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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2770_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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1 Kardiologie
? Die Laborergebnisse Ihres Patienten mit Hypertonie
erbringen folgende pathologische Befunde: Cholesterin: 240 mg/dl, Triglyzeride: 200 mg/dl, Nüchtern-Glukose im Plasma: 120 mg/dl, Eiweiß im Urin: 250 mg/dl. Im EKG  nden Sie einen positiven Sokolow-Lyon-Index und in der Echokardiogra e eine Zunahme der Septumdicke auf 16 mm. Wie interpretieren Sie diese Befunde?
Die Blutuntersuchung zeigt eine Hyperlipidämie und eine erhöhte Glukosekonzentration als Hinweis auf eine pa- thologische Glukosetoleranz. Beide Befunde sind wichtige Risikofaktoren für die Entwicklung einer Hypertonie. Die erhöhte Eiweißkonzentration im Urin weist auf eine Mikro­albuminurie hin und ist Ausdruck einer beginnenden hyper­tensiven Nephropathie . EKG und Echokardiogra e zeigen eine Hypertrophie des linken Ventrikels. Linksherzhyper- trophie und Nephropathie sind typische Komplikationen eines Hypertonus.
? Leiten Sie bei Ihrem adipösen Patienten mit einem
Blutdruck von 150/95 mmHg, Hyperlipidämie, patholo­gischer Glukosetoleranz, beginnender Nephropathie und Linksherzhypertrophie eine medikamentöse Therapie ein?
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Hyper­tonie, den Folgeerkrankungen und den Risikofaktoren. Der Patient leidet an einer leichten Hypertonie. Mit Adipositas, Hyperlipidämie und pathologischer Glukosetoleranz liegen 3 Risikofaktoren vor. Sowohl an der Niere als auch am Her­zen zeigen sich erste Folgeerscheinungen der Hypertonie. Bei dieser Konstellation ist eine sofortige medikamentöse
Therapie angezeigt.
INFOBOX. Arterielle Hypertonie: Therapieindikatio-
nen und Folgeerkrankungen
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Hypertonie, den Risikofaktoren und den Folge- bzw. Begleiterkrankungen. Hieraus ergeben sich folgende
Therapieindikationen, s. Tab. 1.10.
• Pathophysiologisch werden die Folgeerkrankungen durch mikro- oder makrovaskuläre Schäden hervor-
gerufen.Organschädenmanifestierensichv.a.an:
Gehirn: Schlaganfall, hypertensive Massenblutung
Herz: Linksherzhypertrophie, hypertensive Kardiomyo-
pathie,KHK,Myokardinfarkt,Herzinsuzienz
Niere: hypertensive Nephropathie mit Gefahr einer
Niereninsuzienz
Netzhaut: hypertensive Retinopathie
Gefäße: periphere arterielle Gefäßkrankheit (pAVK), Aortendissektion, Bauchaortenaneurysma (80 % aller Bauchaortenaneurysmata lassen sich auf eine Hyper­tonie zurückführen!)
? Was bezeichnen Sie als Lebensstil verändernde
Maßnahmen?
Zu diesen Maßnahmen zählen
Kochsalzrestriktion auf 5–6 g pro Tag
Beschränkung des Alkoholkonsums auf 20 g pro Tag bei
Frauen bzw. 30 g pro Tag bei Männern erhöhter Konsum an Gemüse und Obst sowie Milchpro-
dukten mit niedrigem Fettgehalt Gewichtsreduktion auf einen BMI unter 25 kg pro m2 bzw.
Taillenumfang < 88 (Frauen) bzw 102 (Männer) cm regelmäßige Bewegung 30 Minuten an 5–7 Tagen in der
Woche Nikotinkarenz
? Bei welchen Patienten würden Sie nach Ursachen für
eine sekundäre Hypertonie suchen?
Da nur etwa 10 % der Hypertoniker an einer sekundären Hypertonie leiden, ist eine weitergehende Abklärung nur bei bestimmten Risikokonstellationen bzw. klinischen Hin­weisen auf einen sekundären Hypertonus angezeigt. Solche Hinweise können sein: Strömungsgeräusche bei der Aus­kultation, Muskelschwäche, paroxysmale hypertensive Ent­gleisungen oder Gewichtszunahme.
MERKE. Physiologisch sinkt der Blutdruck nachts um
etwa10mmHg.Beietwa⅔allersekundärenHypertonie-
formen fehlt diese Blutdruckabsenkung („Non-Dipper“) oder ist vermindert.
? Wie gehen Sie bei der Abklärung einer sekundären
Hypertonie vor?
Anamnestisch sollte nach den typischen Symptomen einer Nierenerkrankung oder einer endokrinen Funktionsstörung wie Hyperthyreose oder Morbus Cushing gefragt werden. Bereits das bei jedem Patienten durchgeführte Basislabor kann erste Hinweise liefern. So kann eine Hypokaliämie auf ein Conn-Syndrom und ein erhöhter Kreatininwert bzw. eine Proteinurie auf eine Nierenerkrankung hinweisen. Für die weitere Diagnostik stehen apparative und laborche­mische Untersuchungen zur Verfügung:
Dopplersonogra e zum Nachweis oder Ausschluss einer
Nierenarterienstenose 24-Stunden-Sammelurin: Bestimmung von Elektrolyten
und Eiweiß: ein Kaliumwert > 30 mmol/d spricht für ein Conn-Syndrom, eine erhöhte Eiweißausscheidung für eine Nephropathie . Quanti zierung der Katecholamine zur Ab- klärung eines Phäochromozytoms. Bestimmung des Renin/Aldosteron-Quotienten im Serum:
Ein Wert > 50 spricht für ein Conn-Syndrom. Bestimmung der Schilddrüsenhormone zur Abklärung
einer Hyperthyreose Dexamethasonhemmtest bei Verdacht auf Morbus Cushing
40
Tab. 1.11 Therapeutisches Eingreifen bei arterieller Hypertonie .
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1.10 Arterielle Hypertonie
Hochnormal (130–139 / 85–89)**
Keine Risikofaktoren - Versuch Lebensstilände-
1 – 2 RF Lebensstiländerungen Versuch Lebensstilände-
≥3RF Lebensstiländerungen Versuch Lebensstilände-
Diabetes mellitus, bereits Schäden an
Organen,chronische
Schädigung der Niere
Symptome der KHK, schwere Nieren schädigung, Folgeschäden durch Diabetes mellitus
*Zielblutdruck:140/90;**systolischoderdiastolisch,höhererGradzählt
Lebensstiländerungen Lebensstiländerung plus
Lebensstiländerungen Lebensstiländerung plus
Hypertonie Grad I (140–159 / 90–99)**
rung (Monate) danach plus RR-Medikamente*
rung (Wochen) danach plus RR-Medikamente*
rung (Wochen) danach plus RR-Medikamente*
RR-Medikamente*
RR-Medikamente*
? Welche Therapie leiten Sie bei Ihrem Patienten
mit leichter Hypertonie, 3 Risikofaktoren und ersten Endorganschäden ein?
Die Grundlage der Therapie ist eine Änderung des Lebens­stils durch Allgemeinmaßnahmen wie Gewichtsreduktion,
körperliche Aktivität und kochsalzarme Kost. Medikamen­tös bietet sich – insbesondere bei vorgeschädigter Niere – ein ACE-Hemmer an, der ggf. mit einem Diuretikum kom­biniert wird.
? Warum halten Sie den ACE-Hemmer bei vorgeschä-
digter Niere für besonders geeignet?
ACE-Hemmer wirken nephroprotektiv. Sie hemmen die vasonkonstriktorische Wirkung von Angiotensin II an der
e erenten Arteriole und führen über eine Senkung des
intraglomerulären Kapillardrucks zu einer Abnahme der Proteinurie.
MERKE. Die Proteinurie ist ein eigenständiger Progres-
sionsfaktorderNiereninsuzienz.DurchSenkungder
Eiweißausscheidung kann die Prognose von Patienten mit
Niereninsuzienzverbessertwerden.
Hypertonie Grad II (160–179 / 100–109)**
Versuch Lebensstilände­rung (Wochen) danach plus RR-Medikamente*
Versuch Lebensstilände­rung (Wochen) danach plus RR-Medikamente*
Lebensstiländerung plus RR-Medikamente*
Lebensstiländerung plus RR-Medikamente*
Lebensstiländerung plus RR-Medikamente*
Hypertonie Grad III
(≥ 180 / ≥ 110)**
Lebensstiländerung plus sofort RR-Medika­mente*
Lebensstiländerung plus sofort RR-Medika­mente*
Lebensstiländerung plus sofort RR-Medika­mente*
Lebensstiländerung plus sofort RR-Medika­mente*
Lebensstiländerung plus sofort RR-Medika­mente*
INFOBOX. Antihypertensiva der 1.Wahl
Die Substanzklassen der 1.Wahl zur Behandlung der arteriellen Hypertonie sind
• Diuretika
• ACE-Hemmer
• AT
-Rezeptorantagonisten (Sartane)
1
β-Blocker
• Kalziumkanalblocker Für diese Antihypertensiva ist eine Senkung von Morbi- dität und Mortalität nachgewiesen. Das Risiko für einen Schlaganfall sinkt unter Therapie um 35–40 %, das für einen
Herzinfarktum20–25%unddasfüreineHerzinsuzienz
um über 50 %.
? Welches Blutdruckmedikament ist die Therapie der
ersten Wahl in der Schwangerschaft? Wie stark sollten Sie in diesem Fall den Blutdruck senken?
In der Schwangerschaft besteht eine Indikation zur medikamentösen Blutdrucksenkung ab Werten von 160/105 mmHg, Mittel der ersten Wahl ist hier Methyldo- pa oder kardioselektive β-Blocker. ACE-Hemmer und AT Rezeptorantagonisten sind kontraindiziert. Der Blutdruck sollte auf 150/100 mmHg gesenkt werden.
-
1
41
1 Kardiologie
? Sie werden als Notarzt zu einem Patienten mit starker
Dyspnoe und retrosternalen Schmerzen gerufen. Seine Frau berichtet Ihnen, dass ihr Mann seit Jahren an Bluthochdruck leidet. Welche Maßnahme ergreifen Sie als erstes?
Als erstes muss sofort der Blutdruck gemessen werden, da die Symptome in Zusammenhang mit der anamnestischen Angabe eines Hypertonus für einen hypertensiven Notfall sprechen.
? Denieren Sie den Begri hypertensiver Notfall!
Als hypertensiver Notfall wird ein akuter Blutdruckanstieg bezeichnet, der zu Schädigungen an verschiedenen Organen führt. Zu diesen Organschädigungen gehören
Hochdruckenzephalopathie mit Sehstörungen
Schwindel oder Bewusstseinsstörungen
intrakranielle Blutungen
frische Blutungen und Papillenödem am Augenhintergrund
Lungenödem
instabile Angina pectoris, Myokardinfarkt und dissezie-
rendes Aortenaneurysma
MERKE. Entscheidend für die Diagnose hypertensiver
NotfallistdasAuftretenakuterOrganschädigungenund
nicht die absolute Höhe des Blutdrucks!
? Welche Maßnahmen leiten Sie bei einem hyper-
tensiven Notfall bereits außerhalb der Klinik ein?
Jeder Patient mit hypertensivem Notfall muss bereits vor Einweisung in das Krankenhaus durch den Notarzt adäquat therapiert werden. Für keines der einsetzbaren Medikamen­te konnte eine Überlegenheit nachgewiesen werden, so dass sich die Auswahl in erster Linie nach möglichen Komplika­tionen und Kontraindikationen richtet. Therapie der Wahl bei Lungenödem, instabiler Angina pectoris und Myokard­infarkt sind 1,2 mg Nitroglyzerin als Spray oder Kapsel. Die orale Gabe von 5 mg Nifedipin oder Nitrendipin in einer schnell resorbierbaren Form ist zwar sehr wirksam, aller­dings sind kurzwirksame Kalziumantagonisten bei insta­biler Angina pectoris und Myokardinfarkt kontraindiziert. Weitere Alternativen sind die i. v.-Gabe von 25 mg Urapidil oder die langsame i. v.-Verabreichung von 0,075 mg Clonidin. Zusätzlich erhalten die Patienten 20–40 mg Furosemid i. v.
MERKE. Die Wirkung von Nitroglyzerin und den kurz-
wirksamen Kalziumantagonisten tritt bereits nach wenigen Minuten ein. Urapidil und Clonidin wirken nach etwa 10 Minuten.
? Was müssen Sie bei der Blutdrucksenkung bei einem
hypertensiven Notfall unbedingt beachten?
Der Blutdruck darf nicht zu schnell gesenkt werden, da es sonst zu zerebraler Minderperfusion kommen kann. Das Ziel ist eine abgestufte Blutdrucksenkung um ca. 25 % oder auf 100–110 mmHg diastolisch innerhalb von 2 Stunden.
1.11 Schock
? Ein Patient wird mit primär unklaren Oberbauchbe-
schwerden, ausgeprägter Hypotonie und Kaltschweißig­keit in die Notaufnahme eingewiesen. Kurze Zeit später verliert er das Bewusstsein. Woran denken Sie?
Die Hypotonie und die vegetativen Reaktionen könnten auf einen Kreislaufschock durch einen absoluten oder relativen akuten Volumenmangel hinweisen.
MERKE. Bei einem Schock kommt es zu einem akuten –
gemessenamBedarf–unzureichendenSauerstoangebot
an das Gewebe. Die Folge dieses Kreislaufversagens sind irreversibleOrganschäden,diezueinemMultiorganver­sagen führen können. Hämodynamisch ist der Schock als
anhaltendersystolischerBlutdruck<80mmHgoderals arteriellerMitteldruck<60mmHgdeniert.
? Nennen Sie die wichtigsten Schockformen mit den
häugsten Ursachen!
hypovolämische Schock: entsteht durch akuten Volumen-
mangel bei Blut- oder Plasmaverlusten z. B. nach Aor­tenaneurysmaruptur, gastrointestinaler Blutung oder Ver­brennungen. kardiogene Schock: Folge eines akuten kardialen Pump-
versagens nach Myokardinfarkt, Lungenembolie, aus­geprägten Herzrhythmusstörungen oder Herzbeuteltam­ponade. septische und anaphylaktische Schock: beruhen auf einer
Störung der peripheren Gefäßdilatation bei Sepsis oder durch erhöhte Kapillarpermeabilität bei einer allergischen Reaktion.
? Wie unterscheidet sich die Therapie des hypovolä-
mischen von der des kardiogenen Schocks?
Beim hypovolämischen Schock steht die Kreislaufstabilisie­rung durch Volumen- und Katecholamingabe im Vorder­grund. Patienten mit kardiogenem Schock dürfen auf keinen Fall zu viel Volumen erhalten, da das Lungenödem ansonsten zunimmt. Therapie der Wahl ist die Ursachenbekämpfung, z. B. durch adäquate Behandlung eines Myokardinfarkts und die Gabe von kontraktionssteigernden Sympathomimetika wie Dobutamin.
? Nennen Sie die therapeutischen Besonderheiten
bei der Behandlung des allergischen und des septischen Schocks!
Bei allergischem Schock sind die Kreislaufstabilisierung und die absolute Allergenkarenz die wichtigsten Maßnahmen. Die allergischen Symptome können durch die zusätzliche Gabe von Glukokortikoiden und Antihistaminika gelindert werden. Die wichtigsten Maßnahmen bei septischem Schock sind die Kreislaufstabilisierung, die systemische Antibiotikatherapie und die Fokussanierung.
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Hämatologie
2.1 Anämien
2.2 Agranulozytose
2.3 Maligne Lymphome
2.4 Akute Leukämien
2.5 Chronische myelopro liferative Erkrankungen
2.6 Myelodysplastisches Syndrom (MDS)
2.7 Hämorrhagische Diathesen
43
2 Hämatologie
2 Hämatologie
2.1 Anämien
2.1.1 Eisenmangelanämie
? Das Labor Ihres Patienten zeigt folgende Ver-
änderungen: Hb 9 mg/dl, MCV 60 , MCH 19 pg, Ferritin 5 mg/l. Was ist die häugste Ursache für diese Ver­änderungen?
Das mittlere korpuskuläre Volumen, der mittlere korpusku­läre Hämoglobingehalt der Erythrozyten, der Ferritinwert und der Hb-Gehalt des Blutes sind vermindert. Es handelt sich also um eine hypochrome, mikrozytäre Anämie, d. h. die Erythrozyten sind zu klein und enthalten zu wenig Hä­moglobin. Die häugste Ursache ist ein Eisenmangel, der zu einer verminderten Hämoglobinbildung führt.
? Kennen Sie neben dem Eisenmangel weitere Er-
krankungen, die zu einer hypochromen Anämie führen?
Weitere häuge Ursachen einer hypochromen Anämie sind
Thalassämie
Begleitanämie im Rahmen von Tumoren oder chronischen
Entzündungen wie z. B. der rheumatoiden Arthritis Anämie infolge einer Bleivergiftung
? Kennen Sie neben dem MCV und dem MCH weitere
Parameter, die bei der Dierenzierung der verschiedenen Formen der hypochromen Anämie helfen?
Zur Dierenzierung helfen die Ferritin- und die Transferrin- konzentration sowie die Transferrinsättigung:
Ferritin ist die Speicherform des Eisens, seine Serumkon-
zentration gibt Auskunft über die Eisenvorräte im Körper. Bei Eisenmangel ist es vermindert, bei Thalassämie und Entzündungs- bzw. Tumoranämie aufgrund der Eisenver­wertungsstörung erhöht. Mithilfe von Transferrin wird Eisen im Blut transportiert.
Bei Eisenmangel bildet die Leber als Reaktion auf den ver­minderten Eisengehalt vermehrt Transferrin, die Sättigung ist entsprechend vermindert. Umgekehrt ist die Trans­ferrinkonzentration bei der Thalassämie und der Ent­zündungs- bzw. Tumoranämie durch die erhöhte Eisen­speicherung erniedrigt. Die Transferrinsättigung ist daher erhöht.
? Kennen Sie einen einfachen Parameter, der bei der
Dierenzierung von Thalassämie und Eisenmangel­anämie hilft?
Gemeint ist der sog. Mentzer-Index, der Quotient aus MCV und Erythrozytenzahl. Bei Eisenmangel ist er auf über 13 erhöht, bei Thalassämie ist er < 13.
? Nennen Sie Ursachen einer Eisenmangelanämie!
Eisenmangel entsteht durch
erhöhten Bedarf z. B. während des Wachstums oder in der
Schwangerschaft Malnutrition v. a. bei Vegetariern und Kleinkindern
Blutverlust bei chronischen Blutungen
gestörte Resorption z. B. bei Z. n. Magenresektion oder im
Rahmen eines Malabsorptionssyndroms
MERKE.DiehäugstenUrsacheneinesEisenmangelssind
chronische gynäkologische und gastrointestinale Blutun-
gen.DahersollteimZweifelsfallimmereinegynäkologische
Untersuchung oder eine Gastro- bzw. Koloskopie durch­geführt werden.
? Wie hoch ist der tägliche Eisenbedarf?
Nach der deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt der tägliche Eisenbedarf des Mannes bei etwa 10 mg. Frauen benötigen mit 15 mg/d etwas mehr.
? Welche Symptome erwarten Sie bei einem Patienten
mit länger bestehendem Eisenmangel?
Klinisch zeigen die Patienten die typischen Anämiesymp­tome wie Blässe der Haut und der Schleimhäute, Rillen-
bildung und Brüchigkeit der Nägel (Abb. 2.1), verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, Dyspnoe und Tachykardie. Charakteristisch für die Eisenmangelanämie ist das sog. Plummer-Vinson-Syndrom mit schmerzhafter
MERKE. Die normale Ferritinkonzentration ist abhängig
von Alter und Geschlecht. Feste Normwerte existieren da-
hernicht,eineKonzentrationvon<15μl/lgiltalsbeweisend
für einen manifesten Eisenmangel. Die Transferrinsättigung beträgt normalerweise 30 %. Ferritin- und Transferrinkon­zentration verhalten sich immer gegensätzlich!
44
Abb. 2.1 Veränderungen der Nägel bei Eisenmangel­anämie (ausBaenkler,H.-W.,Goldschmidt,H.,Hahn,J.-M.
etal.:KurzlehrbuchInnereMedizin,3.Auage,Georg
Thieme Verlag, 2015).
2.1 Anämien
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Schleimhautatrophie von Zunge und Hypopharynx. Häug
leiden die Patienten an Mundwinkelrhagaden, mitunter ver­spüren sie abnorme Essgelüste.
? Wie therapieren Sie einen Patienten mit Eisen-
mangel?
Ein Eisenmangel wird in der Regel durch orale Substitution von zweiwertigem Eisen therapiert, da nur diese Form in ausreichendem Maß über den Darm resorbiert wird. Die Tagesdosis von 100–200 Die gleichzeitige Gabe von Vitamin C-reichem Obstsaft kann die Eisenresorption verbessern.
mg wird in 2 Einzeldosen gegeben.
MERKE.ObwohldieEiseneinnahmezudenMahlzeiten
in der Regel besser vertragen wird als im Nüchternzustand, sollte sie vermieden werden, da sich die Eisenresorption hierbei um etwa 20
% vermindert.
? Wann sollten Sie auf eine parenterale Eisengabe
umsteigen? Welche Nachteile hat diese Applikationsart?
Eine parenterale Substitution mit dreiwertigem Eisen ist nur indiziert, wenn Eisen durch ein Malabsorptionssyndrom oral schlecht resorbiert wird, wenn also der Hb-Wert unter oraler Eisensubstitution nicht ansteigt. Bei parenteraler Eisensubstitution erhöht sich allerdings das Risiko für Un­verträglichkeitsreaktionen bis hin zur Anaphylaxie. In der Praxis wird parenterales Eisen daher nach einer kleinen Testdosis langsam als Kurzinfusion gegeben.
? Eine Eisenintoxikation kann bei Kindern schon durch
das 5-fache der therapeutischen Dosis eines Erwachse­nen ausgelöst werden. Wie äußert sie sich?
Klinische Symptome der Eisenintoxikation sind Übelkeit, Er­brechen, Diarrhö, Lebernekrosen und metabolische Azidose.
2.1.2 Megaloblastäre Anämie
? Ihnen wird ein Patient mit Zustand nach Gastrek-
tomie vorgestellt, der die typischen klinischen Anämie­symptome Blässe, Leistungsminderung und Dyspnoe zeigt. An welche Anämieform denken Sie und warum?
Bei diesem Patienten liegt am ehesten eine megaloblastäre Anämie durch eine gestörte Vitamin B
raussetzung für die Resorption von Vitamin B der in den Belegzellen des Magens gebildete Intrinsic Factor, der nach einer Gastrektomie fehlt.
MERKE. Da der Mensch Vitamin B
kann,
isteralleinvonderZufuhrüberdieNahrungab-
hängig. Ursachen für einen Vitamin B
vermindertes Angebot, z. B. bei veganer Kost gestörte Resorption, z. B. durch Intrinsic Factor-Mangel
• nach Gastrektomie, chronisch-atrophische Gastritis, Mal­absorptionssyndrom oder Parasitenbefall des Darms
Eine Anämie infolge eines Vitamin B als perniziöse Anämie oder Morbus Biermer bezeichnet.
-Resorption vor. Vo-
12
im Ileum ist
12
nicht synthetisieren
12
-Mangel sind
12
-Mangels wird auch
12
MERKE. Steigt das Serumeisen nach oraler Gabe von
100
mg zweiwertigem Eisen innerhalb von 2 Stunden nicht
mindestens18μmol/lan(Eisenresorptionstest),liegt
auf
eine Eisenresorptionsstörung vor.
? Woran lässt sich der Erfolg einer Eisentherapie
messen?
Für eine erfolgreiche Therapie spricht ein Anstieg der Re­tikulozyten innerhalb von 1 Woche nach Therapiebeginn.
Auch der Hämoglobinwert sollte im Verlauf kontinuierlich ansteigen.
? Wie lange muss die Eisensubstitution fortgeführt
werden?
Die Therapie sollte bis zur Normalisierung der Eisenspeicher fortgeführt werden. Dies dauert etwa 3–6 Monate, die Eisen­speicher können anhand der Ferritinwerte überprüft werden.
? Welche Nebenwirkungen können bei einer oralen
Eisensubstitution auftreten?
In therapeutischer Dosierung führt Eisen häug zu gastro­intestinalen Beschwerden und einer Schwarzfärbung des Stuhls.
? Nennen Sie 3 klinische Manifestationen des Vitamin
B
-Mangels!
12
Der Vitamin B12-Mangel verursacht
makrozytäre, hyperchrome Anämie
gastrointestinale Beschwerden
neurologische Symptome (funikuläre Myelose)
Die Symptome der funikulären Myelose ähneln denen einer Tabes dorsalis im Spätstadium der Syphilis: Typisch
sind Ataxie, Areexie, schmerzhafte Parästhesien und ein positiver Babinskireex. Frühsymptom ist der Verlust des Vibrationsempndens. Die Patienten können auch durch psychiatrische Störungen auällig werden. Am Gastrointes-
tinaltrakt kommt es zu Diarrhö, Obstipation und unspezi-
schen Oberbauchbeschwerden. Typisch für den Vitamin
-Mangel ist die sog. Hunter-Glossitis mit Schleimhauta-
B
12
trophie der Zunge und Schluckstörungen.
MERKE. Bei allen unklaren neurologischen Krankheits-
bildern, die einer funikulären Myelose zugeordnet werden könnten, sollte ein Vitamin B einer Anämie ausgeschlossen werden.
-Mangel auch bei Fehlen
12
45
2 Hämatologie
? Was müssen Sie bei der Therapie eines Vitamin B
Mangels berücksichtigen?
Durch die Substitution von Vitamin B12 wird die Erythropoe­se stark gesteigert. Hierdurch ist der Kalium- und Eisenbe­darf erhöht, so dass auf eine adäquate Eisen- und Kaliumsub- stitution geachtet werden muss.
MERKE. Der tägliche Vitamin B
dieReservenreichenfür1–2Jahre.DieSubstitutionbei
einem Mangel beginnt mit einer schnellen Aufdosierung durch eine 5-tägige Gabe von 1000 mg/d. Danach werden bis zur Normalisierung der Blutwerte 500 mg/Woche
substituiert.IstdiesesZielerreicht,reichteineDosisvon
500 mg alle 3 Monate.
-Bedarfliegtbei2–10μg,
12
-
12
? Auch chronischer Alkoholismus führt häug zu einer
megaloblastären Anämie. Wie erklären Sie sich diese Tatsache?
Patienten mit Alkoholerkrankung leiden häug an einer
Malnutrition mit nutritivem Folsäuremangel, der ebenfalls zu einer megaloblastären Anämie führen kann.
? Kennen Sie neben dem chronischen Alkoholismus
noch weitere Ursachen für einen Folsäuremangel?
Weitere Ursachen sind eine Therapie mit Folsäureantago­nisten wie Methotrexat und Phenytoin, ein Malabsorptions- syndrom oder ein physiologisch erhöhter Bedarf in der Schwangerschaft.
MERKE. Der tägliche Folsäurebedarf beträgt etwa
100–150μg.WährendSchwangerschaftundStillzeitist
er deutlich erhöht. Die Folsäurereserven reichen nur für 3 Monate.
? Warum ist die Folsäuresubstitution präkonzeptionell
und in der Frühschwangerschaft so wichtig?
Ein Folsäuremangel während der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Neuralrohrdefekte, bei einer adäquaten Folsäure­Substitution mit 5 mg/d kann dieses um 70 % gesenkt werden.
2.1.3 Hämolytische Anämien
? Sie haben einem Patienten auf Ihrer Station eine
Bluttransfusion verabreicht. Kurze Zeit später entwickelt er Fieber, Schüttelfrost, Blutdruckabfall, Ikterus, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen. Sein Urin ist rot verfärbt. Welche Diagnose stellen Sie? Begründen Sie!
Der Patient leidet an einer akuten hämolytischen Krise. Ursache ist eine Fehltransfusion im AB0-System, am häu-
gsten durch eine Verwechselung von Blutkonserve und
Empfänger. Die Alloantikörper des Patienten zerstören die transfundierten Spendererythrozyten.
? Welche Sofortmaßnahmen müssen Sie bei einer
akuten hämolytischen Krise im Rahmen eines Trans­fusionszwischenfalls einleiten?
Die Transfusion muss sofort gestoppt werden. Die Kon­serven müssen steril verpackt und gemeinsam mit einer Blutprobe des Patienten zur serologischen Untersuchung geschickt werden. Symptomatische Maßnahmen umfassen Volumensubstitution, Urinalkalisierung mit Natriumbikar­bonat und die Gabe von Kortikosteroiden. Als Ultima Ratio muss ggf. eine Austauschtransfusion durchgeführt werden.
? Mit welcher Komplikation müssen Sie bei einer
akuten hämolytischen Krise rechnen und wie reagieren Sie?
Durch die Ausbildung intravasaler Erythrozytenaggregate und die massive Hämoglobinurie kann es zu einem akuten Nierenversagen kommen. In diesem Fall muss eine Dialyse eingeleitet werden.
? Häuger als die hämolytische Sofortreaktion ist
die verzögerte hämolytische Transfusionsreaktion. Wie äußert sich diese?
Klinische Symptome sind Fieber, Anämie und leichter Ikterus.
? Eine intravasale Hämolyse zeigt sich im Labor durch
die sog. Hämolyseparameter. Welche Parameter sind gemeint?
Zu den Hämolyseparametern zählen freies Hämoglobin, Haptoglobin, LDH, Retikulozyten und indirektes Bilirubin.
? Wie verändern sich die Hämolyseparameter im
Rahmen einer intravasalen Hämolyse?
Durch den intravasalen Erythrozytenzerfall sind die Kon­zentrationen des freien Hämoglobins, der LDH und des indirekten Bilirubins im Serum erhöht. Wird die tubuläre Reabsorptionskapazität für Hämoglobin überschritten, er­scheint es im Urin. Durch den erhöhten Bilirubinanfall im Darm entsteht vermehrt Urobilinogen, das rückresorbiert und anschließend über die Nieren ausgeschieden wird. Hä- moglobinurie und Urobilinogenurie führen zu einer rötlich­bräunlichen Verfärbung des Urins. Das freie Hämoglobin bindet in der Blutbahn an sein Transportprotein Haptoglo­bin. Durch die hepatische Eliminierung des Haptoglobin­Hämoglobin-Komplexes sinkt die Haptoglobinkonzentrati- on im Blut. Die kompensatorisch gesteigerte Erythropoese im Knochenmark zeigt sich im peripheren Blut durch eine Retikulozytose.
MERKE. Da die Erythropoese bei hämolytischen Anämien
kompensatorisch gesteigert ist, spricht man auch von einer hyperregenerativen Anämie.
46
2.1 Anämien
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? Wie können Sie eine Hämolyse durch falsche Ab-
nahmetechnik ausschließen?
Bei falscher Abnahmetechnik kann das abgenommene Blut im Röhrchen hämolysieren. Der Haptoglobinspiegel ist in diesem Fall normal.
? Sie haben bei einem Patienten den Verdacht auf eine
hämolytische Anämie. Zur Sicherung Ihrer Verdachts­diagnose wollen Sie Blut abnehmen. Dies erweist sich allerdings als äußerst schwierig, da das Blut nicht kon­stant durch die Kanüle ießt, sondern in ihr agglutiniert. Welcher Verdacht kommt Ihnen?
Die Agglutination der Erythrozyten in der Kanüle weist auf Kälteantikörper hin. Kälteantikörper sind sog. komplette Autoantikörper vom IgM-Typ, die bei Raumtemperatur zu einer Erythrozytenagglutination führen. Durch Aktivierung des Komplementsystems werden die Erythrozyten in der Blutbahn lysiert. Der Patient leidet vermutlich an einer auto-
immunhämolytischen Anämie durch intravasale Hämolyse.
? Wie unterscheidet sich die BSG bei Wärme- und
Kälteantikörpern?
In beiden Fällen ist die BSG stark beschleunigt. Bei Kälteanti­körpern normalisiert sie sich bei Erhitzen im Inkubator.
MERKE. Die Blutgruppenbestimmung bzw. die Kreuz-
probe ist bei Wärme- und Kälteantikörpern durch die Interferenz mit den Autoantikörpern erschwert.
Die wichtigsten Indikationen sind ein Verdacht auf eine
hämolytische Transfusionsreaktion oder eine Rhesusinkom­patibilität.
MERKE. Der Coombs-Test wird generell bei immunoge-
ner Hämolyse eingesetzt: Der direkte Coombs-Test weist erythrozytengebundene, der indirekte Coombs-Test frei zirkulierende Antikörper nach.
? Das Labor eines Patienten zeigt Hämolysezeichen
und eine Thrombozytopenie. Im Blutausstrich erkennen Sie sog. Fragmentozyten. Woran denken Sie bei dieser Konstellation? Siehe Abb.
Die Kombination aus Fragmentozyten, also Bruchstücken zerstörter Erythrozyten, Hämolyse und Thrombozytopenie spricht für eine mikroangiopathische hämolytische Anämie.
2.2
? Wie entsteht eine mikroangiopathische hämolyti-
sche Anämie?
Durch eine Endothelschädigung kleiner Gefäße kommt es zu einer Thrombozytenaggregation mit Thrombozytenver­brauch. Dadurch entstehen Mikrothrombosierungen, die die Erythrozyten mechanisch schädigen.
MERKE.Zudenmikroangiopathischenhämolytischen
Anämien zählen die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (Moschkowitz-Syndrom) und das hämolytisch-urä­mische Syndrom (HUS).
? Mit welchem Test können Sie Kälte- bzw. Wärme-
antikörper nachweisen? Erklären Sie kurz das Testprinzip!
Kälte- und Wärmeantikörper können mit dem direkten Coombs-Test nachgewiesen werden, der erythrozyten-
gebundene Antikörper erfasst. Bei diesem Testverfahren werden die gewaschenen Erythrozyten des Patienten mit einem speziellen Serum, das Anti-Humanglobulin enthält, inkubiert. Agglutinieren die Erythrozyten, so liegen ery­throzytengebundene Antikörper vor.
? Was wird mit dem indirekten Coombs-Test nach-
gewiesen? Wie wird er durchgeführt?
Mit dem indirekten Coombs-Test werden inkomplette, frei zirkulierende IgG-Antikörper nachgewiesen. Das Patienten-
serum wird mit Test-Erythrozyten inkubiert. Diese binden an die frei zirkulierenden Antikörper ohne eine Aggluti­nation auszulösen. Anschließend wird das Coombs-Serum mit Anti-Humanglobulin zugegeben. Eine Agglutination der Test-Erythrozyten beweist das Vorliegen freier Antikörper.
? Bei welchen Verdachtsdiagnosen ist ein indirekter
Coombs-Test indiziert?
? An welche Dierenzialdiagnosen müssen Sie bei
einem Nachweis von Fragmentozyten denken?
Neben den mikroangiopathischen hämolytischen Anämien können Fragmentozyten auch bei mechanischer Hämolyse, z.
B. durch künstliche Herzklappen, nachgewiesen werden.
Abb. 2.2 Blutausstrich: Fragmentozyten (aus Dörner,
K.:KlinischeChemieundHämatologie,8.Auage,Georg
Thieme Verlag, 2013).
47
2 Hämatologie
? Sie sehen im Blutausstrich kleine kugelige Erythro-
zyten ohne zentrale Aufhellung. Welche Erkrankung vermuten Sie? Wie kommt es zu den morphologischen Veränderungen der Erythrozyten? Siehe Abb. 2.3
Kleine kugelige Erythrozyten sind pathognomonisch für die Sphärozytose (Kugelzellanämie). Die Kugelform der Erythro­zyten entsteht durch den Einstrom von Natrium und Wasser in die Zelle. Ursache ist ein genetischer Membrandefekt der
Erythrozyten, der die osmotische Permeabilität vermindert.
? Unter welchen Symptomen leiden Patienten mit
Sphärozytose? In welchem Alter manifestiert sie sich?
Der vorzeitige Abbau der kugelig verformten Erythrozyten in der Milz bedingt eine extravasale Hämolyse. Die Erkran­kung manifestiert sich bereits im Kindesalter mit Anämie, Splenomegalie, Bilirubingallensteinen und Ikterus. Im Ver­lauf können hämolytische Krisen mit Fieber und Oberbauch­beschwerden auftreten.
MERKE.DieSphärozytoseistdiehäugstehämolytische
Anämie in Nordeuropa.
Abb. 2.3 Blutausstrich: Kugelzellen bei Sphärozytose
(aus Dörner, K.: Klinische Chemie und Hämatologie, 8. Auf­lage, Georg Thieme Verlag, 2013).
MERKE.DieSichelzellanämieistdiehäugsteHämoglo-
binopathie.Siekommtbesondershäuginderschwarzen
Bevölkerung vor und wird nur bei homozygoten Anlageträ­gern symptomatisch.
? Kennen Sie eine typische Kinderkrankheit, die bei
Patienten mit Sphärozytose eine schwere Komplikation verursachen kann?
Ringelröteln durch Parvovirus B19 können bei Sphärozyto­se-Patienten eine lebensbedrohliche aplastische Krise aus­lösen.
? Mit welchem einfachen Test können Sie eine
Sphärozytose diagnostizieren?
Die Sphärozytose kann durch eine Verdünnungsreihe mit zunehmend hypotoner Kochsalzlösung aufgedeckt werden.
Normalerweise hämolysieren Erythrozyten erst bei Zugabe einer stark hypotonen Kochsalzlösung mit einer Konzen­tration < 0,46 %. Bei der Sphärozytose hämolysieren die Erythrozyten durch die verminderte osmotische Resistenz bereits früher.
? Ihnen wird ein afrikanischer Patient vorgestellt,
der nach einem Flug unter einer Anämie und starken Schmerzen in Flanken und Händen leidet. Wie können Sie sich diesen Zusammenhang erklären?
Der Patient leidet wahrscheinlich unter einer Sichelzellanä­mie. Bei homozygoten Anlageträgern bildet sich abnormes
HbS, das im desoxygenierten Zustand, z. B. beim Fliegen oder Bergsteigen, präzipitiert. Die Erythrozyten verformen sich in die typische Sichelform und verstopfen kleine Ge­fäße, was sich durch schmerzhafte Organ- und Knochen­infarkte äußert.
? Kennen Sie einen Trick, mit dem sich die Sichelzellen
im Blutausstrich nachweisen lassen?
Sichelzellen sind nur im hypoxischem Milieu, z. B. unter ei­nem mit Nagellack versiegelten Deckglas, nachweisbar.
? Durch welche Besonderheit zeichnen sich hetero-
zygote HbS-Anlageträger aus?
Diese Menschen sind gegenüber einer Infektion mit Plasmo­dien, also gegenüber Malaria, resistenter als die Allgemein­bevölkerung.
? Bei der Durchsicht Ihrer Laborbefunde im Nacht-
dienst stoßen Sie auf den Befund einer Hämoglobin­elektrophorese, der eine Vermehrung von HbA zeigt. Interessiert schauen Sie in der Akte des Patienten nach und sehen, dass Serumeisen und Ferritin erhöht sind und Transferrin erniedrigt ist. An welche Erkrankung denken Sie?
Die Hämoglobinelektrophorese zeigt eine quantitative Hämoglobinopathie. Das fetale Hämoglobin HbF ist stark
erhöht. Ursache ist eine verminderte Synthese der β-Ketten
von Hämoglobin mit kompensatorisch erhöhter Synthese von γ- und δ-Ketten. Die Erhöhung von Serumeisen und Fer­ritin und die Erniedrigung von Transferrin weisen auf eine Eisenverwertungsstörung hin. Beide Befunde sind typisch für die homozygote β-Thalassämie, die auch als Thalassae- mia major bezeichnet wird.
und HbF
2
48
2.1 Anämien
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? Beschreiben Sie das typische klinische Bild eines
Patienten mit homozygoter β-Thalassämie!
Die Thalassaemia major fällt bereits im Kindesalter auf. Die Kinder haben Wachstumsstörungen und leiden häu g an
Infektionen. Typisch sind aufgetriebene Knochen durch eine Knochenmarkshyperplasie bei ine ektiver Erythropoese. Im Röntgenbild zeigt sich häu g ein Bürsten- oder Turmschä- del, im Blut eine schwere mikrozytäre , hypochrome, gering hämolytische Anämie .
? Was ist die wichtigste Komplikation bei der Trans-
fusion von multiplen Erythrozytenkonzentraten und wie behandeln Sie diese?
Die wichtigste Komplikation wiederholter Erythrozyten­transfusionen ist die Hämosiderose , also eine Eisenüberla- dung. Liegt die Ferritinkonzentration wiederholt > 1000 ng/ ml, ist eine Eisenelimination mit Deferoxamin oder Deferi­pon indiziert.
INFOBOX. Anämien: Systematik
? Was erwarten Sie bei einem Patienten mit homozy-
goter β-Thalassämie im Blutausstrich?
Im Blutausstrich sind hypochrome Erythrozyten mit zen­traler Verdichtung zu sehen, sog. Target- oder Schießschei-
benzellen.
? Wie wird die Thalassaemia major therapiert?
Die Therapie besteht in regelmäßigen Transfusionen von
Erythrozytenkonzentraten.
Tab. 2.1 Hyperregeneratorische Anämien .
Anämieform Ursachen
Blutungsanämie BlutungenunterschiedlicherGenese(amhäugsten:gastrointestinaleundgynäkologische
hämolytische Anämien korpuskuläre hämolytische Anämien:
Erkrankungen)
Hämoglobinopathien (z. B. Thalassämie)
Enzymopathien (z. B. Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel)
Membrandefekte (z. B. Sphärozytose)
extrakorpuskuläre hämolytische Anämien:
Autoantikörper (Wärme- oder Kälteantikörper): im Rahmen von Infektionen (z. B. Malaria),
malignen oder autoimmunen Grunderkrankungen Medikamenten-induzierte Immunhämolyse
mechanische Erythrozytenschädigung (z. B. bei künstlichen Herzklappen)
Alloantikörper (Fehltransfusion, Rhesusinkompatibilität)
mikroangiopathische Anämie (hämolytisch-urämisches Syndrom, Moschkowitz-Syndrom)
Stowechselerkrankungen
Einteilung der Anämien in Abhängigkeit von der Retikulozytenzahl:
Hyperregeneratorische Anämien sind durch eine kom- pensatorisch gesteigerte Erythropoese im Knochenmark mit peripherer Retikulozytose gekennzeichnet (Tab. 2.1).
• Bei den hyporegeneratorischen Anämien ist die Ery­thropoese gestört (Tab. 2.2).
Einteilung anhand von MCV und MCH:
In Abhängigkeit vom mittleren korpuskulären Volumen (MCV) und dem mittleren korpuskulären Hb-Gehalt (MCH) werden hypochrome, normochrome und hyperchrome Anämien unterschieden (Tab. 2.3).
Tab. 2.2 Hyporegeneratorische Anämien.
Anämieform Ursachen
Störung der Hämoglobinbildung Eisenmangelanämie
Erythropoetinmangel renale Anämie
DNA-Bildungsstörung megaloblastäre Anämie (Folsäure- oder Vitamin B
Störung der erythropoetischen Stammzellen aplastische Anämie myelodysplastisches Syndrom
-Mangel)
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