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Musik, Theater, Kino lesen, übersetzen und diskutieren Музыка, театр, кино читаем, переводим и обсуждаем. Учебно-методическое пособие

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06.09.2026
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Pietro Spagnoli — die pure Freude
Was allein der bühnenfüllende Power-Bass Pietro Spagnoli als in teu­felsrot gewandeter Höllenportier stimmlich wie darstellerisch leistet, ist die pure Freude. Irgendwie erinnert seine Person an selbige Rolle im Film »Hotel Budapest«, wie seine kaum weniger präsente, wuselig dominante Intrigen-Assistentin Despina ein ganzes Repertoire an Zofen, Bauern­schlauen, Spinnerinnen abspult. Sylvia Schwartz füllt mit stahlglänzendem Sopran diese scheinbare Nebenrolle beeindruckend aus. Auch das satire­satte rosenrote Flatterkostüm mit dem Metal-Lack-Stiefeln trägt nicht unwesentlich dazu bei.
Noch mehr allerdings glänzt das Quartett der Liebenden. Am meisten wohl die erst kurz vor der Premiere eingesprungene Ida Aldrian für die erkrankte Stephanie Lauricella. Wie sich die österreichische Mezzosopra­nistin in nur einem Tag in die doch sehr fordernde und Präzision gebie­tende Inszenierung fand, verdient größten Respekt.
Ida Aldrian war so die perfekte Partnerin der Sopranistin Maria Bengts­son, deren Spiel und Stimme derzeit von einem Höhepunkt zum nächsten eilen. Beide gemeinsam waren das Traumpaar des Abends. Allerdings gingen sie nur knapp vor Kartal Karagedik (Guglielmo) und Dovlet Nur­geldiyev (Ferrando) durchs Ziel, die beide Komödie und stimmliche Klas­se zu böser Suggestion vertieften.
Der Dämon der Zerstörung
Die menschlichen Unzulänglichkeiten, die Mozart am Ende der »Cosi« in einer Scheinharmonie des Vergebens und Vergessens münden lässt, bleiben unhinterfragt im Raum, ebenso wie die großspurigen männlichen Absolutionsverteilungen. Die Gesellschaft der Bigotten steht auf brüchi­gen Füßen, unter aller Harmonie lauert der Damön der Zerstörung. Diesen Aspekt vernachlässigt Herbert Fritschs Farben- und Personenführungs­wirbel sehr. Es wird sehr viel an der Rampe vorgeführt, perfekt gesungen, genial ausgeleuchtet, vom opulenten Chor (Eberhard Friedrich) und top­motivierten Tänzern unterfüttert. Wie der traurige Rest vor allem bei den männlichen Parts der zerrissenen Liebhaber zuweilen aufglänzt, berührt umso mehr.
Sehr großer Premierenjubel für alle. Hoffentlich behält die Inszenierung immer so ein tolles Ensemble.
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Text 2 Pina Bausch: Inbegriff des Weltläufigen
Vordergründig könnte man Pina Bauschs Biografi e als ortsfest be- trachten. Doch in ihrer künstlerischen Arbeit stand das Interkultu­relle im Fokus wie bei kaum jemandem zuvor im Tanz.
Eigentlich könnte man den Lebensweg der Pina Bausch (1940–2009) als unspektakulär bezeichnen: Außer einem Arbeitsaufenthalt in den USA zwischen 1959 und 1961 war die gebürtige Solingerin bis zu ihrem Tod 2009 dem Ruhrgebiet heimatlich verbunden, ihre Stationen hießen Essen, wo sie an der Folkwangschule studierte, und Wuppertal, wo sie 1973 die Tanzabteilung der Städtischen Bühnen übernahm.
Gleichwohl wurde sie zum Inbegriff des Weltläufi gen — nicht nur weil die Mitglieder ihres Ensembles, des Tanztheater Wuppertal, aus allen Weltteilen stammten, sondern auch mit ihrem Prinzip der Reise. Seit den 1980er-Jahren legte sie den Grundstein für die Mehrzahl ihrer Stücke beim Unterwegssein, während ausgedehnten Rechercheaufent­halten in Ländern, Städten und Orten, an denen sie mit ihrer Company das Spezifi sche und Lokale aufnahm, um es dann in Wuppertal choreo- grafi sch zu transformieren.
Legendäre Abende wie Palermo, Palermo (1989), Masurca Fogo (1998) und Nefés (2003) sind so entstanden — respektive in Sizilien, Portugal und der Türkei. Zwar blieb der Vorwurf der Ansichtskartenkunst nicht aus. Aber die globale Reiselust hatte eben auch das Tanztheater erreicht, und Bausch reiste mit. Wie viele Gastspiele das Tanztheater Wuppertal gegeben hat, dürfte nicht leicht zu bestimmen sein.
Die Wirkung aber ist eindeutig benennbar: Die weltweite Präsenz der Company hat aus dem Tanztheater vielleicht eines der ersten globalen Produkte aus dem Bereich der Bühnenkunst gemacht — geschätzt, geliebt und gefeiert in seltener transkultureller Einmütigkeit, mit hochwürdigen Preisen aus Japan, USA und ganz Europa dekoriert. Wenn man so will, hat Pina Bausch höchst spektakulär die Aufhebung der Migration mit künstlerischen Mitteln transzendiert, im Namen des Tanztheaters.
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Quelle: Goetht-Institut https://www.goethe.de/de/kul/tut/gen/tan/bew/21013644.html
(дата обращения: 16.01.2020).
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6. THEATER NEUERFINDUNG EIN GENRE IN STÄNDIGER
A. Im Ausland steht die deutsche Theaterszene häufi g im Ruf, sie sei laut und narzis­stisch. Aber es ist ein Theater, hinter dem ein vielfach bestaun­tes System steht. Auch in Pro­vinzstädten gibt es künstlerisch interessante Dreispartenhäuser (Schauspiel, Oper, Ballett), die überwiegend dem Typus des Repertoiretheaters zugerechnet
Foto: Das Rokokotheater in Schwetzingen
werden, also mehrere Stücke gleichzeitig auf dem Spielplan haben und in der Regel ein festes Ensemble.
B. Peter Stein, eine einzigartige Erscheinung im deutschen Theater, ein »Welt-Regisseur«, hat im Gegensatz zu anderen Theatermachern ein Werk geschaffen, das sich in der Kontinuität wiederholender Motive, Themen und Autoren zu erkennen gibt. Ein Theater der Erinnerung mit einem Inszenierungsstil, der sich dem Text verpfl ichtet fühlt. Zwischen der nachrückenden Regie-Generation und einem Peter Stein, einem Claus Peymann, dem Prinzipal des Berliner Ensembles, oder Peter Zadek liegen Welten.
C. Mit dem Vokabular dieser Generation, die das sogenannte Regie­theater schuf, ist das zeitgenössische Bühnengeschehen nicht mehr zu fassen. Begriffe wie aufklären, belehren, entlarven, eingreifen wirken antiquiert. Auch ist das Publikum nicht mehr wirklich zu schockieren, die theatralischen Provokationen laufen zumeist ins Leere und sind häufi g kaum mehr als routiniert abgespulte Attacken gegen überlebte Klischees.
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Quelle: Das Rokokotheater in Schwetzingen: Ovationen für vergessene Vivaldi-Oper bei Barockfestival http://www.nmz.de/kiz/nachrichten/ovationen-fuer-vergessene-vivaldi-oper-bei­barockfestival (дата обращения: 15.01.2020).
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D. Frank Castorf, Intendant der Freien Volksbühne Berlin, der Texte zerspielen und immer wieder neu zusammensetzen lässt, ist eines der Vorbilder für diese jüngere Regie-Generation. Auch Christoph Marthaler und Christoph Schlingensief stehen für einen veränderten Theaterbegriff und die Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die dem globalisier­ten Kapitalismus und einer von elektronischen Medien beherrschten Le­benswelt angemessen sind.
E. Michael Thalheimer gilt als Experte für schwierige Stoffe mit ver­dichtendem Blick auf das Wesentliche. Armin Petras, Martin Kusej oder René Pollesch haben Inszenierungsformen kreiert, die dem Stil Vorrang geben; tradierte textnahe Erzählweisen sind ihnen eher fremd. Dagegen erhebt sich immer wieder Kritik, die gleichsam zeigt, wie lebendig die Theaterlandschaft bei aller Zerrissenheit ist.
F. Das Theater hat die Kraft, Stücke-Zertrümmerer wie Frank Castorf zu überstehen und daneben penible inszenatorische Ausdeutungen zu bejubeln, die ganz auf die Kraft der Schauspieler setzt. Die Vielfalt, wie sie alljährlich das Berliner Theatertreffen zeigt, kann einerseits als Aus­druck größerer Ratlosigkeit gewertet werden, andererseits als vielstimmi­ge Antwort auf die Fragestellungen einer überkomplex gewordenen ge­sellschaftlichen Wirklichkeit. Für ein waches, interessiertes Publikum ist diese Vielfalt ein Gewinn, sie bietet immer neue Zugänge zu scheinbar bekannten Texten; sie mag verstören, verärgern, unterhalten und immer
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neue Bilder von unserem Leben erzeugen
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Aufgabe 16. Lesen Sie den Text. Ordnen Sie die Überschriften 1–7 den Texten A–F zu.
Verwenden Sie jeden Buchstaben nur einmal. Die Aufgabe enthält eine unnötige Überschrift.
1. Regietheater.
2. Dreispartenhäuser in Provinzstädten.
3. Peter Stein.
4. Berliner Theatertreffen.
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Quelle: Tatsachen über Deutschland: Theater — ein Genre in ständiger Neuerfi ndung http://www.tatsachen-ueber-deutschland.de/de/kultur-medien/main-content-09/theater.html (дата обращения: 15.01.2020).
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5. Lebendige Theaterlandschaft.
6. Volksbühne Berlin.
7. Jüngere Regie-Generation.
Aufgabe 17.
Lesen Sie den Text. Stellen Sie fest, welche der folgenden Aussagen 1–5 dem Inhalt des Textes entsprechen (a — richtig), nicht entspre­chen (b — falsch) oder im Text nicht erwähnt werden (c — steht nicht im Text).
1. Die deutsche Theaterszene gilt als laut und narzisstisch. a) richtig b) falsch c) steht nicht im Text
2. Peter Stein mag gern Leitmotive und Leitthemen im Theaterwerk. a) richtig b) falsch c) steht nicht im Text
3. Die jüngere Regie-Generation steht für einen veränderten Theater­begriff und die Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die dem globalisierten Kapitalismus und einer von elektronischen Medien beherrschten Lebenswelt angemessen sind.
a) richtig b) falsch c) steht nicht im Text
4. Im Regietheater wird das Publikum immer schockiert.
a) richtig b) falsch c) steht nicht im Text
5. Peter Stein ist eines der Vorbilder der jüngeren Regie-Generation.
a) richtig b) falsch c) steht nicht im Text
Aufgabe 18. Beantworten Sie die Fragen zum Text:
1. Was für einen Ruf hat die deutsche Theaterszene im Ausland?
2. Wie kann man die Vielfalt, die Berliner Theatertreffen zeigt, inter­pretieren?
3. Gibt es künstlerisch interessante Theater auch in Provinzstädten in Deutschland?
4. Ist es gerade eine schwierige oder leichtere Phase für das Theater in Deutschland?
5. Welche Regisseure haben das Regietheater geschaffen?
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Wortschatz:
aufklären (klärte auf, aufgeklärt) — выяснять, пояснять, (über A) объ-
яснять, разъяснять;
bejubeln (bejubelte, bejubelt) — встречать с восторгом; belehren (über A) (belehrte, belehrt) — вразумлять, поучать, разъяснять; Dreispartenhaus (n -s, ..häuser ) — театр оперы, балета и драмы; eingreifen (griff ein, eingegriffen) — вмешиваться, вступать в бой; entlarven (entlarvte, entlarvt) — разоблачать, изобличать, обличать; erzeugen (erzeugte, erzeugt) — создавать, производить, порождать,
выработать; Höhepunkt (m -(e)s, -e) — точка расцвета, кульминация; Neuerfi ndung (f =, -en) — переосмысление; penibel — тщательно; Ratlosigkeit (f =, -en) — растерянность; textnahe Erzählweisen — близкие к тексту прочтения; von etwas geprägten — исполненные чего-то, наполненные чем-то; Voraussetzung (f =, -en) — предпосылка, условие, предположение; Vorbild (n -(e)s, -er) — пример, образец, эталон; Zerrissenheit (f =, -en) — противоречие; zertrümmern (zertrümmerte, zertrümmert) — разрушать, разбивать,
раздроблять; Zertrümmerung (f =, -en) — разрушение.
TEXTE ZUM LESEN
Aufgabe: Lesen Sie die Texte und stellen Sie 10 Fragen.
Text 1 Theater in Deutschland
Fast jede größere Stadt in Deutschland bietet Kulturinteressierten die Möglichkeit, ins Theater zu gehen. Die öffentliche Finanzierung macht es möglich. Das Theaterleben an sich ist aber nicht immer so glamourös.
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Quelle: Spiegel https://www.dw.com/de/theater-in-deutschland/l-44387740 (дата обра-
щения: 16.01.2020).
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Bühnen gibt es in Deutschland, Stadt- und Staatstheater sowie Lan­desbühnen, die von der öffentlichen Hand fi nanziert werden. Sie erhal- ten Geld aus Steuermitteln. Hinzu kommen mehr als 220 Privattheater, 130 Musikorchester und mehr als 70 Festspiele. Darüber hinaus existiert eine Vielzahl an freien Gruppen, die das Theaterleben in der Bundesre­publik bereichern. Die Theater, die mit Steuergeldern fi nanziert werden, und eine große Zahl der privaten Theater sowie Musikorchester sind im »Deutschen Bühnenverein« organisiert. Der Bundesverband bemüht sich seit seiner Gründung 1846 darum, das kulturelle Leben in Deutsch­land zu erhalten und zu fördern. 1990, mit der deutsch-deutschen Wie­dervereinigung, schlossen sich der Bühnenverein und der Deutsche Bühnenbund, in dem die Intendanten der damaligen DDR vertreten waren, zusammen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, sagt Rolf Bolwin, Jurist und bis Ende 2016 geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins:
»Sie müssen sich ja vorstellen, dass es in der DDR auf der einen Seite eine Theaterlandschaft gegeben hat, die sehr ähnlich war mit der der Bundesrepublik Deutschland. Ein Ensemble-, ein Repertoire-Betrieb war dort genauso üblich wie hier. Aber natürlich hatte sich dort innerhalb von fast 50 Jahren eine andere Gesellschaftsordnung ausgeprägt, und als die Vereinigung kam, mussten diese Theater doch herangeführt werden an die Bundesrepublik Deutschland, an die Rechtsordnung hier, an das, was hier üblich ist.«
Zwar ähnelten sich die Theater diesseits und jenseits der deutsch­deutschen Grenze: In der damaligen DDR gab es — wie in der Bun­desrepublik auch — Ensembles, feste Gruppen von angestellten Schau­spielerinnen und Schauspielern, die ein Repertoire hatten, eine Anzahl von Bühnenstücken, die sie über mehrere Monate oder Jahre spielen können. Die Theaterlandschaft, die Vielfalt an Bühnen, war ähnlich. Der große Unterschied war allerdings, dass diese Bühnen tief im ge­sellschaftlichen und politischen System des kommunistischen Staates verankert waren. Staatliche Behörden sowie die Sozialistische Einheits­partei SED bestimmten und kontrollierten weitgehend, was gespielt wurde. Die Eintrittspreise waren niedrig, weil sie staatlich subventioniert wurden. Eintrittskarten wurden in Schulen, Betrieben und Verbänden kostenlos verteilt, um jedem den Theaterbesuch zu ermöglichen. Nach der Wiedervereinigung 1990 ging es dann darum, so Rolf Bolwin, das, was in der DDR üblich war, mit bundesdeutschem Recht in Einklang
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zu bringen. Die politische wie die kulturelle Vereinigung hatte natürlich auch einen Wandel der Wahrnehmung zur Folge, erinnert sich Rolf Bolwin:
»Der Blick der Zeit vor 1989 war in allen Bereichen in Deutschland auf die Bundesrepublik gerichtet, das heißt, wenn wir über deutsches Theater redeten, dann redeten wir natürlich in der Bundesrepublik über das Theater der Bundesrepublik; die Menschen in der DDR redeten natürlich dann auch über das Theater in der DDR. In der Zeit davor muss man natürlich sagen, was die Bundesrepublik angeht, waren das rosige Zeiten. Wirtschaftlich ging es dem Land relativ gut, das Steueraufkom­men war hoch, und was, glaube ich, besonders wichtig war in den Jah­ren vor allem vor der Vereinigung: Es gab nie eine grundsätzliche De­batte darüber, inwieweit eigentlich die öffentliche Hand Theater und Orchester fi nanzieren soll. Das geht ja in der Bundesrepublik Deutsch- land — genauso wenig wie in anderen Ländern — nicht ohne öffentliches Geld.«
Für Rolf Bolwin stellen sich die Jahre vor 1989 als besonders glück­liche Jahre, als rosige Zeiten, dar, weil die öffentliche Finanzierung der deutschen Theater außer Frage stand. In den Jahren nach der deutschen Vereinigung musste — wie in allen Bereichen öffentlicher Ausgaben — auch im kulturellen Sektor gespart werden. Daran schloss sich eine nach wie vor anhaltende Debatte darüber an, wie viel öffentliche Gelder überhaupt in kulturelle Betriebe fl ießen sollten. Und das hat natürlich immer Auswirkungen auf die Beschäftigten. Denn Personalkosten ma­chen nach Angaben des Deutschen Bühnenvereins rund 73 Prozent der Gesamtausgaben öffentlich getragener Theaterbetriebe aus. Künstlerin­nen und Künstler sind in der Regel nur für einen befristeten Zeitraum bei Theatern oder Opernhäusern beschäftigt, engagiert. Unbefristete Verträge sind selten geworden. Dabei schafft es nicht jede und jeder, »auf den Brettern zu stehen, die die Welt bedeuten«. Und wenn doch, ist es nicht unbedingt das glamouröse Leben, das manche sich vorstellen. Die Opern-, Lied- und Konzertsängerin Marlis Petersen hat trotz ihrer Begeisterung für Gesang und Schauspiel eine eher nüchterne Sicht auf ihr Künstlerinnendasein:
»Heute habe ich manchmal den Eindruck, dass das Theater oder auch die Oper so was ist wie’ne Alltagsarbeit auch, wie wenn man ins Büro geht oder in die Bank. Sagen wir mal so, wenn man fest engagiert
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ist an einem Haus, dann ist das so. Gut, wenn man natürlich reist und noch ein bisschen riecht vom Starrummel und so, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie das früher war. Aber ich glaube, die Gene­ration, in der ich groß geworden bin, die Sängergeneration, die ist ganz was anderes, das ist so eher wirklich ein ganz normaler Beruf auch.«
Nach Ansicht von Marlis Petersen haben sich die Zeiten im Vergleich zu früher geändert. Egal, ob man Theater spielt, vor der Kamera steht, als Sängerin in einer Oper auftritt oder in einem Orchester spielt: Es bedeutet ganz normale Alltagsarbeit, besonders für diejenigen, die ein festes En­gagement an einem Haus, einem Theater oder einer Oper, haben. Nur wenige können ein bisschen vom Starrummel riechen, erfahren, was es bedeutet berühmt zu sein und im Rampenlicht zu stehen.
Ein weiterer Aspekt, der neben dem Geld eine Rolle spielt, ist das Publikum. Denn Theater und Opernhäuser in Deutschland haben nicht nur damit zu kämpfen, dass jüngere Leute eher weniger Interesse zeigen. Sie müssen auch mit anderen Freizeitangeboten konkurrieren wie etwa Fernsehen, Kino und einem breiten Sportangebot. Auch das Internet hält mehr und mehr Menschen in den eigenen vier Wänden. Nach Ansicht von Marlis Petersen haben Theaterbetriebe aber etwas, das kein anderes Me­dium zu bieten hat: einen Live-Charakter. Dieser hat allerdings, wie die Sopranistin sagt, auch ein Nachteil:
»Klar, man möchte ja auch das Publikum erfüllen, man möchte die faszinieren, aber es gelingt natürlich nicht immer, weil: man ist ja auch Stimmungen unterworfen, ja. Man ist mal nicht so gut drauf an dem Tag und muss trotzdem abends versuchen, 100 Prozent rüberzu­bringen. Der Beruf ist nach wie vor sehr, sehr schwer, und manchmal hab ich das Gefühl, dass das Publikum das gar nicht so weiß, was wir investieren.«
Manchmal jeden Tag auf der Bühne zu stehen, und das immer mit einem vollen, einem 100 Prozent-Einsatz, ist nicht einfach. Auch Künst­lerinnen und Künstler sind, so Marlis Petersen, Stimmungen unterworfen, werden beeinfl usst von Gefühlen. Ärger, Trauer und Krankheit können beispielsweise dafür sorgen, dass man mal nicht so gut drauf ist, sich nicht gut fühlt. Künstlerinnen und Künstler sind halt eben auch nur Menschen — mit dem Unterschied, dass sie ihr Publikum unterhalten wollen und müssen.
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Text 2 Die Füße im Wasser
Anton Tschechow: Iwanow Von Detlev Baur am 18.11.2019
Kein Samowar, keine heruntergekommenen Großbauern, keine russi­sche Folklore. Dafür klingelt mal ein Handy, Brit-Pop untermalt drama­tische Zuspitzungen, Iwanow heißt Nikolas Hoffmann, die Kostüme (Wojciech Dziedzic) des auf neun Protagonisten konzentrierten Ensembles könnten ausnahmslos aus mitteleuropäischer Gegenwart stammen; der Schauplatz ist eine große Terrassenplattform, die durch zwei seitliche Stege inmitten eines fl achen Wasserbassins erreichbar ist und sich immer wieder langsam dreht (Bühne: Hildegard Bechtler).
Hier sitzt die Titelfi gur, gespielt von Benjamin Grüter, zu Beginn auf einer, genau besehen sargähnlichen, Bank und leidet still vor sich hin. Im Scherz wird er zu Beginn vom virilen Michael (Peer Oscar Musinow­ski) mit einer Pistole bedroht. Die Terrasse verwandelt sich im zweiten Akt mit Luftballons, Teppichen und zahlreichen Statisten in eine laute Party bei Nikolas‘ Freund Peter. Am Rande stiefelt Nikolas-Iwanow durchs knöcheltiefe Wasser, sitzt am Beckenrand, wenn die Gesellschaft über ihn und seine unglückliche Frau herzieht, und er trifft hier auf die dynamische, junge Sascha (Nina Siewert), die nicht nur wegen ihres knallroten Kleids eine andere Temperatur ins Spiel bringt.
Die Wände sind also offen auf der weiten Bühne. Die Gespräche sind gekonnt präsentiert, die Seelen bleiben aber verschlossen. Robert Ickes Textfassung aktualisiert die Sprache, greift aber strukturell kaum in die Gespräche oder die Formung der Figuren ein. Britisches Konversations­stück trifft bei dieser Inszenierung am Schauspiel Stuttgart somit Tsche­chows bittere Komödie. Das Problem ist, dass diese frühe »Komödie« Tschechows weniger in die Tiefe (und Breite) geht als die späteren Klas­siker, die Handlungsebene wirkt hier noch dominanter als die selbst­entlarvenden Gespräche. Das Geschehen bleibt also an der Oberfl äche — oder im seichten Wasser; die Heimat des Dramas bleibt vage.
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Quelle: Die Deutsche Bühne https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/die-fuesse-
im-wasser (дата обращения: 16.01.2020).
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