Немецкий язык для магистрантов и аспирантов университетов. Auslander in Deutschland – Vom Gastarbeiter zum Mitburger. Учебное пособие
.pdfDer liberale Bürger Chamisso träumte von einer Welt, die sich nicht durch Kriege und Revolutionen, sondern im Streit der Meinungen fortentwickelte.
Erläuterungen zum Text
1)eine heile Kindheitswelt – (зд.) безоблачный мир детства
2)in die Kriegswirren hineinziehen – втянуть в ужасы войны
3)kaum war es mir vergönnt... – мне не было суждено, мне не посчастливилось
4)Landsleute … ins Elend gestürzt – земляки в нищенском положении
5)Zuflucht finden – найти прибежище
6)mit Abschiebung drohen – грозить высылкой
7)Anschluß finden an Dat. – установить связь с…
8)Fähnrich (m) – прапорщик
9)zum Abbruch freigeben – отдать на слом
10)Außenseiter (m) – замкнутый (необщительный) человек, индивидуалист, аутсайдер
11)mißtrauisch beäugter Immigrant – иммигрант, к которому относятся с подозрением
Aufgaben zum Text 13a
1.Beantworten Sie Fragen zum Text.
1)Was schreibt Adelbert von Chamisso über seine Kindheit?
2)Worüber schrieb Chamisso in seinem Schulaufsatz?
3)Wo fand die Familie Chamisso Zuflucht?
4)Womit drohte die preußische Polizei den unerwünschten Gästen?
5)An wen fand die Familie Chamisso den Anschluß in Berlin?
6)Worauf war Chamisso stolz?
7)Wie änderte sich das Leben von Chamisso?
2.Suchen Sie im Text Sätze, die schweres Leben eines Emigranten beschreiben.
3.Schreiben Sie einen Plan zum Text „Der Edelmann als Bürger“ und geben Sie den Inhalt des Textes wieder.
Text 13b
Über den Chamissopreis
Der Adelbert-von-Chamisso-Preis ist ein Literaturpreis, mit dem die Robert Bosch Stiftung1 seit 1985 deutsch schreibende Autoren nicht deutscher Muttersprache auszeichnet, und der im deutschsprachigen Raum in seiner Ausrichtung einzigartig2 ist. Die ausgezeichneten Autoren3 haben ganz unterschiedliche kulturelle Hintergründe und sind durch Arbeitsmigration, Asyl,4 Exil5 oder Studium nach Deutschland gekommen. Eines aber verbindet sie: Die deutsche Sprache, in die sie eingewandert6 sind und die sie zu ihrer eigenen und wichtigsten Ausdrucksform gemacht haben. Dieser Wechsel in die deutsche Sprache geht dabei
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weit über deren Alltagsgebrauch7 hinaus. Er vollzieht sich in künstlerischer und literarischer Aneignung und macht das Werk der Adelbert-von-Chamisso-Preis- träger zu einem selbstverständlichen Bestandteil der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Der Preis dokumentiert, dass Literatur und Sprache der Verständigung zwischen den Kulturen dient – in Deutschland, in Europa und darüber hinaus. Die Chamisso-Preisträger, die wie Elazar Benyoeiz und Galsan Tschinag nicht in Deutschland leben und wirken, fördern mit ihren Werken den internationalen Gebrauch des Deutschen8 als Bildungssprache. Die im deutschen Sprachraum tätigen Preisträger sind Beispiele dafür, wie die Kultur derjenigen, die hier eine neue oder zweite Heimat gefunden haben, mit der unseren zusammenfindet. Die Chamisso-Preisträger sind nicht nur hervorragende Schriftsteller und Vertreter der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, sondern haben auch eine wichtige Vorbildfunktion, insbesondere für Jugendliche9 mit Migrationshintergrund. Uns allen ist deutlich geworden, welche zentrale Rolle die Sprache für gelingende Integration10 spielt. Ohne ausreichende Sprachbeherrschung ist ein Leben und Arbeiten in der Gesellschaft nicht möglich.
Es war die kluge Initiative Harald Weinrichs, die Robert Bosch Stiftung von der Einrichtung des Adelbert-von-Chamisso-Preises zu überzeugen. Seit der ersten Preisverleihung 1985 an Aras Ören und Rafik Schami sind insgesamt 48 Schriftsteller aus über zwanzig Herkunftsländern ausgezeichnet worden. Wurde die mit dem Preis gewürdigte Literatur seit den 80-er Jahren zunächst noch »Gastarbeiterliteratur«, später »Migrationsliteratur« genannt, so ist sie heute zu einem selbstverständlichen Bestandteil deutscher Gegenwartsliteratur geworden, die nicht selten auch als »Chamisso-Literatur« bezeichnet wird.
Die seit 1997 verliehene »Ehrengabe zum Adelbert-von-Chamisso-Preis11 der Robert Bosch Stiftung« wurde bisher an drei Persönlichkeiten vergeben, die durch ihr Lebenswerk in besonderer Weise im Sinne des Preises gewirkt haben: Jiri Grusa, Imre Kertesz und Harald Weinrich.
Die lebhafte Resonanz auf die zahlreichen von der Stiftung angeregten und unterstützten Lesungen der Preisträger12 an Schulen, Büchereien und Theatern im gesamten deutschsprachigen Raum zeigt das hohe Interesse an dieser Literatur. Es macht den besonderen Charakter des Adelbert-von-Chamisso-Preises aus, dass er nicht allein in einer Prämierung besteht, sondern durch eine Begleitförderung13 das Lesen der Autoren gerade an Schulen möglich macht.
Die Robert Bosch Stiftung veranstaltet in unregelmäßigen Abständen Cha- misso-Tage14, die an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum15 durchgeführt werden, zuletzt 2003 in Basel. Im Oktober 2007 wurden die ChamissoTage im Ruhrgebiet durchgeführt. Sie vergibt darüber hinaus Arbeitsstipendien an die Preisträger und fördert eine Chamisso-Poetikdozentur an der Technischen Universität Dresden. Ein Katalog begleitet eine Fotoausstellung zu den Preisträgern, die in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut im deutschsprachigen Raum und bereits in weiten Teilen Europas präsentiert wurde.
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Erläuterungen zum Text
1)Robert Bosch Stiftung – фонд им. Роберта Боша. Роберт Бош (1861– 1942) – известный немецкий промышленник. Созданный им электрохимический концерн приобрел мировую славу. Р.Бош был широко известен своей общественно-политической и благотворительной деятельностью. Основные сферы деятельности фонда:
– научные исследования;
– гуманитарная помощь в сфере здравоохранения;
– развитие взаимопонимания между народами;
– образование и общество;
– общество и культура.
2)einzigartig sein – быть единственным в своем роде
3)ausgezeichnete Autoren – награжденные авторы
4)Asyl (n) – (политическое) убежище
5)Exil (n) – ссылка, изгнание
6)in die Sprache einwandern – войти в язык
7)Alltagsgebrauch (m) – повседневная, обиходная речь
8)den internationalen Gebrauch des Deutschen fördern – содействовать рас-
пространению немецкого языка в международном масштабе
9)Vorbildfunktion für Jugendliche haben – служить молодежи в качестве примера
10)gelingende Integration – успешная интеграция
11)Ehrengabe zum Adelbert-von-Chamisso-Preis – почетная премия за осо-
бые заслуги, вручаемая лауреату
12)Lesungen der Preisträger – чтение собственных произведений лауреатами премии
13)Begleitförderung (f) – дополнительное выделение средств для выступления лауреатов в библиотеках, школах и т.д.
14)Chamisso-Tage veranstalten – проводить (организовывать) „Дни Ша-
миссо“
15)der deutschsprachige Raum – немецкоязычное пространство
Aufgaben zum Text 13b
1.Beantworten Sie Fragen zum Text.
1)Wer wird mit Chamisso-Preis ausgezeichnet?
2)Welche Hintergründe hatten die ausgezeichneten Autoren, um nach Deutschland zu kommen?
3)Was dokumentiert dieser Preis?
4)Was fördern die Preisträger, die nicht in Deutschland leben?
5)Welche Vorbildfunktion haben die Preisträger?
6)WessenInitiativenachwurdederChamisso-PreisvonderRobert-Bosch- Stiftung eingerichtet?
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2. Führen Sie die Sätze zu Ende.
1)Die ausgezeichneten Autoren hatten ganz ...
2)Eines aber verbindet sie: ...
3)Der Preis dokumentiert, dass Literatur um ...
4)Die Chamisso-Preisträger, die nicht in Deutschland leben, fördern mit ...
5)Die seit 1997 verliehene Ehrengabe zum Adelbert von Chamisso-Preis ...
6)Die Robert-Bosch-Stiftung veranstaltet ...
3.Sprechen Sie zum Thema „Kulturelle, erzieherische und politische Bedeutung von Adelbert-von-Chamisso-Preis.
Text 13c Chamissopreis für Feridun Zaimoglu
Einen schönen „deutschen Moment“ konnte man kürzlich in München erleben. Dort wird traditionell der Chamisso-Preis überreicht. Eine literarische Auszeichnung,1 die in den 20 Jahren ihres Bestehens immer wichtiger geworden ist. Richtet sie sich doch an jene, die, aus einer anderen Sprache und Kultur stammend, nunmehr mit auf Deutsch geschriebenen Werken unsere Literatur bereichern2. Im Jubiläumsjahr geht jetzt der Hauptpreis3 an Feridun Zaimoglu. Dieser Deutschtürke desJahrgangs1964verkörpert4 soetwaswiedieGalionsfigur5 jener„Migrantenliteratur“,diemanfördernwill.Mitseiner„KanakSprak“6 hatersichschoneinkleines bißchen Unsterblichkeit erworben7. Doch beim von Türken gesprochenen Starkdeutsch blieb er nicht stehen. Sein neuestes Buch „Zwölf Gramm Glück“ offenbart leise Töne, lyrische Seiten und zeigt, daß es sogar in diesem Lande Menschen gibt, die begriffen haben, wann es Zeit ist, den Berufsjugendlichen an den Nagel zu hängen8. Möge das Beispiel Zaimoglu, der auch im Auftreten ganz Gentleman, ganz Parkettsicherheit9 geworden ist, hierzulande ein bißchen Schule machen!
Apropos Beispiel. Der Gekürte hatte noch eine weitere Lektion im Gepäck. Auf die wimpernklimpernde Frage der Moderatorin, ob er sich nun als deutscher Dichter fühle, reagierte Zaimoglu ebenfalls bemerkenswert. „Na, klar“, kam so lakonisch wie prompt die Antwort. Und auch beim ungläubigen Nachfragen ließ er sich nicht ins seichte Gewässer politischer Korrektheit hinabziehen10: „Nicht als deutschsprachiger, nicht als zweisprachiger, Sie fühlen sich wirklich als deutscher Dichter?“, insistierte es. Standhaft konterte Zaimoglu: „Na, klar.“
„Ein deutscher Dichter“ – dazu fallen manchen Leuten die Zeilen Max Hermann Neißes ein: „Ein deutscher Dichter bin ich einst gewesen: / Jetzt ist mein Leben Spuk11 wie mein Gedicht.“ Es fallen uns ein Verfolgung und Exil. Deutschland und deutsche Dichtung als Sehnsuchtsland, das ferne leuchtet; ein Orplid,12 das nicht nur Mörike, sondern vor allem Heine in beklemmenden Worten heraufbeschworen hat. Man muß jetzt nicht die ganze Tradition von Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter herunterbeten, um zu signalisieren: Eine Äußerung wie „Ich bin ein deutscher Dichter“ bevoziert13 eine lange, große Geschichte vom Leiden an Deutschland. Sie ist für die meisten von uns nicht zu haben ohne Trauer und Melancholie.
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Und eben dieser Grundton und Generalbaß – das war in München das Schöne – schien in dem beherzt-fröhlichen Bekenntnis14 von Feridun Zaimoglu wie weggeweht. Wir ahnen nicht, ob er im Moment seines Bekenntnisses an Heine und all die anderen gedacht hat. Es ist auch ganz gleichgültig. Unsere deutsche Literatur besteht jetzt vermehrt aus Menschen mit anderem Gepäck15. Es ist vielleicht, in manchen Stücken, nicht weniger leidvoll. Im Hinblick auf das Deutschsein aber ist es unbekümmert und zutraulich. Das war der Moment von München. Wir werden seinesgleichen jetzt hoffentlich öfter erleben.
Erläuterungen zum Text 13c
1)literarische Auszeichnung – литературная награда
2)bereichern – обогащать
3)Hauptpreis (m) – главная премия
4)verkörpern – олицетворять
5)Galionsfigur (f) – букв.фигурное украшение носа (судна); зд.главный, идущий впереди
6)“Kanak Sprak“ – название первого романа Феридуна Займоглу. Канаки – жители Полинезии и Океании. Сегодня в Германии „канаки“ – крайне негативное и унизительное наименование иностранцев (обычно гастарбайтеров) в основном арабского, турецкого, южно-ев- ропейского и южно-азиатского происхождения (сравн. русск. “чурки”). Kanak Sprak – ломаный немецкий язык, на котором говорили турецкие иммигранты
7)Unsterblichkeit erwerben – зд. добиться признания (бессмертия)
8)an den Nagel hängen – бросать
9)Parkettsicherheit (f) – умение вести себя в обществе
10)... ließ er sich nicht ins seichte Gewässer politischer Korrektheit hinabziehen – не позволил увлечь себя на мелководье политической корректности
11)Spuk (m) – путаница, неразбериха
12)Orplid – утопический остров желания и мечты, придуманный Эдуардом Мёрике (1804-1875), немецким лириком, прозаиком и евангелическим священником
13)bvozieren – вызывать в памяти
14)beherzt-fröhlicher Bekenntnis – сердечно-радостное признание (из-
лияние души)
15)Menschen mit anderem Gepäck – зд. люди другого происхождения.
Aufgaben zum Text 13c
1.Beantworten Sie Fragen zum Text.
1)In welcher Stadt wird traditionell Chamisso-Preis überreicht?
2)An wen ging im Jubiläumsjahr 2005 der Chamisso-Preis?
3)Welche Werke hat er geschrieben?
4)Warum wird er Galionsfigur genannt?
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2.Übersetzen Sie den Text „Chamissopreis für Feridun Zaimoglu“ ins Russisch.
Text 13d
Grimmelshausen-Preis 2007
Gelnhaysen ehrt Feridun Zaimoglu
Mit seinem Roman „Leyla“ hat der Schriftsteller Feridun Zaimoglu ein sprachgewaltiges Familienepos aus dem Anatolien der 50er Jahre veröffentlicht. Dafür wird er jetzt mit dem Grimmelshausen-Preis 2007 ausgezeichnet.
In „Leyla“ thematisiert der 1964 im anatolischen Bolu geborene und seit mehr als 35 Jahren in Deutschland lebende Autor den Weg der heranwachsenden Leyla aus der türkischen Heimat in das fremde, wohlhabende Deutschland. Es ist die Türkei der fünfziger und frühen sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, die den historischen und sozialen Hintergrund der autobiographisch gefärbten Geschichte bildet, der mit der Ankunft Leylas und ihrer Familie in Berlin endet.
„Der brillant und spannend geschriebene Roman ist einer der bedeutendsten aktuellen Texte für das Verständnis ganzer Generationen von ‚Gastarbeitern‘, die in Deutschland ihr materielles Auskommen suchten,“ heißt es in der Begründung zur Preisvergabe. Zugleich sei es das Buch eines „Angekommenen“, der zu den wichtigsten deutschsprachigen Schriftstellern seiner Generation zählt.
Grimmelshausen-Preis
Der Grimmelshausen-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Stifter sind die „Grimmelshausen-Städte“ Gelnhausen in Hessen und Renchen in Baden-Württemberg sowie die Länder Hessen und BadenWürttemberg.
Text 13e Chamisso-Tage an der Ruhr
Im Rahmen der Chamisso-Tage, die dieses Jahr erstmalig in NordrheinWestfalen zu Gast sind, hat die Stiftung in 13 Städten des Ruhrgebiets zu rund 200 literarischen Veranstaltungen eingeladen. 32 ausgezeichnete Autoren lesen bei den „Chamisso-Tagen an der Ruhr“. Insgesamt stehen 200 literarische Veranstaltungen in 13 Städten auf dem Programm.
Das Literaturfestival findet erstmals im Ruhrgebiet unter dem Motto „viele Kulturen – eine Sprache“ statt. Die Robert Bosch Stiftung verleiht den Adel- bert-von-Chamisso-Preis und zeichnet damit deutsch schreibende Autoren aus, deren Muttersprache und kulturelle Herkunft nicht die deutsche ist.
In Zusammenarbeit mit der Robert-Bosch-Stiftung war Dortmund im Oktober zum Zentrum der „Chamisso-Tage an der Ruhr 2007“. Rund 80 internationale Autorinnen und Autoren gastieren dann bei Lesungen, Gesprächsforen und Schulprogrammen in der Region und bringen dem Publikum den Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso, (1781 bis 1838) näher. Zahlreiche Ruhrgebietsstädte sind an dem Programm beteiligt, das von Dortmund aus koordiniert wird.
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Obwohl Französisch Chamissos Muttersprache war, gelang es Chamisso, in der deutschen Fremdsprache unsterbliche Werke zu schaffen. Am bekanntesten sind sicherlich „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ (1814) und das Gedicht „Das Riesenspielzeug“ über die Burg Nideck im Elsass.
Dies erklärt, dass der bisher einzige Literaturpreis für deutschsprachige Migrantenliteratur seinen Namen trägt. Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis werden seit 1985 in Deutschland Autorinnen und Autoren nichtdeutscher Muttersprache ausgezeichnet.
Aufgaben zum Text 13e
1.Beantworten Sie Fragen zum Text.
1)Unter welchem Motto findet das Literaturfestival statt?
2)Welche Autoren werden mit ChamissoßPreis ausgezeichnet?
3)Wieviel internationale Autoren nehmen an dem Literaturfestival teil?
4)Warum trägt dieser Literaturpreis den Namen von Chamisso?
Anhang
I.Neue Tendenzen in der „Migrantenliteratur“
II.Neuer Litefaturpreis ins Leben gerufen
III.Chamisso-Preisträger Feridun Zaimoglu im Gespräch mit Armin Kratzert
IV. Laudatio auf Feridun Zaimoglu, Adelbert-von-Chamisso-Preisträ- ger 2005. Redemanuskript
I.
Neue Tendenzen in der „Migrantenliteratur“
Der Gast, der keiner mehr ist
Die deutsche Migrantenliteratur hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert. Die „Gastarbeiterliteratur“ ist weit überholt. Die neue Generation der Literatur mit Migrantenhintergrund ist endlich in der „Normalität“ angekommen, schreibt Andreas Schumann.
Wo sind sie hin, die Romanfiguren, die als Gastarbeiter und Zuwanderer in Deutschland ihr tristes Dasein fristen1, um Verständnis und Akzeptanz bitten, sich um ihre Identität in der Fremde bemühen, dem Gastland trotzen?
Seit den 1960-er Jahren hatten wir uns an diese fiktiven Mitbürgerinnen gewöhnt; selbst wenn ihre Geschichten nur von Wenigen gelesen wurden, so waren sie doch genau so vorhanden wie ihre Widergänger2 im realen Alltag. Doch seit wenigen Jahren werden sie in der Literatur der Autorinnen, deren Muttersprache nicht die deutsche war, immer seltener.
Liegt dies allein darin begründet, dass die Migration nach Deutschland insgesamt rückläufig ist, mittlerweile die dritte Generation an Zuwanderern hier lebt, arbeitet, schreibt – und somit die Muttersprache mehr und mehr doch die deutsche ist? Oder ist die erst in den 1980-er Jahren allmählich entdeckte Literatur der Migranten endlich in der „Normalität“ angekommen, ist sie integraler Bestandteil deutschsprachiger Literatur ohne das Zeichen des Exzentrischen und Marginalen geworden?
Wegfall des Integrations – und Assimiiationsdruck
Die Geschichte der „Migrantenliteratur“ in Deutschland hat durch die von Feridun Zaimoglu maßgeblich mitinszenierte Kanak-Bewegung ab 1995 eine völlig neue Richtung genommen. Weit entfernt von der „Gastarbeiterliteratur“ der 1960er Jahre, ohne den deutlich politisch markierten Impuls der „Literatur der Betroffenheit“ (Franco Biondi/Rafik Schami) oder dem Wunsch nach einer
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zwischen den Kulturen vermittelnden Literatur (Yüksel Pazarkaya ), gehen viele Texte, die von Autoren mit Migrationshintergrund stammen, neue Wege.
Fragen nach Identitäten werden abgelöst von der Suche nach Individualität, die in der dargestellten Welt inszenierten Räume leben nicht mehr von der Semantik des Eigenen oder des Fremden. Es geht nicht mehr vorrangig um einen clash of cultures3 – und damit fällt auch der Integrationsbzw. Assimilationsdruck auf die Figuren in den Texten (wie offensichtlich auch auf die real Schreibenden) weg.
„Sind sie zu fremd, bist du zu deutsch“
Die große „Wende“ weg von einer „Migrations-“ oder „Ausländerliteratur“ wird im Jahre 2000 markiert mit zwei Anthologien: Ilija Trojanow (Hg.): Döner in Walhalla. Texte aus einer anderen deutschen Literatur. (Köln: Kiepenheuer & Witsch) und Jamal Tuschick (Hg.): Morgen Land. Neueste deutsche Literatur. (Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch).
Die Veränderungen werden in beiden Büchern an sehr prominenter Stelle betont.IlijaTrojanowleitetseinenBandmitderFrageein:„WelcheSpurenhinterläßt der Gast, der keiner mehr ist?“ und in Morgen Land heißt es – in aller Radikalität und Deutlichkeit – „Sind sie zu fremd, bist du zu deutsch.“
Weder geht es um die Suche nach Möglichkeiten einer Integration in die deutsche Gesellschaft noch um die trotzige Gebärde der Selbstbehauptung4, wie in Zaimoglus fiktiven Protokollen Kanak Sprack. 24 Misstöne vom Rande der Gesellschaft (1995), oder Koppstoff.
Kanaka Sprak vom Rande der Gesellschaft (1998) – allein die Untertitel belegen hier ja noch die selbstinszenierte Eigenund Randständigkeit5 der „Migrantenliteratur“. Doch davon sind die Beiträge in den beiden Anthologien ebenso weit entfernt wie andere Beispiele der „neuesten deutschen Literatur“.
Migrantenliteratur ist „normal“ geworden
Und noch etwas wird in diesen Bänden augenfällig, nämlich eine Tendenz, die sich während der 1990-er Jahre allmählich vorbereitete: Die zunehmende Vielfältigkeit der biographischen Hintergründe der Autorinnen. Die nationale Herkunft spielt kaum mehr eine Rolle, eindeutige Gründe für eine Zuwanderung wie Arbeitsmigration oder politisch motivierte Flucht lassen sich kaum mehr ausmachen.
Viele der jüngeren Schreibenden gehören darüber hinaus der so genannten zweiten und dritten Generation an, viele sind bereits in Deutschland geboren, die Sprache, in der sie schreiben, ist im Regelfall die deutsche. Wie soll sich da ein gemeinsamer Standpunkt, eine gemeinsame Intention6 der Schreibenden aus einem Migrationshintergrund einstellen, wie er in den letzten 30 Jahren immer wieder gefordert wurde?
Es ist somit wohl mittlerweile unzulässig, von einer „Migrantenliteratur“ in Deutschland zu reden, auch ist es nicht mehr eine „Literatur der Fremde“ noch eine Kultur vermittelnde Dichtung. Sie braucht keine Ideologie, keinen politischmoralischen Anspruch, keine geschichtliche Kontinuität, keine nationale Identität, keine Bewertung von Handlungen mehr, braucht scheiternde Kommunikation
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nichtzu betrauern7, kann sich dem Alltag zuwenden, kann die Identität von Gruppen herstellen – und hat sich damit von den Traditionen der Migrantenliteratur emanzipiert und ist „normal“ geworden.
Neugier auf die Fremdheit des eigenen Alltags
Sicher, es gibt noch zahlreiche Bücher, die in der Tat Migration zum Thema haben, etwa bei Vladimir Vertlib (Zwischenstationen. 1999; Das besondere Gedächtnis der Rosa Masur. 2001) oder Ilija Trojanow (Die Welt ist groß und Rettung lauert überall. 1996). Für solche Texte, die sich aus einem spezifischen Migrationshintergrund speisen – nämlich dem Wechsel aus ehemaligen Ländern des so genannten „Ostblocks“ in den Kapitalismus – hat Heidi Rösch bereits 1998 den Begriff „Literatur der Systemmigration“ angeboten.
Doch diese Beispiele sind nicht repräsentativ, wie man an den Romanen und Erzählungen von Wladimir Kaminer, Zsusza Bank, Terezia Mora, Radek Knapp oder Dimitre Dinev leicht ersehen kann.
Das von Wladimir Kaminer in seinem Debüt Russendisko aus dem Jahre 2000 konstruierte Berlin zeichnet sich durch eine unbegrenzte Neugier auf die Fremdheit des eigenen Alltags aus, eine Stadt, in der Alle und Alles neben – und durcheinander leben, es gibt keinen dominant drive (schon gar keinen deutschen!), der Verhalten und Denken bestimmen könnte, die handelnden Personen sind auf ihren eigenen Einfallsreichtum8 angewiesen.
Heimat und Fremde gibt es nicht
In Zsuzsa Banks Roman Der Schwimmer (2002) hängt die Reise der drei Protagonisten - Vater, Tochter, Sohn – quer durch Ungarn zwar zusammen mit der Flucht der Mutter in den Westen, doch im Mittelpunkt steht die Suche nach einer eigenen Sprache, die der erlebten und erlittenen Situation angemessen sein könnte, nach einer Identität der beiden Kinder auf einer orientierungslosen Reise. Räumliche Bindungen spielen keine Rolle, ein Konzept von Heimatlichkeit steht völlig zur Disposition – nur die Suche nach Identität treibt die Figuren an.
Der Roman Alle Tage von Terezia Mora aus dem Jahre 2004 geht noch einen Schritt weiter. Der Protagonist,9 Abel Nema, wird bereits in der ersten Sequenz vorgestellt,wieerkopfüberaneinemBaumhängtundsichdieWeltmiteinemverkehrten Blick betrachtet – dies könnte noch als traditionelle Metapher innerhalb einer Kultur vermittelnden, Differenzen suchenden Literatur verortet werden.
Doch diese Flair scheitert nicht daran, dass sie nicht in ihr Heimatland zurückkehren kann, wie bald klar wird, sondern daran, dass sie sich anderen nicht mitteilen kann, obwohl sie zehn Sprachen beherrscht.
Abel Nema ist die Projektionsfläche für die Wünsche und das Begehren10 aller anderen Figuren in der dargestellten Welt, er selbst hat allerdings genau so wenig Kontur und Bedeutung, wie auch die aufgebotenen Räume durchgängig semantisch leer sind; Kategorien von Heimat oder Fremde existieren nicht mehr – höchstens noch die Unmöglichkeit, in einem Land, einem Raum, einem System, einer Gesellschaft anzukommen. Damit steht auch die Option11 der In-
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