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Die stilistische Ausnutzung der funktional beschränkten Lexik

Gruppen der funktionalen Lexik.Fachwörter. Jargon- und Grobwörter.Mundartwörter.Fremdwörter.Neologismen und Archaismen.

Die im vorhergehenden Kapitel behandelten Gruppen von Wörtern und unterschiedlichen funktionalen Färbungen (beruflichen, räumlichen, zeitlichen usw.) beziehen sich auf den Allgemeinwortschatz der deutschen Sprache als ihre Sonderwortschätze oder besondere lexische Schichten. Derartige Schichtung charakterisiert jede entwickelte Nationalsprache, weil sie der vielseitigen Kommunikation der entsprechenden Sprachgemeinschaft gerecht werden muß. Die normalisierte Form der Nationalsprache ent­spricht der im gesamten Sprachraum aktivierten Schrift­sprache oder ,,Standardsprache", ihre Geltung überwindet jede Schranke und setzt die allgemeine Verständigung voraus. Dem Wortschatz der Standardsprache liegen gerade Wörter zugrunde, die von allen Angehörigen der Sprachgemeinschaft in der sprachlichen Kommunikation gebraucht und verstanden werden. Dagegen gehören zu den besonderen lexischen Schichten Wörter, die in ihrem Gebrauch auf bestimmte Sachbereiche, soziale Schichten, Territorien u. a. beschränkt sind. Man faßt sie unter dem Begriff „funktional beschränkte Lexik" zusammen und betrachtet sie als ein spezielles Problem der Stilistik. Davon zeugen die meisten modernen Werke über die Stilistik.

Fachwörter (Professionalismen)

Der gesellschaftliche Fortschritt führt zur steigenden Ver­wendung verschiedener Fachwörter im Bereich der menschlichen Kommunikation. Die Funktionalstile der Sachprosa sind an solchen Wörtern besonders reich, weil sie in überwiegender Mehrheit zu ihrer Fachlexik (Terminologie) gehören. In den übrigen Funktionalstilen (der Alltagsrede und der schönen Literatur) wird die Verwendung der Fachwörter durch andere Faktoren bedingt, obwohl sie auch hier „eine unumgängliche Tatsache" ist [D. Faulseit, G. Kühn, S. 40]. Die Ursachen sind darin zu suchen, daß die Themen der Arbeit, der Berufsinteressen den Gesprächs­stoff vieler alltäglicher Kommunikationssituationen bilden und dadurch auch in den Werken der schönen Lite­ratur einen breiten Raum beanspruchen. Aber neben den dienstlichen sind persönliche Interessen der Menschen gewöhnlich genauso mit bestimmten Fachgebieten verbunden — mit Sport, Technik, Musik, Rundfunk usw., was für die Charakteristik der Figuren in literarischen Texten sehr wichtig sein kann.

Während Fachwörter in der Sachprosa „zu Hause" sind und ein wesentliches Merkmal ihrer Textgestaltung bil­den, kommen ihnen in den Texten der schönen Literatur andere Aufgaben zu: als funktional-beschränkte Lexik können sie mit stilistischem Effekt verwendet werden. Ihre wichtigste stilistische Funktion besteht darin, daß sie ein vom Inhalt vorausbestimmtes fachliches Kolorit angeben. Der Verfasser eines literarischen Wer­kes braucht irgendeine Tätigkeit oder Berufssphäre nicht präzise, d. h. konkret-sachlich darzustellen. Eine solche Darstellung würde vom Leser entsprechende Fachkennt­nisse verlangen und dadurch seine Aufnahme des Inhalts behindern, abgesehen davon, daß sie ihm als langweilig erscheinen wird. Dagegen kann die Verwendung nur einiger Fachwörter der Verständlichkeit nicht im Wege stehen und zugleich das notwendige Fachkolorit erzeugen. Dabei können in den Text z.B. eines Romans sogar spe­zielle, wenig gebräuchliche Fachwörter — Termini — eingeführt werden. Der Autor kann damit beabsichtigen, den Leser die Atmosphäre einer spezifischen Tätigkeit stark fühlen zu lassen. Interessante Beispiele enthalten in die­ser Hinsicht manche Werke von Th. Mann, worauf die deutschen Stilforscher verweisen. In einigen von ihnen fallen viele Termini aus dem Bereich der Musik, des musikalischen Schaffens (z.B. in den Romanen „Buddenbrooks", „Doktor Faustus" u.a.) auf. Der Schriftsteller wendet sich dem Thema der Musik immer aufs neue zu, es dient ihm dazu, die Charakterzüge und Interessen eini­ger Romanfiguren aufzuschließen. Diese Termini erfüllen bestimmte stilistische Funktionen: erstens geben sie das Kolorit einer bestimmten Atmosphäre — der Musik, der Kunstverehrung — deutlich an, zweitens dienen sie der Personencharakterisierung. Das zeigt folgender Textauszug:

„Was ist das für ein theatralischer Schluß, Johann! Das paßt ja gar nicht zum übrigen! Zu Anfang ist alles ganz ordentlich, aber wie verfällst du hier plötzlich aus H-Dur in den Quart-Sext-Akkord der vierten Stufe mit erniedrigter Terz, möchte ich wissen? Das sind Possen. Und du tremollierst ihn auch noch..." (Th. Mann, Buddenbrooks.) [D. Faulseit, G. Kühn]

Die Anhäufung von musikalischen Termini dient hier der Charakteristik von Hanno Buddenbrook: der achtjährige Knabe wird mit ernsten fachlichen Anweisungen belehrt, aber er zeigt sich vor diesen spezifischen Fachwörtern nicht verständnislos und nimmt das Urteil des Lehrers sehr genau auf.

Die Fachlexik erfüllt weiter wichtige Funktionen bei der Schaffung eines Sprachporträts. Das Sprachporträt ist die Charakterisierung einer Figur durch ihre Sprache (ihre Sprechweise, Wortauswahl usw.). Die Sprache der Figur wird zum Spiegel ihrer inneren Welt: sie erlaubt den Einblick in ihre Gedanken, Gefühle, Stimmungen, Interessen, in ihren Charakter usw. Die berufliche Cha­rakteristik der Person kann im Sprachporträt eine wich­tige Rolle spielen. Ausdrucksstark sind in diesem Sinne die sogenannten Berufsjargonismen. Durch ihre Verwen­dung werden verschiedene stilistische Schattierungen erzielt: die Person kann positiv, ironisch, negativ charak­terisiert werden. Wenn der Autor z.B. eine von ihm dar­gestellte Person fachsimpeln läßt, macht er sie lächerlich: mit ihrem Fachsimpeln beginnt sie den anderen auf die Nerven zu fallen, und beim Leser werden entsprechend negative Gefühle hervorgerufen, ein spöttisches oder ironisches Verhalten mit böser oder gutmütiger Schattie­rung. Ein Beispiel solchen harmlosen Fachsimpeins lie­fert der Roman „Die Väter" von W. Bredel [D. Faulseit, G. Kühn, S. 38]. Fritz, der jüngste Hardekopf, hat sich die „Fußballer­sprache" angeeignet und bedenkt nicht dabei, daß ihre speziellen Bezeichnungen und Ausdrücke nicht allen zugänglich sind, daß sie beim Gesprächspartner irgend­welche Sachkenntnisse voraussetzen. Er überschüttet sei­ne Mutter mit diesen Ausdrücken:

„Frau Hardekopf konnte sich.. .damit nicht befreun­den. Fußball fand sie gräßlich roh. Und dann diese unverständlichen Ausdrücke. ,Modder, datt sitt wie'n Goal von Adje. Ist ja pyramidal!' — ,Also — was sitzt? Was hast du da eben gesagt? Wie sitzt das?' — ,Wie 'n Goal von Adje!' — Frau Hardekopf meinte, ihr Junge spreche Chinesisch. ,Also — was ist 'n Goal?' — ,Das ist 'n Tor beim Fußballspiel.' — ,Also, was das ist, weiß ich auch nicht — ,und wer ist Adje?' — ,Ach, Modder, du weißt aber auch gar nichts. Das ist doch Adolf Jäger von „Altona 93".'—, Von Altona 93? Wo ist das?'—,Aber das ist doch der berühmte Fußballver­ein. Deutscher Meister'. Ja, Frau Hardekopf war sehr unwissend."

D. Faulseit und G. Kühn warnen vor einem unnötigen Gebrauch der Fachwörter: „Ihr Einsatz muß sinnvoll, sach- und zweckdienlich sein; er muß stilistisch gerecht­fertigt sein, sei es, daß die Fachwörter als thematische Stützbegriffe dienen, sei es, daß sie die Aussage konkretisieren, sei es, daß sie Kolorit erzeugen, oder sei es, daß sie im Dienste der Personencharakterisierung verwendet werden." [D. Faulseit, G. Kühn, S. 39]

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