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Файл:Der Zauberberg. Vol. 2
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DER ZAUBERBERG
fall, saß er in den nächsten Monaten an des königlichen Mannes Bett, während Frau Chauchat, das Gespräch leicht überwachend oder sich auch mit einigen Worten daran
beteiligend, hin und wieder ging; und auch in Peeperkorns
fieberfreien Tagen verbrachte er man-che Stunde mit ihm
und seiner perlengeschmückten Reisebe-gleiterin. Denn
wenn der Holländer nicht bettlägerig war, ver-säumte er selten, nach dem Diner eine kleine, wechselnd zu-sammengesetzte Auswahl der Berghof-Gästeschaft zu Spiel und Wein
und allerhand weiteren Labungen um sich zu versam-meln,
sei es im Konversationszimmer, wie das erstemal, oder im Restaurant, wobei denn Hans Castorp gewohnheitsmäßig seinen
Platz zwischen der lässigen Frau und dem großartigen Manne
hatte; und selbst im Freien bewegte man sich miteinander,
machte Spaziergänge zusammen, an denen etwa die Herren
Ferge und Wehsal sich beteiligten und bald auch Settembrini
und Naphta, die Widersacher im Geiste, denen zu begegnen
man nicht hatte verfehlen können, und die mit Peeperkorn,
wie zu-gleich denn endlich auch mit Clawdia Chauchat bekannt zu ma-chen, Hans Castorp sich geradezu glücklich
schätzte, – vollstän-dig unbekümmert darum, ob diese Bekanntschaft und Verbin-dung den Disputanten willkommen
war oder nicht und in dem stillen Vertrauen darauf, daß sie
eines pädagogischen Objektes bedurften und lieber einen unwillkommenen Anhang in Kauf nehmen, als darauf verzichten würden, ihre Gegensätze vor ihm auszutragen.
Er täuschte sich denn auch nicht darin, daß die Mitglieder
seines buntscheckigen Freundeskreises sich wenigstens daran
gewöhnen würden, daß sie sich nicht aneinander gewöhnten:
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THOMAS MANN
Spannungen, Fremdheiten, sogar stille Feindseligkeit gab es
selbstverständlich genug zwischen ihnen, und wir wundern
uns selbst, wie es unserem unbedeutenden Helden gelingen
mochte, sie um sich zusammenzuhalten, – wir erklären es
uns mit einer gewissen verschmitzten Lebensfreundlichkeit
seines Wesens, die ihn alles "hörenswert" finden ließ, und die
man Verbind-lichkeit selbst in dem Sinne nennen könnte,
daß sie nicht nur ihm die ungleichartigsten Personen und
Persönlichkeiten, son-dern bis zu einem gewissen Grade sogar diese untereinander verband.
Wunderlich hin und her laufende Beziehungen! Es reizt
uns, ihre verschlungenen Fäden einen Augenblick allgemein
sichtbar zu machen, so, wie Hans Castorp selbst sie auf diesen
Spazier-gängen verschmitzten und lebensfreundlichen Auges
betrachte-te. Da war der elende Wehsal, der Frau Chauchat
schwelend be-gehrte und Peeperkorn und Hans Castorp
niedrig verehrte, den einen um der herrschenden Gegenwart,
den anderen um der Vergangenheit willen. Da war Clawdia
Chauchat ihrerseits, die anmutig weich schreitende Kranke
und Reisende, die Hörige Peeperkorns, und zwar gewiß aus
Überzeugung, gleichwohl aber immer etwas beunruhigt und
innerlich spitzig, den Ritter einer fernen Faschingsnacht auf
so gutem Fuße mit ihrem Ge-bieter zu sehen. Erinnerte diese
Irritation nicht in etwas an die-jenige, die ihr Verhältnis zu
Herrn Settembrini bestimmte? Zu diesem Schönredner und
Humanisten, den sie nicht leiden konnte und den sie hochmütig und unmenschlich nannte? Zu des jungen Hans Castorp erzieherischem Freunde, den sie gar zu gern darüber zur
Rede gestellt hätte, was für Worte es gewesen seien, die er in
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seinem mediterranen Idiom, wovon sie so wenig eine Silbe
verstand wie er von dem ihren, nur mit weniger si-cherer Geringschätzung, dem konvenablen jungen Deutschen nachgesandt hatte, diesem hübschen kleinen Bourgeois von gu-ter
Familie und mit einer feuchten Stelle, als er damals im Be-griffe gewesen war, sich ihr zu nähern? Hans Castorp, verliebt,
wie man zu sagen pflegt, "über beide Ohren", doch nicht im
vergnügten Sinn dieser Redensart, sondern so, wie man liebt,
wenn der Fall verboten und unvernünftig liegt und sich keine friedlichen kleinen Lieder des Flachlandes darauf singen
lassen, – arg verliebt also und damit abhängig, unterworfen,
leidend und dienend, war doch der Mann, in der Sklaverei
sich hinläng-liche Verschmitztheit zu bewahren, um ganz gut
zu wissen, wel-chen Wert seine Ergebenheit für die schleichende Kranke mit den bezaubernden Tatarenschlitzen etwa
haben und behalten mochte: einen Wert, auf den sie, wie er
bei sich in aller leiden-den Unterworfenheit hinzufügte, aufmerksam gemacht werden konnte durch das Verhalten Herrn
Settembrinis zu ihr, das ihren Argwohn nur zu offen bestätigte, nämlich so ablehnend war, wie humanistische Höflichkeit
es nur irgend gestattete. Das Schlimme, oder, in Hans Castorps Augen, eher Vorteilhafte, war, daß sie in ihren Beziehungen zu Leo Naphta, auf die sie doch Hoffnungen gesetzt,
die rechte Entschädigung auch nicht fand. Zwar stieß sie hier
nicht auf jene grundsätzliche Vernei-nung, die Herr Lodovico
ihrem Wesen entgegensetzte, und die Gesprächsbedingungen
lagen günstiger: sie unterhielten sich zu-weilen gesondert,
Clawdia und der scharfe Kleine, über Bücher, über Probleme
der politischen Philosophie, in deren radikaler Behandlung
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sie übereinstimmten; und Hans Castorp nahm treuherzig teil
daran. Aber eine gewisse aristokratische Ein-schränkung des
Entgegenkommens, das der Emporkömmling, vorsichtig wie
alle Emporkömmlinge, ihr bezeigte, mochte ihr doch bemerklich werden; sein spanischer Terrorismus stimmte im Grunde
mit ihrer türenwerfend vagierenden "Mähnschlich-keit" wenig überein; und hinzu kam als Letztes und Feinstes eine
leichte, schwer greifbare Gehässigkeit, die sie mit weibli-chem
Spürsinn von Seiten beider Widersacher, Settembrinis und
Naphtas, sich mußte entgegenwehen fühlen (so gut, wie ihr
Faschingsritter selber sie wehen fühlte) und die ihren Grund
in den Beziehungen beider zu ihm, Hans Castorp, hatte: die
Miß-stimmung des Erziehers gegen die Frau als störendes und
ablen-kendes Element, diese stille und ursprüngliche Gegnerschaft, die sie vereinigte, weil ihre pädagogisch verdichtete
Zwietracht sich darin aufhob. Spielte nicht etwas von dieser
Feindseligkeit auch in das Verhalten der beiden Dialektiker
zu Pieter Peeperkorn hinein? Hans Castorp glaubte es zu bemerken, vielleicht weil er es boshafterweise erwartet hatte
und im ganzen nicht wenig be-gierig gewesen war, den königlichen Stammler mit seinen beiden "Regierungsräten", wie er
sie bei sich manchmal witzweise nannte, zusammenzubringen und den Effekt zu studieren. Mynheer wirkte im Freien
nicht ganz so großartig wie in ge-schlossenem Raum. Der
weiche Filzhut, den er tief in die Stirn gerückt trug, und der
sein weißes Flammenhaar, seine mächtige Stirnlineatur bedeckte, verkleinerte seine Züge, ließ sie gleich-sam zusammenschrumpfen und setzte selbst seine gerötete Nase in ihrer
Majestät herab. Auch war sein Gehen weniger gut als sein Ste-
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hen: Er hatte die Gewohnheit, bei jedem seiner kurzen Schritte den ganzen schweren Körper und sogar auch den Kopf etwas seitwärts fallen zu lassen nach der Seite des Fußes, den er
eben vorwärts setzte, was eher gutmütig-greisenhaft als könig-lich anmutete; ging auch meist nicht zu voller Größe aufge-richtet, wie er stand, sondern etwas zusammengesunken.
Aber auch so noch überragte er Herrn Lodovico sowohl wie
nun gar den kleinen Naphta um Haupteslänge, – und das
war es nicht allein, weshalb seine Gegenwart so sehr, vollkommen so sehr, wie Hans Castorp es einbildungsweise vorweggenommen, auf die Existenz der beiden Politiker drückte.
Das war ein Druck, eine Herabminderung und Beeinträchti-gung durch den Vergleich, – fühlbar dem durchtriebenen Beob-achter, fühlbar aber ohne Zweifel auch den Beteiligten, sowohl den schmächtig Überartikulierten wie dem
großartig Stam-melnden. Peeperkorn behandelte Naphta und
Settembrini über-aus höflich und aufmerksam, mit einem Respekt, den Hans Castorp ironisch genannt haben würde,
wenn ihn nicht volle Ein-sicht in die Unvereinbarkeit dieses
Begriffes mit dem des gro-ßen Formats daran gehindert hätte.
Könige kennen keine Ironie, – nicht einmal im Sinn eines
graden und klassischen Mittels der Redekunst, geschweige in
einem verwickeiteren Sinn. Und so war es denn eher eine zugleich feine und großartige Spötterei zu nennen, was, unter
leicht übertriebenem Ernst verborgen oder offen zutage liegend, des Holländers Benehmen gegen Hansens Freunde
kennzeichnete. "Ja-ja-ja-!" konnte er wohl sagen, indem er mit
dem Finger nach ihrer Seite drohte, den Kopf mit scherzhaft
lächelnden zerrissenen Lippen abgewandt. "Das ist – Das
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sind – . Meine Herrschaften, ich lenke Ihre Auf-merksamkeit – – Cerebrum, cerebral, verstehen Sie! Nein – nein, perfekt, außerordentlich, das ist, da zeigt sich denn doch – ." Sie
rächten sich, indem sie Blicke tauschten, die nach der Be-gegnung verzweifelt himmelwärts wanderten, und in die sie auch
Hans Castorp hineinzuziehen trachteten, was er aber
ab-lehnte.
Es kam vor, daß Herr Settembrini den Schüler direkt zur
Rede stellte und so seine pädagogische Unruhe bekundete.
"Aber, in Gottes Namen, Ingenieur, das ist ja ein dummer
alter Mann! Was finden Sie an ihm? Kann er Sie fördern? Mir
steht der Verstand still! Alles wäre klar – ohne eben lobenswert zu sein – , wenn Sie ihn in den Kauf nähmen, wenn Sie
in seiner Gesellschaft nur die seiner gegenwärtigen Geliebten
such-ten. Aber es ist unmöglich, nicht zu sehen, daß Sie sich
beinahe mehr um ihn kümmern als um sie. Ich beschwöre Sie,
kommen Sie meinem Verständnis zu Hilfe ..."
Hans Castorp lachte. "Durchaus!" sagte er. "Perfekt! Es ist
nun einmal – Erlauben Sie mir – Gut!" Und er suchte auch
Pee-perkorns Kulturgebärden zu kopieren. "Ja, ja", lachte er
weiter, "Sie finden das dumm, Herr Settembrini, und jedenfalls ist es undeutlich, was in Ihren Augen wohl schlimmer ist
als dumm. Ach, Dummheit. Es gibt so viele verschiedene Arten von Dummheit, und die Gescheitheit ist nicht die beste
davon ... Hallo! Da habe ich was geprägt, glaube ich, ein Wort,
ein mot. Wie gefällt es Ihnen?"
"Sehr gut. Ich sehe erwartungsvoll Ihrer ersten Aphorismen-sammlung entgegen. Vielleicht ist es noch Zeit, Sie zu
bitten, daß Sie darin gewissen Betrachtungen Rechnung tra-
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gen, die wir gelegentlich über das menschenfeindliche Wesen
des Parado-xons angestellt haben."
"Soll geschehen, Herr Settembrini. Soll absolut geschehen. Nein, Sie sehen mich gar nicht auf der Jagd nach Paradoxen mit meinem mot. Es war mir nur darum zu tun, auf
die großen Schwierigkeiten hinzuweisen, die die Bestimmung von 'Dummheit' und 'Gescheitheit ... bereitet. Also: bereitet, nicht wahr? Das ist so schwer auseinander zu halten,
das geht so sehr ineinander über ... Ich weiß wohl, Sie hassen
das mystische guazzabuglio und sind für den Wert, das Urteil, das Werturteil, und da gebe ich Ihnen ganz recht. Aber
das mit der 'Dummheit' und der 'Gescheitheit', das ist zuweilen ein komplettes Myste-rium, und es muß doch erlaubt
sein, sich um Mysterien zu kümmern, vorausgesetzt, daß das
ehrliche Bestreben vorhanden ist, ihnen nach Möglichkeit
auf den Grund zu kommen. Ich fra-ge Sie folgendes. Ich frage Sie: Können Sie leugnen, daß er uns alle in die Tasche
steckt? Ich drücke es derb aus, und doch können Sie es, soviel ich sehe, nicht leugnen. Er steckt uns in die Tasche, und
irgendwoher kommt ihm das Recht zu, sich über uns lustig
zu machen. Woher? Wieso? Inwiefern? Natürlich nicht vermöge seiner Gescheitheit. Ich gebe zu, daß von Ge-scheitheit
kaum die Rede sein kann. Er ist ja vielmehr ein Mann der
Undeutlichkeit und des Gefühls, das Gefühl ist geradezu
seine Puschel, – verzeihen Sie den umgangssprachlichen
Aus-druck! Ich sage also: Nicht vor Gescheitheit steckt er uns
in die Tasche, das heißt nicht aus geistigen Gründen, – Sie
würden sich das verbitten, und wirklich, es scheidet aus.
Aber doch auch nicht aus körperlichen! Doch nicht seiner
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Kapitänsschultern we-gen, in Hinsicht auf rohe Brachialgewalt und weil er jeden von uns mit der Paust niederstrecken
könnte, – er denkt gar nicht daran, daß er das könnte, und
wenn er mal daran denkt, so ge-nügen ein paar zivilisierte
Worte, um ihn zu beschwichtigen ... Also auch nicht aus körperlichen. Und doch spielt ganz ohne Zweifel das Körperliche eine Rolle dabei, – nicht im brachialen Sinne, sondern
in einem andern, im mystischen, – sobald das Körperliche
eine Rolle spielt, wird die Sache mystisch – ; und das Körperliche geht ins Geistige über, und umgekehrt, und sind
nicht zu unterscheiden, und Dummheit und Gescheitheit
sind nicht zu unterscheiden, aber die Wirkung ist da, das
Dyna-mische, und wir werden in die Tasche gesteckt. Und
dafür ist uns nur ein Wort an die Hand gegeben, und das
heißt 'Persön-lichkeit'. Man braucht es wohl auch vernünftigerweise, so, wie wir alle Persönlichkeiten sind, – moralische
und juristische und was noch für Persönlichkeiten. Aber
nicht so ist es hier gemeint. Sondern als ein Mysterium, das
über Dummheit und Gescheitheit hinausliegt, und um das
man sich doch muß kümmern dür-fen, – teils um ihm nach
Möglichkeit auf den Grund zu kommen und teils, soweit das
nicht möglich ist, um sich daran zu erbauen. Und wenn Sie
für Werte sind, so ist die Persönlichkeit am Ende doch auch
ein positiver Wert, sollte ich denken, – po-sitiver als Dummheit und Gescheitheit, im höchsten Grade po-sitiv, absolut
positiv, wie das Leben, kurzum: ein Lebenswert und ganz danach angetan, sich angelegentlich darum zu kümmern. Das
meinte ich Ihnen erwidern zu sollen auf das, was Sie von
Dummheit sagten."
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Neuerdings verwirrte und verhaspelte Hans Castorp sich
nicht mehr bei solchen Expektorationen und blieb nicht
stek-ken. Er sprach seinen Part zu Ende, ließ die Stimme sinken, machte Punktum und ging seines Weges wie ein Mann,
ob-gleich er noch immer rot dabei wurde und eigentlich etwas Furcht hatte vor dem kritischen Schweigen, das seinem
Ver-stummen folgen würde, damit er Zeit habe, sich zu schämen. Herr Settembrini ließ es walten, dieses Schweigen, und
sagte dann:
"Sie leugnen, sich auf der Jagd nach Paradoxen zu befinden. Unterdessen wissen Sie genau, daß ich Sie ebenso ungern
auf der Jagd nach Mysterien sehe. Indem Sie aus der Persönlichkeit ein Geheimnis machen, laufen Sie Gefahr, der Götzenanbetung zu verfallen. Sie venerieren eine Maske. Sie sehen Mystik, wo es sich um Mystifikation handelt, um eine
jener betrügerischen Hohlformen, mit denen der Dämon des
Körperlich-Physiogno-mischen uns manchmal zu foppen
liebt. Sie haben nie in Schau-spielerkreisen verkehrt? Sie kennen nicht diese Mimenköpfe, in denen sich die Züge Julius
Cäsars, Goethes und Beethovens vereinigen, und deren glückliche Besitzer, sobald sie den Mund auftun, sich als die erbärmlichsten Tröpfe unter der Sonne er-weisen?"
"Gut, ein Naturspiel", sagte Hans Castorp. "Aber doch
nicht nur ein Naturspiel, nicht nur Fopperei. Denn da diese
Leute Schauspieler sind, müssen sie ja Talent haben, und das
Talent ist selbst über Dummheit und Gescheitheit hinaus, es
ist selbst ein Lebenswert. Mynheer Peeperkorn hat auch Talent, sagen Sie, was Sie wollen, und damit steckt er uns in die
Tasche. Setzen Sie in eine Ecke eines Zimmers Herrn Naphta
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und lassen Sie ihn einen Vortrag über Gregor den Großen
und den Gottesstaat halten, höchst hörenswert, – und in der
anderen Ecke steht Pee-perkorn mit seinem sonderbaren
Mund und seinen hochgezo-genen Stirnfalten und sagt nichts
als "Durchaus! Erlauben Sie mir – Erledigt!' – Sie werden sehen, die Leute werden sich um Peeperkorn versammeln, alle
um ihn, und Naphta wird ganz al-lein dasitzen mit seiner Gescheitheit und seinem Gottesstaat, obgleich er sich dermaßen
deutlich ausdrückt, daß es einem durch Mark und Pfennig
geht, wie Behrens zu sagen pflegt ..."
"Schämen Sie sich der Erfolgsanbetung!" mahnte ihn Herr
Settembrini. "Mundus vult decipi. Ich verlange nicht, daß
man sich um Herrn Naphta schart. Er ist ein arger Quertreiber. Aber ich bin geneigt, auf seine Seite zu treten angesichts
der imaginä-ren Szene, die Sie mit tadelnswertem Beifall ausmalen. Verach-ten Sie nur das Distinkte, Präzise und Logische, das human zu-sammenhängende Wort! Verachten Sie es
zu Ehren irgendeines Hokuspokus von Andeutung und Gefühlsscharlatanerie, – und der Teufel hat Sie schon unbedingt..."
"Aber ich versichere Sie, er kann oft ganz zusammenhängend sprechen, wenn er warm wird", sagte Hans Castorp. "Er
hat mir gelegentlich von dynamischen Drogen und asiatischen Giftbäu-men erzählt, so interessant, daß es fast unheimlich war – das In-teressante ist immer etwas unheimlich – , und interessant war es wieder nicht so sehr an und für
sich, als eigentlich nur im Zu-sammenhang mit seiner Persönlichkeitswirkung: die machte es zugleich unheimlich und
interessant ..."
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