Das Fremdwort im heutigen Deutsch. Спецкурс по филологии для студентов III курса. Учебное пособие
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Das fremdwort im heutigen deutsch 51
VII. Bezeichnungsexotismen.
Exotismen in der Reiseliteratur
Eine besondere Gattung der Fremdwörter bilden die so genannten Bezeichnungsexotismen, fremde Wörter, die auf Sachen, Personen und Begriffe der fremdsprachlichen Umwelt beschränkt bleiben, wie Geisha, Bagno, Iglu, College. Man benutzt die Bezeichnungsexotismen nur zur Benennung der Gegebenheiten ihres Herkunftslandes.
Als sprachwissenschaftlicher Terminus bezeichnet der Exotismus eine Gruppe von Lehnwörtern, die Dinge und Gewohnheiten bezeichnen, die nur in der Kultur der Gebersprache verbreitet sind. Die Anwendung auch auf Realitäten der eigenen Kultur ist stets nur im übertragenen Sinne zu verstehen. Beispiele:
ypers. schah „Kaiser beziehungsweise König“ (der Schah von Bayern ist unmöglich);
yfinn. vappu „Fest des 1. Mai, das mit einem kollektiven Besäufnis und allem, was daraus folgt, gefeiert wird“;
yBerndeutsch Hornussen „Name einer Mannschaftssportart, die v.a. im westlichen Schweizer Mittelland verbreitet ist“.
Natürlich können Sachen und Gewohnheiten wandern und auch in fremden Umgebungen heimisch werden, vergleiche etwa die ursprünglichen Exotismen Sauna (aus dem Finnischen), Iglu (aus der Sprache der Inuit), Putsch (aus dem Schweizerdeutschen, wo in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Staatsstreiche an der Tagesordnung waren) (aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie).
In Bezug auf das Deutsche ist der Exotismus eine Bezeichnung für Dinge, Sachverhalte usw., die im deutschen Sprachraum nicht vorhanden sind und für die es keine Übersetzung bzw. Eindeutschung gibt
(z.B.: Reverend преподобный).
Im Deutschen sind z.B. folgende Wörter aus dem Russischen Bezeichnungsexotismen:
Balalaika, die; -, -s u. ...ken [russ. balalajka, H. u.]: dreisaitiges russisches Saiteninstrument mit meist dreieckigem Klangkörper und langem Hals. Das ist ein russisches Musikinstrument. Ein bekannter Bezeichnungsexotismus ist das Wort.
Samowar, der; -s, -e [russ. samovar, zu: sam = selbst u. varit' = kochen, eigtl. = Selbstkocher]: [köpferner] Kessel, in dem Wasser zur Zubereitung von Tee erhitzt u. gespeichert wird u. aus einem kleinen Hahn entnommen werden kann; russische Teemaschine. Die Definition russische Teemaschine zeigt, dass es sich dabei um eine russische Sache handelt, die man in Deutschland nicht benutzt.
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Matroschka, die; -, -s [russ. matröska, Vkl. von: mat‘ (Gen.: materi) = Mutter < lat. mater, Mater]: aus zwei Teilen zusammengesetzte Figur mit aufgemalter Darstellung einer weiblichen Person, die in ihrem hohlen Inneren mehrere kleinere Exemplare der gleichen Form in Größenabstufungen enthält; Puppe in der Puppe. Eine solche Puppe ist nur in Russland verbreitet.
Duma, die; -, -s [russ. duma, eigtl. = Gedanke, wohl aus dem Germ. (vgl. got. dom [Akk.] = Ruhm; Urteil)]:
1.Unterhaus im russischen Parlament.
2.(hist.) Rat der fürstlichen Gefolgsleute in Russland.
3.russische Stadtverordnetenversammlung von 1870 bis 1917.
4.russisches Parlament von 1906 bis 1917.
Russische Währungseinheiten Rubel und Kopeke gehören auch zu den Bezeichnungsexotismen im Deutschen.
Dafür sind die Wörter бундестаг, бундесрат, бундесгерихт,
бундесвер Bezeichnungsexotismen im Russischen.
Sowohl im Deutschen als auch im Russischen sind folgende Wörter Exotismen:
Kimono [ki‘mo:no, auch: ‚ki:mono, ‚´Í...], der; -s, -s [jap. kimono = Gewand]: langes, von einem Gürtel gehaltenes japanisches Kleidungsstück mit weiten, angeschnittenen Ärmeln.
Кимоно (яп.) – японская мужская и женская одежда вроде халата с очень широкими рукавами.
Sari, der; -[s], -s [Hindi sari < aind. sati = Tuch, Gewand]: aus einer kunstvoll um den Körper gewickelten Stoffbahn bestehendes Gewand der Inderin.
Сари (хинди) – женская одежда в Индии в виде куска ткани (длиной в 5–9 м), обертываемой вокруг тела и переброшенной через плечо (иногда набрасывается также на голову).
Akropolis, die; -, Akropolen [griech. akrуpolis]:
a) (in vielen griechischen Städten der Antike) auf einem Hügel oberhalb einer Stadt gelegene Burg; b) <o. Pl.> Burg oberhalb Athens.
Акрополь – укрепленная часть древнегреческого города, располагавшаяся обычно на холме.
Einige Wörter werden ausschließlich als Exotismen in beiden Sprachen gebraucht, z.B.:
Ranch [≤¤Æ¥É, auch: ≤°:Æ¥É], die; -, -[e]s [engl.-amerik. ranch < mex.- span. rancho = einzeln liegende Hütte, zu span. rancharse, ranchearse = sich niederlassen < frz. se ranger = sich aufstellen; sich häuslich einrichten]: (in Nordamerika u. Kanada) größerer landwirtschaftlicher Betrieb mit Viehzucht.
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Ранчо (испан.) – в Лат. Америке – усадьба; на западе США – скотоводческая ферма.
Oft werden die Exotismen auch im übertragenen Sinne gebraucht. Im Deutschen ist das Wort Bungalo kein Exotismus, wenn es ein Wohnhaus in Deutschland benennt (Bedeutung b) im Duden). In der ehemaligen DDR bezeichnete das Wort ein Wochenendhaus (Bedeutung c) im Duden). Und nur in der Bedeutung leichtes, ebenerdiges Wohnhaus in tropischen Gebieten ist es ein Exotismus:
Bungalow [‘¢äñß°¨Ø], der; -s, -s [engl. (angloind.) bungalow < Hindi bangla, zu: bangali = bengalisch, also eigtl. = (Haus) aus Bengalen]:
a)eingeschossiges Wohnhaus mit flachem od. flach geneigtem Dach: in einem B. wohnen;
b)leichtes, ebenerdiges Wohnhaus in tropischen Gebieten;
c)(DDR) kleines im Grünen gelegenes Wochenendhaus.
Im Russischen enthalten die Wörterbücher das Wort als Exotimus:
Бунгало – легкая загородная постройка с верандами в тропиче- ских странах, гл. обр. в Индии, Малайе.
Das Wort wird aber auch übertragen gebraucht. Es bezeichnet ein Haus auf dem Lande.
Die Exotismen bekommen oft verschiedene übertragene Bedeutungen in verschiedenen Sprachen, z.B. das Wort Gondel im Deutschen und гондола im Russischen:
Гондола (итал. gondola) – 1) одновесельная плоскодонная длин- ная венецианская лодка с каютой или спец. тентом для пассажи- ров, с поднятыми фигурными носом и кормой; 2) ав. подвешенная к оболочке аэростата или дирижабля кабина (первонач. – корзина) для экипажа, механизмов и т.д.; 3) ж.-д. саморазгружающийся по- лувагон, горизонтальный пол которого снабжен открывающимися люками для высыпания груза.
Gondel, die; -, -n [ital. gondola = kleines Schiff, aus dem Venez., H. u.]:
1.langes, schmales [zu einem Teil überdachtes] venezianisches Boot mit steilem, verziertem Vorder- u. Achtersteven, das im Stehen auf einer Seite gerudert wird.
2.an Ballon, Luftschiff, Seilbahn o. Ä. meist hängend befestigte Kabine, befestigter Korb o. Ä. zur Aufnahme von Personen, Lasten o. Ä.
3.Ampel (hängendes Gefäß für Topfpflanzen).
4.(landsch.) einem Hocker ähnlicher Stuhl mit niedrigen Armleh-
nen.
5.längerer, von allen Seiten zugänglicher Verkaufsstand in einem Kaufhaus.
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In der ersten Bedeutung ist das Wort in beiden Sprachen ein Exotismus. Es bezeichnet ein venezianisches Boot. In der zweiten Bedeutung wird das Wort auch im Deutschen und Russischen gebraucht. Die dritte Bedeutung als ein Fachwort im Russischen ist im Deutschen nicht üblich. Dafür hat das Wort im Deutschen noch drei Bedeutungen, die man im Russischen nicht kennt.
Vergleichen Sie auch die folgenden Wörter:
Safari <arab.> die; -, -s: a) (bes. in Ostafrika) längerer Fußmarsch [mit Trägern u. Lasttieren]; b) [Gesellschafts]reise (nach Afrika) mit der Möglichkeit, Großwild zu beobachten u. zu jagen.
Сафари – 1) заповедник в Африке, в котором разрешена охота на диких зверей; 2) охота в таком заповеднике; 3) одежда прямого покроя из легкой ткани с карманами и отстрочкой.
Die Exotismen kommen in Reisetagebüchern, in Büchern vor, die von Ereignissen in exotischen Ländern handeln. In der russischen Literatur wird das Kolorit des Nordkaukasus in den Werken von M. Lermontow und L. Tolstoj mit Hilfe von vielen Bezeichnungsexotismen wiedergegeben.
Viele Exotismen sind den Muttersprachlern nicht bekannt. Bei ihrer ersten Präsentation in Texten wird erklärt, was sie bedeuten. So wie die Bezeichnungen von russischen Musikinstrumenten im folgenden Text: «…der stimmgewaltige Chor von sechs erstklassigen Instrumentalisten. Die Besetzung: Balalaikas, Domras (die russische Mandoline) und ein Bajan (Knopfakkordeon). Mit unglaublich flinken Fingern spielten Alexander Martschaikovsky an der „ersten“ Balalaika und Sergej Lukin an der „ersten“ Domra die Zuhörer im Saal fast schwindlig.» (WELT 04.01.2001).
AUFGABEN
1: Was bedeuten folgende Wörter in Gebersprachen?
der Aga, die Bandura, der Bolero, der Dinar, das Go, die Gondoliera, der Harem, das Kabuki, der Kibbuz, das Minarett, der Mandarin, der Salsa, der Samurai, das Serail, der Sirtaki, der Sultan, das Sumo, der Turban, das Wadi, der Yen
2. Erklären Sie die Bedeutung folgender Bezeichnungsexotismen aus dem Russischen, z.B. die Balalaika – dreisaitiges russisches Saiteninstrument.
der Bolschewik, der Dekabrist, der Djak, die Duma, die Glasnost, die Gorodki, der Gulag, die Gusli, der Kasatschok, der KGB, der Kom-
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somol, der Kosak, das Kosmodrom, der Kosmonaut, der Kulak, der Kwass, die Matroschka, der Menschewik, die Oblast, die Okroschka, die Oladi, der Rubel, der Samowar, der Sputnik, der Subbotnik, die Troika, der Zar
3. Welche Begriffe und Realien der englischen Kultur bezeichnen folgende Wörter?
der Beefeater, der Butler, der Chartismus, der Diningroom, der Drawingroom, der Duke, die Guildhall, das Hurling, der Lord, die Ludditen, das Pound, der Sir, der Whig
4. Welche übertragene Bedeutung haben folgende Bezeichnungsexotismen im Deutschen?
die Donna, der Matador (Matadore des Wahlkampfes), die Miss (Miss Tagesschau), der Pascha
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VIII. Euphemistische Funktion der Fremdwörter (Karzinom – Krebs, Adipositas – Fettsucht). Fremdwörter zur Imagepflege. Angloamerikanismen als Prestigewörter (Manager, Publicity)
Unter einem Euphemismus versteht man eine beschönigende, verhüllende, mildernde Umschreibung für etwas Anstößiges oder Unangenehmes, z.B. heimgehen für sterben , Preisanpassung für Erhöhung der Preise , hochpreisig für teuer .
Eine besondere Rolle spielen dabei Fremdwörter. Th. Schippan macht darauf aufmerksam: „Fremdes Wortgut gewinnt, wenn es neben deutschen gleichbedeutenden Lexemen verwendet wird, zusätzliche Gebrauchseigenschaften. Das fremde Wortgut kann euphemistisch (verhüllend) gebraucht werden: korpulent statt dick, Suizid statt Selbstmord, es kann steigernd eingesetzt werden: apathisch statt teilnahmslos“ [Schippan 1992: 52].
Die Wissenschaftlerin schreibt über sprachliche Verhüllung: „Euphemistische Funktionen (verhüllen, aufbessern, verdecken) haben viele Wörter, die negative soziale Erscheinungen benennen. Auch die Gefährdung der Menschheit durch Umweltschäden kann sprachlich „verhüllt“ werden. Onomasiologische Felder mit Umwelt, Öko-, Bioentstehen: Bio-Äpfel, Bio-Kost. Aus der Werbesprache stammen ganze Reihen solcher Wörter: Bio-Reiniger, Bio-Waschmittel“ [Schippan 1994: 103–104].
Unter sprachlichen Euphemismen versteht man Euphemismen, die ein Bestandteil des Sprachsystems sind. Sie enthalten in Wörterbüchern die Markierungen verhüll., verhüllend und euphem. D. Schmelev hat geschrieben, dass sprachliche Euphemismen feste Umschreibungen sind, die lexikographisch fixiert sind. Im Sprachgebrauch kommen mildernde individuell-kontextuale Umschreibungen, die auch als Euphemismen betrachtet werden. Sie enstehen in der Kommunikation als okkasionelle verhüllende Bezeichnungen der unangenehmen negativen Erscheinungen [Шмелев 2009: 199–200].
Wir haben alle Euphemismen, die Fremdwörter sind, aus dem Duden ausgesucht. Im Synonymwörterbuch haben wir Synonymgruppen analysiert, die Erscheinungen bezeichnen, die euphemistische Umschreibungen einschließen.
Die meisten Euphemismen gehören zu onomasiologischen Feldern Prostitution, Sex und stammen aus dem Französischen: Etablissement, das; [frz.] (geh.): 2. c) (verhüll.) Bordell, tolerant <Adj.> [frz. < lat.]: 2. (ugs. verhüll.) in sexueller Hinsicht großzügig; den verschiedenen sexuellen Praktiken gegenüber aufgeschlossen; erotisch <Adj.> [frz. <
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griech.]: b) (verhüll.) sexuell: erotische Bedürfnisse; Erotik, die; – [zu erotisch]: b) (verhüll.) Sexualität.
Die Entlehnungen aus dem Französischen Massage î Hotelbilden Komposita, die eine euphemistische Funktion ertfüllen, darunter gemischte mit deutschen Stämmen: Massagesalon, der: 2. (verhüll.) einem Bordell ähnliche, meist nicht offiziell geführte Einrichtung, in der bes. masturbatorische Praktiken geübt werden; Massageinstitut, das: 2. (verhüll.) Massagesalon; Entspannungsmassage, die (verhüll.): Massage, die der sexuellen Befriedigung des Mannes dient; Stundenhotel, das (verhüll.): Hotel, in dem Paare stundenweise ein Zimmer mieten, um geschlechtlich zu verkehren.
Eine für die deutsche Gegenwartssprache typische Erscheinung ist der Gebrauch in der euphemistischen Funktion der Anglizismen: Hostess, die; [engl. < afrz. < lat.]: 3. (verhüll.) Prostituierte (bes. in Anzeigen). Claudia – Hostess mit Zeit und Charme; Liveshow, (auch:) Li- ve-Show, die: 2. a) (verhüll.) Vorführung sexueller Handlungen (in Nachtlokalen); b) Peepshow; Swinging, das; [engl.] (Jargon verhüll.): Gruppensex; swingen <V.> [engl.]: 2. (Jargon verhüll.) Gruppensex betreiben; Swinger, der; [engl.]: 2. (Jargon verhüll.): jmd., der swingt; high [®°Í] <Adj.> [engl.] (Jargon verhüll.) in euphorieähnlichem Zustand nach dem Genuss von Rauschgift; Mary Jane, das; [nach der Erklärung von Marihuana (engl. Mary) u. (engl. Jane)] (Jargon verhüll.)
Marihuana.
Einige Euphemismen sind Entlehnungen aus dem Italienischen und Lateinischen: Modell, das; [ital. zu lat.]: 2. d) (verhüll.) Hostess; Fotomodell, das: 2. (verhüll.) Prostituierte (bes. in Anzeigen); Cicisbeo, der; [ital.] (bildungsspr. verhüll.): Hausfreund; Domina, die; -, -s (verhüllend): Prostituierte, die sadistische Handlungen an einem Masochisten vornimmt; intim <Adj.> [lat.]: 2. (verhüll.): sexuell: intime Beziehungen mit jmdm. haben; mit jmdm. intim sein, werden (sexuell verkehren); гибридные композиты с этим компонентом: Intimleben, das (verhüll.): Sexualleben; Intimverkehr, der (verhüll.): Geschlechtsverkehr.
Nur ein Fremdwort ist ein religiöser Euphemismus, eine Umschreibung für des Wort Teufel: Vitzliputzli <nach dem aztekischen Stammesgott Huitzilopochtli> der: 2. (verhüllend) Teufel.
Im Duden sind die Fremdwörter nicht mit verhüll. markiert, die eine euphemistische Funktion in der Kommunikation erfüllen, z.B.:
Masseuse, die; [frz. masseuse]: 2. in einem Massagesalon arbeitende Prostituierte; Intimmassage, die – stimulierende Massage unter Einbeziehung der Geschlechtsteile.
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Im Duden wird darauf hingewiesen, dass man zwischen zwei Wörtern unterscheiden soll: Masseurin / Masseuse: „Beide femininen Bildungen zu Masseur konnten früher in gleicher Weise gebraucht werden. Heute hat sich die Form Masseurin ganz allgemein als Berufsbezeichnung durchgesetzt. Die Form Masseuse hat darüber hinaus auch die Bedeutung Prostituierte in einem Massagesalon [Duden, Bd. 4]. Im Internet gebraucht man öfter verhüllende Bezeichnungen ErotikMasseuse, erotische Masseuse.
Als Euphemismus für die Bezeichnung eines Bordells dient zur Zeit eine Bezeichnung, die lexikographisch nicht fixiert ist, Relax-Cen- ter, ein Kompositum, bei dem die erste Komponente auf das Verb relaxen – sich körperlich entspannen zurückführt. Ein neuer Euphemismus ist Gang-bang-party.
Im Fremdwörterbuch sind als Euphemismen folgende Wörter Cicisbeo, high, Liveshow, Lokalität, swingen, tolerant nicht markiert.
Wit haben noch Folgendes festgestellt Th. Schippan bemerkt: „Mit einem Fremdwort werden in euphemistischer Funktion die Krankheiten benannt. Statt von Fettsucht spricht man auch im Alltag von Adipositas, statt von Krebs von Karzinom, für Tuberkulose wird Tbc gesagt“ [Schippan 1992: 236]. Aber weder Adipositas noch Karzinom enthalten die Markierung verhüll. Sogar kein Fremdwort mit der Markierung verhüll. bezeichnet eine Krankheit.
Der häufige Gebrauch der Wörter in der euphemistischen Funk- tion führt dazu, dass dieses Wort mit der Zeit negartive Konnotationen der Wörter bekommt, die es ersetzt, und kein Euphemismus mehr ist. Es besteht die Notwendigkeit, neue Fremdwörter in der euphemistischen Funktion zu gebrauchen. Th. Schippan schreibt: „Ein neues Wort ersetzt als Euphemismus, als aufwertende Bildung, andere“ [Schippan 1992: 241]. In der Sprache entstehen ganze Synonymgruppen für die Bezeichnung einer Erscheinung: „Eine ständige Quelle neuer Synonyme sind euphemistische Umschreibungen. Da der verhüllende Charakter von Euphemismen verlorengehen kann, neue Hüllwörter benötigt werden, können Synonymgruppen entstehen“ [ebd. 213].
Steaven Pinker ist Autor der linguistischen Theorie, die Eu- phemismus-Tretmühle (engl. euphemism treadmill) heißt. Das Wesen dieser Theorie besteht in folgendem: «Jeder Euphemismus wird irgendwann die negative Konnotation seines Vorgängerausdrucks annehmen, solange sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht verändern» (wiki). Nur einige Wörter, vorwiegend in der Politik und Wirtschaft, dieser Theorie zuwider, erfüllen ihre euphemistische
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Funktion weiter, z.B. das Wort Konflikt wird statt Krieg seit Mitte der 90 -er gebraucht, aber es weniger negativ als Krieg (Kosovo-Kon-
flikt, früher Golfkrieg).
Die Theorie der Tretmühle wird durch Fremdwörter bestätigt. Man kann zusammenfassen, dass die Fremdwörter beim häufigen
Gebrauch in euphemistischer Funktion negative Seme bekommen. Als Euphemismen werden in Wörterbüchern solche Wörter markiert, die in der Kommunikation ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Als Euphemismen dienen beim Sprechen Neologismen., die in Wörterbüchern nicht fixiert sind.
Die Wörterbücher berücksichtigen nicht immer, dass Euphemismen in bestiimmten Diskursen gebraucht werden, z.B. in Inseraten, in vielen Situationen drückt man sich direkt aus.
LITERATUR
1.Pinker, Steaven. Euphemismus-Tretmühle // http://de.wikipedia.org/wiki/ Euphemismus-Tretmühle.
2.Schippan, Thea. Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache. – Tübingen, 1992.
2.Шмелёв Д. Н. Современный русский язык. Лексика. – М.: Либроком, 2009.
ANHANG
LEXIKON DER FREMDWÖRTER
IN DER EUPHEMISTISCHEN FUNKTION
Alkoholproblem, das; (verhüll.): Alkoholismus: sie hat Alkoholprobleme
(ist alkoholsüchtig).
ästhetisch <Adj.>:
1.den Gesetzen der Ästhetik entsprechend, gemäß.
2.stilvoll, schön, geschmackvoll, ansprechend: sein Aussehen war nicht
gerade ästhetisch. (verhüll.; war abstoßend, unappetitlich).
Bacchus [‚¢°∏ä≥, österr. auch: ‚¢°´ä≥; lat. Bacchus < gr. Bбkchos] (griech.- röm. Myth.): Gott des Weines: *[dem] Bacchus huldigen (geh. verhüll.; Wein trinken).
Bombe, die; -, -n [frz. bombe < ital. bomba < lat. bombus = dumpfes Geräusch < griech. bуmbos]:
mit Sprengstoff gefüllter u. mit einem Zünder versehener länglicher Hohlkörper aus Metall, der als Sprengkörper (von Flugzeugen abgeworfen bzw. an od. in bestimmten Objekten versteckt) bei der Explosion schwere Zerstörungen hervorruft: die Bombe (verhüll.; Atombombe) schafft ein Gleichgewicht des Schreckens.
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Cicisbeo [¥É©¥ÉÍ≥‘¢•:Ø], der; -[s], -s [ital. cicisbeo, viell. lautm.] (bildungsspr. verhüll.): Hausfreund.
Entspannungsmassage, die (verhüll.): Massage, die der sexuellen Befriedigung des Mannes dient.
Erotik, die; – [zu erotisch]:
a) den geistig-seelischen Bereich einbeziehende sinnliche Liebe, Liebes-, Geschlechtsleben; b) (verhüll.) Sexualität: die billige Erotik eines Films.
erotisch <Adj.> [frz. ìrotique < griech. erotikуs, zu: ìros, 2Eros]:
die Liebe in ihrer [ästhetisch-]sinnlichen Anziehungskraft betreffend:
(verhüll.) sexuell: erotische Bedürfnisse.
Etablissement [...≥Ÿ‘г:, schweiz.: ...‘¤Æ¥], das; -s, -s u. (schweiz.:) -e [...‘¤Æ¥Ÿ; frz. ìtablissement] (geh.):
1.Unternehmen, Niederlassung, Geschäft, Betrieb, Einrichtung.
2.a) gepflegte [kleine] Gaststätte;
b)Vergnügungsstätte, [zweifelhaftes] [Nacht]lokal;
c)(verhüll.) Bordell.
Euthanasie, die; – [griech. euthanasнa = leichter Tod, zu: eu = gut, wohl
u. thбnatos = Tod]:
1.(Med.) a) Erleichterung des Sterbens, bes. durch Schmerzlinderung mit Narkotika; b) absichtliche Herbeiführung des Todes bei unheilbar Kranken durch Medikamente od. durch Abbruch der Behandlung.
2.(nationalsoz. verhüll.) systematische Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen.
Faktum, das; -, ...tümer [1Faktum; wohl verhüll. Gebrauch] (Gaunerspr.):
Beute, Diebesgut.
Fotomodell, das:
1.fotogene Person, die als Modell für [Mode]fotos od. Kurzfilme tätig ist
(Berufsbez.).
2.(verhüll.) Prostituierte (bes. in Anzeigen).
Götz: in der Fügung Götz von Berlichingen (salopp verhüll.; lass mich in Ruhe!; nach dem Götzzitat).
Grazie, die; -, -n <meist Pl.> (röm. Myth.): eine der drei Göttinnen der Anmut: die drei Grazien; R die Grazien haben nicht an seiner, ihrer Wiege gestanden (scherzh. verhüll.: er, sie ist nicht hübsch).
high [®°Í] <Adj.> [engl. high, eigtl. = hoch] (Jargon verhüll.): in euphorieähnlichem Zustand nach dem Genuss von Rauschgift: er hatte einen Joint geraucht und war high; Ü wir waren alle echt high (ugs.; in euphorischer Stimmung).
Hostess [auch: ‚'– –], die; -, -en [engl. hostess, eigtl. = Gastgeberin < afrz. (h) ostesse, w. Form zu: (h)oste < lat. hospes (Gen.: hospitis), Hospital]:
1.junge weibliche Person, die auf Messen, bei Reisebüros, in Hotels o. Ä. zur Betreuung, Begleitung od. Beratung der Gäste, Besucher, Reisegruppen o. Ä. angestellt ist.
2.Angestellte einer Fluggesellschaft, die im Flugzeug od. auf dem Flugha-
