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Практикум по стилистике современного немецкого языка. Учебное пособие

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Aufgabe 17. Charakterisieren Sie das stilistische Potential der Zwillingsformeln in folgenden Fragmenten der Ballade „Herr Olaf“ (Übersetzung ins Deutsche von J. G. Herder):

Herr Olaf reitet spät und weit,

Zu bieten auf seine Hochzeitleut;

Ein Hemd von Seide, so weiß und fein,

Meine Mutter bleicht’s mit Mondenschein.

Aufgabe 18. Charakterisieren Sie das stilistische Potential der fettgedruckten Zwillingsformeln in folgenden Fragmenten des Poems von Heinrich Heine „Deutschland. Ein Wintermärchen“:

Ich habe sie immer so liebgehabt,

Die lieben, guten Westfalen,

Ein Volk, so fest, so sicher, so treu

Ganz ohne Gleißen und Prahlen.

Dummheit und Bosheit buhlten hier

Gleich Hunden auf freier Gasse;

Die Enkelbrut erkennt man noch heut

An ihrem Glaubenshasse.

Ein Spätherbstmorgen, feucht und grau

Die Freiheit kommt mit Spiel und Tanz.

Willst du Geld und Ehre haben, mußt du dich gehörig ducken.

Aufgabe 19. Finden Sie stilistische Synonyme zu den Lexemen Kopf, Gesicht, verstehen, heiraten, Kleidung, Geld, Ehefrau, essen, Mund.

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Aufgabe 20. Ordnen Sie folgende Synonympaare den entsprechenden Synonymarten zu:

Sprachwissenschaft — Linguistik () Nilpferd — Hippopotamus () Fratze — Gesicht ()

stehlen — stibitzen () Kohle — Geld () wispern — flüstern () schreien — brüllen ()

a)absolute Synonyme

b)ideographische Synonyme с) stilistische Synonyme

Aufgabe 21. Finden Sie emotional-bewertende synonymische Substantive zu folgenden Redewendungen und Wörtern:

ein hübsches Mädchen, ein sehr hoher Junge, ein nicht besonders kluger Mensch, ein sehr populäres Lied, ein sehr schüchterner Junge, sensibel, unscheinbare Person, dumm, sehr fülliges Haar, überaus empfindlich.

Aufgabe 22. Wählen Sie die richtige neutrale synonymische Variante zu folgenden Phraseologismen:

1) blauer Montag

a)lange ersehnter Montag

b)arbeitsfreier Montag

c)nächster Montag

2) auf den Busch klopfen

a)etwas vorsichtig zu ergründen suchen

b)etwas heimlich verstecken

c)etwas demonstrativ machen

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3)jemanden anpflaumen a) unterstützen

b) einschätzen c) necken

4)Mir wachsen Schwanenfedern bedeutet Ich beginne … a) etwas zu ahnen

b) etwas Neues zu erledigen c) mich stark anzustrengen

5)im Tran sein

a)affektiert sein

b)missvergnügt sein

c)verschlafen sein

6)wie Zieten aus dem Busch a) unerwartete Aussage

b) unerwartetes Auftauchen c) unerwartete Handlung

7)jemanden schneiden

a)ignorieren

b)beschimpfen

c)überraschen

8)Er ist einer aus der siebenten Bitte a) ein unerfahrener Mensch

b) ein dummer Mensch

c) ein unangenehmer Mensch

9)Lass dir dein Lehrgeld wiedergeben! a) Du musst doch schneller handeln.

b) Du hast ja keine Ahnung davon. c) Du musst endlich was sagen.

T h e m a 5

Stilistische Konnotationen und ihre sprachliche Realisierung

Stilistische Differenzierung des Wortbestandes

der deutschen Gegenwartssprache. Begriff des Kolorits. Temporal-, lokalund sozial-stilistische Konnotationen

Aufgabe 1. Erklären Sie die Besonderheiten der stilistischen Differenzierung des Wortbestandes der Sprache.

Aufgabe 2. Definieren Sie den Begriff „stilistisch differenzierte / charakterologische Lexik“.

Aufgabe 3. Zählen Sie die Abarten stilistisch differenzierter Lexik auf.

Aufgabe 4. Interpretieren Sie die Korrelation der Begriffe „natürliches Kolorit“, „künstliches Kolorit“, „Pseudokolorit“ und bestimmen Sie den pragmatischen Effekt, den das Vorhandensein dieser Kolorite in schöngeistigen Texten hervorrufen kann.

Aufgabe 5. Charakterisieren Sie das stilistische Potential von folgenden Sprachmitteln:

а) Archaismen

б) Neologismen

в) Anachronismen г) Termini

д) Jargonismen

Aufgabe 6. Finden Sie in den unten angeführten Texten lexikalische und grammatikalische Archaismen und nennen Sie ihre stilistischen Funktionen.

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1)In eine elende Postchaise gepackt, die die Motten, wie die Ratten Prosperos Fahrzeug, aus Instinkt verlassen hatten, hielt ich endlich, nach halsbrechender Fahrt, halbgerädert, vor dem Wirtshause auf dem Markte in G. Alles Unglück, das mir selbst begegnen können, war auf meinen Wagen gefallen, der zerbrochen bei dem Postmeister der letzten Station lag. Vier magere abgetriebene Pferde schleppten nach mehrern Stunden endlich mit Hülfe mehrerer Bauern und meines Bedienten das baufällige Reisehaus herbei …

2)Rosa saß des Morgens an der Toilette; ihr Kammermädchen mußte ihr weitläufig von dem fremden Herrn erzählen, der gestern nach ihr gefragt hatte. Sie zerbrach sich vergebens den Kopf, wer es wohl gewesen sein möchte, denn Friedrich erwartete sie nicht so schnell. Vielmehr glaubte sie, er werde darauf bestehen, daß sie die Residenz verlasse, und das machte ihr manchen Kummer. Die junge Gräfin Romana, eine Verwandte von ihr, in deren Hause sie wohnte, saß neben ihr am Flügel und schwelgte tosend in den Tänzen von der gestrigen Redoute. Wie ihr andern nur, sagte sie, alle Lust so gelassen ertragen und aus dem Tanze schnurstracks ins Bett springen könnt und der schönen Welt so auf einmal ein Ende machen! Ich bin immer so ganz durchklungen, als sollte die Musik niemals aufhören.

(J. von Eichendorff, Ahnung und Gegenwart)

Aufgabe 7. Bestimmen Sie das stilistische Potential von Archaismen, die auf der lexikalischen und der grammatikalischen Textebene im folgenden Fragment der Erzählung „Mozart auf der Reise nach Prag“ von Eduard Mörike funktionieren.

Mozart, nachdem man ausgestiegen, überließ wie gewöhnlich der Frau die Bestellung des Essens. Inzwischen befahl er für sich ein Glas Wein in die untere Stube, während sie nächst einem Trunke frischen Wassers nur irgendeinen stillen Winkel, um ein Stündchen zu schlafen, verlangte. Man führte sie eine Treppe hinauf, der

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Gatte folgte, ganz munter vor sich hin singend und pfeifend. In einem rein geweißten und schnell gelüfteten Zimmer befand sich unter andern veralteten Möbeln von edlerer Herkunft — sie waren ohne Zweifel aus den gräflichen Gemächern seinerzeit hierher gewandert — ein sauberes, leichtes Bett mit gemaltem Himmel auf dünnen, grün lackierten Säulen, dessen seidene Vorhänge längst durch einen gewöhnlichern Stoff ersetzt waren. Konstanze machte sichs bequem, er versprach, sie rechtzeitig zu wecken, sie riegelte die Tür hinter ihm zu, und er suchte nunmehr Unterhaltung für sich in der allgemeinen Schenkstube. Hier war jedoch außer dem Wirt keine Seele, und weil dessen Gespräch dem Gast so wenig wie sein Wein behagte, so bezeugte er Lust, bis der Tisch bereit wäre, noch einen Spaziergang nach dem Schloßgarten zu machen. Der Zutritt, hörte er, sei anständigen Fremden wohl gestattet und die Familie überdies heut ausgefahren.

Aufgabe 8. Bestimmen Sie, zu welcher Art der Neologismen das im Textauszug funktionierende Adverb pyramidal gehört (N. B.: die Handlung des Romans spielt in den 60-er Jahren in der damaligen DDR. Frau Hardekopf hat gewisse Probleme, wenn ihr Sohn Fritz ihr etwas zu erzählen beginnt).

Ja, Frau Hardekopf war sehr unwissend. Es gab klare Sachen; wenn beispielsweise das Erdbeben von Messina „pyramidal“ war, verstand sie das schon. Auch der neue Ozeandampfer „Auguste Viktoria“ war pyramidal. Geheimnisvoller wurde es schon, wenn ihr Fritz ausrief: „Die Kinder des Kapitäns Grant sind pyramidal.“

Aufgabe 9. In seinem Buch „LTI. Notizbuch eines Philologen“ beschreibt Victor Klemperer, Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer, seine Erlebnisse, die mit den Jahren der Hitlerdiktatur in Deutschland und dem Schicksal der in dieser Zeitperiode entstandenen „LTI-Sprache“ (Lingua Tertii Imperii), d. h. der Sprache des Dritten Reiches, verbunden sind.

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Lesen Sie einige Textfragmente aus diesem Buch und äußern Sie Ihre Meinung zu den darin angeschnittenen Themen:

Jede Sprache, die sich frei betätigen darf, dient allen menschlichen Bedürfnissen, sie dient der Vernunft wie dem Gefühl, sie ist Mitteilung und Gespräch, Selbstgespräch und Gebet, Bitte, Befehl und Beschwörung. Die LTI dient einzig der Beschwörung. …

Die LTI ist ganz darauf gerichtet, den einzelnen um sein individuelles Wesen zu bringen, ihn als Persönlichkeit zu betäuben, ihn zum gedankenund willenlosen Stück einer in bestimmter Richtung getriebenen und gehetzten Herde, ihn zum Atom eines rollenden Steinblocks zu machen, Die LTI ist die Sprache des Massenfanatismus. Wo sie sich an den einzelnen wendet, und nicht nur an seinen Willen, sondern auch an sein Denken, wo sie Lehre ist, da lehrt sie die Mittel des Fanatisierens und der Massensuggestion.

Aus Klemperers Tagebuch (27. März 1933):

Neue Worte tauchen auf, oder alte Worte gewinnen neuen Spezialsinn, oder es bilden sich neue Zusammenstellungen, die rasch stereotyp erstarren. Die SA heißt jetzt in gehobener Sprache — und gehobene Sprache ist ständig de rigueur, denn es schickt sich, begeistert zu sein — „das braune Heer“. Die Auslandsjuden, besonders die französischen, englischen und amerikanischen, heißen heute immer wieder die „Weltjuden“. Ebenso häufig wird der Ausdruck „Internationales Judentum“ angewandt, und davon sollen wohl Weltjude und Weltjudentum die Verdeutschung bilden. Es ist eine ominöse Verdeutschung; in oder auf der Welt befinden sich die Juden also nur noch außerhalb Deutschlands? Und wo befinden sie sich innerhalb Deutschlands? — Die Weltjuden treiben „Greuelpropaganda“ und verbreiten „Greuelmärchen“, und wenn wir hier im geringsten etwas von dem erzählen, was Tag für Tag geschieht, dann treiben eben wir Greuelpropaganda und werden dafür bestraft. Inzwischen bereitet sich der Boykott jüdischer Geschäfte und Ärzte vor. Die Unterscheidung zwischen „arisch“ und „nichtarisch“ beherrscht alles. Man könnte ein Lexikon der neuen Sprache anlegen.

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Aufgabe 10. Bestimmen Sie das stilistische Potential der temporal markierten Lexeme, die im folgenden Textfragment der Memoiren „Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914— 1933“ von Sebastian Haffner verwendet werden.

Schon lange vorher waren „wir“ — dies unbestimmte „wir“, das keinen Namen hat, keine Partei, keine Organisation und keine Macht — eine Minderheit in Deutschland. Wir spürten es auch. Das selbstverständliche Gefühl des allgemeinen Verstehens, das die Zahlenspiele sei es des Krieges, sei es der Sportzeiten begleitet hatte, war längst in sein Gegenteil verkehrt: Wir wussten, mit vielen unserer Altersgenossen konnten wir kein Wort reden, weil wir eine andere Sprache sprachen. Wir fühlten um uns herum das „braune Deutsch“ entstehen — „Einsatz“, „Garant“, „fanatisch“, „Volksgenosse“, „Scholle“, „artfremd“, „Untermensch“ — ein abscheuliches Idiom, das in jeder Vokabel eine ganze Welt von gewalttätiger Dummheit implizierte. Auch wir hatten unsere Geheimsprache. Wir verständigten uns über Menschen sehr kurz dahin, ob sie „klug“ seien — was nicht hieß, dass ihre Intelligenz besonders gut arbeitete, sondern dass sie eine Ahnung davon hatten, was persönliches Leben heißt; also: zu „uns“ gehörten.

Aufgabe 11. Sondern Sie im unten angeführten Textfragment aus dem Roman von Thomas Mann „Buddenbrooks“ lokal markierte Lexik aus und analysieren Sie ihren stilistischen Wert (N. B.: es handelt sich um einen Brief von Tony Buddenbrock an ihre Eltern. Die junge Frau stammt aus Norddeutschland, und jetzt muss sie nach ihrer Hochzeit im Münchener Haus des Ehemannes wohnen, wo sie kein Sprachverständnis mit der Magd aus Süddeutschland finden kann):

„Und wenn ich „Frikadellen“ sage, so begreift sie es nicht, denn es heißt hier „Pflanzerln“; und wenn sie „Karfiol“ sagt, so findet sich wohl nicht so leicht ein Christenmensch, der darauf verfällt, daß sie Blumenkohl meint; und wenn ich sage „Bratkartoffeln“, so schreit sie so lange „Wahs!“, bis ich „geröstete Kartoffeln“ sage …“

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Aufgabe 12. Kommentieren Sie die sprachliche Spezifik von Missingsch als Abart Hyperhochdeutsch anhand folgender Textbeispiele aus dem Buch vom deutschen Feuilletonisten und Kritiker Kurt Tucholsky „Schloß Gripsholm“:

Missingsch ist das, was herauskommt, wenn ein Plattdeutscher hochdeutsch sprechen will. Er krabbelt auf der glatt gebohnerten Treppe der deutschen Grammatik empor und rutscht alle Nase lang wieder in sein geliebtes Platt zurück.

Manchen Leuten erscheint die plattdeutsche Sprache grob, und sie mögen sie nicht … mein Vater sprach sie wie hochdeutsch, sie, „die vollkommnere der beiden Schwestern“, wie Klaus Groth sie genannt hat. Es ist die Sprache des Meeres. Das Plattdeutsche kann alles sein: zart und grob, humorvoll und herzlich, klar und nüchtern, und vor allem, wenn man will, herrlich besoffen … vom Missingschen [= Plattdeutsch ins Hochdeutsche umgebogen] gibt es hundert und aber hundert Abarten, von Friesland über Hamburg bis nach Pommern …

„Du bischa all do?“ — sagte die Prinzessin (ironische Bezeichnung der weiblichen handelnden Perso. — Л. Б.) — zur grenzenlosen Verwunderung des Taxichauffeurs, der dieses für ostchinesisch hielt. Es war aber missingsch.

Aufgabe 13. Vergleichen Sie zwei Textvarianten des bekannten Liedes deutscher Bierliebhaber, das auf Bairisch (1) und Hochdeutsch (2) verfasst ist. Analysieren Sie sprachliche Besonderheiten des bayerischen Dialekts auf allen Sprachebenen.

N.B: Das Reinheitsgebot ordnet den Prozess der Bierbrauerei in Deutschland an. Laut diesem Dokument müssen dabei nur drei Bestandteile verwendet werden und nämlich Wasser, Gerste und Hopfen.

(1) Sads freindlich — jawoi!

Sads freindlich hob i gsogt — jawoi!

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Sads freindlich hob i gsogt nomoi — jawoi! Mir konnst no a Weißbier bringa.

Bayern des samma mia — jawoi! Bayern des samma mia — jawoi! Bayern des samma mia.

Bayern jawoi des samma mia. Bayern des samma mia,

mia samma mia des samma mia, Bayern des samma mia.

Bayern und des bayrische Bier, Bayern und des Reinheitsgebot, des is unser flüssiges Brot.

(2) Seid freundlich — jawohl!

Seid freundlich habe ich gesagt — jawohl!

Seid freundlich habe ich gesagt nochmal — jawohl! Mir kannst du noch ein Weißbier bringen.

Bayern, das sind wir — jawohl! Bayern, das sind wir — jawohl! Bayern, das sind wir.

Bayern, jawohl, das sind wir. Bayern, das sind wir,

wir sind wir, das sind wir, Bayern, das sind wir.

Bayern und das bayerische Bier, Bayern und das Reinheitsgebot, Das ist unser flüssiges Brot.

Aufgabe 14. Im Roman von Thomas Mann „Buddenbrooks“ dienen Dialektismen für die Gestaltung des Sprachportraits von Herrn Permaneder. Das ist Tonys zukünftiger Ehemann, der nach Lübeck aus München kommt und im Salon der adeligen Eltern seiner norddeutschen Braut ganz ungezwungen Bayerisch spricht.

Beachten Sie den Gebrauch dialektal gefärbter umgangssprachlicher Lexeme in der direkten Rede von Herrn Permaneder und übersetzen Sie sie ins Hochdeutsche:

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