Немецкий язык для магистрантов и аспирантов университетов. Auslander in Deutschland – Vom Gastarbeiter zum Mitburger. Учебное пособие
.pdfLeiter des Studiengangs, erklärte die Absolventen seien besonders geeignet, Eingliederungskurse zu leiten7, wie sie das Zuwanderungsgesetz vorsehe. Aber auch andere Berufe, bei denen es auf die Kenntnis verschiedener Sprachen und Kulturen ankomme, seien prädestinierte Arbeitsbereiche8. Meinhardt betonte, ein Migrationshintergrund sei ein Kapital mit dem Zuwanderer arbeiten könnten und eines, das die deutsche Gesellschaft dringend brauche.
Erläuterungen zum Text 11b
1)Carl-Ossietzky-Universität – университет им. Карла Осецкого. Карл фон Осецкий (1889–1938) – радикальный немецкий пацифист и лауреат Нобелевской премии мира 1935 года. В 1931 году он был обвинён в государственной измене за публикацию материалов о нарушении Германией Версальского договора о создании немецких вооруженных сил. Осецкий был журналистом, писавшим о театре, феминизме и моторизации. Он был противником политики милитаризации Германии. Он был ненавистен Гитлеру. Скончался в тюрьме от туберкулеза.
2)Studiengang (m) – специальность, специализация
3)Abschluss nicht anerkennen – не признавать диплом об образовании
4)dauerhafter Aufenthaltsstatus – разрешение на постоянное прожива-
ние (в Германии)
5)Praxiserfahrung (f) nachweisen – подтверждать практический опыт
6)“BachelorofArts“(англ.)– бакалаврискусств(обладательстепенибакалавра по одной из гуманитарных или математических наук в университетах)
7)Eingliederungskurse leiten – вести курсы, оказывающие помощь в интеграции в общество
8)prädestinierte Arbeitsbereiche – другие необходимые сферы деятель-
ности
Aufgaben zu den Texten
1. Beantworten Sie Fragen zu den Texten.
1)Wann fand das Ministertreffen statt?
2)In welchem Rahmen fand dieses Treffen statt?
3)Welches Gesetzentwurf wurde vorgestellt?
4)Worüber wird die Ausbildungsförderung für die Migranten ermöglicht?
5)Was wurde mit dem Bafög-Gesetz beseitigt?
6)Was bietet die Oldenburger Carl-Ossietzky-Universität an?
7)Welche Chancen erhalten die Migranten an diesem Studiengang?
8)Womit schließt das Studium?
9)Von wem wird das Studium unterstützt?
10)Wieviel Teilnehmer nehmen an diesem Studiengang teil?
11)Wozu seien die Absolventen besonders geeignet?
12)Über welche Kenntnisse sollen die Absolventen verfügen, um in anderen Arbeitsbereichen tätig zu sein?
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2.Begründen Sie die Notwendigkeit des Studienganges „Interkulturelle Bildung und Beratung“ für Deutschland.
3.Äußern Sie Ihre Meinung zum Thema: „Wäre so ein Studiengang an den Universitäten in Russland von Bedeutung? Wenn ja, dann an welchen?“
Text 11c
Bund beschließt 150 Maßnahmen zur Integration
Ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur besseren Eingliederung von Migranten hat der Bundestag im Rahmen des Nationalen Integrationsplanes verabschiedet. Insbesondere Deutschkenntnisse sollen durch die Förderung besser vermittelt werden.
Das Bundeskabinett hat rund 150 Maßnahmen zum Nationalen Integrationsplan verabschiedet. Mit dem Beschluss des Kabinetts sind die Maßnahmen verbindlich. WELT ONLINE stellt die interessantesten Initiativen und Selbstverpflichtungen von Bund, Ländern, Kommunen, Bürgergesellschaft, Medien und Wirtschaft vor.
Integrationskurse: Das Stundenkontingent wird von 600 auf 900 Stunden aufgestockt. Die Kurse werden mit Arbeitsagenturen, Jugendmigrationsdiensten und örtlicher Wirtschaft vernetzt. Spezielle Angebote sind für Analphabeten, Jugendliche und Mütter geplant, auch eine Kinderbetreuung während der Kurse soll es geben.
Sprachförderung: Die berufsbezogene Deutschförderung für Migranten wird ausgeweitet. Ein Konzept zur Sprachförderung und ein Verfahren zur Sprachstandsfeststellung in Kindertagesstätten werden entwickelt.
Bildungspaten: Es wird ein bundesweites Netzwerk für Bildungspaten gestartet, das Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Schule und Ausbildung unterstützt.
Schulabbrecher: Das Modellprogramm „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ will Schulverweigerer mit Migrationshintergrund wieder in die Schulen integrieren.
Ausbildungspakt: Bundesregierung und Wirtschaft arbeiten zusammen am „Sonderprogramm zur Einstiegsqualifizierung Jugendlicher“, das auf 40000 Plätze aufgestockt wird, und an der Initiative „Aktiv für Ausbildungsplätze“, die in Zusammenarbeit mit der DIHK1 und Wirtschaftsverbänden bis 2010 bis zu 10000 zusätzliche Ausbildungsplätze in Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft schaffen will.
Finanzielle Unterstützung: BaföG und Berufsausbildungsbeihilfen sollen besonders für Jugendliche mit Aufenthaltsrecht leichter zugänglich gemacht werden.
Wirtschaftsinitiative: Eine „Charta der Vielfalt“, der rund 100 Unternehmen angehören, hilft bei der Einstellung und Förderung von ausländischen Mitarbeitern.
Gegen Zwangsverheiratung: Eine Onlineberatung für Betroffene wird eingerichtet, Zufluchtstätten werden unterstützt.
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Eltern-Bildungsoffensive: Die Türkische Gemeinde in Deutschland startet ein Programm, um türkische Eltern zu qualifizieren, ihre Kinder in Schule und Ausbildung stärker zu unterstützen.
Kulturmittler: Das Begegnungs – und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V.2 in Köln bietet Vermittler in Fällen häuslicher Gewalt an.
Leseförderung: Die Stiftung Lesen bietet Eltern und Großeltern spezielle Vorlesehefte für ausländische Eltern und Kinder zum gemeinsamen Deutschlernen an. Ehrenamtliche Lesepaten und Leseclubs fördern Sprach – und Leseverständnis von Kinder und Jugendlichen.
Integration durch Sport: Der Deutsche Olympische Sportbund qualifiziert im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“ besonders Multiplikatoren mit Migrationshintergrund. Schon im Sommer 2006 hat man drei Integrationsbotschafterinnen benannt und entwickelt seitdem spezielle Angebote in Sportarten, die von Migranten bevorzugt werden.
Fußball zur Integration: Der Deutsche Fußball-Bund plant den Aufbau eines Netzwerkes „Integration“, um lokale fußballerische Integrationsprojekte zu koordinieren und fördert zusammen mit der Bundesregierung mit 300000 Euro das Modellprojekt „Am Ball bleiben – Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung“.
Medienunterstützung: Das ARD3 hat sich das Ziel gesetzt, den Alltag der Menschen aus Zuwandererfamilien als Teil der gesellschaftlichen Normalität abzubilden und dabei die Chancen einer kulturell vielfältigen Gesellschaft glaubwürdig zu vermitteln. Das Thema Islam spielt eine große Rolle – so plant das WDR4 eine zweitägige Sendung zum Ende des Ramadan; der SWR veröffentlicht ein „Islamisches Wort“ im Internet. Das ZDF5 hat mit dem „Forum zum Freitag“ bereits eine Internet-Dialogplattform zur interkulturellen Verständigung eingerichtet. Die CIVIS6 Medienstiftung für Integration und kulturelle Vielfalt wiederum wird einen neuen Fernsehpreis für betriebliche Integration von Einwanderern ausloben.
Erläterungen zum Text 11c
1)DIHК (Deutscher Industri – und Handelstag) – Германский конгресс торгово-промышленных палат
2)e.V. (eingetragener Verein) – зарегистрированный союз, зарегистрированное общество
3)ARD (n) (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) – Объединение публично-правовых ра-
диостанций ФРГ (название одного из каналов телевидения ФРГ)
4)WDR (n) (Westdeutscher Rundfunk) – Западногерманское радио
5)ZDF (n) (Zweites Deutsches Fernsehen) – Второе Германское телевиде-
ние (канал телевидения ФРГ)
6)CIVIS (или Civis) – фонд масс-медиа, основанный в 1987 г. специально для освещения вопросов интеграции. Поддерживается Европарламентом
иЕвропейским агентством по правам человека.
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Aufgaben zum Text 11c
1. Beantworten Sie Fragen zum Text.
1)Was hat das Bundeskabinett verabschiedet?
2)Welche Bedeutung haben die Integrationskurse?
3)Was wird im Rahmen der Sprachförderung entwickelt?
4)Woran arbeiten Bundesregierung und Wirtschaft zusammen?
5)Welches Programm startet die türkische Gemeinde?
6)Was bedeutet das Programm „Integration durch Sport“?
7)Worin besteht die Medienunterstützung?
8)Welche Rolle spielt das Thema „Islam“ in den Medien?
LEKTION 12
Dialog der Kulturen. Viele Kulturen – eine Sprache
Vorübungen zum Text 12a
1.Sprechen Sie folgende Zusammensetzungen richtig aus:
Arbeitsmigration, Literaturstandort, Gastarbeiterliteratur, Migrantenliteratur, Verallgemeinerung, Sprachwechsel, Nationalitätswechsel, Literaturforschung, Exilliteratur, Aufenthaltsort, neuentstehend, multikulturell, unabhängig
Text 12a
Literaturen von Migranten
Im Zusammenhang mit der Arbeitsmigration nach dem 2. Weltkrieg kamen ab 1955 künftige Autoren neuentstehender multikultureller Literaturen zunächst hauptsächlich aus Italien, Spanien, Portugal, Jugoslawien und Griechenland an den deutschen Literaturstandort. Dieser große Teilbereich der deutschsprachigen multikulturellen Literatur im 20. Jahrhundert, die Literatur von Migranten, die in der ersten Phase der sich neu entwickelnden Migration in den deutschsprachigen Raum entstand, wurde zunächst als Gastarbeiterliteratur bezeichnet. Sie knüpfte an die deutsche Tradition der Arbeiterliteratur an, hatte eine kämpferische Motivation und ihre Autoren entstammten nicht selten auch wirklich den Reihen1 der damals sogenannten Gastarbeiter. Entsprechend der Tatsache, dass die Arbeitsmigration im eigentlichen Sinne 1973 durch ein Anwerbestop2 beendet und auch die „Gastarbeiter“-Idee sich als Utopie erwies, setzte sich ab den 1980er Jahren eine Reihe von neuen Bezeichnungen durch für die Literatur, die von nicht-deutschsprachigen Autorinnen und Autoren in der Bundesrepublik, in Österreich und der Schweiz geschaffen wurde. Mit dem Begriff Migrantenliteratur sollte der außerliterarischen Tatsache Rechnung getragen3, dass ihre Autoren in den deutschsprachigen Raum migriert sind, weitere Verallgemeinerungen waren nicht beabsichtigt.
Die Zahl der zu dieser Kategorie gehörigen Autorinnen und Autoren ist unsicher, eine vorsichtige Schätzung für das Jahr 2000 beläuft sich auf4 ungefähr 250 Personen. Dass diese Zahl unsicher und veränderlich ist, liegt am außerordentlich dynamischen Charakter des Phänomens selber. Migrantenliteratur ist in Zeiten der zunehmenden globalen Mobilität der Menschen im Zunehmen begriffen5 und global gesehen handelt es sich um weit höhere Zahlen. Literatur der zweiten und dritten Einwanderergeneration6, häufig wenig treffend auch als Migrantenliteratur bezeichnet, ist hierbei noch gar nicht mit eingerechnet.
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Gastarbeiterliteratur
Der Begriff Gastarbeiterliteratur bezeichnete in den 1970-er und 1980-er Jahren die Literatur, die von ausländischen Schriftstellern in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschaffen wurde. Der Terminus lehnt sich an die Tatsache an, dass man ab 1955 Arbeitsmigranten in großer Zahl in die deutschsprachigen Länder geholt hat und diese als Gastarbeiter bezeichnete.
Die Autoren und Autorinnen der Gastarbeiterliteratur entstammten bereits zu Beginn keinesfalls nur ihren Reihen. Dieses außerliterarische Kriterium zur Beschreibung von Literatur stand auch von Anfang an unter kritischer Beobachtung. Aus den Reihen der Schriftsteller selber machten sich besonders die theoretisch führenden Mitglieder des PoLiKunstvereins7, der von 1980 bis 1987 existierte, für diese Bezeichnung stark. Es waren Franco Biondi, Rafik Schami, Jusuf Naoum und Suleman Taufiq, die in einer Fußnote zu ihren Literatur der Betroffenheit8. Bemerkungen zur Gastarbeiterliteratur auf die Ironie der Bezeichnung hinwiesen. Gäste ließe man normalerweise nicht arbeiten, auch blieben Gäste nicht so lange wie die Gastarbeiter, die sich in zunehmendem Maße im Lande niederließen9, statt es nach einer kürzeren Zeit wieder zu verlassen, wie ursprünglich seitens der Industrie und Politik geplant.
Als Kennzeichen einer Gastarbeiterliteratur galt aus der Sicht10 der anfänglichen deutschen Rezeption11 die Tatsache, dass sie von fremdsprachigen Autoren auf Deutsch als Fremdsprache geschaffen wurde. Eine erweiterte Sicht der Dinge schließt aber auch sowohl in verschiedenen Fremdsprachen entstandene, dann ins Deutsche übersetzte Literatur von Migranten und Literatur von migrierten Autoren aus deutschsprachigen Minderheiten der verschiedensten Länder ein.
Migrantenliteratur
Migrantenliteratur ist einer der neueren Begriffe, die dazu benutzt werden, die Literatur zu bezeichnen, die von Autorinnen und Autoren geschaffen wird, die selbst oder zusammen mit ihren Eltern in ein zunächst fremdes Land migriert sind. Mit der Veränderung des Wohnortes geht bei diesen Autoren meist ein Sprachwechsel und/oder ein Nationalitätswechsel einher. Der Begriff ist teilweise deckungsgleich mit dem Begriff Gastarbeiterliteratur, ohne jedoch eine Zugehörigkeit der Autoren zur Schicht der Arbeiter vorauszusetzen. Einzig die Migration wird im Begriff Migrantenliteratur fokussiert. Auch dieser Begriff ist innerhalb der diesbezüglichen Literaturforschung nicht unumstritten und findet gleichzeitig mit mehreren anderen Verwendung.
Ein Sonderfall der Migrantenliteratur ist die Exilliteratur12. An ihr sind nicht selten Einflüsse des exilgebenden Landes auszumachen, aber häufig sind die Werke auch unabhängig vom Aufenthaltsort13 der Autoren allein vom Exil geprägt und können daher nicht in jedem Fall unter den multikulturellen Literaturen subsumiert14 werden. Die Übergänge zwischen Emigration, Exil und Weitermigration sind jedoch sowohl biographisch als auch thematisch häufig fließend, und nicht wenige Exiltexte loten den Zwischenraum zwischen den Kulturen aus15.
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Erläuterungen zum Text 12a
1)Autoren entstammen den Reihen – авторы вышли из рядов …
2)Anwerbestopp (m) – прекращение действия соглашения о найме иностранцев на работу
3)Rechnung tragen – нести ответственность
4)sich belaufen auf – составлять (какое-л. количество)
5)im Zunehmen begriffen sein – увеличиваться
6)Einwanderungsgeneration (f) – поколение мигрантов
7)PoLiKunstverein (m) – объединение представителей литератур разных национальностей
8)Literatur der Betroffenheit – литература униженных
9)sich niederlassen – оседать, оставаться жить
10)Sicht (f) – точка зрения
11)deutsche Rezeption – в восприятии немцев
12)Exilliteratur (f) – литературные произведения, созданные в эмиграции
13)Aufenthaltsort (m) – место пребывания, проживания
14)subsimieren – объединять
15)ausloten – заполнять, выравнивать
Aufgaben zum Text 12a 1. Beantworten Sie Fragen zum Text.
1)Woher kamen künftige Autoren neuentstehender Literaturen?
2)Wie wurde diese Literatur zunächst bezeichnet?
3)Was bedeutete der Begriff „Gastarbeiterliteratur“?
4)Was galt als Kennzeichen der Gastarbeiterliteratur?
5)Was verstand man unter der Exilliteratur?
2.Suchen Sie im Text 7 Sätze mit dem erweiterten Attribut und übersetzen Sie sie ins Russische.
3.Bestimmen Sie den Unterschied zwischen Arbeiterund Migrantenliteratur und schreiben sie ein Referat dazu.
Text 12b
Eine unübersehbare1 interkulturelle Vielfalt
Seit mindestens einem Jahrzehnt ist eine unübersehbare1 interkulturelle Vielfalt zu einem wichtigen Kennzeichen auch der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geworden. Bewirkt wurde diese Vielfalt vor allem durch den mit den Migrationsbewegungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einhergehenden Kulturwechsel vieler Literaten, der ihre Themen und Sprachbilder prägte2 und oft die Wahl des Deutschen als Literatursprache nahe legte.
Die Migrantenliteratur, die vor 1985 noch eher ein Schattendasein führte3, hat in den letzten 20 Jahren äußerst unterschiedliche poetische Konzepte entwickelt und damit die deutsche Literatur bereichert und internationalisiert.
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Heute gehören einige ihrer Autoren zu den bekannten und viel gelesenen Schriftstellern deutscher Sprache – Feridun Zaimoglu oder SAID, Rafik Schami oder Terezia Mora, Herta Müller oder Zsuzsa Bank haben sich auf dem Buchmarkt etabliert4 und sind mit ihren Romanen, Erzählungen und Gedichten wichtige Repräsentanten der heutigen deutschen Literatur.
Erstum1980wurdenliterarischeÄußerungenvonArbeitsmigranten, damals oft unter dem Etikett „Gastarbeiterliteratur“, von der deutschen Öffentlichkeit breiter wahrgenommen. Viele Texte dieser ersten, über die Mitte der achtziger Jahre hinaus anhaltenden Phase hatten die Dialektik von Heimat und Fremde, den migrationsbedingten Sprach – und Kulturwechsel5 und die Probleme der sich dem „Multikulturellen“ nur zögernd öffnenden deutschen Gesellschaft zum Thema.
Mit dem Auftauchen von Schriftstellern, die der zweiten oder dritten Migrantengeneration angehören und sich immer häufiger dem „Konflikt zwischen Vereinnahmung und Ausgrenzung“6 zu entziehen suchen, scheint die Migrantenliteratur allmählich in der deutschen Literatur aufzugehen7. Autoren wie Za Jose F.A. Oliver oder Zehra Јirak wollen sich weder der ausländischen noch der deutschen Seite zurechnen lassen. Feridun Zaimoglu lieferte mit Kanak Sprak das Stichwort8 für eine ganze Generation deutschtürkischer Großstadt-Jugend- licher und versteht sich, ähnlich wie Yade Kara, Selim Özdogan oder Imran Ayata, ganz selbstverständlich als literarischer Vertreter einer postkolonialen, hybriden Mischkultur. Bei den nach 1970 geborenen Autoren mit nicht-deut- schem kulturellen Hintergrund haben sich äußerst vielfältige interkulturelle Schreibweisen9 herausgebildet.
Das alles in Betracht gezogen, war auch das Münchner Institut für Deutsch als Fremdsprache maßgeblich an der Einrichtung des 1985 erstmals vergebenen Adelbert-von-Chamisso-Preises beteiligt, der mittlerweile zu den renommiertesten deutschen Literaturpreisen gehört.
Erläuterungen zum Text 12b
1)unübersehbar – необозримый
2)Kulturwechsel prägte die Themen und Sprachbilder – смена культур на-
ложила отпечаток на тематику и языковые образы
3)Schattendasein führen – находиться в тени
4)sich auf dem Buchmarkt etablieren – укрепиться на книжном рынке
5)der migrationsbedingte Sprachund Kulturwechsel – обусловленное миграцией изменение языка и культуры
6)Vereinnahmung und Ausgrenzung – приятие и отчуждение (обособ-
ление)
7)in der deutschen Literatur aufgehen – проявить себя в немецкой лите-
ратуре
8)Stichwort – ключевое слови
9)Schreibweise – манера письма
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Aufgaben zum Text
1.Beantworten Sie Fragen zum Text.
1)Seit wann ist die interkulturelle Vielfalt zu einem Kennzeichen der deutschen Gegenwartsliteratur geworden?
2)Wann führte die Migrantenliteratur ein Schattendasein?
3)Wann wurden literarische Äusserungen von Migranten von der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen?
4)Aus welchen Gründen hatten die Autoren ihre Heimat verlassen?
5)Wann gerieten die Autoren verstärkt in den Blick?
2.Suchen Sie im folgenden Satz das erweiterte Attribut und übersetzen Sie es ins Russische.
Bewirkt wurde diese Vielfalt vor allem durch den mit den Migrationsbewegungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einhergehenden Kulturwechsel vieler Literaten, der ihre Themen und Sprachbilder prägte und oft die Wahl des Deutschen als Literatursprache nahe legte.
3.Lesen Sie die Aussage von Harald Weinrich und äußern Sie Ihre Meinung dazu.
„Deutschland ist ein Land aus Sprache und Geschichte gemacht, und alle Personen, die von der deutschen Sprache einen solchen Gebrauch machen, dass sie diese Geschichte weiter schreiben, sind natürliche Landsleute, sie mögen von innen kommen oder von außen“.
Harald Weinrich. „Um eine Literatur von außen bitten“ (1983), Ideengeber der Errichtung des 1985 erstmals vergebenen Adelbert-von- Chamisso-Preises.
LEKTION 13
Adelbert-von-Chamisso-Preis
Text 13a
Der Edelmann als Bürger
Adelbert von Chamisso hatte mehr Glück als viele politische Emigranten unserer Tage. Der gebürtige Franzose fand eine neue Heimat in Berlin, er baute sich eine bürgerliche Existenz auf, wurde noch zu Lebzeiten als Dichter deutscher SpracheundiminternationalenWissenschaftsbetriebalsNaturforscheranerkannt. Doch Chamisso vergaß nie, wie wenig selbstverständlich sein Einwandererschicksal war.
Mit elf Jahren wurde der Grafensohn aus einer heilen Kindheitswelt1 in die Kriegswirren nach der Französischen Revolution hineingezogen2. »Von Stadt zu Stadt, von Land zu Land irrend, ohne Bändungen, ohne Vaterland, fast ohne Hoffnung, die Stütze der Elenden, habe ich das Unglück kennengelernt; kaum war es mir vergönnt3, den Erzeugern meiner Tage nützlich zu sein. An ihr Schicksal gebunden und ihren Schritten folgend, habe ich Brabant, Holland, das Reich durchmessen; überall bot sich ein Bild des Unglücks meinen Augen; überall fand ich Landsleute von allerhöchstem Rang ins Elend gestürzt4«, heißt es in einem Schulaufsatz Chamissos. Vier Jahre irrte die Familie durch Europa, ehe sie 1796 in Berlin eine dauerhafte Zuflucht fand5. Vorher waren die bis heute üblichen Schwierigkeiten zu bestehen: Die preußische Polizei drohte den unerwünschten Gästen mit Abschiebung6. Doch der alte Adelstitel der Chamissos galt noch etwas im konservativen Preußen, das sich am ersten Koalitionskrieg gegen die französischen Revolutionsheere beteiligt hatte. Die Familie fand in Berlin Anschluß7 an die französische Kolonie der Hugenotten und an den preußischen Hof. Adelbert konnte das Französische Gymnasium besuchen, diente als Page bei der Königin und trat 1798, mit siebzehn Jahren, als Fähnrich8 in die preußische Armee ein. Den Stammsitz der Familie, Schloß Boncourt in der Champagne, hatte der französische Staat beschlagnahmt und 1793 zum Abbruch durch die Bauern der Gegend freigegeben9.
In den Jahren 1815 bis 1818 reiste Chamisso als Naturforscher auf einem russischen Expeditionsschiff rund um die Welt. Dieses Abenteuer und seine wissenschaftlichen Erkenntnisse sicherten dem Außenseiter10 eine breite gesellschaftliche Akzeptanz, die er bis dahin nur im engeren Kreis von Freunden erfahren hatte. Eine Anstellung im Botanischen Garten von Berlin ermöglichte es ihm, eine Familie zu gründen. Aus dem mißtrauisch beäugten Immigranten11 mit Adelstitel wurde ein geachteter preußischer Bürger. Ghamisso selbst war sehr stolz, daß er seinen bescheidenen Wohlstand nicht Adelsprivilegien verdankte, sondern sich alles selbst erarbeitet hatte.
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