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Практикум по стилистике современного немецкого языка. Учебное пособие

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Pferde antrieb, eine Anweisung gab. So glichen sie einander vollkommen in einiger Entfernung; denn sie stellten die ursprüngliche Art dieser Gegend dar, und man hätte sie auf den ersten Blick nur daran unterscheiden können, daß der eine den Zipfel seiner weißen Kappe nach vorn trug, der andere aber hinten im Nacken hängen hatte.

Aufgabe 34. Nennen Sie die Mittel der Bildlichkeit, die in unten angeführten Beispielen funktionieren:

1)Das Strohhütchen lächelte mir freundlich zu.

2)Der Herbstregen sang sein trauriges Lied.

3)Ich kenne diesen klugen Kopf, auf den immer Verlass ist.

4)Wir wollen ihm einen märchenhaften Empfang vorbereiten.

5)Das aufmerksame Auge der Obrigkeit war immer auf ihn gerichtet.

6)Vor kurzem hat er sich einen früheren Kandinsky verschafft.

7)Nach dieser Nachricht waren sie im siebenten Himmel.

8)Immer wieder erinnerte sich der junge Mann an ihre seidene Stimme.

9)Ihre Bewegungen glichen den einer zahmen Panther.

Aufgabe 35. Analysieren Sie das stilistische Potential der Mittel der Bildhaftigkeit und der Bildlichkeit im folgenden Textfragment aus dem Roman „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse:

Und vor ihm (Goldmund. — Л. Б.) lag Feld und Heide, lag vertrocknetes Brachfeld und dunkler Wald … Zum erstenmal lag die Welt offen vor ihm, offen und wartend … Diese große Welt war jetzt wirklich geworden, er war ein Teil von ihr, in ihr ruhte sein Schicksal, ihr Himmel war der seine, ihr Wetter das seine. Klein war er in dieser großen Welt, klein lief er wie ein Hase, wie ein Käfer durch ihre blau und grüne Unendlichkeit. …

O wie hungrig er war! Ein halber Laib Gerstenbrot, eine Schüssel Milch, eine Mehlsuppe — was waren das für zauberhafte Erinnerungen! Wie ein Wolf war sein Magen erwacht. An einem

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Kornfeld kam er vorüber, die Ähren waren halbreif, er enthülste sie mit Fingern und Zähnen, mahlte die kleinen glitschigen Körner mit Gier, holte immer neue, stopfte sich die Taschen mit Ähren voll. Und dann fand er Haselnüsse, noch sehr grüne, und biß mit Lust in die krachenden Schalen; auch von ihnen nahm er Vorrat mit.

Aufgabe 36. Vergleichen Sie den Text des Gedichtes „Nähe des Geliebten“ von Johann Wolfgang Goethe (1) mit dem Text der literarischen Parodie „Nähe der lieben Frau“ (2), die Eginhardt (eigtl. Othello von Plaenckner, XIX. Jh.) gehört. Stellen Sie fest, mit welchen sprachlichen Mitteln die Untererfüllung des Originaltextes vom Parodisten erreicht wird.

(1) Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer Vom Meere strahlt;

Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege Der Staub sich hebt;

In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen Die Welle steigt.

Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen, Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne, Du bist mir nah!

Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne. O wärst du da!

(2) Nähe der lieben Frau

Ich denke dein, wenn aus den Wolken oben Der Donner kracht!

Oft hast du‘s ja, mit Schelten und mit Toben, Ihm nachgemacht.

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Ich sehe dich, wenn unser Weiberspittel Spazieren geht,

Wenn um die Säbelbeine flott der Kittel Im Weste weht.

Ich höre dich, wenn heisre Raben krächzen, Beim Flug‘ zur Rast;

Wenn unsere dicken Nudelgänse ächzen, Zerplatzend fast.

Ich bin bei dir, ertönt auch in der Schenke Manch lust’ges Wort;

Ich kehre bang’ nach Hause dann, und denke: Ach wär’ sie fort!

T h e m a 7

Typologie der Stilfiguren

Stilfigurenlehre in antiker Rhetorik. Stilistische Figuren des Kontrastes / der Gegenüberstellung.

Syntaktisch-stilistische Figuren der Satzerweiterung / Satzverlängerung

Aufgabe 1. Nennen Sie den Unterschied zwischen den Begriffen „stilistische Figuren“ und „Tropen“.

Aufgabe 2. Erzählen Sie über die Konzeptionen der Typologie der Stilfiguren, die in der Stilistik der deutschen Gegenwartssprache vertreten sind.

Aufgabe 3. Nennen Sie die Prinzipien der Klassifikation stilistischer Figuren des Kontrastes.

Aufgabe 4. Bestimmen Sie die sprachliche Spezifik des Chiasmus.

Aufgabe 5. Charakterisieren Sie das stilistische Potential des Oxymorons.

Aufgabe 6. Zählen Sie die Abarten der Ironie auf.

Aufgabe 7. Nennen Sie stilistische Figuren der Satzerweiterung.

Aufgabe 8. Definieren Sie die Begriffe „Asyndeton“ und „Polysyndeton“.

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Aufgabe 9. Charakterisieren Sie das stilistische Potential der Parenthese.

Aufgabe 10. Zählen Sie stilistische Mittel der phonetischen Wiederholung auf.

Aufgabe 11. Nennen Sie die Abarten der lexikalischen Wiederholung.

Aufgabe 12. Erklären Sie die Besonderheiten der sprachlichen Realisierung der Antithese in folgenden Textbeispielen:

1)Tag und Nacht, Groß und Klein, arm und reich, Freund und Feind, durch dick und dünn, schwarz auf weiß.

2)Ach Gott! Die Kunst ist lang!

Und kurz ist unser Leben.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie Und grün des Lebens goldner Baum.

(J. W. von Goethe, Faust)

3) Straßentreiben, fern, verworren, Reicher Mann und Bettelkind, Myrtenkränze, Leichenzüge, Tausendfältig Leben rinnt.

(D. von Liliencron, Junitage)

4) Es liegt der heiße Sommer Auf deinen Wängelein;

Es liegt der Winter, der kalte, In deinem Herzchen klein. Das wird sich bei dir ändern, Du Vielgeliebte mein!

Der Winter wird auf den Wangen, Der Sommer im Herzen sein.

(H. Heine, Buch der Lieder)

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Aufgabe 13. Bestimmen Sie den Charakter der semantischen Beziehungen, die den unten angeführten Chiasmen zu Grunde liegen:

Der Herr brach das Brot, das Brot brach den Herrn.

(P. Celan, Fadensonnen)

Zeit ist wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit; Ich bin wie Gott. Und Gott wie ich.

(Angelius Silesius)

Wie ist das klein, womit wir ringen, was mit uns ringt, wie ist das groß.

(R. M. Rilke, Lektüre für Minuten)

Aufgabe 14. Bestimmen Sie das stilistische und pragmatische Potential der Häufung in folgenden Textbeispielen:

1) Ein gewöhnlicher Tag; auf den Gängen und vor den Zimmern der Sachbearbeiter die Bittsteller, unten im Archiv Mäusegeruch, Tische, auf denen Formulare ausgefüllt werden, überall Akten in ihren Mappen. Aktenmappen wurden bestellt, angefordert, ausgetragen, eingetragen, der Empfang wurde unterschrieben, ein Stoß Akten im Aufzug zu den Sachbearbeitern hinaufgebracht, ein zweiter Stoß hinuntergetragen, angemeldet, ausgetragen, eingetragen, abgehakt, in Empfang genommen, gezählt, bestätigt, eingeordnet. So ging es weiter und weiter und weiter.

(E. Fried, Fräulein Gröschel)

2) Weingärten, Kaskaden von rosa Geranienblüten, Nussbäume, Akazien, Gemüsebeete, weiße Häuser, rosa Häuser, Schweiß in den Handflächen, Schweiß auf dem Gesicht. Endlich in die Höhe erreicht, die Stadt auch, das Schiff bekommt Wind unter die Leinwand und segelt glücklich durch Schattenstraßen, an Obstständen und flachen Blechkästen voll farbiger, glitzernder, rundäugiger

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Fische hin. Mein Markt, meine Stadt, mein Laden mit Herden von Gummitieren und einem Firmament von Strohhüten, auch mit Ständern voll Ansichtskarten.

(M. L. Kaschnitz, Lange Schatten)

Aufgabe 15. Finden Sie in folgenden Textbeispielen die Amplifikation und nennen Sie die Besonderheiten ihrer sprachlichen Realisierung:

1)Dort waren auch noch Felder, … auf denen jahrelang Rüben, Kraut und Bohnen, das Brot der armen Siedler, geerntet wurde.

(I. Bachmann, Jugend in einer österreichischen Stadt)

2)Man importiert alles aus Paris: die Kleider und die Gesinnung, die Gedanken und die Inspiration.

(R. M. Rilke, König Bohusch)

3) Jedermann im Dorfe kannte Einen, der sich Böck benannte. Alltagsröcke, Sonntagsröcke, Lange Hosen, spitze Fräcke, Westen mit bequemen Taschen, Warme Mäntel und Gamaschen — Alle diese Kleidungssachen Wußte Schneider Böck zu machen.

(W. Busch, Max und Moritz)

Aufgabe 16. Charakterisieren Sie das stilistische Wesen des Asyndetons im Fragment der Erzählung des österreichischen Expressionisten Karl Zuckmayer.

Eine Märznacht, rauh, regnerisch, mitten im Weltkrieg, und Frankreichs Erde hing in Klumpen, Brocken, Krusten an Soldatenbeinen, Pferdebäuchen, Wagen, Waffen, Geschirr. … Damals war jedes verzwickte Wort für uns ein Markstein der Ewigkeit, heute

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schmeißen wir alles durcheinander, Namen, Gestalten, Daten, Landschaften, Bilder, Gerüche, das zerfließt alles im Gedächtnis wie die Gesichter rasch gefallener Kameraden; was wieder aufersteht, hat Schicht und Farbe gewechselt — vielleicht auch das Blut, den Herzschlag, den Atem, die Knochen, das Hirn …

(K. Zuckmayer, Geschichte von einer Geburt)

Aufgabe 17. Bestimmen Sie die stilistische Funktion des Polysyndetons im Fragment des Textes des deutschen Schriftstellers des XX. Jahrhunderts Robert Walser.

Ich ging durch ein Dorf, dann durch eine Art von Hohlweg, dann durch einen Wald, dann über ein Feld, dann wieder durch ein Dorf, dann über eine eiserne Brücke, unter welcher der breite, sonnige, grüne Strom vorüberfloß, dann den Strom langsam entlang und so fort, bis es Abend wurde. … Eine Seite der Welt war ruhig und warm und dunkel, die andere war kalt und goldig und schimmernd-hell.

(R. Walser, Spaziergang)

Aufgabe 18. Analysieren Sie die Rolle der parenthetischen Konstruktionen in folgenden Textbeispielen aus dem Roman „Homo faber“ des bekannten schweizerischen Schriftstellers Max Frisch:

1)Später nahm ich meine Akten aus der Mappe, um zu arbeiten, leider gab es gerade eine heiße Bouillon, und der Deutsche (er hatte, als ich seinem schwachen Englisch entgegen kam mit Deutsch, sofort bemerkt, dass ich Schweizer bin) war nicht mehr zu stoppen.

2)Ich wartete hinter der geriegelten Tür, bis man das Donnern einer startenden Maschine gehört hatte — eine SuperConstellation, ich kenne ihren Ton! — dann rieb ich mein Gesicht, um nicht durch Blässe aufzufallen, und verließ das Cabinett.

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3) Unser Aufenthalt in der Wüste von Tamauiipas, Mexiko, dauerte vier Tage und drei Nächte, total 85 Stunden, worüber es wenig zu berichten gibt — ein grandioses Erlebnis (wie jedermann zu erwarten scheint, wenn ich davon spreche) war es nicht.

Aufgabe 19. Interpretieren Sie die stilistische Aufgabe der Lautmalerei in einem Fragment der Erzählung von Franz Fühmann „Böhmen am Meer“.

… die Wogen rollten. In der Ferne war ihr Rollen ein Zittern des Meeres, ein Lächeln, das leicht über die Meerwange glitt, dann aber, ohne Übergang, wurden die Wellen groß und fuhren donnernd daher, getürmtes, vorwärts stürmendes Wasser, das, seine Hochwand immer mehr muldend, dem Land entgegenschoss und den Strand mit mächtigen klatschenden Wellen schlug. … die Wellen rollten, der Wind blies, und die Monotonie des Unendlichen hüllte mich ein.

Aufgabe 20. Nennen Sie stilistische Mittel, die im Zusammenwirken mit Elementen der Lautsymbolik das visuelle Bild einer Kreisbewegung im folgenden Textbeispiel aus dem Gedicht von Rainer Maria Rilke „Das Karussel“ schaffen:

Und das geht hin und eilt sich, dass es endet, und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel. Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet, ein kleines kaum begonnenes Profil —.

Und manches Mal ein Lächeln, hergewendet, ein seliges, das blendet und verschwendet an dieses atemlose blinde Spiel …

Aufgabe 21. Systematisieren Sie stilistische Figuren der Wiederholung, die im unten angeführten Textfragment aus der Kurzerzählung „Der Wurm“ von Martin Walser als führende Stilelemente funktionieren.

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Ohne es zu bemerken, begann er zu rennen. Was die Leute auf der Dorfstraße ihm zuriefen, hörte er nicht. Die grellen Dahlien links und rechts, die blauen Traktoren, die roten Traktoren, die Geranien, die grünen Läden, die braunroten Läden und die Bäume und die Geranien, die Geranien links und rechts, die Bäume links und rechts, alles verwischte sich zu einem lauten und bunten Tunnel, durch den er hindurchrannte, hindurchrannte, bis er die Stalltür erreicht hatte.

Aufgabe 22. Analysieren Sie lexikalisch-syntaktische Stilfiguren, die im folgenden Fragment eines fingierten Briefes die Atmosphäre einer ungezwungenen Unterhaltung schaffen:

Lieber Sohn,

ich weiß, Du bist erwachsen! Ich weiß, dass ein erwachsener Mensch (besonders, wenn er ein Mann ist) genau weiß, was er zu tun hat, und das ihm da niemand etwas dreinzureden hat! Und schon gar nicht seine alte Mutter!

(Chr. Nöstlinger, Werter Nachwuchs)

Aufgabe 23. Analysieren Sie die stilistische Funktion der Ausdrucksmittel der expressiven Syntax im Fragment des Textes aus dem Roman von W. Koeppen „Der Tod in Rom“.

Siegfried kam zu spät zur Probe; er kam absichtlich zu spät, er fürchtete seine Musik, er fürchtete Kürenberg, er war zu Fuß gegangen, er war mit einem falschen Autobus in die falsche Richtung gefahren, er war einem Kind nachgegangen, er hatte geträumt, und seine Schritte waren gehemmt, und seine Schuhe waren wie mit Blei gesohlt, als er sich dem Konzerthaus näherte, und nun stand er zögernd im Foyer vor der Kleiderablage, ein paar Regenmäntel baumelten wie Erhängte an traurigen Haken, ein paar Schirme lehnten wie besoffen an der Wand.

Aufgabe 24. Bestimmen Sie unterschiedliche Arten der stilistischen Figuren der Wiederholung und ihre stilistischen Funktionen im Gedicht von Karl Kraus „Der Mann und das Wort“.

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