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8.6. Die Pausen

Als P a u s e n bezeichnet man kurze Unterbrechungen im Redestrom, die ihn in kleinere Segmente trennen und dem Hörer dadurch die Wahrnehmung der Informationen erleichtern. Pausen sind jedoch nicht nur für den Hörer wichtig. Sie sind nicht weniger notwendig für den Sprecher, denn er holt in dieser Zeit Luft, um weiter sprechen zu können, und plant seinen weiteren Text.

Die Hauptfunktion der Pausen in der Rede ist die delimitative: Die Pausen trennen den kontinuierlichen Strom von Lauten in kleinere Abschnitte. Außerdem sind die Pausen physiologisch wichtig (zum Einatmen) und strategisch notwendig (zur Redeplanung, zur Suche nach richtigem Wort). In manchen Fällen wirkt die Pause außerdem distinktiv: Ein bekanntes Beispiel dafür ist: Казнить /нельзя // помиловать, aber auch im Deutschen gibt es solche Sätze, die verschiedenen Sinn bekommen, wenn die Stelle der Pause geändert wird, z.B.:

a) Er schenkte den Ring der Tochter/ seiner Freundin.

Er schenkte den Ring / der Tochter seiner Freundin.

b) Der Angeklagte sagte,/ der Richter sei verrückt.

Der Angeklagte,/ sagte der Richter,/ sei verrückt.

c) Der brave Mann/ denkt an sich selbst zuletzt.

Der brave Mann denkt an sich, / selbst zuletzt.

Pausen kann man nach verschiedenen Prinzipien klassifizieren, und die Wissenschaft kennt einige Pausenklassifikationen.

Auf der physiologischen Grundlage unterscheidet man Pausen zum Einatmen und Pausen ohne Einatmen. Pausen zum Einatmen gliedern den Redestrom, geben dem Sprecher Zeit zur Redeplanung. In dieser Zeit versorgt der Redner seine Lunge mit Luft. Pausen ohne Einatmen spielen nur die delimitative und strategische Rolle.

Sprechpausen sind unterschiedlich lang. Nach ihrer Länge unterscheidet man

  • überkurze (unter 100 msek.),

  • kurze (100-250 msek.),

  • mittellange (250-500 msek.),

  • lange (500-1000 msek.) und

  • überlange Pausen (über 1 Sekunde).

Ungefähr so werden die Redeunterbrechungen von unserem Ohr bewertet.

Von allen Klassifikationen der Pausen ist für die Linguistik ihre Gliederung nach sprachlichem Wert am wichtigsten, d.h. die Einteilung der Pausen nach ihrer Rolle in der Sprache. Von diesem Standpunkt aus unterscheidet man syntaktische und nichtsyntaktische Pausen (Hesitationen).

S y n t a k t i s c h e Pausen liegen an der Grenze syntaktischer Einheiten und trennen den Text in Sinnesabschnitte, z.B.: Die Musik / verzauberte den Raum.// Sie war die Südwind,/ wie eine warme Nacht, / wie ein gebauschtes Segel unter Sternen,/ ganz und gar unwirklich,/ diese Musik/ zu „Hoffmanns Erzählungen“. // (E.-M. Remarque). Dadurch erleichtern diese Pausen dem Hörer das Verstehen des Textes.

N i c h t s y n a k t i s c h e Pausen erscheinen an falschen Stellen im Text. Sie zerreißen ihn, erschweren die Wahrnehmung des Inhalts und nerven den Hörer: Sie sind ... sie ist später gekommen und ...e-e-e-e ... hatte kein ... e-e-e- ... keine Dokumente mit.

Hesitationen zeugen von der Unsicherheit des Sprechers, von seinen geringen rhetorischen Fertigkeiten und sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Besonders ärgert sich der Hörer über nichtsyntaktische Pausen, die mit verschiedenen Lauten (e-e-e-e, m-m-m-m, a-a-a-a usw.) gefüllt sind. Diese Einschübe sind in erster Linie aus der Rede zu verbannen.

Syntaktische Pausen trennt man in gliedernde (Endpausen) und verbindende (Zäsuren). Zäsuren trennen die Teile der Aussprüche und sind mit Spannung gefüllt. Die Endpausen signalisieren dem Hörer eine kurze Entspannung, weil die Information provisorisch zu Ende ist.

Syntaktische Pausen sind beim Sprechen absolut notwendig und in jeder Rede willkommen. Nichtsyntaktische Pausen müssen nach Möglichkeit gemieden werden.

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