Das Fremdwort im heutigen Deutsch. Спецкурс по филологии для студентов III курса. Учебное пособие
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Nicht angeglichene Fremdwörter (oft aus dem bildungsoder fachsprachlichen Wortschatz) behalten ihre fremde Schreibweise bei; Substantive werden großgeschrieben:
Milieu, Jalousie, Moirì, Breakdance; Philosophie, polysynthetisch.
Das Gleiche gilt für reine Zitatwörter, die entweder sehr fachspezifisch sind oder kulturelle Einrichtungen, Ereignisse u. Ä. des Herkunftslandes bezeichnen. Sind sie im Deutschen weniger gebräuchlich, sollte man sie mit Anführungszeichen oder anderer Schriftart kenntlich machen; in diesem Fall bleibt die Kleinschreibung der Substantive erhalten:
Carnegie Hall, New Deal, High Church.
Wir wurden zu einem business lunch eingeladen. Es ist ein für die englische detective novel typisches Handlungsmuster.
Für die bislang besondere Schwierigkeiten bereitende Schreibung mehrgliedriger fremdwörtlicher Ausdrücke ist in neuer Rechtschreibung Folgendes zu beachten:
yBei mehrteiligen Substantiven werden das erste Wort sowie substantivische Bestandteile im Innern der Fügung großgeschrieben (sofern sie nicht ihrerseits Teile einer adverbialen Fügung sind); handelt es sich nicht um eine substantivische Fügung, so bleibt es bei der Kleinschreibung:
Cordon bleu, Status quo, Corpus Delicti, Eau de Toilette, Corned- Beef-Büchse.
de facto, a capella; De-facto-Anerkennung, A-capella-Chor.
yIn der Regel werden zusammengesetzte Fremdwörter in einem Wort geschrieben:
Bulldozer, Teamwork, Worldcup, Folksong, Brainstorming.
yIst der erste Bestandteil ein Adjektiv oder ein Partizip, so gilt neben der Zusammenschreibung auch die Getrenntschreibung:
Happyend / Happy End, Bluejeans / Blue Jeans, Cornedbeef / Corned Beef, Standingovations / Standing Ovations.
yAus Gründen der besseren Übersichtlichkeit oder zur Hervorhebung eines Bestandteils kann ein Bindestrich gesetzt werden:
Centrecourt / Centre-Court, Desktoppublishing / Desktop-Publis- hing.
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y Bei Fremdwörtern aus dem Englischen, die aus einem Verb und einer Präposition oder einem Adverb bestehen, wird die Bindestrichschreibung bevorzugt:
Break-down /Breakdown, Black-out / Blackout, Count-down / Countdown, Fall-out / Fallout, Feed-back / Feedback.
LITERATUR
Fremdwort // Duden. Bd. 9. Richtiges und gutes Deutsch. Mannheim, Wien, Zürich: Bibliographisches Institut, 1985. S. 260–263.
AUFGABEN
1. Welche Schreibweise der folgenden Fremdwörter wird bevorzugt?
Photograph oder Fotograf, Friseur oder Frisör, Bluse oder Blouse, Fassade oder Faзade, Likör oder Liqueur, Ghetto oder Getto.
2.Führen Sie Beispiele für die Eindeutschung der Schreibung von Fremdwörtern an.
3.Welche Fremdwörter behalten ihre fremde Schreibweise bei? Führen Sie Beispiele an.
4.Wie werden mehrgliedrige fremdwörtliche Ausdrücke geschrie-
ben?
5.Welche Schreibung wird bei Fremdwörtern aus dem Englischen, die aus einem Verb und einer Präposition oder einem Adverb bestehen, bevorzugt: Führen Sie Beispiele an.
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XV. Anglizismen in der Sprache der Werbung
Eine große Rolle spielen in der Werbung englische Slogans. Man schreibt sogar vom Denglisch in der Werbung. Um dies zu veanschaulichen, werden hier folgende Texte angeführt.
Komm rein und finde wieder raus
Von Jochen Leffers
Bei „Nothing between us“ oder „Come in and find out“ versteht der Durchschnittsdeutsche nur Railway Station, also wenig bis nichts. Bei Messungen des Hautwiderstands fand eine Dortmunder Diplomandin heraus, dass Werbung auf Englisch einfach nicht ankommt. Ihr Professor weiß das schon lange.
Anglizismen in der Werbung sind deutschen Konsumenten nicht nur oft unverständlich, sondern lassen sie auch kalt. Das hat die Dortmunder Statistikerin Isabel Kick in ihrer Diplomarbeit herausgefunden. Ihren Ergebnissen zufolge sollten Marketingprofis häufiger auf ihre gute alte Muttersprache zurückgreifen, statt das Publikum mit englischen Slogans zu piesacken.
Bei der Untersuchung testete Isabel Kick zehn Werbesprüche, indem sie den Hautwiderstand von 24 Probanden beim Abspielen maß – ganz ähnlich wie beim Lügendetektor. Deutlich stärkere Gefühlsreaktionen beobachtete sie bei den fünf deutschen Slogans. Dazu zählten „Wir sind da“, „Ganz schön clever“, „Wenn‘s um Geld geht“, „Geiz ist geil“ sowie „Wohnst du noch oder lebst du schon?“. Die beiden letzten Sprüche lösten die stärksten Reaktionen aus.
Ein paar englische Brocken reichen nicht
Dagegen perlten die englischen Werbetexte an den Teilnehmern meist ab. Getestet wurden „Fly high, pay low“, „Nothing between us“, „Designed to make a difference“, „Come in and find out“ und „Have a break, have a kitkat“.
An erster Stelle vermutet Isabel Kick schlichte Verständnisprobleme: „Eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Endmark zeigt, dass weniger als die Hälfte der Deutschen englische Werbesprüche richtig übersetzen können“, so die Diplomandin. Wenn sie schon nicht nicht korrekt verstanden wird, sollte englischsprachige Werbung wenigstens Aufmerksamkeit erregen, so ihre Arbeitshypothese. Doch die emotionale Bindung gelingt offenbar kaum.
Besonders groß waren die Unterschiede bei jungen Männern und älteren Frauen ohne Abitur – sie reagierten doppelt so heftig auf die
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deutschen Sprüche. Kick räumt allerdings ein, dass der Hautwiderstand allein noch nicht die Richtung der Reaktion zeigt: „Ob die Leute sich ärgern oder freuen, darüber kann ein Messgerät nichts aussagen.“
„Überleben Sie die Fahrt in unserem Auto“
Die Kölner Endmark AG hatte 2003 in einer repräsentativen Studie untersucht, ob englische „Claims“ überhaupt verstanden werden. Das Ergebnis verblüffte selbst eingefleischte Sprachpuristen: So scheiterten 85 Prozent der Befragten am kurzen Slogan „Be inspired“ (Siemens mobile), sogar 92 Prozent an „One Group. Multi Utilities” (RWE). Annähernd korrekt übersetzen konnte die Hälfte “Every time a good time” (McDonald’s) und “There’s no better way to fly” (Lufthansa).
Verheerend fiel der Test bei anderen Sprüchen aus. So übersetzten viele Teilnehmer den Slogan „Come in and find out“ (Douglas) mit „Komm rein und finde wieder heraus“ und „Drive alive“ (Mitsubishi) mit „Fahre lebend“ – das hatten die Unternehmen nun wirklich nicht gemeint. Auch kurios: Viele Zuschauer übersetzten das SAT.1-Motto „Powered by emotion“ mit „Kraft durch Freude“.
Die Dortmunder Diplomarbeit ist jetzt Wasser auf die Mühlen der deutschen Sprachschützer – kein Wunder, sie entstand am Lehrstuhl von Walter Krämer, der sich in seinem Einsatz für das Reinheitsgebot der deutschen Sprache nur ungern übertrumpfen lässt. Krämer ist Professor für Wirtschaftsund Sozialstatistik an der Universität Dortmund und seit Jahren Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache.
Diplom bei Walter Krämer, König der Sprachwächter
Im Internet führt der Club eine schier endlose Anglizismen-Liste, nennt die Homepage konsequent „Leitseite“ und versteigerte die deutsche Sprache im letzten Jahr symbolisch bei Ebay; beim Höchstgebot von zehn Millionen Euro wurde das Angebot aus dem Netz genommen. Auch einen „Sprachpanscher“-Preis lobt der Verein regelmäßig aus – und hat für dieses Jahr Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn ins Visier genommen, die ihren Wettbewerb für EliteUniversitäten „Brain up!“ nannte. Dass sich ganz schnell am Kopf stößt, wer sein Hirn zu schnell hebt, zeigte die Pressemitteilung einer Universität, die sich für Spitzenklasse hält: „Köln beteiligt sich am Brain ub“.
„Ein alberner Anglizismus und eine ärgerliche Flucht aus der deutschen Sprache“, zürnt der Vizevorsitzende Gerd Schrammen, „Engländer und Amerikaner lachen sich kaputt über den deutschen Drang zum Englischen.“ Wenn Bulmahn den Sprachpanscher-Preis gewinnt, hat sie allerdings keine Trophäe zu erwarten: „Früher haben
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wir mal eine Art Panschbesteck vergeben, diesmal gibt‘s nur Spott“, so der pensionierte Philologe in der „Jungen Karriere“.
Immerhin entdeckt der Verein in der Werbung inzwischen einen Trend weg vom hässlichen „Denglisch“, zum Beispiel bei McDonald‘s: Auf „Every time a good time“ ließen die Klopsbrater „Ich liebe es“ folgen. C & A wirbt statt mit „Fashion for Living“ jetzt mit dem Motto „Preise gut, alles gut“. Und Sat.1 wirbt für sein Programm künftig nicht mehr mit „Powered by emotion“, sondern mit „Sat.1 zeigt‘s allen“.
(Spiegel online)
Die deutsche Werbung spricht gern Englisch
Ernst Corinth 14.09.2003
Und der Konsument versteht meist Bahnhof: Wo Manni lebt!
Wenn ein Produkt irgendwie cool oder hip sein soll, dann wird bei uns fast schon zwanghaft Englisch gesprochen. Zumindest in der Werbung, die dann zu Slogans greift wie „Be inspired“ oder „Where money lives“. Ein Phänomen, das besonders in Deutschland ausgeprägt ist. So werden beispielsweise Passagiere auf dem Flughafen Madrid mit dem Spruch „Siemens – la fuerza de la innovacion“ konfrontiert, während die gleiche Firma auf dem Frankfurter Flughafen mit „Siemens – the force of innovation“ wirbt.
Dass dabei mancher Spruch inhaltlich eher schief liegt, scheint die PR-Sprücheschmiede nicht zu stören. Schließlich merken das nur Leute mit guten Sprachkenntnissen. Wohin diese Vorliebe fürs Englische jedoch führen kann, das zeigt eine Untersuchung der Kölner Endmark AG. Sie bat Leute aus der bekanntlich werberelevanten Gruppe der 14bis 49-Jährigen zwölf gerade aktuelle Werbeslogans zu übersetzen. Und siehe da: Mehr als die Hälfte verstanden zehn der englischen PRSprüche nicht. Selbst die kurze Aufforderung „Be inspired“ konnten gerade einmal 15 Prozent der insgesamt 1.100 Befragten korrekt übersetzen.
Ganz schlecht schnitt dabei der aktuelle Werbespruch des Stromlieferanten RWE „One Group. Multi Utilities“ ab. Nur acht Prozent konnten mit dieser doch recht kryptischen PR-Aussage etwas anfangen. Als besser verständlich erwiesen sich die Slogans der Imbisskette McDonalds („Every time a good time“) und der Lufthansa („There‘s no better way to fly“), die von immerhin rund der Hälfte der Befragten korrekt verstand wurde.
Lustig sind dagegen die dabei entstandenen Falschübersetzungen. So übersetzten einige der Befragten „Where money lives“ mit „Wo
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Manni lebt“ und andere den Slogan „Come in and find out“ mit „Komm herein und finde wieder heraus“. Und besonders große Ratlosigkeit hinterließ der Spruch einer Autofirma: „Drive Alive“. Darunter verstanden viele der Befragten nämlich „Fahre lebendig“. Was ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist.
(Spiegel online)
AUFGABEN
1.Finden Sie auf der Seite www.slogans.de englische Slogans und kommentieren Sie sie.
2.Lesen Sie die Slogans. Warum werden Sie falsch ins Deutsche übersetzt?
Jaguar XK / “Life by Gorgeous”
Orginalübersetzung: “Leben auf prächtig”
Übersetzungen der Befragten: “Leben in Georgien” / “Leben bei Georg” / “Leben wie George”
Centerparcs / “A State of happiness”
Orginalübersetzung: “Ein Zustand von Glückseeligkeit” Übersetzungen der Befragten: “ein Staat der Glücklichkeit” / “mit Glück Staat machen” / “statt happy zu sein”
Beck´s / “Welcome to the Beck´s experience”
Orginalübersetzung: “Willkommen beim Beck´s Erlebnis” Übersetzungen der Befragten: “Willkommen beim Beck´s Experiment”
Burger King / „Have it your way“
Orginalübersetzung: “Ganz nach Deiner Art”
Übersetzungen der Befragten: “Hast du deinen Weg?” / “Nimm’s mit auf den Weg!”
Mars / „One of life’s pleasures“
Orginalübersetzung: „Eine der Annehmlichkeiten des Lebens“ Übersetzungen der Befragten: “Ein Leben bitte!” / “Bitte, eins vom Leben” / “Ohne Leben bitte”
KIA / „The Power to Surprise“
Orginalübersetzung: “Die Kraft zu überraschen” Übersetzungen der Befragten: “die Überraschungsmacht” / “die Power-Überraschung” / “mit Strom überraschen”
Air Berlin / “Fly Euro Shuttle”
Orginalübersetzung: “Fliege das Euro-Shuttle”
Übersetzungen der Befragten: “der Euro Schüttel-Flug” / “Schüttel den Euro zum Fliegen”
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Vodafone / „Make the most of now“
Orginalübersetzung: “nutze den Moment”
Übersetzungen der Befragten: “mach meist nicht alles” / “mach’s meistens jetzt” / “mach keinen Most daraus”
BASE / „Freedom of speech“
Orginalübersetzung: “Redefreiheit”
Übersetzungen der Befragten: “Frieden der Geschwindigkeit” / “Rede in Frieden”
adidas / „Impossible is nothing“
Orginalübersetzung: “Nichts ist unmöglich”
Übersetzungen der Befragten: “imposant ist nichts” / “ein imposantes Nichts”
Ford / “Feel the difference”
Orginalübersetzung: “Erlebe den Unterschied”
Übersetzungen der Befragten: “fühle das Differenzial” / “viel Differenzial” / “ziehe die Differenz ab”
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XVI. Anglizismen in der Jugendsprache
Unter gruppenspezifischen Wortschätzen versteht man Sonderwortschätze verschiedener sozialer Gruppen einer Sprachgemeinschaft mit gemeinsamen Lebensbedingungen [Stepanowa, Černyševa 2003]. In den früheren Klassifikationen sind sie als Standessprachen (Jargons) bekannt, in jüngeren – als Gruppensprachen, Gruppenwortschätze, Soziolekte. Ihr Gerbrauch kennzeichnet den Sprecher als Angehörigen einer Interessen-, Freizeit-, Altersoder Organisationsgruppe.
Der Unterschied dieser gruppenspezifischen Lexik von den Fachwortschätzen besteht darin, dass sie expressive oder euphemistische Synonyme zu den bereits bestehenden Wörtern der Gemeinsprache darstellen.
Hauptmerkmale, die alle Gruppenwortschätze kennzeichnen, sind die Anschaulichkeit und Bildhaftigkeit der Wörter, die durch metaphorische Übertragung der gemeinsprachlichen Lexik entsteht. Das ist die Hauptquelle aller Gruppenwortschätze.
Ein viel umstrittenes Problem der gruppenspezifischen Lexik sind gewisse Eigenheiten des Wortschatzes der Jugendlichen. In der einschlägigen Literatur gibt es auch andere Bezeichnungen: Jugenddeutsch, Jugendjargon, Jugendslang, Teenagerdeutsch, Jugendsprache, Soziolekt der Jugendlichen u.a.
Die Besonderheit der Jugendsprache ist die Tatsache, dass sie sozial nicht gebunden und nicht beschränkt ist. Träger dieses Gruppenwortschatzes sind verschiedene Altersgruppen, sie umfassen Jugendliche im Alter von 14 bis 30 Jahren.
Th. Schippan gebraucht für diese Erscheinung den Terminus „Slang“ und führt die folgende Definition an, die von Lewandowski stammt: „Slang – der gruppenspezifische, burschikose, überexpressive und zugleich unterkühlte Wortschatz großstädtischer Jugend, in dem die Bereiche Geld, Mädchen, Sexualität, Musik, Polizei, Angst, Drogen und Tod besondere Metaphorik zeigen“ [Schippan 2002: 237]. Der jugendspezifische Wortschatz weist (laut meisten Untersuchungen) folgende Eigenheiten auf:
yder altersspezifische Aspekt,
yMittel der Identifizierung und Gegenüberstellung den Älteren,
ybewusst unterkühlt, originell und expressiv, was das Alltägliche der Sprache überwinden lässt,
yResultat der metaphorischen Bedeutungsübertragung der gemeinsprachlichen Lexik (Sekundärnomination), als auch des Entleh-
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nungspozesses aus anderen Gruppensprachen, Dialekten, Fremdsprachen oder der Wortbildung: Jazzbomber (Tänzer mit großer Ausdauer im Tanz), steiler Hirsch (Motorrad), Arie (unsinniges Gerede), Folterkammer (Turnhalle), Cash (Bargeld), Loser (Verlierer), skaten (skateboardfahren), cool (toll), alken (Akohol trinken), abgezopft (alt, unbrauchbar).
Die Jugendsprache ist der Jargon der Jugend. Jugendliche sprechen anders als Erwachsene, anders als ihre Eltern. Jugendsprachen kann man fast überall in der Welt beobachten, oftmals noch deutlicher ausgeprägt als in Deutschland. Beispielsweise sprechen die Jugendlichen in den Slums der Großstädte Kenias eine völlig neue Sprache, das sogenannte „Sheng“.
Die Jugendsprache ist stark veränderlich, denn die Originalität geht bald verloren. Die Jugendsprache braucht immer Steigerungswörter. Offenbar pflegen die sprachlichen Jugendkulturen eine Außenseite, die schockierend wirken soll.
In der modernen deutschen Jugendsprache werden viele Anglizismen gebraucht. Wir führen zu diesem Thema einen Auszug aus einem Interview des Direktors des Instituts für Deutsche Sprache Ludwig Eichinger für die „Süddeutsche Zeitung“ an.
Fragen zu Jugendsprache und Anglizismen beantwortet der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache Ludwig Eichinger.
Interview von Christopher Stolzenberg
sueddeutsche.de: Englische Wörter sind im Deutschen häufiger geworden. Ist das ein Fluch oder ein Segen für die Entwicklung der Sprache?
Eichinger: Der Wortschatz entwickelt sich auf zwei Wegen. Im Deutschen gibt es ja den Trick, zwei Wörter zusammenzusetzen und sich erst hinterher auszudenken, was das neue Wort wohl heißt. So wie bei dem Wort „Tierethik“. Zum anderen entlehnen wir Worte aus Sprachen, die man für kulturell und zivilisatorisch dominant hält. Und das ist im Moment das Englische. Entlehnungen sind unvermeidbar und wurden schon immer integriert, um die deutsche Sprache zu bereichern.
sueddeutsche.de: Ein Beispiel?
Eichinger: Nehmen wir das englische Wort „kids“. Es erlaubt uns, eine bestimmte Nuance zu beschreiben, nämlich über Halbwüchsige in ihrer modischen Lebenswelt mit einem passenden Wort zu reden. Das Wort „Kinder“ ist ja dadurch nicht verloren gegangen.
sueddeutsche.de: Und wenn man das Englische auf Deutsch übersetzte?
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Eichinger: Das gelingt gewiss nur dort, wo die entstehenden Begriffe nicht wörtlich verstanden werden. Nehmen wir das Beispiel „Pore“, das ein Fremdwort war. Man hat versucht, es im 17. Jahrhundert mit „Schweißloch“ zu übersetzen. Mal ehrlich, so genau möchten wir es doch gar nicht wissen. Und auch heute gilt, dass metaphorische Wortgebilde wie im Amerikanischen im Deutschen nicht so gängig sind. Daher sagen wir lieber Laptop als „Klapprechner“, was viel zu fachlich und zu wenig alltäglich klänge.
sueddeutsche.de: Die Jugendsprache ist also eine Weiterentwicklung und nicht etwa das Abgleiten in ein niederes sprachliches Niveau?
Eichinger: Richtig. Nur wenn ein Jugendlicher nicht mehr in der Lage ist, ohne einen verkürzenden und groben Jugendslang zu funktionieren, kann man davon ausgehen, dass er einer sozial schwachen Gruppe angehört. Die meisten Jugendlichen sind aber in der Lage, andere Varianten der Sprache zu produzieren.
sueddeutsche.de: Herr Eichinger, ist „Pulloverschwein“ eine Beleidigung?
Eichinger: Vermutlich nicht. Ich weiß es nicht. Vielleicht ein schmutziger Mensch im Pullover?
sueddeutsche.de: Ich verrate es Ihnen: So nennen einige Jugendliche heute ein Schaf. „Pulloverschwein“ hat sich laut Studien aus der Sprachforschung bisher nur unter Teenagern verbreitet. Welche Faktoren entscheiden darüber, ob sich ein Wort auch allgemein durchsetzt?
Eichinger: Das Beispiel beschränkt sich ja auf eine bestimmte Gruppe in der Gesellschaft. In der Jugendsprache dienen Wortbildungen häufig der Identifikation mit einer Gruppe. Wenn sie von der Allgemeinheit übernommen werden, sind sie nicht mehr so interessant und werden durch etwas anderes abgelöst. Um alltagssprachlich wirksam zu sein, ist „Pulloverschwein“ aber zu metaphorisch und zu unernst, als dass es in der normalen Sprache auf Dauer bestehen könnte.
sueddeutsche.de: Woran liegt es, dass sich das Wort „geil“ in fast allen gesellschaftlichen Schichten durchgesetzt hat?
Eichinger: Jugendsprache braucht ja immer Steigerungswörter. Als ich klein war, war „wahnsinnig“ sehr beliebt. Die Kritiker sagten damals: „Die Jugend hat nicht einmal vor den Geisteskranken Respekt!“ Heute ist beinahe alles „wahnsinnig schön“ und ist keineswegs provokant gemeint. „Geil“ ist eines der letzten Wörter dieser Art.
sueddeutsche.de: „Geil“ hatte ja ursprünglich eine andere Bedeutung.
