Практикум по немецкому языку. Учебное пособие
.pdfgegen Veränderungen ist zu stark. In diesem Fall tendiert ein Teil der
Protestbewegung dazu, sich zu institutionalisieren, um dauerhaft Einfluss auf die Politik auszuüben – sei es als Verband oder als Partei. Aus der Protestbewegung wird ein organisierter, professioneller Akteur auf der politischen Bühne.
Protestbewegungen und soziale Bewegungen, die als Protestbewegungen entstanden sind, institutionalisieren sich zum einen, weil das anfangs präferierte
Modell loser, nichthierarchischer und nichtprofessioneller Organisation nicht dauerhaft aufrechtzuerhalten ist. Zum anderen versuchen sie, durch Institutionalisierung geregelten Zugang zu den Informationsmedien und den konventionellen Politikformen zu erlangen. Sie nutzen die Institutionalisierung zur
Entwicklung neuer Formen der Mobilisierung ihrer Anhängerschaft und zugleich zur Kanalisierung des „Basisprotests“. Eine zwangsläufige Begleiterscheinung ist die Professionalisierung der „Protestpolitik“ in der Hand von Experten, bezahlten „Funktionären“ und Berufspolitikern. Die Mehrheit der Anhängerschaft der ursprünglichen Protestbewegung findet sich im Laufe der Zeit in einer ähnlichen Rolle wieder, wie „normale“ Parteioder Verbandsmitglieder.
3.Eine dritte Variante ist die Radikalisierung des Protests (Porta/Rucht, 1991) bis hin zur politischen Militanz und zum Terrorismus, wie ihn die Bundesrepublik in den 1970erund 1980er-Jahren erlebt hat.
4.In den letzten Jahrzehnten bilden sich, angestoßen durch die wirtschaftliche Globalisierung und, im Kontext der Europäischen Union, die wachsende Europäisierung immer weiterer Bereiche von Politik und Gesellschaft neue Protestmuster heraus, die grenzüberschreitend und jenseits nationaler Politikarenen agieren und dabei häufig weltweit beachtete Ereignisse und Veranstaltungen oder Treffen führender Politiker als Foren für ihre Aktivitäten benutzen.
Unter den angesprochenen Formen politischer Beteiligung ist der politische Protest diejenige, die am deutlichsten auf reale oder subjektiv empfundene Defizite in einer demokratischen Gesellschaft aufmerksam macht. Er ist zugleich die Form der Partizipation, der die geringste Legitimität zuerkannt wird. Als Indikator für Fehlentwicklungen ist er aber grundsätzlich ebenso wichtig, wie andere, allgemein anerkannte Formen politischer Beteiligung.
1.Wie viel Verlaufsund Institutionalisierungsmuster politischen Protests in Demokratien lassen sich herausarbeiten?
2.Was stellt die erste Variante vor?
3.Welches Muster gibt es zu zweit?
4.Was ist die dritte Variante?
5.Auf welche Weise ist der vierte Vorlauf ist mit der Globalisierung und
Europäisierung verbunden?
6.Auf welche Defizite in einer demokratischen Gesellschaft macht der politische Protest aufmerksam?
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Das Problem des Adressaten politischen Protests
In demokratischen politischen Ordnungen ist der Adressat zwar primär „der Staat“, aber nicht nur der Staat. Sowohl die Ursachen des Protests als auch Entscheidungen, die zu ihrer Beseitigung führen können, liegen nicht allein in den Händen der staatlichen Verwaltung oder der Parlamente. Hier sind in je unterschiedlicher Weise eine Vielzahl von Institutionen und Akteuren involviert: Sind es die Energieunternehmen, die auf die Nutzung der Atomkraft setzen, oder ist es die Politik, die durch ihre Entscheidungen und die Gesetzgebung eine bestimmte Art von Unternehmensentscheidungen beeinflusst oder determiniert? Ist es der Bundesgesetzgeber, der durch die Einschränkung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall politisch haftbar ist, oder die Unternehmen, die in
Tarifvereinbarungen mit den Gewerkschaften die gesetzlich eingeräumten Möglichkeiten nutzen oder darauf verzichten? Sind die Hochschulen für die schlechten Studienbedingungen und überlange Studienzeiten verantwortlich, oder die Politik, die ihnen nicht die nötigen Mittel zur Verfügung stellt und die staatliche Verwaltung, die ihre Handlungsfähigkeit bürokratisch beschneidet? Sind die Kommunen für die Verschlechterung kommunaler Leistungen verantwortlich zu machen, oder der Gesetzgeber, der ihnen immer mehr finanzielle Bürden auferlegt, ohne für eine finanzielle Kompensation Sorge zu tragen?
Die Tarifpartner, private und öffentliche Unternehmungen, öffentlich rechtliche Einrichtungen, die verschiedenen Gebietskörperschaften, Verbände und
Parteien, Parlamente und Regierungen, also all diejenigen, die das politische Institutionensystem einer demokratischen Gesellschaft ausmachen, sind involviert und es fällt meist schwer, eindeutig den Adressaten des Protests zu bestimmen.
1.Ist in demokratischen politischen Ordnungen der Adressat politischen
Protests zwar primär „der Staat“, aber nicht nur der Staat?
2.In wessen Händen liegen Entscheidungen, die zur Protestbeseitigung führen können?
3.Ist hier eine Vielzahl von Institutionen und Akteuren involviert?
4.Woraus besteht eine Vielzahl von Institutionen und Akteuren?
5.Sind die Tarifpartner, private und öffentliche Unternehmungen, öffentlich rechtliche Einrichtungen, die verschiedenen Gebietskörperschaften, Verbände und Parteien, Parlamente und Regierungen involviert?
6.Sind also all diejenigen, die das politische Institutionensystem einer demokratischen Gesellschaft ausmachen, involviert?
Упражнение 1. Ответьте на вопросы по текстам.
Упражнение 2. Составьте словосочетания с данными словами, используя тексты урока, и переведите их на русский язык.
Anhängerschaft f, Kanalisierung f, Energieunternehmen n, Lohnfortzahlung f,
Fehlentwicklung f, Tarifpartner m, Tarifvereinbarung f, Ursache f, Politikform f, Mobilisierung f, Organisation f.
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Упражнение 3. Используя таблицу 16 из грамматического справочника, найдите в данном тексте предложения с прямым и обратным порядком слов. Поставьте к тексту несколько специальных вопросов.
Grundkonsens und Verfassungspatriotismus in der „alten“
Bundesrepublik
Die destruktiven Folgen dieser Konstellation hielten sich solange in
Grenzen, wie ein über Jahrzehnte wirksames Element dominierte: die normativ begründete kollektive Abwehr gegen äußere Feinde (und ihre inneren
Helfershelfer), sprich, gegen den Kommunismus. Der Kollaps des kommunistischen Systems warf die Demokratien des „Westens“ auf sich selbst zurück. Sie konnten sich nicht mehr gegen etwas definieren, sondern mussten sich aus sich selbst heraus bestimmen und legitimieren. Für eine historisch neue, in der
Konfrontation des Kalten Krieges entstandene und an der Nahtstelle des Ost-West- Konflikts gelegene Demokratie wie die Bundesrepublik stellte dies eine besondere Herausforderung dar.
Bei aller Gegnerschaft zum Kommunismus bestimmte sich das
Selbstverständnis der Bundesrepublik primär aus den im Grundgesetz normierten
Wertvorstellungen, den Erfahrungen mit einer wohlfahrtsstaatlichen Wirtschaftsund Sozialordnung und der Demokratie. Im Laufe der Jahrzehnte hatte sich ein tragfähiger und krisenresistenter normativer Grundkonsens herausgebildet, den der
Politikwissenschaftler Dolf Sternberger als erster mit dem Begriff
„Verfassungspatriotismus“ umschrieben hat. Die nationalstaatliche Komponente des modernen demokratischen Verfassungsstaates trat demgegenüber in den
Hintergrund, auch wenn die Spaltung Deutschlands in zwei Staaten und politischsoziale Ordnungen als Defizit empfunden wurde. Für das innere
Selbstverständnis der Mehrheit der Bürger in der Bundesrepublik war sie nicht konstitutiv.
Упражнение 4. Выучите слова и выражения к уроку 16.
Упражнение 5. Подготовьте устное сообщение по одной из тем урока.
Урок 17
Слова и выражения
Legitimität f законность
Netzwerke pl. сетевые технологии, сетевая инфраструктура
not in my backyard только не на моем заднем дворе
parochial a приходский; епархиальный
vor ihrer Haustüre на пороге
Interessen, Motivationen und Handlungsmuster politischen Protests
Die vielfältigen Formen des politischen Protestes lassen sich vereinfacht fünf Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, Motivationen und Handlungsmustern zuordnen.
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1.Ein parochialer Protest von Teilen der lokalen Bevölkerung zielt darauf ab, „vor ihrer Haustüre“ ein Großprojekt zu verhindern, das ihren normalen Lebensgang bedroht. Das „Nimby-Argument“ (not in my backyard) ist dominant, übergeordnete politische Überlegungen sind schwach oder nicht vorhanden. Diese
Beobachtung steht nicht im Widerspruch zu einer im Laufe der Jahre immer besseren Verankerung dieser Protestbewegungen in übergreifende bundesweite „Netzwerke“.
2.Neue Mittelschichten und soziale Aufsteiger verbinden lokalen Protest mit einem generellen „Widerstand“ gegen Vorhaben der Regierung. Der lokale Protest ist zugleich allgemeine symbolische Widerstandshandlung.
3.Externe Akteure, wie organisierte Interessengruppen bis hin zu
„Protesttouristen“ und pseudo-revolutionären politischen Aktivisten, unterstützen und/oder instrumentalisieren den Protest.
4.Neuere, auf europäischer Ebene oder international agierende Gruppen sorgen dafür, dass Proteste gegen bestimmte politische Entscheidungen oder
Entwicklungen nicht national begrenzt bleiben, sondern sich über die Landesgrenzen hinweg vernetzen können.
5.Schließlich haben die Medien, vor allem das Fernsehen als
Multiplikatoren, einen entscheidenden Einfluss auf Ablauf, Erfolg oder Misserfolg des Protestes. Dies bedeutet, dass politischer Protest wirkungslos bleibt, wenn es nicht gelingt, das Interesse der Medien zu finden und zu behalten. Nur so entsteht ein ausreichender politischer Druck, einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren oder anstehende Entscheidungen zu verhindern.
Alle diese Faktoren treten in verschiedenen Varianten und Verknüpfungen auf. Politischer Protest, dem traditionell in einer demokratischen Gesellschaft eine deutlich geringere Legitimität zuerkannt wird als anderen Formen der
Partizipation, hat sich einen festen Platz in der Bundesrepublik erobert. Jenseits parlamentarischer Verfahren, der Parteipolitik und der Verbandstätigkeit ist er zu einem Bestandteil der politischen Kultur geworden.
1.Lassen sich die vielfältigen Formen des politischen Protestes vereinfacht fünf Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, Motivationen und Handlungsmustern zuordnen?
2.Worauf zielt ein parochialer Protest von Teilen der lokalen Bevölkerung?
3.Womit verbinden die neue Mittelschichten und soziale Aufsteiger lokalen
Protest?
4.Ist der lokale Protest zugleich allgemeine symbolische Widerstandshandlung?
5.Wer unterstützt und/oder instrumentalisiert den Protest?
6.Wer sorgt dafür, dass Proteste gegen bestimmte politische Entscheidungen oder Entwicklungen nicht national begrenzt bleiben?
7.Wer hat einen entscheidenden Einfluss auf Ablauf, Erfolg oder Misserfolg des Protestes?
8.Treten alle diese Faktoren in verschiedenen Varianten und
Verknüpfungen auf?
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Упражнение 1. Ответьте на вопросы по тексту.
Упражнение 2. Составьте словосочетания с данными словами, используя тексты урока, и переведите их на русский язык.
Legitimität f, Form f, Bevölkerung f, Beobachtung f, Großprojekt n, Aufsteiger m,
Protest m, Akteur m, Ebene f, Entwicklung f, Medien pl, Druck m.
Упражнение 3. Используя таблицу 17 из грамматического справочника, выпишите из текста урока придаточные предложения, определите их тип, переведите их письменно на русский язык.
Упражнение 4. Выучите слова и выражения к уроку 17. Упражнение 5. Подготовьте устное сообщение по одной из тем урока.
Глава 5. Politische Öffentlichkeit und die Rolle der Medien
Урок 18
Слова и выражения
Alliierte m союзник
Erörterung f обсуждение; разбор; рассмотрение
Grundstock m костяк; ядро; основа
in jüngster Zeit недавно; в последнее время
Indienstnahme f приём на службу
Kontroverse f спорный вопрос; разногласие
Stammtisch m компания завсегдатаев; стол для постоянных гостей
Politische Öffentlichkeit und die Rolle der Medien
Demokratische Politik bedarf der öffentlichen Erörterung und Kontroverse.
Hieran sind eine Vielzahl von Akteuren beteiligt: Das Parlament und die
Regierung, die Parteien, Verbände und Vereinigungen und andere kollektive und individuelle Akteure bis hin zu den viel geschmähten „Stammtischen“. Ein Großteil des Wissens jedes Einzelnen über die Welt der Politik, sei dies die regionale, nationale oder die internationale Ebene, beziehen die Bürger über die
Medien: Zeitungen, Zeitschriften, das Radio und vor allem das Fernsehen. Als neues, in gewisser Weise „anarchisches“ Medium ist im letzten Jahrzehnt das
Internet hinzugekommen.
1.Bedarf die demokratische Politik der öffentlichen Erörterung und
Kontroverse?
2.Ist hieran eine Vielzahl von Akteuren beteiligt?
3.Beziehen die Bürger ein Großteil des Wissens jedes Einzelnen über die Welt der Politik über die Medien?
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Politische Öffentlichkeit
Die Art der Erörterung politischer Fragen ist gegenstandsund situationsabhängig. In welcher Form aber auch immer sie sich vollzieht, die politische Diskussion ist heute eine weit gehend medial vermittelte. Politische
Öffentlichkeit ist ohne Medien nicht mehr vorstellbar. Medien sind eine entscheidender, aber nicht einziger Faktor demokratischer Öffentlichkeit. Insofern kommt der Presse, dem Rundfunk und dem Fernsehen (in jüngster Zeit auch dem
Internet) ein entscheidendes Gewicht in der politischen Debatte und bei der
Gestaltung der öffentlichen Meinung in einer demokratischen Gesellschaft zu. Durch die Medien und mit den Medien entsteht eine neue Form der Öffentlichkeit, die nicht mehr, wie in früheren Zeiten, von der physischen Präsenz und unmittelbaren Teilnahme abhängig ist, sondern sich weit gehend als individueller oder gemeinschaftlicher Konsum und Verarbeitung einer potenziell unendlichen
Vielfalt von Informationen und medial vermittelten Eindrücken und Stimmungen darstellt. Erst in der Diskussion über das je individuell Wahrgenommene entstehen
Meinungen, die Einfluss auf Politik und Gesellschaft haben. Öffentlichkeit ist nicht
Politik und Ökonomie, sondern das (politisch und ökonomisch mitbestimmte) Forum der Kommunikation über Politik, Ökonomie (und viel sonstiges).
1.Ist die Art der Erörterung politischer Fragen gegenstandsund situationsabhängig?
2.Ohne was ist die politische Öffentlichkeit nicht mehr vorstellbar?
3.Wem kommt ein entscheidendes Gewicht in der politischen Debatte und bei der Gestaltung der öffentlichen Meinung in einer demokratischen Gesellschaft zu?
4.Womit und wodurch entsteht eine neue Form der Öffentlichkeit?
Struktur des Mediensystems der Bundesrepublik
Angesichts dieser Aufgabenzuschreibung und der Indienstnahme der Medien, insbesondere auch der damals neuen Medien Rundfunk und Film durch den Nationalsozialismus, verwundert es nicht, dass die westlichen Alliierten nach dem II. Weltkrieg dem Aufbau eines Mediensystems große Bedeutung zumaßen, in dem die von ihnen lizenzierten Zeitungen und der Rundfunk einen bedeutenden Beitrag beim Aufbau einer demokratischen Ordnung leisten sollten. Nach dem Krieg hatten die Alliierten zunächst alle Zeitungen verboten um dann durch eine gezielte Vergabe von Lizenzen an politisch unbelastete Personen den Grundstock für ein demokratishes Pressewesen zu legen. Alle großen deutschen Zeitungen wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Frankfurter Rundschau“, die „Süddeutsche Zeitung“ oder „Die Zeit“ und Wochenmagazine wie „Der Spiegel“ und „Stern“ verdanken ihre Existenz einer Lizenz der Alliierten. Die Medien sollten als institutionelle Träger öffentlicher Meinung einen wichtigen Beitrag beim Aufbau einer Demokratie in Westdeutschland leisten.
1. Verwundert es, dass die westlichen Alliierten nach dem II. Weltkrieg dem Aufbau eines Mediensystems große Bedeutung zumaßen?
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2.Sollten die westlichen Alliierten die von ihnen lizenzierten Zeitungen und der Rundfunk einen bedeutenden Beitrag beim Aufbau einer demokratischen Ordnung leisten?
3.Was hatten die Alliierten nach dem Krieg mit den Zeitungen gemacht?
4.Verdanken alle großen deutschen Zeitungen ihre Existenz einer
Lizenz der Alliierten?
Упражнение 1. Ответьте на вопросы по текстам.
Упражнение 2. Составьте словосочетания с данными словами, используя тексты урока, и переведите их на русский язык.
Alliierte m, Erörterung f, Grundstock m, Indienstnahme f, Kontroverse f, Stammtisch m, Akteur m, Jahrzehnt n, Öffentlichkeit f, Meinung f, Zeit f, Zeitung f, Träger m.
Упражнение 3. Используя таблицу 18 из грамматического справочника, выпишите из текста урока сложные существительные, определите тип их образования, переведите письменно на русский язык.
Упражнение 4. Выучите слова и выражения к уроку 18. Упражнение 5. Подготовьте устное сообщение по одной из тем урока.
Урок 19
Слова и выражения
Ausgewogenheit f сбалансированность
Bundesverfassungsgericht n Федеральный конституционный суд
BVerfGE Bundesverfassungsgerichtsentscheid m постановление Федерального конституционного суда
Etablierung f учреждение; водворение
öffentlich-rechtlich a общественно-правовой
Rundfunkanstalt f радиокомпания
Sendung f вещание; трансляция; передача
wurden einem Wettbewerb unterworfen втянуты в соревнование
Frühe Konflikte über die Struktur der elektronischen Medien
In dem entstehenden politischen Raum der deutschen Nachkriegsdemokratie spielten die Medien eine wichtige und stabilisierende Rolle. Dazu trug nicht zuletzt die Etablierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in erheblichem Umfang bei.
Bei Gründung der Bundesrepublik bestanden bereits sechs öffentlich-rechtliche, voneinander unabhängige und mit dem Recht der Selbstverwaltung ausgestatten Rundfunkanstalten. Später wurde das Erste Deutsche Fernsehen nach dem gleichen öffentlich-rechtlichen Muster organisiert. In den 1950er-Jahren kam es zu Konflikten mit dem Bund, der sich 1960 eigene Rundfunkanstalten zulegte – den
Auslandsender „Deutsche Welle“ (DW) und den „Deutschlandfunk“ (DLF), die
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nach dem Modell der bereits bestehenden Anstalten einen öffentlich-rechtlichen Status erhielten. Die Pläne, eine bundeseigene Fernsehanstalt zu errichten scheiterten am Widerstand des Bundesrates. Anschließende Versuche, eine privatrechtliche „Deutschland-Fernsehen GmbH“ des Bundes einzurichten – in der öffentlichen Debatte als „Adenauer-Fernsehen“ apostrophiert – wurde schließlich durch ein (erstes) Fernseh-Urteil des Bundesverfassungsgerichts verhindert.
1.Welche Rolle spielten die Medien in dem entstehenden politischen Raum der deutschen Nachkriegsdemokratie?
2.Was trug dazu in erheblichem Umfang bei?
3.Bestanden bei Gründung der Bundesrepublik bereits sechs öffentlichrechtliche, voneinander unabhängige und mit dem Recht der Selbstverwaltung ausgestattene Rundfunkanstalten?
Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichts 1961
Nach Auffassung des Gerichts sind die Massenmedien ein „eminenter Faktor der öffentlichen Meinungsbildung“. Rundfunk und Fernsehen seien mehr als nur ein im engeren Sinne politisches Medium öffentlicher Meinungsbildung. Mit allen ihren Angeboten bis hin zu literarischen Sendungen oder musikalischen Angeboten trügen sie zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Da bei den elektronischen
Medien (aus damaliger Sicht) anders als bei der Presse nur eine begrenzte Anzahl von Anstalten tätig sein könne, müssten diese so organisiert sein, dass alle in Betracht kommenden Kräften in ihren Organen Einfluss haben und im
Gesamtprogramm zu Wort kommen können. Für den Inhalt des Programms müssten Leitsätze verbindlich sein, die „ein Mindestmaß von inhaltlicher Ausgewogenheit, Sachlichkeit und gegenseitiger Achtung gewährleisten“. Dies könne nur sichergestellt werden, wenn diese organisatorischen und sachlichen Grundsätze durch den Gesetzgeber verbindlich geregelt würden (BVerfGE 12: 205 ff.). Drei Monate nach dem Urteil wurde das „Zweite Deutsche Fernsehen“ durch einen Staatsvertrag der Bundesländer eingerichtet.
Mit der Ausbreitung des privaten Rundfunks und Fernsehens, welche nicht zuletzt eine Folge der Liberalisierungspolitik der Europäischen Gemeinschaft war, hat sich die Struktur des Mediensystems grundlegend gewandelt. Die elektronischen Medien wurden einem Wettbewerb unterworfen, in dem öffentlich rechtliche und private Anbieter miteinander konkurrieren und erstere in ihrer
Programmgestaltung in wachsendem Maße Kriterien des Marktes berücksichtigen müssen. Dies hat Auswirkungen auf ihre Programmphilosophie und ihre Stellung im gesellschaftlichen und politischen Raum.
1.Was sind die Massenmedien nach der Auffassung des Gerichts?
2.Seien Rundfunk und Fernsehen mehr als nur ein im engeren Sinne politisches Medium öffentlicher Meinungsbildung?
3.Was trugen Rundfunk und Fernsehen mit allen ihren Angeboten bis hin zu literarischen Sendungen oder musikalischen Angeboten bei?
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4. Auf welche Weise mussten die elektronischen Medien organisiert
sein?
5.Hat sich die Struktur des Mediensystems mit der Ausbreitung des privaten Rundfunks und Fernsehens grundlegend gewandelt?
6.In welchem Wettbewerb müssen öffentlich rechtliche und private
Anbieter miteinander konkurrieren?
7.Was hat Auswirkungen auf Meidens Programmphilosophie und ihre Stellung im gesellschaftlichen und politischen Raum?
Упражнение 1. Ответьте на вопросы по текстам.
Упражнение 2. Составьте словосочетания с данными словами, используя тексты урока, и переведите их на русский язык.
Ausgewogenheit f, Bundesverfassungsgericht n, Etablierung f, Rundfunkanstalt f, Sendung f, Raum m, Rolle f, Rundfunkanstalt f, Muster n, Versuch m, Faktor m, Anzahl f.
Упражнение 3. Используя таблицу 19 из грамматического справочника, переведите на русский язык следующие словарные группы и предложения:
а)
der für unsere Arbeit notwendige Apparat;
das von diesem Gelehrten ausgearbeitete Projekt; alle in der Natur eintretenden Veränderungen; die in unserem Werk arbeitenden Frauen;
der vor kurzem gelesene Abenteuerroman;
das von dem Lektor auf den Tisch gelegte Buch; der in der Tageszeitung veröffentlichte Artikel;
der durch einen Telefonanruf benachrichtigte Mitarbeiter; die in einer schwierigen Verhandlung festgelegten Preise; das gestern im Stadion besuchte Fußballspiel.
б)
1.Die von den Gelehrten durchgeführten Experimente sind interessant.
2.Die im vorigen Jahr durchgenommenen Themen wollen wir jetzt wiederholen.
3.Die Zahl der an dieser Messe teilnehmenden Länder wäсhst von Jahr zu
Jahr.
4.Der vor drei Jahren eingerichtete Kinderpark ist sehr beliebt.
5.Die vom Lehrer korrigierten Aufsätze liegen auf dem Tisch.
6.Die zur nächsten Stunde zu lernenden Vokabeln sind an der Tafel geschrieben.
7.Die während des Krieges zerstörten Gebäude wurden in kurzer Zeit wiederaufgebaut.
8.In unserem Lehrbuch gibt es den vom Lehrer zu heutiger Stunde aufgegebenen Text.
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9.Die bis heute am meisten benutzten Brennstoffe sind Kohle und Erdöl.
10.Das auf dem Hauptplatz errichtete Denkmal wird bald enthüllt.
Упражнение 4. Выучите слова и выражения к уроку 19. Упражнение 5. Подготовьте устное сообщение по одной из тем урока.
Урок 20
Слова и выражения
in erheblichem Maße в значительной мере
Lebensfähigkeit f жизнеспособность
Legitimationsbeschaffung f получение легитимности
Willensbildung f формирование воли
Verschiebung des Verhältnisses der Medien zum politischen System
In den Medienwissenschaften und der Politikwissenschaft herrscht heute
weit gehende Einigkeit darüber, dass der Prozess der Herstellung von Öffentlichkeit unter den gegenwärtigen Bedingungen nur in Ausnahmefällen ein unmittelbarer, in der Regel jedoch ein medial vermittelter ist und dass sich das
Verhältnis von Politik und Medien in den vergangenen Jahrzehnten in erheblichem Maße verschoben hat. Die klassische Vorstellung des Verhältnisses von politischem System und Medien unterstellte unterschiedliche Funktionslogiken und sah beide als getrennte Handlungsbereiche an. Aufgabe der Politik war es, gemeinwohlorientierte Entscheidungen zu treffen, Aufgabe der politischen Öffentlichkeit hingegen, diese Entscheidungen kritisch und mit einer gewissen
Distanz zu beobachten. Die Medien sollten dazu die nötigen Informationen liefern, dem Publikum die Zusammenhänge erklären und eigene Stellungnahmen deutlich als solche kennzeichnen.
Für die staatliche Politik und für die verschiedenen gesellschaftlichen politischen Akteure war von Bedeutung, dass ihre Anliegen von den Medien verbreitet wurden, sie bedienten sich aber häufig auch eigener Medien, wie der
Partei-, Verbands-, oder Vereinspresse, um ihren politischen Anliegen öffentliche Resonanz zu verschaffen.
Die modernen Massenmedien haben dieses Verhältnis zur Politik in den letzten Jahrzehnten nachhaltig verschoben. Für die Lebensfähigkeit einer freiheitlichen demokratischen Ordnung bedarf es der Herstellung demokratischer
Legitimation staatlichen Handelns durch den in Wahlen ausgedrückten
Volkswillen, der Mechanismen der Gewaltenteilung, der Beteiligung der intermediären Institutionen an der politischen Willensbildung und einer, wie auch immer im Einzelnen gestalteten aktiven Teilnahme der Öffentlichkeit an der Herausbildung der öffentlichen Meinung. Dieses Model wird zunehmend abgelöst durch ein „stimmungsdemokratisches Element quasi-plebiszitärer
Legitimationsbeschaffung über die Medien“, das, nach Meinung vieler Beobachter, das Parlament und die anderen Verfassungsorgane ebenso wie das intermediäre
System politischer Willensbildung und Interessenvermittlung an den Rand drängt.
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