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ivanov666
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DER ZAUBERBERG
fetter Leckerbissen, die, mit Butterkugeln, Radieschen und
Petersilie garniert, prangen-den Blumenbeeten glichen. Aber
obgleich sie, eines vorange-gangenen Abendessens ungeachtet, über dessen Gediegenheit kein Wort verloren zu werden
braucht, frohen Zuspruch fanden, erklärte Mynheer Peeperkorn sie nach wenigen Bissen für "Firlefanz" – und zwar mit
einem Zorn, der die beängstigende Unberechenbarkeit seiner
Herrschernatur bekundete. Ja, er wur-de kollerig, als jemand
den Imbiß in Schutz zu nehmen wagte; sein mächtiges Haupt
schwoll an, und er schlug mit der Faust auf den Tisch, indem
er das alles für verdammten Quark erklärte, – worauf man
denn betreten verstummte, da er am Ende als Spender und
Wirt das Recht hatte, seine Gaben zu beurteilen.
Übrigens stand der Zorn, so unbegreiflich er anmuten
mochte, ihm vortrefflich zu Gesichte, wie namentlich Hans
Castorp sich bekennen mußte. Er entstellte ihn keineswegs,
verkleinerte ihn nicht, wirkte in seiner Unbegreiflichkeit, die
mit den ge-nossenen Weinmengen, in Beziehung zu setzen
niemand in seinem Herzen sich unterstand, so groß und königlich, daß alle sich duckten und jedermann sich hütete, von
den Fleischwaren noch einen Bissen zu nehmen. Frau
Chauchat war es, die ihren Reisegefährten beschwichtigte. Sie
streichelte seine breite, nach dem Schlag auf dem Tisch ruhende Kapitänshand und meinte schmeichelnd, man könne
ja etwas anderes bestellen, ein war-mes Gericht, wenn er wolle, und wenn der Küchenchef noch dafür zu gewinnen sein
werde. "Mein Kind", sagte er, " – gut." Und mühelos, in voller
Würde fand er den Übergang von schwerem Koller zu einem
gemäßigten Zustande, indem er Clawdias Hand küßte. Er
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wollte Omeletten für sich und die Seinen, – für jedermann
eine gute Kräuter-Omelette, damit man den Anforderungen
gerecht werden könne. Und er schick-te mit der Bestellung
einen Hundertfrankenschein in die Küche, um das Personal
zum Unterbrechen des Feierabends zu bestim-men.
Auch stellte sein Behagen sich völlig wieder her, als die
dampfende Speise auf mehreren Platten erschien, kanariengelb und grün gesprenkelt, einen weichlich warmen Duft von
Eiern und Butter im Zimmer verbreitend. Man griff zu, gemeinsam mit Peeperkorn und im Genuß überwacht von ihm,
der mit ab-gerissenen Worten und zwingenden Kulturgebärden jedermann zu aufmerksamster, ja inbrünstiger Würdigung der Gottesgabe anhielt. Er ließ holländischen Genever
dazu schenken, eine volle Runde, und zwang alle, das klare
Naß, dem ein gesunder Duft nach Getreide mit einem zarten
Einschlag von Wacholder entströmte, mit gespannter Andacht zu sich zu nehmen.
Hans Castorp rauchte. Auch Frau Chauchat sprach den
Mundstückzigaretten zu, die sie in einer russischen, mit einer
dahinsausenden Troika geschmückten Lackdose zu ihrer
Be-quemlichkeit vor sich auf den Tisch gelegt hatte, und Peeperkorn tadelte es nicht, daß seine Nachbarn sich diesem
Vergnü-gen überließen, rauchte aber selbst nicht, tat es niemals. Ver-stand man ihn recht, so war seinem Urteile nach
der Tabakkon-sum bereits den überfeinerten Genüssen zuzuzählen, deren Pflege einen Raub an der Majestät der schlichten Lebensgaben bedeute, jener Gaben und Ansprüche, denen gerecht zu werden unserer Gefühlskraft doch kaum
gelinge. "Junger Mann" , sagte er zu Hans Castorp, indem er
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ihn mit seinem blassen Blick und seiner Kulturgebärde bannte, –"junger Mann, – das Einfache! Das Heilige! Gut, Sie verstehen mich. Eine Flasche Wein, ein dampfendes Eiergericht,
ein lauterer Korn,' – erfüllen und ge-nießen wir das erst einmal, erschöpfen wir es, tun wir ihm wahrhaft Genüge, bevor
wir – Absolut, mein Herr. Erledigt! Ich habe Personen gekannt, Männer und Frauen, Kokainesser, Ha-schischraucher,
Morphinisten – Gut, lieber Freund! Perfekt! Mögen sie doch!
Wir sollen nicht rechten und richten. Aber dem, was vorangehen sollte, dem Einfachen, dem Großen, dem Gottesursprünglichen waren diese Leute durchaus alles – Erledigt,
mein Freund. Verurteilt. Verworfen. Sie waren ihm alles
schuldig geblieben! Wie Sie auch heißen mögen, junger Mann,
Gut, ich habe es schon gewußt, ich habe es wieder vergessen,
nicht im Kokain, nicht im Opium, nicht im Laster als solchem
beruht die Lasterhaftigkeit. Die Sünde, die nicht vergeben
werden kann, sie beruht –"
Er hielt inne. Groß und breit, seinem Nachbar zugewandt,
verharrte er in mächtig ausdrucksvollem Schweigen, das zu
verstehen zwang, den Zeigefinger erhoben, mit unregelmäßig
zer-rissenem Munde unter der nackten und roten, von der
Rasur et-was wunden Oberlippe, angestrengt emporgezogen
das lineare Faltenwerk seiner kahlen, weiß umflammten
Stirn, erweitert die kleinen, blassen Augen, in denen Hans
Castorp etwas wie Ent-setzen flackern sah vor dem Verbrechen, der großen Versündi-gung, dem unverzeihlichen Versagen, auf das er angespielt hatte, und das in seiner Schrecklichkeit zu ergründen er mit der gan-zen bannenden Kraft
einer undeutlichen Herrschernatur schweigend befahl ... Ent-
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setzen, dachte Hans Castorp, von sachlicher Art, aber auch
etwas wie persönliches Entsetzen, ihn selbst, den königlichen
Mann betreffend, – Angst also, aber nicht geringe und kleine
Angst, sondern etwas wie panischer Schrecken flackerte dort,
so schien es, einen Augenblick auf, und Hans Castorp war
von zu ehrerbietiger Anlage, als daß nicht, aller Gründe ungeachtet, die zu feindseliger Einstellung seinerseits gegen
Frau Chauchats majestätischen Reisebegleiter vorhanden waren, diese Beobachtung ihn hätte erschüttern müssen.
Er senkte die Augen und nickte, um seinem erhabenen
Nachbarn die Genugtuung des Verständnisses zu bereiten.
"Das ist wohl wahr", sagte er. "Es mag Sünde sein – und
ein Zeichen von Unzulänglichkeit – , den Raffinements zu
frönen, ohne den einfachen und natürlichen Gaben des Lebens, die so groß und heilig sind, gerecht geworden zu sein.
Dies ist Ihre Meinung, wenn ich Sie recht verstehe, Mynheer
Peeperkorn, und obgleich es mir selbst noch nicht eingefallen
ist, kann ich Ihnen aus eigener Überzeugung zustimmen, da
Sie darauf hinweisen. Es mag übrigens selten genug vorkommen, daß diesen gesunden und einfachen Lebensgaben so
recht volle Ge-rechtigkeit widerfährt. Bestimmt sind die meisten Leute zu schlaff und unaufmerksam und gewissenlos und
innerlich aus-geleiert, um sie ihnen widerfahren zu lassen, so
wird es wohl sein."
Der Gewaltige war hoch befriedigt. "Junger Mann", sagte
er, " – perfekt. Wollen Sie mir erlauben – kein Wort weiter.
Ich bit-te Sie, mit mir zu trinken, das Glas bis zum Grunde zu
leeren, und zwar Arm um Arm. Dies soll noch nicht heißen,
daß ich Ihnen das brüderliche Du anbiete, – ich war eben im
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Begriff, es zu tun, besinne mich aber, daß es ein klein wenig
zu überstürzt wäre. Ich werde es Ihnen höchstwahrscheinlich
in sehr absehba-rer Zeit – Verlassen Sie sich darauf! Wenn
Sie aber wünschen und darauf bestehen, daß wir sofort –"
Hans Castorp befürwortete andeutend den von Peeperkorn selbst angeregten Aufschub.
"Gut, mein Junge. Gut, Kamerad. Unzulänglichkeit – gut.
Gut und schaudervoll. Gewissenlos, – sehr gut. Gaben –
nicht gut. Anforderungen! Heilige, weibliche Anforderungen
des Lebens an Ehre und Manneskraft –"
Hans Castorp mußte plötzlich erkennen, daß Peeperkorn
schwer betrunken war. Doch wirkte auch seine Betrunkenheit nicht gering und beschämend, nicht als Entwürdigungszustand, sondern verband sich mit der Majestät seiner Natur
zu einer großartigen und ehrfurchtgebietenden Erscheinung.
Auch Bacchus selbst, dachte Hans Castorp, stützte sich betrunken auf seine enthusiastischen Begleiter, ohne darum an
Gottheit einzubü-ßen, und im höchsten Grade kam es darauf
an, wer betrunken war, eine Persönlichkeit oder ein Leineweber. Er hütete sich in-nerlichst, im Respekt vor dem erdrückenden Reisebegleiter im geringsten nachzulassen, dessen
Kulturgebärden schlaff gewor-den waren und dessen Zunge
lallte.
"Duzbruder –" sagte Peeperkorn, den mächtigen Körper
in freier und stolzer Trunkenheit zurückgeworfen, den Arm
auf der Tischplatte ausgestreckt und mit der schlaff geballten
Faust leicht aufschlagend, " – in Aussicht genommen, – in
nahe Aus-sicht, wenn auch Besonnenheit zunächst noch –
gut. Erledigt. Das Leben – junger Mann – es ist ein Weib, ein
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hingespreitet Weib, mit dicht beieinander quellenden Brüsten und großer, weicher Bauchfläche zwischen den ausladenden Hüften, mit schmalen Armen und schwellenden Schenkeln und halbge-schlossenen Augen, das in herrlicher,
höhnischer Herausforde-rung unsere höchste Inständigkeit
beansprucht, alle Spannkraft unserer Manneslust, die vor ihm
besteht oder zuschanden wird, – zuschanden, junger Mann,
begreifen Sie, was das hieße? Die Niederlage des Gefühls vor
dem Leben, das ist die Unzuläng-lichkeit, für die es keine
Gnade, kein Mitleid und keine Würde gibt, sondern die erbarmungslos und hohnlachend verworfen ist, – erledigt, junger Mann, und ausgespien ... Schmach und Entehrung sind
gelinde Worte für diesen Ruin und Bankerott, für diese grauenhafte Blamage. Sie ist das Ende, die höllische Verzweiflung,
der Weltuntergang ..."
Der Holländer hatte beim Sprechen den mächtigen Körper mehr und mehr zurückgeworfen, während zugleich sein
könig-liches Haupt sich zur Brust neigte, als wollte er einschlafen. Bei dem letzten Worte aber ließ er die schlaffe Faust
ausholend zu schwerem Schlage auf den Tisch fallen, so daß
der schmächtige Hans Castorp, nervös von Spiel und Wein
und von der Eigen-tümlichkeit aller Umstände, zusammenfuhr und ehrfürchtig er-schrocken auf den Gewaltigen blickte. "Weltuntergang" – wie das Wort ihm zu Gesichte stand!
Hans Castorp erinnerte sich nicht, es jemals aussprechen gehört zu haben, außer etwa in der Religionsstunde, und das
war kein Zufall, dachte er, denn wem unter allen Menschen,
die er kannte, wäre ein solches Donner-wort wohl zugekommen, wer hatte das Format dafür – um die Frage richtig zu
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stellen? Der kleine Naphta hätte sich seiner wohl einmal bedienen können; doch wäre das Usurpation und scharfes Geschwätz gewesen, während in Peeperkorns Munde das Donnerwort seine ganze schmetternde und posaunenum-dröhnte
Wucht, kurz, biblische Größe gewann. "Mein Gott eine Persönlichkeit!" empfand er zum hundertstenmal. "Ich bin an eine Persönlichkeit geraten, und sie ist Clawdias Reisebeglei-ter!" Ziemlich benebelt auch seinerseits, drehte er sein
Weinglas auf dem Tisch um sich selbst, die andere Hand in
der Hosenta-sche und ein Auge zugekniffen vor dem Rauch
der Zigarette, die er im Mundwinkel hielt. Hätte er nicht
schweigen sollen, nachdem von berufener Seite Donnerworte
gesprochen wor-den? Was sollte da noch seine spröde Stimme? Aber an Diskus-sion gewöhnt durch seine demokratischen Erzieher – beide von Natur demokratisch, obgleich der
eine sich sträubte, es zu sein – , ließ er sich zu einem seiner
treuherzigen Kommentare verleiten. Er sagte:
"Ihre Bemerkungen, Mynheer Peeperkorn," (was war das
für ein Ausdruck: Bemerkungen! Macht man "Bemerkungen"
über den Weltuntergang?) "führen meine Gedanken noch
einmal auf das zurück, was vorhin über das Laster ausgemacht
wurde, näm-lich daß es in einer Beleidigung der einfachen
und, wie Sie sa-gen, heiligen, oder, wie ich sagen möchte, klassischen Lebensga-ben besteht, der Lebensgaben von Format,
sozusagen, zugunsten der späten und ausgepichten, der Raffinements, denen man 'frönt', wie einer von uns beiden sich
ausdrückte, während man sich den großen 'weiht' und ihnen
'huldigt'. Aber hier scheint mir nun eben auch die Entschuldigung – verzeihen Sie, ich bin eine zur Entschuldigung ge-
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neigte Natur, – obgleich Entschuldigung wohl kein Format
hat, wie ich deutlich fühle – , die Entschuldigung also für das
Laster zu liegen, und zwar gerade inso-fern es auf 'Unzulänglichkeit', wie wir es nannten, beruht. Sie haben über die
Schrecken der Unzulänglichkeit Dinge solchen Formates gesagt, daß Sie mich aufrichtig betroffen sehen davon. Aber ich
meine, der Lasterhafte zeigt sich durchaus nicht un-empfindlich für diese Schrecken, sondern im Gegenteil läßt er ihnen
alle Gerechtigkeit widerfahren, indem das Versagen seines
Gefühls vor den klassischen Lebensgaben ihn zum Laster
treibt, worin also keine Beleidigung des Lebens liegt oder zu
liegen braucht, da es ebensogut als Huldigung davor aufgefaßt werden kann, und zwar insofern die Raffinements ja
Rausch-und Erhebungsmittel darstellen, Stimulantia, wie
man sagt, Stüt-zen und Steigerungen der Gefühlskälte, weshalb denn also doch das Leben ihr Zweck und Sinn ist, die
Liebe zum Gefühl, das Trachten der Unzulänglichkeit nach
Gefühl ... Ich meine ..."
Was redete er da? War es nicht der demokratischen Unver-schämtheit genug, "einer von uns beiden" zu sagen, wo es
sich um eine Persönlichkeit und um ihn handelte? Zog er den
Mut zu dieser Frechheit aus Vergangenheiten, die gewisse gegenwär-tige Besitzrechte in ein schiefes Licht setzten? Stach
ihn der Ha-ber, daß er sich obendrein in eine ebenfalls durchaus unver-schämte Analyse des "Lasters" verstricken mußte?
Nun mochte er sehen, wie er sich aus der Sache zog; denn es
war klar, daß er Fürchterliches heraufbeschworen.
Mynheer Peeperkorn war während der Rede seines Gastes
in seiner zurückgeworfenen Haltung mit auf die Brust ge-
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senktem Kopfe verharrt, so daß man hätte zweifeln können,
ob Hans Ca-storps Worte in sein Bewußtsein drangen. Jetzt
aber, allmählich, während der junge Mann sich verwirrte, begann er, sich von der Lehne aufzurichten, höher und höher,
zu voller Größe, während zugleich sein majestätisches Haupt
rot anschwoll, seine Stirnara-besken sich hoben und spannten und seine kleinen Augen sich zu blasser Drohung erweiterten. Was bereitete sich vor? Ein Koller, gegen den der vorangegangene nur leichte Verstimmung bedeutet hatte, schien
im Anzuge. Mynheers Unterlippe stemm-te sich in mächtigem Grimm gegen die obere, so daß die Mundwinkel sich
senkten und das Kinn vorgetrieben wurde, und langsam hob
sich sein rechter Arm von der Tischplatte in Haupteshöhe
und darüber hinaus, die Faust geballt, großartig ausholend
zum Vernichtungsschlage gegen den demokratischen Schwätzer, der, in Schrecken gejagt und doch auch abenteuer-lich
erfreut durch das Bild ausdrucksvoll königlichen Zornmu-tes,
das sich vor ihm entfaltete, Mühe hatte, Furcht und
Flucht-neigung zu verbergen. Er sagte eilig zuvorkommend:
"Natürlich habe ich mich mangelhaft ausgedrückt. Das
Ganze ist eine Frage des Formats, nichts weiter. Man kann
nicht Laster nennen, was Format hat. Das Laster hat niemals
Format. Die Raffinements haben keines. Aber dem menschlichen Trachten nach Gefühl ist ja von Urzeiten her ein Hilfsmittel, ein Rausch-und Begeisterungsmittel an die Hand gegeben, das selbst zu den klassischen Lebensgaben gehört und
den Charakter des Einfa-chen und Heiligen, also nicht des
Lasterhaften trägt, ein Hilfsmittel von Format, wenn ich so sagen darf, der Wein also, ein göttliches Geschenk an die Men-
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schen, wie schon die alten hu-manistischen Völker behaupteten, die philanthropische Erfindung eines Gottes, mit der
sogar die Zivilisation zusammen-hängt, erlauben Sie mir den
Hinweis. Denn wir hören ja, daß dank der Kunst, den Wein
zu pflanzen und zu keltern, die Menschen aus dem Stande
der Roheit traten und Gesittung erlang-ten, und noch heute
gelten die Völker, bei denen Wein wächst, für gesitteter, oder
halten sich dafür, als die weinlosen, die Ki-merer, was sicher
bemerkenswert ist. Denn es will sagen, daß Gesittung gar
nicht Sache des Verstandes und wohlartikulierter Nüchternheit ist, sondern vielmehr mit der Begeisterung zu tun hat,
dem Rausch und dem gelabten Gefühl, – ist das nicht, wenn
ich so frei sein darf, Ihnen die Frage vorzulegen, auch Ihre
Mei-nung in dieser Angelegenheit?"
Ein Schlingel, dieser Hans Castorp. Oder, wie Herr Settem-brini es mit schriftstellerischer Feinheit ausgedrückt hatte, "ein Schalk". Unvorsichtig und selbst frech im Verkehr
mit Persön-lichkeiten – und geschickt dann auch wieder,
wenn es galt, sich aus der Patsche zu ziehen. Da hatte er erstens, in brenzligster La-ge und aus dem Stegreif, eine Ehrenrettung des Trunkes mit vielem Anstand vollzogen, hatte ferner, ganz nebenbei, die Rede auf "Gesittung" gebracht, von
welcher in Mynheer Peeper-korns ur-fürchterlicher Haltung
allerdings wenig zu spüren war, und endlich diese Haltung
gelockert und unpassend gemacht, indem er dem großartig
darin Befangenen eine Frage vorgelegt hatte, die man mit erhobener Faust unmöglich beantworten konnte. Der Holländer ließ denn auch nach in seiner vorsint-flutlichen Grimmgebärde; langsam senkte sein Arm sich nieder zum Tisch, sein
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