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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2770_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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4 Pulmologie
4.4 Schlafbezogene Atmungsstörungen
? Ein 54-jähriger, stark adipöser Patient wird nach
einem Auahrunfall ins Krankenhaus gebracht. Er ist nicht verletzt, berichtet aber, dass der Unfall seine Schuld gewesen sei, er sei kurz am Steuer eingenickt. Überhaupt sei er in letzter Zeit tagsüber häug müde und unkon­zentriert. Er wache nachts häug auf, seine Frau beklage sich über sein lautes Schnarchen. Haben Sie einen Ver­dacht?
Unterbrochener Nachtschlaf, gesteigerte Tagesmüdigkeit, insbesondere bei monotonen Tätigkeiten wie Autofahren, Konzentrationsschwäche und lautes Schnarchen sind typi­sche Symptome des obstruktiven Schlafapnoesyndroms.
? Sie fragen die Ehefrau Ihres Patienten mit obstruk-
tiven Schlafapnoesyndrom nach nächtlichen Schlafauf­fälligkeiten. Von welchen Symptomen wird sie Ihnen vermutlich berichten?
Charakteristisch für das Schlafapnoesyndrom sind lautes Schnarchen aber auch rezidivierende nächtliche Atemaus­setzer.
? Erläutern Sie kurz die Pathogenese des obstruktiven
Schlafapnoesyndroms!
Auslöser ist ein Kollaps der oropharyngealen Schlundmus­kulatur. Der eingeschränkte Atemuss führt zu nächtlichen Hypoxämien und Hyperkapnien. Der Patient reagiert auf
die Hyperkapnie mit einer reektorischen Steigerung der
Ventilation. Die heftige Atembewegungen führen zu der typischen Weckreaktion, die erschlate Schlundmuskulatur spannt sich an und die Atemwege werden unter lautem
Schnarchgeräusch vorübergehend geönet.
MERKE. Beim Schlafapnoesyndrom werden 2 Formen
unterschieden:
• obstruktives Schlafapnoesyndrom (90 % der Fälle) durch Kollaps der oberen Luftwege
• zentrales Schlafapnoesyndrom (10 % der Fälle) mit periodischem Ausfall des zentralen Atemantriebs durch verminderte Aktivierung der Chemorezeptoren (z. B. bei
HerzinsuzienzoderchronischenLungenerkrankungen)
? Welche Faktoren begünstigen das obstruktive
Schlafapnoesyndrom?
Begünstigend wirken Übergewicht, die abendliche Ein- nahme von Alkohol oder Sedativa und anatomische Verän- derungen wie Tonsillenhyperplasie, Nasenpolypen, Nasen­septumdeviation, Makroglossie und Retrognathie.
? Welche klinischen Folgen hat das Schlafapnoesyn-
drom?
Durch die rezidivierende nächtliche Sympathikusaktivie­rung entwickeln viele Patienten eine arterielle Hypertonie und Herzrhythmusstörungen. Die nächtlichen Hypoxämien und Hyperkapnien führen zu sekundärer Polyglobulie, pul- monaler Hypertonie und einem Cor pulmonale. Das Risiko für Herrzinfarkte, Schlaganfälle sowie eine Verschlechte-
rung einer vorbestehenden Herzinsuzienz ist deutlich
erhöht. Das Unfallrisiko steigt bis zu siebenfach.
MERKE. Patienten mit Schlafapnoesyndrom haben ein
deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko!
? Wie sichern Sie die Diagnose eines Schlafapnoesyn-
droms?
Die Diagnose wird polygrasch ambulant oder polysomno- grasch im Schlaabor gestellt. Hier werden Hirnströme,
Augenbewegungen, Schnarchgeräusche, Herzaktionen, Tho­rax- und Abdomenbewegungen, die periphere Sauerstosät­tigung und ggf. Bein – und Kinnmuskelbewegungen gemes­sen. Typisch für ein Schlafapnoesyndrom sind pro Stunde > 5 Apnoen mit Atempausen > 10 Sekunden bzw. > 5 Hypopnoen mit einem O Apnoe/Hypopnoe-Index (AHI) ausgedrückt. Bei einem AHI­Wert von 5–14 pro Stunde spricht man von einem leichten Befund, ab 30 pro Stunde von einem schweren Befund.
-Sättigungsabfall ≥ 4 %. Dies wird durch den
2
? Welche Dierenzialdiagnosen des Schlafapnoesyn-
droms kennen Sie?
Auch ein Restless-Legs-Syndrom oder ein nächtlicher Bru- xismus können zu erhöhter Tagesmüdigkeit führen. Ferner
müssen endokrinologische, neurologische und psychische Grunderkrankungen sowie Medikamentennebenwirkungen als Ursache einer Schlafstörung in Betracht gezogen werden.
? Wie können Sie einen Patienten mit obstruktivem
Schlafapnoesyndrom behandeln?
Es sollte immer versucht werden, Risikofaktoren wie Adi- positas, Rauchen und abendlichen Alkohol- bzw. Sedativa­konsum zu beheben. In leichten Fällen kann der Unterkiefer durch sog. progenierende Aufbiss-Schienen nach ventral verlagert werden, so dass das Zurücksinken des Unterkie­fers verhindert und der Rachenraum vergrößert wird. Bei Rückenlage-assoziiertem OSAS sollte diese durch das Tragen von Rückenlagvermeidungswesten vermieden werden. Lie­gen der Atemwegsobstruktion anatomische Veränderungen wie eine Nasenseptumdeviation, eine Polyposis nasi oder eine Tonsillenhyperplasie zugrunde, kann eine chirurgische Sanierung erfolgreich sein. Bleiben die kausalen Therapie­ansätze erfolglos, ist eine kontinuierliche nächtliche Über-
druckbeatmung über eine Nasenmaske, die sog. CPAP-Be- atmung, die Methode der Wahl.
100
D E
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4.5 Pneumonien
Abb. 4.8 Röntgen Thorax (aus Stäbler, A., Ertl-Wagner, B.: Ra­diologie-Trainer: Körperstamm,
OrganeundGefäße,2.
Innere Auage,GeorgThiemeVerlag,
2013): a a.-p.; b seitlich.
4.5 Pneumonien
? Sie werden im Spätdienst zu einem älteren Patienten
gerufen, der soeben von der Aufnahmeambulanz auf Station verlegt wurde. Der aufnehmende Arzt hat eine Röntgenthoraxuntersuchung angefordert, die den folgenden Befund zeigt (siehe Abb. den Befund und stellen Sie eine Diagnose!
Das Thoraxbild zeigt ein alveoläres Inltrat im posterioren Segment des linken Unterlappens. In diesem Gebiet heben sich die luftgefüllten Bronchien von der Umgebung ab, man spricht auch von einem positiven „Air Bronchogramm“. Der Befund ist typisch für die Lobärpneumonie.
? Nachdem Sie auf dem Röntgenbild die Verdachts-
diagnose einer Lobärpneumonie gestellt haben, gehen Sie zu dem Patienten. Welche klinischen Symptome erhärten Ihren Verdacht?
Typische Symptome der Lobärpneumonie sind
plötzlicher Krankheitsbeginn mit Schüttelfrost und Fieber
Abgeschlagenheit
Husten mit eitrigem Auswurf
Atemnot mit „Nasenügeln“
atemabhängige Thoraxschmerzen bei einer Begleitpleuritis
? Sie untersuchen Ihren Patienten mit Lobärpneu-
monie. Welche physikalischen Befunde weisen auf eine Lungeninltration hin? Erklären Sie kurz, wie diese ent­stehen!
Die physikalischen Befunde bei Pneumonie sind physio­logische Klangphänomene, die normalerweise durch das
lufthaltige Alveolargewebe abgeltert werden. Durch die Inltration des Lungengewebes mit Entzündungszellen und Fibrinexsudaten werden sie an die Lungenoberäche fort-
4.8). Beschreiben Sie
geleitet und können dort abgehört werden. Typische Inl­trationszeichen sind klingende Rasselgeräusche, Bronchial- atmen, verstärkter Stimmfrenitus, positive Bronchophonie und gedämpfter Klopfschall.
? Nennen Sie die beiden häugsten Erreger ambulant
erworbener bakterieller Pneumonien im Erwachsenenalter!
Die mit Abstand häugsten Erreger sind Pneumokokken und Haemophilus inuenzae.
? In der Akte Ihres Patienten mit Lobärpneumonie
lesen Sie, dass er an einer Herzinsuzienz im NYHA­Stadium III leidet. Ändert diese Information das mögliche Erregerspektrum?
Bei schweren Begleiterkrankungen werden auch Staphylo­coccus aureus und gramnegative Problemkeime wie Kleb-
siellen, Enterobacter, E. coli und Pseudomonas aeruginosa als Auslöser ambulant erworbener Pneumonien beobachtet.
? Wann müssen Sie bei einer ambulant erworbenen
Pneumonie eine Erregerdiagnostik einleiten?
Indikationen für eine Erregerdiagnostik bei ambulant er­worbenen Pneumonien sind ein schwerer Krankheitsverlauf mit Hospitalisierung, immungeschwächte Patienten und ein Versagen der kalkulierten Antibiose.
MERKE. Bei ambulant erworbenen Pneumonien mit
typischem klinischen Verlauf ist keine Erregerdiagnostik notwendig. Die in Frage kommenden Erreger sind bekannt und die im ambulanten Bereich eingesetzten Antibiotika in der Regel sehr erfolgreich.
101
4 Pulmologie
? Wie schätzen Sie im klinischen Alltag ab, ob ein
Patient mit ambulant erworbener Pneumonie ambulant behandelt werden kann oder stationär aufgenommen werden sollte?
Eine schnelle klinische Einschätzung gelingt mit dem CURB­65-Score. Risikokriterien für einen schweren Verlauf mit
erhöhter Mortalität sind:
Confusion bzw. Bewusstseinsstörung,
Urea bzw. Harnsto > 7 mmol/l,
Respiratory rate bzw. Atemfrequenz ≥ 30/min,
Blood Pressure bzw. Blutdruck ≤ 90/60 mmHg und
Patientenalter ≥ 65 Jahre.
Für jeden Parameter wird 1 Punkt vergeben. Bei einem Score > 2 Punkten sollten die Patienten stationär behandelt werden.
MERKE. Auch Pneumonien bei schweren Begleiterkran-
kungen sollten – zumindest initial – stationär behandelt werden, da eine Verschlechterung der Grunderkrankung möglich ist.
? Welche Therapiemaßnahmen leiten Sie bei Ihrem
älteren Patienten mit ambulant erworbener Lobärpneu­monie und begleitender Herzinsuzienz ein?
Pneumonien bei älteren Patienten mit schweren Begleiter­krankungen sollten stationär behandelt werden. Allgemeine Maßnahmen umfassen
Bettruhe mit Thromboseprophylaxe
Förderung der Sekretauösung durch Sekretolytika, Atem-
gymnastik mit Klopfmassagen, Kochsalz-Inhalationen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr Antipyretika bei hohem Fieber
Sauerstogabe bei Hypoxämie
Kausal muss eine kalkulierte, intravenöse, kombinierte Anti- biose mit Amoxicillin und einem neueren Makrolid eingelei- tet werden. Statt Amoxicillin können auch Cephalosporine der Gruppe 2 oder 3 eingesetzt werden. Alternativ ist eine Monotherapie mit pneumokokkenwirksamen Chinolonen
wie z. B. Levooxacin oder Moxioxacin möglich.
? Angenommen, Ihr älterer Patient mit ambulant
erworbener Lobärpneumonie leidet an Bronchiektasien. Welche Antibiotika setzen Sie in diesem Fall ein?
Bei diesen Patienten sind Pneumonien häug durch den
„Problemkeim“ Pseudomonas aeruginosa ausgelöst. Die kalkulierte Antibiose kann mit der Kombination Piperacillin und Tacobactam oder Cefepim, Imipinem, Meropenem bzw. Levooxacin durchgeführt werden. Die ausgewählten Anti­biotika sollten immer mit einem neueren Makrolid kom-
biniert werden (siehe Tab. 4.7).
? Nach initialer Besserung der Symptome unter kom-
binierter Antibiose mit Amoxicillin und Clarithromycin klagt Ihr Patient mit Lobärpneumonie erneut über Fieber, Husten und Atemnot. Der Auswurf stinkt faulig und ist blutig tingiert. In der Röntgenthoraxaufnahme erkennen Sie einen Rundherd mit Flüssigkeitsspiegel. Für welche Komplikation sprechen diese Befunde und wie reagieren Sie?
Klinische Symptome und radiologischer Befund sprechen für einen Lungenabszess. Da Lungenabszesse ein idealer Nährboden für anaerobe Keime sind, muss die Therapie um ein Anaerobier-wirksames Antibiotikum wie Clindamycin oder Metronidazol erweitert werden.
Tab. 4.7 Ambulant erworbene Pneumonie: Kalkulierte antibiotische Therapie.
CAP (community aquired pneumonia) ambulant (orale Therapie)
ohne Risikofaktoren:
Mittel der Wahl: Amoxicillin
alternativ: neuere Makrolide, Tetrazykline (1. Wahl bei
„atypischer Pneumonie“)
1
mit Risikofaktoren
Mittel der Wahl: Amoxicillin/Clavulansäure + neuere
Makrolide
alternativ: Monotherapie mit pneumokokkenwirksamem
Chinolon(z.B.Levooxacin)
1
schwereBegleiterkrankungen,Alter≥65Jahre,antibiotischeVorbehandlung,Steroidtherapie≥4Wochen
2
pulmonaleKomorbidität,Steroidtherapie≥4Wochen,HospitalisierungimletztenMonat,antibiotischeVorbehandlung
:
HAP (hospital acquired pneumonia“) stationär (intravenöse Therapie)
ohne Risiko für Pseudomonas-Infektion:
Mittel der Wahl: Amoxicillin/Clavulansäure oder Cephalospo-
rin der Gruppe 2 oder 3 (z. B. Cefuroxim, Ceftriaxon), jeweils + neueres Makrolid
alternativ: Monotherapie mit pneumokokkenwirksamem
Chinolon(z.B.Levooxacin)
2
mit Risiko für Pseudomonas-Infektion
Piperacillin/Tacobactam, Cefepim, Imipinem, Meropenem oder
Levooxacin,jeweils+neueresMakrolid
:
102
4.5 Pneumonien
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? Auf welche Komplikationen müssen Sie bei Patienten
mit Pneumonie achten?
Zu den Komplikationen einer Pneumonie zählen
respiratorische Insuzienz
parapneumonischer Pleuraerguss
Pleuraempyem
Lungenabszess
septische Streuung mit Meningitis, Endokarditis oder
Hirnabszess septischer Schock
Übergang in eine chronische Pneumonie
? Ein 70-jähriger Patient kommt mit hohem Fieber,
Schüttelfrost, Kopfschmerzen, trockenem Husten und Luftnot aus einem Urlaub in einem Wellness-Hotel zurück. Gleichzeitig klagt er über Übelkeit. An welche Erkrankung denken Sie? Begründen Sie Ihre Vermutung!
Die Kombination von thorakalen und gastrointestinalen Symptomen, Kopfschmerzen und einem Aufenthalt in ei­nem Wellness-Hotel deuten auf eine Legionellenpneumonie hin. Legionellen sind gramnegative intrazelluläre aerobe Keime, sie vermehren sich bevorzugt in warmen, stehenden Gewässern und werden durch Inhalation inzierter Aeroso­le übertragen. In Wellness-Hotels mit Dampfbädern, Saunen und Klimaanlagen besteht also ein erhöhtes Infektionsrisiko. Die Diagnose kann durch den Nachweis von Legionellenanti- körpern im Urin oder den direkten Erregernachweis bzw. der PCR aus Bronchialsekret gestellt werden.
? Wie therapieren Sie einen Patienten mit Legionellose?
Therapie der Wahl ist die Gabe von Makroliden wie Clari­thromycin, bei schwerem oder therapierefraktärem Verlauf
in Kombination mit Rifampicin. Alternativ kann Levooxacin als Monotherapie eingesetzt werden. Die Therapiedauer liegt bei 3 Wochen.
? Charakterisieren Sie den Begri „atypische
Pneumonie“!
Atypische Pneumonien zeigen eine andere klinische Symp­tomatik als die typische Pneumokokkenpneumonie: Die Patienten leiden an grippeähnlichen Symptomen mit lang­samem Beginn, leichtem Fieber ohne Schüttelfrost und tro-
ckenem Reizhusten, häug begleitend von Kopfschmerzen
und Myalgien.
? Ein HIV-positiver Patient klagt über eine leichte
Belastungsdyspnoe und einen trockenen Husten. An welchen Erreger müssen Sie unbedingt denken? Was könnte diese Infektion für den Patienten bedeuten?
Bei abwehrgeschwächten Patienten muss immer an eine Pneumocystis jiroveci-Pneumonie gedacht werden, die ini-
tial häug subakut verläuft. Diese Pneumonieform ist die
häugste Erstmanifestation der AIDS-Erkrankung.
MERKE. Die Pneumocystis jiroveci (früher: carinii)-Pneu-
istmit50%diehäugsteErstmanifestationunddie
monie
häugsteopportunistischeInfektionderAIDSErkrankung.
? Wie können Sie Ihren Verdacht auf Pneumocystis
jiroveci-Pneumonie bei Ihrem HIV-Patienten sichern?
Die Diagnose lässt sich am besten durch eine bronchoalveo­läre Lavage mit Erregernachweis sichern.
? Beschreiben Sie den typischen radiologischen Befund
bei fortgeschrittener Pneumocystis jiroveci-Pneumonie!
Typisch sind schmetterlingsförmige, milchglasartige Inl­trate, die den Lungenmantel aussparen.
? Beschreiben Sie die First-Line-Therapie bei Pneumo-
cystis jiroveci-Pneumonie!
Therapie der Wahl ist die hochdosierte Gabe von Cotrimo­xazol über 3 Wochen. Bei schwerer Hypoxämie sind Gluko- kortikoide indiziert.
MERKE. Liegt die T-Helferzell-Anzahl bei einem Patienten
mit
HIV/AIDS<200/μl,isteinePneumocystisjiroveci-Pneu-
monie-Prophylaxe mit Cotrimoxazol indiziert.
? Woran denken Sie, wenn ein schwerkranker, bett-
lägriger 70-jähriger Patient 1 Woche nach Kranken­hausaufnahme hohes Fieber, Schüttelfrost, produktiven Husten und Dyspnoe entwickelt? Welche Erreger kommen in Frage?
Symptome und Anamnese sind typisch für eine späte noso­komiale Pneumonie. Typische Erreger sind Staphylococcus aureus und gramnegative „Problemkeime“ wie Enterobac-
ter, Pseudomonas aeruginosa, Klebsiellen und Proteus mira­bilis.
? Nennen Sie die häugsten bakteriellen Erreger atypi-
scher Pneumonien! Was haben diese Erreger gemeinsam und welche therapeutische Konsequenz hat das?
Atypische Pneumonien werden am häugsten durch intra- zelluläre Erreger wie Chlamydien, Mykoplasmen oder Legio- nellen ausgelöst. Therapeutisch müssen daher Antibiotika
mit intrazellulärer Anreicherung eingesetzt werden. Mittel der 1. Wahl sind Makrolide und Tetrazykline.
103
4 Pulmologie
4.6 Tuberkulose
? Ein 70-jähiger Russlanddeutscher klagt über pro-
duktiven eitrigen Husten, Gewichtsverlust und Nacht­schweiß. Manchmal sei auch Blut im Taschentuch. An welche beiden Dierenzialdiagnosenmüssen Sie denken?
B-Symptomatik und eitriger, blutig tingierter Husten bei einem über 40-jährigen Patienten müssen immer an ein Bronchialkarzinom denken lassen. Insbesondere bei Patien­ten aus Osteuropa sollte bei diesen Symptomen aber auch immer eine Tuberkulose in Betracht gezogen werden.
? Welche Patienten haben ein besonders hohes Risiko,
an einer Tuberkulose zu erkranken?
Betroen sind v. a. Patienten mit geschwächtem zellulärem Immunsystem. Wichtige Risikofaktoren sind daher:
Mangelernährung, Alkohol- bzw. Drogenabusus und ho-
hes Lebensalter angeborene oder erworbene Immunschwäche bei Immun-
defekten, immunsuppressiver Therapie, HIV-Infektion oder malignen Lymphomen Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Silikose, Ma-
sern und Keuchhusten
? Welcher Test eignet sich zum initialen Screening bei
klinischem oder anamnestischem Tuberkulose-Verdacht? Erklären Sie kurz das Prinzip!
Zum Screening eignet sich der Tuberkulin-Hauttest. Er weist nach, ob der Körper in der Vergangenheit mit Tuberkelbak­terien konfrontiert war. Der Organismus reagiert auf eine Infektion mit Mycobacterium tuberculosis mit einer T-Zell­vermittelten Reaktion vom verzögerten Typ. Auch nach der Ausheilung können die Erreger lebenslang in abgekapselten Granulomen persistieren. Durch die Anwesenheit mini­maler Antigenkonzentrationen liegen im Körper ständig Erreger-spezische aktivierte Gedächtniszellen vor. Beim Tuberkulintest werden dem Patienten 10 Einheiten Refe­renztuberkulin intrakutan in die Beugeseite des Unterarms injiziert. Die aktivierten T-Gedächtniszellen werden an den Ort der Antigenapplikation gelockt und führen dort nach 48–72 Stunden zu einer Induration.
bei immunsupprimierten Patienten, typischer Klinik und
typischem radiologischem Befund ab einer Induration von 5 mm Durchmesser
? Können Sie bei negativem Tuberkulintest eine Tbc
ausschließen? Begründen Sie Ihre Antwort!
Nein. Ein negativer Tuberkulintest macht eine Tuberkulose zwar unwahrscheinlich, in folgenden Situationen sind aber falsch-negative Ergebnisse möglich:
bei einer frischen Tbc-Infektion, da der Tuberkulintest erst
8 Wochen nach der Infektion positiv wird bei einer hochakuten systemischen Auseinandersetzung
des Körpers mit dem Erreger z. B. bei Miliar-Tuberkulose oder Landouzy-Sepsis: In diesen Fällen reicht die Menge Referenzprotein nicht aus, um aktivierte T-Gedächtnis­zellen an den Ort der Applikation zu locken. bei anerger Reaktionslage des Organismus, z. B. bei ange-
borener Immunschwäche, immunsuppressiver Therapie, AIDS oder Masern.
? Der Tuberkulintest fällt bei Ihrem Patienten positiv
aus. Ist die Tuberkuloseinfektion damit bewiesen?
Nein. Der Tuberkulintest ist nicht spezisch für Mycobac- terium tuberculosis. Positive Reaktionen werden auch nach
einer BCG-Impfung mit dem Impfstamm Mycobacterium bovis und bei einer Infektion mit atypischen Mykobakterien beobachtet.
? Mit welchem Test können Sie eine Mycobacterium
tuberculosis-Infektion spezisch nachweisen?
Ein spezischer Nachweis ist mit dem Interferon γ-Test mög- lich. Dieses Testverfahren misst die IFN γ-Freisetzung aus
sensibilisierten T-Lymphozyten nach in-vitro-Stimulation
mit Mycobacterium tuberculosis-spezischen Antigenen.
MERKE.BeimInterferonγ-Test gibt es keine Interferenz
mit atypischen Mykobakterien oder dem BCG-Impfstamm. Inzwischen ist er auf Grund seiner deutlich höheren Sensi­tivitätundSpezitäteineguteErgänzungzumTuberkulin­hauttest.
MERKE. Der Tuberkulintest weist nur eine stattgehabte
immunologische Auseinandersetzung mit Mykobakterien nach. Er kann nicht zwischen einer alten und einer frischen Infektion unterscheiden!
? Wann spricht man von einem positiven Tuberkulin-
test?
Der Tuberkulintest ist positiv
bei immunkompetenten Patienten ohne Risikofaktoren ab
einer Induration von 15 mm Durchmesser bei Patienten aus Hoch-Prävalenzgebieten oder mit Risiko-
faktoren ab einer Induration von 10 mm Durchmesser
104
? Tuberkulin- und Interferon γ-Test sind bei Ihrem
Patienten mit Tuberkuloseverdacht positiv. Der nächste diagnostische Schritt ist die Röntgen-Thoraxaufnahme in 2 Ebenen (siehe Abb. 4.9). Beschreiben Sie den folgenden Befund!
Das Thoraxbild zeigt eine große Kaverne im linken Ober­lappen mit irregulär begrenzten Lymphknoten und einer
angrenzenden Verdickung der Pleura.
Abb. 4.9 Röntgen Thorax a.-p. (ausBattegay,E.:Die-
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renzialdiagnose
Thieme Verlag, 2017).
MERKE. Die radiologischen Veränderungen bei
Tuberkulose
Aufhellungen, Ringschatten, Pleuraergüsse, Lymphknoten­vergrößerungen, Narben und Verkalkungen. Bei der Beur­teilung gilt:
„Weiche“,unscharfbegrenzteInltratesindtypischfür eine frische Infektion.
„Harte“,verkalkteInltratedeutenaufeinealte(abge-
heilte) Infektion hin.
InnererKrankheiten,21.Auage,Georg
sindvielgestaltig.BeobachtetwerdenInltrate,
? Wie sichern Sie die Diagnose einer frischen Tuberku-
loseinfektion?
Goldstandard zur Diagnosesicherung ist der Nachweis säu­refester Stäbchen in Sputum oder Magensaft und der daraus
angefertigte kulturelle Nachweis tuberkulöser Mykobakte­rien.
4.6 Tuberkulose
? Nennen Sie jeweils Vor- und Nachteile der mikrobio-
logischen Sputumdiagnostik, der kulturellen Anzüchtung und der PCR-Diagnostik bei Tuberkuloseverdacht!
Der mikrobiologische Nachweis säurefester Stäbchen im
Sputum dauert nur wenige Minuten. Er zeigt also relativ schnell, ob die Keimdichte hoch und der Patient damit in­fektiös ist. Mikroskopisch kann allerdings nicht zwischen typischen und atypischen sowie zwischen vitalen und avi­talen Mykobakterien unterschieden werden. Außerdem liegt die Nachweisgrenze bei 10 tives Ergebnis schließt eine Tuberkulose daher nicht aus. Der kulturelle Nachweis dauert 3–8 Wochen, erlaubt je-
doch genaue Aussagen über Art und Resistenz der Myko­bakterien. Der Nachweis von Mykobakterien-DNA mithilfe der PCR
ist sehr spezisch und sensitiv und gelingt innerhalb von 2
Tagen. Problematisch ist die hohe Anfälligkeit für Verunrei­nigungen, so dass zwischen einer Kolonisation und einer Infektion letztendlich nur durch einen wiederholten Erre­gernachweis unterschieden werden kann (siehe Abb.
? Denieren Sie den Begri „aktive Tuberkulose“!
Kennen Sie typische Aktivitätszeichen?
Bei einer aktiven Tuberkulose sind klinische oder radio­logische Zeichen einer oriden Erkrankung nachweisbar.
Typische Aktivitätszeichen sind
positiver Erregernachweis im Ausstrich
Nachweis einer Kaverne mit Ableitungsbronchus
Vergrößerung alter Herde
radiologisch weiche Inltrate
Begleitpleuritis
? Welche Form der Tuberkulose wird am häugsten
beobachtet? Wie entsteht sie und welche Patienten sind am stärksten gefährdet?
Die Tuberkulose wird am häugsten im Stadium der „Post­primär-Tuberkulose“ symptomatisch. Sie entsteht meistens
durch eine endogene Reaktivierung alter Organherde, in de­nen noch lebende Tuberkelbakterien persistieren. Besonders gefährdet sind Patienten mit Immunschwäche.
4
Bakterien/ml, ein nega-
4.10).
MERKE. Üblich ist die Untersuchung von 3 Sputumpro-
ben oder Magensaftpräparaten an 3 aufeinander folgenden Tagen.
? Ihr Patient mit Tuberkuloseverdacht schat es nicht,
genug Sputum für die bakteriologische Diagnostik ab­zuhusten. Mit welchen Methoden können Sie trotzdem an das Sputum gelangen?
Sputum kann durch die Inhalation physiologischer oder hypertoner Kochsalzlösung induziert werden. Bleibt diese Maßnahme erfolglos, muss bronchoskopisch Material ent­nommen werden.
? An welchem Organ manifestiert sich die Postprimär-
Tbc am häugsten?
Am häugsten ist die Lungentuberkulose.
MERKE. Die Postprimär-Tbc manifestiert sich bei etwa
% der Patienten als Lungentuberkulose, bei etwa 20 % als
80 extrapulmonale Tuberkulose. Typische Manifestationsorte sind extrathorakale Lymphknoten, der Urogenital- und der Darmtrakt sowie Knochen und Gelenke.
105
4 Pulmologie
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NHLQH7KHUDSLH
Abb. 4.10 Diagnostischer Algorithmus bei Tuberkuloseverdacht.
? Beschreiben Sie die beiden typischen Verlaufsformen
der Lungentuberkulose! Wovon ist der Verlauf abhängig?
Der Verlauf hängt wesentlich von der Zeit bis zur Therapie­einleitung ab:
Die Lungentuberkulose manifestiert sich durch das sog.
Assman-Frühinltrat, das durch Reaktivierung alter „Si- mon-Spitzenherde“ entsteht. Bei rechtzeitigem Therapie-
beginn verläuft die Erkrankung häug asymptomatisch
und heilt folgenlos aus.
Wird keine Therapie eingeleitet, schmilzt das Frühinltrat
ein und bildet eine tuberkulöse Frühkaverne. Findet diese Anschluss an einen Bronchus, entsteht eine „oene“ ka- vernöse Lungentuberkulose mit hoher Ansteckungsgefahr.
MERKE.Voneiner„oenen“Tbcwirdgesprochen,wenn
säurefeste Stäbchen durch Körpersekrete wie Sputum oder Urin auf natürlichem Weg nach außen gelangen. Patienten
mit„oener“Tbcsindhochinfektiösundmüssenisoliert
werden!
? Mit welchen Komplikationen muss bei kavernöser
Lungentuberkulose gerechnet werden?
Wichtige Komplikationen sind eine Streuung der Bakterien mit Bronchialtuberkulose, käsiger Pneumonie, Miliar-Tuber­kulose oder Sepsis, eine Lungenblutung bei Arrosion einer Lungenarterie, eine respiratorische Insuzienz, ein Spon-
tanpneumothorax, eine Amyloidose und ein Kavernenkar­zinom.
? Welche Verlaufsformen der Primärtuberkulose
werden bei Patienten mit schlechter Abwehrlage be­obachtet?
In diesem Fall können sich die Erreger bereits während der Erstinfektion über Lymphe, Blut oder Bronchien verbreiten oder die Infektion kann auf Nachbarstrukturen übergreifen. Mögliche Manifestationsformen sind die Hiluslymphknoten- tuberkulose, die Pleuritis tuberculosa, die Miliartuberkulose, die Landouzy-Sepsis, die käsige Pneumonie sowie die galop-
pierende Schwindsucht.
? Wie therapieren Sie eine einfache Tuberkulose? Wie
lange dauert die Therapie?
Die unkomplizierte Tuberkulose wird mit einer kombinier- ten, 2-phasigen Antibiotikatherapie behandelt: Initial erhält der Patient für 2 Monate bis zum kulturellen Ergebnis der Resistenztestung eine Vierfachkombination mit Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol und Pyrazinamid. In der anschlie­ßenden Stabilisierungsphase wird die Therapie je nach Resistenz mit einer Zweifachkombination fortgesetzt, in der Regel mit Isoniazid und Rifampicin. Die Gesamtdauer der Therapie bei Erstinfektion beträgt 6 Monate (siehe Tab. 4.8).
106
Tab. 4.8 Antituberkulotika der 1. Wahl.
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Nebenwirkungen Besonderheiten
Rifampicin (RMP) Transaminasen↑,Cholestase,selten:
Isoniazid (INH) Transaminasen
Pyrazinamid (PZA) Transaminasen
Ethambutol (EBM) selten
Hepatitis, anaphylaktische Reaktion, Thromobozytopenie, Flu-Syndrom
neuropathie, erhöhte Krampfbereitschaft
urikämie mit Gefahr eines Gichtanfalls
Visus↓,zentraleSkotome)
heit,
↑,seltenHepatitis,Poly-
↑,Hepatitis,Übelkeit,Hyper-
Retrobulbärneuritis(→Farbenblind-
4.7 Interstitielle Lungenerkrankungen
4.7.1 Restriktive Ventilationsstörungen
undLungenbrose
? Ein 56-jähriger Patient klagt über Belastungsdyspnoe
und trockenen Reizhusten. Spirometrisch sind die Vital­kapazität und die absolute Einsekundenkapazität vermin­dert, der Tieneau-Index ist normal. Um welche Form der Ventilationsstörung handelt es sich? Wie kommt es zu den spirometrischen Befunden?
Der Spirometriebefund ist typisch für eine restriktive Ven­tilationsstörung: Lunge, Thorax und Zwerchfell können sich
nicht mehr vollständig ausdehnen und die Lungenvolumina sind entsprechend vermindert. Siehe Abb. 4.11
MERKE. Spirometrisch ist die restriktive Ventilations-
störung erkennbar an einer gleichsinnigen Verminderung aller Lungenvolumina. Typische Befunde sind:
Vitalkapazität<80%desSollwerts
• verminderte absolute FEV
normalerTieneauwert
? Sie bemerken bei einem Patienten einen vermin-
derten Transferfaktor für CO.Was beschreibt dieser Faktor und welche Erkrankungen führen zu einer Verminderung?
Der Transferfaktor ist ein Maß für die Gasaustauschkapazität der Lunge und beschreibt die Gasmenge, die pro Zeiteinheit und Partialdruckdierenz aus der Alveolarluft in das pul­monale Kapillarblut übertritt. Er ist bei allen Erkrankungen vermindert, die mit einer verkleinerten Gasaustauschäche, einer Diusionsstörung durch eine verbreiterte alveokapil­läre Membran, einer Ventilations-Perfusions-Verteilungsstö- rung oder einem Hämoglobinmangel einhergehen. Hierzu
1
4.7 Interstitielle Lungenerkrankungen
Leberenzyminduktion(→WirkungvonCumarinen, Theophyllin,SteroidenundoralenKontrazeptiva↓)
Rotfärbung von Körpersekreten (Cave: Kontaktlinsen)
Leberenzyminduktion(→WirkungvonCumarinen, Theophyllin,SteroidenundoralenKontrazeptiva↓)
Prophylaxe der Polyneuropathie durch simultane Vitamin B
regelmäßige Kontrollen der Harnsäure!
regelmäßige ophthalmologische Kontrollen!
)OXVVOV
D
Abb. 4.11 Flussvolumenkurven (ausLorenz,J.,Bals,R., Nowak,D.etal.:ChecklisteXXLPneumologie,4.Auage,
Georg Thieme Verlag, 2016). a Normalbefund; b restriktive Ventilationsstörung.
zählen z. B. Lungenbrose, Atelektasen, Lungenödem, Lun­genemphysem, Pneumonien, Lungenembolie und Anämien.
MERKE. Bei Rauchern ist der Transferfaktor erniedrigt, da
BindungskapazitätfürCOdurchdenerhöhtenCO-Hb-
die
Gehalt des Blutes vermindert ist.
? Welche Erkrankungen führen zu einer restriktiven
Ventilationsstörung?
Die wichtigsten Ursachen sind
Lungenerkrankungen wie Lungenbrose, Lungenödem
und Sarkoidose Z. n. Lungenteilresektion
Thoraxdeformitäten wie Kyphoskoliose und Morbus Bech-
terew neuromuskuläre Erkrankungen wie progressive Muskel-
dystrophie und Phrenikusparese Adipositas per magna
-Gabe
6
9ROXPHQO
)OXVVOV
E
9ROXPHQO
107
4 Pulmologie
? Über welche Symptome klagen Patienten mit Lun-
genbrose? Welche klinischen Befunde erwarten Sie bei der körperlichen Untersuchung?
Die Patienten klagen über eine progrediente Belastungs­dyspnoe und einen trockenen Reizhusten. Typische kli- nische Befunde sind auskultatorisch ein basales, feines Knis- terrasseln über beiden Lungen, eine oberächliche Atmung
mit Tachypnoe, ein „Door-Stop-Phänomen“ mit plötzlichem Atemstopp bei tiefer Inspiration und ein hochgestelltes
Zwerchfell. Im fortgeschrittenen Stadium sind häug Trom­melschlägelnger, Uhrglasnägel und eine pulmonale Kach- exie zu beobachten.
MERKE.DiewichtigstenKomplikationenderLungenbro-
sesindrespiratorischeInsuzienz,pulmonaleKachexieund
pulmonale Hypertonie mit Cor pulmonale.
? Nennen Sie die häugsten Ursachen einer Lungen-
brose!
Lungenbrosen entstehen
durch die Inhalation organischer und anorganischer Stäu-
be, z. B. bei Silikose, Asbestose und exogen allergischer Alveolitis durch ionisierende Strahlen, z. B. im Rahmen einer Be-
strahlung durch Medikamente wie Bleomycin, Busulfan, Amiodaron
und Methotrexat im Rahmen von Systemerkrankungen, z. B. Sarkoidose,
rheumatoide Arthritis, Kollagenosen und Speicherkrank­heiten bei Linksherz- oder Niereninsuzienz mit chronischer
Lungenstauung
idiopathisch
? Beschreiben Sie typische Röntgen- und CT-Befunde
bei Patienten mit Lungenbrose!
Abhängig von der Entität und dem Stadium der Fibrose zei­gen Röntgen und CT Milchglasinltrate als Hinweis auf eine frische entzündliche Aktivität, eine retikulonoduläre Zeich-
nungsvermehrung oder im Endstadium einen honigwaben­artigen Lungenumbau.
4.7.2 Sarkoidose (Morbus Boeck)
? Bei einem 30-jährigen Patienten entdeckt der
Betriebsarzt in der Einstellungsuntersuchung zufällig eine bihiläre Adenopathie. Der Patient fühlt sich völlig gesund und zeigt keine weiteren Auälligkeiten.Welche Erkrankungen können eine bihiläre Adenopathie aus­lösen und welche Ursache ist bei diesem Patienten am wahrscheinlichsten?
Eine bihiläre Adenopathie wird meist durch eine mediasti­nale Lymphknotenvergrößerung verursacht. Typische Ursa-
chen sind Lymphome, chronische Infektionserkrankungen und die Sarkoidose. Da der Patient klinisch völlig asympto­matisch ist, ist die Sarkoidose die wahrscheinlichste Diag­nose.
? Welches Organ ist bei der Sarkoidose am häugsten
betroen?
Am häugsten, bei > 90 % der Patienten, ist die Lunge be- troen. Dyspnoe und trockener Reizhusten weisen auf eine
fortschreitende Lungenbrose hin.
? Beschreiben Sie die extrapulmonalen Manifestatio-
nen der Sarkoidose!
Extrapulmonal manifestiert sich die Sarkoidose
an der Haut mit einem Erythema nodosum, einem Nar-
bensarkoid und lividen Verfärbungen von Nase und Wan­gen, dem sog. Lupus pernio, an den Augen als Uveitis, Iridozyklitis oder sekundäres
Sjögren-Syndrom, als Lymphknoten-, Leber- oder Milzvergrößerung,
am Nervensystem mit einer Fazialisparese, einem Diabetes
insipidus oder einer Hypophysenvorderlappeninsuzienz
und an den Knochen mit einer Hyperkalzämie und Zysten-
bildungen in den Phalangen.
MERKE.DasZusammentreenvonIridozyklitis,Parotitis
und Fazialisparese wird als Heerfordt-Syndrom bezeichnet. Ein Synonym für die Knochensarkoidose mit Hyperkalzämie undOstitiscystoidesmultiplexistderMorbusJüngling.
MERKE. Erfahrene Radiologen können anhand der
radiologischen Veränderungen und ihrer Verteilung auf die
EntitätderLungenbroseschließen.
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? Wie diagnostizieren Sie eine Sarkoidose?
Wegweisend ist der radiologische Befund mit bihilärer Ade­nopathie oder interstitieller Lungenbeteiligung in den obe­ren Lungenabschnitten. Als nächstes sollte eine bronchoal- veoläre Lavage entnommen werden, die bei Patienten mit Sarkoidose typischerweise eine lymphozytäre Alveolitis mit erhöhtem T-Helfer/T-Suppressor-Quotient zeigt. Gesichert wird die Diagnose durch den histologischen Nachweis nicht- verkäsender, epitheloidzelliger Granulome.
4.7 Interstitielle Lungenerkrankungen
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INFOBOX. Sarkoidose: Radiologische Einteilung
nach Scadding
Stadium 0: Normalbefund; selten bei isolierter extrapul-
monalerOrgansarkoidoseodertypischerbronchoalveo-
lärer Lavage (BAL) ohne Röntgenbefund
Stadium I: bihiläre Lymphadenopathie (reversibel)
Stadium II: bihiläre Lymphadenopathie + beginnende
Lungeninltrationen(retikulonoduläreLungenzeich-
nung)
Stadium III:LungeninltrationenohnebihiläreLym-
phadenopathie
Stadium IV:Lungenbrose(irreversibel)
? Wie wird die Sarkoidose medikamentös behandelt?
Nicht immer ist eine Therapie notwendig, in der Regel nur bei schwerem progredienten Organbefall. Dann spricht die Sarkoidose in manchen Fällen sehr gut auf Glukokortikoide an. Bei fehlendem Ansprechen bzw. zur Vermeidung von steroidbedingten NW können auch andere Immunsup­pressiva wie z. B. Methotrexat oder Azathioprin eingesetzt werden.
? Leiten Sie bei Ihrem asymptomatischen Patienten
mit bihilärer Adenopathie eine Therapie ein? Begründen Sie Ihre Antwort!
Nein. Im Stadium der bihilären Adenopathie heilt die Er­krankung in 70 % der Fälle spontan aus. Nutzen und Risiko einer Steroidlangzeittherapie sprechen in diesem Fall gegen eine Therapie.
MERKE. Die Sarkoidose wird erst bei kompliziertem
Organbefalltherapiert.KlassischeTherapieindikationensind
pulmonale Funktionseinschränkungen, eine Hyperkalzämie
undeineAugen-,Haut-oderZNS-Beteiligung.
? Eine junge Frau klagt über Schwellungen und
Schmerzen in den Sprunggelenken und schmerzhafte livide Veränderungen an ihren Unterschenkeln. Die Tem­peratur ist erhöht. Im Röntgenbild entdecken Sie eine bihiläre Adenopathie. Haben Sie einen Verdacht?
Bihiläre Lymphadenopathie, Spunggelenksarthritis, Erythe­ma nodosum und Fieber sind typisch für die akute Verlaufs- form der Sarkoidose, das sog. Löfgren-Syndrom.
4.7.3 Pneumokoniosen
? Was ist die häu gste Pneumokoniose in Deutsch-
land? Wer ist gefährdet?
Die häu gste Pneumokoniose ist die Silikose . Sie entsteht durch Inhalation siliziumoxidhaltiger Kieselsäuren. Beson- ders gefährdet sind Arbeiter im Kohlebergbau, in Metall­hütten und Steinbrüchen sowie Sandstrahler.
MERKE. Pneumokoniosen sind Lungenerkrankungen, die
durch Inhalation anorganischer Stäube ausgelöst werden.
? Nennen Sie die beiden typischen Begri e, mit
denen der Radiologe den Röntgenbefund bei Silikose beschreibt!
Typisch für die Silikose sind
die „Schneegestöberlunge “ mit di usen, fein- bis grob e-
ckigen Verdichtungen in den Oberfeldern und „Eierschalenhili “ durch im Randbereich verkalkte Hilus-
lymphknoten.
Siehe Abb. 4.12
? In welchen Fällen wird eine Silikose häu g symp-
tomatisch?
Klinisch macht sich die Silikose häu g erst bemerkbar, wenn
sich komplizierend eine obstruktive Lungenfunktionsstö­rung mit Dyspnoe, Husten und Auswurf entwickelt hat.
MERKE. Klinik und Prognose der Silikose werden durch
dieKomplikationenbestimmt.HierzuzählenCOPD,
erhöhte Infektanfälligkeit, pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale, Lungentuberkulose (Siliko-Tbc ) und ein erhöh­tes Bronchialkrebsrisiko.
? Ein 56-jähriger Dachdecker klagt über Belastungs-
dyspnoe. Spirometrisch zeigt sich eine restriktive Ventilationsstörung. Hier sehen Sie das angeforderte Thorax-Röntgenbild (Abb. 4.13). Beschreiben Sie das Röntgenbild und stellen Sie eine Verdachtsdiagnose!
Das Röntgenbild zeigt schollige, pleurale Verkalkungen. Ge­meinsam mit der Arbeitsplatzanamnese und den klinischen Symptomen spricht dieser Befund für eine Asbestose.
MERKE. Typisch für die Asbestose ist der Pleurabefall mit
Plaquebildung und Asbestpleuritis.
? Wie therapieren Sie Ihre Patientin mit Löfgren-Syn-
drom ?
Das Löfgren-Syndrom wird nur symptomatisch mit NSAR, Kühlung und einer Kompressionstherapie des Erythema no-
dosum therapiert, da es sich in den meisten Fällen spontan zurückbildet.
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