Добавил:
Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:

Лексикология немецкого языка. Учебное пособие

.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
12.08.2026
Размер:
821 Кб
Скачать

5.5 Aufgaben zum Seminar

1Stellen Sie eine Art Inhaltsübersicht zu dem Text der Vorlesung und bereiten Sie die Darlegung des Inhalts vor.

2 Erarbeiten Sie einen Algorithmus der Bestimmung der Art des Bedeutungswandels.

3 Zeichnen Sie ein Schema „Arten des Bedeutungswandels“

6 Wortschatzerweiterung durch Übernahme aus anderen

Sprachsystemen (Entlehnungen)

Plan: 1 Allgemeines zur Art und Form lexikalischer Entlehnungen 2 Soziale und linguistische Ursachen der Entlehnung

3 Die Einwirkung der puristischen Tätigkeit auf den Wortbestand der deutschen Sprache (selbständig)

4 Wechselbeziehungen zwischen Stammwörtern und Entlehnungen.

6.1 Allgemeines zur Art und Form lexikalischer Entlehnungen

Unter dem Terminus Entlehnung wird in der linguistischen Literatur

sowohl der Entlehnungsvorgang, d.h. die Übernahme fremden Sprachgutes,

als auch das Resultat dieses Prozesses – das entlehnte fremde Sprachgut selbst

verstanden.

Von vielen Aspekten, die eine moderne Forschung zu diesem Problembereich voraussetzt, sind vor allem folgende Fragen zu betrachten:

1 der Beitrag des entlehnten Sprachgutes im lexikalisch-semantischen System im Allgemeinen und in einzelnen diskursive Bereichen (Politik, Wirtschaft, Kunst u. d.g.);

2 das Funktionieren der entlehnten Lexik im neuen lexikalisch-semantischen System;

3 die Wechselbeziehungen zwischen Stammwörtern und Entlehnungen. Die Entlehnungen lassen sich nach der Art und der Form klassifizieren und

systematisieren.

81

Nach der Art der Entlehnung unterscheidet man:

1 Sachund Wortentlehnung. Bei dieser Art werden fremde Wortkörper übernommen, deren Denotate/ Sachverhalte (Gegenstände, Erscheinungen) in der betreffenden Kultur neu oder unbekannt sind. So sind z.B. im Deutschen genetisch lateinische Wörter. Diese Wörter wurden von den alten Germanen bei ihrer ersten Berührung mit den Römern übernommen: Mauer (mūrus), Ziegel (tegula), Fenster

(fenstera), Keller (cellarium), Straße (strata) und v.a.m. Unter den relativ neuen Bezeichnungen gibt es auch Sach-und Wortentlehneungen: Sputnik (russ.),

Computer (engl.)

2 Wortentlehnungen. Bei dieser Art werden fremde Wortkörper übernommen, deren Denotate in der entlehnenden Sprache bereits durch eigene Wörter bezeichnet sind. Hier geht es um die Übernahme von Dubletten, die sich früh oder später inhaltlich oder stilistisch differenzieren: Pläsier (aus dem Französischen, 16. Jh.) für „Vergnügen, Spaß“; Charme, Scharm (aus dem Französischen, 18. Jh.) für „Anmut“, „Liebreiz“; Apartment (aus dem Englischen nach 1945) für „Kleinwohnung“, Service für „Kundendienst“, Ticket für „Fahrt-, Flugkarte“.

Man unterscheidet auch zwischen direkter und indirekter (vermittelter) Entlehnung. Die direkte Entlehnung erfolgt meist auf dem Wege der Sachentlehnung, der literarischen und kontaktiven Übernahme. Das fremde Wort wird aus einer Sprache in eine andere übernommen. Von indirekter Entlehnung spricht man dann, wenn das Wort einer Sprache über ein anderes Land vermittelt wurde, wie z.B. Meeting, Festival aus dem Englischen ins deutsche über das Russische. Wenn das Wort in eine andere Sprache übernommen wird, kehrt aber von dort zurück, spricht man von Rückentlehnung. Dabei tritt oft der Bedeutungswandel ein: die Wörter Salon und Balkon kamen aus der französischen Sprache, die zuvor deutsche Formen Saal und Balken übernommen hatte (germ. *salaz – `Einraumhaus`, frz. Salle - `Saal`, `Zimmer`, ital. Salone - `großer Saal`; ahd. Balko – `Balken`).

82

Nach der Entlehnungsform sind zu unterscheiden [Stepanova, Černyševa: 2003; С. 49]:

1 Fremdwortübernahme. Diese Form betrifft fremde Wortkörper, die in ihrer fremden Form in die entlehnende Sprache übernommen werden. Das Ergebnis sind Fremdwörter vom Typ: Datsche (Landhaus), Bungalow

(einstöckiges (Sommer)haus), Teenager (Jugendlicher, Halberwachsener),

Bodybilding – „körperliches Traning zur Ausbildung guter Kärperformen“. Der synonymische Terminus dazu ist formale Entlehnung.

2 Lehnprägung oder Lehnbildung (осложненное заимствование) Diese Form besteht in der Nachbildung der fremden Semantik mit heimischen Sprachmitteln. Man unterscheidet hier folgende Unterarten:

а) Lehnübersetzung (калькирование) – Nachbildung der morphematischen Struktur von Fremdwörtern oder fremden Wortgruppen. Die Lehnübersetzung besteht in der Glied-für-Glied-Übersetzung (Morphem für Morphem, Wort für Wort). Im Ergebnis entstehen Übersetzungslehnwörter (слова-кальки) wie

Wandzeitung (vom Russ.: стенгазета), Held der Arbeit (vom Russ.: Герой труда),

Fußball (vom Engl.: football). Dieser Prozess wird anders als strukturelle Entlehnung bezeichnet [Лингвистический энциклопедический словарь, 1990;

С. 159].

b) Lehnübertragung ist eine freie Wiedergabe der Morphemstruktur der entlehnten Wörter. So ist das Wort Vaterland die freie Nachbildung vom lateinischen patria (das lat. pater wird als Benennungsmotiv übernommen),

Bestarbeiter, Beststudent, Bestschüler sind auch freie Nachbildungen von dem russischen отличник, Bürgerkrieg – vom lat. bellum civile.

c) Lehnbedeutung ist die Zuordnung einer fremdsprachigen Bedeutung zu einem deutschen Formativ. In diesem Fall wird für ein heimisches Wort die Bedeutung eines Fremdwortes übernommen. In der Bedeutungsstruktur des Wortes

Pionier ist neben der früheren Bedeutung „der Erste in der Reihe“, eine dem Russischen nachgebildete Neubedeutung „Mitglied einer Pionierorganisation“ entwickelt. Unter dem Einfluß des Englischen entstanden die Neubedeutungen

83

(neue Sememe) bei folgenden deutschen Wörtern:

Szene – „Bereich, in dem sich etwas abspielt“ vom engl. scene:

Rauschgiftszene;

realisieren – „etwas begreifen, wahrhaben wollen“ vom engl. to realize: Er will seine Niederlage nicht realisieren.

6.2 Soziale und linguistische Ursachen der Entlehnung

6.2.1 Die sozialen Ursachen

Die verlangsamte Überwindung des Feudalismus, die gescheiterte frühbürgerliche Revolution (die Reformation des 16. Jahrhunderts.) waren die historischen Ursachen für die späte und unvollkommene bürgerliche Entwicklung der Deutschen zu einer einheitlichen Nation. Deutschland blieb im Laufe der Jahrhunderte ein Land der Kleinststaaten und stand infolgedessen in verschiedenen historischen Zeitabschnitten unter dem wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Einfluss anderer, höher entwickelter Länder.

In erster Linie sind im lexikalischen System der deutschen Sprache Entlehnungen verwurzelt, die Sachverhalte einer höher entwickelten Kultur bezeichneten, auf der sich das Volk der „Spender-Sprache“ befand. Es waren vor allem Sachund Wortentlehnungen.

Diese Wörter weist die erste Schicht der lateinischen Entlehnungen in den westgermanischen Sprachen auf. In jener Zeit hatten die Römer gerade den Höhepunkt der gesellschaftlichen Entwicklung erreicht. Entlehnt wurden Wörter, die Begriffe dieser höher entwickelten materiellen Welt bezeichneten:

z. B. aus der Kriegstechnick: Straße (spätlat. (via) strata – „gepflasterter Weg“ – römische Heerstraße);

aus der Technik des Steinbaus: Mauer (mūrus), Keller (cellarium), Kammer

(camera);

aus Ackerbau, Garten-, Obst-, Weinbau: Frucht (fructus), Kohl (caulis),

Kirsche (ceresia) [Stepanova, Černyševa: 2003; С. 50].

Im 7. und 8. Jahrhundert wurden die deutschen Stämme weit christianisiert.

84

(Die Christianisierung der Germanen begann im 5. Jahrhundert). Eine bedeutende Zahl lateinischer und auch griechischen Entlehnungen bereicherte die deutsche Sprache bis zum 11. Jahrhundert infolge der Bildung und des Unterrichts, die in den Kirchen gepflegt wurden. Das sind solche Wörter wie Kirche (griech. Kyriakón), Altar (lat. altare), Engel (griech. ángelos), Teufel (griech. diabolos),

Tafel (lat. tabula), schreiben (lat. schribere).

Die dritte zahlreiche Übernahme von lateinischen Wörter ins Deutsche erfolgte im Zeitalter des Humanismus (14. – 16. Jh.). Das zeigt sich besonders im Fachwortschatz des Buchdrucks, der Musik, des staatlichen Lebens, der Kirche bemerkbar, und insbesondere im Wortschatz der Universitäten und der höheren Schule: Aula, Auditorium, studieren, Professor, Examen, Fakultät, Rektor.

Die lateinischen Entlehnungen aus der humanistischen Gelehrsamkeit gibt es auch in modernen Fachwortschätzen, z. B. im Buchdruck, in der Mathematik. Zahlreiche Termini werden aus dem Lateinischen, Griechischen oder durch eine Kombination der beiden gebildet: Kosmodrom, Kosmographie, Kosmovision, Television.

Soziale Faktoren in der weiteren Entwicklung Deutschlands bestimmten auch zahlreiche Entlehnungen aus dem Französischen. Hier sind drei Zeitabschnitte zu nennen. Der erste gehört dem Mittelalter (vom 12. bis 14. Jh.) und steht im engen Zusammenhang mit dem Einfluss des französischen Rittertums. Kultur, Lebenshaltung, höfisches Leben des Rittertums repräsentierten Sachund Wortentlehnungen. Die Mehrzahl davon verschwаnd mit dem Untergаng des Rittertums. Geblieben sind Wörter – die Bezeichnungen allgemeiner Begriffe und aus Sonderbereichen, die entweder als Historismen oder als Benennungen aktueller Gegenstände im Wortbestand weiter funktionieren, darunter: Manier, Tanz, fein, klar, prüfen, Abenteuer, Platz, Preis, Palast, Pavillon, Panzer, Turm, Turnier, Kristall, Rubin, Smaragd, Samt u. a. m.

Die zweite einflussreiche Entlehnungswelle aus dem Französischen erfolgte gegen Ende des 16. und im 17. Jahrhunderts. Die sozialen Ursachen liegen im Einfluss des französischen Absolutimus auf die herrschenden Klassen

85

Deutschlands. Diese Schicht umfasst einen reichen Wortschatz aus verschiedenen Lebensbereichen: Architektur und Möbel, Bauund Gartenkunst, Essen und

Trinken:

Balkon, Fassade, Galerie, Loge, Nische, Möbel, Sofa, Büffet, Kostüm, Perücke, Ballet, Ball, Dame, Torte, Omelette, Sauce, marinieren.

Die dritte Schicht von französischen Entlehnungen war eine direkte Folge der Französischen bürgerlichen Revolution. Das galt besonders den Schlagwörtern der Revolutionsbewegung, die auch im Deutschen als Fremdwörtern oder Lehnübersetzungen rasch geläufig wurden:

Revolution, liberal, Terrorismus, Jacobiner, Bürokratie, Demokrat, Fortschritt, Organisation, Fraktion, öffentliche Meinung.

Entlehnungen aus dem Italienischen sind nicht so zahlreich wie aus dem Französischen. Sie umfassen zwei historische Zeitabschnitte:

-vom 14. bis 16. Jahrhundert sind das lateinische Wörter, die als Folge der engen Handelsbeziehungen Süddeutschlands mit Oberitalien in die deutsche Sprache entlehnt wurden: Bank, Konto, Kredit, Risiko;

-im 17. und im 18. Jh. Waren es fast ausschließlich Fachwörter der Musik:

Oper, Konzert, Mandoline, Arie, Solo, Bariton, Duett, Operette, Sopran.

Entlehnungen aus dem Englischen traten gegen Ende des 18. und im 19. Jahrhundert ein. Sie wurden durch die rasche technische und soziale Entwicklung Englands verursacht.

In dem Bereich der Technik sind das Ventilator, Koks, Patent, patentieren und Lehnübersetzungen: Pferdekraft, Pferdestärke (hose power);

in dem Bereich der Finanzund Handlungsbeziehungen: Scheck, Banknote, Budget,Export;

in dem Bereich der Politik: Koalition, Kolonisation, Kongress, Opposition, Meeting;

in dem Bereich des Haushalts und anderen Lebensbereichen: Beefsteak, Brandy, Pony, Bulldogge, boxen, Boxer, Farmer, Klub u. a.

Der Entlehnungsprozess aus dem Englischen hört seit dem nicht mehr auf.

86

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, besonders nach dem zweiten

Weltkrieg, wurden Entlehnungen aus dem amerikanischen Englisch

(Amerikanismen, bzw. Anglo-amerikanismen) im Deutschen sehr aktuell und gleichzeitig zu modernen Wörter: Job, Hobby, Make-up, Teenager, Hitparade u.a.

Entlehnungen aus slawischen Sprachen umfassen drei Zeitabschnitte. Der erste umfasst die Zeit vom 11. bis 14. Jahrhundert. Das sind Bezeichnungen von Handelsobjekten und Lebensmitteln: Zobel, Stieglitz, Zeisig, Quark, Gurke.

Der zweite Abschnitt bezieht sich auf die Zeit vom 17. bis 19. Jahrhundert. Diese Entlehnungen stammen teilweise aus der russischen Literatur, teilweise kamen als Sach-und Wortentlehnungen, d. h. als Bezeichnungen bestimmter Gegenstände: Grippe (vom хрип), Steppe, Tornister, Droschke, Kalesche.

Die Entlehnungen der dritten Schicht funktionierten in der DDRWirklichkeit und sind meist Lehnübersetzungen bzw. Lehnübertragungen von russischen Wörter und Wendungen – Bezeichnungen der sozialistischen Realien:

Volkswirtschaftsplan, Wandzeitung, Kulturhaus, Patenbetrieb, Brigade u.a. Die meisten dieser Wörter sind mit dem Verschwand der von ihnen

bezeichneten Realien zu Historismen geworden.

6.2.2 Die linguistischen Ursachen der Entlehnung

Zu linguistischen Ursachen der Entlehnung gehören:

a)Der jeweilige Entwicklungsstand des semantischen Systems einer entlehnenden Sprache. Durch zahlreiche romanische Entlehnungen wurden thematische Reihen, thematische Gruppen bzw. lexisch-semantische Gruppen der deutschen Sprache aufgefüllt. So wurde die thematische Gruppe der Farbbezeichnungen durch Entlehnungen aus dem Fronzösischen erweitert: lila, beige, orange, violett, azurn.

b)Die Auffüllung thematischer Reihen und lexisch-semantischer Gruppen durch Entlehnungen expressiver Synonyme aus anderen Sprachen (der Bedarf an ausdrucksstarken Lexik):

kapieren (lat.) zu „begreifen“, „verstehen“,

87

krepieren (ital.) zu „sterben“, „verrecken“;

Visage (franz.) zu „Gesicht“.

c)Der Bedarf an euphemistischer Lexik. Das lexikalisch-semantische System des Deutschen verfügt über eine bedeutende Anzahl von ethischen und sittlichen Euphemismen fremden Ursprungs:

korpulent (lat) für „dick“; renomieren (franz) für „prahlen“.

d)Die Entlehnungen von Fremdwörtern zur terminologischen Verwendung. Entlehnungen dieser Art monosemieren das entlehnte Wort, in

diesem Fall wird nur eine lexisch-semantische Variante des Lexems entlehnt:

Frame.

e) Entlehnungen können gleich Stammwörtern zur Neutralisierung

einer übermäßigen Polysemie oder zum Schwund entbehrlicher Homonyme

beitragen. So hat das entlehnte Wort Insel (lat. insula) die ensprechende

Bedeutung aus polysemen Wörtern Wert, Werder vedrängt.

6.3 Wechselbeziehungen zwischen Stammwörtern und Entlehnungen

Probleme der Wechselbeziehungen zwischen Stammwörtern und Entlehnungen gehören zu den neuen Aspekten der Wortforschung. Das Zusammenwirken des lexikalisch-semantischen Systems der entlehnenden Sprache und der entlehnten Lexik beginnt schon beim Entlehnungsvorgang selbst. Der jeweilige Zustand des Systems setzt potenzielle Entlehnungen voraus. So war es mit der Auffüllung der thematischen Reihe von Farbbezeichnungen aus dem Französischen.

Das System der entlehnenden Sprache bestimmt ebenfalls auf verschiedenen Entwicklungsstufen des deutschen Wortbestandes weitere Veränderungen des entlehnten Wortgutes:

1 Bei Einführung der Entlehnungen in ein neues lexikalisch-semantisches System wird die semantische Struktur der Fremdwörter nur teilweise entlehnt. Die semantische Struktur der Fremdwörter kann reduziert werden: Job - Arbeit.

88

2 In einem neuen lexikalisch-semantischen System können Fremdwörter eine Tendenz zur Erweiterung ihrer semantischen Struktur zeigen: Tragödie, Komödie, Repertoire.

3 Die Entwicklung der semantischen Selbstständigkeit einer Entlehnung ist entscheidend für ihre Einbürgerung in ein neues System.

Unter der semantischen Selbstständigkeit einer Entlehnung wird die

Aufhebung der Dubletten-Beziehung in synonymischen Paaren Fremdwort –

Stammwort verstanden. Die semantische Selbstständigkeit manifestiert die Tatsache, dass das betreffende Fremdwort im lexikalisch-semantischen System seinen Platz einnimmt. Es wird zu einem notwendigen Lexem: Job – Arbeit, Teenager – Jugendlicher, Gazette - Zeitung.

4 Alle anderen Abwandlungen und Prozesse, denen Entlehnungen beim Funktionieren in einem neuen lexikalisch-semantischen System unterliegen, sind sekundäre Folge der semantischen Selbständigkeit: formelle Assimilation,

wortbildende Produktivität, Geläufigkeit/ regelmäßiger Gebrauch.

5 Die Wortschatzbereicherung durch die Entlehnung besteht nicht nur in der quantitativen Erweiterung des Wortbestandes, bei der Wörter entlehnt werden, die neue Gegenstände und Erscheinungen bezeichnen. Die Bereicherung des Wortbestandes offenbart sich auch darin, dass das Lehngut Ausdrucksmöglichkeiten der entlehnenden Sprache durch begriffliche und funktional-stilistische Differenzierungen erweitert, die Fremdwörter in den betreffenden semantischen (oder synonymischen) Reihen bewirken:

Zeitung – Gazette (abwertende Bedeutung)

Strauß – Bukett (gehoben).

Der Prozess der Eindeutschung ist meistens ein langfristiger Prozess, der die entlehnten Wörter nicht im gleichen Maße betrifft.

Die traditionelle Klassifikation der Entlehnungen, die von deutschen Germanisten stammt (H. Hirt, O. Behagel, F. Wrede u.a.), wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts allgemein gebraucht. Nach dem Grad der Eindeutschung unterscheidet man Fremdwörter und Lehnwörter. (Über andere Klassifikationen

89

sieh: [Ольшанский, Гусева 2005. – С. 134 - 135])

Als Lehnwörter bezeichnet man Entlehnungen, die im Deutschen völlig assimiliert sind, d.h. fremdes Wortgut, das dem deutschen Sprachsystem völlig inkorporiert und angeglichen ist, von den Sprachteilnehmern nicht mehr als fremd erkannt wird und somit als deutsch gilt. Fremdwörter dagegen haben ihren fremdsprachlichen Charakter bewahrt und fallen durch einige Merkmale auf. Aus romanischen Sprachen wurden z.B. zu verschiedenen Zeiten folgende Wörter übernommen: Banner, Abenteuer, Promenade, Salat, Bassin, Creme. Sie lassen erkennen, dass es ein breites Übergangsfeld zwischen Fremdund Lehnwort gibt. Dass Banner fremder Herkunft ist, kann nur die Wortgeschichte erhellen: Akzent (Wortbedeutung), Aussprache, Orthographie, Morphologie entsprechen deutschen Regeln. Abenteuer wird als fremd empfunden, obwohl es den Regeln der deutschen Phonemik und Grammatik folgt, weil es nicht in entsprechend deutsche Morpheme gliedern lässt. Promenade wirkt durch Akzent und das Wortbildungsmorphem – ade fremd. Salát hat eine zweite Form entwickelt: Sálat wie in Sálatpflanze. Hier ist Bedeutungsdifferenzierung eingetreten. Bassin behielt als Grundlautung eine französische Lautung: bassзñ und nicht bassi:n. Creme hat sich auch eine deutsche Parallelform entwickelt: Krem(e). Ähnlich sind auch Café und Kaffe zu sehen. Die

Bedeutungsdifferenzierung `Getränk` - `Pflanze` hemmt den

Eindeutschungsprozess von Café. So kann man Banner und Café als Beispiele für den polaren Gegensatz Fremdwort – Lehnwort betrachten.

Unter synchronem Aspekt kann man Lehnwörter nicht von deutschen Wörtern unterscheiden, sie wurden dem deutschen Regelsystem angepasst. Als Kriterien gelten: Lautung, Akzentuierung, Grammatik (formelle Assimilation), morphematische Struktur und damit die Eingliederung in Wortbildungsparadigma (wortbildende Produktivität) und die Geläufigkeit.

Morphematische Struktur: entlehntes Wortgut hat die deutschen Flexionsmerkmale (Pluralund Kasusbildung, Konjugation, Komparation): das Banner – des Banners. Das Lehngut muss von Anfang an grammatisch inkorporiert werden, damit es normgerecht in die Rede gefügt werden kann. Das

90

Соседние файлы в предмете [НЕСОРТИРОВАННОЕ]