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ivanov666
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Файл:Der Zauberberg. Vol. 2
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DER ZAUBERBERG
und kann es noch gar nicht fassen, wie mir das so auf einmal
zuteil geworden, – es ist mir, offen gestanden, wie im Traum.
Das ist eine gewaltige Ehre für mich, – ich weiß nicht, wie
ich sie verdient haben soll, höch-stens auf passive Weise, auf
andere gewiß nicht, und man darf sich nicht wundern, wenn
es mich anfangs abenteuerlich anmu-tet, die neue Anrede
über die Lippen zu bringen, wenn ich dar-über stolpere, –
zumal in Clawdias Gegenwart, die vielleicht nach Frauenart
nicht ganz einverstanden sein wird mit diesem Arrangement ..."
"Laß das meine Sache sein", erwiderte Peeperkorn, "und
das andere Sache der Übung und Gewohnheit! Und nun geh,
junger Mann! Verlasse mich, mein Sohn! Es ist dunkel, der
Abend ist völlig hereingebrochen, unsere Geliebte kann jeden Augenblick zurückkehren, und eine Begegnung zwischen euch wäre eben jetzt vielleicht nicht das Schicklichste."
"Lebe wohl, Mynheer Peeperkorn!" sagte Hans Castorp
und stand auf. "Sie sehen, ich überwinde meine berechtigte
Scheu und übe mich schon in der tollkühnen Anrede. Richtig, es ist ja finster geworden! Ich könnte mir vorstellen, daß
plötzlich Herr Settembrini hereinkäme und das Licht andrehte, damit Vernunft und Gesellschaftlichkeit Platz griffen, – er hat nun einmal die Schwäche. Auf morgen! Ich gehe dermaßen vergnügt und stolz von hier fort, wie ich es
mir nicht im entferntesten hätte träu-men lassen. Recht gute Besserung! Es kommen nun mindestens drei fieberfreie
Tage für dich, an denen Sie allen Anforderun-gen gewachsen sein werden. Das freut mich, als ob ich Du wäre. Gute
Nacht!"
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MYNHEER PEEPERKORN
(SCHLU
Ein Wasserfall ist immer ein anziehendes Ausflugsziel,
und kaum wissen wir es zu rechtfertigen, daß Hans Castorp,
der für fallendes Wasser sogar eine besondere Herzensneigung hegte, die malerische Kaskade im Walde des Plüelatals
noch niemals besucht hatte. Für die Zeit seines Zusammenlebens mit Joachim mochte er entschuldigt sein durch die
strenge Dienstlichkeit seines Vetters, der nicht zum Vergnügen hier gewesen war und dessen sachlich-zweckhafter Sinn
ihren Gesichtskreis auf die nächste Umgebung von Haus
"Berghof" eingeschränkt hatte. Und nach seinem Ausscheiden – nun, auch danach hatte Hans Castorps Verhältnis zur
hiesigen Landschaft, wenn man von sei-nen Skiunternehmungen absehen will, den Charakter einer konservativen
Einförmigkeit bewahrt, deren Kontrast zu der Spannweite seiner inneren Erfahrungen und "Regierungs"-Ob-liegenheiten
sogar nicht ohne einen gewissen bewußten Reiz für den jungen Mann gewesen war. Immerhin war seine Zu-stimmung
lebhaft, als in seiner engeren Umgebung, diesem kleinen
Freundeskreise von sieben Personen (ihn selber einge-rechnet), der Plan einer Wagenfahrt nach jener empfohlenen Örtlichkeit erwogen wurde.
Es war Mai geworden, der Wonnemond einfältigen kleinen Liedern des Flachlandes zufolge, – recht frisch und wenig ein-schmeichelnd von Luftbeschaffenheit hier oben, aber
die Schneeschmelze konnte für abgeschlossen gelten. Zwar
hatte es in den letzten Tagen mehrfach großflockig geschneit,
doch blieb das nicht liegen, es ließ nur etwas Nässe zurück;
ß)
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die lagernden Massen des Winters waren versickert, verraucht, bis auf verein-zelte Reste dahingeschwunden; die grüne Gangbarkeit der Welt bedeutete ein Anerbieten an jede
Unternehmungslust.
Ohnehin hatte der gesellige Verkehr der Gruppe während
der letzten Wochen gelitten unter dem Übelbefinden ihres
Ober-hauptes, des großartigen Pieter Peeperkorn, dessen maligne Tro-penmitgift weder den Einwirkungen des außerordentlichen Kli-mas, noch den Antidoten eines so hervorragenden Mediziners, wie des Hofrat Behrens, hatte weichen
wollen, er war viel bett-lägerig gewesen, nicht nur an Tagen,
da das Quartanfieber in seine schlimmen Rechte trat. Milz
und Leber machten ihm zu schaffen, wie der Hofrat die dem
Patienten Nahestehenden abseits bedeutete; auch sein Magen
sollte sich nicht in klassischer Verfassung befinden, und Behrens Unterließ nicht, auf die auch bei einer so mächtigen Natur unter diesen Umständen nicht ganz von der Hand weisende Gefahr chronischer Entkräftung hinzudeuten.
Einem abendlichen Essen und Trinken nur hatte Mynheer in diesen Wochen vorgesessen, und auch die gemeinsamen Spa-ziergänge waren bis auf einen nicht sehr ausgedehnten unter-blieben. Übrigens empfand Hans Castorp, unter
uns gesagt, die-se Lockerung der Cliquengemeinschaft in gewisser Hinsicht als Erleichterung, denn das mit Frau Chauchats Reisebegleiter ge-trunkene Schmollis schuf ihm Beschwerden; es brachte in seine öffentliche Konversation mit
Peeperkorn dieselbe "Gezwun-genheit", dasselbe "Ausweichen" und gleichsam auf einer Viel-liebchenwette beruhende
"Vermeiden", das diesem an seinem Verkehr mit Clawdia auf-
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gefallen war: mit wunderlichen Behel-fen umschrieb er die
Anredeform, soweit sie sich nicht ver-schlucken ließ, – aus
demselben oder dem umgekehrten Dilemma, das sein Gespräch mit Clawdia in Gegenwart anderer, auch in alleiniger
Gegenwart ihres Meisters, beherrschte, und das sich dank der
von diesem empfangenen Genugtuung zur formalen Doppelklemme vervollständigt hatte.
Nun war denn also der Plan eines Ausflugs zum Wasserfall an der Tagesordnung, – Peeperkorn selbst hatte das Ziel
be-stimmt, und er fühlte sich rüstig zu dem Unternehmen. Es
war der dritte Tag nach einem Quartananfall; Mynheer ließ
wissen, daß er ihn zu nutzen wünsche. Zwar war er zu den
ersten Mahl-zeiten des Tages nicht im Speisesaal erschienen,
sondern hatte sie, wie in letzter Zeit sehr häufig, zusammen
mit Madame Chauchat in seinem Salon eingenommen; aber
schon beim ersten Frühstück hatte Hans Castorp durch den
hinkenden Concierge Order empfangen, sich eine Stunde
nach dem Mittages-sen zu einer Spazierfahrt bereitzuhalten,
ferner, diesen Befehl an die Herren Ferge und Wehsal weiterzugeben, auch Settembrini und Naphta zu benachrichtigen,
daß man bei ihnen vorfahren werde, und endlich für die Bestellung zweier Landauer auf drei Uhr Sorge zu tragen.
Um diese Stunde traf man sich vor dem Portal von Haus
"Berghof": Hans Castorp, Ferge und Wehsal erwarteten dort
die Herrschaften aus den Fürstenzimmern, indem sie sich damit unterhielten, die Pferde zu tätscheln, die ihnen mit
schwarzen, feuchten, plumpen Lippen Zuckerstücke von der
flachen Hand nahmen. Die Reisegenossen erschienen mit nur
leichter Verspä-tung auf der Freitreppe. Peeperkorn, dessen
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Königshaupt schmä-ler geworden schien, lüftete, dort oben in
langem, etwas abge-tragenem Ulster an der Seite Clawdias stehend, seinen weichen, runden Hut, und seine Lippen bildeten
unhörbar ein allgemei-nes Begrüßungswort. Dann wechselte
er einen Händedruck mit jedem der drei Herren, die dem Paar
bis zum Fuße der Stufen entgegenkamen.
"Junger Mann", sagte er dabei zu Hans Castorp, indem er
ihm die linke Hand auf die Schulter legte, " ... wie geht es,
mein Sohn?"
"Verbindlichsten Dank! Und andererseits?" erwiderte der
Gefragte ...
Die Sonne schien, es war ein schöner, blanker Tag, aber
man hatte doch gut getan, Übergangspaletots anzulegen: im
Fahren würde man es zweifellos kühl haben. Auch Madame
Chauchat trug einen warmen Gurtmantel aus faserigem, groß
kariertem Stoff und sogar ein wenig Pelz um die Schultern.
Den Rand ih-res Filzhutes hatte sie mit einem unter dem
Kinn gebundenen olivenfarbenen Schleier seitlich niedergebogen, was ihr so rei-zend stand, daß es die Mehrzahl der Anwesenden geradezu schmerzte, – nur Ferge nicht, den einzigen, der nicht verliebt in sie war; und diese seine
Unbefangenheit hatte zur Folge, daß ihm bei der vorläufigen
Verteilung der Plätze, bis die Externen zur Gesellschaft stoßen würden, der Rücksitz gegenüber Mynheer und Madame
im ersten Landauer zufiel, während Hans Castorp, nicht ohne
ein spöttisches Lächeln Clawdias aufgefan-gen zu haben, mit
Ferdinand Wehsal das zweite Gefährt bestieg. Die schmächtige Person des malaiischen Kammerdieners nahm teil an dem
Ausflug. Mit einem geräumigen Korbe, unter dessen Deckel
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die Hälse zweier Weinflaschen hervorragten, und den er unter dem Rücksitz des vorderen Landauers verwahrte, war er
hinter seiner Herrschaft erschienen, und in dem Augen-blick,
als er zur Seite des Kutschers die Arme gekreuzt hatte, er-hielten die Pferde ihr Zeichen, und mit angezogenen Bremsen
setzten die Wagen sich die Wegschleife hinab in Bewegung.
Auch Wehsal hatte Frau Chauchats Lächeln bemerkt, und
die verdorbenen Zähne zeigend, äußerte er sich darüber gegen seinen Fahrtgenossen. "Haben Sie gesehen", fragte er,
"wie sie sich über Sie lustig machte, weil Sie allein mit mir
fahren müssen? Ja, ja, wer den Schaden hat, braucht für den
Spott nicht zu sor-gen. Ärgert und ekelt es Sie sehr, so neben
mir zu sitzen?"
"Nehmen Sie sich zusammen, Wehsal, und reden Sie nicht
so niederträchtig!" verwies ihn Hans Castorp. "Frauen lächeln
bei jeder Gelegenheit, nur um des Lächelns willen; es ist nutzlos, sich jedesmal Gedanken darüber zu machen. Was kümmern Sie sich immer so? Sie haben, wie wir alle, Ihre Vorzüge
und Nach-teile. Zum Beispiel spielen Sie sehr hübsch aus dem
'Sommer-nachtstraum', das kann nicht jeder. Sie sollten es
nächstens mal wieder tun."
"Ja, da reden Sie mir nun so von oben herab zu", erwiderte
der elende Mensch, "und wissen gar nicht, wieviel Unver-schämtheit in Ihrem Trost liegt, und daß Sie mich dadurch nur noch tiefer erniedrigen. Sie haben gut reden und
trösten vom hohen Roß herunter, denn wenn Sie derzeit
auch ziemlich lä-cherlich dastehen, so sind Sie doch einmal
daran gewesen und waren im siebenten Himmel, allmächtiger Gott, und haben ihre Arme um Ihren Nacken gefühlt und
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all das, allmächtiger Gott, es brennt mir im Schlunde und in
der Herzgrube, wenn ich dran denke, – und sehen im Vollbewußtsein dessen, was Ihnen zuteil geworden, auf meine bettelhaften Qualen hinab ..."
"Schön ist es nicht, wie Sie sich ausdrücken, Wehsal. Es ist
sogar hochgradig abstoßend, das brauche ich Ihnen nicht zu
ver-hehlen, da Sie mir Unverschämtheit vorwerfen, und abstoßend soll es auch wohl sein, Sie legen es geradezu darauf
an, sich widrig zu machen und krümmen sich unausgesetzt.
Sind Sie denn wirklich so ungeheuer verliebt in sie?"
"Fürchterlich!" antwortete Wehsal kopfschüttelnd. "Das
ist nicht zu sagen, was ich auszustehen habe von meinem
Durst und meiner Begierde nach ihr, ich wollte, ich könnte
sagen, es wird mein Tod sein, aber man kann damit weder leben noch sterben. Während sie weg war, fing es an, etwas besser zu ge-hen, sie kam mir allmählich aus dem Sinn. Aber
seitdem sie wieder da ist und ich sie täglich vor Augen habe,
ist es zuweilen derart, daß ich mich in den Arm beiße und in
die Luft greife und mir nicht zu helfen weiß. So etwas sollte
es gar nicht ge-ben, aber man kann es nicht wegwünschen, –
wen es hat, der kann es nicht wegwünschen, man müßte sein
Leben wegwünschen, womit es sich amalgamiert hat, und das
kann man eben nicht, – was hätte man davon, zu sterben?
Nachher, – mit Ver-gnügen. In ihren Armen, – herzlich
gern. Aber vorher, das ist Unsinn, denn das Leben, das ist das
Verlangen, und das Verlan-gen das Leben, und kann nicht
gegen sich selber sein, das ist die gottverfluchte Zwickmühle.
Und wenn ich sage 'gottverflucht', so sage ich es auch nur
redensartlich und so, als ob ich ein ande-rer wäre, ich selber
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kann es nicht meinen. Es gibt so manche Tor-turen, Castorp,
und wer auf einer Tortur ist, der will davon los, will einfach
und unbedingt davon los, das ist sein Ziel. Aber von der Tortur der Fleischesbegierde kann man einzig und allein loswollen auf dem Wege und unter der Bedingung, daß sie gestillt
wird, – sonst nicht, sonst um keinen Preis! Das ist die Einrich-tung, und wen es nicht hat, der hält sich nicht weiter
dabei auf, aber wen es hat, der lernt unseren Herrn Jesum
Christum ken-nen, dem gehen die Augen über. Gott im Himmel, was für eine Einrichtung und Angelegenheit ist es doch,
daß das Fleisch so nach dem Fleische begehrt, nur, weil es
nicht das eigene ist, sondern einer fremden Seele gehört, –
wie sonderbar und, recht besehen, wie anspruchslos auch
wieder in seiner verschämten Freundlich-keit! Man könnte
sagen: Wenn es weiter nichts will, in Gottes Namen, es sei
ihm gewährt! Was will ich denn, Castorp? Will ich sie morden? Will ich ihr Blut vergießen? Ich will sie ja nur liebkosen! Castorp, lieber Castorp, entschuldigen Sie, daß ich winsele, aber sie könnte mir in Gottes Namen zu Willen sein! Es
ist doch auch was Höheres dabei, Castorp, ich bin doch kein
Vieh, in meiner Art bin ich doch auch ein Mensch! Die Fleischesbegierde gehet dahin und dorthin, sie ist nicht gebunden und nicht fixiert, und darum so heißen wir sie viehisch.
So sie aber fixiert ist auf eine Menschenperson mit einem Angesicht, alsdann so redet unser Mund von der Liebe. Mich
verlangt doch nicht bloß nach ihrem Körperrumpf und nach
der Fleischpuppe ihres Leibes, sondern wenn in ihrem Angesicht auch nur ein kleines Etwas anders gestaltet wäre, siehe,
so verlangte mich's möglicher-weise nach ihrem ganzen Lei-
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be gar nicht, und daher so zeiget sich's, daß ich ihre Seele liebe, und daß ich sie mit der Seele liebe. Denn die Liebe zum
Angesicht ist Seelenliebe ..."
"Wie ist Ihnen denn, Wehsal? Sie sind ja ganz außer sich
und schlagen hier Gott weiß was für Töne an ..."
"Aber das ist es ja eben, das ist ja auch eben wieder das Unglück", fuhr der Arme fort, "daß sie eine Seele hat, daß sie ein
Mensch ist aus Leib und Seele! Denn ihre Seele will nichts
von der meinen wissen und also ihr Leib nichts von meinem,
o Jammer und große Not, und um dessentwillen ist mein Verlangen zur Schande verdammt, und mein Leib muß sich winden ewiglich! Warum will sie mit Leib und Seele nichts wissen
von mir, Castorp, und warum ist mein Verlangen ihr ein
Greuel?! Bin ich denn kein Mann? Ist ein widerwärtiger Mann
kein Mann? Ich bin es sogar im höchsten Grade, ich schwöre
es Ihnen, ich würde alles Dagewesene überbieten, wenn sie
mir das Wonnereich ihrer Arme eröffnete, die so schön sind,
weil sie zu ihrem Seelenangesicht gehören! Ich würde ihr alle
Wollust der Welt antun, Castorp, wenn es sich nur um die
Leiber handelte und nicht auch um die Angesichte, wenn ihre verfluchte Seele nicht wäre, die nichts von mir wissen will,
und ohne die mich aber auch wieder nach ihrem Leibe gar
nicht verlangen täte, – das ist des Teufels beschissene Zwickmühle, in der ich mich winde ewiglich!"
"Wehsal, pst! leise doch! Der Kutscher versteht Sie ja! Er
be-wegt zwar absichtlich den Kopf nicht, aber ich sehe es
doch sei-nem Rücken an, daß er zuhört."
"Er versteht und hört zu, da haben Sie's, Castorp! Da haben Sie wieder die Einrichtung und Angelegenheit in ihrer
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Eigenart und ihrem Charakter! Wenn ich von Palingenesie
spräche oder von ... Hydrostatik, so würde er's nicht verstehen
und hätte nicht eine Ahnung und hörte nicht zu und interessierte sich gar nicht. Denn das ist nicht populär. Aber die
höchste und letzte und schauerlich heimlichste Angelegenheit, die Angelegenheit vom Fleische und von der Seele, siehe,
die ist zugleich die po-pulärste Angelegenheit, und jeder versteht sie und kann sich lu-stig machen über den, den es hat,
und dem es den Tag zur Lust-folter macht und die Nacht zur
Schandhölle! Castorp, lieber Castorp, lassen Sie mich etwas
winseln, denn was habe ich für Nächte! Jede Nacht träume
ich von ihr, ach, was träume ich nicht alles von ihr, es brennt
mir im Schlunde und in der Ma-gengegend, wenn ich dran
denke! Und immer endet es damit, daß sie mir Ohrfeigen gibt,
mich ins Gesicht schlägt und manchmal auch anspeit, – mit
vor Ekel verzerrtem Seelenangesicht speit sie mich an, und
dann wache ich auf, mit Schweiß und Schmach und Lust bedeckt ..."
"So, Wehsal, nun wollen wir mal still sein und uns vorneh-men, den Mund zu halten, bis wir zum Gewürzkrämer
kommen und jemand sich zu uns setzt. Das ist mein Vorschlag
und meine Anordnung. Ich will Sie nicht kränken und gebe
zu, daß Sie in großen Schwulitäten sind, aber wir hatten zu
Haus eine Ge-schichte von einer Person, die damit bestraft
wurde, daß ihr beim Sprechen Schlangen und Kröten aus
dem Munde kamen, mit jedem Wort eine Schlange oder Kröte. Es stand nicht im Buch, wie sie sich dem gegenüber verhielt, aber ich habe immer angenommen, daß sie sich wohl
aufs Mundhalten verlegt haben wird."
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