Добавил:
Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:

Das Fremdwort im heutigen Deutsch. Спецкурс по филологии для студентов III курса. Учебное пособие

.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
12.08.2026
Размер:
1 Мб
Скачать

Das fremdwort im heutigen deutsch 21

III. Grammatische Einfügung der Fremdwörter

in das deutsche Sprachsystem: Schwankungen hinsichtlich des Genus (der oder das Curry) und des Plurals (die Poster oder die Posters), Doppelformen (Atlas/Atlanten, Atlasse).

Besonderheiten der Deklination und der Pluralbildung.

(der folgende Text ist der unten angegebenen Quelle entnommen)

Genus. Festlegung des Genus eines Fremdwortes

Für die Festlegung des Genus eines Fremdwortes im Deutschen gibt es keine feste Regel. Bestimmend sind vor allem zwei Faktoren:

1.Das Genus des deutschen Übersetzungswortes bzw. eines sinnverwandten deutschen Wortes:

das Chanson (franz. la chanson) nach das Lied; das Souvenir (franz. le souvenir) nach das Andenken; die Highsociety nach die Gesellschaft; der Star Berühmtheit nach der Stern.

2.Die Bildungsweise des Wortes. Es besteht die Tendenz, allen Wörtern mit derselben Endung auch das gleiche Genus zu geben:

-age: die Menage, Kartonage, Jumelage usw.; -ing: das Happening, Aquaplaning usw.; -ion: die Eskalation, Diversifikation, Frustration usw. [Duden. Bd. 9. Richtiges und gutes Deutsch 1985: 263].

Genusschwankungen

Bei einer Reihe von Fremdwörtern lassen sich für die Festlegung des Genus jedoch weder formale noch inhaltliche Kriterien ermitteln; daraus ergeben sich dann häufig Unsicherheiten im Artikelgebrauch

(die / der [?] Couch, der / die / das [?] Joghurt, der / das [?] Dschungel).

Genusschwankungen treten auch dann auf, wenn es zwei sinnverwandte deutsche Wörter mit verschiedenem Genus gibt (z.B. der oder das Match nach der Wettkampf oder das Wettspiel) oder wenn Zweifel bestehen, ob man das fremde Genus beibehalten oder das des entsprechenden deutschen Wortes wählen soll. So heißt es trotz des französischen Femininums la place neben die Place de la Concorde auch der Place ... nach der Platz. Ähnlich: die Banco di Credito nach die Bank neben der Banco

... nach dem italienischen Maskulinum il banco [ebd.: 263].

Bei den Genusschwankungen sollte man die Besonderheiten des Wortgebrauchs berücksichtigen. Dabei kann der eine oder der andere Artikel bevorzugt werden, z.B. der Dschungel wird häufiger als das Dschungel gebraucht: Dschungel, der, selten: das; -s, -.

In Österreich und in der Schweiz kann der eine Artikel dem anderen vorgezogen werden, z.B.: Bonbon [¢‘ñ'¢‘ñ, auch: bo'bo: (österr. nur

22 Das fremdwort im heutigen deutsch

so)], der od. (österr. nur:) das; -s, -s; Joghurt (auch:) Jogurt, der od. (bes. österr.:) das; -[s], (Sorten:) -[s], (ugs. u. österr., bes. wiener.) auch: die; -, -[s]; Sakko [österr.: -‘-], der, auch, österr. nur: das; -s, -s [italienisierende Bildung zu Sack]; Couch [´°μ¥É], die; -, -s, auch: -en, schweiz. auch: der; -s, -[e]s.

In einigen Fällen hängt der Artikelgebrauch davon ab, ob das Wort in der Allgemeinsprache oder in der Fachsprache gebraucht wird, z.B.: Filter, der, fachspr. meist: das; -s, -; Virus, das, außerhalb der Fachspr. auch: der; -, Viren.

Deklination. Starke oder schwache Deklination

Manche Fremdwörter können im Singular wie im Plural sowohl stark als auch schwach dekliniert werden:

des Papageis / Papageien, die Papageie / Papageien; des Tribuns / Tribunen, die Tribune / Tribunen; des Magnets / Magneten, die Magnete / Magneten.

Der Plural der Fremdwörter hat vielfach zwischen der starken und schwachen Deklination geschwankt bzw. tut das noch heute (die Atlasse / Atlanten, die Globusse / Globen, die Fasane / Fasanen). Bei anderen alten Schwankungsfällen (die Synonyme / Synonymen, die Kataloge / Katalogen) ist heute die starke Deklination vorherrschend geworden (die Synonyme, die Kataloge). Wieder andere Wörter verbinden mit den verschiedenen Pluralformen auch verschiedene Bedeutungen (die Effekte Wirkungen / die Effekten Wertpapiere, Besitzstücke ) [ebd.: 264].

Nicht anerkannte Unterlassung der Deklination bei schwach gebeugten Wörtern

Es besteht eine starke Neigung, bei schwach gebeugten maskulinen Substantiven im Dativ und Akkusativ Singular die Deklinationsendung abzuwerfen und die Substantive dadurch zu starken zu machen:

den Gendarm (Fallada; statt: den Gendarmen), den Kurfürst (W. Schäfer; statt: den Kurfürsten).

Die starken Formen werden dann auch auf den Genitiv übertra-

gen:

mit des Markgrafs (statt: des Markgrafen) Weib (G. Hauptmann). Hier handelt es sich also nicht nur um Unterlassung der Beugung, sondern um einen Wechsel der Deklinationsklasse, der aber fast ausschließlich den Singular betrifft. Im Plural bleiben diese Substantive

schwach [ebd.: 689].

Das fremdwort im heutigen deutsch 23

Es folgt eine Liste der Fremdwörter, bei denen der Deklinationswechsel nicht anerkannt ist.

des Automats, dem, den Automat statt: des Automaten, dem, den Automaten; des Barbars, dem, den Barbar statt: des Barbaren, dem, den Barbaren; dem, den Brillant statt: dem, den Brillanten; dem, den Diplomat statt: dem, den Diplomaten; des Elefants, dem, den Elefant statt: des Elefanten, dem, den Elefanten; dem, den Exponent statt: dem, den Exponenten (представитель); dem, den Fotograf statt: dem, den Fotografen; dem, den Gendarm statt: dem, den Gendarmen; dem, den Gnom statt: dem, den Gnomen; dem, den Kamerad statt: dem, den Kameraden; des Komets, dem, den Komet statt: des Kometen, dem, den Kometen; dem, den Konkurrent statt: dem, den Konkurrenten; des Lakais, dem, den Lakai statt: des Lakaien, dem, den Lakaien (лакей); des Leopards, dem, den Leopard statt: des Leoparden, dem, den Leoparden; dem, den Militarist statt: dem, den Militaristen; dem, den Obelisk statt: dem, den Obelisken; dem, den Patient statt: dem, den Patienten; des Planets, dem, den Planet statt: des Planeten, dem, den Planeten; dem, den Polizist statt: dem, den Polizisten; des Soldats, dem, den Soldat statt: des Soldaten, dem, den Soldaten; des Vagabunds, dem, den Vagabund statt: des Vagabunden, dem, den Vagabunden.

Bei einer Reihe von Fremdwörtern wird die Deklination häufig unterlassen, wenn sie als Rangbezeichnung, Titel oder Berufsbezeichnung, und in diesen Fällen oft in Verbindung mit dem Namen, gebraucht werden:

dem, den Architekt statt: dem, den Architekten; dem, den Dirigent statt: dem, den Dirigenten; dem, den Dozent statt: dem, den Dozenten; dem, den Dramaturg statt: dem, den Dramaturgen; dem, den Drogist statt: dem, den Drogisten (торговец аптекарскими товарами); dem, den Fabrikant statt: dem, den Fabrikanten; dem, den Intendant statt: dem, den Intendanten; dem, den Jurist statt: dem, den Juristen; dem, den Kommandant statt: dem, den Kommandanten; dem, den Komponist statt: dem, den Komponisten; dem, den Patriarch statt: dem, den Patriarchen; dem, den Fotograf statt: dem, den Fotografen; dem, den Präsident statt: dem, den Präsidenten; dem, den Superintendent statt: dem, den Superintendenten; dem, den Zar statt: dem, den Zaren [ebd.: 690].

In Verbindung mit dem Artikel und dem Namen:

dem Fabrikant Meier statt: dem Fabrikanten Meier; für den Präsident Müller statt: für den Präsidenten Müller.

Diese Unterlassung der Deklination ist nicht korrekt. Nur wenn kein Artikel vor dem Titel oder der Berufsbezeichnung steht, unterbleibt die Beugung heute mit Recht:

24 Das fremdwort im heutigen deutsch

Einstimmig haben ... der Theater-, Kulturund Personalausschuss einer Verlängerung der Verträge von Intendant Ernst Dietz und Operndirektor Horst Stein ... zugestimmt (Mannheimer Morgen). ... die Einschaltung von Bundestagspräsident Gerstenmaier gefordert (Mannheimer Morgen).

Dagegen heißt es, wenn Herrn vorausgeht:

des, dem Herrn Fabrikanten [Meier]; des, dem Herrn Prokuristen Schmidt,

und ohne Namen nur:

Der Plan ist vom Architekten geändert worden. Eine Anfrage beim Intendanten ergab, dass ... [ebd.: 691].

Nicht anerkannte Unterlassung der Deklination bei stark gebeugten Wörtern

Bei mehreren Fremdwörtern wird das Genitiv-s fälschlich weggelassen, obwohl es standardsprachlich stehen muss:

Häufig wird bei Fremdwörtern, die als Namen, Gattungsnamen oder Fachwörter gebraucht werden, die Deklination unterlassen:

des Barock, des Dativ, des Dynamo, des Enzian, des Festival, des Film, des Jasmin, des Indiz, des Islam, des Kaffee, des Komitee, des Parterre, des Radar, des Smaragd, des Vitamin u. v. a.

Besonders die auf Zischlaut endenden Fremdwörter stehen oft ohne Genitivendung, obwohl diese standardsprachlich stehen muss:

eines kleinen Strauß (= Vogel); des Gulasch; des Proporz [ebd.: 691].

Fremdwörter auf -or, -ismus, -us

Unsicherheit in der Deklination besteht bei den zahlreichen Fremdwörtern mit der Endung -or. Werden sie auf der vorletzten Silbe betont, gehören sie zur gemischten Deklination, werden also im Singular stark und im Plural schwach dekliniert: der Autor, des Autors, dem, den Autor;

Plural: die, der, den, die Autoren. Werden sie jedoch auf der letzten Silbe betont, hat auch der Plural starke Formen: der Major, des Majors, dem, den Major; Plural: die Majore, der Majore, den Majoren, die Majore.

Die Fremdwörter auf -ismus und (bis auf wenige Ausnahmen) -us werden im Singular nicht dekliniert:

des Egoismus, Imperialismus, Dualismus; des Rhythmus; (aber:) des Omnibusses [ebd.: 264].

Genitiv und Dativ Singular

Bei seltener gebrauchten stark deklinierten Fremdwörtern wird das Genitiv-s häufig weggelassen (besser ist die Form mit -s: die Schrei-

Das fremdwort im heutigen deutsch 25

bung des griechischen Beta[s]). Endet das Fremdwort auf -s, -ß, -x oder

-st, dann wird der Genitiv nur bei Eindeutschung mit -es gebildet: des Prozesses, Komplexes. In anderen Fällen stehen eingedeutschte gebeugte Formen neben ungebeugten: des Atlas / Atlasses, des Globus / Globusses.

Ein Dativ-e haben Fremdwörter im Allgemeinen nicht (dem Omnibus, dem Team) [ebd.: 264].

Besonderheiten der Pluralbildung

Viele Fremdwörter haben dieselben Pluralendungen wie deutsche Wörter:

-e: die Plurale, Telefone; -(e)n: die Instanzen, Nationen; -er: die Hospitäler, Regimenter; -s: die Haziendas, Metros.

Andere weisen Ersatz der fremden durch eine deutsche Pluralendung auf:

Museum – Museen, Firma – Firmen, Praxis – Praxen, Spirans – Spiranten.

Manche Fremdwörter haben auch ihre fremden Endungen bewahrt:

Appendix – Appendizes, Frater – Fratres, Cello – Celli.

Bei Fremdwörtern aus dem Englischen, die auf -y enden, gilt in neuer Rechtschreibung nur noch die Pluralbildung durch Anhängen von -s:

die Ponys, die Partys, die Babys.

(Bei Zitatwörtern gilt die englische Schreibung, z.B. Grand Old Ladies).

An eine fremde Pluralendung sollte man nicht noch eine deutsche anfügen:

die Soli, Kolli, Porti, Divertimenti (nicht: Solis, Kollis usw.); die Themata, Lexika (nicht: Thematas, Lexikas).

Schließlich kommen (besonders bei weitgehend eingedeutschten Fremdwörtern) Doppelformen vor:

die Themen / Themata, die Synonyme / Synonyma, die Ballons / Ballone, die Balkons / Balkone.

Speziell die Fremdwörter auf -ma werden im Plural gewöhnlich schwach dekliniert: Dramen, Dogmen, Themen; es kommen jedoch auch (starke) s -Formen (Kommas, Aromas) oder fremde Endungen vor

(Kommata, Aromata, Themata).

Zum Plural der Fremdwörter auf -al vgl. die Stichwörter (Admiral, Choral usw.) [ebd.: 265].

26 Das fremdwort im heutigen deutsch

LITERATUR

Duden. Bd. 9. Richtiges und gutes Deutsch. Mannheim, Wien, Zürich: Bibliographisches Institut, 1985.

ANHANG

Bastian Sick.

Visas – die Mehrzahl gönn ich mir

Sind Antibiotikas schädlich? Lohnen sich Praktikas? Was man nicht selber weiß, das muss man sich erklären. Oder man schlägt‘s in Lexika nach. Viele kennen sich im Einzelfall nicht aus, und erst recht nicht mit der Mehrzahl.

Neulich im Cafe, Mutter und Tochter bringen sich bei Schokosahnetorte mit Schlag (Mutter) und Vollkorn-Möhrenkuchen (Tochter) auf den neuesten Stand der Dinge. Die Mutter löst vier Stück Würfelzucker in ihrem Tee auf und sagt: »Ach, ihr wollt in die Türkei? Na ja, machen ja viele in letzter Zeit. Die Hotels sollen ja auch ganz anständig sein. Aber sag mal, Kleines, die Türkei ist ja nicht EU, braucht ihr denn da keine Visas?«

Da war es wieder, dieses Wort mit der doppelten Pluralendung. Nicht erst seit PISA leidet Deutschland am Visa. Die massive Werbung der gleichnamigen Kreditkarte hat offenbar dafür gesorgt, dass die Einzahl Visum weiträumig in Vergessenheit geraten ist. So steht dem »Veni, vidi, vici!« (Ich kam, sah und siegte) des humanistisch gebildeten Einzelfalls heute das »Visums, Visas, Visi?« der orientierungslosen Mehrheit gegenüber.

Ganz betroffen sind wir auch von all den vielen »Praktikas«, die junge Menschen heute absolvieren müssen, um herauszufinden, was sie später definitiv nicht machen wollen. Immer mehr Musiker spielen gerne »Solis«, und mit erschreckender Geschwindigkeit machen vertrauliche »Internas« die Runde.

Kann man es den Deutschen aber überhaupt zum Vorwurf machen, wenn sie Fremdwörter falsch benutzen? Immerhin hat Mutti im Cafe doch gewusst, dass man an Wörter, die mit einem Vokal enden, ein -s anhängen muss, um die Mehrzahl zu bilden. So wie bei Galas, Omas, Kobras und Zebras. Woher soll sie wissen, dass die Endung -a in diesem Fall bereits die Pluralform markiert? Muss man das kleine Latinum gemacht haben, um mitreden zu können? Der Umgang mit Fremdwörtern stellt die Deutschen immer wieder vor große Herausforderungen. Erstens gilt es in Erfahrung zu bringen, was das fremde Wort genau bedeutet: (Visum = Einoder Ausreiseerlaubnis, Sichtvermerk im Reisepass). Dann ist es nützlich zu wissen, wie man es richtig ausspricht (»Wiesumm«). Und schließlich soll man es noch korrekt beugen und in die Mehrzahl bringen können: des Visums, mit den Visa oder Visen...

Das fremdwort im heutigen deutsch 27

Schon gibt es Menschen, die meinen, das Visa-Prinzip begriffen zu haben, und sich anschicken, andere Begriffe nach demselben Prinzip in die Mehrzahl zu wuchten: Da werden aus einem »Universum« plötzlich mehrere »Universa«. So heißen vielleicht Sportvereine und Versicherungen, aber auf Deutsch spricht man nach wie vor von Universen, daran hat sich auch durch die Rechtschreibreform nichts geändert.

Und dann gibt es Menschen, die sich immer wieder freiwillig in die Quadratur des Kreises verbeißen, indem sie versuchen, von ohnehin schon unbequemen Fremdwörtern auch noch die Mehrzahl zu bilden.

»Wie lautet der Plural des Wortes Lapsus?«, will ein Kollege von mir wissen, »Lapsi? Lapsusse?« Da ich weiß, dass ihn die Antwort nicht zufrieden stellen wird, empfehle ich ihm, es mit einem anderen Wort zu probieren. »Dann nehme ich Fauxpas«, sagt er, »wie lautet da die Mehrzahl?«

Ähnlich harte Nüsse haben Menschen aus der IT-Branche zu knakken, die immer wieder aus heiterem Himmel in Notsituationen geraten, in denen sie Wörter wie Status und Modus in die Mehrzahl zwängen wollen.

Der Plural des lateinischen Wortes Status lautet Status, mit langem u. Und die deutsche Sprache sieht keine anders lautende Nebenform vor. Also: zwei Status, wie auch zwei Lapsus.

Der Drang der deutschen Zunge, an die Endung noch ein -se anzuhängen, ist kaum zu bezähmen. So gibt es im gesprochenen Deutsch jede Menge »Lapsusse« und »Statusse«, die nicht mit dem Lateinischen konform gehen, aber immerhin in Analogie zu einem berühmten Fall aus der Pflanzenwelt gebildet scheinen: Kaktus, Kaktusse.

Sagte ich gerade Kaktusse? Es heißt natürlich Kakteen, wie jeder weiß. Mit den Analogien ist das so eine Sache. Im Moment blühen übrigens gerade die Krokeen – ganz entzückend sieht das aus, diese vielen kleinen orange und violetten Blüten...

Status und Lapsus gehören übrigens in eine Reihe lateinischer Lehnwörter, die zwar im Singular auf -us enden, im Plural dann aber wider Erwarten kein -i bekommen. Das Lateinische unterscheidet fünf Deklinationstypen, und am tückischsten ist der vierte, die so genannte u-Deklina- tion. Zu ihr gehören auch der Passus und der Turnus.

Ein angehender Medizinstudent wollte von mir wissen, wie die Mehrzahl von Exitus lautet. »Als Arzt muss man doch -leider – auch immer mal den Exitus eines Patienten feststellen. Wenn man nun mehrere >Exitusse< benennen will, wie sagt man dann richtig: Exiti?« – Nein, antwortete ich ihm, Exiti heißt es nicht, auch nicht Exits, das sind die Ausgänge im Englischen. Tatsächlich zählt Exitus zur Gruppe der unzählbaren Hauptwörter, also zu jenen, von denen sich gar keine Mehrzahl bilden lässt. Der Plural von Exitus lautet Todesfälle, sagte ich. Das klingt zwar nicht so gelehrt, wie es die Mediziner lieben, aber dem Tod ist es egal, ob man ihn auf Deutsch oder Latein anredet.

28 Das fremdwort im heutigen deutsch

Chaos, Chaosse oder Chaoti? Noch so ein unzählbarer Fall: Kann es mehr als ein Chaos geben? Nehmen wir nur mal das Chaos auf meinem Schreibtisch im Büro und dann das bei mir zu Hause, das wären schon mal zwei. Und wenn man sich ein bisschen umblickte, fände man bestimmt noch weitere. Eine Mehrzahlform für Chaos sieht unsere Sprache trotzdem nicht vor.

Damit zurück ins Cafe. Dort ist die Mutter inzwischen beim dritten Stück Torte und ihrem Lieblingsthema Gesundheit angelangt. »Ich war gestern beim Arzt«, stöhnt sie, »der hat mir wieder ein Antibiotika verschrieben. Dabei ist doch genug davon im Schweinefleisch. Die pumpen die armen Viecher doch voll mit ihren Pharmakas. «Die Tochter, ernährungsbewusste Chemielaborantin, blickt ihre Mutter voller Mitleid an und sagt: »Es heißt Pharmaka. Und Antibiotikum. Antibiotika ist die Mehrzahl!« – »Mehr zahlen muss ich außerdem dafür«, erwidert die Mutter und setzt noch einen beliebten Plural obendrauf:»Volle zehn Euros!«

Wenn Fremdwörter sich lange genug im Land aufhalten, werden sie irgendwann nicht mehr als fremd empfunden. Den häufig gebrauchten Wörtern gelingt es in der Regel, sich zu assimilieren: Sie nehmen deutsche Schreibweisen an und erhalten deutsche Endungen. Das lateinische Wort »focus« (das ursprünglich »Herd«, »Feuerstelle« bedeutete) ist im Deutschen zum Fokus (= Brennpunkt) geworden, die Mehrzahl, die im Lateinischen noch »foci« lautet, heißt im Deutschen Fokusse. Der Plural des berühmten Kommas darf sich neben der wissenschaftlichen Form »Kommata« langst Kommas nennen, und »mehrere Atlanten« sind auf Deutsch inzwischen auch als »mehrere Atlasse« zu haben.

Manche Fremdwörter assimilieren sich sogar doppelt, sodass sie am Ende mehrere gültige deutsche Formen vorweisen können: So erging es zum Beispiel der Pizza, die analog zu anderen mit einem Vokal endenden Wörtern wie Auto, Kino, Tipi, Lady, Rikscha zunächst ein Plural-s erhielt. Es zeigte sich, dass die Deutschen derart vernarrt in die Pizza waren, dass das Wort einen weiteren Anpassungsschritt vollzog. Die Mehrzahl erhielt eine typisch deutsche Endung auf -en, wie man sie von Frauen, Herren, Affen und Läusen kennt. Seitdem schwirren die beliebten »Mafiatorten« bei uns sowohl als Pizzas als auch als Pizzen herum.

Problematische Fremdwörter in Einzahl und Mehrzahl

Agenda дела, подлежащие исполнению

Agenden

Album

Alben

Antibiotikum

Antibiotika

Apostroph

Apostrophe

Atlas

Atlanten, Atlasse

Causa

Causae

 

Das fremdwort im heutigen deutsch 29

Chaos

-(unzählbar)

Corpus Delicti состав преступления

Corpora Delicti

Datum

Daten

Dementi опровержение

Dementis

Exitus смертельный исход

-(unzählbar)

Fauxpas нарушение приличий

Fauxpas

Forum

Foren, Fora (lat.)

Genus

Genera

Globus

Globen, Globusse

Grand Prix

Grands Prix

Humus перегной

-(unzählbar)

Index

Indizes, Indexe

Internum внутреннее дело

Interna

Kaktus, Kaktee

Kakteen

Kasus

Kasus

Klima

Klimata, Klimas (selten), Klimate (fachspr.)

Kodex

Kodizes, Kodexe

Komma

Kommata, Kommas

Lapsus

Lapsus

Lexikon

Lexika, Lexiken

Liga

Ligen

Modus

Modi

Niveau

Niveaus (»niveaux« nur frz.)

Nomen

Nomina, Nomen

Opus

Opera

Passus раздел, пункт

Passus

Periodikum

Periodika

Perpetuum mobile

Perpetua mobilia

Pharmakon

Pharmaka

Plenum

Plenen

Praktikum

Praktika

Schema

Schemata, Schemas, Schemen (selten)

30 Das fremdwort im heutigen deutsch

Semikolon

Semikola, Semikolons

Status

Status

Szenario

Szenarios

Szenarium

Szenarien

Thema

Themata, Themen

Tonikum

Tonika

Topos жесткая схема

Topoi

Turnus цикл, оборот

Turnus,Turnusse

Universum

Universen

Visum

Visa, Visen

Vita жизнеописание

Viten,Vitae(lat.)

(aus: Sick, Bastian. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Köln: Kiepenheuer &Witsch. 2004)

AUFGABEN

1. Bestimmen Sie das Genus der unterstrichenen Fremdwörter:

Covergirl [...ߟ–¨]: auf der Titelseite einer Illustrierten abgebildete junge Frau; Karambolage [...íŸ]: Zusammenstoß, Zusammenprall; Kastanie [...©Ÿ]; Kasus [...∫μ–≥] Fall; Megäre: wütende, böse Frau; Militär: Heer[wesen], Gesamtheit der Soldaten eines Landes; Militär: (meist Plural) hoher Offizier; Parnass: Musenberg, Reich der Dichtkunst; Pony: Pferd einer kleinen Rasse; Pony: fransenartig in die Stirn gekämmtes, glattes Haar; Recherche: Nachforschung, Ermittlung; Redakteur [...»¥î––]: jmd., der für eine Zeitung, Zeitschrift, für Rundfunk od. Fernsehen, für ein [wissenschaftliches] Sammelwerk o. Ä. Beiträge auswählt, bearbeitet od. auch selbst schreibt; Touristik: organisierter Rei- se-, Fremdenverkehr; Waggon [∂°»ßØ–, ∂°»ß‘ñ, auch: ∂°»ßØ–Æ]: [Eisenbahn]wagen, Güterwagen.

2. Wie unterscheidet sich das Genus der Fremdwörter im Deutschen und im Riussischen?

Drama; Finale; Mineral; Modell; Paket; Regime; Tempo; Thema; Ventil.

3. Wie schwankt das Genus der Fremdwörter?

Liter [auch: »¨Í...] <gr.-mlat.-fr.> der (schweiz. nur so; auch: das); Meter <gr.-lat.-fr.> der (schweiz. nur so) od. das; -s, -: Längenmaß; Safe