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Практикум по стилистике современного немецкого языка. Учебное пособие

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Ein Mann ein Wort:

So ist die Sprache denn der Ehre Hort.

Doch diese, die verspricht, kann sich versprechen. Oft haben Worte einen Mann ersetzt.

Doch kann ein Mann ein Wort ersetzen? Ich möchte es so gering nicht schätzen. Die Ehre bloß, das Wort wird nicht verletzt

Und jene kann man, dieses nimmer brechen, da wohl der Mann, das Wort nicht anders kann. Das meine ich: Ein Wort ein Mann!

Aufgabe 25. Charakterisieren Sie die Arten der Wiederholung im Fragment der historisch-biographischen Miniature „Die Minute eines Segelfalters“ von Dieter Kühn.

Und Sturm und Sturm und Sturm, von der Bergkette herab in die Ebene, der Sturm rennt an gegen Häuser und Kirchen auf der sanft ansteigenden Fläche, rennt an gegen das Haus an Jauertor, rüttelt an Fenstern, rappelt an Türen, braust, faucht, röhrt im Schornstein. Dieser Sturm, der zuweilen langsamer wird, um gleich wieder aufzufrischen, dieser Sturm fegt den Himmel blank, vor allem in frühen Morgenstunden, schiebt dann Wolkenwülste, Wolkenflächen heran, reißt sie zuweilen auf zwischen Riesengebirge und der sanft ansteigenden Pyramide des Zobten, schiebt wieder Wolken zusammen. Und unablässig werden Äste geschwenkt, als würde strudelnd bewegte Luft die Büsche, die Bäume von allen Seiten zugleich packen, und abgefetzte grüne Blätter werden herumgewirbelt, flatternde Vögel geschüttelt im Frühsommersturm. Und die Ohren lassen sich nicht schützen vor diesem unablässigen Heran und Herüber, Hinweg und Hinaus: ständiges Brausen und Fauchen, Rütteln und Rappeln.

Aufgabe 26. Nennen Sie die Arten der Wiederholung im Textfragment des Gedichtes vom modernen deutschen Dichter Hans Magnus Enzensberger.

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Lied von denen auf die alles zutrifft und die alles schon wissen

Daß etwas getan werden muß und zwar sofort das wissen wir schon

daß es aber noch zu früh ist um etwas zu tun daß es aber zu spät ist um noch etwas zu tun das wissen wir schon

und daß es uns gut geht und daß es so weiter geht

und daß es keinen Zweck hat das wissen wir schon

und daß wir schuld sind

und daß wir nichts dafür können daß wir schuld sind

und daß wir daran schuld sind daß wir nichts dafür können und daß es uns reicht

das wissen wir schon …

Aufgabe 27. Analysieren Sie stilistische Besonderheiten der Syntax im Fragment der Kurzerzählung „Auf der Flucht“ von Wolfdietrich Schnurre.

Der Mann hatte einen Bart und war schon etwas älter; zu alt fast für die Frau. Und dann war auch noch das Kind da, ein ganz kleines. Das schrie dauernd, denn es hatte Hunger. Auch die Frau hatte Hunger. Aber sie war still, und wenn der Mann zu ihr hinsah, dann lächelte sie; oder sie versuchte es doch wenigstens. Der Mann hatte auch Hunger.

Sie wussten nicht, wohin sie wollten; sie wussten nur, sie konnten in ihrer Heimat nicht bleiben, sie war zerstört.

Sie liefen durch Wald, durch Kiefern. In denen knisterte es. Sonst war es still. Beeren oder Pilze gab es nicht; die hatte die Sonne verbrannt.

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Über den Schneisen flackerte Hitze. Das bisschen Wind wehte nur oben. Es war für den Bussard gut; Reh und Hase lagen hechelnd im Farn.

„Kannst du noch?“ fragte der Mann. Die Frau blieb stehen. „Nein“, sagte sie.

… „Ich hol was zu essen“, sagte der Mann. „Woher?“, fragte sie.

„Lass mich nur machen“, sagte er. Dann ging er.

Er ging durch den sterbenden Wald. Er schnitt Zeichen ein in die Bäume.

Er kam an eine Sandrinne. Die war ein Bach gewesen. Er lief über einen schwarz staubenden Platz. Der war eine Wiese gewesen.

Er lief zwei Stunden. Dann fing die Sandheide an.

Aufgabe 28. Bestimmen Sie lexikalische und syntaktische Besonderheiten der Strukturierung des unten angeführten Textfragmentes aus dem Roman „Cervantes“ von Bruno Frank, in dem die Geschichte Algiers beschrieben wird.

Das Seeräuber-Königreich Algier, kein leicht vergängliches Gebilde, da es dreihundert Jahre lang den Großmächten trotzte, hatte an Seltsamkeit in aller Geschichte nicht seinesgleichen. Es war Inbegriff wilder Phantastik und gleichzeitig florierendes Handelsgeschäft. Ein nüchternes Schauermärchen.

… In diesem Lande schweifte seit alter Zeit der Berber, der dunkle Numidier, dem nahe Verwandte am Nil und am Senegal wohnen. Früh stießen Phoenizier an seine Küsten, handelten, siedelten, bauten. Dann trat über Berber und Punien der verwaltende Römer. Die afrikanische Provinz ward Kornkammer, Obst-, Weinund Ölkammer seines Imperiums. Hier sprach man Latein. Hier sprach man Griechisch, als später der Cäsar von Bysanz aus regierte. Aber der römische Name gab keinen Schutz mehr. Germanen gelangten heran, eroberten und zerhieben die Säulenstädte, wurden geschlagen, zerstreut und gingen auf im Gemisch. Ost-Rom konnte noch siegen, zum Erhalten war es zu schwach.

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Aufgabe 29. Beweisen Sie, dass lexikalische Besonderheiten und der syntaktische Aufbau des folgenden Fragments der historischen Biographie „Maria Stuart“ von Stefan Zweig auf den analytischen Charakter des Gedankenganges des Autors hinsichtlich der Schicksale von Maria Stuart und Königin Elisabeth hinweisen:

Großartig ist dieser Gegensatz in Raum, Zeit und seinen Gestalten; wäre doch nur die Art nicht so erbärmlich kleinlich, in der er durchgefochten wird! Denn trotz ihrem überragenden Format bleiben diese beiden Frauen immerhin Frauen, sie können die Schwäche ihres Geschlechtes nicht überwinden, Feindschaften, statt aufrichtig, immer nur mesquin und hinterhältig auszutragen. Ständen statt Maria Stuart und Elisabeth zwei Männer, zwei Könige einander gegenüber, es käme sofort zu scharfer Auseinandersetzung, zu klarem Krieg. Anspruch stellte sich schroff gegen Anspruch, Mut gegen Mut. Der Konflikt Maria Stuarts und Elisabeths dagegen entbehrt dieser hellen männlichen Aufrichtigkeit, er ist ein Katzenkampf, ein Sich-Umschleichen und Belauern mit verdeckten Krallen, ein hinterhältiges und durchaus unredliches Spiel. Durch ein Vierteljahrhundert haben diese Frauen einander unablässig belogen und betrogen (ohne sich aber nur eine Sekunde lang tatsächlich zu täuschen). Nie blicken sie einander frei und gerade ins Auge, nie wird ihr Haß offen, wahr und klar; mit Lächeln und Schmeicheln und Heucheln begrüßen und beschenken und beglückwünschen sie einander, während jede heimlich das Messer hinter dem Rücken hält. Nein, die Chronik des Krieges zwischen Elisabeth und Maria Stuart zeitigt keine iliadischen Schlachten, keine ruhmreichen Situationen …

Aufgabe 30. Analysieren Sie den Gedankengehalt folgender Aphorismen und die Spezifik der darin verwendeten lexikalischgrammatikalischen Stilfiguren:

1. Merkmal großer Menschen ist, dass sie an andere weit geringere Anforderungen stellen als an sich selbst.

(Marie von Ebner-Eschenbach)

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2. Der Himmel scheint uns schön, weil es Hässliches gibt. Das Gute scheint uns gut, weil es Böses gibt.

(Laotse)

3. Verstand ohne Gefühl ist unmenschlich. Gefühl ohne Verstand ist Dummheit.

(Egon Bahr, deutscher Politiker)

4. Träume sind Wirklichkeiten, die nicht enden wollen, und Wirklichkeiten sind Träume, die zu Ende sind.

(Hans Lohberger)

5. Tradition ist bewahrter Fortschritt, Fortschritt ist weitergeführte Tradition.

(Carl Friedrich von Weizsäcker)

Aufgabe 31. Bestimmen Sie stilistische Funktionen von Parenthesen in folgenden Textbeispielen aus der Monographie vom Wiener Historiker Herwig Wolfram „Die Germanen“:

1) Aber Tacitus darf die numinose Bedeutung einer Veleda (= Seherin), die „als Stellvertreterin einer Gottheit“ galt, nicht erfinden, soll deren Gegenüberstellung mit der römischen Wirklichkeit Sinn haben. Das gleiche gilt auch von der allgemeinen Gegenüberstellung der zivilisierten (dekadenten) Welt und der angeblich gesunden unverdorbenen Barbaren.

2)Die vornormannische Namensschicht ist — von einigen angelsächsischen und voreinzelsprachlichen Fällen abgesehen — fast völlig keltisch in Irland, während es kaum nichtgermanische Hydronyme (Gewässernamen), ganz zu schweigen von Toponymen (Ortsnamen) in Südskandinavien gibt.

3)Ganz große Bedeutung kam der Gerste zu — es gibt Fundplätze, wo diese Getreideart mehr als 90 Prozent des Befundes ausmacht — aber auch Hafer, Rispenhirse und in geringerem Maße Weizen und Roggen sind nachzuweisen.

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4)Augustus verlegte seine Residenz von Rom nach Aquileia und hielt sich auch längere Zeit in Gallien und am Rhein auf, wo nach dreijähriger sorgsamer Vorbereitungszeit die große DrususOffensive (12—9 v. Chr.) begann.

5)Noch im altsächsischen Taufgelöbnis wird den drei Hauptgöttern Thuner, Woden und — anstelle von Tiu — Saxnot abgeschworen; bei den Svear zu Uppsala nimmt die dritte Stelle — fast möchte man sagen erwartungsgemäß — Freyr ein.

Aufgabe 32. Nennen Sie stilistische Figuren der Satzkürzung und der Satzerweiterung, die im Textfragment aus der Erzählung „Juninachmittag“ von Christa Wolf verwendet werden.

Eine Geschichte? Etwas Festes, Greifbares, wie ein Topf mit zwei Henkeln, zum Anfassen und zum Daraus-Trinken?

Eine Vision vielleicht, falls Sie verstehen, was ich meine. Obwohl der Garten nie wirklicher war als dieses Jahr. Seit wir ihn kennen, das sind allerdings erst drei Jahre, hat er nie zeigen dürfen, was in ihm steckt. Nun stellt sich heraus, dass es nicht mehr und nicht weniger war als der Traum, ein grüner, wuchernder, wilder, üppiger Garten zu sein. Das Urbild eines Gartens. Der Garten überhaupt. Ich muss sagen, das rührt uns. Wir tauschen beifällige Bemerkungen über sein Wachstum und verstehen im stillen, dass er seine Üppigkeit übertreibt; dass er jetzt nicht anders kann, als zu übertreiben, denn wie sollte er die seltene Gelegenheit nicht gierig ausnützen, aus den Abfällen, aus den immer noch reichlichen Regenabfällen der fern und nah niedergehenden Unwetter Gewinn zu ziehen?

СОДЕРЖАНИЕ

 

Введение..............................................................................................

3

Thema 1. Stil als Forschungsgegenstand der Stilistik...........................

5

Thema 2. Problem der Klassifikation der Funktionalstile.....................

18

Thema 3. Theorie der stilistischen Bedeutung ......................................

33

Thema 4. Stilistisches Potential des Wortbestandes der deutschen

 

Gegenwartssprache ...............................................................................

38

Thema 5. Stilistische Konnotationen und ihre sprachliche Realisie-

 

rung .......................................................................................................

44

Thema 6. System der Ausdrucksmittel der deutschen Gegenwarts-

 

sprache ..................................................................................................

60

Thema 7. Typologie der Stilfiguren ......................................................

74

Учебное издание

Бондарева Людмила Михайловна

ПРАКТИКУМ ПО СТИЛИСТИКЕ СОВРЕМЕННОГО НЕМЕЦКОГО ЯЗЫКА

Учебное пособие

Корректор П. С. Щербаков

Компьютерная верстка С. М. Сергеевой

Подписано в печать 05.09.2024 г. Дата выхода в свет 12.09.2024 г.

Формат 60 90 1/16. Усл. печ. л. 5,5 Тираж 300 экз. (1-й завод 31 экз.). Заказ 82

Издательство Балтийского федерального университета им. Иммануила Канта 236041, г. Калининград, ул. Невского, 14

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