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ivanov666
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Файл:Der Zauberberg. Vol. 2
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DER ZAUBERBERG
nicht nur höhere Bildung, humanistische Bildung, ich bitte
sehr, ver-langt, sondern man muß auch der bemittelten Klasse angehören, um die nicht geringen Aufnahmegebühren
und Jahresbeiträge erschwingen zu können. Bildung und Besitz, – da haben Sie den Bourgeois! Da haben Sie die Grundfesten der liberalen Weltrepublik!"
"Allerdings", lachte Hans Castorp; "da haben wir sie klipp
und klar vor Augen."
"Dennoch", setzte Naphta nach einer Pause hinzu,
"möchte ich Ihnen raten, diesen Mann und seine Sache nicht
allzu leicht zu nehmen, möchte Sie, da wir nun einmal von
diesen Verhält-nissen reden, geradezu ersuchen, auf Ihrer
Hut zu sein. Das Ab-geschmackte ist noch nicht gleichbedeutend mit dem Unschul-digen. Die Beschränktheit braucht
nicht harmlos zu sein. Diese Leute haben viel Wasser in ihren Wein getan, der zuzeiten feu-rig war, aber die Idee des
Bundes selbst bleibt stark genug, um viel Verwässerung zu
vertragen; sie bewahrt Reste von frucht-barem Geheimnis,
und es ist ebenso wenig daran zu zweifeln, daß die Logen ihre Hand im Weltspiel haben, wie daß man in diesem liebenswürdigen Herrn Settembrini mehr zu sehen hat, als eben nur
ihn selbst, daß Mächte hinter ihm stehen, deren Verwandter
und Emissär er ist ..."
"Ein Emissär?"
"Nun ja, ein Proselytenmacher, ein Seelenfänger."
Und was bist du für ein Emissär? dachte Hans Castorp.
Laut sagte er:
"Danke, Professor Naphta. Aufrichtig verbunden für
Wink und Warnung. Wissen Sie was? Ich gehe nun mal eine
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THOMAS MANN
Etage höher, soweit da oben noch von Etage die Rede sein
kann, und fühle dem vermummten Bundesbruder ein bißchen auf den Zahn. Ein Lehrling muß wißbegierig und
furchtlos sein ... Na-türlich auch vorsichtig ... Mit Emissären ist
selbstverständlich Vorsicht geboten."
Er durfte ungescheut auch Settembrini um weitere Belehrung ansprechen, denn dieser hatte Herrn Naphta in Dingen
der Dis-kretion nichts vorzuwerfen und war übrigens nie
sonderlich be-dacht gewesen, aus seiner Zugehörigkeit zu jener harmonischen Gesellschaft ein Geheimnis zu machen.
Die "Rivista della Mas-soneria Italiana" lag offen auf seinem
Tisch; Hans Castorp hatte nur eben nicht acht darauf gegeben. Und als er, von Naphta auf-geklärt, das Gespräch auf die
königliche Kunst gebracht hatte, so, als sei Settembrinis Verbundenheit mit ihr eine Sache, über die er sich niemals Zweifel gemacht, da war er nur auf geringe Zurückhaltung gestoßen. Zwar gab es Punkte, über die der Lite-rat sich nicht
ausließ, sondern bei deren Berührung er mit einer gewissen
Ostentation die Lippen verschloß, offenbar gebunden durch
jene terroristischen Gelöbnisse, von denen Naphta ge-sprochen: eine Geheimniskrämerei, die äußere Bräuche und seine
eigene Stellung innerhalb der merkwürdigen Organisation
betraf Sonst aber nahm er sogar den Mund sehr voll und gab
dem Neugierigen ein bedeutendes Bild von der Ausbreitung
seiner Liga, die sich in rund zwanzigtausend Logen und
hun-dertfünfzig Großlogen fast über die ganze Welt und
selbst auf Zivilisationen wie Haiti und die Negerrepublik Liberia erstrek-ke. Auch wußte er sich nicht wenig mit allerlei
großen Namen, deren Träger Maurer gewesen waren oder es
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DER ZAUBERBERG
heute waren zu brüsten, nannte Voltaire, Lafayette und Napoleon, Franklin und Washington, Mazzini und Garibaldi,
von Lebenden sogar den König von England und außerdem
eine Menge Männer, in deren Händen die Geschäfte der europäischen Staaten lagen, Mit-glieder von Regierungen und
Parlamenten.
Hans Castorp äußerte Respekt, aber keine Verwunderung.
So sei es auch mit den studentischen Korpsverbindungen,
meinte er. Die hielten auch zusammen durchs ganze Leben
und wüßten ihre Leute wohl unterzubringen, so daß schwerlich jemand im Amtlich-Hierarchischen es zu etwas Rechtem
bringe, der nicht Korpsbruder gewesen sei. Darum sei es vielleicht nicht ganz sinngemäß von Herrn Settembrini, daß er
die Zugehörigkeit jener Prominenten zur Loge als schmeichelhaft für diese hinstel-len wolle; denn es sei umgekehrt
anzunehmen, daß die Beset-zung so vieler wichtiger Posten
mit Bundesbrüdern eben nur die Macht des Bundes beweise,
der gewiß mehr, als Herr Settembrini so geradeheraus sagen
wolle, seine Hand im Weltspie-le habe.
Settembrini lächelte. Er fächelte sich sogar mit dem Heft
der "Massoneria", das er in den Händen hielt. Man meine ihm
wohl eine Falle zu stellen? fragte er. Man gedenke wohl gar,
ihn zu unvorsichtigen Aussagen über das politische Wesen,
den we-sentlich politischen Geist der Loge zu verleiten? "Unnütze Ver-schmitztheit, Ingenieur! Wir bekennen uns zur Politik, rückhalt-los, offen. Wir achten das Odium für nichts, das
in den Augen einiger Toren – sie sitzen bei Ihnen zulande,
Ingenieur, fast nir-gends sonst – mit diesem Wort und Titel
verbunden ist. Der Menschenfreund kann den Unterschied
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THOMAS MANN
von Politik und Nicht-politik überhaupt nicht anerkennen.
Es gibt keine Nichtpolitik. Alles ist Politik."
"Rundweg?"
"Ich weiß wohl, daß es Leute gibt, die auf die ursprünglich unpolitische Natur des Maurergedankens hinzuweisen
für gut finden. Aber diese Leute spielen mit Worten und
ziehen Gren-zen, die als imaginär und unsinnig zu erkennen es längst an der Zeit ist. Erstens zeigten wenigstens die
spanischen Logen von allem Anbeginn eine politische Färbung –"
"Kann ich mir denken."
"Sie können sich wenig denken, Ingenieur. Wähnen Sie
nicht, sich von Hause aus viel denken zu können, sondern
su-chen Sie aufzunehmen und zu verarbeiten – ich bitte Sie
darum in Ihrem eigenen Interesse, wie in dem Ihres Landes
und im eu-ropäischen Interesse – , was ich Ihnen zweitens
einzuprägen im Begriffe bin. Zweitens nämlich war der Maurergedanke niemals unpolitisch, zu keiner Zeit, er konnte es
nicht sein, und wenn er es je zu sein glaubte, so betrog er sich
über sein Wesen. Was sind wir? Bauleute und Handlanger an
einem Bau. Der Zweck aller ist einer, das Beste des Ganzen,
das Grundgesetz der Ver-brüderung. Welches ist dieses Beste,
dieser Bau? Der kunstge-rechte gesellschaftliche Bau, die
Vollendung der Menschheit, das neue Jerusalem. Was in aller
Welt soll da Politik oder Nichtpolitik? Das gesellschaftliche
Problem, das Problem der Koexistenz selbst ist Politik, durch
und durch Politik, nichts weiter als Politik. Wer sich ihm
weiht – und den Menschenna-men verdiente nicht, wer sich
dieser Weihe entzöge, – gehört der Politik, der inneren wie
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DER ZAUBERBERG
der äußeren, er versteht, daß die Kunst des freien Maurers
Regierungskunst ist –"
"Regierungs ..."
"Daß die illuminatistische Maurerei den Regentengrad
kann-te ..."
"Sehr schön, Herr Settembrini. Regierungskunst, Regentengrad, das gefällt mir. Aber lassen Sie mich nun eines hören:
Sind Sie Christen, Sie alle miteinander in Ihrer Loge?"
"Perchè!"
"Entschuldigen Sie, ich will anders fragen, allgemeiner
und einfacher. Glauben Sie an Gott?"
"Ich werde Ihnen antworten. Warum fragen Sie?"
"Ich wollte Sie nicht versuchen vorhin, aber es gibt da eine biblische Geschichte, worin jemand den Herrn mit einer
römi-schen Münze versucht und zur Antwort bekommt, man
solle dem Kaiser geben, was des Kaisers, und Gott, was Gottes
sei. Mir kommt vor: diese Art zu unterscheiden liefert den
Unterschied zwischen Politik und Nichtpolitik. Gibt es Gott,
so gibt es auch diesen Unterschied. Glauben die Freimaurer
an Gott?"
"Ich verpflichte mich, Ihnen zu antworten. Sie sprechen
von einer Einheit, an deren Herstellung gearbeitet wird, die
aber heute zum Leidwesen aller Guten noch nicht existiert.
Der Weltbund der Freimaurer existiert nicht. Wird er hergestellt sein – und ich wiederhole, es wird mit aller stillen Emsigkeit an diesem großen Werke gearbeitet, – so wird ohne
Zweifel auch sein religiöses Bekenntnis einheitlich sein, und
es wird lauten: "Écrasez l'infâme.'"
"Obligatorisch? Das wäre nicht tolerant."
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THOMAS MANN
"Dem Problem der Toleranz dürften Sie kaum gewachsen
sein, Ingenieur. Prägen Sie sich immerhin ein, daß Toleranz
zum Verbrechen wird, wenn sie dem Bösen gilt."
"Gott wäre das Böse?"
"Die Metaphysik ist das Böse. Denn sie ist zu nichts gut,
als den Fleiß einzuschläfern, den wir dem Bau des Gesellschafts-tempels zuwenden sollen. Und so hat denn schon vor
einem Menschenalter der Groß-Orient von Frankreich ein
Beispiel ge-geben, indem er den Namen Gottes aus seinen
sämtlichen Schriftstücken strich. Wir Italiener sind ihm darin
nachge-folgt ..."
"Wie katholisch!"
"Sie meinen –"
"Wie enorm katholisch ich das finde, Gott zu streichen!"
"Sie wollen ausdrücken –"
"Nichts Hörenswertes, Herr Settembrini. Achten Sie nicht
besonders auf mein Geplapper! Es kam mir nur diesen Moment so vor, als ob Atheismus etwas kolossal Katholisches sei,
und als ob man Gott nur streiche, um desto besser katholisch
sein zu können."
Wenn darauf Herr Settembrini eine Pause eintreten ließ,
so war klar, daß es einzig aus pädagogischer Besonnenheit geschah. Er antwortete nach gemessenem Stillschweigen:
"Ingenieur, ich bin weit von dem Wunsche entfernt, Sie
in Ihrem Protestantismus beirren und kränken zu wollen.
Wir sprachen von Toleranz ... Es ist überflüssig, zu betonen,
daß ich dem Protestantismus mehr als Duldung, daß ich
ihm als dem historischen Opponenten der Gewissensknebelung tiefste Be-wunderung entgegenbringe. Die Erfindung
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DER ZAUBERBERG
der Buchdrucker-kunst und die Reformation sind und bleiben die beiden erha-bensten Verdienste, die Mitteleuropa
sich um die Menschheit erworben hat. Ohne Frage. Allein
nach dem, was Sie soeben äu-ßerten, zweifle ich nicht, daß
Sie mich aufs Wort verstehen werden, wenn ich darauf hinweise, daß das nur eine Seite der Sache ist, und daß sie ihre
zweite hat. Der Protestantismus birgt Elemente ... Ich denke
an Elemente der Ruheseligkeit und der hypnotischen Versenkung, die nicht europäisch, die dem Le-bensgesetz dieses
tätigen Erdteils fremd und feindlich sind. Se-hen Sie ihn
sich doch an, diesen Luther! Betrachten Sie Bildnis-se von
ihm, jugendliche und spätere! Was ist denn das für ein Schädel, was sind das für Backenknochen, was für ein seltsamer
Augensitz! Mein Freund, das ist Asien. Es sollte mich wundern, es sollte mich höchlichst wundern, wenn da nicht
Wendisch-Slawisch-Sarmatisches im Spiele gewesen wäre,
und wenn also nicht die – wer wollte es leugnen – gewaltige Erscheinung dieses Mannes eine verhängnisvolle Überlastung einer der beiden in Ihrem Lande so gefährlich
gleichstehenden Schalen zu be-deuten gehabt hätte, – ein
furchtbares Gewicht in die östliche, von welchem die andere, die westliche Schale, noch heute über-wogen gen Himmel flattert .,. ."
Von dem humanistischen Klapp-Pult am Fensterchen, vor
dem er gestanden, war Herr Settembrini an den Rundtisch
mit der Wasserflasche getreten, näher zu seinem Schüler hin,
der auf dem an die Wand gerückten Ruhebett saß, ohne Rückenlehne, den Ellenbogen aufs Knie und das Kinn in die
Hand gestützt.
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"Caro!" sagte Herr Settembrini. "Caro amico! Entscheidun-gen werden zu treffen sein, – Entscheidungen von unüber-schätzbarer Tragweite für das Glück und die Zukunft
Europas, und Ihrem Lande werden sie zufallen, in seiner Seele werden sie sich zu vollziehen haben. Zwischen Ost und
West gestellt, wird es wählen müssen, wird es endgültig und
mit Bewußtsein zwischen den beiden Sphären, die um sein
Wesen werben, sich entscheiden müssen. Sie sind jung, Sie
werden an dieser Ent-scheidung beteiligt sein, sind berufen,
sie zu beeinflussen. Dar-um lassen Sie uns das Schicksal segnen, das Sie in diese entsetz-lichen Gegenden verschlagen
hat, zugleich aber mir Gelegenheit gibt, mit meinem nicht
ungeübten, nicht völlig matten Wort auf Ihre bildsame Jugend einzuwirken und ihr die Verantwortlich-keit fühlbar
zu machen, die sie – , die Ihr Land vor dem Ange-sicht der
Gesittung trägt ..."
Hans Castorp saß, das Kinn in der Faust. Er blickte zum
Man-sardenfenster hinaus, und in seinen einfachen blauen
Augen war eine gewisse Widerspenstigkeit zu lesen. Er
schwieg.
"Sie schweigen", sprach Herr Settembrini bewegt. "Sie und
Ihr Land, Sie lassen ein vorbehaltvolles Schweigen walten,
des-sen Undurchsichtigkeit kein Urteil über seine Tiefe gestattet. Sie lieben das Wort nicht oder besitzen es nicht oder
heiligen es auf eine unfreundliche Weise, – die artikulierte
Welt weiß nicht und erfährt nicht, woran sie mit Ihnen ist.
Mein Freund, das ist gefährlich. Die Sprache ist Gesittung
selbst ... Das Wort, selbst das widersprechendste, ist so verbindend ... Aber die Wertlo-sigkeit vereinsamt. Man vermutet, Sie
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werden Ihre Einsamkeit durch Taten zu brechen suchen. Sie
werden Vetter Giacomo" (Herr Settembrini pflegte Joachim
der Bequemlichkeit halber "Giacomo" zu nennen), "Sie werden Ihren Vetter Giacomo vor Ihr Schweigen treten lassen,
'und zwei mit gewaltigen Streichen erlegt er, die andern entweichen'–"
Da Hans Castorp zu lachen anfing, lächelte auch Herr
Settembrini, für den Augenblick auch von dieser Wirkung
seines plastischen Wortes befriedigt.
"Gut, lachen wir!" sagte er. "Zur Heiterkeit werden Sie
mich immer bereit finden. 'Das Lachen ist ein Erglänzen der
Seele', sagt ein Alter. Auch sind wir abgekommen – auf Dinge, die, wie ich zugebe, mit den Schwierigkeiten zusammenhängen, auf die unsere Vorarbeiten zur Herstellung des maurerischen Weltbundes stoßen, Schwierigkeiten, die
namentlich das protestanti-sche Europa entgegenstellt ..."
Und Herr Settembrini fuhr fort, mit Wärme von dem Gedanken dieses Weltbundes zu sprechen, der von Ungarn aus ins
Leben getreten und dessen zu erhoffen-de Verwirklichung
bestimmt sei, der Freimaurerei weltentschei-dende Macht zu
verleihen. Er zeigte leichthin Briefe vor, die er von auswärtigen Bundesgrößen in dieser Sache empfangen, ein eigenhändiges Schreiben des schweizerischen Großmeisters, Bruders
Quartier la Tente vom dreiunddreißigsten Grade, und erörterte den Plan, das Kunstidiom Esperanto zur Bundeswelt-sprache zu erklären. Sein Eifer erhob ihn zur Sphäre der
hohen Politik, er richtete sein Auge dahin und dorthin und
schätzte die Aussichten ab, die der revolutionär-republikanische Gedanke in seiner eigenen Heimat, in Spanien, in Portu-
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gal besitze. Auch mit Personen, die an der Spitze der Großloge der letztgenann-ten Monarchie standen, wollte er
briefliche Fühlung unterhal-ten. Dort reiften zweifellos die
Dinge der Entscheidung entge-gen. Hans Castorp möge an
ihn denken, wenn in allernächster Zeit da unten die Ereignisse sich überstürzen würden. Hans Castorp versprach, das
zu tun.
Es will bemerkt sein, daß diese maurerischen Plaudereien,
die zwischen dem Zögling und jedem der beiden Mentoren
geson-dert verliefen, noch in die Zeit vor Joachims Heimkehr
zu De-nen hier oben gefallen waren. Die Auseinandersetzung, auf die wir nun kommen, ereignete sich schon während
seiner Wieder-anwesenheit und in seiner Gegenwart, neun
Wochen nach seiner Rückkehr, Anfang Oktober, und Hans
Castorp behielt dies Beisammensein in der Herbstsonne vor
dem Kurhaus in "Platz", bei erfrischenden Getränken, darum
allezeit so genau im Ge-dächtnis, weil Joachim ihm damals
heimliche Sorge gemacht hatte, – Sorge durch Angaben und
Erscheinungen, die sonst eben keine Sorge einzuflößen pflegen, nämlich durch Hals-schmerzen und Heiserkeit: harmlose Belästigungen also, die aber dem jungen Castorp in einem
irgendwie eigentümlichen Licht erschienen, – eben dem
Licht, so kann man sagen, das er in der Tiefe von Joachims
Augen zu gewahren glaubte, diesen Augen, die immer sanft
und groß gewesen waren, heute aber, genau erst heute, eine
gewisse unbestimmbare Vergrößerung und Vertiefung von
sinnendem und – man muß das sonderbare Wort hinzufügen – drohendem Ausdruck nebst jener erwähnten stillen Erleuchtung von innen her erfahren hatten, die ganz falsch ge-
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