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Методичка_Arbeit und Beruf.Umweltschutz_ 2й сем...doc
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Der Job fürs Leben hat ausgedient

Zweit- und Drittberufe werden Normalität – Charaktereigenschaften genauso wichtig wie fachliche Fähigkeiten

Trendforscher und Ökonomen beschäftigen sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema „Zukunft der Arbeit“. Ob die amerikanischen Trendforscher John Naisbitt oder Faith Popcorn, ob der deutsche Buchautor Matthias Horx, ob der Leiter des Gottlieb-Duttweiler-Instituts in Rüschlikon / Schweiz, Christian Lutz, oder Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology mit ihren Zukunftsszenarien über die Arbeit und die Organisationen von morgen: Sie alle kommen zu ähnlichen Ergebnissen bei der Frage, wie sich die menschliche Arbeit beim Übergang vom Industrie- ins Informations- und Wissenszeitalter verändern wird.

Die Arbeitswelt wird bunter und schillernder, aber auch riskanter. Das Leitbild der Industriearbeitsgesellschaft, der (männliche) Facharbeiter, verliert immer mehr an Bedeutung. Für die Arbeitswelt von morgen schälen sich neue „Prototypen“ heraus.

Der Rest der Langzeit-Angestellten: Die komplexer werdende Arbeit bedeutet Auflösung der klassischen Berufsbiographien. Es wird kaum noch Jobs geben, die man ein (Arbeits-)Leben lang macht. Dennoch wird das Gros der arbeitenden Bevölkerung auf dem Anspruch einer lebenslangen Arbeitsbiographie beharren. Doch diese Gruppe gerät durch mehrere Prozesse immer stärker unter Druck: durch schleichende Kürzungen von Sozialleistungen durch kleiner werdende Unternehmen und damit verbundene anhaltende Entlassungen, durch steigende Anforderungen und wachsenden Leistungsdruck.

Neue Selbstständige: Dieser Gruppe gehört die Zukunft. Schon von den Angestellten eines heutigen Unternehmens wird verlangt, unternehmerisch zu denken und zu handeln. So stellt sich die Frage, warum dies im klassischen Arbeitnehmer-Status geschehen muss. Die wichtigsten Merkmale dieser Gruppe: Interdisziplinäre Tätigkeiten gewinnen an Bedeutung. Zweit- und Drittberufe werden Normalität. Immer mehr Menschen arbeiten zur gleichen Zeit für mehrere „Arbeitgeber“. Aus Hobbys werden Berufe und umgekehrt. Lebensabschnitte mit viel Arbeit und Verdienst wechseln mit Phasen der Muße, der Neuqualifizierung und der Neuorientierung, auch ohne hohes Einkommen. Selbst-Darstellung und Selbst-Vermarktung gehören zum Auftritt. Zunehmend sind charakterliche Eigenschaften wie „emotionale Intelligenz“ und Fähigkeiten des „Selbstmarketings“ Teil des Kompetenzspektrums eines jeden. Teamfähigkeit, ja sogar Charme gehören zum Kernbereich der Qualifikation.

Neue Spezialarbeiter: Soweit sie (noch) nicht neue Selbstständige sind, wird es sie — zumindest für eine längere Übergangszeit — in den Firmen geben: flexible „High-Skill-Worker“, also Menschen, die über besondere Fertigkeiten verfügen, die schnell lernen können und hochgradig teamworkfähig sind.

Sie repräsentieren die Spitze einer neuen Leistungsgesellschaft mit überdurchschnittlichem Einkommen. Mit ihrer Hilfe, mit High Tech und hohem Kapitaleinsatz können Unternehmen auf den globalen Märkten konkurrieren. Die hier zu Lande händeringend gesuchten Spezialisten der Informationstechnologie zum Beispiel gehören zu dieser neuen Arbeiter-Spezies.

Die Verlierer: Schon heute liegt der Anteil der „ökonomisch Randständigen“ in den Industrieländern bei rund 20 Prozent. Als soziale Couch Potatoes gehören sie zu den Ausrangierten der drohenden Zwei-Drittel-Gesellschaft. Sie bilden einen eigenen Lebensstil aus Resignation und Schwarzarbeit, eine Schattengesellschaft der Randständigen, die durch die Transferleistungen der Wohlfahrtsgesellschaft am Leben gehalten wird. Die Arbeit hat nicht nur eine, sie hat viele Zukünfte.

Dagmar Deckstein Süddeutsche Zeitung, 29./30.4.2000