Учебно-методическое пособие по общественно-политической тематике (уровень В1-В2). Немецкий язык. Специальности «Лингвистика», «Филология», «Психология
.pdf9. UNESCO will Kulturschätze bei bewaffneten Konflikten schützen
Auf ihrer Konferenz in Abu Dhabi haben die UNESCOMitgliedsstaaten einen internationalen Fonds beschlossen, um die Zerstörung von Kulturgütern zu verhindern. Auch ein Netz von "Zufluchtsorten" ist geplant.
Neben dem Schutz von Kulturgütern sollen mithilfe des Fonds auch Präventionsmaßnahmen im Kampf gegen illegalen Handel finanziert werden, hieß es in einer Erklärung zum Abschluss der zweitägigen Konferenz.
Für den Fonds sind mindestens 100 Millionen Dollar vorgesehen. Frankreich hat 30 Millionen Dollar zugesagt. Die "Erklärung von Abu Dabi" wurde einvernehmlich in Anwesenheit unter anderem des französischen Präsidenten François Hollande und der UNESCOGeneraldirektorin Irina Bokova verabschiedet. Sitz des Schutzfonds wird Hollande zufolge Genf sein.
Um durch Krieg und Terrorismus bedrohte Kulturschätze in Sicherheit zu bringen, soll es zukünftig außerdem ein "internationales Netz von Zufluchtszonen" geben. Die entsprechenden Stätten sollen in erster Linie in den betroffenen Staaten selbst eingerichtet werden, notfalls aber auch außerhalb der Konfliktregionen.
An der Konferenz nahmen Vertreter aus rund 40 Ländern teil. Deutschland war durch die Staatsministerin im Auswärtigen Amt und CDU-Politikerin Maria Böhmer vertreten. Böhmer hatte erklärt, der Schutz des Kulturerbes sei "eine globale Herausforderung". Zerstörungen, Raubgrabungen und illegaler Handel bedrohten das kulturelle Erbe der Menschheit.
Aufgaben zum Text
Beantworten Sie folgende Fragen zum Text:
1.Wie soll der Schutz von Kulturgütern finanziert werden? 2.Welchem Ziel dient ein " internationales Netz von Zufluchtszonen" ? 3. Warum ist das kulturelle Erbe der Menschheit in Gefahr?
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10. IS startet Großoffensive im Osten Syriens
Die IS-Terrormiliz hat im Osten Syriens mit einer großangelegten Offensive begonnen. Der Angriff fällt zusammen mit einer Erklärung der syrischen Opposition, dass man die neue russische Friedensinitiative unterstütze.
Mit einer Serie von Selbstmordattentaten sowie Raketenund Bombenattacken in der Stadt Deir ez-Zor hat die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die schwersten Angriffe seit mehr als einem Jahr in der gleichnamigen ostsyrischen Provinz gestartet. Mit der Offensive versucht der IS offenbar, die von den Regierungstruppen gehaltenen Stadtviertel und den stadtnahen Militärflughafen zu erobern. Das Regime stoppte den Angriff des IS durch massive Luftangriffe, wie die der Opposition nahestehenden Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet.
Dschihadisten versuchen Provinzhauptstadt einzunehmen
Laut der in London ansässigen Organisation starben bei den Kämpfen 20 Dschihadisten und zwölf Regierungssoldaten sowie zwei Zivilisten. Das syrische Staatsfernsehn berichtete dagegen lediglich von drei Toten und neun Verletzten in den von der Regierung kontrollierten Stadtvierteln. Die Truppen des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad halten nur etwa 40 Prozent der Stadt Deir ez-Zor. Der Großteil der gleichnamigen, ölreichen Provinz an der Grenze zum Irak ist in der Hand des IS, der die Stadtteile seit 2015 belagert. Die Eingeschlossenen werden seitdem aus der Luft mit Nahrungsmitteln, Waffen und Medikamenten versorgt.
Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte war der IS-Angriff der heftigste seit mehr als einem Jahr. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten in Syrien. Die Angaben der Organisation können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden. Eine Quelle aus dem syrischen Militär bestätigte jedoch der Nachrichtenagentur AFP, dass die Terrormiliz ihre Truppen um die Stadt verstärkt habe und versuche, die Verteidigungslinien der Regierungstruppen zu durchbrechen.
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Syrische Opposition unterstützt neue Friedensgespräche
Der Start der IS-Offensive im Osten Syriens erfolgte fast zeitgleich mit der Erklärung des oppositionellen Hohe Verhandlungskomitee Syriens (HNC), dass man die unter Federführung Russlands, der Türkei und des Irans vorbereiteten neuen Friedensgespräche unterstütze. Es sei zu hoffen, dass das Treffen am 23. Januar in der der kasachischen Hauptstadt Astana den seit dem 30. Dezember geltenden Waffenstillstand stärke, teilte das HNC nach einem zweitägigen Treffen in Riad mit.
Zudem erhoffe sich das HNC eine "Phase des Vertrauens" von dem Treffen. Die Zusammenkunft in Astana solle "den Weg für politische Gespräche" unter UN-Führung kommenden Monat in Genf ebnen. Dort sollen am 8. Februar formelle Friedensverhandlungen für Syrien unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stattfinden. An vorangegangenen Gesprächen in Genf hatte das HNC teilgenommen. Ob es auch in Astana dabei sein wird, ging aus der Erklärung nicht hervor.
Russland lädt Trump zu Syrien-Gesprächen ein
Obwohl Russland und die Türkei unterschiedliche Seiten im SyrienKonflikt unterstützen, hatten sie in den vergangenen Wochen eng zusammengearbeitet und unter anderem einen Waffenstillstand vermittelt, der allerdings nicht für den Kampf gegen Dschihadisten gilt. Die USA war an den jüngsten Verhandlungen dagegen nicht beteiligt. Zu den Friedensgesprächen in Astana soll Russland einem Zeitungsbericht zufolge jedoch auch den designierten US-Präsidenten Donald Trump eingeladen haben - ohne die noch amtierende US-Regierung unter Barack Obama einzubeziehen. Das Treffen in Astana findet drei Tage nach Trumps Amtseinführung statt.
Aufgaben zum Text
Beantworten Sie die Fragen zum Text:
1.Wo begann eine neue Offensive der Terrormiliz in Syrien? 2.Worin besteht das Ziel der Dschichadisten? Wieviel Menschen sind bei den Kämpfen ums Leben gekommen?
3.Wann und wo werden neue Friedensgespräche geführt? 4.Welche Perspektive haben Friedensverhandlungen für Syrien?
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Zuwanderung, Flüchtlinge, Terrorismus
11. Merkel: "Wir sind stärker als der Terrorismus"
Bundeskanzlerin Angela Merkel ruft die Menschen in Deutschland auf, optimistisch ins neue Jahr zu gehen und dem Terror die Stirn zu bieten. Für 2017 kündigt sie aber auch neue Sicherheitsmaßnahmen an.
2016 geht zu Ende, 2017 steht vor der Tür. In ihrer Neujahrsansprache spricht Angela Merkel von einem "Jahr der schweren Prüfungen", das hinter den Deutschen liegt. Dabei sei der islamistische Terrorismus "ohne Zweifel" die "schwerste Prüfung" gewesen. Mehrfach hatten Attentäter im Verlauf des Jahres zugeschlagen: in Würzburg, in Ansbach und Mitte Dezember auch in Berlin.
Zwölf Menschen kamen auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche ums Leben, als der Tunesier Anis Amri einen Sattelschlepper in die Menschenmenge fuhr. Der 23-Jährige war als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Es sei "besonders bitter und widerwärtig", so die Bundeskanzlerin, wenn Terroranschläge von Menschen begangen würden, "die in unserem Land angeblich Schutz suchen". Die deutsche Hilfsbereitschaft, aber auch diejenigen, "die tatsächlich unseren Schutz brauchen und verdienen", würden durch diese Taten "verhöhnt".
Nach wie vor ist die Trauer um die Toten und Verletzten groß. Das ist auch in der Neujahrsansprache zu spüren. Inmitten dieser Trauer spüre sie aber auch Zuversicht, sagt Angela Merkel. "In einer festen Entschlossenheit, der Welt des Hasses der Terroristen unsere Mitmenschlichkeit und unseren Zusammenhalt entgegenzusetzen." Im Kern bestätigt die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende in ihrer Botschaft für das neue Jahr ihre bisherige Linie in der Flüchtlingspolitik. "Indem wir zum Beispiel mit den Bildern des zerbombten Aleppo in Syrien vor Augen noch einmal sagen dürfen, wie wichtig und richtig es war, dass unser Land auch im zurückliegenden Jahr denjenigen, die tatsächlich unseren Schutz brauchen, geholfen hat, hier bei uns Tritt zu fassen und sich zu integrieren."
Für die Kanzlerin sind die Terroristen allein "Mörder voller Hass". Rechtsstaat und Demokratie seien der Gegenentwurf dazu. "Unsere
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Werte werden stärker sein als der Terrorismus". Auch der Staat werde dem Terror die Stirn bieten und damit für die Bürger "Sicherheit in Freiheit" gewährleisten. "2017 werden wir als Bundesregierung dort, wo politische oder gesetzliche Veränderungen nötig sind, schnellstens die notwendigen Maßnahmen in die Wege leiten und umsetzen", kündigte Merkel in ihrer Rede an, die am Silvesterabend ausgestrahlt wird.
Der Demokratie und den Menschen dienen
Für das neue Jahr wünscht sich die Bundeskanzlerin mehr Zusammenhalt und eine Stärkung der Demokratie. Viele Menschen würden mit dem Jahr 2016 das Gefühl verbinden, die Welt sei aus den Fugen geraten. Errungenschaften wie die EU und die parlamentarische Demokratie würden infrage gestellt, weil sie sich angeblich nicht um die Interessen der Bürger kümmerten. Der Kommentar der Kanzlerin dazu: "Was für Zerrbilder." Ja, Europa sei langsam und mühsam. Aber: "Wir Deutschen sollten uns niemals vorgaukeln lassen, eine glückliche Zukunft könnte je im nationalen Alleingang liegen."
Im September 2017 wird der Deutsche Bundestag neu gewählt. Auch darauf geht Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache ein. Die parlamentarische Demokratie erfordere "Widerspruch und Mitsprache". Das aber stets friedlich und respektvoll. "Ich werde mich für eine politische Auseinandersetzung einsetzen, bei der wir über vieles leidenschaftlich streiten werden, aber stets wie Demokraten, die nie vergessen, dass es eine Ehre ist, unserer Demokratie und damit den Menschen zu dienen."
Aufgaben zum Text
Beantworten Sie die Fragen zum Textinhalt:
1.Warum spricht Angela Merkel von einem "Jahr der schweren Prüfungen "?
2.Wie verstehen Sie die Worte von Merkel: Unsere Werte sind stärker als der Terrorismus?
3.Worin sieht die Kanzlerin ihr Ziel im Jahre 2017?
12.Juncker gegen Änderung der Flüchtlingspolitik
EU-Kommissionspräsident Juncker warnt vor einem Kurswechsel in der europäischen Flüchtlingspolitik. Auch der designierte US-
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Präsident Trump schaltet sich in die Debatte um den Anschlag von Berlin ein.
"Europa muss den Menschen, die aus den Kriegsgebieten und vom Terror fliehen, Zuflucht bieten", sagte Juncker den Zeitungen der Funke Mediengruppe mit Blick auf den mutmaßlich von dem Tunesier Anis Amri veübten Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten.
"Es wäre falsch, alle Flüchtlinge unter einen TerrorismusGeneralverdacht zu stellen". Wer auf eine Rhetorik der Ausgrenzung setze, befeuere die Spirale des Hasses, betonte der Chef der Europäischen Kommission. "Unsere Werte, unsere Art des Zusammenlebens in Freiheit, im Miteinander und in Offenheit sind die besten Waffen gegen den Terror", sagte Juncker.
Mehr Kooperation gefordert
Der Kommissionspräsident forderte als Konsequenz aus dem Anschlag von Berlin eine intensivere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsstaaten: "In einer Zeit, in der Terroristen nicht an Grenzen halt machen, reichen die Mittel nationaler Innenpolitik nicht mehr aus", unterstrich Juncker. Ziel müsse es sein, "Informationen vor allem im Schengen-Raum besser auszutauschen, Schlupflöcher für Terroristen zu schließen und ihre Finanzquellen trockenzulegen". Dazu habe die EU-Kommission auch konkrete Vorschläge vorgelegt, sagte der ehemalige Ministerpräsident von Luxemburg. Amri hatte vergeblich versucht, in Deutschland Asyl zu bekommen, wurde aber nicht in seine Heimat abgeschoben, weil sich Tunesien weigerte, ihn aufzunehmen.
Trump twittert gegen IS
Der künftige US-Präsident Donald Trump nannte das von der Terrororganisation "Islamischer Staat" verbreitete mutmaßliche Bekennervideo Amris eine "klare religiöse Drohung". In einer ersten Erklärung über den Kurzbotschaftendienst Twitter zitierte Trump das Video, in dem Anis Amri gedroht haben soll: "Mit dem Willen Gottes werden wir Euch alle schlachten, Ihr Schweine".
In einem zweiten Tweet führte der künftige US-Präsident weiter aus, bei der Botschaft handle es sich um eine "klare religiöse Drohung, die Realität wurde." Trump fügte hinzu: "So viel Hass. Wann werden die USA, und alle anderen Länder, zurückschlagen?"
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Aufgaben zum Text
Suchen Sie im Text nach Informationen zu folgenden Punkten: 1. Prinzipien der europäischen Flüchtlingspolitik 2.Zusammenarbeit der EUMitgliedstaaten
3.Position von Trump gegenüber der terroristischen Organisation " IS"
13.Kommentar: Eine offene Gesellschaft braucht Sicherheit
Noch schärfere Gesetze, mehr (Video-)Überwachung, eine schlagkräftigere Polizei - Deutschland soll nach dem Terroranschlag in Berlin aufgerüstet werden. Das ist richtig, reicht aber nicht, meint Sabine Kinkartz.
Der Beginn eines neuen Jahres ist eine Zäsur. Nicht nur kalendarisch, sondern auch emotional. Es geht etwas zu Ende und etwas Neues beginnt. Entsprechend groß ist die Fülle der (guten) Vorsätze. Wir wollen etwas ändern. Und uns selbst in der Regel gleich dazu. Wir begrüßen das neue Jahr mit einem Feuerwerk. Wir feiern es und stoßen auf das Bevorstehende an. Das entspricht einer optimistischen Grundhaltung. Alles kann und wird besser werden. Hoffentlich.
Auch unser Land, unsere Gesellschaft erlebt eine Zäsur. Sie wird 2017 zu einem Jahr der Veränderungen machen. Den Einschnitt markiert der Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz, bei dem zwölf Menschen starben. Über die innere Sicherheit wurde schon vorher diskutiert. Nach der Messer-Attacke in Hannover, der Sil- vester-Nacht in Köln, der Axt-Attacke in einer Regionalbahn in Würzburg, nach der Rucksack-Bombe in Ansbach. Doch mit dem Terrorakt in Berlin eröffnet sich in vielerlei Hinsicht eine neue Dimension.
Terror in den Köpfen
Und das nicht nur, weil die CSU ihre um diese Jahreszeit üblichen, lautstarken Forderungen nach mehr Polizei, mehr Überwachung, schärferen Gesetzen und Ausweitung der Abschiebehaft stellt. Forderungen, die im Übrigen nicht neu sind. Schon der einstige Bundesinnenminister Otto Schilly (übrigens ein SPD-Minister) wollte 2004, dass auf hoher
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See aufgegriffene Flüchtlinge nicht nach Europa gebracht, sondern direkt zurück geschickt werden sollten.
Nein, mit dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt hat sich etwas Grundlegendes verändert. In vielen Köpfen in Deutschland und ja, ich gebe es zu, auch in meinem. Ich habe Angst. Angst vor neuem Terror. Nicht etwa, weil ich fürchte, Opfer eines Anschlags zu werden. Soweit funktioniert meine Ratio dann doch noch, um zu wissen, dass ich eher im Straßenverkehr ums Leben kommen werde, als einem Attentat zum Opfer zu fallen. Nein, es ist die Angst davor, was der Terror aus meinem Land machen wird. Aus der offenen, freien und friedliebenden Gesellschaft, in der ich seit Jahrzehnten unbeschwert leben durfte.
Das Gift des Misstrauens
Ein Unbehagen hat sich breit gemacht. Ein Frösteln. Ein Gefühl der Unsicherheit. Von Freunden und Bekannten, die an den Weihnachtstagen in der Kirche waren, habe ich gehört, dass sie dort misstrauisch in fremde Gesichter geblickt haben. Dass sie beim Anblick eines dunkelhäutigen, bärtigen Mannes froh waren, wenn dieser keinen Rucksack bei sich trug. Dass sie erleichtert waren, wenn neben jungen Migranten deren Betreuer oder Pflegeeltern auftauchten. Ich habe aber auch gehört, dass meine Freunde und Bekannten sich für ihr Denken geschämt haben, dass sie es schlimm fanden, was ihnen durch den Kopf ging.
Unbehagen, Unsicherheit, Angst. Das Gift, das die Terroristen verspritzen, wirkt langsam, aber es wirkt. Bei dem einen schneller, bei dem anderen langsamer. Antworten viele Menschen heute noch mit heroischer Gelassenheit auf den Terror, kann das morgen ganz anders aussehen. Auch wenn es immer Menschen geben wird, die immun sind - sie werden mit jedem Terroranschlag weniger werden. Und das ist es, was mir Angst macht. Denn wer sich fürchtet, der zieht sich zurück. Der schottet sich ab und baut Mauern. Aber hinter Mauern lebt es sich nicht gut. Nicht frei, nicht froh und unbeschwert. Wer sich fürchtet, der sehnt sich zudem nach einer starken Hand. Der ist anfällig für allzu einfache politische Parolen.
Überall beobachtet?
Was können wir tun? Zum einen finde ich es richtig, dass die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden sollen. Polizei und Sicherheitsbehörden müssen dem Terror gewachsen sein und in jeder Hinsicht ausreichend Schlagkraft haben. Und nein, ich bin nicht naiv. Natürlich
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weiß ich, dass vieles, was vordergründig auf die Bekämpfung des Terrors abzielt, auch Folgen für unbescholtene Bürger haben wird.
Wenn beispielsweise die Videoüberwachung deutlich ausgebaut wird, wenn es immer mehr Kameras im öffentlichen Leben gibt, wenn jeder Schritt nachvollzogen werden kann, wenn Bewegungsprofile erstellt werden können, dann betrifft das jeden Bürger. Bin ich noch frei, wenn ich ständig überwacht werde? Ändere ich nicht vielmehr mein Verhalten im Wissen um die Kameras? Wie viel Privatsphäre gebe ich auf? Was geschieht mit meinen Daten?
Mehr gefühlte Sicherheit ist nötig
Das sind durchaus berechtigte Fragen, aber sie müssen angemessen beantwortet werden. Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat, der sich gegen eine terroristische Bedrohung wehren muss. Tut er das nicht, dann ist er in großer Gefahr. Nicht nur durch den Terror, sondern auch, weil er sich unglaubwürdig macht. Der Staat muss für die Sicherheit seiner Bürger sorgen. Auch für die gefühlte. Jeder weiß, dass absolute Sicherheit nicht zu erreichen ist. Aber jeder will zumindest das Gefühl haben, sicher zu sein.
Dieses Gefühl ist überlebenswichtig für eine offene Gesellschaft. Nur wenn ich mich nicht dauernd misstrauisch umschauen muss, kann ich auf andere zugehen. Das gilt heute noch mehr als früher. Schließlich stehen wir vor der großen Aufgabe, hunderttausende Flüchtlinge zu integrieren und sie so zu Mitgliedern unserer Gesellschaft zu machen. Eine Aufgabe, die nicht zu schaffen sein wird, wenn sich immer mehr Menschen zurückziehen und abschotten.
Deswegen müssen auch die Flüchtlinge ein Interesse daran haben, die offene Gesellschaft zu verteidigen. Sie müssen aufmerksam sein, aktiv gegen Gewalt und Radikalismus in den eigenen Reihen vorgehen. In Verdachtsfällen Hilfe einfordern. Ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Auf dass 2017 besser werde, als das letzte Jahr. Hoffentlich.
Aufgaben zum Text
Beantworten Sie folgende Fragen:
1.Wie soll eine offene Gesellschaft gegen die Terroristen aufgerüstet werden?
2. Was versteht der Autor unter dem Begriff "das Gift des Misstrauens "?
3.Was können nach der Meinung des Autors einfache Bürger in einer
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solchen gefährlichen Situation tun?
4. Warum sollen auch Flüchtlinge daran interessiert sein, diese Gesellschaft zu verteidigen?
Diskutieren Sie zum Thema: Probleme des Terrorismus in der heutigen Welt.
14. Einwandererparadies Kanada
Die Welt mag sich gegen Flüchtlinge und Migranten abschotten, Kanada geht einen anderen Weg - aus Überzeugung und Eigeninteresse.
Wenn irgendetwas das Jahr 2016 in der westlichen Welt geprägt hat, dann waren es Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit und Abschottung. In den USA gewann Donald Trump die Wahl. Eines seiner wichtigsten Wahlversprechen: Er will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen lassen. Eine Mehrheit der Briten stimmte für den Ausstieg aus der Europäischen Union, auch hier ging es vielen darum, die Einwanderung stärker kontrollieren zu können. Und in fast allen europäischen Ländern sind rechte Parteien auf dem Vormarsch, überall mit dem Ziel, Migranten abzuhalten.
Die wohl einzige größere Ausnahme ist Kanada. Der jetzige liberale Premierminister Justin Trudeau hatte die Wahl im Oktober 2015, auf dem Höhepunkt der europäischen Flüchtlingskrise, auch mit dem Versprechen von mehr Einwanderung gewonnen. Er wollte auch mehr syrische Flüchtlinge aufnehmen. Sein konservativer Gegenspieler Stephen Harper hatte dagegen im Wahlkampf Stimmung gegen Muslime gemacht. Als Regierungschef hat Trudeau ankommende Syrer sogar am Flughafen mit Handschlag begrüßt.
Doch eine liberale Einwanderungspolitik insgesamt stand bei der Wahl gar nicht zur Debatte. Die hat in Kanada Tradition. Allerdings sucht sich das Land seine Einwanderer weitgehend selbst aus, Wirtschaftsmigranten ebenso wie Bürgerkriegsflüchtlinge. Jährlich sind es rund 300.000 Menschen bei einer Gesamtbevölkerung von 36 Millionen.
Das sind absolut und auch relativ zur Bevölkerung weniger als die Zahl derer, die 2015/16 nach Deutschland gekommen sind. Doch Kanada
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