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4.3. Kombinatorische und positionsbedingte Lautmodifikationen

Alle Arten von Lautmodifikationen haben dieselben zwei Ursachen: Sie werden entweder durch die Lautnachbarschaft oder durch die Position des Lautes im Wort verursacht. Manchmal wirken die beiden Faktoren zusammen (z.B., bei der Gemination).

Lautmodifikationen, die durch die Nachbarlaute im Redestrom entstehen, werden k o m b i n a t o r i s c h genannt. Sie beziehen sich sowohl auf Vokale als auch auf Konsonanten: Vokalharmonie, Labialisierung, Palatalisation usw.

Modifikationen, die durch die Veränderung der Position des Lautes im Wort hervorgerufen werden, heißen p o s i t i o n e l l . Sie können dabei entweder durch die Veränderung der Stellung des Lautes im Wort (Anlaut, Inlaut oder Auslaut) oder durch die Verschiebung der Betonung zustande kommen: Auslautverhärtung, Reduktion oder Dehnung der Vokale u.ä.m. Manchmal sind die beiden Faktoren gleichzeitig im Spiel. Das erleben wir, z.B., bei dem festen Einsatz: Hier ist die Stellung des Vokals im Wort wichtig (der Wortanlaut) und auch Betonung (eine betonte Silbe). Dasselbe gilt auch für die Behauchung: Stimmlose Plosive werden nur in betonten Silben am Wortanfang oder -ende behaucht gesprochen.

4.4. Vokalische und konsonantische Modifikationen

Modifiziert werden im Redestrom sowohl Vokale als auch Konsonanten. Dabei sieht man unter diesen Modifikationen sowohl Assimilationen als auch Akkommodationen.

Zu den vokalischen kombinatorischen Assimilationen gehören:

  • d er U m l a u t – Veränderung der Reihe oder Hebung der Vokale [a], [o], [u] durch einen Vokal der vorderen Reihe: die Nacht – nächtlich, die Woche – wöchentlich;

  • d ie V o k a l h a r m o n i e – leichte Hebung oder Senkung des reduzierten [ə] unter dem Einfluss des betonten Stammvokals: haben – heben – unter den Hieben. Bei diesem Prozess gleicht sich der unbetonte Vokal dem betonten teilweise an.

  • d ie N a s a l i s a t i o n der Vokale oder Konsonanten durch die nasalen Nachbarlaute: binden, Namen.

Vokalische positionelle Modifikationen sind im Deutschen ebenfall vetreten und zeigen sich als

  • R e d u k t i o n (Raffung) der langen Vokale in unbetonten Silben: ´Uni – Universi´tät; ´Bio – Biolo´gie;

  • leichte D e h n u n g der unbetonten Vokale am absoluten Wortende:

im Kino [o·], dein Foto [o·];

  • V o k a l i s i e r u n g des [r] nach langen Vokalen (vor allem im Auslaut, aber auch im Inlaut: die Ehre, die Herde, die Erde -– []) und im Auslaut in Verbindung mit dem reduzierten [ә]: bitter, unser [ɐ] usw. und den

  • f e s t e r E i n s a t z der betonten Vokale am Silbenanfang: zu ’Ende, er’öffnen, be’enden usw.

Zu den kombinatorischen Assimilationen der Konsonanten zählen:

  • A s s i m i l a t i o n d e r S t i m m h a f t i g k e I t : das sind;

  • A s s i m i l a t i o n d e r A r t i k u l a t i o n s s t e l l e : singen;

  • A s s i m i l a t i o n d e r A r t i k u l a t i o n s a r t: zimber = Zimmer;

  • N a s a l i s a t i o n der Konsonanten zwischen zwei Nasalen: finden;

  • G e m i n a t i o n – Zweigipfligkeit und Dehnung des Konsonanten an der Morphem- oder Wortgrenze: kann nicht, dickköpfig. Es sei nochmals betont, dass in diesem Fall die Position und die Nachbarschaft der Laute zusammen im Spiel sind.

Positionell bedingt sind solche Konsonantenmodifikationen wie:

  • die A u s l a u t v e r h ä r t u n g (das Auslautgesetz), d.h. die Entstimmlichung stimmhafter Konsonanten am Morphemende: Berge – Ber[k]; halbe – hal[p];

  • die A s p i r a t i o n (Behauchung) – stark behauchte Aussprache der stimmlosen Anfangs- und Endplosive in betonten Silben: tut, Kessel;

Die wichtigsten Akkommodationsarten sind:

  • die L a b i a l i s i e r u n g – gerundete Artikulation der Konsonanten durch den Einfluss der labialisierten Vokale: das Bºuch, die T ºücher, die K ºugel;

  • die P a l a t a l i s i e r u n g – Verschiebung der Artikulationsstelle in Richtung harter Gaumen durch die Vokale der vorderen Reihe: Küche, Kirche, ging, der Dienst;

  • die V e l a r i s i e r u n g – Verschiebung der Artikulationsstelle des [ç]-Lautes nach hinten durch die hinteren Vokale: ]e – Ku[x]en; Kö]e – ko[x]en, Brü[ς]e – gebro[x]en.

Zur Bezeichnung der regelmäßigen Lautmodifikationen werden in der Transkription spezifische – diakritische – Zeichen verwendet. Sie bezeichnen konkrete Eigenschaften jedes Lautes: [a:], [a·], [bº] usw.

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