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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2770_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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5 GASTROENTEROLOGIE
MERKE. Typisch für die primär biliäre Cholangitis (Syno-
nym:primärbiliäreZirrhose,PBC) ist eine Assoziation mit Autoimmunerkrankungen wie dem Sjögren-Syndrom, der rheumatoiden Arthritis, Autoimmunthyreoiditiden, der progressiven systemischen Sklerose, der Polymyositis und dem SLE.
? Im Labor einer Patientin mit bekannter Colitis
ulcerosa nden Sie eine Erhöhung von γ-GT und AP und positive p-ANCA. Die Schleimhäute und Konjunktiven der Patientin wirken gelblich, sie klagt über chronischen Juckreiz. Woran denken Sie?
Labor und Klinik sprechen für eine primär sklerosierende Cholangitis, die in 80 % der Fälle gemeinsam mit einer Colitis ulcerosa auftritt.
MERKE. 80 % der Patienten mit primär sklerosierender
Cholangitis leiden an einer Colitis ulcerosa. Es leiden jedoch nur 5 % der Patienten mit Colitis ulcerosa an einer primär sklerosierenden Cholangitis.
5.5.5 Stowechselerkrankungenmit hepatischer Beteiligung
? Ein 22-jähriger Patient wird mit einer akuten Psychose
in die Psychiatrie eingeliefert. Dem behandelnden Arzt fällt auf, dass sich der Patient steif bewegt und einen Tremor zeigt, seine Sprache wirkt verwaschen. Im Labor ndet sich eine Transaminasenerhöhung. Dem Arzt kommt ein Verdacht und er überweist den Patienten zur Abdomen­sonograe und zur Spaltlampenuntersuchung. Ahnen Sie, warum er sich zu diesen Untersuchungen entscheidet?
Psychische Veränderungen, Rigor, Tremor, Dysarthrie und Transaminasenerhöhung können auf einen Morbus Wilson hinweisen. Hauptmanifestationsort dieser Erkrankung ist die Leber: In der Sonograe sollte daher nach einer Fettleber oder einer Zirrhose gesucht werden. Typisch ist auch eine goldbraun-grünliche Verfärbung am Kornealrand, der sog.
Kayser-Fleischer Kornealring.
? Welche Erkrankung sollten Sie bei der Konstellation
Leberzirrhose, Diabetes, Herzinsuzienz, Arthralgien und dunkle Hautpigmentierung ausschließen? Wie sichern Sie die Diagnose?
Bei dieser Konstellation sollte eine Hämochromatose aus­geschlossen werden, die zu einer toxischen Eisenablagerung
in verschiedenen Geweben führt. Besonders häug sind Leber, Pankreas, Gelenke, Herz und Haut betroen. Im Labor
sind die Ferritinkonzentration und die Transferrinsättigung erhöht. Die Diagnose wird durch eine Leberbiopsie mit Be­stimmung des hepatischen Eisengehalts gesichert.
MERKE. Folgen der Eisenablagerungen:
• Leberzirrhose
• Diabetes mellitus
• dunkle Hautpigmentierung
• Kardiomyopathie
• hypophysärer Hypogonadismus
• Arthropathie typischerweise der Fingergrundgelenke
DasZusammentreenvonDiabetesmellitusund
dunkler Hautpigmentierung wird auch als Bronzediabetes bezeichnet.
? Wie können Sie Ihrem Patienten mit Hämochromat-
ose helfen?
Die Basis der Therapie bilden eine eisenarme Diät und regel­mäßige Aderlässe. Bei Anämie oder Herzinsuzienz ist eine
Aderlasstherapie kontraindiziert. In diesen Fällen kann der Eisenchelator Deferoxamin eingesetzt werden.
? Welche Erkrankungen gehen mit einem erhöhten
Risiko für eine sekundäre Eisenüberladung des Körpers einher?
Zu einer sekundären Eisenüberladung führen Erkrankungen mit chronischem Transfusionsbedarf, z. B. die Thalassämie und das myelodysplastische Syndrom, außerdem ein chro- nischer Alkoholismus sowie chronische Lebererkrankungen.
5.5.6 Lebertumoren
? Was passiert pathophysiologisch beim Morbus Wilson?
Das Transportprotein für Kupfer, das Coeruloplasmin, ist durch einen autosomal-rezessiven Gendefekt vermindert. Dadurch ist die biliäre Kupferausscheidung verringert und Kupfer akkumuliert in verschiedenen Geweben. Am häugs-
ten sind Leber, Stammganglien, Herz und Kornea betroen.
? Wie sichern Sie die Diagnose eines Morbus Wilson?
Im Serum sind die Coeruloplasmin- und die freie Kupferkon­zentration erniedrigt, die renale Kupferelimination ist ge-
steigert. Diagnostischer Goldstandard ist die Leberbiopsie, die einen 4–5-fach erhöhten Kupfergehalt nachweist.
160
? Sie entdecken bei einem Patienten in der Sonograe
einen Leberrundherd. Welche Dierenzialdiagnosen fallen Ihnen ein?
Ursachen eines Leberrundherds können gutartige Verände­rungen wie Hämangiome, Leberzelladenome, fokal noduläre Hyperplasien, angeborene und erworbene Leberzysten, Abs­zesse und Hämatome sein, sowie bösartige Veränderungen wie Metastasen und Herde eines primären Leberzellkarzi­noms.
? Die meisten malignen Leberprozesse sind Metastasen.
Wo sind deren Primärtumore am häugsten lokalisiert?
5.6 ERKR ANKUNGEN DER GALLENBLA SE UND DER GALLENWEGE
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Lebermetastasen stammen am häugsten von Primärtumo­ren aus dem Gastrointestinaltrakt, die über die Pfortader
streuen. Der häugste Primärtumor ist das kolorektale Kar­zinom.
? Welchen Tumormarker sollten Sie bei Patienten mit
Leberzirrhose im Blick haben?
Die Leberzirrhose ist der wichtigste Risikofaktor für das hepatozelluläre Karzinom. Daher sollte bei diesen Patienten regelmäßig das α-Fetoprotein, kurz AFP, bestimmt werden.
MERKE. Beweisend für das hepatozelluläre Karzinom sind
AFP-Werte > 200–300
ng/ml.
? Wie können Sie ein hepatozelluläres Karzinom kura-
tiv behandeln? Wann ist diese Therapieoption indiziert?
Die einzige kurative Therapieoption ist die operative Tumor­resektion. Indikationen sind
solitäre Tumorherde < 5 cm
maximal 3 Tumorherde mit einem Durchmesser < 3 cm
eine Leberzirrhose im Stadium Child A und B
? Patienten mit Leberzirrhose im Stadium Child C
oder mit multilokulärem Tumorwachstum können nur palliativ behandelt werden. Nennen Sie die wichtigsten palliativen Therapieoptionen!
Palliative Behandlungsmethoden sind die Radiofrequenzab­lation, die perkutane Ethanolinjektion, die Chemoembolisa­tion und der Einsatz von Tyrosinkinaseinhibitoren.
5.6 Erkrankungen der Gallenblase und der Gallenwege
5.6.1 Cholelithiasis und ihre Komplikationen
? Eine 46-jährige, adipöse Patientin klagt über krampf-
artige Schmerzen im rechten Oberbauch, die in die rechte Schulter ausstrahlen. Die Schmerzen haben vor 1 Stunde begonnen, sie habe gerade mit Freundinnen eine Sahnetorte verzehrt. Nun sei ihr richtig schlecht, sie habe bereits zweimal erbrochen. Welchen Verdacht haben Sie?
Die Patientin leidet höchstwahrscheinlich an einer Gallen­kolik, die häug durch fettreiche Mahlzeiten ausgelöst wird.
? Wie behandeln Sie Ihre Patientin mit akuter
Gallenkolik?
Die akute Gallenkolik wird mit Spasmolytika, Analgetika und 24-stündiger Nahrungskarenz behandelt. Initial erhält
die Patientin eine Infusion mit 20 mg Butylscopolamin und Metamizol. Bessern sich die Schmerzen hierunter nicht, wird zusätzlich Pethidin verabreicht.
MERKE. Morphin ist bei Gallenkolik kontraindiziert, da es
zu einem Spasmus des Sphinkter oddi führt.
? Nach welchen Veränderungen sollten Sie bei Ihrer
Patientin mit Gallenkolik suchen? Erklären Sie kurz, wie es durch diese Veränderungen zur Gallenkolik kommt!
Gallenkoliken sind das Leitsymptom der Cholezystolithiasis. Sie werden meistens durch die Einklemmung eines Gallen­steins im Ductus cysticus ausgelöst. Kleinere Konkremente können bis in den Ductus choledochus gelangen und an der Papilla Vateri hängen bleiben. Bei der Patientin sollte daher nach Steinen im Bereich der Gallenblase und der Gallenwe­ge gesucht werden.
? Von welchem Symptom werden Gallenkoliken bei
Steineinklemmung im Bereich der Papilla Vateri häug begleitet? Begründen Sie Ihre Antwort!
Steine im Bereich der Papilla Vateri können den Ductus cho­ledochus verlegen und zu einem Verschlussikterus führen.
? Nachdem die akuten Kolikschmerzen nachgelassen
haben, möchten Sie wissen, ob die Gallenblasensteine bereits früher zu Symptomen geführt haben. Nach welchen Symptomen fragen Sie?
Eine Cholezystolithiasis kann zu unspezischen dyspepti­schen Beschwerden mit Druck- und Völlegefühlen, Meteo-
rismus und Nahrungsmittelunverträglichkeiten führen.
MERKE. 75 % aller Gallenblasensteinträger bleiben ihr
Leben lang asymptomatisch (stumme Gallensteine), 25 klagen über Dyspepsie und/oder rezidivierende Gallenkoli­ken (symptomatische Gallensteine). Eine Choledocholithi­asis wird in der Regel immer symptomatisch, da die Steine
häugimBereichderPapillaVateri„hängenbleiben“und
zu Gallenkoliken mit intermittierendem Stauungsikterus führen!
%
? Wie können Sie Gallensteine am einfachsten nach-
weisen? Welche Veränderungen sehen Sie?
Der sicherste Nachweis einer Cholelithiasis gelingt mit der Sonograe (Abb. 5.13). Typisch für Steine in der Gallenblase ist ein echoreicher Reex im Gallenblasenlumen mit dorsa- lem Schallschatten. Steine in den Gallenwegen sind meist indirekt an einer Erweiterung des Ductus choledochus und der intrahepatischen Gallenwege erkennbar. Direkt lassen sich Steine in den Gallenwegen am besten endosonograsch
nachweisen, da hier die Bildauösung durch die fehlende
Darmgasüberlagerung höher ist.
161
5 GASTROENTEROLOGIE
? Nennen Sie die wichtigsten Risikofaktoren für die
Ausbildung von Gallensteinen!
Risikofaktoren für die Cholelithiasis sind weibliches Ge­schlecht und höheres Alter, cholesterinreiche und ballast-
stoarme Ernährung, Adipositas, genetische Veranlagung und Gallensäureverlustsyndrom.
MERKE. Risikofaktoren der Cholelithiasis: „6-F“ = female,
fertile, fat, fourty, familiy, fair.
D
? Erläutern Sie kurz die Pathogenese der Steinbildung!
Entscheidend für die Steinbildung ist ein Ungleichgewicht zwischen dem lithogenen, wasserunlöslichen Cholesterin und den Löslichkeits-vermittelnden Gallensäuren und Phos- pholipiden in der Gallenblase. Überwiegt die Cholesterinkon­zentration, ist die Gallenüssigkeit übersättigt: Cholesterin kann nicht in Lösung gehalten werden und fällt aus. Eine Hypomotilität der Gallenblase begünstigt die Gallenstein­bildung, da die Verweildauer der Galle in der Gallenblase zu­nimmt und die Gallenblase nur unvollständig entleert wird.
MERKE. Hauptort der Steinbildung ist die Gallenblase.
Steine in den Gallengängen sind in der Regel die Folge einer Steinwanderung aus der Gallenblase.
E
Abb. 5.13 Sonograebefund bei Cholezystolithiasis (aus Seitz, K., Schuler, A., Rettenmaier, G.: Klinische Sonogra-
phieundsonographischeDierenzialdiagnose,2.Auage,
Georg Thieme Verlag, 2007): a großer solitärer Cholesterin­stein; b Pigment- (links) und Cholesterinstein (rechts).
Tab. 5.18 Komplikationen der Cholezystolithiasis.
Komplikation Pathogenese, Symptome, Folgekomplikationen
akute Cholezystitis Pathogenese: Steineinklemmung im Ductus cysticus mit Gallestau, mechanisch-irritativer
chronisch-rezidivierende Cholezystitis
Steinperforation in den Darmtrakt→Gallensteinileus(Aerobilie!)
Mirizzi-Syndrom KompressiondesDuctushepaticuscommunisdurcheinengroßenGallenblasenhalsstein→Ver-
Choledocholithiasis Steinwanderung→Verschlussikterus
SchleimhautschädigungundsekundärerbakteriellerBesiedlung→Fieber,Schmerzenimrechten OberbauchmitAbwehrspannung,Entzündungsparameter↑
Komplikationen: Gallenblasenempyem/-gangrän, Gallenblasenperforation
Symptome:häugasymptomatisch,evtl.dyspeptischeBeschwerden Komplikationen: Porzellangallenblase, Gallenblasenkarzinom
freie Bauchhöhle→Peritonitis gedeckte Perforation→subhepatischerAbszess
schlussikterus
Komplikationen:
akute Cholangitis:hohesFieber,rechtsseitigeOberbauchschmerzen,Ikterus(Charcot-Trias)
rezidivierende Cholangitiden mit sekundärer biliärer Zirrhose
akute biliäre Pankreatitis (Steineinklemmung an der Papilla Vateri): akute heftigste Schmerzen
immittlerenOberbauchmitgürtelförmigerAusstrahlung,LipaseundAmylase↑
162
5.6 ERKR ANKUNGEN DER GALLENBLA SE UND DER GALLENWEGE
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? Die Patientin ist glücklich, dass Sie ihre Gallenkolik
so gut behandelt haben. Sie möchte von Ihnen wissen, ob Sie ihr nicht einfach ein Rezept für Buscopan und Novalgin mitgeben könnten, so dass sie eine erneute Kolik zu Hause behandeln könne. Halten Sie dieses Vor­gehen für ratsam? Begründen Sie Ihre Antwort!
Nein. Die Wahrscheinlichkeit für weitere Komplikationen in der Zukunft ist hoch. Eine symptomatische Cholezystolithia­sis muss endgültig saniert werden: Die Patientin sollte sich daher zu einer elektiven, laparoskopischen Cholezystekto-
mie vorstellen.
? Nennen Sie die wichtigsten Komplikationen der
Cholezystolithiasis!
Die wichtigsten Komplikationen der Cholezystolithiasis sind:
akute Cholezystitis
Empyem, Gangrän oder Perforation der Gallenblase
Perforation des Steins in den Darm
Steinwanderung in den Ductus choledochus mit Ver-
schlussikterus, akuter Cholangitis, Leberabszess, akuter biliärer Pankreatitis und sekundärer biliärer Zirrhose (siehe Tab. 5.18)
? Kennen Sie ein typisches klinisches Zeichen, das Sie
bei Patienten mit akuter Cholezystitis auslösen können? Beschreiben Sie das Zeichen kurz!
Typisch für die akute Cholezystitis ist das Murphy-Zeichen. Der Arzt palpiert die Gallenblase unterhalb des rechten Rip­penbogens während der Patient tief einatmet. Ist die Gallen-
blase entzündet und ödematös geschwollen, empndet der
Patient die Palpation als sehr schmerzhaft und stoppt die Einatmung plötzlich.
? Unter welchen Symptomen leiden Patienten mit
akuter Cholezystitis?
Die Patienten leiden unter Fieber und Schmerzen im rechten Oberbauch, die in Schulter oder Rücken ausstrahlen können. Bei der klinischen Untersuchung fallen eine Abwehrspan­nung und ein positives Murphy-Zeichen auf.
? Wie sichern Sie die Diagnose einer akuten Cholezys-
titis?
Im Labor sind die Entzündungsparameter erhöht. Die Di­agnose wird sonograsch gesichert. Typisch ist eine öde­matös verdickte, mehrschichtige und echoreiche Gallen­blasenwand mit echoarmem Randsaum. Meist sind in der entzündeten Gallenblase Konkremente nachweisbar.
? Erläutern Sie kurz, wie die Cholezystolithiasis und die
akute Cholezystitis zusammenhängen!
Eine akute Cholezystitis entsteht meistens durch eine Steineinklemmung im Ductus cysticus. Hierdurch ist der
Galleabuss gestört und der Druck in der Gallenblase steigt.
Drucknekrosen, Ischämie und die ständige Reizung der Gallenblasenschleimhaut durch den Stein führen zu einer primär abakteriellen Entzündung. Sekundär wandern Keime aus dem Duodenum ein oder werden über Blut oder Lymphe eingeschwemmt.
MERKE. Über 95 % der akuten Cholezystitiden entste-
hen auf dem Boden einer Cholezystolithiasis: Eine akute Cholezystitis ohne Steine ist selten. Entscheidend für die akalkulöse Cholezystitis, d. Steinnachweis, ist eine Stase in den Gallenwegen (z. postoperativ, Polytrauma, Verbrennung, Massentransfusion, Sepsis). Eine Sonderform ist die Cholezystitis bei Salmonel­len-Dauerausscheidern.
h. eine Cholezystitis ohne
B.
? Wie therapieren Sie einen Patienten mit akuter
Cholezystitis?
Heute gilt die frühzeitige operative Cholezystektomie als Therapie der Wahl. Sie sollte innerhalb von 72 Stunden nach der stationären Aufnahme des Patienten durchgeführt wer­den. Bis dahin stehen eine konsequente Nahrungskarenz zur Gallenblasenentlastung, ein Volumen- und Elektrolytaus- gleich und eine systemische Antibiose mit gallengängigen Antibiotika wie z. B. Ciprooxacin und Ceftriaxon im Vor­dergrund.
? Was ist die am meisten gefürchtete Komplikation der
akuten Cholezystitis?
Am meisten gefürchtet ist die Gallenblasenperforation mit galliger Peritonitis.
? Bei welchen Symptomen müssen Sie an eine akute
Cholangitis denken?
Pathognomonisch für die akute Cholangitis ist das gemein­same Auftreten von hohem Fieber, rechtsseitigen Ober- bauchschmerzen und Ikterus.
MERKE. Die Symptome der akuten Cholangitis werden
unterdemBegrider„Charcot-Trias“ zusammenge-
auch
fasst. Diese darf nicht mit der gleichnamigen Trias bei multi­pler Sklerose (Nystagmus, Intentionstremor und Dysarthrie) verwechselt werden!
? Wie und wann therapieren Sie einen Patienten mit
Choledocholithiasis?
Eine Choledocholithiasis sollte immer behandelt werden, da
sie in der Regel immer symptomatisch wird und häug zu
Komplikationen führt. Goldstandard ist die endoskopische
retrograde Cholangiograe, kurz ERCP, mit Papillotomie und Steinextraktion. Im beschwerdefreien Intervall sollte die Gallenblase entfernt werden, um eine weitere Stein­bildung zu vermeiden.
163
5 GASTROENTEROLOGIE
5.6.2 Tumoren der Gallenwege
? Eine 74-jährige Patientin leidet seit Jahren an dys-
peptischen Beschwerden. Seit einigen Monaten fühlt sie sich abgeschlagen und hat deutlich Gewicht verloren. In der Sonogra e sehen Sie eine stark verkleinerte Gallen­blase, das Lumen ist kaum sichtbar. Ventral bemerken Sie einen bogigen Re ex mit breitem, homogenem, dorsalem Schatten. Wofür sprechen diese Befunde?
Der beschriebene sonogra sche Befund ist typisch für eine
Schrumpf- und Porzellangallenblase bei chronischer Cho- lezystitis. Gemeinsam mit der B-Symptomatik muss an ein Gallenblasenkarzinom gedacht werden.
? Wie ist die Prognose des Gallenblasenkarzinoms ?
Die Prognose ist schlecht, da eine kurative Operation zum
Zeitpunkt der Diagnosestellung häu g nicht mehr möglich
ist und das Gallenblasenkarzinom nur schlecht auf eine Radio- oder Chemotherapie anspricht. Die mittlere Über­lebenszeit liegt bei 6 Monaten.
? Was ist ein Klatskin-Tumor ? Durch welches Früh-
symptom fällt dieser Tumor auf?
Der Klatskin-Tumor ist ein cholangiozelluläres Karzinom, das zentral im Bereich der Hepatikusgabel liegt. Aufgrund dieser
Lokalisation ist das häu gste Frühsymptom ein Ikterus.
INFOBOX. Akutes Abdomen
Leitsymptome des akuten Abdomens sind akut auftreten-
de, heftigste Bauchschmerzen, Abwehrspannung (Peri tonismus), paralytischer Ileus (fehlende Darmgeräu- sche, Meteorismus), Übelkeit, Erbrechen und ein stark reduzierter Allgemeinzustand. Allerdings gibt es auch einige „internistische“ Erkrankungen, die das Bild eines
akutenAbdomensvortäuschenkönnenunddaherdie-
renzialdiagnostisch berücksichtigt werden müssen. Hierzu
gehörenLungenembolie,Hinterwandinfarkt,Stowechsel-
erkrankungen wie akute Porphyrie und Coma diabeticum, basale Pneumonie und Pleuritis sowie Erkrankungen der Brustwirbelsäule (siehe Tab. 5.19).
? Bei der Inspektion fällt Ihnen bei Ihrem Patienten
mit akutem Abdomen ein Ikterus auf. Mühsam bringt er hervor, dass er seit Jahren an einer Steinerkrankung der Gallenwege leide. Er hätte in den letzten Jahren bereits Gallenkoliken erlebt, dieser Schmerz sei aber anders. Er habe das Gefühl, dass er tief im linken Oberbauch liege und über beide Seiten in den Rücken ausstrahle. Haben Sie jetzt einen konkreten Verdacht?
Heftige Schmerzen im linken Oberbauch mit gürtelförmiger Ausstrahlung, Ikterus und eine bekannte Choledocholithia­sis lenken den Verdacht auf eine akute biliäre Pankreatitis .
? Wie therapieren Sie ein cholangiozelluläres Karzinom ?
Therapie der Wahl ist die vollständige Tumorentfernung mit Hemihepatektomie und Lymphknotenresektion.
5.7 Pankreaserkrankungen
5.7.1 Akute Pankreatitis
? Ein 45-jähriger Patient wird mit akut aufgetretenen,
heftigen Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und stark reduziertem Allgemeinzustand in die Notaufnahme eingeliefert. Die Bauchdecke ist angespannt, Darm­geräusche sind nur spärlich hörbar, der Blutdruck im Liegen beträgt 90/60 mmHg. Wie bezeichnen Sie dieses klinische Bild und wie gehen Sie vor?
Der Patient zeigt die typischen Symptome eines akuten Ab­domens : akut auftretende, heftigste Bauchschmerzen, Ab-
wehrspannung, beginnender paralytischer Ileus, Übelkeit, Erbrechen, stark reduzierter Allgemeinzustand und Zeichen eines beginnenden Schockgeschehens. Als Erstes müssen akut lebensbedrohliche Ursachen wie eine Aneurysmarup­tur, ein Herzinfarkt, ein akuter Mesenterialinfarkt oder eine Hohlorganperforation abgeklärt werden. Die wichtigsten diagnostischen Akutmaßnahmen umfassen eine Sonogra e und eine Übersichtsaufnahme des Abdomens, ein EKG und
Laboruntersuchungen.
164
MERKE. Ursachen der Pankreatitis:
HäugsteUrsache(45%derFälle):Choledocholithiasis mit Steineinklemmung im Bereich der Papilla Vateri.
• 30 % der akuten Pankreatitiden lassen sich auf chro­nischen Alkoholmissbrauch zurückführen.
• Bei fast 20 % ist keine Ursache zu eruieren (idiopathische Pankreatitis).
• Seltenere Ursachen: Pankreas divisum, Traumata,
Z.n.ERCP,Medikamente,Infektionen,primärerHyperpa-
rathyreoidismus, Hypertriglyzeridämie, zystische Fibrose und hereditäre Pankreatitis.
? Beschreiben Sie die typische Klinik der akuten Pan-
kreatitis!
Leitsymptom sind plötzlich auftretende, starke Oberbauch- schmerzen, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen.
Sie werden häu g von Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Ge- sichtsrötung begleitet. Charakteristisch ist der sog. Gummi­bauch mit di user, elastischer Bauchdeckenspannung.
Etwa ⅔ der Patienten entwickeln einen paralytischen Ileus mit ausgeprägtem Meteorismus. Insbesondere bei biliärer Genese ist häu g ein Ikterus zu beobachten. Die Reizung von Peritoneum und Pleura führt zu einem Aszites und Pleuraergüssen. Bei der akuten Pankreatitis kann es durch Flüssigkeitssequestration zu einer ausgeprägten Hypotonie mit hypovolämischem Schock kommen.
Tab. 5.19 DierenzialdiagnosedesakutenAbdomens.
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Charakteristika Anamnese weiterführende
Hohlorganperforation initial stärkste Schmerzen („Vernich-
mechanischer Ileus Hyperperistaltik (klingende Darm-
akute Appendizitis Abwehrspannung im rechten
Gallenkolik krampfartige,
akute Pankreatitis stärkste
akuter Mesenterial­infarkt
rupturiertes Bauch­aortenaneurysma
Extrauteringravidität Schmerzen und Abwehrspannung im
Adnexitis Schmerzen und Abwehrspannung im
stielgedrehte Ovarialzyste
Harnleiterkolik kolikartige Schmerzen, Ausstrahlung in
tungsschmerz“), schmerzfreies Intervall, anschließend erneute Schmerzzunahme
geräusche), Erbrechen, Stuhl- und Windverhalt
Unterbauch, Schmerzwanderung, typische Schmerzpunkte, meist jüngere Patienten
rechtsseitigeOberbauch­schmerzen, Ausstrahlung in rechte Schulter und Rücken
SchmerzenimlinkenOber-
bauch, evtl. gürtelförmige Ausstrahlung,
Lipase↑
Bauchkrämpfe, schmerzfreies Intervall, erneute Schmerzzunahme, evtl. blutiger
Stuhl,Laktat↑
schlagartig einsetzende Bauch- und Rückenschmerzen, hypovolämischer Schock
Unterbauch, vaginale Blutung, hypo­volämischer Schock
Unterbauch, Fieber, vaginale Blutung
Schmerzen und Abwehrspannung im Unterbauch, Schock
Flanke, Leiste, Genitalien
5.7 PANKREASERKRANKUNGEN
Diagnostik
Ulkus: NSAR-Einnahme, bekannte
chronische Gastritis
Divertikulitis:
stipation, ältere Patienten Gallenblase: bekannte Cholezysto-/Choledocholithiasis, anamnestisch Gallenkoliken
n.abdominellerOP(„Brideni-
Z.
leus“), bekanntes Tumorleiden, Hernie
häug
bekannte Cholezysto-/Cholo­docholithiasis, anamnestisch Gallenkoliken
Gallenwegserkrankungen, chro­nischer Alkoholabusus
„Gefäßpatient“ (Hypertonie, bekannte KHK, pAVK, Angina abdominalis)
Hypertonie Sonograe,CT
stattgehabte Chlamydieninfekti­on, bekannte Schwangerschaft
häug
bekannteOvarialzyste gynäkologische
bekannte Urolithiasis Urindiagnostik, Sono-
chronischeOb-
leer Sonograe,CT
leer gynäkologische
Abdomenübersicht (freie Luft)
Abdomenübersicht (Spiegelbildung)
Sonograe
Sonograe,
Angiograe
gynäkologische Untersuchung, Sono-
grae,
schaftstest
Untersuchung, Sono-
grae
Untersuchung, Sono-
grae
grae,CT
CT
Schwanger-
MERKE. Bei 30 % der Patienten mit akuter Pankreatitis
lassensichEKG-Zeichennachweisen,dieeinemHinter­wandinfarkt ähneln.
? Welche Laborveränderungen erhärten den Verdacht
auf eine akute biliäre Pankreatitis?
Typisch für die akut biliäre Pankreatitis sind ein Anstieg der Lipase und der Elastase im Serum über das 3-fache der obe-
ren Normgrenze; bei cholestatischem Verlauf ein Anstieg
von γ-GT, AP und Bilirubin.
MERKE. Lipase wird bei Schädigungen des Pankreasparen-
chyms freigesetzt und tritt in das Blut über. Wegweisend für die akute Pankreatitis ist ein Anstieg der Lipase über das 3-Fache der oberen Normgrenze, da nur diese pankreasspezi-
schist.DieAmylasekommtauchimSpeichelvor.Dabeide
Enzymaktivitäten großen Schwankungen unterliegen, geben sie keine Auskunft über den Schweregrad der Erkrankung.
165
5 GASTROENTEROLOGIE
? Der Laborbericht Ihres Patienten mit akuter biliärer
Pankreatitis zeigt neben einer erhöhten Enzymkonzen­tration einen Hämatokrit von 55 %, eine Leukozytose, ein CRP von 125 mg/dl, ein Kalzium von 1,8 mmol/l, eine Glukose von 300 mg/dl und ein LDH von 400 U/l. Können Sie die Erkrankung anhand dieser Laborveränderungen näher klassizieren?
Die Laborbefunde zeigen, dass der Patient an einer schweren nekrotisierenden Pankreatitis leidet. Hierfür sprechen ins- besondere die starke Erhöhung von CRP und LDH, die Hypo­kalzämie und die Hyperglykämie und der deutlich erhöhte Hämatokrit.
MERKE. Parameter einer schweren nekrotisierenden
Pankreatitis:
SIRS: Puls > 90 /min, Atemfrequenz > 20 /min, Tem-
peratur<36°Coder>38°C,Leukozyten<4000/µloder >12000/µl
CRP > 120 mg/dl
LDH > 350 U/l
Hypokalzämie<2mmol/l
Hyperglykämie > 200 mg/dl
• Anstieg der Retentionsparameter
• Vigilanzstörungen
D
? Warum gilt die Höhe der Kalziumkonzentration als
sensitiver Parameter für einen nekrotisierenden Verlauf der akuten Pankreatitis?
Greift die Entzündung auf das umgebende Fettgewebe über, führen die freigesetzten Gallensäuren und proteolytischen Enzyme zur Kolliquationsnekrose. Kalzium bindet an die freiwerdenden Fettsäuren und lagert sich als Kalkspritzer in den Nekrosearealen ab. Mit zunehmender Nekrotisierung wird also vermehrt Kalzium in den Nekrosen „gebunden“ und die Serumkonzentration sinkt.
? Wie sichern Sie bei Ihrem Patienten den Verdacht auf
eine akute nekrotisierende Pankreatitis? Welche Verän­derungen erwarten Sie?
Die ersten Hinweise bietet die abdominelle Sonograe:
Das Pankreas ist vergrößert, die Struktur aufgelockert und die Begrenzung unscharf. Nekrosen stellen sich als echo­arme Areale dar. Der sicherste Nachweis gelingt mithilfe der Angio-CT:
Typisch ist eine unregelmäßige Organbegrenzung mit inhomogener Gewebestruktur. Nicht-perfundierte Areale entsprechen Nekrosezonen.
Siehe Abb. 5.14
? Mit welchen Akutkomplikationen müssen Sie bei
einer akuten Pankreatitis rechnen?
Die wichtigsten Akutkomplikationen sind
bakterielle Infektion von Nekrosen, die zu einer Sepsis führt
E
Abb. 5.14 Akute Pankreatitis aSonograe:inhomogener
Pankreas (aus Seitz, K., Schuler, A., Rettenmaier, G.:
KlinischeSonographieundsonographischeDierenzial­diagnose,2.Auage,GeorgThiemeVerlag,2007);b Das
CT nach Kontrastmittelgabe zeigt ein entzündliches Ödem des Pankreasschwanzes und Pankreaskorpus (große weiße Pfeile) und eine entzündlich bedingte Flüssigkeitsansamm­lung in der Bursa omentalis (kleine weiße Pfeile) (aus Reiser,
M.,Kuhn,F.-P.,Debus,J.:DualeReiheRadiologie,Georg
Thieme Verlag, 2004).
Pankreasabszess
hypovolämischer Schock durch starke Flüssigkeitsverluste
Multiorganversagen mit disseminierter intravasaler Ge-
rinnung Gefäßarrosion mit akuter Blutung in die Bauchhöhle
Pfortader- oder Milzvenenthrombose
paralytischer Ileus
? Welche Faktoren tragen bei der akuten Pankreatitis
zum hohen Flüssigkeitsverlust bei?
Der Flüssigkeitsverlust entsteht durch Blutungen aus arro­dierten Gefäßen, durch Flüssigkeitsverschiebungen bei As- zites, Pleuraerguss und Ileus sowie durch Erbrechen und die Freisetzung vasoaktiver Substanzen.
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5.7 PANKREASERKRANKUNGEN
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MERKE. Bei der akuten nekrotisierenden Pankreatitis
kann die Flüssigkeitssequestration bis zu 10 l/d betragen.
INFOBOX. Akute Pankreatitis: Komplikationen
Akutkomplikationen:
Kreislaufschock durch Volumenmangel mit der Gefahr von Verbrauchskoagulopathie und Multiorganversagen
bakterielle Infektion von Nekrosen mit Gefahr der Sepsis
Pankreasabszess
Gefäßarrosion mit akuter Blutung in die Bauchhöhle
Pfortader- oder Milzvenenthrombose
paralytischer Ileus (Folge der peritonitischen Reizung)
Spätkomplikationen:
Pankreaspseudozysten
Strikturen im Pankreas- oder Gallengang mit rezidivie-
renden Pankreatitiden
Sto wechselentgleisung mit Hypokalzämie, Hypokaliä- mie (Cave: Herzrhythmusstörungen) und Hyperglykämie
Fistelbildung durch Arrosion von Dünn- oder Dickdarm
endokrine Pankreasinsu zienz mit Entwicklung eines Insulinmangeldiabetes
? Wie behandeln Sie Ihren Patienten mit akuter biliärer
Pankreatitis?
Bei einer biliären Pankreatitis ist eine sofortige ERCP mit Pa­pillotomie und Steinentfernung indiziert. Gleichzeitig sollte
immer eine systemische Antibiose mit gallengängigen Anti- biotika wie z. B. Ceftriaxon oder Fluorchinolonen begonnen werden.
? Angenommen, Sie  nden keine behandelbare
Ursache für eine akute nekrotisierende Pankreatitis. Wie therapieren Sie dann?
In diesem Fall muss rein symptomatisch behandelt werden. Die Patienten müssen intensivmedizinisch überwacht wer­den. Wichtige therapeutische Maßnahmen sind:
orale Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz und parenterale
Ernährung zur Entlastung des Pankreas Anlage einer Magensonde bei rezidivierendem Erbrechen
und (Sub)Ileus Stressulkus- und Thromboembolieprophylaxe
ZVD-gesteuerte Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution
Schmerztherapie mit Pethidin, Novamin oder Tramal
Applikation gallengängiger Antibiotika bei Verdacht auf
billiäre Verläufe und in zierten Nekrosen.
5.7.2 Chronische Pankreatitis
? Was ist die häu gste Ursache der chronischen
Pankreatitis?
Die Ursache in bis zu 90 % der Fälle ist chronischer Alkohol­missbrauch .
? Unter welchem Leitsymptom leiden Patienten mit
chronischer Pankreatitis?
Leitsymptom ist ein rezidivierender Schmerz in der Tiefe des Oberbauches, der gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen kann. Die Schmerzen dauern in der Regel Stunden bis Tage und werden durch Nahrungsaufnahme ausgelöst. Aus Angst vor den Schmerzen verzichten viele Patienten auf eine regel­mäßige Nahrungsaufnahme, die Folge ist ein progredienter
Gewichtsverlust.
? Was verstehen Sie unter dem Begri „ausgebranntes
Pankreas“?
Im Spätstadium der chronischen Pankreatitis kommt es zu einem nahezu vollständigen Parenchymverlust mit Funkti­onsverlust der Bauchspeicheldrüse. Die Folge ist eine irre­versible exokrine und endokrine Pankreasinsu zienz.
MERKE.DieexokrinePankreasinsuzienz führt zu Mal-
digestion mit Diarrhö, Steatorrhö, Gewichtsabnahme und Vitaminmangelerscheinungen, die endokrine Pankreasin­suzienzzueinemInsulinmangeldiabetes .
? Was ist der pathognomonische Befund der chroni-
schen Pankreatitis in der bildgebenden Diagnostik?
Typisch in der Sonogra e oder CT sind Verkalkungen des Pankreas, Unregelmäßigkeiten des Pankreasgangs sowie
Steine und Pseudozysten.
? Nennen Sie die typische Screening-Untersuchung bei
Verdacht auf exokrine Pankreasinsu zienz!
Der Verdacht kann durch die Bestimmung der Elastase-1­Konzentration im Stuhl abgeklärt werden: Sie korreliert
direkt mit der Elastasesekretion aus dem Pankreas, da das Enzym während der Stuhlpassage nicht aufgespalten wird. Werte kleiner 100 µg/g Stuhl sind pathologisch.
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5 GASTROENTEROLOGIE
? Nennen Sie die wesentlichen Therapiesäulen bei
chronischer Pankreatitis!
Die Therapie der chronischen Pankreatitis umfasst Alkohol­karenz, eine adäquate Schmerztherapie, ggf. eine Behebung
der Ursachen, z. B. die Beseitigung von Steinen bei biliärer Genese und eine Substitutionstherapie der exokrinen und endokrinen Pankreasinsuzienz (Substitution von Pan­kreasenzymen, ggf auch von Insulin und von Vitaminen). Pankreasgangsteine, -zysten oder Abszesse können ggf. en- doskopisch therapiert werden.
MERKE.Diechronischen,häugtherapieresistenten
Schmerzen führen bei vielen Patienten zu einem Anal-
getikaabususundOpiatabhängigkeit.Schmerztherapie
der Wahl ist daher die CT-gesteuerte Blockade des Plexus coeliacus. Therapieresistente Schmerzen stellen eine
OP-Indikationdar.
Abb. 5.15 Pankreaskopfkarzinom im der Sonograe. Der Aufstau des Ductus choledochus ist gut sichtbar (aus
Baenkler,H.-W.,Goldschmidt,H.,Hahn,J.-M.etal.:Kurz­lehrbuchInnereMedizin,3.Auage,GeorgThiemeVerlag,
2015).
? Erläutern Sie kurz das Therapiekonzept bei exokriner
Pankreasinsuzienz genauer!
Die exokrine Pankreasinsuzienz wird durch Substitution
der fehlenden Enzyme und der unzureichend resorbierten Nahrungsbestandteile therapiert. Wichtige Maßnahmen sind eine Nahrungsumstellung auf eine kohlenhydratrei-
che, fettarme Kost mit vielen kleinen Mahlzeiten, die Sub­stitution mittelkettiger Fettsäuren, die ohne Emulgierung resorbiert werden können, und die parenterale Substitution
fettlöslicher Vitamine.
? Was müssen Sie bei der Therapie der endokrinen
Pankreasinsuzienz mit Insulin unbedingt beachten?
Patienten mit chronischer Pankreatitis neigen zu Hypo­glykämien. Ursachen sind der Ausfall der Gegenregulation
durch Glukagon, häug unregelmäßige Mahlzeiten durch den Appetitverlust und die gestörte Nahrungsabsorption bei exokriner Pankreasinsuzienz. Daher sind niedrig do­sierte, aber regelmäßige Gaben eines kurzwirksamen Insu- lins erforderlich.
5.7.3 Pankreastumoren
? Ihr Oberarzt berichtet, dass er bei einer 63-jährigen
Patientin ein positives Courvoisier-Zeichen festgestellt habe. Was meint er damit?
Das Courvoisier-Zeichen bezeichnet die Kombination aus einer schmerzlos vergrößerten, tastbaren Gallenblase und einem Verschlussikterus.
? An welche Dierenzialdiagnosen müssen Sie bei
positivem Courvoisier-Zeichen denken?
Die häugste Ursache ist ein chronischer, tumorbedingter Choledochusverschluss durch ein Pankreaskopf- oder ein
distales Gallengangskarzinom. Seltenere Dierenzialdiagno-
sen sind Pankreaspseudozysten und Metastasen oder Lym­phome im Lig. hepatoduodenale.
MERKE. Eine schmerzlos vergrößerte Gallenblase ist
typisch für einen chronischen, langsam progredienten Choledochusverschluss, die Gallenblasenwand kann sich an die Stauung adaptieren. Bei akutem Gangverschluss (z. B. bei Choledocholithiasis) ist die Gallenblase schmerzhaft vergrößert.
? Welche Karzinomlokalisation im Pankreas hat die
beste Prognose? Begründen Sie Ihre Antwort!
Die beste Prognose hat das Pankreaskopfkarzinom da es durch die anatomische Nähe zum Gallengang früher symptomatisch wird als Korpus- oder Kaudakarzinome (Abb. 5.15). Das wichtigste Frühsymptom ist das Courvoi- sier-Zeichen.
MERKE. Die mittlere Überlebensrate bei Tumoren jeder
Stufe beträgt nur 8 bis 12 Monate.
? Der Pankreas ist ein Hauptort für neuroendokrine
Tumoren. Nennen Sie die 3 häugsten neuroendokrinen Pankreastumoren mit ihren typischen Symptomen!
Die häugsten neuroendokrinen Pankreastumore sind
Insulinom mit spontaner Hypoglykämie und prompter
Besserung nach Glukosegabe Gastrinom bzw. Zollinger-Ellison-Syndrom mit rezidivie-
renden gastrointestinalen Ulzera und Diarrhö VIPom mit therapieresistenten, wässrigen Durchfällen,
Hypokaliämie, Hypochlorhydrie und Adynamie
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5.7 PANKREASERKRANKUNGEN
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? Wie weisen Sie ein Insulinom nach?
Der einfachste und sensitivste Test ist der Hungerversuch mit regelmäßiger Bestimmung von Insulin und C-Peptid. Typisch ist die fehlende Suppression der Insulinsekretion bei Hypoglykämie.
? Ein Patient klagt über anfallsartiges Herzrasen, Schwit-
zen, Diarrhö und Asthmaanfälle. Während der Anfälle sei sein Gesicht häug gerötet. Kommt Ihnen ein Verdacht?
Die Symptome sind typisch für das Karzinoidsyndrom.
? Welchen Befund können Sie bei Patienten mit symp-
tomatischem Karzinoidsyndrom immer in der Abdomen­sonograe nachweisen? Begründen Sie Ihre Antwort!
Bei diesen Patienten zeigt die Abdomensonograe mit
Sicherheit ausgedehnte Lebermetastasen: Ohne Leber­metastasen wird das vom Tumor freigesetzte Serotonin in der Leber abgebaut, das Karzinoid bleibt asymptomatisch. Symptome treten erst auf, wenn die Leber durch Metastasen geschädigt ist und das Serotonin nicht mehr abbauen kann.
? Bei der klinischen Untersuchung Ihres Karzinoid-
Patienten können Sie ein holosystolisches Herzgeräusch mit Punctum maximum im 4. Interkostalraum rechts auskultieren. Wie interpretieren Sie diesen Befund?
Der Befund ist typisch für eine Trikuspidalinsuzienz. Pa­tienten mit Karzinoid entwickeln gelegentlich eine Endo-
kardbrose, die bevorzugt das rechte Herz betrit und zu einer Trikuspidalinsuzienz führen kann.
? Beschreiben Sie kurz die gemeinsamen und tumor-
spezischen Therapiealternativen bei neuroendokrinen Pankreastumoren!
Die einzige kurative Therapieoption ist die operative Ent­fernung des Tumors. Bei inoperablen Tumoren kann die
Hormonfreisetzung durch Octeotrid oder Lanreotid unter- drückt werden. Symptomatische Therapiemaßnahmen um­fassen die Gabe von
Serotoninantagonisten wie Methysergid bei Karzinoid
Diazoxid zur Hemmung der Insulinfreisetzung bei Insulinom
Protonenpumpenhemmer bei Gastrinom
Octreotid (Somatostatin-Analogon) bei VIPom
? Welcher Verdacht kommt Ihnen bei der Kombination
von Insulinom, primärem Hyperparathyreoidismus und Hypophysentumor?
Diese Kombination ist typisch für das Wermer-Syndrom, das zur Gruppe der multiplen endokrinen Neoplasien, kurz MEN, zählt. Diese Erkrankungen werden autosomaldominant ver­erbt und sind geprägt durch charakteristische Kombinatio­nen neuroendokriner Tumoren (siehe Tab. 5.20).
Tab. 5.20 Multiple endokrine Neoplasien (MEN)­Syndrome.
Syndrom Konstellation
MEN 1: Wermer-
Syndrom
MEN 2a: Sipple­Syndrom
MEN 2b: Gorlin­Syndrom
primärer Hyperparathyreoidismus, endokrine Pankreastumoren (Insuli­nom, Gastrinom), Hypophysentumor
medulläres Schilddrüsenkarzinom, Phäochromozytom, primärer Hyper­parathyreoidismus
zusätzlich zu MEN 2a Schleimhaut­neurinome und marfanoider Habitus
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