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ivanov666
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Файл:Der Zauberberg. Vol. 2
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DER ZAUBERBERG
Haupt schwoll ab, "dein Glück!" stand in seiner nur noch bedingungsweise und nachträglich drohenden Miene zu lesen,
das Gewitter verzog sich, und überdies mischte nun Frau
Chauchat sich ein, indem sie ihren Reisebegleiter auf den eingerissenen Verfall der Geselligkeit hinwies.
"Lieber Freund, Sie vernachlässigen Ihre Gäste", sagte sie
auf französisch. "Sie widmen sich allzu ausschließlich diesem
Her-ren, mit dem Sie zweifellos wichtige Dinge auszumachen
haben. Aber unterdessen hat das Spiel fast aufgehört, und ich
fürchte, man langweilt sich. Wollen wir den Abend beschließen?"
Peeperkorn wandte sich sogleich der Tafelrunde zu. Es
war richtig: Demoralisation, Lethargie, Stumpfsinn hatten um
sich gegriffen; die Gäste trieben Allotria wie eine unbeaufsichtigte Schulklasse. Mehrere waren am Einschlafen. Peeperkorn ergriff sofort die schleifenden Zügel. "Meine Herrschaften!" rief er mit erhobenem Zeigefinger, – und dieser
lanzenspitze Finger war wie ein winkender Degen oder wie
eine Fahne, sein Ruf aber gleich dem "Mir nach, wer keine
Memme ist!" des Führers, der eine beginnende Deroute zum
Stehen bringt. Auch war der Einsatz seiner Persönlichkeit sofort von weckender und sam-melnder Wirkung. Man raffte
sich auf, straffte die schlaff ge-wordenen Mienen und nickte
lächelnd in des mächtigen Wirtes blasse Augen unter der
idolhaften Lineatur seiner Stirn. Er bannte alle und hielt sie
aufs neue zum Dienste an, indem er die Spitze des Zeigefingers zu der des Daumens senkte und die an-deren langgenagelt daneben aufragen ließ. Er breitete die Kapi-tänshand behütend und zurückdämmend aus und von seinen weh
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zerrissenen Lippen kamen Worte, deren abspringende
Un-deutlichkeit dank ihrem Persönlichkeitsrückhalt zwingendste Macht über die Gemüter übte.
"Meine Herrschaften – gut. Das Fleisch, meine Herrschaften, es ist nun einmal – Erledigt. Nein – erlauben Sie mir – ,
'schwach', so steht es in der Schrift. 'Schwach', das heißt
ge-neigt, sich den Anforderungen – Aber ich appelliere an
Ihre – Kurzum und gut, meine Herrschaften, ich ap-pel-liere.
Sie wer-den mir sagen: der Schlaf Gut, meine Herrschaften,
perfekt, vortrefflich. Ich liebe und ehre den Schlaf. Ich veneriere seine tiefe, süße, labende Wollust. Der Schlaf zählt zu
den – wie sag-ten Sie, junger Mann? – zu den klassischen Lebensgaben vom ersten, vom allerersten – ich bitte sehr – vom
obersten, meine Herrschaften. Wollen sie jedoch bemerken
und sich erinnern: Gethsemane! 'Und nahm zu sich Petrum
und die zween Söhne Zebedei. Und sprach zu ihnen: Bleibet
hie und wachet mit mir.' Sie erinnern sich? "Und kam zu ihnen und fand sie schlafend und sprach zu Petro: Könnet ihr
denn nicht eine Stunde mit mir wachen?' Intensiv, meine
Herrschaften. Durchdringend. Herz-bewegend. 'Und kam
und fand sie aber schlafend, und ihre Augen waren voll
Schlafs. Und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun schlafen
und ruhen? Siehe, die Stunde ist hie – ' Meine Herrschaften:
Durchbohrend, herzversehrend."
Tatsächlich waren alle in tiefster Seele ergriffen und
be-schämt. Er hatte die Hände vor der Brust über dem schmalen Kinnbart gefaltet und das Haupt schräg geneigt. Sein blasser Blick hatte sich gebrochen bei dem, was an einsamem Todesschmerz von seinen zerrissenen Lippen gekommen. Frau
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Stöhr schluchzte. Frau Magnus stieß einen hohen Seufzer aus.
Staats-anwalt Paravant sah sich veranlaßt, vertretungsweise,
gleichsam als Abgeordneter der Gesellschaft, einige Worte
mit gesenkter Stimme an den verehrten Gastgeber zu richten,
um ihn der all-gemeinen Gefolgschaft zu versichern. Hier
müsse ein Irrtum vorliegen. Man sei frisch und munter, flott,
fidel und bei der Sache mit Herz und Sinn. Es sei ein so schöner, festlicher, schlechthin außerordentlicher Abend, – alle
verständen und empfanden das, niemand denke vorläufig daran, von dem Le-bensgute des Schlafs Gebrauch zu machen.
Mynheer Peeperkorn könne sich auf seine Gäste verlassen,
auf jeden einzelnen von ihnen.
"Perfekt! Vorzüglich!" rief Peeperkorn und richtete sich
auf. Seine Hände lösten sich, gingen auseinander und aufwärts, aus-gebreitet, aufrecht, die Innenfläche nach außen,
wie zu heidni-schem Gebet. Seine großartige Physiognomie,
eben noch von gotischem Schmerz beseelt, erblühte üppig
und heiter; sogar ein sybaritisches Grübchen zeigte sich auf
einmal in seiner Wange. "Die Stunde ist hie –" Und er ließ
sich die Karte geben, setzte einen Hornklemmer auf, dessen
Bügel ihm hoch an der Stirn emporragte, und bestellte Champagner, drei Flaschen Mumm & Co., Cordon rouge, très sec;
dazu petits fours, köstliche, kegel-förmige kleine Schlemmerbissen, mit farbigem Zuckerguß überkleidet, von zartestem
Biskuitcharakter, im Innern benetzt von Schokolade – und
Pistaziencreme und auf Papierdeckchen mit reichem Spitzenrande angeboten. Frau Stöhr leckte sich alle Finger bei ihrem
Genuß. Herr Albin löste mit lässiger Routine den ersten
Pfropfen aus seiner Haft von Draht, ließ den pilzför-migen
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Kork mit dem Knall einer Kinderpistole dem ge-schmückten
Hals entschlüpfen und zur Decke fahren, worauf er die Flasche nach elegantem Herkommen zum Einschenken in eine
Serviette hüllte. Der edle Schaum befeuchtete das Linnen der
Anrichtetischchen. Man ließ die Flachkelche klingen und
leerte das erste Glas auf einen Zug, elektrisierte sich den Magen mit dem eiskalten, duftigen Geprickel. Die Augen glitzerten. Das Spiel hatte aufgehört, ohne daß man sich bemüßigt
gesehen hätte, Karten und Geld vom Tische zu räumen. Die
Gesellschaft überließ sich einem seligen Nichtstun, indem sie
ein zusam-menhangloses Geschwätz tauschte, dessen Elemente bei jedem einzelnen aus erhöhtem Gefühle stammten
und in irgendeinem Urzustande das Schönste versprochen
hatten, aus denen aber auf dem Wege zur Mitteilung ein fragmentarisch-lippenlahmer, teils indiskreter, teils unverständlicher Galimathias wurde, ge-eignet, die zornige Scham jedes
nüchtern Hinzukommenden zu erregen, doch von den Beteiligten ohne Beschwer ertragen, da alle sich in dem gleichen
verantwortungslosen Zustand wiegten. Frau Magnus selbst
hatte rote Ohren bekommen und gestand, sie fühle, wie Leben sie durchrinne, was aber Herrn Magnus nicht lieb zu sein
schien. Hermine Kleefeld lehnte mit dem Rücken an der
Schulter Herrn Albins, indem sie ihm ihren Kelch zum Einschenken vorhielt. Peeperkorn, das Bacchanal mit lanzenspitzen Kulturgebärden leitend, sorgte für Zufuhr und Nachschub. Er ließ Kaffee kommen nach dem Champagner, Mocca
double, der wiederum von "Brot" begleitet war und von süßen Scharfheiten, Apricots Brandy, Chartreuse, Crême de
Va-nille und Maraschino für die Damen. Später gab es noch
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saure Fischfilets und Bier dazu, endlich Tee, und zwar sowohl
chine-sischen wie Kamillentee für solche, die es nicht vorzogen, beim Sekt oder Likör zu bleiben oder zu einem ernsthaften Wein zu-rückzukehren, wie Mynheer selbst, der sich nach
Mitternacht zusammen mit Frau Chauchat und Hans Castorp
zu einem Schweizer Roten von naiv-spritziger Art durchgeläutert hatte, von dem er mit wirklichem Durst einen Glasbecher nach dem anderen hinunterschüttete.
Noch um ein Uhr dauerte die Festsitzung an, zusammenge-halten teils durch bleierne Rauscheslähmung, teils durch
das ei-gentümliche Vergnügen, sich die Nacht um die Ohren
zu schla-gen, teils durch die Persönlichkeitswirkung Peeperkorns und durch das abschreckende Beispiel Petri und der
Seinen, an deren Fleischesschwäche niemand teilhaben wollte. Allgemein gespro-chen, schien der weibliche Teil weniger
gefährdet in dieser Hinsicht. Denn während die Männer, rot
oder fahl, die Beine von sich streckten und die Backen aufbliesen, indem sie nur noch mechanisch dann und wann dem
Becher zusprachen, von rechter Dienstfreudigkeit nicht mehr
beseelt, hielten die Frauen sich tätiger. Hermine Kleefeld, die
nackten Ellbogen auf die Tischplatte gestemmt, die Wangen
in den Händen, wies lachend dem kichernden Ting-Fu den
Schmelz ihrer Vorderzähne, indes Frau Stöhr, mit angezogenem Kinn über die vorgebogene Schulter kokettierend, den
Staatsanwalt ans Leben zu fesseln suchte. Mit Frau Magnus
war es dahin gekommen, daß sie auf Herrn Albins Schoß
Platz genommen hatte und ihn an beiden Ohrläppchen zog,
was aber Herr Magnus eher als Erleichterung zu empfinden
schien. Anton Karlowitsch Ferge ward aufgefor-dert, die Ge-
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schichte seines Pleurachoks zum besten zu geben, kam aber
wegen Zungenschlages nicht zustande damit und er-klärte
ehrlich seinen Bankerott, der als Anlaß zum Trinken
ein-stimmig ausgerufen wurde. Wehsal weinte vorübergehend bit-terlich, aus irgendwelchen Elendstiefen, in welche
seinen Mit-menschen Einblick zu eröffnen auch seine Zunge
nicht mehr imstande war, wurde aber mit Kaffee und Kognak
seelisch wie-der auf die Beine gebracht und erregte übrigens
durch das Ge-wimmer seiner Brust, durch sein runzelig bebendes Kinn, das von Tränen troff, das bedeutendste Interesse
Peeperkorns, der mit erhobenem Zeigefinger und hochgezogenen Arabesken die allgemeine Aufmerksamkeit für Wehsais Zustand in Anspruch nahm.
"Das ist –", sagte er. "Das ist nun doch – Nein, erlauben
Sie mir: Heilig! Trockne ihm das Kinn, mein Kind, nimm meine Serviette! Oder besser noch, nein, unterlaß es! Er selber
ver-zichtet darauf Meine Herrschaften, – heilig! Heilig in jederlei Sinn, im christlichen wie im heidnischen! Ein Urphänomen! Ein Phänomen vom ersten – vom obersten – Nein,
nein, das ist–"
Auf dieses "Das ist", "Das ist nun doch" waren überhaupt
die leitend-erläuternden Äußerungen gestimmt, mit denen er
unter genauen, wenn auch nachgerade etwas burlesk gewordenen Kulturgebärden seine Veranstaltung begleitete. Er hatte eine Art, den Ring, den sein gekrümmter Zeigefinger mit
dem Daumen bildete, über das Ohr emporzuhalten und das
Haupt schief-scherzhaft davon abzuwenden, die Gefühle erweckte, wie etwa der bejahrte Priester eines fremden Kults sie
erregen würde, der mit gerafften Gewändern und wunderli-
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cher Grazie vor dem Opferaltar tanzte. Dann wieder, breit
hingelagert in seiner Großartigkeit, den Arm um die benachbarte Stuhllehne ge-schlungen, zwang er alle zu ihrer Bestürzung, sich mit ihm in die lebendige und durchdringende Vorstellung des Morgens zu vertiefen, eines frostigen, dunklen
Wintermorgens, wenn der gelbliche Schein unserer Nachttischlampe sich durch die Fensterscheibe hinausspiegelt zwischen kahles Geäst, das draußen in eisige, krähenschreiharte
Nebelfrühe starrt ... Andeutungsweise wußte er diese nüchterne Alltagsanschauung so stark zu machen, daß alle erschauerten, besonders da er auch noch des eiskalten Wassers gedachte, das man sich etwa in solcher Frühe aus einem großen
Schwamme über den Nacken drücke, und das er heilig nannte. Das war nur eine Abschweifung, eine beispielhafte Un-terweisung in Dingen der Lebensaufmerksamkeit, ein phantasti-sches Impromptu, das er fallen ließ, um seine dienstliche
Ein-dringlichkeit und Gefühlsgegenwart alsbald der festlich
gelö-sten Nachtstunde wieder zuzuwenden. Er zeigte sich
verliebt in all und jede erreichbare Weiblichkeit, wahllos und
ohne Anse-hen der Person. Er machte der Zwergin Anträge
solcher Art, daß das krüppelhafte Wesen sein übergroßes, ältliches Gesicht in grinsende Falten legte, sagte der Stöhr Artigkeiten eines Kali-bers, daß die ordinäre Frau ihre Schulter
noch ärger verbog und die Ziererei bis zur völligen Verrücktheit trieb, erbat sich von der Kleefeld einen Kuß auf seinen
großen, zerrissenen Mund und scharmierte selbst mit der
trostlosen Frau Magnus – dies al-les unbeschadet seiner zärtlichen Ergebenheit gegen seine Rei-sebegleiterin, deren Hand
er oft mit galanter Andacht an die Lippen führte. "Der Wein",
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sagte er, "Die Frauen – Das ist – Das ist nun doch – Erlauben Sie mir – Weltuntergang – Gethsemane –."
Gegen zwei Uhr flog die Nachricht auf, "der Alte" – Hofrat Behrens also – nähere sich in Gewaltmärschen den Konversa-tionsräumen. Panik wütete in demselben Augenblick
unter der entnervten Gästeschaft. Stühle und Eiskübel stürzten. Man floh durch das Bibliothekszimmer. Peeperkorn, von
königlichem Koller ergriffen bei der jähen Auflösung seines
Lebensfestes, schlug wohl mit der Faust auf und sandte den
Fortstiebenden etwas von "furchtsamen Sklaven" nach, ließ
sich aber dann durch Hans Castorp und Frau Chauchat bis zu
einem gewissen Grade mit dem Gedanken versöhnen, daß
dies Gastmahl, das an sechs Stunden gedauert hatte, ohnehin
einmal sein Ende habe nehmen müssen, schenkte auch der
Mahnung an das heilige Labsal des Schlafes sein Ohr und willigte ein, sich zu Bette ge-leiten zu lassen.
"Stütze mich, mein Kind! Stütze mich andererseits, junger
Mann!" sagte er zu Frau Chauchat und Hans Castorp. So waren sie seinem schweren Körper beim Aufkommen vom Stuhle be-hilflich, boten ihm ihre Arme dar, und eingehängt in
beide trat er breitbeinig, das mächtige Haupt auf eine seiner
hochgezoge-nen Schultern geneigt und bald den einen, bald
den anderen seiner Führer durch die Schwankungen seines
Schrittes zur Seite drängend, den Weg zur Ruhe an. Im Grunde war es wohl ein königlicher Luxus, den er sich leistete, indem er sich dieser Art lotsen und stützen ließ. Wahrscheinlich hätte er, wenn es ihm darauf angekommen wäre, auch
allein gehen können, – er ver-schmähte jedoch diese Anstrengung, die ja nur den kleinen und untergeordneten Sinn
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hätte haben können, seinen Rausch schamhaft zu verbergen,
während er sich desselben offenbar nicht nur durchaus nicht
schämte, sondern sich im Gegenteil groß und üppig darin gefiel und sich einen königlichen Spaß daraus machte, seine
dienenden Führer schwankend nach rechts und links zu stoßen. Er selbst äußerte unterwegs:
"Kinder, – Unsinn, – man ist natürlich gar nicht – Wenn
die-sen Augenblick – Ihr solltet sehen – Lächerlich –"
"Lächerlich!" bestätigte Hans Castorp. "Aber ohne jeden
Zweifel! Man gibt der klassischen Lebensgabe das Ihre, indem
man sich freimütig schwanken läßt zu ihren Ehren. Dagegen
im Ernst ... Ich habe doch auch mein Teil, aber trotz aller soge-nannten Betrunkenheit bin ich mir klar bewußt, daß ich
die be-sondere Ehre habe, eine ausgesprochene Persönlichkeit zu Bett zu bringen, so wenig vermag der Rausch sogar
über mich, der ich doch in Hinsicht auf Format überhaupt gar
nicht erst in Ver-gleich komme –"
"Na, du, Schwätzerchen", sagte Peeperkorn und stieß ihn
wankend gegen das Treppengeländer, indem er Frau Chauchat mit sich zog.
Ersichtlich war das Gerücht vom Nahen des Hofrats ein
lee-rer Schreckschuß gewesen. Vielleicht hatte die müde
Zwergin ihn abgegeben, um die Geselligkeit zu sprengen.
Unter diesen Umständen blieb Peeperkorn stehen und wollte umkehren, um weiter zu trinken; aber von beiden Seiten
wurde ihm in besse-rem Sinne zugeredet, und so ließ er sich
wieder in Bewegung setzen.
Der malaiische Kammerdiener, dies Männchen in weißer
Krawatte und mit schwarzseidenen Schuhen an den Füßen,
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er-wartete seinen Gebieter auf dem Korridor, vor der Tür des
Appartements, und nahm ihn mit einer Verneigung in Empfang, zu der er eine Hand auf die Brust legte.
"Küßt euch!" gebot Peeperkorn. "Küsse diese reizende
Frau zum Schluß auf die Stirn, junger Mann!" sagte er zu
Hans Ca-storp. "Sie wird nichts dagegen haben und es erwidern. Tut es auf mein Wohl und mit meiner Erlaubnis!" sagte
er; aber Hans Castorp weigerte sich dessen.
"Nein, Eure Majestät!" sagte er. "Entschuldigen Sie, das
geht nicht."
Peeperkorn, an den Kammerdiener gelehnt, zog seine Arabesken hoch und verlangte zu wissen, warum das nicht gehe.
"Weil ich mit Ihrer Reisebegleiterin keine Stirnküsse
tau-schen kann", sagte Hans Castorp. "Ich wünsche recht
wohl zu ruhen! Nein, das wäre, von allen Seiten gesehen, der
reine Un-sinn."
Und da auch Frau Chauchat schon auf ihre Zimmertür
zu-ging, so ließ Peeperkorn den Widerspenstigen ziehen, indem er ihm freilich noch eine Weile über die eigene Schulter
und die des Malaien mit angezogenem Faltenwerk nachblickte, erstaunt über eine Unbotmäßigkeit, auf die seine Herrschernatur nicht zu stoßen gewohnt sein mochte.
MYNHEER PEEPERKORN
(DES WEITEREN)
Mynheer Peeperkorn blieb in Haus Berghof während dieses ganzen Winters – soviel davon noch übrig war – und bis
ins Frühjahr hinein, so daß es zuletzt noch zu einem recht
denk-würdigen gemeinsamen Ausflug (auch Settembrini und
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