Немецкие сказки тексты и упражнения. Deutsche Märchen ein Text- und Übungsbuch
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Die Schlickerlinge
Die Schlickerlinge
Es war einmal ein Mädchen, das war schön, aber faul und nachlässig. Wenn es spinnen sollte, so war es so verdrießlich, daß, wenn ein kleiner Knoten im Flachs war, es gleich einen ganzen Haufen mit herausriß und neben sich zur Erde schlickerte. Nun hatte es ein Dienstmädchen, das war arbeitsam, suchte den weggeworfenen Flachs zusammen, reinigte ihn, spann ihn fein und ließ sich ein hübsches Kleid daraus weben. Ein junger Mann hatte um das faule Mädchen geworben, und die Hochzeit sollte gehalten werden. Auf dem Polterabend55 tanzte das fleißige in seinem schönen Kleide lustig herum, da sprach die Braut:
„Ach, wat kann dat Mäken springen In minen Slickerlingen!“
Das hörte der Bräutigam und fragte die Braut, was sie damit sagen wollte. Da erzählte sie ihm, daß das Mädchen ein Kleid von dem Flachs trüge, den sie weggeworfen hätte. Wie der Bräutigam das hörte und ihre Faulheit bemerkte und den Fleiß des armen Mädchens, so ließ er sie stehen, ging zu jener und wählte sie zu seiner Frau.
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Aufgaben |
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I |
1. Was bedeutet nachlässig? |
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eine nachlässige Arbeit |
nachlässiges Benehmen |
nachlässiges Personal |
nachlässig gekleidet sein |
ein nachlässiger Schüler |
mit nachlässiger Handbewegung |
2.Welche Bedeutung hat das Adjektiv arbeitsam? Welche weiteren Adjektive mit — sam kennen Sie?
3.Suchen Sie synonyme Formulierungen für schlickern!
... wenn ein kleiner Knoten im Flachs war, es gleich einen ganzen Haufen mit herausriß und neben sich zur Erde schlickerte.
55der Polterabend: Abend vor einer Hochzeit, an dem nach altem Brauch vor der Haustür [der Brauteltern] Porzellan o. Ä. zerschlagen wird, dessen Scherben dem Brautpaar Glück bringen sollen.
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Die Volksdichtung
4.Werten Sie folgenden Satz stilistisch!
Ein junger Mann hatte um das faule Mädchen geworben, ...
5.Was bedeutet hier fein?
(das Dienstmädchen) spann den weggeworfenen Flachs fein ...
6. Zeigen Sie an Beispielsätzen drei Bedeutungen des Verbs wählen!
II
1.Geben Sie anhand des Textes die Charakteristik der handelnden Personen.
2.Erörtern Sie die Frage nach der Funktion des Fleißes im Leben der Menschen.
3.Wie verstehen Sie die Sprichwörter?
Mühe und Fleiß erhalten den Preis.
Ohne Fleiß kein Preis.
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Die Scholle
Die Scholle
Die Fische waren schon lange unzufrieden, daß keine Ordnung in ihrem Reich herrschte. Keiner kehrte sich an den andern, schwamm rechts und links, wie es ihm einfiel, fuhr zwischen denen durch, die zusammenbleiben wollten, oder sperrte ihnen den Weg, und der stärkere gab dem schwächeren einen Schlag mit dem Schwanz, daß er weit wegfuhr, oder er verschlang ihn ohne weiteres. „Wie schön wäre es, wenn wir einen König hätten, der Recht und Gerechtigkeit bei uns übte“, sagten sie and vereinigten sich, den zu ihrem Herren zu wählen, der am schnellsten die Fluten durchstreichen und dem Schwachen Hilfe bringen könnte.
Sie stellten sich also am Ufer in Reihe und Glied auf, und der Hecht gab mit dem Schwanz ein Zeichen, worauf sie alle zusammen aufbrachen. Wie ein Pfeil schoß der Hecht dahin und mit ihm der Hering, der Gründling, der Barsch, die Karpfe, und wie sie alle heißen. Auch die Scholle schwamm mit und hoffte das Ziel zu erreichen.
Auf einmal ertönte der Ruf: „Der Hering ist vor! der Hering ist vor.“ — „Wen is vör?“ schrie verdrießlich die platte, mißgünstige Scholle, die weit zurückgeblieben war, „wen is vör?“ — „Der Hering, der Hering“, war die Antwort. „De nackte Hiering?“ rief die Neidische, „de nackte Hiering?“ Seit der Zeit steht der Scholle zur Strafe das Maul schief.
Aufgaben
I
1. Verwenden Sie die Verben in Sätzen!
herrschen, sich kehren, einfallen, sperren, verschlingen, erreichen
2.Verwenden Sie folgende Substantive mit einem passenden Attribut: Ordnung, Reich, Weg, König, Recht, Gerechtigkeit, Strafe
3.Ordnen Sie folgende Verben nach der Stärke des Ausdrucks und verwenden Sie die Wörter in Sätzen!
schreien, flüstern, riefen, sprechen
4.Erläutern Sie den Inhalt der Wendung in Reih und Glied! Suchen Sie andere Wendungen mit dem Wort Reihe und erklären Sie!
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Die Volksdichtung
5.Mit welchen sprachlichen Mitteln werden Eigenschaften und Haltungen von der Scholle beschrieben?
6.Welche Bedeutung hat das Adjektiv missgünstig?
7.Suchen Sie im Text stilistisch markierte Lexik. Versuchen Sie stilistisch neutrale Varianten dazu finden.
8.Untersuchen Sie die Aussagefunktion der im Text vorhandenen Konjunktivformen!
9.Nennen Sie: a) Süßwasserfische; b) Fische, die am Grund von Gewässern leben; c) räuberisch lebende Fische.
10.Welche Speisefische werden besonders geschätzt?
11.Erklären Sie die Wendungen!
der Hecht im Karpfenteich sein; wie die Heringe (in der Straßenbahn) stehen / sitzen; so ein Hering!; das ist vielleicht ein [toller] Hecht!
12.Merken Sie sich einige Ausdrücke mit dem Wort „Fisch“!
•Er ist munter wie ein Fisch im Wasser.
•Er fühlt sich hier wie ein Fisch auf dem Trocknen (= es fehlt ihm das Lebenselement, das er braucht).
•er ist stumm wie ein Fisch (= spricht kein Wort, verhält sich schweigend)
•die großen Fische fressen die kleinen (= die Reichen u. Mächtigen leben auf Kosten der Armen).
•ein kalter Fisch (ugs.; = ein Mensch, der keine Gefühlsregungen, kein Mitgefühl zeigt).
•ein großer / dicker Fisch (ugs. scherzh.; = eine wichtige Persönlichkeit).
•kleine Fische (ugs.; = Dinge, die nicht ins Gewicht fallen; Kleinigkeiten: das sind alles bloß kleine Fische.)
•faule Fische (ugs.; = sehr unglaubwürdige Ausreden; Lügen).
•weder Fisch noch Fleisch sein (ugs.; = nicht zu bestimmen, einzuordnen sein; nichts Richtiges sein).
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Die Scholle
II
1.Teilen Sie das Märchen in Abschnitte und geben Sie jedem Abschnitt eine Überschrift.
2.Suchen Sie zu diesem Märchen einen anderen Titel. Begründen Sie Ihre Wahl.
3.Suchen Sie aus den untenstehenden Sprichwörtern ein heraus, das zu dieser Erzählung paßt.
Der Neid folgt dem Glück.
Der Neid hat noch niemand reich gemacht. Neid macht Leid.
4.Machen Sie eine Kurzfassung von den im Märchen erzählten Ereignissen!
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Die Volksdichtung
Die Lebenszeit
Als Gott die Welt geschaffen hatte und allen Kreaturen56 ihre Lebenszeit bestimmen wollte, kam der Esel und fragte: „Herr, wie lange soll ich leben?“ — „Dreißig Jahre“, antwortete Gott, „ist dir das recht?“ — „Ach, Herr“, erwiderte der Esel, „das ist eine lange Zeit. Bedenke mein mühseliges Dasein: von Morgen bis in die Nacht schwere Lasten tragen, Kornsäcke in die Mühle schleppen, damit andere das Brot essen, mit nichts als mit Schlägen und Fußtritten ermuntert und aufgefrischt zu werden! erlaß mir einen Teil der langen Zeit.“ Da erbarmte sich Gott und schenkte ihm achtzehn Jahre. Der Esel ging getröstet weg, und der Hund erschien. „Wie lange willst du leben?“ sprach Gott zu ihm, „dem Esel sind dreißig Jahre zuviel, du aber wirst damit zufrieden sein.“ — „Herr“, antwortete der Hund, „ist das dein Wille? bedenke, was ich lauten muß, das halten meine Füße so lange nicht aus; und habe ich erst die Stimme zum Bellen verloren und die Zähne zum Beißen, was bleibt mir übrig, als aus einer Ecke in die andere zu laufen und zu knurren?“ Gott sah, daß er recht hatte, und erließ ihm zwölf Jahre. Darauf kam der Affe. „Du willst wohl gerne dreißig Jahre leben?“ sprach der Herr zu ihm, „du brauchst nicht zu arbeiten, wie der Esel und der Hund, und bist immer guter Dinge.“ — „Ach, Herr“, antwortete er, „das sieht so aus, ist aber anders. Wenn‘s Hirsenbrei regnet, habe ich keinen Löffel. Ich soll immer lustige Streiche machen, Gesichter schneiden, damit die Leute lachen, und wenn sie mir einen Apfel reichen und ich beiße hinein, so ist er sauer. Wie oft steckt die Traurigkeit hinter dem Spaß! Dreißig Jahre halte ich das nicht aus.“ Gott war gnädig und schenkte ihm zehn Jahre.
Endlich erschien der Mensch, war freudig, gesund und frisch und bat Gott, ihm seine Zeit zu bestimmen. „Dreißig Jahre sollst du leben“, sprach der Herr, „ist dir das genug?“ — „Welch eine kurze Zeit!“ rief der Mensch, „wenn ich mein Haus gebaut habe und das Feuer auf meinem eigenen Herde brennt; wenn ich Bäume gepflanzt habe, die blühen und Früchte tragen, und ich meines Lebens froh zu werden gedenke, so soll ich sterben! o Herr, verlängere meine Zeit.“ — „Ich will dir die achtzehn Jahre
56 die Kreatur, -en (bildungsspr.) Geschöpf, (von Gott) geschaffenes Wesen
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Die Lebenszeit
des Esels zulegen“, sagte Gott.„Das ist nicht genug“, erwiderte der Mensch. „Du sollst auch die zwölf Jahre des Hundes haben.“ — „Immer noch zuwenig.“ — „Wohlan“, sagte Gott, „ich will dir noch die zehn Jahre des Affen geben, aber mehr erhältst du nicht.“ Der Mensch ging fort, war aber nicht zufriedengestellt.
Also lebt der Mensch siebenzig Jahr. Die ersten dreißig sind seine menschlichen Jahre, die gehen schnell dahin; da ist er gesund, heiter, arbeitet mit Lust und freut sich seines Daseins. Hierauf folgen die achtzehn Jahre des Esels, da wird ihm eine Last nach der andern aufgelegt: er muß das Korn tragen, das andere nährt, und Schläge und Tritte sind der Lohn seiner treuen Dienste. Dann kommen die zwölf Jahre des Hundes, da liegt er in den Ecken, knurrt und hat keine Zähne mehr zum Beißen. Und wenn diese Zeit vorüber ist, so machen die zehn Jahre des Affen den Beschluß. Da ist der Mensch sdiwachköpfig und närrisch, treibt alberne Dinge und wird ein Spott der Kinder.
Aufgaben
I
1.Welche gemeinsame und unterschiedliche Bedeutung haben die Verben? bedenken — durchdenken — nachdenken — überdenken
2.Welche Bedeutung hat das Substantiv „das Dasein“?
Verwandte, von deren Dasein er bis dahin nichts gewusst hatte. — Er führte ein trauriges Dasein. — Sein bloßes Dasein beruhigte sie.
3.Was man alles verlieren kann? Bilden sie mit verlieren und den folgenden Substantiven Sätze!
Geld, Handschuh, Hut, Vater, Mutter, Zeit, Freiheit, Leben, Heimat, Lust, Mut, Nerven, Gedächtnis, Herz, Spiel, Krieg
4.Erläutern Sie die Bildhaftigkeit!
Wenn‘s Hirsenbrei regnet, habe ich keinen Löffel. Wie oft steckt die Traurigkeit hinter dem Spaß!
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Die Volksdichtung
5.Erklären Sie in Sätzen: Streich, Spaß, Spott.
6.Gebrauchen Sie die Wendungen ein Gesicht / eine Grimasse / Fratze schneiden; alberne Dinge treiben; Spott werden in einem treffenden Situationskontext!
7.Suchen Sie den Satz, wo das Adverb wohlan vorkommt. Was drückt das Wort aus?
8.Werten Sie folgenden Satz stilistisch!
Und wenn diese Zeit vorüber ist, so machen die zehn Jahre des Affen den Beschluß.
II
1.Stellen Sie einige Fragen zum Text!
2.Geben Sie den Inhalt kurz wieder! Gebrauchen Sie dabei keine direkte Rede!
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Der Nagel
Der Nagel
Ein Kaufmann hatte auf der Messe gute Geschäfte gemacht, alle Waren verkauft und seine Geldkatze57 mit Gold und Silber gespickt. Er wollte jetzt heimreisen und vor Einbruch der Nacht zu Haus sein. Er packte also den Mantelsack58 mit dem Geld auf sein Pferd und ritt fort. Zu Mittag rastete er in einer Stadt; als er weiterwollte, führte ihm der Hausknecht das Roß vor, sprach aber: „Herr, am linken Hinterfuß fehlt im Hufeisen ein Nagel.“ — „Laß ihn fehlen“, erwiderte der Kaufmann, „die sechs Stunden, die ich noch zu machen habe, wird das Eisen wohl festhalten. Ich habe Eile.“ Nachmittags, als er wieder abgestiegen war und dem Roß Brot geben ließ, kam der Knecht in die Stube und sagte: „Herr, Euerm Pferd fehlt am linken Hinterfuß ein Hufeisen. Soll ich‘s zum Schmied führen?“ — „Laß es fehlen“, erwiderte der Herr, „die paar Stunden, die noch übrig sind, wird das Pferd wohl aushalten. Ich habe Eile.“ Er ritt fort, aber nicht lange, so fing das Pferd zu hinken an. Es hinkte nicht lange, so fing es an zu stolpern, und es stolperte nicht lange, so fiel es nieder und brach ein Bein. Der Kaufmann mußte das Pferd liegenlassen, den Mantelsack abschnallen, auf die Schulter nehmen und zu Fuß nach Haus gehen, wo er erst spät in der Nacht anlangte. „An allem Unglück“, sprach er zu sich selbst, „ist der verwünschte Nagel schuld.“ Eile mit Weile.
Aufgaben
I
1.Welche veralteten Wörter kommen im Text vor?
2.Suchen Sie im Text die Lexik aus dem Bereich „Pferd, Reiten“.
3.Sagen Sie die Sätze anders, ohne den Inhalt zu verändern!
•Ein Kaufmann hatte auf der Messe gute Geschäfte gemacht.
•Er hatte seine Geldkatze mit Gold und Silber gespickt.
•Er wollte jetzt heimreisen.
57die Geldkatze (veraltet) am od. als Gürtel getragner, großer lederner Geldbeutel
58der Mantelsack (veraltet) [hinter dem Sattel aufs Pferd zu legender] Reisesack für Proviant u. a.
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Die Volksdichtung
•Er packte den Mantelsack mit dem Geld auf sein Pferd.
•Zu Mittag rastete er in einer Stadt.
4.Wenden Sie folgende Formen in Sätzen an! bei, nach, vor Einbruch der Nacht
5.Lernen Sie das Wort die Eile in seiner Anwendung kennen und bilden Sie damit weitere Beispiele.
Ich habe keine Eile.— Die Sache hat große Eile.— Er ist immer in Eile.— In der Eile habe ich meinen Paß vergessen. — Die Putzfrauen wurden zur Eile getrieben.
6.Zeigen Sie an Beispielsätzen fünf Bedeutungen des Verbs führen!
7.Bilden Sie mit folgenden Wendungen Sätze!
[an] etw. schuld sein; übrig sein
8. Was drückt wohl in den folgenden Sätzen aus?
... die sechs Stunden wird das Eisen wohl festhalten.
... die paar Stunden wird das Pferd wohl aushalten.
II
1.Stellen Sie einige Fragen zum Text!
2.Äußern Sie Ihre Gedanken zum Sinn dieser Geschichte.
3.Illustrieren Sie das Sprichwort „Eile mit Weile“ durch eine Episode aus Ihrem Leben!
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