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Literaturlabor. Analytisches Lesen. Literarische Texte zum lesen und interpretieren. Lehrbuch

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Anna Brovina, Nataliia Miriugina
LITERATURLABOR.
ANALYTISCHES LESEN.
LITERARISCHE TEXTE ZUM LESEN
UND INTERPRETIEREN
Lehrbuch
Moskau
IPR Media
2025
UDK 811.112.2 BBK 81.432.4 B86
Autorinnen:
Brovina Anna Dozentin der Universität von Ugra;
Miriugina Nataliia Lehrerin der englischen
Sprache des Gymnasiums № 1 der Stadt Chanty-Mansijsk
Rezensenten:
Kamyschewa Olga Dozentin der Schadrinsker staatlichen
pädagogischen Universität;
Baranowa Irina Dozentin der Russischen staatlichen
hydrometeorologischen Universität
Brovina, Anna.
B86 Literaturlabor. Analytisches Lesen. Literarische Texte zum lesen und
interpretieren : Lehrbuch / Anna Brovina, Nataliia Miriugina. Moskau : IPR Media, 2025. 87 S. Text : in elektronischer Form.
ISBN 978-5-4497-4158-5
Das Lehrbuch ist für die Studenten der Fachrichtung „Sprachwissenschaften“,
die Deutsch als 1. oder 2. Fremdsprache studieren und auch für alle, die sich für
Deutsch und deutsche Literatur interessieren, erarbeitet wurde. Das ist ein Kurs zu der deutschen klassischen und modernen Literatur zur Förderung und Verbesserung der Kompetenzen zum Leseverstehen und Analysieren. Es werden sieben Autoren und sieben Kurzgeschichten zum Lesen, Nachdenken und Interpretieren angeboten werden. Die Themen sind der Mensch, seine Umgebung und Beziehungen, Alleinsein der Menschen in der Gegenwart, Katastrophen der Vergangenheit sowie Wirtschaftswunder und seine Folgen. Zu jedem Text werden verschiedene Aufgaben vorgeschlagen, die die analytischen Lesefähigkeiten entwickeln.
E-Learning Edition
ISBN 978-5-4497-4158-5 © Brovina Anna, Miriugina Nataliia, 2025
© LLC Unternehmen “IPR Media”, 2025
Unterrichtsmittel
Brovina Anna
Miriugina Nataliia
Editor J.Yu. Zheltova
Technischer Editor, computergestütztes Layout A.D. Talmaeva
Einband von Ya.A. Kirsanov, S.S. Siziumova, Fotobank Freepik
Zur Verwendung unterzeichnet 21.02.2025. Datenumfang 7 Mb
LLC Unternehmen “IPR Media”
8 800 555 22 35 (kostenloser Anruf in Russland)
E-mail: sales@iprmedia.ru
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INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort ...................................................................................................................... 5
Gabriele Wohmann. Lesetext «Ein netter Kerl» ....................................................... 7
Glossar ............................................................................................................... 15
Peter Bichsel. Lesetext «Eigentlich möchte Frau Blum
den Milchmann kennenlernen» ............................................................................... 16
Glossar ............................................................................................................... 22
Kurt Marti. Lesetext «Neapel sehen» ...................................................................... 23
Glossar ............................................................................................................... 30
Ursula Wölfel. Lesetext «Nur für Weiße!» ............................................................. 32
Glossar ............................................................................................................... 43
Franz Kafka. Lesetext «Der Nachbar» .................................................................... 44
Glossar ............................................................................................................... 51
Wolfgang Borchert. Lesetext «Das Brot» ............................................................... 52
Glossar ............................................................................................................... 61
Wolfgang Hildesheimer. Lesetext «Eine größere Anschaffung» ........................... 62
Glossar ............................................................................................................... 71
Lösungen. Gabriele Wohmann. Lesetext «Ein netter Kerl» ................................... 72
Lösungen. Peter Bichsel. Lesetext «Eigentlich möchte Frau Blum
den Milchmann kennenlernen» ............................................................................... 75
Lösungen. Kurt Marti. Lesetext «Neapel sehen» .................................................... 77
Lösungen. Ursula Wölfel Lesetext «Nur für Weiße!» ............................................ 79
Lösungen. Franz Kafka. Lesetext «Der Nachbar» .................................................. 82
Lösungen. Wolfgang Borchert. Lesetext «Das Brot» ............................................. 85
Lösungen.Wolfgang Hildesheimer. Lesetext «Eine größere Anschaffung» .......... 87
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VORWORT
Liebe Deutschstudierende, herzlich willkommen zu dem Lehrbuch „Literaturlabor. Analytisches Lesen“! Das vorliegende Buch ist ein Kurs zu der deutschen klassischen und modernen Literatur. Das Lehrbuch hat das Ziel mit Werken und Schaffen der
deutschen, österreichischen und schweizerischen Schriftsteller bekanntzumachen, die
Kompetenzen zum Leseverstehen und Analysieren zu verbessern. Dieses Lehrbuch
ist für die Studenten, die Deutsch als 1. oder 2. Fremdsprache studieren und auch für alle, die sich für Deutsch und deutsche Literatur interessieren. Im Lehrbuch werden
sieben Autoren und sieben Kurzgeschichten zum Lesen, Nachdenken und Analysieren angeboten werden. Das wichtigste Prinzip, nach dem die Texte im
Lehrbuch zusammengestellt sind, ist die Zugänglichkeit des Inhalts und der Form. Kein zeitliches Prinzip und keine Länge der Texte liegen ihrer Anordnung zu Grunde.
Verschieden sind die Themen: der Mensch, seine Umgebung und Beziehungen, Alleinsein der Menschen in der Gegenwart, Katastrophen der Vergangenheit sowie Wirtschaftswunder und seine Folgen. Das Lehrbuch hat folgende Struktur. Jedes Thema beginnt mit der kurzen Information über das Leben und Schaffen des Autors. Die wichtigsten Perioden und die Ereignisse werden dargestellt und eine der Geschichten wird zum Lesen dargeboten.
Vor dem Lesen gibt es Erklärungen der Wörter und Wendungen aus dem Text, die helfen, den Text besser zu verstehen. Auf diesen Stichwörterlisten sind die Schlüsselbegriffe gesammelt und so organisiert, beim Strukturieren des Verständnisses zu helfen.
Wir raten den Text mehrmals zu lesen. Nach dem ersten Lesen versteht man das Ganze, nach dem zweiten Lesen kann man das Wesentliche bestimmen und nach dem
dritten Lesen gelingt es die Einzelheiten und das Leseverständnis besser zu definieren. Nachdem man die Geschichte gelesen, übersetzt und verstanden hat, kann man die nächsten Aufgaben erledigen. Diese Aufgaben sind in 4 Gruppen geteilt werden können.
Erste Gruppe der Aufgaben sind die Aufgaben zum Leseverständnis. Zum Beispiel: bestimmen Sie ob die Aussagen richtig, falsch oder nicht im Text sind oder wählen Sie die richtige Variante oder wählen Sie die Ausdrücke zur Beschreibung der Person laut des Textes und so weiter.
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Zweite Gruppe hat die Aufgaben zum Wortschatz und zu den stilistischen Mitteln, die vom Autor im Werk gebraucht wurden. Die Stilmittel helfen uns besser die Einstellung des Verfassers der Beschreibung gegenüber zu definieren. Die dritte Gruppe sind die Aufgabe zur Diskussion, Bestimmung der Hauptgedanken, der Hauptprobleme oder Hauptideen, die im Text hervorgehoben werden. Die vierte Gruppe der Aufgaben hat das Ziel die Äußerung der Meinung. Wir schlagen vor einen Aufsatz, einen Essay oder einen Bericht zum bestimmten Thema
zu schreiben, oder ein Rollenspiel durchzuführen. Wir hoffen, dass Sie während der Arbeit die neusten Erfahrungen und neue Impulse für Deutscherlernen bekommen!
Die Autorinnen des Lehrbuches wünschen Ihnen viel Spaß bei der Arbeit!
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GABRIELE WOHMANN. LESETEXT «EIN NETTER KERL»
A. ÜBER DIE AUTORIN
Gabriele Wohmann wurde im Jahre 1932 in Darmstadt in Deutschland geboren. Sie ist bekannt in der Weltliteratur vor allem als Meisterin der Kurzgeschichten. Sie sei
die Beste, die Königin der kurzen Prosa — so meinen die Experten. Ihre Bücher sind in viele Sprachen übersetzt. Sie hat mehr als 600 Erzählungen und Kurzgeschichten geschrieben. Die Gesamtauflage ihrer Bücher liegt bei mehreren Millionen.
Darmstadt war ihr Wohnort bis zum Tod im Jahre 2015. Sie war Tochter eines
Priesters. Nach dem Abitur 1951 am Nordseepädagogium auf der Insel Langeoog
studierte Wohmann Germanistik, Romanistik, Anglistik, Musikwissenschaft und Philosophie in Frankfurt am Main. 1953 in ihrem letzten Studienjahr heiratet sie Reiner Wohmann. Einige Jahre arbeitete sie als Lehrerin. Seit 1956 begann sie nur
noch als Schriftstellerin tätig zu sein und lebte wieder in ihrer Heimatstadt Darmstadt.
In den 60-er Jahren war Wohmann auch politisch aktiv und wurde mit der Gruppe 47 assoziiert. In vielen Texten setzte sie sich mit der Rolle der Frau im
Nachkriegsdeutschland auseinander, in frühen feministischen Kreisen waren ihre Arbeiten hochgeschätzt. Die Hauptthemen in ihren Werken sind alltägliche Probleme einer ganz gewöhnlichen Familie, Probleme der zwischenmenschlichen Kommunikation innerhalb von Beziehung — Angst, Einsamkeit und unterdrückte Gefühle. Familie ist für sie trostlos und problematisch. In ihren Texten gibt es immer innere Monologe, persönliche Erzählungen und sie sind emotionslos — Familie ist der Ort, an dem alles passiert — oft erzählt sie mit absoluter Bosheit über kinderlose Paare. Ihre Geschichten zeigen oft Künstlichkeit, Gemeinheit und Schmerz der menschlichen Begegnungen und Beziehungen. Kritiker nennen ihren Stil „wohmannisieren“ das heißt “Das Leben eines Jeden ist nur eine Krankheit zum Tod ist.
Insgesamt hat Wohmann ein umfangreiches literarisches Werk geschaffen. Das sind
Romane, Gedichte, Hörspiele, Fernsehspiele und Essays umfasst. Mit scharfem, ironischem Blick und einem Gespür für die verborgenen Dramen des Alltags schrieb sie unverwechselbare und stets pointierte Shortstorys über die Abgründe und Tröstungen des normalen Lebens. Und das alles diente zur Entstehung ihres eigenen
Stils und zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen.
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Die bekanntesten Sammlungen sind „Schwarz und ohne alles“, „Wann kommt die Liebe“, sowie „Weihnachten ohne Parfüm“. Eines der bekanntesten Bücher war der 1974 erschienene Roman "Paulinchen war allein zu Haus", der später auch verfilmt wurde. Das ist die Geschichte über moderne Erziehung aus Sicht eines Kindes, wenn
man alles kann und darf. Sie starb am 22. Juni 2015 in Darmstadt nach der längeren schweren Krankheit.
B. VOR DEM LESEN
1. Die Kurzgeschichte „Ein netter Kerl“ wurde im Jahre 1978 veröffentlicht. Es geht um eine Familie. Eine der drei Töchter bringt ihren Verlobten mit in ihr Elternhaus
zum Abendessen ohne ihrer Familie zu sagen, dass er ihr Freund ist und dass er ihr Verlobter ist.
2. Äußern Sie Ihre Meinung: wie kann sich solches Abendessen beenden? Welche Erwartungen haben Sie vor dem Lesen?
3. Worterklärungen
der Molch = eidechsenähnliches, hässliches Wassertier beschämt = peinlich berührt
die Wamme = die Fettschwarte herausplatzen = hier: laut loslachen etwas fertig bringen = etwas schaffen erledigt = hier: erschöpft die Qualle = die Meduse / glockenförmiges, weiches Meerestier gesittet = brav behutsam = vorsichtig
C. LESEN
Ein netter Kerl
Ich habe ja so wahnsinnig gelacht, rief Nanni in einer Atempause. Genau wie du ihn beschrieben hast, entsetzlich.
Furchtbar fett für sein Alter, sagte die Mutter. Er sollte vielleicht Diät essen. Übrigens, Rita, weißt du, ob er ganz gesund ist?
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Rita setzte sich gerade und hielt sich mit den Händen am Sitz fest. Sie sagte: Ach, ich
glaub schon, daß er gesund ist. Genau wie du es erzählt hast, weich wie ein Molch,
wie Schlamm, rief Nanni. Und auch die Hand, so weich. Aber er hat dann doch auch wieder was Liebes, sagte Milene, doch, Rita. Ich finde, er hat was Liebes, wirklich.
Na ja, sagte die Mutter, beschämt fing auch sie wieder an zu lachen: recht lieb, aber doch gräßlich komisch. Du hast nicht zuviel versprochen. Rita, wahrhaftig nicht. Jetzt
lachte sie laut heraus. Auch hinten im Nacken hat er schon Wammen, wie ein alter Mann. rief Nanni. Er ist ja so fett, so weich, so weich. Sie schnaubte aus der kurzen Nase, ihr kleines Gesicht sah verquollen aus vom Lachen. Rita hielt sich am Sitz fest. Sie drückte die Fingerkuppen fest ans Holz. Er hat so was Insichruhendes, sagte Milene. Ich find ihn so ganz nett. Rita, wirklich, komischerweise.
Nanni stieß einen winzigen Schrei aus und warf die Hände auf den Tisch; die Messer
und Gabeln auf den Teller klirrten. Ich auch, wirklich, ich find ihn auch nett, rief sie. Könnt ihn immer ansehn und mich ekeln.
Der Vater kam zurück, schloß die Eßzimmertür, brachte kühle nasse Luft mit herein. Er war ja so ängstlich, daß er seine letzte Bahn noch kriegt, sagte er. So was von ängstlich.
Er lebt mit seiner Mutter zusammen, sagte Rita. Sie platzten alle heraus, jetzt auch Milene. Das Holz unter Ritas Fingerkuppen wurde klebrig. Sie sagte: Seine Mutter ist nicht
ganz gesund, soviel ich weiß. Das Lachen schwoll an, türmte sich vor ihr auf, wartete und stürzte sich dann herab, es spülte über sie weg und verbarg sie lang genug für einen kleinen schwachen
Frieden. Als erste brachte die Mutter es fertig, sich wieder zu fassen.
Nun aber Schluß, sagte sie, ihre Stimme zitterte, sie wischte mit einem
Taschentuchklümpchen über die Augen und die Lippen. Wir können ja endlich mal von was anderem reden. Ach, sagte Nanni. Sie seufzte und rieb sich den kleinen Bauch, ach ich bin erledigt, du liebe Zeit. Wann kommt die große fette Qualle den wieder, sag, Rita, wann denn? Sie warteten alle ab. Er kommt von jetzt an oft, sagte Rita. Sie hielt den Kopf aufrecht. Ich habe mich verlobt mit ihm.
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Am Tisch bewegte sich keiner. Rita lachte versuchsweise und dann konnte sie es mit
großer Anstrengung lauter als die anderen, und sie rief: Stellt euch das doch bloß mal
vor; mit ihm verlobt! Ist das nicht zum Lachen! Sie saßen gesittet und ernst und bewegten vorsichtig Messer und Gabeln. He, Nanni, bist du mir denn nicht dankbar, mit der Qualle hab ich mich verlobt, stell dir das doch mal vor!
Er ist ja ein netter Kerl, sagte der Vater. Also höflich ist er, das muß man ihm lassen. Ich könnte mir denken, sagte die Mutter ernst, daß er menschlich angenehm ist, ich
meine, als Hausgenosse oder so, als Familienmitglied. Er hat keinen üblen Eindruck auf mich gemacht, sagte der Vater.
Rita sah sie alle behutsam dasitzen, sie sah gezähmte Lippen. Die roten Flecken in den Gesichtern blieben noch eine Weile. Sie senkten die Köpfe und aßen den
Nachtisch.
(Gabriele Wohmann: Habgier. Erzählungen.
Rowolth TB Verlag, Reinbek 1978, S. 68–70)
D. LESEVERSTÄNDNIS
1. Welche von Ihren Erwartungen aus der Aufgabe oben waren richtig/falsch?
2. Bezeichnen Sie, ob die Aussagen richtig (R), falsch (F) oder nicht im Text (N)
sind.
Die Aussagen
R F N
Rita lud ihren Freund zum Abendessen mit der Familie ein.
Nanni ist Ritas Schwester.
Es war ein festliches Abendessen.
Rita erzählt ihrer Familie, dass sie sich mit dem Mann
verlobt hat.
Sie haben den jungen Mann auf solche Weise geprüft.
Ritas Freund lebt bei seiner kranken Mutter.
Der junge Mann ist achtzehn Jahre alt.
Milene unterstützt ihre Schwester.
Für Rita ist das Benehmen der Familie gewöhnlich.
Die Familie akzeptierte Ritas Freund.