Добавил:
Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:

Немецкий язык для аспирантов. Учебное пособие

.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
07.09.2026
Размер:
1 Мб
Скачать
hirnbiologischen Strukturen, das limbische System, sowohl beim Lernen als auch bei der emotionalen Verhaltenssteuerung eine herausragende Rolle spielen. Ganz zweifellos wird das Gebiet der Neurokognition in Zukunft viele neue Erkenntnisse über das Lernen im Allgemeinen wie auch über klinisch relevante Lernprozesse erbringen.
TEXT 3. LERNPSYCHOLOGISCHE GRUNDLAGEN
DER VERHALTENSTHERAPIE
Aus den Lerntheorien entwickelte sich die empirisch am besten überprüfte und derzeit wohl auch einflussreichste Therapieform, die Verhaltenstherapie (VT). So verstand man in der Gründungsphase unter Verhaltenstherapie die Anwendung der durch psychologische Forschung etablierten Prinzipien der Lerntheorien (vgl. Eysenck 1959). Zwanzig Jahre später umfasste die Verhaltenstherapie neben den behavioralen Ansätzen auch kognitive und sozialpsychologische Prinzipien. Die Verhaltenstherapie ist eine auf der empirischen Psychologie basierende psychotherapeutische Grundorientierung. Sie umfasst störungsspezifische und -unspezifische Therapieverfahren, die aufgrund von möglichst hinreichend überprüftem Störungswissen und psychologischem Änderungswissen eine systematische Besserung der zu behandelnden Problematik anstreben. Die Maßnahmen verfolgen konkrete und operationalisierte Ziele auf den verschiedenen Ebenen des Verhaltens und Erlebens, leiten sich aus einer
Störungsdiagnostik und individuellen Problemanalyse ab und setzen an prädisponierenden, auslösenden und/ oder aufrechterhaltenden
Problembedingungen an. Die in ständiger Entwicklung befindliche Verhaltenstherapie hat den Anspruch, ihre Effektivität empirisch abzusichern (Margraf 2009, S. 6). Für eine Beschreibung der Verhaltenstherapie ist es hilfreich, die gemeinsamen Prinzipien der verschiedenen verhaltenstherapeutischen Verfahren zu betrachten. Zentrale Merkmale der Verhaltenstherapie sind (die Anwendung von Erkenntnissen aus der empirisch-psychologischen Grundlagenforschung; die Annahme, dass Verhalten lern- und verlernbar sei; die Betonung der empirischen Überprüfung und der starke Einsatz übender Verfahren).
TEXT 4. NEUERE ENTWICKLUNGEN
Obwohl die lernpsychologischen Grundlagen des Verhaltens seit Langem untersucht werden, ist die lernpsychologische Forschung keineswegs abgeschlossen. Vielmehr gibt es auch heute noch viele interessante Weiterentwicklungen und Anwendungen, von denen hier nur beispielhaft
61
einige wenige genannt werden können. Für die Psychotherapie besonders interessant sind alle Fragen im Zusammenhang mit der langfristigen Etablierung neuer, alternativer neuronaler Erregungsmuster. Vor dem Hintergrund einer Optimierung der Angsttherapie werden die Variablen untersucht, die das Inhibitionslernen beeinflussen. Allgemein ist auch die Untersuchung der neuropsychologischen Grundlagen des Lernens ein wichtiger und sich rasant entwickelnder Bereich; hier wird untersucht, was in unserem Gehirn geschieht, wenn Lern- und Konditionierungsprozesse ablaufen. Auch die oben genannte evaluative Konditionierung wird aktuell intensiv untersucht, u. a. um Anwendungsmöglichkeiten im therapeutischen Kontext zu bestimmen. Und seit kurzem werden auch computerbasierte Trainingsprogramme eingesetzt, um verzerrte kognitive Prozesse bei Angststörungen, Depression und Suchtstörungen therapeutisch zu beeinflussen. Mit diesen Programmen trainieren Patienten automatische Prozesse wie Aufmerksamkeit, Interpretation und Annäherung– Vermeidung, da diese Prozesse der Einsicht und bewussten Kontrolle meist nicht zugänglich sind.
TEXT 5. KOGNITIVE ENTWICKLUNGSNEUROPSYCHOLOGIE
AM BEISPIEL DES PROSPEKTIVEN GEDÄCHTNISSES
Die Entwicklungsneuropsychologie beschäftigt sich mit der Neuropsychologie von Entwicklungsprozessen über die gesamte Lebensspanne. Mit Hilfe eines interdisziplinären Vorgehens kombiniert sie kognitivbehaviorale und neurobiologische Ansätze und widmet sich so der Untersuchung typischer und atypischer kognitiver Ent- wicklungsverläufe. Sie beschäftigt sich hierbei mit der Erforschung verschiedener kognitiver Domänen wie Sprache, Emotionen, soziale Kognition, Motorik oder Lern­und Merkfähigkeit. Im Rahmen dieses Abschnittes werden wir uns mit der Gedächtnisentwicklung beschäftigen und dies speziell am Beispiel eines aktuellen Forschungsgebiets, dem des sog. prospektiven Gedächtnisses.
In der kognitionspsychologischen Literatur wird zwischen prospektivem und retrospektivem Gedächtnis differenziert. Vergleichbar mit dem Problemlösen oder Planungsverhalten wird das prospektive Erinnern als ein Multikomponentenprozess aufgefasst, der sich zum einen aus Elementen des retrospektiven Gedächtnisses (Gedächtnis für den Absichtsinhalt) und zum anderen aus exekutiven Funktionsprozessen (z. B. Planung, Inhibition, Switching) zusammensetzt.
So erfordert eine prospektive Aufgabe die Bildung einer Intention (Planentwicklung), die retrospektive Speicherung der Intention sowie die Initiierung und Ausführung der geplanten Handlung zum angemessenen
62
Zeitpunkt. Beabsichtigt man beispielsweise, eine Person am Abend anzurufen, muss diese Handlung geplant und dabei im Arbeitsgedächtnis behalten werden. Während des Tages muss der Planinhalt im episodischen Langzeitgedächtnis gespeichert bleiben.
ТEXT 6. SPEZIFISCHE ZENTRIERUNGEN DER AUFMERKSAMKEIT
Auf der Grundlage des nichtdirektiven Vorgehens und des empathischen Zuhörens richtet der Psychotherapeut seine Aufmerksamkeit im Psychotherapieprozess spezifisch auf sein eigenes Selbsterleben sowie das des Klienten. Der Fokus auf das eigene Selbsterleben des Psychotherapeuten ermöglicht die bedingungsfreie positive Beachtung und liefert auch Ansatzpunkte für Interventionen beim Vermeiden bestimmter Erfahrungen des Klienten. Erst die Aufmerksamkeit auf und die Akzeptanz der eigenen Erfahrungen aufseiten des Psychotherapeuten ermöglichen dessen Aufmerksamkeit für die Erfahrungen und das Selbsterleben des Klienten. Hier sind drei Aspekte von zentraler Bedeutung:
– Der Psychotherapeut ist aufmerksam für das Ausmaß und die Tiefe der Selbstexploration des Klienten. Eine geringe Selbstexploration, verstanden als deskriptiver Bericht ohne erkennbaren oder nur geringen persönlichen Bezug, ist ein Hinweis auf einen nicht ausreichenden Psychotherapieprozess und auch ein Hinweis, dass die Bedingungen für eine Selbstexploration nicht ausreichend vorliegen oder dass der Klient eine bestimmte Erfahrung in der Psychotherapie vermeidet oder vermeiden will.
– Der Psychotherapeut richtet seine Aufmerksamkeit auf den inneren Bezugsrahmen des Klienten, verstanden als dessen bewusste Empfindungen, Wahrnehmungen, Bedeutungen und Erinnerungen. Da- bei sind das Ausmaß der Kongruenz zwischen Erfahrung und Selbstkonzept.
Der Psychotherapeut richtet seine Aufmerksamkeit auf die „gefühlte Bedeutung“ bzw. des „Experiencing“. Damit ist ein zentraler Aspekt in der
Entwicklung einer neuen Bedeutung umschrieben, bei dem sich ein neues Selbsterleben im unmittelbaren Fühlen und Erleben manifestiert. Dabei erlebt beispielsweise ein Klient bei der Exploration einer bestimmten Erfahrung ein neues Verständnis bzw. eine neue Bedeutung der betreffenden Begebenheit.
TEXT 7. VERBALISIEREN DER ERFAHRUNGEN DES KLIENTEN
Beschreiben die Handlungsprinzipien der Nichtdirektivität und der Aufmerksamkeitszentrierung vor allem umschriebene Haltungen und Interesse des Psychotherapeuten, so werden beim Verbalisieren der
63
Erfahrungen des Klienten konkrete Verhaltensweisen des Psychotherapeuten beschrieben. Diese sind nach Eckert und Petersen anhand von Interventionsregeln beschrieben:
Benennung der Gefühle: Wenn ein Klient über eine Erfahrung spricht,
beinhaltet dies in der Regel auch den Ausdruck von Gefühlen (oder es
fehlt gerade der Ausdruck eines Gefühls, welches an dieser Stelle vom
Gegenüber erwartet wird). Es ist die Aufgabe des Psychotherapeuten,
diese genannten (oder fehlenden) Gefühle in seinem empathischen
Zuhören, Verstehen und Wiedergeben zu berücksichtigen und
entsprechend zu verbalisieren.
Einbezug des inneren Bezugsrahmens: Wie beschrieben ist die
Aufmerksamkeit spezifisch auf den inneren Bezugsrahmen des Klienten
gerichtet. Entsprechend ist es wichtig, diesen auch gegenüber dem
Klienten zu verbalisieren. Dabei geht es um die Empfindungen,
Wahrnehmungen, Bedeutungen und Erinnerungen, die zu den
wahrgenommenen Gefühlen geführt haben, sowie auch die Reaktionen
und Bewertungen, die auf diese Gefühle folgen, und die Art und Weise,
wie der Klient diese Gefühle wahr- nimmt und wie er damit umgeht.
Differenzierte Verbalisierung anhand Selbstexploration: Das Ausmaß der
Selbstexploration variiert zwischen Klienten und zwischen Erfahrungen.
Dabei kann bei hoher Selbstexploration die Verbalisierung möglichst
genau und vollständig, d. h. das aktuelle Erleben, dessen Bezug zum
Selbstkonzept, dessen Bewertung und dessen Bedeutung für die
therapeutische Beziehung umfassend, erfolgen.
Überprüfung der Verbalisierung von Erfahrung: Die Überprüfung, ob die
Verbalisierungen des Psychotherapeuten für den Therapieprozess
hilfreich waren, kann daran beurteilt werden, ob der Klient dadurch zur
Selbstexploration angeregt oder diese vertieft wird.
TEXT 8. AKZEPTANZ UND BEREITSCHAFT
Dieser Prozess umschreibt das bewusste Annehmen einer absichtsvoll offenen, empfänglichen, flexiblen und nicht urteilenden Haltung gegenüber dem Erleben im gegenwärtigen Augenblick. Er beschreibt die Fertig- keit, offen zu sein für alle Dimensionen des inneren Erlebens ohne eigene schmerzhafte Gefühle, Gedanken oder Erinnerungen bekämpfen oder beeinflussen zu müssen. Demnach ist Akzeptieren eine Haltung der Offenheit, Gegenwartsorientierung, von Mitgefühl, Güte und Bereitschaft in Bezug auf die eigenen Erfahrungen. Eine solche Haltung des Akzeptierens manifestiert sich in der Bereitschaft, aversive Gedanken, Erinnerungen, Empfindungen und Gefühle so zu erfahren, wie sie sind, ohne diese
64
Erfahrungen oder die Umstände, in denen sie auftreten können, zu vermeiden oder zu versuchen, ihnen zu entfliehen. Anhand spezifischer Interventionen wird darauf abgezielt, auf Gefühlskontrolle ausgerichtete Anstrengungen aufzugeben und sich gezielt der gegenwärtigen Situation im Sinne werteorientierten Verhaltens zu widmen. Akzeptieren ist also eng mit Bereitschaft und absichtsvollem Handeln verbunden. Dieser Prozess fördert die Fähigkeit zum flexiblen, auf sich selbst gerichteten Perspektivenwechsel. Er befasst sich vorwiegend mit dem konzeptualisierten Selbst, also allen
Überzeugungen, Gedanken, Vorstellungen, Annahmen, Erinnerungen, Gefühlen über sich selbst. Im Gegensatz zum rigiden Festhalten an einem
starren Selbstkonzept, fördert der Prozess „Selbst als Kontext“ statt- dessen die Fähigkeit zu einem flexibleren Umgang und einen Perspektivenwechsel. Dabei geht es darum, sich selber nicht als den Inhalt der eignen Selbstkonzepte (z. B. „Ich bin hässlich“), sondern als Kontext unter­schiedlichen und wechselnden Erlebens zu erfahren (z. B. „Ich merke, dass ich viel erlebe. Unter anderem, dass ich in der Situation X das Gefühl habe, hässlich zu sein“).
5.5. Примеры текстов для просмотрового чтения (менеджмент)
TEXT 1. IWM BEGRIFFSLANDSCHAFT UND VORHANDENE MODELLE
Die Frage nach dem Wissen über das Wissen hat eine lange Geschichte und kann bis hin zur Antike nachweislich zurückverfolgt werden. Der griechische Philosoph SOKRATES (469 – 399 v.Chr.) prägte mit seiner Aussage „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ die Erkenntnis über das bewusste Nichtwissen. Die ca. 2.000 Jahre später getroffene These „Wissen ist Macht“ wird dem Engländer FRANCIS BACON (15611626) zugesprochen und hat bereits teilweise Bezug zu einem wirtschaftlichen und demzufolge einem gewinnorientierten Kontext. Jedoch soll in der folgenden Auseinandersetzung der Begriff Wissen nicht als philosophisches Problem, sondern aus Sicht einer sich entwickelnden Wissensgesellschaft näher erläutert werden. Hier werden individuelles und kollektives Wissen und seine Organisation vermehrt zur Grundlage des sozialen und ökonomischen Zusammenlebens. Mit der Einführung digitaler Werkzeuge entsteht daraus die sogenannten Informationsgesellschaft (wobei die Begriffe Wissens- und Informationsgesellschaft oft synonym verwendet werden) und es lässt sich ein Austausch positionaler bzw. hierarchiebezogener Macht durch eine (medien-) kompetenzbasierte Einflussnahme nachweisen – d.h. die individuelle Kompetenz zum Umgang mit digitalen Medien wird zur
65
Grundlage jeglicher organisationaler Macht. Frei nach MCLUHAN ET AL. ist das Medium nicht mehr nur die Botschaft, sondern die Wirkung!
[nachhaltiges-landmanagement.de/ uploads/tx_t3documents/00043­Kaiser2012__IWM%20im%20NLM.pdf].
TEXT 2. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND AUSBLICK
Informations- und Wissensmanagement (IWM) als Querschnittsdisziplin unterstützt wesentlich den Transfer und die Implementation der entwickelten Innovationen im Nachhaltigen Landmanagement (NLM). Das wesentliche Instrument im IWM sind Maßnahmen zur Kommunikation im Wissensnetzwerk, dessen „Türen“ für alle offen stehen und so den intra- und interorganisationalen Transfer fördert. Denn erst durch den Dialog kann das expertengebundene implizite Wissen in explizites Wissen übertragen werden und allen Akteuren im NLM zur Anwendung und Verstetigung in der Praxis zur Verfügung gestellt werden. Dies ist auch der Anspruch einer inter- und transdisziplinären Verbundforschung, was die BMBF-Fördermaßnahme NLM darstellt. Grundlage für das IWM im NLM bilden Modellierungen insbesondere aus den Wissenschaftsbereichen Informations- und Wissensmanagement sowie Bildungsforschung und -organisation, resp. Entwicklung von Wissensorganisationen und schließlich Informations­technologie. Aus Sicht des Informations- und Wissensmanagement zeigt sich zuerst ein reichhaltiger theoretischer Diskurs, der zu einem Bedarf an einer Schärfung der hier verwendeten Begriffe führt. Aus Sicht der Bildungswissenschaften wird der Einfluss von Informationstechnologie deutlich, die zu neuartigen Verbreitungs- wie auch Nutzungsweisen von Wissen nicht nur im Nachhaltigen Landmanagement führen. Für den gezielten und koordinierten Umgang mit Wissen wurde hier das Modell des dialoggesteuerten Lernprozesses im Wissensnetzwerk NLM entwickelt.
[nachhaltiges-landmanagement.de/ uploads/tx_t3documents/00043­Kaiser 2012__ IWM% 20 im%20NLM.pdf].
TEXT 3. DIE BEDEUTUNG VON KONTROLLE
AUS TRANSAKTIONS-KOSTENTHEORETISCHER PERSPEKTIVE
Die zentrale Bedeutung von Unternehmenskooperationen für die strategische Zielerreichung eines Unternehmens ist mittlerweile in der betriebswirtschaftlichen Literatur unbestritten. Auch in der Unternehmenspraxis gehören Kooperationen mit anderen Unternehmen längst zur betrieblichen Normalität. Allerdings wird der Erfolg von Unternehmenskooperationen häufig als nicht zufrieden stellend empfunden.
66
Die Probleme von Unternehmenskooperationen zeigen sich im besonderen Maße im Rahmen von Joint Ventures. Diese stehen im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen. Unter dem Begriff „Joint Venture“ werden in der Literatur verschiedenste Formen der Vereinbarung von Unternehmen zur Durchführung eines gemeinsamen Projektes subsumiert. Aus juristischer Sicht kann aber nur dann von einem Joint Venture gesprochen werden, wenn zwei oder mehrere rechtlich selbständige und wirtschaftlich unabhängige Unternehmen eine organisatorische Einheit mit eigenständiger Rechtsform gründen und als Eigenkapital gebende Muttergesellschaften (equity joint venture) das gemeinsame Unternehmen gemeinschaftlich führen. Diese in der wissenschaftlichen Literatur dominierende Betrachtungsweise werden wir im Folgenden zugrunde legen. Fragt man nach den Erfolgsvoraussetzungen von Joint VentureBeziehungen, so stellt sich a) die Frage, unter welchen Bedingungen die Gründung eines Joint Ventures überhaupt eine effiziente Kooperationsform darstellt, und b), wie die Kontrolle und Steuerung eines bestehenden Joint Ventures durch die beteiligten Muttergesellschaften vollzogen werden sollte. Einen wesentlichen Erklärungsbeitrag zur Beantwortung dieser beiden Fragestellungen liefert die von Oliver Williamson geprägte Transaktionskostentheorie.
[nachhaltiges-landmanagement.de/uploads/tx_t3documents/00043-Kaiser 2012__ IWM%20im% 20NLM.pdf].
TEXT 4. PLÄDOYER FÜR EINE BERÜCKSICHTIGUNG VON VERTRAUEN –
JEDOCH MIT DIFFERENZIERTEM VERSTÄNDNIS DER JOINT VENTURE
Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass Vertrauen bei Transaktionen zwischen ökonomischen Akteuren sehr wohl eine Rolle spielt. Die Verhaltensweisen der Transaktionspartner im Rahmen einer Joint Venture­Beziehung sind in Bezug auf ihr Kontrollverhalten unterschiedlich, je nachdem, ob eine Vertrauensbeziehung zwischen den Muttergesellschaften vorhanden ist oder nicht. Die Transaktionskostentheorie hat somit durch eine Öffnung und Erweiterung des theoretischen Bezugsrahmens um das Konstrukt „Vertrauen“ einiges zu gewinnen. Die in der originären Transaktionskostentheorie verankerte einseitige Fixierung auf Kosten und Sicherheitsvorkehrungen gegen Opportunismus führt zu einer Vernachlässigung der Zielsetzung von Joint Ventures, nämlich der Generierung von Synergien. Die Leistungsseite kann erst durch eine Öffnung der Perspektive, wie bspw. durch die Berücksichtigung von interorganisationalem Lernen, wirklich thematisiert werden. Vertrauen ist in
KONTROLLE!
67
einem solchen erweiterten Bezugsrahmen ein zentraler Faktor. Durch die konzeptionelle Hereinnahme von Vertrauen soll nicht einfach unterstellt werden, dass gegebenenfalls Transaktionskosten eingespart werden können, sondern es geht viel fundamentaler darum, wie mittels Transaktionen kooperative Leistungen erzielt werden können. Ein Aspekt, der aus unternehmensstrategischer Sicht von besonderer Relevanz ist. Der theoretische Bezugsrahmen wird dadurch komplizierter aber gleichzeitig reichhaltiger. Eine simple Gleichsetzung von Vertrauen und Kontrolle im Sinne einer Reduktion des Kontrollbedürfnisses bei Vorliegen von Vertrauen greift jedoch zu kurz.
[nachhaltiges-landmanagement.de/ uploads/tx_t3documents/00043­Kaiser 2012__IWM%20im%20NLM.pdf].
TEXT 5. ENTWICKLUNG UND INSTITUTIONALISIERUNG
EINER STRATEGISCHEN RESSOURCE
Die auf einem Koevolutionsmodell basierende Analyse der Entwicklung und Institutionalisierung von Allianzmanagementkompetenz in 25 großen europäischen Unternehmen liefert folgende Ergebnisse: Die Aufgaben des MultiAllianzmanagements sind von strategischer Bedeutung und erfordern spezifische Institutionen, Prozesse sowie Instrumente und Methoden. Allianzmanagementkompetenz resultiert aus der systematischen Reflexion der Kooperationserfahrungen und aus der Kodifizierung und Replikation der daraus gewonnenen Erkenntnisse. Um die Allianzmanagementfähigkeit eines Unternehmens gezielt zu verbessern, ist daher systematisches Wissensmanagement erforderlich. Die Zahl und die strategische Bedeutung der Allianzen eines Unternehmens beeinflussen die Entwicklung seiner Allianzmanagementfähigkeit positiv. Kooperations-erfahrung alleine ist jedoch nicht ausreichend für ein erfolgreiches Allianzmanagement. Die Erfahrung muss auch konsequent für die Schaffung von Infrastrukturen zur Professionalisierung des Allianzmanagements genützt werden. Die Bildung eines Kompetenzzentrums für Allianzmanagement sowie die Formalisierung wichtiger Prozesse und die Standardisierung von Methoden und Instrumenten sind von zentraler Bedeutung für die Entwicklung einer überlegenen Allianzmanagement-kompetenz. Das Ausmaß der Allianzmanagementkompetenz des fokalen Unternehmens beeinflusst den Beitrag seines Allianzportfolios zum Unternehmenserfolg positiv. In turbulenten Umfeldern und in stark vernetzten Branchen kann Allianzmanagementfähigkeit daher eine strategische Ressource darstellen, die einen verteidigbaren Wettbewerbsvorteil begründet.
[nachhaltiges-landmanagement.de/ uploads/tx_t3documents/00043­Kaiser 2012__ IWM%20im %20N LM.pdf].
68
TEXT 6. ABHÄNGIGKEIT DER INSTITUTIONALISIERUNG
DES ALLIANZ-MANAGEMENTS VOM KONTEXT
Aus Sicht der befragten Unternehmen begünstigen folgende Kontextfaktoren die Schaffung eines Kompetenzzentrums für Allianzmanagement: „hohe strategische Bedeutung der Allianzen für die Unternehmensentwicklung, „große Zahl von Allianzen, „Unternehmensgröße. Hingegen warden„ ein hoher Diversifikationsgrad (Mischkonzern) und„ eine ausgeprägt dezentrale Führungsphilosophie als hinderlich für die teilweise Zentralisierung des Allianzmanagements angesehen. Von diesen potenziellen Einflussfaktoren auf die Organisation des Allianzmanagements – d.h. auf die Wahl des Institutionalisierungstyps – konnte aufbauend auf den Daten der Querschnittuntersuchung die Wirkung folgender Kontextfaktoren getestet werden:„ Strategische Bedeutung der Allianzen: Bei den untersuchten 24 Unternehmen ist kein signifikanter Einfluss der strategischen Bedeutung der Allianzen auf die Organisation des Allianzmanagements feststellbar. Dies liegt daran, dass sich alle an der Querschnittuntersuchung beteiligten Unternehmen durch eine hohe strategische Bedeutung von Allianzen auszeichnen und daher die Streuung der unabhängigen Variablen sehr gering ist (Folge der Stichprobenauswahl).
Anzahl der Allianzen: Unternehmen, die viele Allianzen managen müssen, finden sich überwiegend unter den Typen Relationship Builder und
Dezentralisten, während Unternehmen, die weniger Allianzen betreiben, vor allem dem Typ Zentralist angehören. Der Einfluss der Anzahl der Allianzen auf die Institutionalisierung des Allianzmanagements zeigt eine Tendenz zur Signifikanz (Chi-Quadrat Test auf dem 10 %-Niveau signifikant).
Diversifikationsgrad: Zentralisten haben einen geringen Diversifikationsgrad, während Relationship Builder und Dezentralisten sich durch einen hohen Diversifikationsgrad auszeichnen. Der Einfluss des Diversifikationsgrades auf die Institutionalisierung des Allianzmanagements ist auf dem 2 %-Niveau signifikant (Chi-Quadrat Test).
[nachhaltiges-landmanagement.de/ uploads/tx_t3documents/00043­Kaiser 2012__ IWM%20im%20NLM.pdf].
TEXT 7. FAZIT: SYSTEMATISCHER KOMPETENZAUFBAU
MUSS ORGANISIERT WERDEN
Die vorliegenden Befunde unterstreichen, dass der systematische Aufbau von Allianzmanagementkompetenz die Schaffung entsprechender organisatorischer Lösungen voraussetzt. Die – zumindest vorübergehende – Zentralisierung der erfolgskritischen Allianzmanagementaktivitäten in einem
69
Kompetenzzentrum und die Bildung spezialisierter Stellen schaffen die Voraussetzung dafür, konsequent auf den Lernerfahrungen der Vergangen­heit aufzubauen und das Allianzmanagementwissen systematisch weiter zu entwickeln. Weiters ermöglicht es das Kompetenzzentrum, die Lernprozesse der in das Management von Allianzen eingebundenen Einzelpersonen zu vernetzen und dadurch organisationales Lernen zu unterstützen. Dadurch kann ein organisationaler Wissensbestand in Bezug auf Allianzmanagement aufgebaut werden. Das Allianzmanagementwissen führt zu einer Routinisierung der Durchführung der Aufgaben des Einzel- und Multi­Allianzmanagements und manifestiert sich in formalisierten Prozessen sowie in standardisierten Methoden und Instrumenten des Allianzmanagements. Für die Diffusion des Allianzmanagementwissens erlangen Replikations­mechanismen eine zentrale Bedeutung. Die in der Praxis in Großunternehmen mit einer Vielzahl von Allianzen anzutreffenden organisatorischen Lösungen zur Verankerung des Allianzmanagements sind durchaus unterschiedlich und können zu fünf Institutionalisierungstypen zusammengefasst werden. Die Wahl des Institutionalisierungstyps ist offensichtlich auch vom internen und externen Kontext abhängig und hat einen Einfluss auf die Höhe der Allianzmanagementkompetenz des Unternehmens. Dies verdeutlicht die wechselseitige Beeinflussung von Allianzmanagementkompetenz, Strategiewahl, Größe und Struktur des Allianzportfolios und der Entwicklung des Unternehmensumfeldes.
[nachhaltiges-landmanagement.de/ uploads/tx_t3documents/00043­Kaiser 2012__IWM%20im%20NLM.pdf].
TEXT 8. FAZIT: ALLIANZMANAGEMENTKOMPETENZ
ALS EVOLVING CAPABILITY
Die empirischen Befunde machen deutlich, wie Allianz­managementkompetenz im Zeitablauf sukzessive aufgebaut wird: Im Zuge der Evolution ihres Allianzportfolios sammeln die Unternehmen Kooperationserfahrung und entwickeln auf dieser Grundlage ihre Allianzmanagementpraxis weiter. Alle in der Querschnittuntersuchung Befragten betonen, dass in ihren Unternehmen das Lernen zu kooperieren „by doing“ erfolgte und der wettbewerbsgetriebenen Notwendigkeit entsprang, Allianzen einzugehen und erfolgreich zu entwickeln. Anfangs ist das Allianzmanagementwissen nur in Einzelpersonen (so genannten Allianzprofis) verankert. Wenn die Allianzen für die Entwicklung des Unternehmens eine hohe Bedeutung erlangen, wird aus dem Wissen Einzelner ein organisationaler Wissensbestand geformt. Dazu sind die systematische Verknüpfung des Wissens der Einzelpersonen und die
70