Das Fremdwort im heutigen Deutsch. Спецкурс по филологии для студентов III курса. Учебное пособие
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lich aufgegeben und das feminine Wortgeschlecht setzte sich gegen das maskuline durch. Beibehalten wurden jedoch abweichende Flexionsformen: Bank im Sinne von ›Sitzgelegenheit‹ bildet heute den umlautenden Plural Bänke, während Bank im Sinne von ›Geldinstitut‹ im Plural schwach gebeugt wird: Banken.
(http://www.muttersprache-graz.at/archiv/unsere_zeitung_4_3.htm)
Bastian Sick
Die traurige Geschichte von drei englischen Ladys
Es waren einmal drei englische Ladys mit gleichen Hobbys. Sie sammelten alte Pennys, besuchten Derbys und Wohltätigkeitspartys, züchteten Guppys und hatten eine Schwäche für stramme Bobbys und rührselige Shantys. Es gab nur eines, vor dem sie sich zutiefst fürchteten: Rowdies! Die in Cities lebten und nachts aus den Gullies krochen, um armen Babies die Teddies wegzunehmen.
»Die Mehrzahl von Story schreibt sich mit -ies«, behauptete unlängst mal wieder ein Freund – und setzte triumphierend nach: »Du hast wohl im Englischunterricht nicht aufgepasst?« Würde er in London wohnen, dann hätte er Recht. Aber auf deutschem Boden, in einem deutschen Wohnzimmer mit Regalen voll deutscher Bücher, da befindet er sich im Irrtum. Lehnwörtern aus dem Englischen, die auf-y enden, wird im Plural einfach nur ein »s« angehängt, das »y« bleibt unverändert: Babys, Hobbys, Ladys, Lobbys, Partys, Ponys und eben Storys. So ist das mit den Lehnwörtern: Ob friedlich importiert, freiwillig übergelaufen oder gewaltsam verschleppt, wenn sie einmal in den deutschen Wortschatz aufgenommen wurden, dann sind sie auch den Regeln der deutschen Grammatik unterworfen. Das wäre ja auch noch schöner – wenn man mit der Übernahme eines Fremdwortes auch noch die landesspezifische Grammatik importieren müsste. Das wäre ja so, als würden die Amerikaner mit der Einverleibung des irakischen Erdöls bei sich auch noch den Koran einführen.
In der hoch exklusiven Kaffeebar, wo man sich nach Feierabend gerne trifft, ist diese Regel selbstverständlich außer Kraft gesetzt: Da bestellt man in gepflegtestem Italienisch seine »Espressi« und »Cappuccini«. Wer ganz sichergehen will, dass ihn die asiatische Bedienung auch verstanden hat, hängt noch mal ein »s« an: »Zwei Cappuccinis, bitte!«…
Leichensäcke aus dem Supermarkt
Für Verkaufsstrategen ist der Griff in die Englisch-Schublade längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Um hiesige Produkte
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»hipper« und »cooler« zu machen, wird alles bedenkenlos mit englischen Vokabeln beklebt. Der Griff zum Wörterbuch hingegen wird oft vergessen. Da bleiben peinliche Irrtümer nicht aus.
Eine wahrhaft gruselige Geschichte erlebte ein Student aus Oldenburg. Als er gedankenverloren in der Mensa speiste, wurde er plötzlich auf eine Gruppe von amerikanischen Austauschstudenten aufmerksam, die sich am Nebentisch erregt über einen Werbeprospekt einer Supermarktkette unterhielten. Es ging um irgendein supertolles Angebot, doch ganz offensichtlich war es nicht der günstige Preis, der die Amerikaner in Erstaunen versetzte, sondern der angepriesene Artikel selbst. Der Student stellte die Lauscher auf und verstand irgendetwas mit »bag«. Er konnte sich zunächst noch keinen Reim drauf machen und aß daher sein gar köstliches Mensa-Menü in Ruhe zu Ende.
Als der Student anderntags zum Einkaufen ging, prallte er im Supermarkt gegen eine Werbetafel, auf der »body bags« angeboten wurden. Tatsächlich handelte es sich dabei um mehr oder weniger modische Rucksäcke. Nachdenklich blieb der Student vor dem Angebot stehen und kramte in seiner Erinnerung: »Hmm... body bags? Da war doch was!« Kein Zweifel, er hatte den Begriff schon mal gehört, aber in einem anderen Zusammenhang. Und dann fiel es ihm wieder ein: Ein Kinofilm war‘s. Einer über den Vietnamkrieg. Mit viel Blut und vielen Toten. Eine ungute Ahnung beschlich ihn. Sowie er zurück in seiner Wohnung war, griff er nach dem Englisch-Wörterbuch und schlug nach. Und da stand es, schwarz auf weiß: »body bag« bedeutet Leichensack! Nun verstand der junge Mann, was die Gemüter der amerikanischen Austauschstudenten so erregt hatte: Leichensäcke im Supermarkt. Und dann auch noch im Sonderangebot!
Wer sich die Mühe macht und ein bisschen recherchiert, der wird feststellen, dass es in deutschen Verkaufsangeboten von Leichensäcken nur so wimmelt. Allein bei Ebay finden sich Dutzende von »body bags«, in allen Größen und Farben. Die Interpretation, was genau ein solcher sei, geht da von Bauchtäschchen über Umhängetasche bis hin zum Tornister.
Auf internationalen Flügen der Lufthansa soll es schon vorgekommen sein, dass das Bordpersonal den Reisenden »body bags«zum Verkauf angeboten hat. Gemeint waren damit diese praktischen Sets mit Augenklappen, Pantoffeln und Ohrstöpseln. Über dadurch ausgelöste Fälle von Massenhysterie oder gehäufter Ohnmacht unter den englischsprachigen Passagieren ist zum Glück bislang nichts bekannt.
Meistens soll »body bag« wohl aber nichts anderes als Rucksack bedeuten. Das Wort Rucksack scheint jedoch völlig aus der Mode ge-
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kommen zu sein. Vermutlich klingt es zu deutsch, zu sehr nach Bergwandern, nach Matterhorn und Kuhglockengeläut. Das schreckt die Jugend ab, die schließlich Englisch gewohnt ist, auch wenn sie es gar nicht immer versteht. Fazit: kein Verkaufsschlager ohne englisches Etikett (cooler: Label). Aber wenn »body bag« nun gar nicht das bedeutet, was die Anbieter meinen, was heißt »Rucksack« dann tatsächlich auf Englisch? Machen wir rasch die Gegenprobe im Englisch-Wörter- buch. Da steht zum einen backpack, als Bezeichnung für die großen Wanderrucksäcke, aber noch davor, gleich an erster Stelle, steht zu lesen, man glaubt es kaum: rucksack.
So weit ist es also schon gekommen, dass deutsche Werbemacher und Marketingstrategen sich neue englische Begriffe ausdenken müssen, weil das englische Wort zu deutsch klingt. Mit lawn mower und outdoor grill wird sich dann wohl bald auch nichts mehr verdienen lassen. Wie war‘s also mit lawn shaver und outdoor roast? Wie bitte, Sie haben noch keinen? Dann aber nix wie los!
(aus: Sick, Bastian. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Köln: Kiepenheuer &Witsch. 2004)
Нефёдова Любовь Аркадьевна
DAS FREMDWORT IM HEUTIGEN DEUTSCH
СПЕЦКУРС ПО ФИЛОЛОГИИ для студентов III курса
Учебное пособие
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