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Schwacher euro -starker dollar

Der Euro fällt und fällt. Immer weniger wird die neue europäische Währung im Vergleich zum Dollar und britischen Pfund wert. Kostete Anfang 1999 der Dollar nur 0,86 Euro, beträgt der Gegenwert jetzt rund 1,10 Euro. Experten beurteilen die Schwäche des Euro sehr unterschiedlich und geben verschiedene Prognosen. Im Folgenden zwei kontroverse Kommentare.

Der Euro braucht Gelassenheit

ES ist zum Verzweifeln: Nicht nur um die noch junge europäi­sche Wahrung steht es offenbar schlecht. In einer wirklichen Krise befinden sich vor allem die unzähligen klugen Analytiker und Kommentatoren, die tagtäglich nach plausiblen Gründen für die anhaltende Talfahrt des Euro suchen. Nein, schreiben sie beschwörend, der Euro sei keine Weichwahrung und die fundamentalen Daten sprachen eindeutig für eine baldige Wende. Das war im Juli vorigen Jahres so, als der Kurs zum Dollar bei 1,05 lag, das war so vor dem Sturz unter die magische Eins-zu-Eins-Marke und jetzt wieder. Nur die Euroskeptiker frohlocken. Diese „kränkelnde Frühgeburt" habe von Anfang an keine reelle Chance gehabt. Der Währungsraum sei viel zu heterogen, die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Mitglieder zu wenig koordiniert, die Konsolidierungsaufgabe noch keineswegs erledigt. Es werde demnächst die ersten Austritte aus dem Euro-Raum geben. Frankreich sei der erste Kandidat.

Nun, Papier ist geduldig und die Meinungsfreiheit ein hohes Gut. Aber Fakten zahlen auch. Man mag es kaum mehr sagen, aber es ist so: Der Euro ist bisher ein großer Erfolg. Nie zuvor war der Gleichschritt der europäischen Volkswirtschaften so groß, die Inflation so niedrig - niedriger als in den USA - und die Haushaltskonsolidierung in den Mitgliedsländern auf so gutem Weg. Die Ruten von Maa­stricht und Amsterdam wirken. Die Hoffnungen auf ein starkes Wirtschaftswachstum in Euroland für dieses und das nächste Jahr sind realistisch. Der niedrige Euro-Kurs hilft dabei, aber er ist nicht der wichtigste Motor. Und innerhalb der Eurozone müssen wir uns um die Wechselkurse nicht mehr sorgen. Kaum auszumalen wie es wäre, wenn die mächtigen internationalen Devisenspekulanten noch gegen die einzelnen europäischen Währungen, gegen die D-Mark oder den franzosischen Franc arbeiten wurden (...)

Zwei Aspekte werden bei der nervösen Deuterei über die Gründe für den Eurosturz heute oft übersehen. Der erste Kurs von 1,18 Dollar, mit dem der Euro vor sechzehn Monaten in die Markte geschickt worden ist, war deutlich überhöht. (...) Eine psychologische Rolle bei der Bewertung des Euro mag aber auch die Geschichte spielen. Der „Greenback" hat seine Rol­le als wichtigste Weltwahrung schon seit vielen Jahrzehnten überaus erfolgreich gespielt. Der Euro ist demgegenüber noch ein Firmling - für die meisten zudem noch virtuell, weil man ihn weder sehen noch anfassen kann.

Deshalb: Die Wende kommt bestimmt - und wenn sie kommt, werden die Märkte in die andere Richtung, zu Gunsten des Euro übertreiben. (...) Etwas mehr Gelassenheit wäre ratsam. Der Rückblick auf die Ge­schichte der Wirtschaft lehrt, dass manche Aufgeregtheiten später kaum mehr zu verstehen sind.

Heik Afheldt

Der Tagesspiegel

7.5.2000

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