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Der Zauberberg. Vol. 2

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DER ZAUBERBERG
Haupt schwoll ab, "dein Glück!" stand in seiner nur noch be­dingungsweise und nachträglich drohenden Miene zu lesen, das Gewitter verzog sich, und überdies mischte nun Frau Chauchat sich ein, indem sie ihren Reisebegleiter auf den ein­gerissenen Verfall der Geselligkeit hinwies.
"Lieber Freund, Sie vernachlässigen Ihre Gäste", sagte sie auf französisch. "Sie widmen sich allzu ausschließlich diesem Her-ren, mit dem Sie zweifellos wichtige Dinge auszumachen haben. Aber unterdessen hat das Spiel fast aufgehört, und ich fürchte, man langweilt sich. Wollen wir den Abend beschlie­ßen?"
Peeperkorn wandte sich sogleich der Tafelrunde zu. Es war richtig: Demoralisation, Lethargie, Stumpfsinn hatten um sich gegriffen; die Gäste trieben Allotria wie eine unbeauf­sichtigte Schulklasse. Mehrere waren am Einschlafen. Peeper­korn ergriff sofort die schleifenden Zügel. "Meine Herrschaf­ten!" rief er mit erhobenem Zeigefinger, – und dieser lanzenspitze Finger war wie ein winkender Degen oder wie eine Fahne, sein Ruf aber gleich dem "Mir nach, wer keine Memme ist!" des Führers, der eine beginnende Deroute zum Stehen bringt. Auch war der Einsatz seiner Persönlichkeit so­fort von weckender und sam-melnder Wirkung. Man raffte sich auf, straffte die schlaff ge-wordenen Mienen und nickte lächelnd in des mächtigen Wirtes blasse Augen unter der idolhaften Lineatur seiner Stirn. Er bannte alle und hielt sie aufs neue zum Dienste an, indem er die Spitze des Zeigefin­gers zu der des Daumens senkte und die an-deren langgena­gelt daneben aufragen ließ. Er breitete die Kapi-tänshand be­hütend und zurückdämmend aus und von seinen weh
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zerrissenen Lippen kamen Worte, deren abspringende Un-deutlichkeit dank ihrem Persönlichkeitsrückhalt zwin­gendste Macht über die Gemüter übte.
"Meine Herrschaften – gut. Das Fleisch, meine Herrschaf­ten, es ist nun einmal – Erledigt. Nein – erlauben Sie mir – , 'schwach', so steht es in der Schrift. 'Schwach', das heißt ge-neigt, sich den Anforderungen – Aber ich appelliere an Ihre – Kurzum und gut, meine Herrschaften, ich ap-pel-liere. Sie wer-den mir sagen: der Schlaf Gut, meine Herrschaften, perfekt, vortrefflich. Ich liebe und ehre den Schlaf. Ich vene­riere seine tiefe, süße, labende Wollust. Der Schlaf zählt zu den – wie sag-ten Sie, junger Mann? – zu den klassischen Le­bensgaben vom ersten, vom allerersten – ich bitte sehr – vom obersten, meine Herrschaften. Wollen sie jedoch bemerken und sich erinnern: Gethsemane! 'Und nahm zu sich Petrum und die zween Söhne Zebedei. Und sprach zu ihnen: Bleibet hie und wachet mit mir.' Sie erinnern sich? "Und kam zu ih­nen und fand sie schlafend und sprach zu Petro: Könnet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?' Intensiv, meine Herrschaften. Durchdringend. Herz-bewegend. 'Und kam und fand sie aber schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs. Und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist hie – ' Meine Herrschaften: Durchbohrend, herzversehrend."
Tatsächlich waren alle in tiefster Seele ergriffen und be-schämt. Er hatte die Hände vor der Brust über dem schma­len Kinnbart gefaltet und das Haupt schräg geneigt. Sein blas­ser Blick hatte sich gebrochen bei dem, was an einsamem To­desschmerz von seinen zerrissenen Lippen gekommen. Frau
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Stöhr schluchzte. Frau Magnus stieß einen hohen Seufzer aus. Staats-anwalt Paravant sah sich veranlaßt, vertretungsweise, gleichsam als Abgeordneter der Gesellschaft, einige Worte mit gesenkter Stimme an den verehrten Gastgeber zu richten, um ihn der all-gemeinen Gefolgschaft zu versichern. Hier müsse ein Irrtum vorliegen. Man sei frisch und munter, flott, fidel und bei der Sache mit Herz und Sinn. Es sei ein so schö­ner, festlicher, schlechthin außerordentlicher Abend, – alle verständen und empfanden das, niemand denke vorläufig da­ran, von dem Le-bensgute des Schlafs Gebrauch zu machen. Mynheer Peeperkorn könne sich auf seine Gäste verlassen, auf jeden einzelnen von ihnen.
"Perfekt! Vorzüglich!" rief Peeperkorn und richtete sich auf. Seine Hände lösten sich, gingen auseinander und auf­wärts, aus-gebreitet, aufrecht, die Innenfläche nach außen, wie zu heidni-schem Gebet. Seine großartige Physiognomie, eben noch von gotischem Schmerz beseelt, erblühte üppig und heiter; sogar ein sybaritisches Grübchen zeigte sich auf einmal in seiner Wange. "Die Stunde ist hie –" Und er ließ sich die Karte geben, setzte einen Hornklemmer auf, dessen Bügel ihm hoch an der Stirn emporragte, und bestellte Cham­pagner, drei Flaschen Mumm & Co., Cordon rouge, très sec; dazu petits fours, köstliche, kegel-förmige kleine Schlemmer­bissen, mit farbigem Zuckerguß überkleidet, von zartestem Biskuitcharakter, im Innern benetzt von Schokolade – und Pistaziencreme und auf Papierdeckchen mit reichem Spitzen­rande angeboten. Frau Stöhr leckte sich alle Finger bei ihrem Genuß. Herr Albin löste mit lässiger Routine den ersten Pfropfen aus seiner Haft von Draht, ließ den pilzför-migen
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Kork mit dem Knall einer Kinderpistole dem ge-schmückten Hals entschlüpfen und zur Decke fahren, worauf er die Fla­sche nach elegantem Herkommen zum Einschenken in eine Serviette hüllte. Der edle Schaum befeuchtete das Linnen der Anrichtetischchen. Man ließ die Flachkelche klingen und leerte das erste Glas auf einen Zug, elektrisierte sich den Ma­gen mit dem eiskalten, duftigen Geprickel. Die Augen glitzer­ten. Das Spiel hatte aufgehört, ohne daß man sich bemüßigt gesehen hätte, Karten und Geld vom Tische zu räumen. Die Gesellschaft überließ sich einem seligen Nichtstun, indem sie ein zusam-menhangloses Geschwätz tauschte, dessen Ele­mente bei jedem einzelnen aus erhöhtem Gefühle stammten und in irgendeinem Urzustande das Schönste versprochen hatten, aus denen aber auf dem Wege zur Mitteilung ein frag­mentarisch-lippenlahmer, teils indiskreter, teils unverständ­licher Galimathias wurde, ge-eignet, die zornige Scham jedes nüchtern Hinzukommenden zu erregen, doch von den Betei­ligten ohne Beschwer ertragen, da alle sich in dem gleichen verantwortungslosen Zustand wiegten. Frau Magnus selbst hatte rote Ohren bekommen und gestand, sie fühle, wie Le­ben sie durchrinne, was aber Herrn Magnus nicht lieb zu sein schien. Hermine Kleefeld lehnte mit dem Rücken an der Schulter Herrn Albins, indem sie ihm ihren Kelch zum Ein­schenken vorhielt. Peeperkorn, das Bacchanal mit lanzenspit­zen Kulturgebärden leitend, sorgte für Zufuhr und Nach­schub. Er ließ Kaffee kommen nach dem Champagner, Mocca double, der wiederum von "Brot" begleitet war und von sü­ßen Scharfheiten, Apricots Brandy, Chartreuse, Crême de Va-nille und Maraschino für die Damen. Später gab es noch
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saure Fischfilets und Bier dazu, endlich Tee, und zwar sowohl chine-sischen wie Kamillentee für solche, die es nicht vorzo­gen, beim Sekt oder Likör zu bleiben oder zu einem ernsthaf­ten Wein zu-rückzukehren, wie Mynheer selbst, der sich nach Mitternacht zusammen mit Frau Chauchat und Hans Castorp zu einem Schweizer Roten von naiv-spritziger Art durchge­läutert hatte, von dem er mit wirklichem Durst einen Glasbe­cher nach dem anderen hinunterschüttete.
Noch um ein Uhr dauerte die Festsitzung an, zusammen­ge-halten teils durch bleierne Rauscheslähmung, teils durch das ei-gentümliche Vergnügen, sich die Nacht um die Ohren zu schla-gen, teils durch die Persönlichkeitswirkung Peeper­korns und durch das abschreckende Beispiel Petri und der Seinen, an deren Fleischesschwäche niemand teilhaben woll­te. Allgemein gespro-chen, schien der weibliche Teil weniger gefährdet in dieser Hinsicht. Denn während die Männer, rot oder fahl, die Beine von sich streckten und die Backen auf­bliesen, indem sie nur noch mechanisch dann und wann dem Becher zusprachen, von rechter Dienstfreudigkeit nicht mehr beseelt, hielten die Frauen sich tätiger. Hermine Kleefeld, die nackten Ellbogen auf die Tischplatte gestemmt, die Wangen in den Händen, wies lachend dem kichernden Ting-Fu den Schmelz ihrer Vorderzähne, indes Frau Stöhr, mit angezoge­nem Kinn über die vorgebogene Schulter kokettierend, den Staatsanwalt ans Leben zu fesseln suchte. Mit Frau Magnus war es dahin gekommen, daß sie auf Herrn Albins Schoß Platz genommen hatte und ihn an beiden Ohrläppchen zog, was aber Herr Magnus eher als Erleichterung zu empfinden schien. Anton Karlowitsch Ferge ward aufgefor-dert, die Ge-
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schichte seines Pleurachoks zum besten zu geben, kam aber wegen Zungenschlages nicht zustande damit und er-klärte ehrlich seinen Bankerott, der als Anlaß zum Trinken ein-stimmig ausgerufen wurde. Wehsal weinte vorüberge­hend bit-terlich, aus irgendwelchen Elendstiefen, in welche seinen Mit-menschen Einblick zu eröffnen auch seine Zunge nicht mehr imstande war, wurde aber mit Kaffee und Kognak seelisch wie-der auf die Beine gebracht und erregte übrigens durch das Ge-wimmer seiner Brust, durch sein runzelig be­bendes Kinn, das von Tränen troff, das bedeutendste Interesse Peeperkorns, der mit erhobenem Zeigefinger und hochgezo­genen Arabesken die allgemeine Aufmerksamkeit für Weh­sais Zustand in Anspruch nahm.
"Das ist –", sagte er. "Das ist nun doch – Nein, erlauben Sie mir: Heilig! Trockne ihm das Kinn, mein Kind, nimm mei­ne Serviette! Oder besser noch, nein, unterlaß es! Er selber ver-zichtet darauf Meine Herrschaften, – heilig! Heilig in je­derlei Sinn, im christlichen wie im heidnischen! Ein Urphä­nomen! Ein Phänomen vom ersten – vom obersten – Nein, nein, das ist–"
Auf dieses "Das ist", "Das ist nun doch" waren überhaupt die leitend-erläuternden Äußerungen gestimmt, mit denen er unter genauen, wenn auch nachgerade etwas burlesk gewor­denen Kulturgebärden seine Veranstaltung begleitete. Er hat­te eine Art, den Ring, den sein gekrümmter Zeigefinger mit dem Daumen bildete, über das Ohr emporzuhalten und das Haupt schief-scherzhaft davon abzuwenden, die Gefühle er­weckte, wie etwa der bejahrte Priester eines fremden Kults sie erregen würde, der mit gerafften Gewändern und wunderli-
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cher Grazie vor dem Opferaltar tanzte. Dann wieder, breit hingelagert in seiner Großartigkeit, den Arm um die benach­barte Stuhllehne ge-schlungen, zwang er alle zu ihrer Bestür­zung, sich mit ihm in die lebendige und durchdringende Vor­stellung des Morgens zu vertiefen, eines frostigen, dunklen Wintermorgens, wenn der gelbliche Schein unserer Nacht­tischlampe sich durch die Fensterscheibe hinausspiegelt zwi­schen kahles Geäst, das draußen in eisige, krähenschreiharte Nebelfrühe starrt ... Andeutungsweise wußte er diese nüchter­ne Alltagsanschauung so stark zu machen, daß alle erschau­erten, besonders da er auch noch des eiskalten Wassers ge­dachte, das man sich etwa in solcher Frühe aus einem großen Schwamme über den Nacken drücke, und das er heilig nann­te. Das war nur eine Abschweifung, eine beispielhafte Un-ter­weisung in Dingen der Lebensaufmerksamkeit, ein phantas­ti-sches Impromptu, das er fallen ließ, um seine dienstliche Ein-dringlichkeit und Gefühlsgegenwart alsbald der festlich gelö-sten Nachtstunde wieder zuzuwenden. Er zeigte sich verliebt in all und jede erreichbare Weiblichkeit, wahllos und ohne Anse-hen der Person. Er machte der Zwergin Anträge solcher Art, daß das krüppelhafte Wesen sein übergroßes, ält­liches Gesicht in grinsende Falten legte, sagte der Stöhr Artig­keiten eines Kali-bers, daß die ordinäre Frau ihre Schulter noch ärger verbog und die Ziererei bis zur völligen Verrückt­heit trieb, erbat sich von der Kleefeld einen Kuß auf seinen großen, zerrissenen Mund und scharmierte selbst mit der trostlosen Frau Magnus – dies al-les unbeschadet seiner zärt­lichen Ergebenheit gegen seine Rei-sebegleiterin, deren Hand er oft mit galanter Andacht an die Lippen führte. "Der Wein",
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sagte er, "Die Frauen – Das ist – Das ist nun doch – Erlau­ben Sie mir – Weltuntergang – Gethsemane –."
Gegen zwei Uhr flog die Nachricht auf, "der Alte" – Hof­rat Behrens also – nähere sich in Gewaltmärschen den Kon­versa-tionsräumen. Panik wütete in demselben Augenblick unter der entnervten Gästeschaft. Stühle und Eiskübel stürz­ten. Man floh durch das Bibliothekszimmer. Peeperkorn, von königlichem Koller ergriffen bei der jähen Auflösung seines Lebensfestes, schlug wohl mit der Faust auf und sandte den Fortstiebenden etwas von "furchtsamen Sklaven" nach, ließ sich aber dann durch Hans Castorp und Frau Chauchat bis zu einem gewissen Grade mit dem Gedanken versöhnen, daß dies Gastmahl, das an sechs Stunden gedauert hatte, ohnehin einmal sein Ende habe nehmen müssen, schenkte auch der Mahnung an das heilige Labsal des Schlafes sein Ohr und wil­ligte ein, sich zu Bette ge-leiten zu lassen.
"Stütze mich, mein Kind! Stütze mich andererseits, junger Mann!" sagte er zu Frau Chauchat und Hans Castorp. So wa­ren sie seinem schweren Körper beim Aufkommen vom Stuh­le be-hilflich, boten ihm ihre Arme dar, und eingehängt in beide trat er breitbeinig, das mächtige Haupt auf eine seiner hochgezoge-nen Schultern geneigt und bald den einen, bald den anderen seiner Führer durch die Schwankungen seines Schrittes zur Seite drängend, den Weg zur Ruhe an. Im Grun­de war es wohl ein königlicher Luxus, den er sich leistete, in­dem er sich dieser Art lotsen und stützen ließ. Wahrschein­lich hätte er, wenn es ihm darauf angekommen wäre, auch allein gehen können, – er ver-schmähte jedoch diese An­strengung, die ja nur den kleinen und untergeordneten Sinn
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hätte haben können, seinen Rausch schamhaft zu verbergen, während er sich desselben offenbar nicht nur durchaus nicht schämte, sondern sich im Gegenteil groß und üppig darin ge­fiel und sich einen königlichen Spaß daraus machte, seine dienenden Führer schwankend nach rechts und links zu sto­ßen. Er selbst äußerte unterwegs:
"Kinder, – Unsinn, – man ist natürlich gar nicht – Wenn die-sen Augenblick – Ihr solltet sehen – Lächerlich –"
"Lächerlich!" bestätigte Hans Castorp. "Aber ohne jeden Zweifel! Man gibt der klassischen Lebensgabe das Ihre, indem man sich freimütig schwanken läßt zu ihren Ehren. Dagegen im Ernst ... Ich habe doch auch mein Teil, aber trotz aller so­ge-nannten Betrunkenheit bin ich mir klar bewußt, daß ich die be-sondere Ehre habe, eine ausgesprochene Persönlich­keit zu Bett zu bringen, so wenig vermag der Rausch sogar über mich, der ich doch in Hinsicht auf Format überhaupt gar nicht erst in Ver-gleich komme –"
"Na, du, Schwätzerchen", sagte Peeperkorn und stieß ihn wankend gegen das Treppengeländer, indem er Frau Chauch­at mit sich zog.
Ersichtlich war das Gerücht vom Nahen des Hofrats ein lee-rer Schreckschuß gewesen. Vielleicht hatte die müde Zwergin ihn abgegeben, um die Geselligkeit zu sprengen. Unter diesen Umständen blieb Peeperkorn stehen und woll­te umkehren, um weiter zu trinken; aber von beiden Seiten wurde ihm in besse-rem Sinne zugeredet, und so ließ er sich wieder in Bewegung setzen.
Der malaiische Kammerdiener, dies Männchen in weißer Krawatte und mit schwarzseidenen Schuhen an den Füßen,
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er-wartete seinen Gebieter auf dem Korridor, vor der Tür des Appartements, und nahm ihn mit einer Verneigung in Emp­fang, zu der er eine Hand auf die Brust legte.
"Küßt euch!" gebot Peeperkorn. "Küsse diese reizende Frau zum Schluß auf die Stirn, junger Mann!" sagte er zu Hans Ca-storp. "Sie wird nichts dagegen haben und es erwi­dern. Tut es auf mein Wohl und mit meiner Erlaubnis!" sagte er; aber Hans Castorp weigerte sich dessen.
"Nein, Eure Majestät!" sagte er. "Entschuldigen Sie, das geht nicht."
Peeperkorn, an den Kammerdiener gelehnt, zog seine Ara­besken hoch und verlangte zu wissen, warum das nicht gehe.
"Weil ich mit Ihrer Reisebegleiterin keine Stirnküsse tau-schen kann", sagte Hans Castorp. "Ich wünsche recht wohl zu ruhen! Nein, das wäre, von allen Seiten gesehen, der reine Un-sinn."
Und da auch Frau Chauchat schon auf ihre Zimmertür zu-ging, so ließ Peeperkorn den Widerspenstigen ziehen, in­dem er ihm freilich noch eine Weile über die eigene Schulter und die des Malaien mit angezogenem Faltenwerk nachblick­te, erstaunt über eine Unbotmäßigkeit, auf die seine Herr­schernatur nicht zu stoßen gewohnt sein mochte.
MYNHEER PEEPERKORN
(DES WEITEREN)
Mynheer Peeperkorn blieb in Haus Berghof während die­ses ganzen Winters – soviel davon noch übrig war – und bis ins Frühjahr hinein, so daß es zuletzt noch zu einem recht denk-würdigen gemeinsamen Ausflug (auch Settembrini und
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