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Ethik

(aus Alois Reutterer: „Erkennen und Handeln“)

1. Wozu Moral?

Das Wort Ethik kommt vom griechischen Wort ethos, was soviel wie Gewohnheit, Sitte oder Brauch bedeutet. Moral stammt vom lateinischen mos und hat hier dieselbe Bedeutung wie ethos im Griechischen. Mit Moral meinen wir eher die Praxis, mit Ethik mehr die Theorie. Ethik ist die Philosophie oder die Lehre von der Moral. Robinson Crusoe konnte (mehr oder weniger) tun und lassen was er wollte, bis ihm Freitag begegnete. Der Mensch als Gemeinschaftswesen darf sein Triebverlangen, seinen Egoismus nur in bestimmten Grenzen und Formen befriedigen, er muss sich einer allgemeinen Ordnung fügen. Von der Moral zu unterscheiden ist das Recht. Während das Recht mehr das äußere Verhalten der Menschen regelt – das mitunter moralisch völlig belanglos sein kann (wie etwa die Rechtsfahrordnung im Straßenverkehr) – betrifft die Moral die Gesinnung des Menschen. Bestrafen kann man natürlich immer nur Verstöße gegen das geltende Recht, nicht aber Verstöße gegen die Gesinnung, wenngleich diese in schwerwiegenden Fällen mitberücksichtigt wird. (Es kann davon z. B. die Verurteilung wegen Mordes oder “nur” wegen Totschlags abhängen.) Die Moral sagt uns, was gut und böse ist. Das Recht legt fest, was erlaubt und was strafbar ist. So ist z. B. Abtreibung für viele Menschen moralisch verwerflich. Dennoch ist sie in Österreich in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen nicht strafbar.

Für den religiösen Menschen, der die von seiner Religion vorgegebenen Ge- und Verbote ungefragt übernimmt, wäre eigentlich eine Diskussion über Moral und deren Begründung überflüssig. Nun ist es aber so, dass zum einen nicht alle Menschen religiös sind und zum anderen eine religiöse Moral häufig nicht einmal von den Gläubigen wirklich gelebt wird (man denke an das Verbot empfängnisverhütender Mittel durch den Papst, das selbst Theologen nicht immer unterstützen).

Wir müssen daher nach einer für alle Menschen verbindlichen Moral suchen. Dies scheint heute dringlicher denn je. Die verschiedensten Skandale - z.B. in der Politik - lassen den Ruf nach ernsthafter Beachtung wichtig scheinender moralischer Grundwerte wie Redlichkeit, Anständigkeit (was heißt das?) laut werden, sowie auch die Forderung nach einer neuen, unserer Zeit angepassten Moral.

Angesichts globalen Terrors und Rüstungswahnsinns scheint eine weltweite Moral vonnöten. Nur eine weltweit gültige (und auch durchsetzbare!?) Moral kann verhindern, dass sich die Menschheit selbst ausrottet: sei es durch einen Atomkrieg oder durch eine ökologische Katastrophe.

Wir brauchen daher eine Ethik, die eine Moral zu begründen erlaubt, die von weiten Kreisen, im Idealfall von allen Menschen, akzeptiert werden kann.

2. Eine kurze Geschichte der Ethik

Griechisch-römische Antike

Längst bevor es überhaupt Philosophie gab, hatten die vielfältigsten ethischen Probleme im Leben und Denken der Menschen einen festen Platz. Ob wir uns auf das babylonische Gilgamesch-Epos oder auf altägyptische Literaturdenkmäler, auf die Gesetzestafeln eines Hammurabi oder eines Moses, auf die ältesten indischen Veden beziehen: alle diese Werke liefern zahlreiche Beispiele dafür, wie aktuell und bedeutsam ethische Probleme zu allen Zeiten für den Menschen waren. Bei allen Völkern sind Hinweise auf verbindliche sittliche Normen und ihre Begründung zu finden.

Im alten China lehrte Kung fu tse (latinisiert Konfuzius) als Haupttugenden des Menschen Nächstenliebe und Ehrfurcht vor den Mitmenschen: “Was du selbst nicht erleiden möchtest oder bei anderen tadelst, das tue selbst nicht!”

Im Abendland lautete für die alten Griechen die wichtigste ethische Frage: “Wie kann ich ein gutes Leben führen?” Dabei verstand man unter einem “guten Leben” ein glückliches und zufriedenstellendes Leben.

Die Sophisten

Die ersten Versuche, diese Frage zu beantworten, stammen von den Sophisten. Für diese Wanderlehrer war ein gutes Leben ein erfolgreiches Leben, wobei einige Sophisten unter “Erfolg” hauptsächlich politische Macht, andere Geld und wieder andere ein Leben in Genuss verstanden. Viele von ihnen behaupteten, andere das erfolgreiche Leben lehren zu können, und ließen sich diese Unterweisung bezahlen. Der Sophist Protagoras erklärt: “Der Mensch ist das Maß aller Dinge” – auch der sittlichen Normen.

Sokrates – Platon – Aristoteles

Sokrates gilt als der erste große Ethiker des Abendlandes. Seiner Meinung nach ist der Mensch von Natur aus gut – eine Auffassung, die im Gegensatz zur Erbsündenlehre des Christentums steht. Niemand tut freiwillig Böses, sondern nur aus Unwissenheit. Tugend ist Wissens. Wenn wir die Konsequenzen unseres Tuns ausreichend überlegen würden, könnten wir nicht schlecht handeln. Gut handeln bedeutet rational handeln. Auch gibt es im Menschen ein Daimonion, das Gewissen, welches uns sagt, was wir tun sollen. Sokrates fordert uns auf, stets der inneren Stimme zu folgen und so das Gute zu tun.

Auch bei Platon, dem berühmten Schüler von Sokrates, ist Tugend auf Einsicht gegründet. Lust ist nur Begleiterscheinung des Guten, nicht Prinzip. Höchste Tugend ist die Weisheit.

Aristoteles, der bedeutendste Schüler Platons tritt für das Maßvolle ein. Dies ist seine Lehre von der goldenen Mitte. Mut etwa steht zwischen den Extremen Tollkühnheit und Feigheit.

Der Hedonismus

Eine ganz andere Art von Ethik hatte ein Zeitgenosse Platons entwickelt: Aristipp(os) von Kyrene sieht, dass die Menschen Lust suchen und Unlust (Schmerz) meiden. Im Zentrum des Hedonismus (hedone, gr. = Lust) steht die sinnlich-körperliche Lust, die bei Essen, Trinken, Entspannung, Schlaf und sexueller Tätigkeit auftritt.

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