivisches -phon in Megaphon, Elektrophon und adjektivisches -phon in heterophon, polyphon.

Postkonfixe entstehen bevorzugt durch Reanalyse (Rekombination). Aus usuellen komplexen Fremdwörtern werden Segmente des Wortausgangs abgelöst und für Neubildungen verwendet:

-krat >Anhänger einer bestimmten Verhaltensweise, Richtung< wie in Demokrat, Korruptokrat (Zeit 2002)

-kratie >Herrschaftsform, Verhaltensweise< wie in Demokratie, Bonzokratie, Fernsehkratie, Expertokratie (Zeit 2002)

-(o)holiker/-(a/o)holic >eine süchtige Person< wie in Alkoholiker, Politoholiker >ein nach Beschäftigung mit der Politik Süchtiger < (Zeit 2002), Onlineaholic, Schokoholic, Workaholic/Workoholic

-seller wie in Bestseller >Verkaufsschlager<, Dauerseller >Buch, das über längere Zeit gut verkauft wird<, Megaseller

-tainer >Unterhalter< wie in Entertainer, Meteotainer >Meteorologe, der unterhaltsame Fernsehberichte über das Wetter gestaltet<

-tainment in Entertainment, Infotainment >unterhaltsame Präsentation von Nachrichten<, Edutainment >Wissensvermittlung auf unterhaltsame und spielerische Weise<

-fant aus Elefant in Babyfant >Elefantenjunges< (LVZ 2002) -naut (griech. >Seemann<) wie in Astronaut, Kosmonaut, Afronaut

>afrikanischer Weltraumfahrer<, Taikonaut >chinesischer Weltraumfahrer>, Aquanaut >Unterwasserforscher>, Euronaut, Cybernaut

-napper aus Kidnapper (engl. >Menschenräuber<) in Zugnapper (LVZ 1999) >jmd., der in krimineller Absicht einen Eisenbahnzug in seine Gewalt bringt<

-ival in Festival, Sektival >Sektfest< (LVZ 2003)

Wortbildungsarten

Wie in der nativen Wortbildung kommen auch in der Fremdwortbildung die Wortbildungsarten Komposition (Musikinstrument), Derivation (Komponist, illusionär, inkorrekt), Konversion (das Kombinieren) und Kurzwortbildung (CD aus Compact Disc) vor. Bei der Komposition ist zu differenzieren zwischen Bildungen aus Wörtern und aus Konfixen.

Nicht als Konfix, sondern als neben dem Konfix existierendes homonymes Wort ist das Phon, die Maßeinheit für die Lautstärke, anzusehen.

Die Komposition aus Fremdwörtern unterscheidet sich nicht von der Kornposition aus nativen Wörtern. Es gibt für Komposita aus zwei substantivischen unmittelbaren Konstituenten wohl keine Bildungsbe-

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schränkungen, die sich aus dem Fremdwortstatus ableiten ließen. Auch hinsichtlich der Position als Erstoder Zweitglied und der Komplexität von Komposita (a) sowie hinsichtlich der Bindungsaffinität (Ähnlichkeit) zu nativen Lexemen (b) weisen Fremdwörter keine Besonderheiten auf. Die Fugengestaltung in Komposita mit Fremdwörtern als Erstglied entspricht insofern der mit nativen Erstgliedern, als auch hier das Erstglied die Gestaltung der Fuge weitgehend bestimmt (c).

(a)Fanklub, Rockfan, Fußballfan, Open-Air-Jazzfestival

(b)Computeranlage, Schreibcomputer

(c)Präzision-s-werkzeug, Offizier-s-kasino, Pilot-en-streik. Deutliche Besonderheiten zeigen dagegen die Konfixkomposita.

Während native Konfixe wortbildungsinaktive historische Relikte darstellen (z.B, schwiegerin Schwiegervater, -kinder, -eltern), machen fremdsprachliche Konfixkomposita einen zentralen Bereich produktiver Kompositionstypen aus, vgl. Komposita mit audio-, bio-, euro-, öko-, tele-, mono-, poly-, -thek, -gramm u.a.

Substantivische Konfixkomposita bestehen aus einem Konfix als Erstglied und einem Substantiv als Zweitglied (Ökosteuer), einem Konfix als Zweitglied und einem Substantiv (selten einem Verb oder Adjektiv) als Erstglied (Filmothek) oder aus zwei Konfixen (Autogramm, Telethek).

Das Genus und der Flexionstyp der Konfixkomposita richten sich auch bei einem Konfix als Zweitglied nach diesem Zweitglied, das wie ein Substantiv in der Regel auf ein Genus festgelegt ist:

mask.: Dialekt (stark flektiert), Astronaut, Automat (schwach flektiert)

fem.: Diskothek

neutr.: Autogramm, Mikroskop (stark flektiert)

Anders als Wörter unterliegen Konfixe hinsichtlich potenzieller Erstglieder starken Beschränkungen. Üblich sind v. a. Fremdwörter und Konfixe, kaum üblich dagegen native Wörter. Die wenigen usuellen Beispiele mit nativem Erstglied werden meist mit dem Fugenelement -o »verfremdet«: Spielomat, Spielodrom, Waschomat. Beispiele ohne Fugenelement begegnen selten:

Das Handy wird internetfest. Damit wird das Hörfon zum Sehfon. (Zeit 1999)

Konfixe in Erstgliedposition neigen besonders in der jargonhaften Kornmunikation zur Verselbstständigung, und zwar als elliptische Verkürzungen längerer Wörter. Sie werden zu Kurzwörtern. Das Kurzwort und das gleichlautende Konfix tragen in solchen Fällen unterschiedliche Bedeutungen, denn das Kurzwort übernimmt die lexikalische Bedeutung seiner jeweiligen Vollform:

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Tele- >fern, weit<, >das Fernsehen betreffend<: Telegrafie, Teledialog, Teleshopping, aber das Tele >Objektiv für Großaufnahmen weit entfernter Motive<, gekürzt aus Teleobjektiv

Makro- >groß<, >lang<: Makrokosmos, Makrostruktur, aber der/ das Makro (EDV) >zu einer Einheit zusammengefasste Befehle<, gekürzt aus Makrobefehl

Mikro- >klein<: Mikrochip, Mikrofaser, aber das Mikro >Mikrofon<, die Mikro >genormter kleinster Schriftgrad für Schreibmaschinen<, der Mikro > Mikrowellenherd<

Die Währungsbezeichnung Euro ist auf ähnliche Weise entstanden. Sie ist gekürzt aus der syntaktischen Fügung europäische Währungseinheit und existiert neben einem Konfix euro-. Komposita mit euro- als Erstglied sind demzufolge unterschiedlich zu interpretieren, vgl. Eurokonzern >Konzern, dessen einzelne Unternehmen ihren Sitz in verschiedenen Ländern Europas haben< [GWDS; Euro ist hier Konfix) und Euroeinführung >Einführung der Währungseinheit Euro< (Euro ist hier eine selbstständige lexikalische Einheit).

Eine Besonderheit der Konfixkomposita ist das Fugenelement -o, das von substantivischen und adjektivischen Konfixen in Erstund Zweitgliedposition gefordert wird.

Elektr-o-herd, Physi-o-therapie, Film-o-thek, Kristall-o-graphie, angl-o-ame-rikanisch, angl-o-phil, angl-o-phob, bibli-o-phil, psych-o- sozial, psych-o-gen, physik-o-chemisch

Die Derivation ist für die Fremdwortbildung in besonderer Weise charakteristisch, denn hier bestehen deutliche Restriktionen in der Verbindbarkeit nativer und fremdsprachlicher Einheiten.

Den unauffälligen Normalfall stellen Derivate aus zwei Fremdelementen dar, deren Basen Wörter oder – bei Suffixderivaten – auch Konfixe sein können. Sie verbinden sich mit Präfixen oder Suffixen:

Disharmonie, Analphabet, inhuman, rekonstruieren; Destruktion, elitär, aggressiv, kollabieren.

Verbale Fremdpräfixe treten ausschließlich an fremdsprachliche Basen: dechiffrieren, desinfizieren, infiltrieren, regenerieren.

Mischbildungen (Hybridbildungen, nach lat. hybrida >Mischling<) entstehen durch zwei Kombinationsarten, als Kombination (1) einer fremdsprachlichen Basis mit einem nativen Affix bzw. einer nativen Verbpartikel sowie (2) einer nativen Basis mit einem fremdsprachlichen Affix. Markiert sind in (1) und (2) jeweils die fremdsprachlichen Konstituenten:

(1) a. Segmentierung, physisch, touristeln b. Erzrivale, unattraktiv; einchecken

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(2) a. Hornist, schauderös, buchstabieren b. Exfreund, hyperempfindlich.

Diese Bildungsmöglichkeiten werden in der Gegenwartssprache in höchst unterschiedlicher Intensität genutzt.

(1a) Relativ gut entwickelt ist die Derivation mit nativen Suffixen. Substantive entstehen aus Verben und -ung, -(er)ei (segmentieren Segmentierung, Segmentiererei), aus Substantiven und -er, diese auch moviert durch -in (Musiker, Musikerin), aus Partizipien und -heit (Isoliertheit). Zur Bildung von Adjektiven aus Substantiven dient v.a. -isch, aus Verben -bar. Die Suffixe -los und -mäßig verbinden sich wie Kompositionsglieder ohne Einschränkungen mit fremden Basen (fantasielos, interesselos, fraktionsmäßig, kavaliersmäßig). Da für die Derivation von Verben nur ein natives Suffix – -(e)l(n) – zur Verfügung steht, werden kaum hybride Verben aus Fremdbasen abgeleitet. Meist sind es scherz- haft-ironisch gefärbte okkasionelle Bildungen wie es touristelt.

(1b) Einige native Präfixe verbinden sich relativ leicht mit Fremdbasen. Das betrifft v. a. die Negation von Adjektiven mit un- (unsolide, unkollegial). Auch Substantive lassen sich präfigieren: Unperson, Uratmosphäre, Urkommunismus, Erzrivale, Erzkatholik, Hauptfigur, Hauptakzent.

Schließlich kann man noch die Partikelverben in diesen Zusammenhang stellen. Entlehnungen aus dem Englischen werden häufig mit der übersetzten oder mit einer zusätzlichen Verbpartikel versehen:

anpowern > anspornen<, auspowern >sich verausgaben<, ansurfen >im Internet anwählen<, ausleveln >ausbalancieren<, auschecken >abmelden<, ausflippen >aus sich herausgehen, wütend werden<, ausprinten >ausdrucken<

(2a) Für diese Kombinationsarten bestehen außerordentlich starke Bildungsbeschränkungen. Die Verbindung nativer Basen mit Fremdsuffixen ist kaum möglich. Nur wenige usuelle ironische Bildungen sind belegt: Luftikus, Schwulität. Mit ihrer extremen Auffälligkeit verweisen die Beispiele deutlich auf die strengen Verbindungsrestriktionen (Munske 1988: 66).

Substantivische Musikerbezeichnungen auf -ist sowie Verben auf -ier(en) treten mit nativen Basen in einer etwas größeren Zahl auf: z.B. Hornist, Flötist, Paukist, buchstabieren, halbieren, gastieren, grundieren.

Eine interessante jüngere Erscheinung ist, dass die zunehmende Verbreitung neuer englischer Wörter auf -ing wie Banking, Leasing, Walking, Bodybuilding dazu führt, dass das Segment -ing im Deutschen isoliert und als Suffix zur Bildung von Verbalabstrakta ver-

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standen wird. Es dient inzwischen schon, wenngleich wohl meist iro- nisch-scherzhaft, der Substantivierung nativer verbaler Basen. Auf einem Flyer eines Landeskriminalamtes, das sich an Sprayer richtet, ist zu lesen:

At first: Sprayen at a wall and hinterher: Cleaning. Schrubbing and Schwitzing! Thats very lustig (…) (2003)

(2b) Von den Fremdpräfixen verbinden sich ex- und anti-, selten auch hyper- mit nativen Basen (Exbürgermeister, Exfreund, Ex-DDR, Antiheld, antikirchlich, Hyperhirn).

Neben dem Präfix ex- kommen auch die Wörter Ex und ex vor:

ex- >ehemalig<: Exweltmeister, aber der/die Ex >ehemalige/r Freundin/Freund, Ehefrau/Ehemann<; auch: auf ex trinken >in einem Zug leer trinken<, ex sein >zu Ende sein<.

Die Konversion fremder Basen folgt den gleichen Bildungstypen wie die nativer Basen. Beschränkungen scheint es nicht zu geben:

Adjektiv/Partizip Substantiv: Autonomer. Alliierter, Delegierter, Industrieller, Intellektueller; Diagonale, Illustrierte

Verb Substantiv: das Koalieren, Vagabundieren

Bei einem Nebeneinander von Verb und Substantiv aus dem Englischen lässt sich die Konversionsrichtung im Deutschen in synchroner Sicht nicht sicher erkennen.

Jet jetten, Job jobben, Shop shoppen

(?) Boom – boomen, Bluff – bluffen

Kurzwörter entstehen aus den gleichen Basistypen wie in der nativen Wortbildung, aus Syntagmen und Wörtern. Auffällig häufig werden vielsilbige Fremdwörter unisegmental auf den Wortanfang gekürzt. Dabei folgt die Kurzwortbildung mit der Tendenz zur offenen Silbe einem zum normalen Wortschatz eher gegenläufigen Prinzip (Duke/Nübling 2005):

Abitur Abi, Akkumulator Akku, Demonstration Demo, Dokumentation Doku, Fotografie Foto, Tachometer Tacho

Das Bedürfnis nach kurzen, »griffigen«, auch Vertrautheit ausdrückenden Benennungen bringt gegenwärtig eine Flut neuer Kurzwörter hervor, oft zunächst als Konstituente von Komposita. So wirbt ein »2tFrisur Improvisationstheater« für eine Improshow, die RetroTage stehen für die Ehrung eines Künstlers durch eine Retrospertive, und das Quali-Ergebnis bezeichnet das Ergebnis eines sportlichen Qualifikationswettkampfs. Ein Mobilitätszentrum (Reiseauskunft) wird salopp Mobiturm genannt (Wochenkurier 2003).

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LITERATUR

Barz, Irmhild. Fremdwortbildung // Duden. Band 4. Die Grammatik. 7. völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, 2005. S. 690–695.

AUFGABEN

1. Bestimmen Sie die Wortbildungsart.

Büro/-kratie, Long/-seller, Mega-/-phon, Biblio-/-thek, ein-/che- cken, hyper-/genau, aus-/loggen, Elektro-/herd, Neo-/klassizismus, Servo-/einrichtung, audio-/visuell, Beef/-burger, Tele-/arbeit, tele-/- gen. hausieren.

2. Bestimmen Sie die Wortbildungsart der unterstrichenen Wörter. Markieren Sie Mischbildungen.

Mit Nanoteilchen gegen Krebs

Erhöhte Körpertemperaturen können Krebstumore bekämpfen – schaden aber auch gesundem Gewebe. Eine neu zugelassene Therapie baut hier auf Nanoteilchen: Durch sie wird Wärme erstmals nur auf den Tumor fokussiert.

Helles Licht und das dezente Rauschen von Ventilatoren erfüllen den klinisch weißen Raum. Im Zentrum für Strahlentherapie der Berliner Charité steht ein bislang einzigartiges Gerät: Der sogenannte Nanoaktivator. Rund zwei Meter hoch ist er und erinnert mit seiner Torform an ein rechteckiges, kopfstehendes U.

In der Mitte des Gerätes wird der Krebspatient platziert, denn dort erzeugt der Nanoaktivator ein magnetisches Wechselfeld von 100 Khz. Das heißt, dass die Plusund Minus-Pole 100.000 mal in der Sekunde hinund herspringen. Die Energie des Magnetfeldes bringt Nanopartikel aus Eisenoxid zum schwingen, die zuvor in den Tumor des Krebspatienten injiziert wurden.

Schlaf bei Behandlung

Durch die Schwingung entsteht die Wärme, die die Tumorzellen unter Stress setzt. Sind die Tumorzellen auf diese Weise erst einmal geschwächt, werden sie leichter angreifbar. Schon gering dosierte Strahlenoder Chemotherapien können dann Erfolg haben.

Der Patient, der unter dem Nanoaktivator liegt, merkt in der Regel wenig von der Wirkung des Magnetfeldes. Eine leichte Erhöhung des Pulses und der Körpertemperatur hat der Medizinphysiker Torsten Oleck, der den Nanoaktivator bedient, festgestellt. Manche, so Oleck, schlafen während der Behandlung auch ein.

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Ernsthafte Nebenwirkungen waren bislang nicht zu beobachten. Zu beachten ist allerdings: Metallhaltiger Schmuck und Zahnfüllungen sind zu entfernen, denn auch sie würden sich im Bereich des Magnetfeldes erwärmen.

Möglichkeiten und Grenzen

Doch wie steht es um die Heilungserfolge der Wärmetherapie mit Nanoeisenoxid? In den vergangenen Jahren sind zahlreiche medizinische Untersuchungen dieser Frage nachgegangen. Erprobt wurde die Therapie bei verschiedenen Krebsarten, vor allem beim verbreiteten Prostatakrebs und beim Gehirntumor, dem Glioblastom. Letztere Krebsart gilt als besonders aggressiv und war bislang unheilbar.

Betraut mit den Studien war Peter Wust, der an der Charité die Abteilung für Strahlenheilkunde leitet. Bei Prostatakrebs, der im Bereich des Beckens entsteht, konnten nicht immer die erforderlichen Temperaturen erreicht werden. Das große Volumen des Beckens ist für das Magnetfeld relativ schwer zu durchdringen. Weitaus besser funktioniert die Erwärmung bei den Gehirntumoren im Kopf. Bei Glioblastom-Patienten verdoppelte sich die durchschnittliche Überlebenszeit der Patienten von 6 auf 13 Monate.

Bei einigen Patienten gelang es sogar, den Tumor langfristig unschädlich zu machen. Aber es gab auch Patienten bei denen die Therapie nicht anschlug, erklärt Peter Wust. Dann war es zuvor nicht gelungen, das Nanoeisen mit der Injektionsnadel gleichmäßig im Tumor zu verteilen. Ist dies der Fall, werden Teile des Tumors nur unzureichend erhitzt und der Krebs überlebt die Behandlung. Wust hofft auf wachsende chirurgische Erfahrungen und neue Techniken zum besseren Einbringen des Nanoeisenoxids. Denn für ihn ist das Potenzial der neuen Therapie noch lange nicht ausgeschöpft.

Nanoeisen – der Entwickler

Über eine weitere Verbesserung der Methoden denkt auch Andreas Jordan nach. Er hat die Nanoeisenoxid-Therapie entwickelt. Bereits 1987 hatte der Berliner Biochemiker die ursprüngliche Idee für die Therapie. Anfangs experimentierte er mit staubfein zerkleinerten Metallen. Doch diese Staubpartikel im Tausendstel Millimeterbereich waren noch immer zu groß – und damit zu träge, um sich zu schnellen Schwingungen anregen zu lassen. Die Metalle wurden allenfalls handwarm.

Erst mit den Eisendioxidpartikeln im Nanoformat, die gerade mal 15 Millionstel Millimeter groß sind, gelang Jordan der Durchbruch. Der Grund: Je kleiner die Partikel sind, desto mehr Partikeloberfläche lässt sich auf wenig Raum komprimieren. Entscheidend ist die Oberfläche, weil die Energie des Magnetfeldes über sie als Wärme abgestrahlt wird. Die Flüssigkeit, die in den Tumor injiziert wird, fasst pro Tropfen mehrere tausend Milliarden Partikel, rechnet Jordan vor. Addiert man ihre Oberfläche, so Jordan, ergibt sich die Größe eines Tennisplatzes.

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Dabei war das Erreichen therapeutisch wirksamer Temperaturen nicht das einzige Problem, das Jordan lösen musste. Eine weitere Frage war: Wie verhindert man, dass die Nanopartikel nach der Injektion im Tumor bleiben und nicht in den Rest des Körpers übergehen? Um dies zu unterbinden versah er die Teilchen mit einer hauchdünnen Glasummantelung. Sie sorgt dafür, dass das Nanoeisen in den Krebszellen gewissermaßen kleben bleibt. Dort verbleiben sie dann auch nach dem Ende der Therapie. Sollte der Krebs im Laufe der Zeit wieder aktiv werden, kann der Patient deshalb erneut mit dem Nanoaktivator behandelt werden.

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X.Mehrdeutigkeit (Polysemie) und Homonymie der Fremdwörter.

Vagheit der Bedeutung der Fremdwörter

Polysemie

Unter Polysemie versteht man das Vorhandensein mehrerer Bedeutungen zu einem Wort. Viele Fremdwörter sind mehrdeutig, z.B. Akt <lat.> der; 1. a) Vorgang, Vollzug, Handlung; действие, поступок; b) feierliche Handlung, Zeremoniell (z.B. in Zusammensetzungen: Staatsakt, Festakt) церемония. 2. Abschnitt, Aufzug eines Theaterstücks акт, действие. 3. künstlerische Darstellung des nackten menschlichen Körpers обнаженная натура.

Das Wort aus dem Lateinischen Kanon hat zwölf Bedeutungen, Periode – 10 Bedeutungen.

Die Fremdwörter können die Polysemie entwickeln. Das Wort Avatar ist z.B. mehrdeutig geworden. Es bedeutete menschgewordener Gott.

Die Neubedeutung ist virtueller Stellvertreter eines Internetnutzers.

Das Verb surfen hat neben der Bedeutung Surfing betreiben die Bedeutung im Internet nach Informationen suchen.

Auch ein schon mehrdeutiges Fremdwort kann neue Bedeutungen bekommen, z.B., das Wort Adresse hatte folgende Bedeutungen:

1.Angabe von jmds. Namen u. Wohnung, Anschrift.

2.schriftlich formulierte [politische] Meinungsäußerung, Willenskundgebung, die von einzelnen Personen od. Gruppen an das Staatsoberhaupt od. die Regierung gerichtet wird.

Die Neubedeutungen des Wortes sind:

1.E-Mail-Adresse

2.Internetadresse.

Homonymie

Die Fremdwörter weisen auch Homonymie auf. In der Sprachwissenschaft definiert man das Homonym als a) Wort, das ebenso wie ein anderes geschrieben und gesprochen wird, aber verschiedene Bedeutung hat und sich grammatisch, z.B. durch Genus, Plural, Konjugation, von diesem unterscheidet, z.B. der/das Gehalt; die Bänke/Banken; sieben (Verb)/sieben (Zahl); b) (früher) Wort, das ebenso wie ein anderes lautet und geschrieben wird, aber einen deutlich anderen Inhalt [u. eine andere Herkunft] hat, z.B. Schloss (Türschloss u. Gebäude) [GWDS DUDEN].

Man unterscheidet zwei Arten der Homonyme:

Homograph, auch: Homograf ist ein Wort, das sich in der Aussprache von einem anderen gleich geschriebenen unterscheidet, z.B. TenorHaltung neben Tenor hohe Männerstimme .