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Lexikologie der deutschen Sprache (Theorie und Praxis). Учебно-методическое пособие по лексикологии немецкого языка направление подготовки 44.03.05 Пе

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Die meisten deadjektivischen Verben haben in der Regel einen Umlaut: kürzen, töten,
wärmen; auch bessern, reifen, faulen.
Die Adjektivierung ist im Deutschen möglich, doch nicht besonders produktiv. Am häufigs-
ten geschieht die Adjektivierung der Partizipien: ausgezeichnete Antwort, glänzende Idee.
Es ist sehr wichtig, verbale Partizipien (grammatische Formen des Verbes) von partizipialen
Adjektiven (Übergang der morphologischen verbalen Formen in eine andere Wortart) voneinander
zu unterscheiden.
Die Adjektivierung der Substantive ist wenig verbreitet: der Wert – wert, die Schuld – schuld,
der Freund freund, der Feind feind, der Ernst ernst;
Auch: Berlin – Berliner Universität, Moskau – Moskauer U – Bahn.
Die Adverbialisierung ist der Übergang der Wörter aus verschiedenen Wortarten in die Klas-
se des Adverbs. Hierher gehören vor allem adverbialisierte Kasusformen (morgens, abends,
freitags) sowie der Übergang von adjektivierten Partizipien in die Wortart des Adverbs.
Einige Präpositionen haben sich auch aus anderen Wortarten entwickelt:
1) aus Substantiven – kraft, laut ,trotz, statt, mittels, zwecks;
2) aus Partizipien – während, entsprechend, abgesehen, ausgenommen.
3. Die Zusammensetzung Die Zusammensetzung ist eine der ältesten und produktivsten Wortbildungsarten. Ein zu-
sammengesetztes Wort ist eine Konstruktion aus zwei oder mehreren Stämmen. Als unmittelbare
Bestandtteile treten aber immer zwei Stämme auf, die einfach, abgeleitet oder zusammengesetzt sein können. Die zusammengesetzten Wörter können einer beliebigen Wortart angehören.
Das zusammengesetzte Substantiv kann folgende morphologische Struktur haben: Sub. + Sub. – Hofhund, Tischlampe, Hemdhose Adj. + Sub. – Schwarzbrot, Graukopf Verbalstamm + Sub. – Schreibtisch Zahlwort + Sub. – Dreieck Adverb + Sub. – Zusammenhang Präposition + Sub. – Umwelt, Fürwort
Das zusammengesetzte Adjektiv:
Adj. + Adj. – dunkelrot, taubstumm Sub. + Adj. – grasgrün Verbalstamm + Adj. – merkwürdig Zahlwort + Adj. – zweigliedrig Pronomen + Adj. – diesbezüglich Präposition + Adj. – unterirdisch
Das zusammengesetzte Verb:
Verb + Verb – stehenbleiben Sub. + Verb – teilnehmen Adj. + Verb – freisprechen Adverb + Verb – fortfahren Es gibt auch zusammengesetzte Zahlwörter (zweihundert), Adverbien (auseinander), Präposi-
tionen (gegenüber).
Vom semantisch-syntaktischen Standpunkt aus unterscheiden sich folgende Arten von
Zusammensetzungen:
1) Attributive Zusammensetzungen (Bestimmungszusammensetzungen).
In attributiven Zusammensetzungen hat die erste Komponente die attributive Funktion (sie
bestimmt die zweite) und heißt Bestimmungswort. Die zweite Komponente, die von der ersten näher bestimmt bzw. ergänzt wird und Wortart sowie grammatische Charakteristik des ganzen Wor- tes bestimmt, heißt Grundwort.Die meisten Zusammensetzungen sind attributive Zusammensetzun-
gen, z.B.: Jahreszeit, Auslandsreise, Atomkraftwerk, Immunschwächekrankheit, Jahrhundert, fried- liebend, gleichberechtigt, feuerfest, inhaltsreich, wahrheitsgetreu, hochrot, körperwarm.
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2) Kopulative Zusammensetzungen.
Beide Komponenten sind semantisch gleichwertig. Die Verbindung zwischen diesen Elemen-
ten ist so lose, daß man dabei die Konjunktion und vermuten könnte, z.B.: Hemdhose, sauersüß, Fridrich-Schiller-Denkmal.
Kopulative Zusammensetzungen sind beim substantiv relativ wenig verbreitet.Das sind vor­wiegend Personenbezeichnungen (Dichterphilosoph), Bezeichnungen für Kleidungstücke (Strumpf- hose), geografische Namen (Schleswig Holstein).
Beim Adjektiv sind sie häufiger als beim Substantiv und bilden folgende semantische Grup­pen: Farbenbezeichnungen (schwarzrotgolden), Eigenschafts- und Zustandsbezeichnungen (nass- kalt), Bezeichnungen für Geschmacksempfindungen (sauersüß), Bezeichnungen, die sich auf Staa- ten und Sprachen beziehen (russisch-deutsches Wörterbuch).
Die Untersuchung der formalen Struktur der Komposita lässt drei Arten von zusammenge­setzten Wörtern unterscheiden:
eigentliche Zusammensetzungen;
uneigentliche Zusammensetzungen;
Zusammenrückungen.
Eigentliche Zusammensetzungen sind solche, deren Stämme keine Bindeelemente haben (Handtuch, Schreibtisch, himmelblau).
In uneigentlichen Zusammensetzungen sind die Komponenten durch ein Bindeelement verbunden. Als Bindeelemente treten folgende Laute bzw. Silben auf: -(e)s-, -(e)n-, -er-, -e- (Arbeitsplan, Sonnenstrahl). Ihrem Ursprung nach sind die Bindeelemente -(e)s-, -(e)n- Genitivfle­xionen, die Bindeelemente -er-, -e- sind entweder Reste der stammbildenden Elemente oder Pluralsuffixe und kommen selten vor.
Zusammenrückungen bilden eine besondere Art der Zusammensezung, eine lockere Verbin- dung mehrerer Wörter oder sogar eines kleines Satzes zu einer Einheit, wobei die Komponenten keine Veränderungemn erleiden.
Beim Substantiv sind das oft Imperativnamen. Das sind vorwiegend Personenbezeichnungen,
die umgangssprachlich und emotional gefärbt sind: Rührmichnichtan (Rühr mich nicht an), Spring- insfeld. Es gibt darunter Pflanzen- und Tierbezeichnungen: Vergissmeinnicht, Packan.
Zahlwörter sind strukturell gesehen auch Zusammenrückungen (zweihundert, dreunddreißig).
Dazu gehören auch Verben (teilnehmen, freisprechen, fortfahren).
4. Die Zusammenbildung
Von zusammengesetzten und abgeleiteten Wörtern ist ein besonderer Wortbildungstyp zu un- trerscheiden, den es in den früheren Perioden der deutschen Sprachgeschichte nicht gegeben hat, der aber in der deutschen Gegenwartsspracheeine immer größere Verbreitung findet. Das sind
Zusammenbildungen. Diese Wörter zeigen Merkmale der Zusammensetzung und Ableitung und entstehen auf der Basis von Wortgruppen durch die gleichzeitige Zusammensetzung und Ableitung (Suffigierung). Zusammenbildung als Wortbildungsart gibt es bei Substantiven und Adjektiven. Besonders produktive Suffixe, die Wortgruppen zum Wort formen, sind folgende:
-er, -ung, -e (bei Substantiven);
-ig, -lich (bei Adjektiven).
z.B.: Auftrag geben – Auftraggeber; Schuh machen Schuhmacher; Hilfe leisten Hilfeleis- tung; wahr scheinen – wahrscheinlich; fünf Jahre – fünfjährig.
5. Die Kurzwortbildung
Kurzwortbildung ist in der deutschen Gegenwartssprache eine produktive Wortbildungsart in allen Kommunikationsbereichen: im offiziellen und wissenschaftlichen Verkehr, in den Massen-
medien sowie im Alltagsverkehr. Sie besteht in der Verkürzug eines Wortes oder einer Wortgruppe auf die zum Verständnis unbedingt notwendigen Teile.
Man unterscheidet folgende Modelle von Kurzwörtern:
1) Initialwörter bzw. Akronyme (aus Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildete Kurz-
wörter). Sie werden entweder buchstabiert gesprochen z.B.: FHZ – Freihandelszone, PLZ – Post-
leitzahl, VIP – very important person = sehr wichtige Persönlichkeit, oder deren Bestanteile werden phonetisch zusammengezogen z.B.: UNO – United Nations Organisation.
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2) Kopf – oder Schwanzwörter, sogenannte Kontrakturen. In diesen Abkürzungen bleiben
nur Anfangs – oder Endsilben, z.B.: Ober – Oberkellner, Pulli – Pullover, Rad – Fahrrad, Bus –
Omnibus, Foto – Fotografie, Labor – Laboratorium.
3) Klammer– oder Klappwörter bestehen aus Anfangsteilen der Komponenten zusammen-
gesetzter Wörter oder Wortverbindungen, z.B.: Mofa – Motorfahrzeug, Azubi – Auszubildende,
Kripo – Kriminalpolizei.
4) Wörter, die einen Anfangsbuchstaben des ersten Elements einer Zusammensetzung bei Bei-
behaltung des Grundwortes enthalten, z.B.: U-Boot – Unterwasserboot, D-Zug – Durchgangszug
In der schriftlichen Form der Sprache gebraucht man viele Abkürzungen, die nur den graphi-
schen Charakter bewahren. Mündlich werden sie in der Vollform ausgesprochen: usw., bzw., d.h.,
Dr., ca., evtl.
Die Bedeutung der Kurzwörter entspricht völlig der Bedeutung der vollen Form. In der Spra­che werden die parallelen Formen vermieden, eine von denen ist überflüssig. Nur solche Abkürzun­gen werden in der Sprache beibehalten, deren Begriff im Sprachkollektiv aktuell bleibt und von
allen anerkannt wird. Die Kurzwörter, die als selbständige Wörter funktionieren, bereichern den
Wortschatz der Sprache.
Lektion 2.
Die Entlehnung
1. Allgemeines zur Art und Form der Entlehnungen
Unter dem Terminus Entlehnung versteht man sowohl den Entlehnungsvorgang, d.h. die Übernahme fremden Sprachgutes, als auch das Resultat diese Prozesses – das entlehnte fremde Sprachgut selbst.
Nach der Art der Entlehnung unterscheidet man:
1. Sach- und Wortentlehnungen;
Dabei werden fremde Wörter übernommen, deren Sachverhalte in der betreffenden Sprache neu oder unbekannt sind, z.B.: lat. Wein; engl. Hockey, Tennis; russ. Zobel.
2. Wortentlehnungen.
Dabei werden fremde Wörter übernommen, deren Sachverhalte in der entlehnenden Sprache
bereits durch eigene Wörter ausgedrückt sind, z.B.: d. Muhme – frz. Tante; d. Oheim – frz. Onkel.
Nach Entlehnungsform sind zu unterscheiden:
1. Fremdwortübernahme; dabei werden fremde Wortkörper in die entlehnende Sprache über­nommen. Das Ergebnis sind Fremdwörter vom Typ: Datsche – «Landhaus», Bungalow – «einstö­ckiges (Sommer)haus». Der parallele Terminus dazu ist formale Entlehnung.
2. Lehnprägung oder Lehnbildung besteht in der Nachbildung des fremden Inhalts mit heimi- schen Mitteln. Man unterscheidet hier folgende Unterarten:
a) Lehnübersetzung – Nachbildung der morphematischen Struktur von Fremdwörtern oder
fremden Wortgruppen: Wandzeitung (russ. стенгазета), Held der Arbeit (russ. Герой труда).
b) Lehnübertragung ist eine freie Wiedergabe der Morphemstruktur der entlehnten Wörter:
patria – Vaterland, отличник – Bestarbeiter.
c) Lehnbedeutung setzt voraus, dass für ein heimisches Wort die Bedeutung eines Fremdwor-
tes übernommen wird.
2. Soziale und linguistische Ursachen der Entlehnung
А. Soziale Ursachen
Die verlangsamte Überwindung des Feudalismus, die gescheiterte frühbürgerliche Revolution
(die Reformation des 16. Jhrs.) waren die historischen Ursachen für die späte und unvollkommene bürgerliche Entwicklung zur Herausbildung der deutschen Nation. Deutschland blieb im Laufe der
Jahrhunderte ein Land der Kleinststaaten und geriet infolgedessen in verschiedenen historischen
Perioden unter den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Einfluss anderer, höher entwickel- ter Länder.
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Diese sozial-historischen Ursachen geben Erklärung auch über Arten, Wege und Formen der
Entlehnung in verschiedenen Perioden der deutschen Geschichte.
Entscheidend für das Schicksal der übernommenen Lexik ist immer ein Zusammenwirken
konkreter historischer Umstände.
In erster Linie sind im lexikalischen System der deutschen Sprache Entlehnungen verwurzelt,
die Sach- und Wortentlehnungen waren und Sachverhalte einer höheren Entwicklungsstufe reprä-
sentierten, auf der sich eines der kontaktierenden Völker in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht
befand.
Das zeigte die erste Schicht der lateinischen Entlehnungen in den westgermanischen Spra­chen. Zurzeit hatten die Römer gerade den Höhepunkt in der Epoche der Sklaverei erreicht. Entlenungen waren deswegen Wörter, die Begriffe einer höher entwickelten materiellen Welt repräsen­tierten: z.B.: aus der Technik des Steinbaus: Mauer (mums), Keller (cellarium), Kammer (camera); aus Ackerbau, Garten-, Obst-, Weinbau: Frucht (fructus), Kohl (caulis), Kirsche (ceresia).
Im 7. und 8. Jh. wurden die deutschen Stämme weit christianisiert. (Die Christianisierung der
Germanen erfolgte seit dem 5. Jh.). Ein bedeutender Schub lateinischer Entlehnungen erfolgte bis zum 11. Jh. auch infolge der in den Klostern gepflegten Bildung und des Unterrichts: Kirche (griech. Kyriakon), Engel (griech. angelos), Teufel (griech. diabolos), Altar (lat. altare), Tafel (lat. tabula), schreiben (lat. schribere).
Die dritte starke Schicht lateinischer Entlehnungen ins Deutsche erfolgte im Zeitalter des Humanismus (14.-16. Jh.). Die Orientierung an den antiken Sprachen, vor allem an dem klassischen Latein dieser Zeit macht sich auf vielen Gebieten bemerkbar (im Fachwortschatz des Buchdrucks,
der Musik, des staatlichen Lebens, der Kirche), aber insbesondere im Wortschatz der Universitäten und der höheren Schule: Aula, Auditorium, studieren, Professor, Examen, Fakultät, Rektor.
Die lateinischen Entlehnungen aus der humanistischen Gelehrsamkeit bestehen auch in mo-
dernen Fachwortschätzen, z.B.: im Buchdruck, in der Mathematik. Zahlreiche Termini werden aus dem Lateinischen, Griechischen oder durch eine Kombination der beiden gebildet: Kosmodrom,
Kosmographie, Kosmovision, Television.
Soziale Faktoren waren in der geschichtlichen Entwicklung Deutschlands bestimmend für starke Entlehnungen aus dem Französischen. Hier waren 3 Perioden zu nennen:
Die erste erfolgte im Mittelalter (vom 12. bis 14. Jh.) im Zusammenhang mit dem Einfluss des französischen Rittertums. Kultur, Lebenshaltung, höfisches Leben nur eines Standes – des Rit­tertums – repräsentierten Sach- und Wortentlehnungen. Die Mehrzahl davon verschwand mit dem
Untergang des Rittertums. Geblieben sind Wörter, die mehr oder weniger allgemeine Begriffe ausdrückten, und Bezeichnungen aus Sonderbereichen, die entweder als Historismen im Wortbe- stand geblieben sind, oder bis heute Benennungen aktueller Gegenstände: Tanz, Manier, fein, klar,
prüfen, Platz, Preis, Abenteuer, Palast, Turm, Pavillon, Turnier, Panzer, Kristall, Rubin, Smaragd, Samt.
Die zweite starke Entlehnungsschicht aus dem Französischen bildete sich gegen Ende des 16. und im 17. Jh. Die sozialen Ursachen sind im Einfluss des französischen Absolutismus auf die herr- schenden Klassen, den Adel und das Patrizität, zu suchen. Diese Periode umfasst einen reichen Wortschatz aus verschiedenen Bereichen: Architektur und Möbel, Bau- und Gartenkunst, Essen und
Trinken: Galerie, Loge, Fassade, Balkon, Nische, Möbel, Sofa, Buffet, Kostüm, Perücke, Torte,
Omelette, Sauce, marinieren, Ballett, Ball, Maskerade, Dame.
Die dritte Schicht war eine Folge der Französischen bürgerlichen Revolution. Die Schlag-
wörter der Revolutionsbewegung wurden auch im Deutschen in Form von Fremdwörtern oder Leh- nübersetzungen rasch geläufig: Revolution, liberal, Terrorismus, Jakobiner, Bürokratie, Demokrat,
Fortschritt, Organisation, Fraktion, öffentliche Meinung.
Entlehnungen aus dem Italienischen waren nicht so zahlreich wie aus dem Französischen. Sie umfassen 2 historische Abschnitte:
1) vom 14. bis 16. Jh. – Entlehnungen, die mit den engen Handelsbeziehungen Süddeutsch-
lands mit Oberitalien verbunden waren: Bank, Konto, Kredit, Risiko..
2) das 17. Und das 18. Jh. brachten fast ausschließlich Fachwörter der Musik: Oper, Konzert,
Mandoline, Arie, Solo, Bariton, Duett, Operette, Sopran.
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Entlehnungen aus dem Englischen traten gegen Ende des 18. und im 19. Jh. auf. Aus dem Bereich der Technik wurden entlehnt: Ventilator, Koks, Patent, patentieren; aus Finanz- und Hand­lungsbeziehungen: Scheck, Banknote, Budget, Export; aus der Politik: Koalition, Kolonisation,
Kongress, Opposition, Meeting; aus Haushalt und anderen Lebensbereichen: Beefsteak, Brandy, Pony, Bulldogge, boxen, Boxer, Farmer, Klub u.a.
Englische Entlehnungen reißen bis ins 20. Jh. nicht mehr ab.
Seit dem Beginn des 20. Jhs., besonders nach dem zweiten Weltkrieg, sind Entlehnungen aus dem amerikanischen Englisch (Amerikanismen, bzw. Anglo-Amerikanismen) zu verzeich- nen: Job, Hobby, Make-up, Teenager, Hitparade u.a.
Entlehnungen aus slawischen Sprachen umfassen 3 Perioden. Die erste bezieht sich auf die
ältere Zeit vom 11. bis 14. Jh. Das sind Bezeichnungen von Handelsobjekten, Lebensmitteln: Zobel, Stieglitz, Zeisig, Quark, Gurke.
Die zweite Periode umfasst die Zeit vom 17. bis 19. Jh. Diese Entlehnungen beruhen teils
auf dem Einfluss der russischen Literatur, teils auf der Übernahme bestimmter Gegenstände: Grippe
(Heiserkeit – хрип), Steppe, Tornister, Droschke, Kalesche.
Die Entlehnungen der dritten Periode sind eng mit der Oktoberrevolution und mit dem Aufbau des Sozialismus in der DDR 1945 verbunden: Volkswirtschaftsplan, Wandzeitung, Kultur- haus, u.a.
В. Linguistische Ursachen
Zu linguistischen Ursachen der Entlehnung gehören:
a) der jeweilige Entwicklungsstand des semantischen Systems einer entlehnenden Spra- che. Durch zahlreiche romanische Entlehnungen wurden thematische Reihen, thematische Gruppen bzw. lexikalisch-semantische Gruppen der deutschen Sprache aufgefüllt. So wurde die thematische
Gruppe der Farbbezeichnungen durch Entlehnungen aus dem Französischen erweitert: lila, beige, orange, violett, azurn.
b) die Auffüllung thematischer Reihen und lexikalisch-semantischer Gruppendurch Ent- lehnungen expressiver Synonyme aus anderen Sprachen:
kapieren (lat.) zu begreifen, verstehen, krepieren (ital.) zu sterben, verrecken; Visage (franz.) zu Gesicht.
c) der Bedarf an euphemistischer Lexik.
Das lexikalisch-semantische System des Deutschen verfügt über eine bedeutende Anzahl von ethischen und sittlichen Euphemismen fremden Ursprungs: korpulent (lat.) für dick.
3. Die Assimilation der Entlehnungen
Die Entlehnungen verändern sich im deutschen, sie passen sich dem System der deutschen Sprache an. Diesen Prozess nennt man die Assimilation der Entlehnungen. Fremdwörter, die in eine andere Sprache mit ihrer äußeren Form übernommen werden, passen sich bekanntlich dem System
der entlehnenden Sprache in Lautung, Schreibweise, Formenbildung sowie Bedeutung an. Man un­terscheidet in diesem Zusammenhang phonetische, orthographische, grammatische und semantische Assimilation.
Die lautliche Assimilation besteht darin, dass die Entlehnungen nach den Regeln der deut­schen Orthoepie ausgesprochen werden. Fremde Phoneme werden wie entsprechende deutsche Phoneme gesprochen. Der Vergleich des Phonembestandes des gleichen Wortes in der Quellenspra­che und im Deutschen ergibt, dass es bei der lautlichen Assimilation in erster Linie um einen Lau­tersatz geht. Die Entlehnungen haben oft auch eine andere Wortbetonung als in der Herkunft (Stu`dent, Ka`ffee).
Die orthographische Assimilation bedeutet Anpassung im Schriftbild (Büro statt Bureau, Telefon statt Telephon) sowie Großschreibung der Substantive.
Die grammatische Assimilation besteht in der Veränderung der grammatischen Charakteristik
des Fremdwortes. So erhalten entlehnte Substantive ein neues grammatisches Geschlecht. Das Geschlecht eines Fremdwortes bestimmen zwei Faktoren: die Wortstruktur und das Geschlecht
bedeutungsähnlicher heimischer Wörter. So sind im Deutschen französische Entlehnungen auf -age
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weiblichen Geschlechts im Unterschied zum Französischen und zum Russischen. Die morphologi- sche Assimilation betrifft auch die Formenbildung. So ist für Fremdwörter die Pluralbildung mit
Hilfe des Suffixes -s charakteristisch, das in vielen Fällen das einzige Merkmal fremder Herkunft des Wortes ist. Vorhandene Doppelformen (Kollektivs – Kollektive, Parks – Parke) zeugen davon, dass die morphologische Assimilation der betreffenden Wörter noch nicht abgeschlossen ist.
Die semantische Assimilation des entlehnten Wortgutes besteht in der Einwirkung des deut­schen lexisch-semantischen Systems auf das entlehnte Wort. Sie betrifft das semantische Verhältnis zwischen deutschem Stammwort und Fremdwort (es handelt sich dabei um so genannte Wortent­lehnungen). Da die Sprache keine Dubletten duldet, muss sich das Fremdwort vom Stammwort begrifflich bzw. stilistisch unterscheiden. So unterscheidet sich die englische Entlehnung happy vom Stammwort glücklich durch die begriffliche Bedeutungskomponente «außer sich vor Freude» und durch das stilistische Sem «umgangssprachlich».
Es sind verschiedene Stufen der Assimilation zu unterscheiden:
1. Vollständige Assimilation des entlehnten Wortes. In diesem Fall passt sich das Wort
allmählich dem phonetischen und grammatischen System der deutschen Sprache vollständig an und
unterscheidet sich gar nicht vom allgemeinen deutschen Wortschatz: Fenster, Tisch, Stiefel, Schule, Tafel. Aussprache, Betonung, morphologische Form verraten nicht mehr die fremde Herkunft dieser
Wörter.
2. Unvollständige Assimilation des entlehnten Wortes.
Darunter unterscheidet man:
a) Solche Wörter, in denen nur Betonung die fremde Herkunft verrät. Sie fällt meist auf
Suffix, was für echt deutsche Wörter nicht typisch ist. Was die orthografische und morphologische Merkmale anbetrifft, so sind die Wörter in dieser Hinsicht völlig assimiliert: Maschine, Fabrik,
Student.
b) Manche Wörter bewahren noch einige andere fremdsprachige Kennzeichen: Suffixe, Präfi­xe, einzelne orthographische und phonetische Besonderheiten: Archivarius, amoral, Villa, Garage. Hier haben wir es mit einem schwächeren Grad der Assimilation als im ersten Fall zu tun.
c) Es gibt auch Fälle, in denen die fremde orthographische und zum Teil phonetische Gestalt
völlig beibehalten ist, die morphologische Assimilation aber durchgeführt wird. Die fremdartige Gestalt des Wortes ist hier noch deutlich ausgeprägt: Ingenieur, Gentlemen, happy, Job, Joint-
Venture, Niveau.
3. Es gibt auch völlig unassimilierte Wörter. Das sind solche, die im Deutschen in ihrer
unveränderten fremden Gestalt vorkommen: fifty-fifty, tet-a-tet, nota bene, fortissimo.
Die Assimilation von Fremdwörtern ist ein sehr langsamer und schwieriger Prozess. Je früher die Entlehnung vor sich gegangen ist, je gebräuchlicher das entlehnte Wort ist, desto schneller und vollständiger lässt es sich assimilieren.
4. Die Klassifikation des entlehnten deutschen Wortguts
Die traditionelle Klassifikation der Entlehnungen, die von deutschen Germanisten stammt (H. Hirt, O. Behaghel, F. Wrede u.a.), wird seit Beginn des 20. Jhs. allgemein gebraucht. Demzu­folge wird das entlehnte Wortgut in zwei Gruppen eingeteilt:
1. Lehnwörter (ассимилированные, освоенные заимствования).
2. Fremdwörter (иноязычные, иностранные слова).
Als Lehnwörter sind Entlehnungen anzusehen, die im Deutschen vollig assimiliert sind. Sie haben sich dem Deutschen in Lautgestalt und Betonung, in Flexion und Schreibung völlig an­gepasst, z.B.: Mauer, Strafe, Schule. Fremdwörter dagegen haben ihren fremdsprachlichen Cha­rakter bewahrt, sie fallen durch einige Merkmale auf, z.B. Milieu, Interview, Jogging.
Zu Lehnwörtern gehören einige Schichten:
1) die ältesten Wörter keltischen Ursprungs: Amt, Eisen, Reich;
2) lateinische und griechische Entlehnungen der voralthochdeutschen und althochdeutschen
Periode: Fens-ter, Ziegel, Kalk, Wein; der Epoche der Christianisierung: Kloster, Monch, Nonne, Schule, Tafel, Tinte;
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3) Entlehnungen aus dem Französischen der mittelhochdeutschen Periode (tanzen, Banner,
Lanze), des 16. und 17. Jhs. (Tasse, Weste, Onkel, Tante);
4) slawische Entlehnungen: Grenze, Gurke, Quark;
5) italienische Entlehnungen: Kapelle, Oper, Konzert;
6) englische Entlehnungen: Film, Sport, Streik;
7) aus anderen Sprachen entlehnte Wörter: Tee, Reis, Zucker.
Wie man sieht, liegt der traditionellen Klassifikation der Grad der formalen Anpassung zu Grunde. Deshalb wurde die Unterscheidung in Lehn- und Fremdwörtern aus historischer, diachroner Sicht vorgenommen und mit dem Kriterium der Entstehungszeit verbunden. Alle Ent-
lehnungen bis zum 15. Jh. werden als Lehnwörter, diejenigen vom 16. Jh. ab (nach 1500) als Fremdwörter betrachtet. Dieser Klassifikation wird Unlogik und Inkonsequenz mit Recht vorgewor­fen. Wörter wie Film, Sport, Streik wurden in den deutschen Wortbestand im 19. Jh. aufgenommen, sind völlig assimiliert (d.h. sie sind Lehnwörter), aber trotzdem werden sie laut Klassifikation als Fremdwörter behandelt.
Die Klassifikation von L. Zinder und T. Strojeva. In der modernen Wortforschung steht
die synchrone Betrachtung der Entlehnungen im Vordergrund. Der erste Versuch, entlehnte Wörter
aus neuer Sicht zu behandeln, wurde von den einheimischen Linguisten L. Zinder und T. Strojeva unternommen. Alle Lehnwörter lassen sich nach dieser Klassifikation in drei Gruppen teilen:
1) deutsche Wörter sind vollständig assimilierte und dem deutschen Wortschatz völlig
verschmolzenen Lehnwörter: Fenster, Keller, Tisch, Straße, Pflanze.
2) Internationalismen sind Wörter fremder Herkunft, die vielen Sprachen der Welt eigen
sind und bestimmte Begriffe der Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Technik, Kultur und
Kunst ausdrücken. Die Internationalismen sind allgemeinverständlich und sehr gebräuchlich: Atom, Barometer, Demokratie, Politik, Universität. Internationalismen unterscheiden sich in verschiede-
nen Sprachen durch unbedeutende spezifische phonetische, orthographische und morphologische Besonderheiten: Student.
3) Fremdwörter.
Zur dritten Gruppe gehören Entlehnungen, die a) Merkmale fremdsprachiger Herkunft aufbe­wahrt haben, aber zu Internationalismen nicht geworden sind b) parallel zu deutschen Synonymen
existieren, c) schwache wortbildende Produktivität und d) manchmal eine spezifische lexikalische
Bedeutung haben: Gentleman, Journal, Spleen, happy.
5. Der deutsche Purismus
Mit dem Terminus Purismus bezeichnet man eine Bewegung für Fremdwortbekämpfung, für die Reinigung der deutschen Sprache.
Der Purismus des XVII. und XVIII. Jh. ist in der Geschichte der Sprache als der positive Purismus bekannt. Er wurde auf die Festlegung der schriftlichen Norm der deutschen Nationalspra-
che gezielt, auf die Beseitigung der in der Zeit vorherrschenden Fremdwörter lateinischer und fran- zösischer Herkunft, die in der Zeit vorherrschend waren.
Unter den Puristen des XVII. Jhs. kennzeichnen sich Zesen und Schottel. Ihre wohlgelunge­nen Verdeutschungen auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft sind auch heute bekannt:
Mundart statt Dialekt, Sprachlehre statt Linguistik, Wörterbuch statt Lexikon, Strichpunkt statt Semikolon; auch: Jahrhundert statt Saculum, Lustspiel statt Komödie, Trauerspiel statt Tragö- die (Schottel), Anschrift statt Adresse, Augenblick statt Moment, Bollwerk statt Bastion, Bücherei statt Bibliothek, Gesichtskreis statt Horizont, Grundstein statt Fundament, Nachruf statt Nekrolog u.a. (Zesen).
Der Mangel dieser Welle an der puristischen Reinigung bestand darin, dass die Puristen auch völlig assimilierte Wörter zu verdeutschen versuchten, z.B.: Tageleuchter statt Fenster, Zeugemutter aller Ding statt Natur, Schauburg statt Theater, Dichterling statt Vers.
Die Tatigkeit dieser Gesellschaften brachte keine großen Ergebnisse, sie bereitete aber den Boden für die Sprachpolitik in der weiteren Zeit der bürgerlichen Aufklärung im XVIII. Jh.
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Der Purismus des XVIII. Jhs. verlief unter dem Einfluss der französischen Revolution 1789
und unter dem Banner der Aufklärung. Davon zeugt die Tatigkeit von Joachim Heinrich Campes (1746-1818), die auf die Veröffentlichung des Verdeutschungswörterbuches gerichtet wurde, in dem er die Art der Verdeutschungen vorgezeigt hatte. Fremdwörter wurden nicht bloB ver­deutscht, sondern mit Erklärung und Erläuterung versehen.
Die Verdeutschungen Campes, die im deutschen Wortschatz verankert waren: Ausflug statt Exkursion, befähigen statt qualifizieren, buchen statt registrieren, Weltall statt Universum, Lehr- gang statt Kursus, Stelldichein statt Rendezvous.
Aber es gibt auch Bildungen, die als puristische Missgriffe bezeichnet werden konnen: Süß- chen statt Bonbon, Griffbrett statt Klavier, Anderswo statt Alibi und andere.
Der reaktionäre Purismus des XIX.-XX. Jhs., hat im deutschen Wortbestand ernste Spuren hinterlassen. Sein Ziel war: «Kein Fremdwort für das, was ebensogut deutsch gesagt wenden kann». Zu diesen Zwecken wurden einige Verdeutschungswörterbücher herausgegeben, vor allem das ultrapuristische Werk von E. Engel «Entwelschung» (1918).
Post: Schiffsgrabe statt Kanal, Briefumschlag statt Kuvert.
Eisenbahn: Fahrkarte statt Bilett, Bahnsteig statt Perron, Abteil statt Coupe, Schaffner statt Kondukteur, Fahrgast statt Passagier.
Armee: Hauptmann statt Kapitän, Vorhut statt Avantgarde.
Theater, Kunst: Uraufführung statt Premiere, Zuschauer statt Publikum, Schriftleiter statt Redakteur.
Es gab einige Synonyme: Fernsprecher – Telefon, Tatsache – Fakt.
Die Fremdwortbekämpfung wurde auf ämtlichem Wege unterstützt. Es war ein großes Ver­dienst der Linguisten, dass viele Internationalismen und assimilierte Fremdwörter durch Ersatzwör-
ter nicht verdrängt waren, weil sie wortbildend produktiv sind, z.B.: der Export – exportieren, Exportartikel, Exporthandel, Exportfracht, Exportkredite, Exportüberschuss, Exportland.
Lektion 3.
Bedeutungswandel
1. Die Ursachen und Arten des Bedeutungswandels
Der Bedeutungswandel ist einer der Wege der Bereicherung des deutschen Wortschatzes.
Unter dem Bedeutungswandel versteht man die Veränderung der Bedeutung schon existierender Wörter.
Die Ursachen des Bedeutungswandels können außersprachlich.
(extralinguistisch) oder sprachlich (intralinguistisch) sein.
Extralinguistische Ursachen:
1) Die gesellschaftliche Entwicklung lässt neue Begriffe entstehen;
2) Der Sachwandel (Veränderung der Gegenstände) ruft in sprachlichen Zeichen den Bedeu-
tungswandel hervor.
Intralinguistische Ursachen:
1) Das Ziel der sprachlichen Tätigkeit:
a) das Streben nach Ausdrucksverstärkung (nach dem Affekt);
b) das Streben nach Ausdrucksabschwächung (Euphemismus),
2) Die Wechselbeziehungen zwischen dem allgemeinen Wortschatz und dem Fach und Son-
derwortschatz:
a) Spezialisierung der Bedeutung beim Wechsel eines Wortes aus der Allgemeinsprache in die Gruppensprachen;
b) Generalisierung (Verallgemeinerung) der Bedeutung beim Übergang eines Wortes aus der Berufssprache in die Allgemeinsprache.
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Die wichtigste Ursache des Bedeutungswandels liegt in der Sprachökonomie. Unzählige
Gegenstände und Erscheinungen der objektiven Realität mit ihren wesentlichen und unwesentlichen Merkmalen müssen bezeichnet werden. Wenn aber für jeden Gegenstand und für jeden Begriff spezielle Wörter existierten, so würde das für das menschliche Gedächtnis eine ungeheure Belas­tung bedeuten. Das würde sich auf das Funktionieren der Sprache als kommunikativen Mittels negativ auswirken. Die Fähigkeit vorhandener Wörter, neue Bedeutungen zu übernehmen, kommt
dieser Schwierigkeit entgegen.
2. Die Übertragung der Namensbezeichnung
Als Hauptart des Bedeutungswandels gilt die Übertragung der Namensbezeichnung (Der Be­nennung des Gegenstandes) von einem Gegenstand auf einen anderen, von einer Erscheinung auf eine andere.
Es gibt zwei Arten der Namensübertragung: metaphorische und metonymische.
Poetische Metaphern und Metonymien gehören dem Gebiet der Stilistik an. Die lexikalischen Metaphern und Metonymien dagegen schaffen neue Bedeutungen der Wörter, sie ermöglicht die Bezeichnung neuer Gegenstände und Erscheinungen durch schon existierende Wörter, was zur
Mehrdeutigkeit führt und dadurch den Wortschatz der Sprache bereichert.
Die Übertragung auf Grund der Ähnlichkeit ist die metaphorische Übertragung. Es gibt verschiedene Abarten der Ähnlichkeit, die die metaphorische Übertragung hervorrufen können:
1. Ähnlichkeit der Form, z.B.: Schlange = 1) Schuppentier 2) lange Menschenreihe; auch:
der Kopf (des Menschen, eines Nagels); Rücken (eines Menschen, eines Messers) usw.
2. Ähnlichkeit der Farbe, z.B.: Scharlach 1) eine Stoffsorte von grellroter Farbe 2) eine an-
steckende Kinderkrankheit.
3. Ähnlichkeit eines inneren Merkmals, z.B.: hartes Wort, harte Stimme; bitteres Gefühl, bit-
tere Worte, bitterer Spott, bitterer Blick.
4. Ähnlichkeit der Charakterzüge oder des Äußeren, z.B.: Othello=ein eifersüchtiger Mann,
Venus =eine schöne Frau.
Auf Grund solcher Ähnlichkeit werden oft Tiernamen auf Menschen übertragen, z.B.:
die Gans =eine dumme Frau.
5. Ähnlichkeit der Funktion, z.B.: Der Fuß (des Menschen, des Berges, eines Gefäßes).
6. Eine besondere Art der Metapher ist die Personifizierung – die Übertragung der Eigen-
schaften eines Lebewesens auf Gegenstände und Erscheinungen: die Uhr geht, der Wind erhebt sich, die Augen sprechen.
7. Noch eine Sonderart der Metapher ist Synästhesie, d.h. die Übertragung von einem
Sinnesbereich auf einen anderen, z.B.: von akustischer zur optischer Wahrnehmung: schreiende Farben, von optischer zur akustischen Wahrnehmung: eine helle Stimme.
Unter der Metonymie versteht man die Übertragung der Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen auf Grund eines logischen Verhältnisses. Bestimmte räumliche, zeit- liche, stoffliche, kausale und andere Verhältnisse liegen der metonymischen Übertragung zugrunde!
Dadurch entstehen verschiedene Abarten der Metonymie:
1. Namensübertragung auf Grund der Beziehung zwischen dem Ganzen und dessen Teil.
Diese Abart der Metonymie wird Synekdoche genannt. Man unterscheidet zwei Abarten der Synekdoche: die Übertragung vom Teil auf das Ganze und vom Ganzen auf den Teil.
a) Die Hauptabart der Synekdoche ist die Namensübertragung vom Teil auf das Ganze, wo der Teil genannt, das Ganze aber gemeint: kluger Kopf = kluger Mensch, vier Wände = das Haus, die Wohnung.
b) Die zweite Abart der Synekdoche besteht darin, dass das Ganze genannt, aber der Teil gemeint wird, also das Ganze vertritt den Teil: die gestrige Gesellschaft = ein paar Menschen;
die ganze Welt klatschte Beifall = eine Gruppe von Menschen.
2. Die Namensübertragung vom Raum auf die sich dort befindlichen Personen: das ganze
Auditorium = alle Zuhörer, Stadt = Einwohner, Theater = Zuschauer.
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3. Die die Namensübertragung vom Behälter auf das. was sich darin befindet: Flasche =
Bier, Wein; Tasse = Tee, Kaffee.
4. die Namensübertragung von einem Kleidungsstück auf einen Körperteil: Sohle = 1) der
untere Teil eines Schuhes 2) untere Oberfläche des Fußes.
oder von einem Körperteil auf ein Kleidungsstück: Kragen = 1) urspr. Hals 2) ein Teil der
Kleidung.
5. Die Übertragung von der Benennung des Ortes auf das, was dort verfertigt wird: Mokka,
Havanna, Champagner, Eau de Cologne usw.
6. Die Übertragung vom Namen des Schöpfers auf sein Werk.: Ohm – physikalische Maßein-
heit (nach dem Namen des Physikers G.S. Ohm), Zeppelin – das starre Luftschiff (nach seinem Erfinder F. Zeppelin), Mansarde (nach dem Namen des französischen Baumeisters Francois Man­sard), Gobelin (nach dem Pariser Weber J. Gobelin, der diese Art des Webstoffes erfunden hat), Guillotine (nach dem Pariser Arzt Guillotin, der diese Hinrichtungsmaschine zur Zeit der französi-
schen bürgerlichen Revolution erfunden hat).
7. Die Übertragung vom Stoff auf den Gegenstand, der daraus verfertigt wird: das Glas =
1) das Material 2) das Gefäß; Aquarelle = 1) Bezeichnung der Farbe 2) Gemälde; Brille (Beryll).
8. Die Übertragung von der Handlung auf das Resultat der Handlung: Sammlung, Zeichnung.
9. Andere: Schönheit.
3. Die Verengung und die Erweiterung der Bedeutung
Eine Art des Bedeutungswandels ist die Veränderung des semantischen Umfangs des Wortes.
Im Entwicklungsprozess kann sich der Bedeutungsumfang des Wortes erweitern oder verengen.
Verengung der Wortbedeutung entsteht als Ergebnis der semantischen Entwicklung eines Wortes vom Allgemeinen zum Einzelnen, vom Abstrakten zum Konkreten. Die Verengung des Be­deutungsumfangs führt auch die Begrenztheit des Gebrauchsgebiets des Wortes mit sich.
z.B.: Hochzeit = ursp. Fest = Fest der Vermählung
Bild = ursp. etwas von Menschenhand Geformtes, Gestaltetes = Gemälde.
Erweiterung der Wortbedeutung ist das Resultat der Entwicklung des semantischen Umfangs des Wortes vom Einzelnen zum Allgemeinen, vom Konkreten zum Abstrakten. Die Bedeutung des Wortes erweitert sich, und das Wort selbst beginnt einen weiteren Begriff zu bezeichnen.
z.B.: Öl = ursp. Olivenöl = verschiedene Ölarten
Gefährte = ursp. Reisegefährte, Reisebegleiter = Helfer, Freund, Lebensgefährte, Begleiter.
Erweiterung und Verengung der Bedeutung bereichern den Wortschatz der deutschen Sprache
hauptsächlich qualitativ, denn diese Art des Bedeutungswandels schafft keine neuen Wörter, son- dern verändert den semantischen Inhalt der schon in dem deutschen Wortbestand existierenden Wörter.
Die Wörter mit erweiterter oder verengter Bedeutung können den Wortbestand der deutschen
Sprache manchmal auch quantitativ bereichern, indem sie als Basis für die Bildung neuer Wörter und Wortverbindungen dienen, z.B.: fertig – verfertigen – Fertigkeit – mit etwas fertig werden.
4. Die Wertsteigerung (die Verbesserung) und die Wertverminderung (die Verschlimme-
rung) der Wortbedeutung
Unter der Wertsteigerung der Bedeutung verstehen wir solch einen Prozess, demzufolge das Wort eine neue, bessere Bedeutung bekommt, z.B.: Arbeit = ursp. Mühsal, Not.= zweckmäßige Be­schäftigung. Die Bedeutung «zweckmäßige Beschäftigung» tritt allmählich an die erste Stelle, die Bedeutungen «Mühsal, Not» werden verdrängt und gehen schließlich verloren.
Unter der Wertverminderung der Bedeutung verstehen wir solch einen Prozess des Bedeu­tungswandels, demzufolge das Wort eine andere in ihrem Wert verminderte Bedeutung bekommt, z.B.: stinken = einen angenehmen oder unangenehmen Geruch von sich geben, duften. Dann hat
das Wort seine Bedeutung verschlimmert und sich jetzt auf üblen Geruch beschränkt: stinken = einen unangenehmen Geruch von sich geben.
Tölpel = ursp. Dorfbewohner = ein ungeschickter, täppischer Mensch;
Gift = ursp.jede beliebige Gabe = jeder chemische Stoff mit schädlicher Wirkung.
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