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Deutschland im Wandel der Zeit = Германия через призму времени. Учебное пособие.pdf
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Содержание
von den Studenten gegründeten Burschenschaften gewinnen zwar nicht an politischem Einfluss, sie prä gen jedoch das Bewusstsein jener Akademiker, die im Vormärz und in der Revolution im Jahr 1848 die politische Führung des Bürgertums übernehmen. Die von den Uniformen des Lützowschen Freikorps stammen den Farben Schwarz-Rot­Gold werden von der Jenaer Burschenschaft verwendet und bald zum Symbol der nationalen und liberalen Bewegung.
Die deutsche Revolution von 1848 erfasst nahezu gleich zeitig die rund 40 Staaten des Deutschen Bundes. Die Forderungen des Bürgertums nach nationaler Einheit, einer Garantie der Menschenrechte und der politischen Mitwirkung gipfeln in einem Volksaufstand: eine Revolution mit Barrikadenkämpfen in Berlin, Wien und vielen anderen Städten Europas. Die Fürsten weichen vor den Forderungen des Volkes zunächst zurück. Am 18. Mai 1848 tritt in der Frankfurter Paulskirche die Nationalversammlung zusammen, um eine Verfassung für das gesamte Land auszuarbeiten. Allerdings besteht die Nationalversammlung zum größten Teil aus höheren Staatsbeamten und Akademikern. Handwerker und Bauern sind nur zu einem sehr geringen Teil vertreten. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnt aber die neue Reichsverfassung ab. Versuche, die neue Verfassung durch Aufstände durchzusetzen, scheitern. Der Weg für Reformen ist vorläufig versperrt.
Aufgabe 2. Erstellen Sie nach den Informationen oben Stichpunkte zu dem folgenden Plan:
1. Deutsche Restauration.
2. Deutschland in der Zeit vor der Märzrevolution.
3. Vereinigung Deutschlands „von unten“: „Deutsche Revolution“ von 1848.
4. Deutsche Burschenschaften.
5. Karlsbader Beschlüsse und weitere Repressionsmaßnahmen.
Aufgabe 3. Beantworten Sie die folgenden Fragen.
A. Welche Erscheinungen waren in Deutschland nach 1830 zu beobachten? Warum gerade zu dieser Zeit?
B. Welche Schwächen hatte die 1848 gewählte Nationalversammlung?
C. Warum erlitt die bürgerliche Revolution 1848 in Deutschland eine Niederlage?
D. Warum bezeichnet man die Revolution von 1848 als die Revolution „von unten“?
E. Aus welchem Grund verbreitet sich die deutsche Burschenschaft? Wie würden Sie als Studentinnen und Studenten in so einer Situation reagieren? Warum? Begründen Sie bitte!
F. Schauen Sie sich zwei kurze Videos zum Thema „Deutsche Revolution 1848“ an und notieren Sie Ursachen, Träger, Ziele, Verlauf und Auswirkungen der Revolution1. Präsentieren Sie Ihre Ergebnisse in den Kleingruppen und fassen Sie sie im Plenum zusammen.
1
Deutsche Revolution 1848 : [сайт]. URL: https://www.youtube.com/watch?v=fQOICDXvo8c (letzter Zugriff:
07.12.2021).
Deutsche Revolution 1848 : [сайт]. URL: https://www.youtube.com/watch?v=xuyGSM3nkpA (letzter Zugriff:
07.12.2021).
Содержание
Aufgabe 4. Sprechen Sie zu den folgenden Punkten ausführlich.
1. Restaurationspolitik der Heiligen Allianz.
2. Deutschland in der Zeit vor der Märzrevolution: Vormärz, Biedermeier, Romantik.
3. Nationaldemokratische Bewegung: Allgemeine Deutsche Burschenschaft, Wartburgfest
4. Heilige Allianz und Deutscher Bund als Resultate des Wiener Kongresses.
5. Nationaldemokratische Bewegung: Allgemeine Deutsche Burschenschaft.
6. Bekämpfung der nationalen und liberalen Bestrebungen. Karlsbader Beschlüsse.
7. Revolution von 1848-1849: Charakter, Ergebnisse.
8. Frankfurter Nationalversammlung: Aufgaben und Probleme.
Aufgabe 5. Bereiten Sie einen Vortrag zu einem von den angegeben Themen vor und halten Sie ihn im Seminar.
1. Wartburgfest
2. Hambacher Fest
Denken Sie bei der Vorbereitung des Vortrags an eine Unterstützung wie Handout, Power Point Präsentation o.Ä. Da schildern Sie den Plan des Vortrags, die wichtigste Informationen in Stichpunkten, passende Bilder/Fotos, unbekannte/unklare Wörter/Begriffe mit ihrer Erläuterung. Für die Präsentation der Materialien haben Sie 10 Minuten Zeit. Bereiten Sie bitte auch die Kontrollfragen für Ihre Mitstudierenden vor. Für diese Tätigkeit stehen Ihnen 10 Minuten Zeit zur Verfügung.
Die empfohlene Literatur:
1. Biografisches Lexikon zur deutschen Geschichte. Berlin,1967.
2. Deutsche Geschichte. Band 1. Berlin, 1967.
3. Deutsche Geschichte. Kleine Enzyklopädie. Leipzig, 1965.
4. Deutsche Geschichte in Daten. Berlin, 1967
5. Lexikon der deutschen Geschichte. Stuttgart, 1983.
6. Streisand J. Deutsche Geschichte in einem Band. Berlin, 1970.
7. Zettl E. Deutschland in Geschichte und Gegenwart. 1993.
8. Tatsachen über Deutschland. Frankfurt/Main, 1996.
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Überprüfen Sie sich selbst:
Содержание
1. Warum scheiterte die Revolution 1848?
2. Was versteht man unter dem Begriff „Nationalismus“?
3. Was ist Deutscher Bund?
4. Wann wurde der Deutsche Bund gegründet?
5. Welche Macht wollte die erste Seemacht bleiben? England oder Preußen? Warum?
6. Welche Farbe drückte die Verbindung der „Deutschen Burschenschaft“ aus?
7. Warum bauten die Menschen bei der Versammlung am 18. März 1848 Straßenbarrikaden?
8. Wo wurde der Deutsche Bund gegründet?
9. Wann waren die Karlsbader Beschlüsse?
10. Wurde das Wahlrecht und andere Grundrechte von den Fürsten eingeschränkt?
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Reflektieren Sie sich über das ganze Thema und beantworten Sie die folgenden Punkte.
Das war neu für mich:
Was war schwierig. Warum?
Was war einfach? Warum?
Was hat mir beim Lernen geholfen?
Hier habe ich noch Fragen:
Das wichtigste für mich war:
Besprechen Sie Ihre Überlegungen in den Kleingruppen. Die Ergebnisse werden im Plenum bewertet und zusammengefasst.
Содержание

THEMA 6. ENTSTEHUNG UND UNTERGANG DES ZWEITEN REICHES

Aufgabe 1. Machen Sie sich mit den folgenden Informationen vertraut. Markieren Sie beim Lesen die Schlüsselwörter. Beachten Sie auch die fettgedruckten Begriffe und Namen. Erkundigen Sie sich nach derer Definition.
Die deutsche und europäische Geschichte der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts steht unter dem Zeichen der Politik eines großen deutschen Staatsmannes, des preußischen Kanzlers Otto von Bismarck (1815–1898). Dank Bismarck wurde Preußen fähig, ein Reich im Sinne der kleindeutschen Idee zu gründen.
Im Herbst 1862 ernannte der preußische König Wilhelm I. Bismarck zum Ministerpräsidenten. Das Hauptziel Bismarcks war, Preußen zu einer Macht aufsteigen zu lassen und die deutsche Einheit unter seiner Führung zu erreichen. Der erste Schritt in dieser Richtung war der Konflikt mit Dänemark um die Provinzen Schleswig und Holstein. 1864 erklärten Preußen und Österreich, die in jenem Moment verbündet waren, Dänemark den Krieg. Das brachte eine Welle nationaler Begeisterung in Deutschland. Im Deutsch-Dänischen Krieg wurde Schleswig-Holstein von Dänemark abgetreten und kam unter die gemeinsame preußisch-österreichische Verwaltung. Die daraus entstehenden Spannungen führten 1866 zur Besetzung beider Herzogtümer durch Preußen und damit zum Krieg gegen Österreich. Da Preußen militärisch überlegen war, wurde Österreich im Deutschen Krieg (1866) schnell geschlagen. Das österreichische Ansehen war durch diesen Feldzug geschwächt, und die Ungarn stellten stärkere nationale Ansprüche. Die Monarchie wurde verfassungsmäßig neugeregelt und nannte sich von da an Österreich-Ungarn.
Jetzt hatte Preußen alleinige Vormacht in Deutschland. Aber es strebte nach weiteren Gebietserwerbungen. Der Deutsche Bund hatte sich infolge des Deutschen Krieges von 1866 aufgelöst. An seine Stelle war durch die Initiative Bismarcks der Norddeutsche Bund getreten. Er umfasste alle deutschen Staaten nördlich des Mains. Sie blieben noch eigenständig, standen aber fortan in einem engeren Verhältnis zu Preußen. In Süddeutschland verpflichteten sich die selbständigen Länder, im Falle eines Verteidigungskrieges Preußen zu helfen. Dies wurde im Krieg gegen Frankreich 1870/1871 möglich. Bismarck hatte Frankreich zur Kriegserklärung durch die Fälschung der Emser Depesche herausgefordert. Mit Ausnahme Österreichs vereinigte sich ganz Deutschland um Preußen und zog in den Nationalkrieg gegen den Erbfeind.
Die Gründung des Deutschen Reichs wurde schließlich am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles vollzogen. Der preußische König erhielt den Titel eines Deutschen Kaisers.
Die Reichsverfassung von 1871 betonte das monarchische Element. Der Kaiser, der zugleich auch König von Preußen war, konnte die Reichsregierung ernennen und absetzen. Die Verfassung war somit stark vom Obrigkeitsdenken geprägt. Damit war aber die Zukunft Deutschlands entscheidend von dem Geschick seiner Kaiser und den von diesen ernannten Reichskanzlern abhängig.
Außenpolitik von Otto von Bismarck. Nach dem Rückgewinn von Elsass-Lothringen beabsichtigte Bismarck nicht mehr die Vergrößerung des Reiches nach außen, sondern seine Festigung in politischer Hinsicht. Als Hauptaufgabe der Außenpolitik blieb die diplomatische Sicherstellung der Beziehungen zu den Nachbarvölkern. Um Bündnisse der übrigen Großmächte gegen Deutschland zu verhindern, baute Bismarck mit diplomatischem Geschick ein Bündnissystem auf, das auf eine Isolierung Frankreichs hinauslief, das durch die Eingliederung Elsass-Lothringens zum Erzfeind wurde. Deutschland beteiligte sich auch an der Kolonialpolitik. Deutsche Ärzte, Wissenschaftler, Missionäre und Privatkaufleute fuhren nach Südwest- und Ostafrika und in den Pazifik. Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Kolonien blieb jedoch gering.
Die Innenpolitik Bismarcks ist vom sogenannten Kulturkampf und der sozialen Gesetzgebung gekennzeichnet. Der Kulturkampf (von 1871 bis 1886) war eine weltanschauliche Auseinandersetzung des Reiches mit der katholischen Kirche. Bismarck verbündete sich mit den Nationalliberalen.
Содержание
Der nächste Gegner Bismarcks stellten die Sozialisten dar. Die Stimmung in der Öffentlichkeit nach einem Attentatsversuch auf Kaiser Wilhelm I nutzte Bismarck 1878 zur Durchsetzung der so genannten Sozialistengesetze zum Verbot sozialistischer Vereinigungen. Die Gesetze waren bis 1890 in Kraft, konnten die Verbreitung sozialistischer Ideen aber nicht verhindern. Parallel dazu versuchte Bismarck durch eine
Sozialgesetzgebung einer Radikalisierung der Arbeiter entgegenzuwirken. So wurde 1883 eine allgemeine Krankenversicherung, 1884 eine Unfallversicherung und 1889 eine Altersversicherung eingeführt.
Weitergehende Forderungen der Sozialdemokraten wie Mindestlöhne oder Arbeitsschutzgesetze lehnte Bismarck aber ab. Trotz seiner Bemühungen blieb doch der Rückgang der Sozialdemokratie aus.
1888 bestieg Wilhelm II. den Kaiserthron. Wegen politischer Meinungsverschiedenheiten verzichtete er auf die Mitarbeit Bismarcks. Die ruhige Epoche, die seit der Reichsgründung eingetreten war, setzte sich fort. Aber sie nahm den Charakter eines bewaffneten Friedens an. Die politischen Spannungen unter den europäischen Staaten kamen noch mehrmals zu einem Ausgleich, obwohl Deutschland auf dem Weltmarkt zum größten Wirtschaftskonkurrenten geworden war.
In der deutschen Außenpolitik folgte eine Kurswende. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger nahm der neue Kaiser die Außenpolitik selbst in die Hand (persönliches Regiment). Das führte zunehmend zu einer außenpolitischen Isolierung Deutschlands, nur Österreich, Italien und das Osmanische Reich blieben ihm später als Bündnispartner.
Die Innenpolitik war stark vom Strukturwandel und der sozialen Frage geprägt. Reichskanzler Caprivi verfolgte einen Kurs sozialer Reformen. Weitere politische Reformen in der Folgezeit scheiterten jedoch.
Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajewo durch eine serbische Geheimorganisation, löste schließlich den Ersten Weltkrieg aus.
Anfänglich war die deutsche Bevölkerung noch kriegsbegeistert. Im Laufe des Krieges verschlechterte sich die Versorgungslage zusehends. Als im Oktober 1918 noch einmal die Flotte gegen die Royal Navy auslaufen sollte, meuterten die Matrosen. Der Matrosenaufstand breitete sich innerhalb weniger Tage über ganz Deutschland aus und wurde zur Novemberrevolution. Allerorts wurden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. Am 9. November kam es auch in Berlin zu Unruhen. Um ein Blutbad zu verhindern, erklärte Reichskanzler Max von Baden die Abdankung des Kaisers, ohne dessen Einwilligung. Wilhelm II. beugte sich danach dieser Entscheidung und ging ins Exil in die Niederlande. Max von Baden übergab die Regierungsgewalt an Friedrich Ebert. Am Nachmittag rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Republik aus.
Am 10. November bildete sich mit dem Rat der Volksbeauftragten eine provisorische Regierung. Am 11. November wurden durch einen Waffenstillstand die Kampfhandlungen eingestellt. Am 28. Juni 1919 musste Deutschland den Versailler Vertrag unterschreiben. Darüber hinaus entstand als wesentlicher Schritt zur wirtschaftlichen Einheit Deutschlands ein Zollparlament zur gemeinsamen Regelung wirtschaftspolitischer Fragen, dem die Abgeordneten des Norddeutschen Reichstages und 85 gesondert gewählte Vertreter der süddeutschen Staaten angehörten. Die wirtschaftspolitische Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes beseitigte die meisten Hemmnisse, die der Entwicklung des Kapitalismus von der feudalen Bürokratie in den Weg gelegt worden waren. Österreich wurde zur Doppelmonarchie. Im Ausgleich wurde die ungarische Frage gelöst: Ungarn erhielt faktisch wieder die Souveränität.
Reichsgründung und Sozialgesetzte
Im Jahr 1871 wird das Deutsche Reich gegründet, und Wilhelm I., König von Preußen, wird zum Kaiser ernannt.
Содержание
1871: Reichsgründung. Die ersten Reichsjahre
Nach dem Sieg über Frankreich wird am 18. Januar 1871 das Deutsche Reich „von oben“ gegründet, ohne das Volk dabei zu beteiligen. Die deutschen Fürsten entscheiden, ihre Länder zu einem Bundesstaat zusammenzuschließen. Wilhelm I., König des größten Bundeslandes Preußen, wird zum Kaiser ernannt. Otto Fürst von Bismarck, preußischer Ministerpräsident, übernimmt das Amt des Reichskanzlers. Am 4. Mai 1871 wird die Verfassung des Deutschen Reiches veröffentlicht. Sie bestimmt unter anderem, dass alle mündigen Bürger ein allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht haben. Vertreter des Volkes ist der Reichstag. Den Reichskanzler zu wählen oder zu entlassen bleibt allerdings allein dem Kaiser vorbehalten. In der Zeit der Reichsgründung erlebt das Deutsche Reich einen wirtschaftlichen Aufbruch und entwickelt sich vom Agrar- zum Industriestaat: Das Deutsche Reich ist auf dem direkten Weg, ein Industriestaat zu werden, und die Wirtschaft boomt.
1878: Sozialistengesetz
Wegen zweier missglückter Attentate auf Kaiser Wilhelm I. wird am 21. Oktober 1878 das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, das so genannte Sozialistengesetz, erlassen. Sozialistische Parteien und Gewerkschaften werden verboten. Bismarck will mit dem Sozialistengesetz vor allem die Arbeiterbewegung unterdrücken. Mehr als 1.500 Menschen landen im Gefängnis, 900 werden ausgewiesen und tausende zur Auswanderung gezwungen. Die freie Presse wird unterdrückt. Die Sozialistische Arbeiterpartei, der Vorläufer der SPD, wird zwar behindert und in den Untergrund getrieben, aber nicht verhindert. Das Wahlrecht zum Reichstag kann Reichskanzler Bismarck nicht antasten. Sozialdemokraten werden in den Reichstag gewählt.
Auswanderung
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Auswanderung befürwortet worden, um die Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Jetzt steigt durch das Sozialistengesetz die Zahl der Auswanderer erneut an. Zwischen 1878 und 1881 verlassen knapp 15 Prozent der Bevölkerung das Land.
1881: die Kaiserliche Botschaft
Um die „Soziale Frage“ endlich staatlich zu lösen und die protestierenden Arbeiter mit dem Staat zu versöhnen, plant Bismarck eine Sozialversicherung. In der „Kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881“, die er selbst intensiv bearbeitet hat, werden die neuen Ziele der Sozialpolitik verkündet. ge [...].“
Die Sozialversicherung in der Kritik
Dass der Staat die sozialen Angelegenheiten der Gesellschaft ordnet, ist im XIX. Jahrhundert völlig neu. Vor allem die Liberalen stellen sich gegen eine staatliche Unterstützung. Sie plädieren für Freiheit und die Selbstständigkeit der Arbeiter, für „Hilfe durch Selbsthilfe“. Unternehmer befürchten Gewinneinbußen, und die katholische Zentrumspartei kritisiert die staatliche Hilfe für die Arbeiter, weil sie ihrer Auffassung nach die christliche Pflicht zur tätigen Nächstenliebe unterhöhlt. Die vom Sozialistengesetz verfolgten Sozialdemokraten sind offiziell ebenfalls Gegner der Sozialversicherung, intern diskutieren sie jedoch intensiv über deren Wert. Unterstützung erhält Bismarck von Professoren, den so genannten Kathedersozialisten1 und einzelnen Konservativen, die vom Staat die Verpflichtung zur patriarchalischen Fürsorge für die Untertanen verlangen. Die Opposition kämpft hingegen vehement gegen die staatliche Unterstützung und erreicht schließlich, dass der Staatszuschuss bei der Unfallversicherung gestrichen wird.
1883: die Krankenversicherung
Am 31. März 1883 verabschiedet der Reichstag das „Gesetz betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter“. Alle Arbeiter und Angestellten werden Pflichtmitglieder in der Krankenversicherung. Finanziert wird sie über die Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wobei die Arbeitnehmer zwei Drittel und die Arbeitgeber ein Drittel des
Содержание
Gesamtbeitrages zahlen. Die Versicherten können ihren Arzt frei wählen. Die Unterstützung ist auf 13 Wochen ab Beginn der Krankheit begrenzt. Wer arbeitsunfähig erkrankt, bekommt 50 Prozent des Arbeitslohns als Krankengeld gezahlt. Angehörigen steht eine Beihilfe zu. Im Todesfall erhalten die Hinterbliebenen von der Kasse ein Sterbegeld. Alle zugelassenen Krankenkassen werden der staatlichen Aufsicht unterstellt.
1884: die Unfallversicherung
Bis das neue Unfallversicherungsgesetz eingeführt wurde, musste ein Arbeiternehmer bei einem Arbeitsunfall nachweisen, dass der Arbeitgeber die Schuld am Unfall trägt. Nur dann hatte er Anspruch auf eine Entschädigung – bei den herrschenden Arbeitsbedingungen und den vielen Arbeitsunfällen ein desolater Zustand. Nach langen Debatten und zwei erfolglosen Gesetzentwürfen verabschiedet der Reichstag am 6. Juli 1884 in einer dritten Fassung ein Unfallversicherungsgesetz.
1889: die Rentenversicherung
Bereits seit 1869 wird immer wieder eine „Invaliditäts- und Altersversicherung“ gefordert. Dennoch dauert es insgesamt 20 Jahre bis am 22. Juni 1889 der Reichstag nach einigen öffentlichen Debatten das Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung verabschiedet. Versicherungspflichtig sind alle Arbeiter und einfachen Angestellten bis zu einem Jahreseinkommen von 2.000 Mark ab dem 16. Lebensjahr. Die Versicherten erhalten im Alter von 70 Jahren eine kleine Altersrente, wenn sie mindestens 30 Jahre lang Beiträge gezahlt haben. Wird ein Versicherter vorher erwerbsunfähig, bekommt er eine Invalidenrente, sofern die Erwerbsfähigkeit um zwei Drittel gemindert ist und er mindestens fünf Jahre lang Beiträge geleistet hat. Witwen- und Waisenrenten gibt es erst einmal nicht. Träger der Versicherung sind die Landesversicherungsanstalten. Die Versicherung wird durch Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, mit jeweils der Hälfte des Beitrags, und einen Reichszuschuss von 50 Mark im Jahr finanziert. Bismarcks Idee des „kleinen Staatsrentners“ hat sich durchgesetzt.
Weitere Sozialgesetze
Im XX. Jahrhundert kommen weitere Sozialgesetze hinzu: Im Jahr 1911 wird das Versicherungsgesetz für Angestellte eingeführt, 1923 das Reichsknappschaftsgesetz für die Rentenversicherung der Arbeiter im Bergbau und wegen der sich abzeichnenden hohen Arbeitslosigkeit 1927 das Arbeitslosenversicherungsgesetz. Als Ergänzung des heutigen Sozialversicherungssystems tritt 1995 die Pflegeversicherung in Kraft.
Aufgabe 2. Erstellen Sie nach den Informationen oben Stichpunkte zu dem folgenden Plan:
1. Otto von Bismarck und die deutsche Vereinigung „von oben“.
2. Außen- und Innenpolitik von Otto von Bismarck.
3. Das Kaiserreich unter Wilhelm II: Weg in den Ersten Weltkrieg.
Aufgabe 3. Antworten Sie auf die folgenden Fragen:
1. Wie war die Situation in Deutschland nach dem Jahr 1848?
2. Was war das Ziel von Otto von Bismarck?
3. Worin bestand der Verfassungskonflikt 1862 in Preußen?
4. Warum waren die deutschen Fürsten mit der Abschaffung ihrer Selbstständigkeit durch Bismarck einverstanden?
5. Wie benutzte Bismarck die Ideen der Revolution von 1848 für seine Ziele?
6. Wie entwickelte sich der deutsche Imperialismus im XIX Jahrhundert?
7. Was waren die Hauptideen der Außenpolitik von Bismarck?
8. Was waren die Hauptideen der Innenpolitik von Bismarck?
Aufgabe 4. Erkundigen Sie sich nach den folgenden Begriffen und Ereignissen:
Imperialismus
Patriotismus (Kriegerischer Patriotismus = Hurra-Patriotismus)
Nationalismus
Der Norddeutsche Bund
Ausschluss Österreichs
Emser Depesche 1870
Deutsch-Französischer Krieg 1870
Reichsgründung 1871
Содержание
Reichskanzler Bismarck (Bismarckzeit 1862-1890)
Kulturkampf
Aufgabe 5. Lesen Sie den Text für sich und definieren Sie drei Begriffe mit Hilfe des Textes:
Bündnispolitik, Kolonialpolitik, Rückversicherungsvertrag1.
Die von Bismarck als Reichskanzler bis 1890 geleitete Außenpolitik des Deutschen Reiches wurde entscheidend bestimmt von seiner Einstellung zu Frankreich. Bismarcks Bestreben war es, Frankreich möglichst isoliert zu halten. Diesem Ziel diente seine Bündnispolitik. So wurde 1872 das Dreikaiserabkommen zwischen Deutschland, Österreich und Russland abgeschlossen, wodurch die monarchische Tradition der Heiligen Allianz wieder aufgenommen wurde. Bismarck wusste es, Gegensätze zwischen diesen Staaten zu benutzen. So verhinderte zum Beispiel der Berliner Kongress 1878, bei dem Bismarck eine führende Rolle spielte, einen kriegerischen Zusammenstoß zwischen Österreich-Ungarn und Russland sowie zwischen Großbritannien und Russland. Aber durch die Verstärkung Russlands nach dem russisch-türkischen Krieg fühlte er sich bedroht und schloss 1879 ein Bündnis mit Österreich-Preußen, in dem beide Mächte sich verpflichteten, bei dem Angriff Russlands einander Hilfe zu leisten.
Als ein kennzeichnendes Beispiel der Bündnispolitik Bismarcks kann der sogenannte Rückversicherungsvertrag gelten, der eine der Folgen seiner Kolonialpolitik war. 1887 wurde die deutsche Kolonialgesellschaft gegründet, die sich die Aufgabe stellte, deutsche Übersee-Unternehmungen zu fördern und zu unterstützen. 1884 wurden die von Deutschen erworbenen Besitzungen Südwestafrika – das heutige Namibia, Toga, Kamerun; später Ostafrika, Nordostguinea und die Marschall-Inseln im Pazifik zu „Schutzgebieten“ des Deutschen Reiches erklärt. Es kam zu Reibereien mit Großbritannien. Am 18. Juni 1887 schloss Bismarck ein Geheimbündnis mit Russland. Dieser Vertrag verpflichtete die beiden Vertragspartner zur Neutralität im Fall des Angriffes der dritten Macht. Bismarck erkannte die russischen Interessen auf dem Balkan (in Bulgarien) an, was de facto dem deutsch-österreichischen Zweibund
1
Die Politik von Otto von Bismarck : [сайт]. URL: https://www.planet-wissen.de/geschichte/persoenlichkeiten/ otto_von_bismarck_der_eiserne_kanzler/index.html (letzter Zugriff: 26.12.2021).
Begriff
Erklärung
Deutscher Bund
Der Deutsche Bund wird 1815 auf dem Wiener Kongress aus der Taufe gehoben und existiert bis 1866. Er ist ein lockerer Staatenbund, dem vier Reichsstädte und 35 souveräne Fürsten angehören. Die Gesandten der einzelnen Mitglieder beraten im Bundestag in Frankfurt/M.; den Vorsitz führt Österreich.
Dreiklassenwahlrecht
Das Wahlrecht für das preußische Abgeordnetenhaus aus dem Jahr 1849 sieht eine Einteilung der Bevölkerung in drei Klassen vor, von denen jede ein Drittel der Steuern aufbringt und ein Drittel der Wahlmänner stellt. Ende des 19. Jahrhunderts zählen vier Prozent der Wähler zur ersten Klasse, 14 Prozent zur zweiten und 82 Prozent zur dritten Klasse. Wahlen in Preußen sind bis 1918 indirekt und ungleich.
Kleindeutsch – großdeutsch
In der Frage der Bildung eines einheitlichen deutschen Staates wird im 19. Jahrhundert jahrzehntelang darüber gestritten, ob die Vielvölkermonarchie Österreich dazugehören soll (großdeutsche Lösung) oder nicht (kleindeutsche Lösung).
Содержание
widersprach. Mit diesem Vertrag wollte Bismarck auch eine Annäherung Frankreichs an Russland ausschließen. In seinen Beziehungen mit Russland war er immer vorsichtig. Er sprach sich für eine Verlängerung des Rückversicherungsvertrags aus, um den „Draht nach Russland“ nicht abreißen zu lassen, und zog immer freundschaftliche Beziehungen mit dem starken Nachbarn vor. Seine Position wurde auch von Wilhelm I. unterstützt. Die Entlassung Bismarcks erfolgte am 20. März 1890.
Welche wichtigen Ereignisse und Personen dieser Zeit werden im Text genannt? Schreiben Sie diese auf und kommentieren Sie sie!
Aufgabe 6. Beschreiben Sie Otto von Bismarck wie einen Menschen und einen Politiker! Benutzen Sie dazu die folgenden Redewendungen:
der Eiserne Kanzler
bestgehasster Mann
„durch Eisen und Blut“
„Setzen wir Deutschland, so zu sagen, in den Sattel! Reiten wird es schon können.“
ehrlicher Makler
Reptilienfonds
Kulturkampf
„An die Wand drücken, dass sie quietschen!
„Wir Deutsch fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt“
Rückversicherungsvertrag
„Leichenbegräbnis erster Klasse“
Aufgabe 7. Finden Sie die berühmtesten Zitate von Bismarck, die seine Einigungs-, Bündnis- und Kolonialpolitik charakterisieren, und ergänzen Sie Ihre Beschreibung!
Aufgabe 8. Merken Sie sich das folgende Glossar. Lesen Sie es und geben Sie den Inhalt wieder.
Begriff
Erklärung
Krimkrieg (1853–
1856)
Mitte des 19. Jahrhunderts scheint das Osmanische Reich am Rande des Zerfalls zu stehen. Der russische Zar will die Schwäche der Türken nutzen, sie von Dardanellen und Bosporus verdrängen und sich Zugang zum Mittelmeer verschaffen. Napoleon III. sieht nach dem russischen Angriff eine gute Gelegenheit, Frankreich wieder ins europäische Spiel zu bringen. Zusammen mit England stellt er sich auf die Seite des Osmanischen Reichs. Russlands Führung erwartet Rückendeckung von Österreich, da Russland 1849 half, die aufständischen Ungarn zu schlagen. Allerdings haben für die Habsburgermonarchie nun die eigenen Interessen auf dem Balkan Vorrang. Es bleibt nicht neutral, sondern verbündet sich mit England und Frankreich, die zusammen mit Piemont-Sardinien gegen das russische Vorgehen intervenieren und Truppen auf die Halbinsel Krim entsenden. Hier kommt es zum blutigen Stellungskrieg, bei dem französische Truppen die Hauptlast des Kampfes tragen. Nach dem Fall der Festung Sewastopol beendet Russland den Krieg. Auf der Friedenskonferenz in Paris bestätigen die Großmächte die Unverletzlichkeit des Osmanischen Reiches. Auf Vorschlag Napoleons wird aus den Donaufürstentümern Moldau und Walachei das Fürstentum Rumänien gebildet. Der Friede von Paris (30. März 1856) ist für Russland eine herbe Niederlage. In der Folge kühlen sich die Beziehungen zwischen Österreich und Russland stark ab.
Norddeutscher Bund
Preußen und die deutschen Staaten nördlich der Mainlinie gründen 1866/67 den Norddeutschen Bund. Die Verfassung ist föderalistisch, Preußen hat Vorrangstellung. Wahlen zum Parlament, dem Reichstag, sind allgemein, gleich, geheim und direkt. Auf die Regierung hat der Reichstag allerdings keinen Einfluss. 1871 wird die Verfassung kaum verändert auf das neu gegründete Deutsche Reich übertragen.
Norddeutscher Bund – Verfassung
Der Bundesrat, die Vertretung der Länderregierungen, wird als „Zentralbehörde“ geschaffen; Preußen führt durch den vom preußischen König, dem Präsidenten, ernannten Bundeskanzler den Vorsitz. Der Bundeskanzler zeichnet die Anordnungen und Verfügungen des Bundesrates gegen, das heißt er übernimmt die Verantwortung. Aufgabe des Präsidenten ist es, den Bund völkerrechtlich zu vertreten, Kriege zu erklären und Frieden zu schließen, Bündnisse und andere Verträge einzugehen, Gesandte zu empfangen und zu beglaubigen. Er beruft den Bundesrat und den Reichstag ein. Außerdem unterstehen die gesamten Streitkräfte des Bundes dem König von Preußen als Bundesfeldherrn. Der Reichstag ist das legislative Element. Er wird in allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlen bestimmt und übt zusammen mit dem Bundesrat die Gesetzgebung des Bundes aus. Dem konstituierenden Reichstag gelingt es 1866, das volle Haushaltsrecht durchzusetzen.
Zollverein
Der Deutsche Zollverein entsteht 1834 unter Führung Preußens. Ziel ist es, im zersplitterten Deutschland einen einheitlichen Wirtschaftsraum – ohne Österreich – zu schaffen.
Содержание
Aufgabe 9. Sprechen Sie zu den folgenden Punkten ausführlich.
1. Die Rückkehr der vorrevolutionären Ordnung und Preußens Vormacht.
2. Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864.
3. Der Brüderkrieg von 1866.
4. Der Norddeutsche Bund.
5. Otto von Bismarck und die Vereinigung Deutschlands „von oben“.
6. Bismarcks Außen- und Innenpolitik.
7. Das Kaiserreich unter Wilhelm II.: Weg in den Ersten Weltkrieg.