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Практикум по стилистике современного немецкого языка. Учебное пособие

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W. H. Wackenroder und Novalis angehörten, war in erster Linie die theoretische Grundlegung der romantischen Dichtung. In den Dichtungen der Früh-Romantik kam ein stimmungsvolles Neuerlebnis der Landschaft und des Mittelalters zum Durchbruch.

Das Zentrum der Hoch-Romantik (1804—1815) war der Kreis der Heidelberger Romantik, daneben bildeten sich Schwerpunkte in Dresden und Berlin. Sie brachte vor allem eine Besinnung auf Volkstum und Geschichte. C. Brentano und A. von Arnim gaben die Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ heraus; J. und W. Grimm sammelten „Kinderund Hausmärchen“. Der volkstümlichen Frömmigkeit und den ungetrübten Landschaftsbildern J. von Eichendorffs stehen die fantastischen Erzählungen E. T. A. Hoffmanns gegenüber.

Zentren der Spät-Romantik (1815—1830) waren Wien, Berlin, Nürnberg und Schwaben.

Analysieren Sie Stilelemente, die von der Zugehörigkeit folgender Textproben zur literarischen Richtung „Romantik“ zeugen.

1. Florio stand in freudigem Erstaunen einen Augenblick still vor der unerwarteten Aussicht. Dann folgte auch er dem Beispiele seines Begleiters, übergab das Pferd seinem Diener und mischte sich in den muntern Schwarm.

Versteckte Musikchöre erschallten da von allen Seiten aus den blühenden Gebüschen, unter den hohen Bäumen wandelten sittige Frauen auf und nieder und ließen die schönen Augen musternd ergehen über die glänzende Wiese, lachend und plaudernd und mit den bunten Federn nickend im lauen Abendgolde wie ein Blumenbeet, das sich im Winde wiegt. Weiterhin auf einem heitergrünen Plan vergnügten sich mehrere Mädchen mit Ballspielen. Die buntgefiederten Bälle flatterten wie Schmetterlinge, glänzende Bogen hin und her beschreibend, durch die blaue Luft, während die unten im Garten auf und nieder schwebenden Mädchenbilder den lieblichsten Anblick gewährten. Besonders zog die eine durch ihre zierliche, fast noch kindliche Gestalt und die Anmut aller ihrer Bewegungen Florios Augen auf sich.

(J. von Eichendorff, Das Marmorbild)

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2. Am Himmelfahrtstage, nachmittags um drei Uhr, rannte ein junger Mensch in Dresden durchs Schwarze Tor und geradezu in einen Korb mit Äpfeln und Kuchen hinein, die ein altes häßliches Weib feilbot, so daß alles, was der Quetschung glücklich entgangen, hinausgeschleudert wurde und die Straßenjungen sich lustig in die Beute teilten, die ihnen der hastige Herr zugeworfen. Auf das Zetergeschrei, das die Alte erhob, verließen die Gevatterinnen ihre Kuchenund Brandweintische, umringten den jungen Menschen und schimpften mit pöbelhaftem Ungestüm auf ihn hinein, so daß er, vor Ärger und Scham verstummend, nur seinen kleinen, nicht eben besonders gefüllten Geldbeutel hinhielt, den die Alte begierig ergriff und schnell einsteckte. Nun öffnete sich der festgeschlossene Kreis, aber indem der junge Mensch hinausschoß, rief ihm die Alte nach: „Ja, renne — renne nur zu, Satanskind — ins Kristall bald dein Fall — ins Kristall!“ — Die gellende, krächzende Stimme des Weibes hatte etwas Entsetzliches, so daß die Spaziergänger verwundert stillstanden, und das Lachen, das sich erst verbreitet, mit einemmal verstummte. — Der Student Anselmus (niemand anders war der junge Mensch) fühlte sich, unerachtet er des Weibes sonderbare Worte durchaus nicht verstand, von einem unwillkürlichen Grausen ergriffen, und er beflügelte noch mehr seine Schritte, um sich den auf ihn gerichteten Blicken der neugierigen Menge zu entziehen.

(E. T. A. Hoffmann, Der goldne Topf)

Aufgabe 16. Lesen Sie Informationen aus dem „Universallexikon“ über den expressionistischen Stil in Literatur.

Expressionismus

Eine sich um1905/06 durchsetzende Stilrichtung, vor allem in bildender Kunst und Literatur, gekennzeichnet durch die Abkehr von der objektiven Weltdarstellung zugunsten einer subjektiven Ausdruckssteigerung. Kunst wird verstanden als Aufschrei aus der inneren Not des Menschen. Der Expressionismus kann als Reaktion auf Naturalismus und Impressionismus gedeutet werden. An die Stelle von Harmonie und Schönheit tritt die Stärke des Ausdrucks.

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In der Literatur blieb der Expressionismus fast ausschließlich auf Deutschland beschränkt. Er erstrebte Verdichtung, Erhöhung und Leidenschaftlichkeit des Gefühls. Einer oft karikierten Bürgerlichkeit, dem Materialismus und der Mechanisierung des Lebens wurde die Forderung nach einer Erneuerung des ganzen Menschen, nach Verbrüderung und Menschenwürde entgegengestellt. Stärksten Ausdruck fand die Literatur des Expressionismus in der Lyrik: A. Mombert, R. Schickele, T. Däubler, G. Trakl, G. Heym, E. Stadler, A. Stramm, F. Werfel, G. Benn, E. Lasker-Schüler. Das expressionistische Drama ist durch typenhafte Verkörperungen, erregten Ton und heftige Gebärdensprache gekennzeichnet. Von A. Strindberg und F. Wedekind führte die Entwicklung zu R. J. Sorge, E. Barlach, G. Kaiser, F. von Unruh, F. Werfel, C. Sternheim, B. Brecht, W. Hasenclever und A. Wildgans. Die epische Prosa blieb Durchgangsstadium von A. Döblin, G. Benn, L. Frank, F. Werfel, K. Edschmid, Klabund, teilweise auch von H. Mann, H. Hesse, J. Wassermann und G. Hauptmann.

Stellen Sie anhand des unten angeführten Textfragments fest, welche Stilelemente von der Zugehörigkeit der Erzählung von Georg Heym „Der Irre“ zur literarischen Richtung „Expressionismus“ zeugen.

Der Wärter gab ihm seine Sachen, der Kassierer händigte ihm sein Geld aus, der Türsteher schloß vor ihm die große eiserne Tür auf. Er war im Vorgarten, er klinkte die Gartenpforte auf, und er war draußen.

So, und nun sollte die Welt etwas erleben.

Er ging die Straßenbahnschienen entlang, zwischen den niedern Häusern der Vorstadt durch. Er kam an einem Feld vorbei und warf sich an seinem Rande in die dicken Mohnblumen und den Schierling. Er verkroch sich ganz darein, wie in einen dicken grünen Teppich. Nur sein Gesicht schien daraus hervor wie ein weißer aufgehender Mond. So, nun saß er erst einmal.

Er war also frei. Es war aber auch höchste Zeit, daß sie ihn herausgelassen hatten, denn sonst hätte er alle umgebracht, alle

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miteinander. Den dicken Direktor, den hätte er an seinem roten Spitzbart gekriegt und ihn unter die Wurstmaschine gezogen. Ach, was war das für ein widerlicher Kerl. Wie der immer lachte, wenn er durch die Fleischerei kam.

Teufel, das war ein ganz widerwärtiger Kerl.

Aufgabe 17. Lesen Sie Informationen aus dem „Universallexikon“ über die Spezifik des impressionistischen Stils in Literatur.

Impressionismus

Eine Stilrichtung im letzten Drittel des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die den augenblicksgebundenen, natürlichen Eindruck (die objektive Impression) eines Objekts zum eigenwertigen Inhalt der künstlerischen Darstellung machte und das Objekt nicht mehr nur als Bedeutungsträger für eine darüber hinausgehende „Aussage“ verstanden wissen wollte. Anlass für die Prägung des Wortes „Impressionismus“ war das 1874 in Paris ausgestellte Gemälde „Impression — soleil levant“ von C. Monet. Die Bewegung des Impressionismus entstand in Frankreich, zunächst und am ausgeprägtesten in der Malerei.

Der literarische Impressionismus ist eine Richtung, die nach dem Vorbild der Malerei aus momenthaften sinnlichen Eindrücken ein Bild der Wirklichkeit zusammenfügen wollte. Mit der Ausdeutung von Farben, Tönen und Düften werden in feinsten Schattierungen einmalige Seelenzustände und zufällige Stimmungen geschildert. Führende deutschsprachige Impressionisten waren D. von Liliencron, P. Altenberg, P. Hille, A. Schnitzler, M. Dauthendey, R. Dehmel, der junge H. von Hofmannsthal und der junge R. M. Rilke.

Analysieren Sie Stilelemente, die von der Zugehörigkeit des unten angeführten Textes zur literarischen Richtung „Impressionismus“ zeugen.

Dort, weit am Horizont verschimmern die graugrünen, wogenden Felderflächen in den Mondglast. Die Sterne tropfen darüber hin. Unzählig! Unzählig! — Schwarz kraust sich die Waldung drü-

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ben die Berge hinan mit breiten, langen, mattsilbernen Lichtflecken drüber und silbernem Gekräusel. Und der Bach rauscht den Hang hinunter; rätselhaft, wie raunend. Verschwimmende ungewisse Töne. Wie Stimmengewirr, bänglich. — Unruhig bleibt man stehen und lauscht, als könnte man Worte hören, irgend welche Worte. Aber aus den dichten Gärten schluchzt eine Nachtigall, weithin, lang, süß. Beruhigend. Traulich …

Husch! Husch! — eine Eule. Weich, samten über den mondlichten, staubigen Grasweg hin. Zwischen den Gärten kreischen Katzen. Von Zeit zu Zeit ein flinkes, sich entfernendes Rascheln in den Zäunen hin, wie in Windungen. Blumen leuchten von den hellen Beeten her. Und hier stehen sie den Weg entlang; wild, in breiten, bunten Flecken, regungslos …

(J. Schlaf, In Dingsda)

Aufgabe 18. In seinem Buch „Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergaß“ formuliert der deutsche Sprachforscher W. Schneider 50 Regeln des Deutschen, die für jeden Stilisten von besonderer Bedeutung sind. Lesen Sie Regel 13 „Passiv, Infinitiv und Plusquamperfekt vermeiden“ und berichten Sie davon, in welchen Fällen Passiv, Infinitiv, Plusquamperfekt und Imperfekt im Text stilistisch angebracht sind.

Warnung vor dem Passiv

Dem Passiv gilt die Liebe von Gebrauchsanweisungen, Kochbüchern und Behördenbriefen. In allen anderen Texten sollte es vermieden werden. Es hat den zusätzlichen Nachteil, zum Verstecken der handelnden Personen einzuladen: „Meier wurde zu Boden gerissen und mit Füßen getreten“, das ist grammatisch korrekt und in jeder anderen Hinsicht unbefriedigend — wer trat ihn denn? Dies zu wissen haben wir dieselbe Neugier und dasselbe Recht, wie über die Person des Getretenen informiert zu werden.

Widerspruch ist folglich anzumelden gegen manche Stillehren, die das Passiv dann als legitim einstufen, wenn es wirklich das

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ausdrücke, was das Wort besagt: ein Leiden. Nein: Wer das Leiden zufügt, das wollen wir immer wissen. „Der Briefträger wurde zum zehntenmal gebissen“ ist ein akzeptabler Satz — aber nicht deshalb, weil das Gebissenwerden ein Leiden ausdrückt, sondern nur deswegen, weil „beißen“ und „Briefträger“ das eindeutige Signal geben, dass das handelnde Subjekt ein Hund war; und dessen Persönlichkeit darf der Schreiber ignorieren.

Zulässig ist das Passiv ferner, wenn die handelnde Person uns nicht zu interessieren braucht („Der Bahnhof wird um Mitternacht geschlossen“) oder wenn übermenschliche Kräfte wüten („Die Deichkrone wurde auf hundert Meter weggespült“). In allen anderen Fällen ist das Passiv entweder eine Unsitte oder der Fluchtweg eines Schreibers, der die handelnden Personen nicht in Erfahrung bringen konnte.

Zu warnen ist auch vor Floskeln, die die handelnden Subjekte verstecken, ohne sich der grammatischen Form des Passivs zu bedienen: Hundert Menschen sind ums Leben gekommen (unerwünscht, falls es durch Menschen geschah und nicht durch Naturgewalten), ein Krieg ist ausgebrochen.

Wilfried Seifert sagt es so: „<Sie werden in Kenntnis gesetzt>, das ist Papier. <Ich aber sage euch>, das ist die Bergpredigt“. William Zinsser dekretiert: „Der Unterschied zwischen Aktiv und Passiv ist der Unterschied zwischen Leben und Tod“.

Misstrauen gegen den Infinitiv

Der Infinitiv ist eine schriftliche, literarische Form des Verbs und auch unter gebildeten Erwachsenen beim Sprechen selten: „Sei doch so nett und gib mir das Buch“, sagen die meisten; „… er könne die Wahl gewinnen“ ist das natürlichere und elegantere Deutsch. „Die Fähigkeit, die Wahl gewinnen zu können“ wäre hingegen nicht nur schwach, sondern falsch: In der Fähigkeit, die Wahl zu gewinnen, steckt das Können schon drin. Daher sind neun von zehn zu können, zu dürfen, zu sollen, zu müssen zu streichen.

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Vorsicht mit dem Plusquamperfekt

Das Plusquamperfekt ist ein sperriges Tempus — und leider eine journalistische Versuchung; denn die Nachricht über das Flugzeugunglück pflegt mit dem Absturz zu beginnen, so dass die Vorgeschichte nach dem Plusquamperfekt ruft: „Drei Minuten vor dem Absturz hatte der Pilot noch gefunkt …“, und bevor er gefunkt hatte, waren Flammen aus zwei Motoren geschossen.

Daraus folgen drei Ratschläge: die doppelte Verschachtelung, wie in diesem Beispiel, vermeiden, um fast jeden Preis; bei einfacher Verschachtelung (Es hatte damit begonnen, dass …) nach einem einzigen Plusquamperfekt ins Imperfekt springen; möglichst oft (und in der Nachricht nach dem ersten Absatz) chronologisch erzählen. In der Bibel gibt es kein Plusquamperfekt, sowenig wie bei Homer.

Stutzen beim Imperfekt

Das Imperfekt ist das Tempus der Erzählung, es verweilt in der Vergangenheit. „Dann lernte ich Englisch“ ist korrekt als Bestandteil eines Lebenslaufs — falls ich auf jede Aussage darüber verzichten will, ob ich heute Englisch kann. „Englisch habe ich in Cambridge gelernt“ bedeutet: Und nun kann ich es. Jede vergangene Handlung, die in die Gegenwart fortwirkt, verbietet das Imperfekt.

Diese klare Vorschrift der Grammatik kommt, anders als beim Passiv und beim Plusquamperfekt, erfreulicherweise dem Sprachgebrauch entgegen: In mündlicher Rede ist das Imperfekt („Dann ging ich ins Kino“) fast unbekannt, außer bei den Hilfszeitwörtern: Ich war, ich hatte, ich musste, konnte, sollte.

T h e m a 2

Problem der Klassifikation von Funktionalstilen

Wesentliche Merkmale des Funktionalstils. Typologie der Funktionalstile der deutschen Sprache. Theorie der Gattungsstile / funktionaler Substile

Aufgabe 1. Definieren Sie den Begriff „Funktionalstil“.

Aufgabe 2. Nennen Sie die funktionalen Stile der deutschen Gegenwartssprache.

Aufgabe 3. Zählen Sie aktuelle Probleme der Typologie der Funktionalstile.

Aufgabe 4. Erklären Sie die sprachliche Spezifik des Stils der schönen Literatur.

Aufgabe 5. Begründen Sie die Zweckmäßigkeit der Aussonderung des funktionalen Stils der religiösen Kommunikation bzw. des sakralen Stils.

Aufgabe 6. Analysieren Sie den Charakter der Wechselbeziehungen zwischen sozial-kommunikativen Sphären des Sprachgebrauchs und der linguospezifischen Gestaltung der darin zirkulierenden Texte.

Aufgabe 7. Bestimmen Sie anhand der in den folgenden Texten repräsentierten Stilzüge und Stilelemente die Zugehörigkeit dieser Texte zu konkreten funktionalen Stilen.

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1)Zum siebzigsten Geburtstag schenkten sie ihr eine Reise zur guten Nordseeluft. Dänemark ist kein richtiges Ausland, sagten sie, um Anna zu beruhigen. Danach mieteten sie ein Haus in den Dünen, in dem Anna eine Stube im Obergeschoß bekam mit Blick über den gelben Sand zum Meer hin. Sollte es Sturm geben, wird es gegen die Fensterscheiben drücken und durchs Gebälk pusten, sagten sie. Aber der August macht keine Stürme.

Ihre Tage verbrachte Anna am liebsten auf der Terrasse an der guten Luft. Sie sah den einund auslaufenden Schiffen nach und zählte die Türme in der Ferne. Das mußte wohl Esbjerg sein.

Sie möchte mal in die Stadt fahren, sagte Anna eines Abends, als sie vor dem Haus saßen, den Funken nachschauten, die aus dem Kamin in die Abenddämmerung flogen, und den Möwen, die lautlos über der Heidelandschaft kreisten. Frederik kam aus Esbjerg, sagte sie. Der war Fremdarbeiter auf Engeles Hof in Westercelle … bis 45. …

2)Schon seit Jahren ist es Brauch, als Begleitmusik zur Frankfurter Buchmesse ein nationales Klagelied anzustimmen — nämlich in Sachen Literatur. Man zeigt sich enttäuscht und konstatiert elegisch und höhnisch zugleich und meist noch mit unverhohlener Schadenfreude, die zeitgenössischen deutschen Schriftsteller hätten es wieder einmal nicht geschafft, ihr Soll zu erfüllen.

Mal beanstandet man, daß sie zu wenig, mal daß sie zu viel publizierten: Den einen (Wolfgang Koeppen etwa oder Uwe Johnson) verübelt man ihre Zurückhaltung oder gar ihr Schweigen, anderen (Martin Walser etwa oder Thomas Bernhard) den Umfang ihrer Produktion — zwei bis drei Bücher jährlich, das sei nun doch zu viel des Guten. Mal heißt es, die Autoren seien zu schwach, um den demoralisierenden Verlockungen unseres Kulturbetriebs zu widerstehen, ein andermal, sie würden es sich, ihre Pflichten schnöde vernachlässigend in der Idylle oder im Elfenbeinturm bequem machen.

3)Die Bundesrepublik Deutschland ist, wie der Name bereits sagt, ein aus mehreren Einzelstaaten bestehender Bund. Die bun-

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desstaatliche Ordnung (Föderalismus) der Bundesrepublik kommt darin zum Ausdruck, dass die 16 Bundesländer keine Provinzen sind, sondern Staaten mit eigener Staatsgewalt. Sie haben eigene Landesverfassungen, die den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaats im Sinne des Grundgesetzes entsprechen müssen, damit einheitliche Rechte, Pflichten und Lebensverhältnisse allen Deutschen zugute kommen. Daneben haben die Länder weitgehend freie Hand, welche Anliegen sie in ihren jeweiligen Verfassungen besonders herausheben oder beschreiben wollen.

4) Es ist dem als Individuum erscheinenden Subjekt des Erkennens das Wort des Rätsels gegeben, und dieses Wort heißt Wille. Dieses, und dieses allein gibt ihm den Schlüssel zu seiner eigenen Erscheinung, offenbart ihm die Bedeutung, zeigt ihm das innere Getriebe seines Wesens, seines Tuns, seiner Bewegungen. Dem Subjekt des Erkennens, welches durch seine Identität mit dem Leibe als Individuum auftritt, ist dieser Leib auf zwei ganz verschiedene Weisen gegeben: einmal als Vorstellung in verständiger Anschauung, als Objekt unter Objekten, und den Gesetzen dieser unterworfen, sodann aber auch zugleich auf eine ganz andere Weise, nämlich als jenes jedem unmittelbar Bekannte, welches das Wort Wille bezeichnet.

Aufgabe 8. Zählen Sie die Gattungsstile / die funktionalen Substile auf, die jeweils für jeden Funktionalstil der deutschen Sprache charakteristisch sind.

Aufgabe 9. Nennen Sie extralinguistische Faktoren, die das Funktionieren des Stils des offiziellen amtlichen Verkehrs bzw. Stils des institutionellen Verkehrs beeinflussen.

Aufgabe 10. Lesen Sie den Text und finden Sie darin sprachliche Einheiten, die von seiner Zugehörigkeit zum Stil des institutionellen Verkehrs zeugen.

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