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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2770_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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5 GASTROENTEROLOGIE
Tab. 5.4 Crohn’s Disease Activity Index (CDAI).
Klinik bzw. Laborbefunde Gewichtungs-
AnzahlderüssigenStuhlgängeinden
letzten 7 Tagen
abdominelle Schmerzen in den letzen 7 Tagen (0 = keine Schmerzen, 3 = starke Schmerzen)
Wohlbenden(0=gut,4=unerträglich) 7
Vorhandensein von Komplikationen (extraintestinale Manifestationen, Fisteln, Fieber, Abszesse)
abdominelle Raumforderung (0 = keine, 5 = deutlich)
OpiatgebrauchzurDurchfallbehandlung
(nein = 0, ja = 1)
Hämatokritverringerung(Dierenzvom
Normalwert)
prozentuale Abweichung vom Standard­gewicht
faktor
2
5
20 (je Symptom)
10
30
6
1
? Die Remissionsinduktion mit topischen und
systemischen Steroiden ist zunächst erfolgreich. Aller­dings treten bei mehreren Versuchen, die Steroiddosis unter 20 mg/d zu senken, erneut Symptome auf. Wie wird dieser Verlauf bezeichnet und welche Behandlung leiten Sie nun ein?
Treten die Symptome bei Reduktion der Steroiddosis erneut auf, liegt ein steroidabhängiger Verlauf vor. In diesem Fall
werden anti-TNFα-Antikörper (Iniximab, Adalimumab)
mit oder ohne Azathioprin bzw. Mercaptopurin eingesetzt, um Kortison einzusparen.
MERKE. Führt Azathioprin nicht zu einer vollständigen
Remission,isteinTherapieversuchmitdemAnti-TNFα-Anti­körperIniximabgerechtfertigt.
? Unter der Therapie mit Azathioprin können Sie die
Steroide bei Ihrem Crohn-Patienten langsam ausschlei­chen und der Patient wird symptomfrei. Der Patient würde gerne auf eine weitere Tabletteneinnahme ver­zichten. Was empfehlen Sie?
Bei Patienten mit steroidabhängigem Morbus Crohn ist eine remissionserhaltende Therapie mit Azathioprin indiziert. Hiermit erreichen bis zu 66 % der Patienten eine dauerhafte Remission. Die immunsuppressive Therapie sollte für min­destens 4 Jahre fortgeführt werden.
? Beschreiben Sie das Stufenkonzept der Fisteltherapie
bei Morbus Crohn!
Tab. 5.5 Morbus Crohn: Medikamentöse Remissions­induktion und -erhaltung.
Durchführung
Remissions­induktion
Remissions­erhaltung
In der akuten Phase werden Fisteln antibiotisch mit Metro-
nidazol oder Ciprooxacin behandelt. Chronizieren die
Fisteln, ist eine operative Fadendrainage oder ein Behand- lungsversuch mit anti-TNFα-Antikörpern (Iniximab, Adali- mumab) indiziert.
leichter bis mäßiger Schub:
• Befall des Kolons und des terminalen Ileums: topische Steroide (Budesonid p. o. und/oder Klysma)
• Befall proximaler Darmabschnitte und/ oder extraintestinale Manifestationen: zusätzlich systemische Steroide
schwerer Schub: systemische Steroide
• Befall distaler Darmabschnitte: zu­sätzlich topische Steroide (Budesonid p. o. und/oder Klysma)
steroidrefraktärer und/oder chronischer Verlauf:Azathioprinund/oderAnti-TNFα-
Antikörper(z.B.Iniximab,Adalimumab)
keine generelle Empfehlung
steroidabhängiger oder -refraktärer Verlauf:Azathioprinund/oderAnti-TNFα-
Antikörper(z.B.Iniximab,Adalimumab)
? Warum schneiden Sie die Fisteln bei Morbus Crohn
nicht einfach aus?
Für operative Eingrie bei Morbus Crohn gilt: „so wenig wie
möglich, so viel wie nötig“. Die meisten Patienten müssen im Laufe ihres Lebens wegen intestinaler Komplikationen mindestens einmal operiert werden, was dann wiederum häug mit Wundheilungsstörungen einhergeht. Daher soll­ten vor jeder Operation immer alle konservativen Therapie­möglichkeiten ausgeschöpft werden (siehe Tab. 5.5).
MERKE. Die operative Therapie hat bei Morbus Crohn nur
palliativen Charakter, eine Heilung ist durch den multilo­kulären Befall – anders als bei der Colitis ulcerosa – nicht möglich.OP-Indikationensind:chronische,therapierefrak­täre Fisteln und Abszesse, Perforation, Darmstenosierung mit Ileus und Peritonitis.
? Bei einem Patienten mit Morbus Crohn wurde auf-
grund einer Darmstenose mit Ileus das Ileum reseziert. Aktuell ist er in Remission. Unabhängig von der Grund­erkrankung treten nun oft wässrige Diarrhöen auf. Haben Sie eine Idee, was dieser Störung zugrunde liegt?
Durch den Wegfall des Ileums kann der Körper keine Gallen­säuren resorbieren. Gallensäuren gelangen in den Dickdarm,
steigern dort die Motilität und hemmen die Flüssigkeits- und Elektrolytresorption. Die Folge ist eine sog. chologene Diarrhö.
140
5.4 DARMERKRANKUNGEN
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? Wie therapieren Sie einen Patienten mit chologener
Diarrhö?
Die chologene Diarrhö wird mit Cholestyramin behandelt, das im Darm an die Gallensäuren bindet, deren Ausscheidung för­dert und damit ihre laxierende Wirkung abschwächt.
? Welche Symptome treten zusätzlich zur chologenen
Diarrhö bei einem dekompensierten Gallensäureverlust­syndrom auf?
Zusätzlich sind als Symptome der Maldigestion eine Steator­rhö, Cholesterin-Gallensteine und Oxalat-Nierensteine zu be-
obachten.
? Mit welchem Leitsymptom kommen Patienten mit
Colitis ulcerosa häug zum Arzt?
Typisches Leitsymptom der Colitis ulcerosa ist die blutig­schleimige Diarrhö, die bis zu 20-mal pro Tag abgesetzt wird.
? Beschreiben Sie die typischen Endoskopiebefunde
bei Colitis ulcerosa!
Typische endoskopische Befunde sind eine leicht vulnerable, gerötete Schleimhaut, die bei Kontakt mit dem Endoskop schnell blutet, unscharf begrenzte Ulzerationen und Pseudo­polypen.
MERKE. Die Colitis ulcerosa befällt nur Rektum (immer!)
und Kolon.
? Welche histologischen Befunde erwarten Sie bei der
Colitis ulcerosa?
Der typische histologische Befund zeigt eine auf die Schleim­haut beschränkte chronische Entzündung mit Kryptenabs­zessen. Im Spätstadium ist die Schleimhaut atrophisch.
? Sie diagnostizieren bei einer Patientin eine Colitis
ulcerosa, die das Rektum und das linke Kolon befällt. Die klinischen Symptome sprechen für einen mäßig-aktiven Schub. Welche Therapie schlagen Sie vor?
Bei Patienten mit mäßig-aktivem Kolitisschub wird eine re­missionsinduzierende Therapie mit Mesalazin und Steroiden
eingeleitet. Da die Erkrankung vom Rektum bis zur linken
Kolonexur reicht, werden beide Substanzen oral und topisch verabreicht. Zur topischen Behandlung eignen sich
Klysmen, Schaumpräparate und Suppositorien.
? Warum sollten Patienten mit Colitis ulcerosa
unabhängig von neuen Kolitis-Schüben regelmäßig koloskopiert werden?
Die Patienten haben im Spätverlauf ein erhöhtes Risiko für ko­lorektale Karzinome. Daher sollten ab dem 10. Erkrankungs­jahr jährliche Kontrollkoloskopien durchgeführt werden.
MERKE. Das Karzinomrisiko steigt mit zunehmender
Dauer und Ausdehnung der Erkrankung. Bei Patienten mit Pankolitis erhöht sich das Risiko ab dem 10. Erkran­kungsjahr, bei distaler Kolitis ab dem 15. Erkrankungsjahr
0,5–1%proJahr.Nach20Jahrenliegtdaskumulative
um Karzinomrisikobei8%,nach30Jahrenbei18%!
? Bei schwerer, hochakuter Colitis ulcerosa wird eine
remissionsinduzierende intravenöse Steroidtherapie ein­geleitet. Welche Therapiealternative haben Sie, wenn die intravenöse Steroidgabe zu keiner Besserung führt?
Tritt unter hochdosierter intravenöser Steroidtherapie innerhalb von 5–10 Tagen keine Besserung ein, kann der Patient – falls keine OP-Indikation besteht – zusätzlich Azathioprin, Ciclosporin A oder Tacrolimus erhalten. Ebenso
können TNFα-Antikörper wie Iniximab, Adalimumab oder
Golimumab eingesetzt werden.
? Welche Medikamente sind zur Remissionserhaltung
nach einer remissionsinduzierenden Therapie am besten geeignet?
Als Medikamente der ersten Wahl gelten 5-Aminosalicy­late (5-ASA). Auch Escherichia coli Nissle-Präparate oder Azathioprin können zur Remissionserhaltung verwendet werden (siehe Tab. 5.6).
? Eine Patientin mit schwerer Colitis ulcerosa klagt
plötzlich über stärkste Bauchschmerzen und hohes Fieber. Ihr Allgemeinzustand ist stark reduziert. Das Ab­domen ist massiv aufgetrieben, bei der Palpation spüren Sie eine Abwehrspannung.Welche Komplikation ist bei dieser Patientin eingetreten, wodurch wird sie ausgelöst und welche Gefahr besteht?
Die Patientin leidet unter einem toxischen Megakolon mit Ileus und akutem Abdomen. Diese Komplikation entsteht durch eine starke Kolondilatation bei fulminanter Colitis ul- cerosa. Folgen können eine Perforation oder ein septisch-to­xischer Schock mit Multiorganversagen sein.
? Wie sichern Sie Ihren Verdacht auf ein toxisches
? Unter der Therapie mit Mesalazin und Steroiden
wird die beschriebene Patientin symptomfrei. Welches Therapieregime schlagen Sie Ihrer Patientin zur Rezidiv­prophylaxe vor?
Therapie der Wahl ist die orale Gabe von Mesalazin.
Megakolon?
Die Diagnose kann häug bereits in der Abdomenüber­sichtsaufnahme gestellt werden. Typische Zeichen sind mas- siv dilatierte Darmschlingen mit einem Durchmesser > 6 cm und eine fehlende Haustrierung.
141
5 GASTROENTEROLOGIE
Tab. 5.6 Colitis ulcerosa: Medikamentöse Remissionsinduktion und -erhaltung.
leichter Schub mäßiger/schwerer Schub schwerer/fulminanter Schub
Remissions­induktion
Remissions­erhaltung
1
5-ASA: Mesalazin
1
5-ASA
p. o. (bei distaler
Kolitis topisch)
1
p. o. (bei distaler Kolitis lokal):
5-ASA bei Unverträglichkeit: E. coli-Stamm Nissle Bei fehlendem Ansprechen ist eine Eskalation mit Azathioprin,
6-MercaptopurinoderTNF-α-Antikörpern(Iniximab)
möglich.
zusätzlich Steroide p. o. (bei dis­taler Kolitis topisch)
Steroide i. v. bei Wirkungslosigkeit: zusätzlich Ciclospo-
rinA,TacrolismusoderIniximab
bei Ciclosporin-induzierter Remission und/ oder anhaltender Steroidabhängigkeit:
Azathioprin,6-Mercaptopurin,TNF-α-Anti­körper(Iniximab)
MERKE. Eine Kolonkontrastuntersuchung und eine
Koloskopie sind aufgrund der hohen Perforationsgefahr bei Patienten mit toxischem Megakolon kontraindiziert!
? Wie therapieren Sie ein toxisches Megakolon?
Die Therapie erfolgt operativ: Zunächst wird eine sub­totale Kolektomie mit Ileostomaanlage zur Darmentlastung
durchgeführt und der belassene Rektumstumpf verschlos­sen. Entscheidend ist eine adäquate intensivmedizinische Betreuung mit Elektrolyt- und Volumenausgleich, Breit­bandantibiose und hochdosierter intravenöser Steroidthe­rapie. Im entzündungsfreien Intervall wird die verbliebene Rektumschleimhaut entfernt und der Sphinkterapparat mit einem Dünndarmpouch vernäht.
MERKE. Die Letalität des toxischen Megakolons beträgt
30 %!
? Können Patienten mit Colitis ulcerosa geheilt werden?
Ja. Da die Colitis ulcerosa nur Rektum und Kolon befällt,
können die Patienten durch eine Proktokolektomie geheilt werden (siehe Tab. 5.7).
5.4.3 Divertikulose und Divertikulitis
? Eine 74-jährige Patientin klagt über Schmerzen im
linken Unterbauch. Sie habe seit Jahren Probleme mit der Verdauung. Bei der klinischen Untersuchung tasten Sie eine druckschmerzhafte Walze und eine lokalisierte Abwehrspannung im linken Unterbauch, die Temperatur ist erhöht. Haben Sie einen Verdacht?
Die aktuelle Symptomatik, das Alter und die jahrelangen Verdauungsprobleme sprechen für eine akute Divertikulitis.
? Warum weisen das Alter der Patientin und die jahre-
langen Verdauungsprobleme auf eine Divertikulitis hin?
Eine Divertikulitis entwickelt sich immer auf dem Boden ei­ner Divertikulose, die bei etwa 65 % der über 70-Jährigen zu
nden ist. Eine Divertikulose entsteht am häugsten durch
die abnehmende Darmwandelastizität bei altersbedingter Bindegewebsschwäche und die intraluminale Druckerhö­hung bei chronisch habitueller Obstipation. Wird der Diver­tikelhals durch den Stuhlaufstau verlegt, entsteht im Diver­tikel ein Hohlraum, in dem sich Bakterien vermehren und zu einer Entzündung führen können.
MERKE. Eine Divertikulose entsteht, wenn Darmschleim-
haut und -submukosa durch Gefäßlücken in der Tunica muscularis prolabieren (falsche bzw. Pseudodivertikel). Die
DivertikuloseisteineZivilisationserkrankungdurchfalsche
Ernährungsgewohnheiten in der westlichen Welt. Das Risiko einer Divertikelbildung steigt mit zunehmendem Lebensal-
ter.60–70%derüber70-Jährigenzeigenkoloskopischeine
asymptomatische Divertikulose. Etwa 20 % dieser Patienten entwickeln im Verlauf eine symptomatische Divertikulitis.
? Was verstehen Sie unter dem Begri „chronisch
habituelle Obstipation“?
Die chronisch habituelle Obstipation entsteht durch faser­arme Ernährung, unzureichende Bewegung und mangelnde Flüssigkeitsaufnahme und ist die häugste Ursache der Ob­stipation bei älteren Menschen.
? Warum wird die Sigmadivertikulitis häug auch als
„Linksappendizitis“ bezeichnet?
Die klinischen Symptome der Sigmadivertikulitis ähneln denen der Appendizitis: Linksseitige Unterbauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten, Fieber und erhöhte Entzündungs­parameter.
MERKE. 90 % der Divertikel sind im Sigma lokalisiert. Eine
Zäkumdivertikuloseistselten,sietrittgehäuftbeiJapanern auf.KlinischwirddieZäkumdivertikulitisauchals„Appendi-
zitis trotz Appendektomie“ bezeichnet.
142
5.4 DARMERKRANKUNGEN
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Tab. 5.7 DierenzierungzwischenMorbusCrohn und Colitis ulcerosa.
Morbus Crohn Colitis ulcerosa
Lokalisation gesamter Magen-Darm-Trakt, Prädilektionsstelle:
Ausbreitungsmuster diskontinuierlich kontinuierlich
Leitsymptome Bauchschmerzen, Diarrhö ohne Blut- und
intestinale Komplika­tionen
extraintestinale Kom­plikationen
bei Morbus Crohn)
makroskopischer Befund
Histologie transmurale Entzündung
radiologische Befunde Pastersteinrelief,
heilbar nein ja (Proktokolektomie)
1
(häuger
seltener als bei Colitis ulcerosa, v. a. bei ausgeprägtem Kolonbefall und lange bestehenden Fisteln
terminales Ileum und Kolon
Schleimbeimengung, Tenesmen, evtl. tastbare Resistenz im Unterbauch
anorektale Fisteln und Abszesse, Darmstenosen (Ileusgefahr), Malabsorptionssyndrom Spätkomplikation: kolorektales Karzinom
Erythemanodosum,Pyodermagangraenosum,Zinkmangeldermatitis
Haut: Gelenke: Poly-/Monoarthritis, Sakroiliitis Augen: Iridozyklitis, Uveitis, Skleritis Lunge:
brosierendeAlveolitis
Herz: Perimyokarditis Blut: autoimmunhämolytische Anämie Gallenwege/Leber: systemisch: Amyloidose
Nebeneinander von ödematösen, aphthösen und
Veränderungen(„Pastersteinrelief“)
ulzerösen
lineare, scharf begrenzte Ulzera („Schnecken­spuren“) kleine Einblutungen in der Schleimhaut (Pin­Point-Lesions) Fisteln im Spätstadium: segmentale Stenosen
Epitheloidzellgranulome und mehrkernige Riesenzellen hyperplastische Lymphknoten mit Lymphangiek­tasie
im Spätstadium:
primärsklerosierendeCholangitis(häugerbeiColitisulcerosa)
brotischeWandverdickung
fadenförmigeStenosen Haustrenschwund („Fahrradrohr“), Pseudo-
Rektum(immerbetroen),Kolon(proximale
Ausbreitung)
blutig-schleimige Diarrhö (bis zu 20 ×/d)
toxisches Megakolon, Blutungen, Darmstenosen (Ileusgefahr)
1
Spätkomplikation: kolorektales Karzinom
unscharf begrenzte Ulzerationen hyperämische Schleimhaut, bei Kontakt leicht blutend Pseudopolypen (gesunde Schleimhautinseln bei ansonsten verlorenem Schleimhautrelief)
Entzündung auf Schleimhaut beschränkt Kryptenabszesse Becherzellverlust im Spätstadium: Schleimhautatrophie und Epi-
theldysplasie(→Karzinomrisiko↑)
polypen
? Was ist die wichtigste Dierenzialdiagnose bei Ihrer
74-jährigen Patientin mit Divertikulitis?
Die wichtigste Dierenzialdiagnose in diesem Alter ist das
Kolonkarzinom.
MERKE. Im mittleren Lebensalter muss die Divertikulitis
v. a. gegen das Reizdarmsyndrom, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, ein Kolonkarzinom, eine Adnexitis, einenstielgedrehtenOvarialtumorundeineEileiterschwan­gerschaft abgegrenzt werden.
? Wie sichern Sie die Diagnose einer akuten Diver-
tikulitis?
Sicherste Methode ist die Abdomen-CT, alternativ als rasch verfügbares Verfahren die Abdomensonograe. Sie zeigt ödematös verdickte Darmwandsegmente mit schießschei­benähnlichem Querschnitt.
143
5 GASTROENTEROLOGIE
? Wie stehen Sie dazu, eine akute Divertikulitis durch
eine Koloskopie oder einen Kolonkontrasteinlauf zu diagnostizieren?
Im akuten Schub ist die Schleimhaut durch die Entzündung hochvulnerabel, die Gefahr einer iatrogenen Perforation ist deutlich erhöht. Nach Abklingen der akuten Entzündung sollte aber immer eine Koloskopie mit Biopsieentnahme zum Karzinomausschluss und ein Kolonkontrasteinlauf mit wasserlöslichem Kontrastmittel zur Abklärung von Steno­sen und Fisteln durchgeführt werden.
? Wie therapieren Sie Ihre Patientin mit schwerer
akuter Sigmadivertikulitis?
Die Patientin sollte für einige Tage auf Nahrung verzichten und parenteral ernährt werden. Sie erhält eine kalkulierte systemische Antibiose, die später auf die Ergebnisse des Antibiogramms umgestellt wird. Gegen die Schmerzen im Unterbauch hilft Kühlung, z. B. durch eine Eisblase. Bei krampfartigen Schmerzen werden Spasmolytika eingesetzt.
MERKE. Vor Einleiten der Antibiose müssen unbedingt
Blutkulturen zur Erregerdiagnostik abgenommen werden!
? Welche Keime sollten durch die kalkulierte Antibiose
bei akuter Divertikulitis erreicht werden und welche Wirkstoe kommen zum Einsatz?
Die antibiotische Therapie sollte Anaerobier und gramnega­tive Bakterien erfassen. Gängig ist die Kombination von Me­tronidazol und Ciprooxacin oder von Metronidazol und ei­nem Cephalosporin der 2. oder 3. Generation, z. B. Cefotiam.
Abb. 5.6 Sonograe (aus Seitz, K., Schuler, A., Retten­maier, G.: Klinische Sonographie und sonographische
Dierenzialdiagnose,2.Auage,GeorgThiemeVerlag,
2007).
Darmstenosen, die zu rezidivierenden Entzündungen und
einem Dickdarmileus führen können Bildung von Fisteln und Abszessen
? Nennen Sie die wichtigsten OP-Indikationen bei Di-
vertikulitis!
Indikation für eine elektive Sigmaresektion ist die rezidi­vierende Divertikulitis. Dringliche OP-Indikationen sind ge­deckte Perforation, Fisteln, Stenosen und perkutan nicht zu drainierende Abszesse. Notfallmäßig müssen Patienten mit freier Perforation, Ileus und starken, konservativ nicht be­herrschbaren Darmblutungen operiert werden.
? In die Notaufnahme wird ein 64-jähriger Patient
mit septischer Temperatur, starken Bauchschmerzen und einer druckschmerzhaften, tastbaren Resistenz im linken Unterbauch eingeliefert. Die Sonograe zeigt den folgenden Befund (siehe Abb. 5.6). Welche Diagnose stellen Sie und wie handeln Sie?
Die Sonograe zeigt eine Sigmadivertikulose mit ödematös
verdickter Kolonwand und eine kleine Raumforderung im parakolischen Raum. Der Befund ist typisch für eine gedeckt perforierte Sigmadivertikulitis mit Abszess. Zunächst kann
man versuchen, den Abszess Sonograeoder CT-gesteuert
durch die Haut zu drainieren. Gelingt dies nicht, muss nach Abklingen der akuten Symptomatik operiert werden.
? Fassen Sie kurz die wichtigsten Komplikationen der
akuten Divertikulitis zusammen!
Die wichtigsten Komplikationen der akuten Divertikulitis sind
Perforation (gedeckte Perforation mit Abszessbildung oder
freie Perforation mit generalisierter Peritonitis)
Divertikelblutung
144
5.4.4 Kolorektales Karzinom
? Eine 65-jährige Patientin leidet seit Monaten an
Stuhlunregelmäßigkeiten. Mal habe sie gar keinen Stuhlgang, dann trete plötzlich Durchfall auf, auch nachts. Der Stuhl sei schleimig und manchmal blutig. Sie habe 8 kg Gewicht verloren. Sie sei nicht eher zum Arzt gegangen, weil eine Freundin unter ähnlichen Symp­tomen leide, der Arzt habe ein harmloses Reizdarmsyn­drom diagnostiziert. Welche Symptome sprechen bei der Patientin eindeutig gegen ein Reizdarmsyndrom und welche Diagnose müssen Sie unbedingt abklären?
Blut im Stuhl, B-Symptomatik und nächtliche Diarrhö spre­chen eindeutig gegen ein Reizdarmsyndrom. Bei Stuhlun­regelmäßigkeiten, peranalem Blutabgang und Gewichtsab­nahme muss unbedingt ein kolorektales Karzinom abgeklärt werden.
MERKE.DaskolorektaleKarzinomistderzweithäugste
Tumor bei Männern und Frauen. Bei Männern steht das Bronchial-, bei Frauen das Mammakarzinom an erster Stelle.
5.4 DARMERKRANKUNGEN
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? Screening-Untersuchungen sind nur sinnvoll,
wenn Sie eine behandelbare Tumorvorstufe aufdecken können. Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die Koloskopie als Früherkennungsuntersuchung des kolorektalen Karzinoms?
Kolorektale Karzinome entwickeln sich in den meisten Fäl­len aus kolorektalen Adenomen. Zwischen dem Beginn der Adenomentstehung und der karzinomatösen Entartung lie­gen in der Regel 10 gut zur Früherkennung geeignet, da sie durch den Nachweis von Adenomen ein frühes und behandelbares Vorstadium des Karzinoms aufdecken.
Jahre. Regelmäßige Koloskopien sind also
? Die Koloskopie zur Früherkennung wird grund-
sätzlich ab einem Alter von 50 Jahren empfohlen. Bei welchen Risikogruppen sollte bereits früher mit einer koloskopischen Früherkennung begonnen werden?
Frühere Vorsorgeuntersuchungen sind bei Patienten mit fa­miliärer Karzinomdisposition oder Grunderkrankungen mit
erhöhtem Karzinomrisiko indiziert. Eine familiäre Karzi­nomdisposition besteht bei genetischen Veränderungen, die mit der Bildung multipler Adenome im gesamten Intestinal­trakt einhergehen. Hierzu gehören v. matöse Polyposis (FAP) und hamartöse Polyposis-Syndrome wie die familiäre juvenile Polyposis und das Peutz-Jeghers- Syndrom. Bei langjähriger Colitis ulcerosa entstehen in der entzündlich veränderten Schleimhaut Epitheldysplasien, aus denen sich Karzinome entwickeln können.
MERKE. Die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) ist
eine obligate Präkanzerose: Alle Patienten entwickeln ein
kolorektales
und das Rektum von hunderten Adenomen besiedelt, die Entartung beginnt ab dem 15. Lebensjahr. Koloskopien sind daher ab dem 10. Lebensjahr indiziert. Die einzige Behand­lungsoption ist die vollständige Kolektomie.
Karzinom.HäugsinddasgesamteKolon
a. die familiäre adeno-
? Die einfachste Krebsvorsorge ist die rektale digitale
Untersuchung. Wie viele Rektumkarzinome können so ertastet werden?
Etwa 30 % der Rektumkarzinome können mit dem Finger ertastet werden.
? Der Hämocculttest gehört zur Standardfrüherken-
nung des kolorektalen Karzinoms. Erläutern Sie kurz seine wesentlichen Vor- und Nachteile!
Der Hämocculttest ist wenig spezisch und sensitiv, d. h.
falsch positive und falsch negative Ergebnisse sind häug. Er wird aber immer noch als Screening-Verfahren eingesetzt, da er billig ist und erste Hinweise auf ein kolorektales Kar­zinom liefern kann.
MERKE. Ein positiver Hämocculttest beweist kein
Karzinom, ein negatives Testergebnis schließt es aber auch nicht aus.
? Bei einem Patienten haben Sie in der Koloskopie
folgenden Befund entdeckt. Was tun Sie?
Abb. 5.7 Befund des Patienten (aus Baenkler, H.-W.,
Goldschmidt, Medizin,3.Auage,GeorgThiemeVerlag,2015).
Bei dem Befund handelt es sich um ein beitbasig wach­sendes Kolonadenom. Jedes Adenom muss vollständig ent- fernt und histologisch untersucht werden. Adenome < 3 Durchmesser können während der Koloskopie mit einer Biopsiezange oder Schlinge entnommen werden. Größere Adenome müssen operativ entfernt werden.
H.,Hahn,J.-M.etal.:KurzlehrbuchInnere
cm
? Warum führen Karzinome im linken Kolonrahmen
früher zu Symptomen als rechtsseitige Kolonkarzinome?
Im linken Kolon, insbesondere im Rektosigmoid, werden große Mengen Wasser und Elektrolyte resorbiert. Der Stuhl ist in diesen Abschnitten demnach eingedickt und fest und kann Engstellen wie einen stenosierenden Darmtumor nur schlecht passieren. Tumoren in diesem Abschnitt führen daher schnell zu Symptomen wie Flatulenz, Stuhlverhalt, Meteorismus und paradoxe Diarrhö. In den rechtsseitigen Kolonabschnitten ist der Stuhl noch relativ dünn und kann Darmstenosen leichter überwinden.
? Was verbirgt sich hinter dem Ausdruck „paradoxe
Diarrhö“? Für welche Veränderung ist sie typisch?
„Paradoxe Diarrhö“ bezeichnet explosionsartige, üssige Stuhlentleerungen im Wechsel mit Obstipation. Sie ist ty-
pisch für stenosierende Prozesse im Dickdarm, die der Stuhl nur passieren kann, wenn er zuvor bakteriell zersetzt wurde.
145
5 GASTROENTEROLOGIE
? Wie hängen die Lokalisation des Rektumkarzinoms
und die Prognose zusammen? Begründen Sie Ihre Ant­wort!
Für das Rektumkarzinom gilt: Je tiefer es liegt, desto schlech­ter ist die Prognose. Das liegt daran, dass Karzinome des
unteren Rektumdrittels über 3 Lymphbahnen metastasieren können. Sie breiten sich in Lymphknoten entlang der Aorta sowie in der Becken- und der Leistenregion aus.
? Auf welchem Weg metastasiert das kolorektale
Karzinom hämatogen und welche Besonderheit besteht beim distalen Rektumkarzinom?
Das kolorektale Karzinom metastasiert hämatogen über die Pfortader in die Leber. Von dort gelangen die Metastasen in
Lunge und Skelett. Rektumkarzinome des unteren Drittels können direkt über die untere Hohlvene in die Lunge meta­stasieren, so dass hier bereits frühzeitig Lungenmetastasen möglich sind.
MERKE. Das Ausmaß der lymphogenen Metastasierung
ist von der Lokalisation des Rektumkarzinoms abhängig:
• Karzinome des oberen Drittels: Ausbreitung in paraaor­tale Lymphknoten
• Karzinome im mittleren Drittel: Ausbreitung in paraaor­tale Lymphknoten und in Lymphknoten der Beckenwand
• Karzinome im unteren Drittel: Ausbreitung in paraaorta­le Lymphknoten, in Lymphknoten der Beckenwand und in inguinale Lymphknoten
Tab. 5.8 Kolorektales Karzinom: Stadieneinteilung nach Dukes und UICC.
Dukes UICC Befund 5-Jahresüberlebensrate
A I Tumor auf Mukosa, Submukosa und Muscularis propria beschränkt 95 %
B II Tumor befällt alle Wandschichten 85–90 %
C III Tumor befällt regionale Lymphknoten oder Umgebungsstrukturen 55–65 %
D IV Fernmetastasen 5 %
? Sie diagnostizieren bei Ihrer Patientin ein Rektum-
karzinom im Dukes-Stadium B. Wie therapieren Sie die Patientin?
Ziel ist eine kurative, operative Tumorentfernung. Bei einem Rektumkarzinom im Stadium B nach Dukes hat sich eine präoperative neoadjuvante Radio-Chemotherapie bewährt, da sie die Lokalrezidivrate senkt, die 5-Jahresüberlebens­rate steigert und häug eine kontinenzerhaltende Tumor­resektion ermöglicht. Postoperativ sollte eine adjuvante Chemotherapie mit 5-Fluorouracil eingeleitet werden (siehe Tab. 5.8, Tab. 5.9).
Tab. 5.9 Stadiengerechte Therapie des kolorektalen Karzinoms.
Dukes UICC Therapie
A I OperationunterkurativerZielsetzung:
B II Kolonkarzinom:OperationunterkurativerZielsetzung(s.o.)undadjuvanteTherapie
C III Kolonkarzinom:VersucheinerkurativenOperationundadjuvanteChemotherapie(Oxaliplatin+5-FU
D IV Isolierte Lungen- und Lebermetastasen: Resektion, Mikrowellenablation
1
5-FU: 5-Fluorouracil
Kolonkarzinom: En-bloc-Resektion des tumortragenden Darmabschnitts mit regionaler Lymphaden-
ektomie
Rektumkarzinom: abhängig von Lokalisation anteriore Rektumresektion mit totaler Mesorektumexstirpa-
tion, transanale Lokalexzision, abdominoperineale Rektumexstirpation
Rektumkarzinom:neoadjuvanteRadio-/Chemotherapie(→Downstaging),Versucheinerkurativen OperationundadjuvanteChemotherapie(5-FU
Rektumkarzinom:neoadjuvanteRadio-/Chemotherapie(→Downstaging),kurativeOperationund
adjuvante Chemotherapie (5-FU
Polychemotherapie (5-FU Antikörper gegen VEGF oder EGF (Cetuximab oder Bevacizumab)
1
)
1
,FolsäureundOxaliplatinoderCapecitabinundOxaliplatin)undmonoklonale
1
)
146
1
)
5.5 LEBERERKRANKUNGEN
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5.5 Lebererkrankungen
5.5.1 Hepatitis
? Sie haben gerade Ihren Abschluss gemacht und
fangen in 3 Monaten mit Ihrer ersten Stelle als Arzt in einer Klinik an. Der Betriebsarzt möchte sich über Ihren Hepatitis B-Immunitätsstatus informieren. Welche serologischen Virusmarker muss er hierfür bestimmen?
Zu diesem Zweck werden die Antikörper gegen das HBc- und das HBs-Antigen bestimmt. Positive Anti-HBc-IgG beweisen eine alte, ausgeheilte Infektion, die eine lebenslange Immu­nität hinterlässt. Der Anti-HBs-Antikörpertiter gibt Auskunft über den Impfstatus.
? Der Betriebsarzt ndet in Ihrem Serum einen Anti-
HBs-Titer > 100 IE/l. Anti-HBc-IgG ist negativ. Wofür spricht diese serologische Konstellation? Ist eine Auf­frischimpfung indiziert?
Diese Konstellation zeigt den immunologischen Status nach einer Impfung und ohne eine durchgemachte Infektion. Hät­te sich der Körper mit dem HB-Virus auseinandergesetzt, wären im Serum IgG-Antikörper gegen das Hbc-Antigen nachweisbar, da dieser Marker lebenslang persistiert. Ein
Anti-HBs-Titer > 100 IE/l zeigt einen ausreichenden Impf­schutz an, eine Aurischung ist nicht notwendig.
? Ein junger Vater stellt sich gemeinsam mit seiner
10-jährigen Tochter vor. Beide leiden seit 3 Tagen an Abgeschlagenheit und Oberbauchbeschwerden. Die Konjunktiven beider Patienten sind gelblich verfärbt. Der Vater berichtet, sie seien vor 2½ Wochen von einem Familienurlaub aus der Türkei zurückgekehrt. An welche Erkrankung denken Sie? Begründen Sie Ihre Antwort!
Abgeschlagenheit, Oberbauchbeschwerden und Ikterus sprechen für eine Leberaektion. Die Reiseanamnese und das Auftreten bei Vater und Tochter lassen an eine akute Hepatitis A denken. Die Hepatitis A ist im Mittelmeerraum und südlicheren Gelden endemisch und wird meistens fäkal-oral über kontaminierte Meeresfrüchte, Salat oder
verunreinigtes Wasser übertragen. Reisende inzieren sich daher häug über die gemeinsam verzehrte Nahrung. Auch
der zeitliche Verlauf stimmt: Die Inkubationszeit der Hepa­titis A beträgt im Durchschnitt 2–3 Wochen.
? Hätte die Hepatitis A-Infektion bei Vater und Tochter
verhindert werden können?
Ja. Reisenden in Endemiegebiete wird eine Impfung emp­fohlen.
? Der Patient hat große Angst, dass die Hepatitis A-
Infektion chronisch werden könnte, er habe von solchen Fällen gehört. Können Sie ihn beruhigen?
Ja. Die Hepatitis A heilt vollständig aus. Eine Chronizierung
wird nicht beobachtet.
? In Ihre Sprechstunde kommt ein Patient, der vor
einigen Tagen aus Thailand zurückgekehrt ist. Im Flugzeug habe er gehört, dass sich ein Mann bei seinem letzten Urlaub in dieser Region bei einer Prostituierten mit einem Hepatitis-Virus inziert habe. Er macht sich nun Sorgen und möchte von Ihnen wissen, wann er mit den ersten Symptomen rechnen müsse. Was antworten Sie ihm?
Das Hepatitis B-Virus, kurz HBV, und das Hepatitis C-Virus, kurz HCV, sind sexuell übertragbar. Das Risiko einer sexuel­len Übertragung ist bei HBV allerdings deutlich höher als bei HCV. Selbstverständlich sind auch Doppelinfektionen mög­lich. Die Inkubationszeit beider Viren liegt zwischen 15 und 180 Tagen. Die ersten Symptome können also bis zu einem halben Jahr nach der Infektion auftreten.
? Die lange Inkubationszeit beunruhigt den Patienten.
Er möchte von Ihnen wissen, ob die Viren nicht auch vor dem Auftreten der ersten Symptome nachweisbar seien. Welche Auskunft geben Sie ihm?
Die akute Hepatitis B und C verläuft häug asymptomatisch und macht sich bei einigen Patienten erst viel später durch eine chronische Hepatitis und ihre Komplikationen bemerk­bar. Daher sollte bei Verdacht auf eine Infektion in jedem Fall nach virusspezischen Antikörpern und Virusbestand- teilen gesucht werden:
Die akute Hepatitis B wird durch den Nachweis des
HBs-Antigens diagnostiziert, das etwa 2 Monate nach In­fektion im Blut auftaucht. Früher kann die sie durch den Nachweis der HBV-DNA diagnostiziert werden. Dieser Test gehört allerdings nicht zur Routinediagnostik! Antikörper gegen das HCV werden erst nach 1–5 Monaten
positiv, die akute Infektion wird durch Bestimmung der
HCV-RNA nachgewiesen.
? 2 Monate nach seiner Rückkehr aus Thailand nden
Sie im Labor Ihres Patienten folgende Virusmarker: Anti-HBc-IgM, HBs-Antigen und HBe-Antigen positiv, Anti-HCV und HCV-RNA negativ.Wofür spricht diese Kon­stellation? Worüber müssen Sie den Patienten unbedingt aufklären?
Der Patient hat eine frische Hepatitis B-Infektion. Da das HBe-Antigen positiv ist, ist der Patient infektiös.
147
5 GASTROENTEROLOGIE
? Die Klinik der akuten Hepatitis ist bei allen Virus-
typen gleich. Beschreiben Sie kurz den typischen Ablauf!
Die symptomatische akute Hepatitis beginnt typischerwei­se mit einem Prodromalstadium mit grippalen Symptomen, gastrointestinalen Beschwerden, Arthralgien und Myalgien. Wenige Tage bis einige Wochen später entwickelt sich das Stadium der hepatischen Organmanifestation mit druck­dolenter, vergrößerter Leber, Splenomegalie und Lympha­denopathie. Nur 30 % aller Patienten mit akuter Hepatitis entwickeln einen Ikterus, bei 70 % der Patienten verläuft die Erkrankung anikterisch.
MERKE. Eine akute Hepatitis A verläuft in 75 %, eine akute
Hepatitis B in 35 % und eine akute Hepatitis C in nur 15 % der Fälle symptomatisch!
? Ein Patient mit abgelaufener akuter Hepatitis B
möchte sicher gehen, dass seine Erkrankung wirklich ausgeheilt ist. Welchen serologischen Marker müssen Sie bestimmen?
Die Ausheilung der Hepatitis B wird durch die Serokonver­sion von HBs-Antigen zu Anti-HBs-Antikörpern angezeigt.
? Ab wann sprechen Sie von einer chronischen
Hepatitis B? Wie hoch ist das Chronizierungsrisiko bei einem immunkompetenten HBV-Träger?
Eine Hepatitis B ist chronisch, wenn sie nach 6 Monaten nicht ausgeheilt ist und das Oberächenantigen HBs im Serum persistiert. Eine Viruspersistenz kommt bei etwa 5–10 % der immunkompetenten HBV-Träger vor.
MERKE. Bei immunsupprimierten und Hämodialyse-Pati-
enten,Drogenabhängigen,NeugeborenenHBV-inzierter Mütter,SäuglingenundKleinkindernistdasChronizie-
rungsrisiko deutlich höher (zwischen 20 und 90 %!).
? Welche klinischen und serologischen Verlaufsformen
lassen sich bei der chronischen Hepatitis B abgrenzen?
70–90 % der chronischen HBV-Träger sind klinisch gesund,
man spricht auch vom Status des gesunden HBs-Antigen­Trägers oder einer chronisch inaktiven Hepatitis. Serolo­gisch lassen sich bei diesen Patienten das HBs-Antigen und Antikörper gegen das HBe- und HBc-Antigen nachweisen, die Transaminasen und die Leberhistologie sind meist un-
auällig.
10–30 % der Patienten entwickeln eine chronisch aktive
Hepatitis, die häug mit Müdigkeit, Leberdruckschmerz
und Appetitlosigkeit einhergeht. Typisches serologisches Kennzeichen ist der Nachweis von HBe-Antigen und HBV­DNA. Die Transaminasen sind deutlich erhöht und histolo­gisch zeigt sich eine ausgeprägte entzündliche Aktivität.
? Was sind die beiden wichtigsten Komplikationen der
chronisch aktiven Hepatitis B?
Die wichtigsten Komplikationen sind die Leberzirrhose und das hepatozelluläre Karzinom (siehe Tab. 5.10).
MERKE. Etwa 15–20 % der Patienten mit chronisch aktiver
HepatitisBerkrankeninnerhalbdernächsten10Jahrean
einer Leberzirrhose. Etwa 15 % dieser Patienten entwickeln
innerhalbvon5JahreneinhepatozelluläresKarzinom.
Tab. 5.10 Hepatitis B: Serologie.
positiv negativ
frische Infektion Anti-HBc-IgM, HBs-Antigen
Infektiosität HBe-Antigen
Z. n. Infektion mit Ausheilung Anti-HBs4, Anti-HBc-IgG
Impfung Anti-HBs
chronisch inaktive Hepatitis: Serokon-
version von HBe-Ag zu Anti-HBe
chronisch aktive Hepatitis: fehlende Serokonversion
1
Routinemarker zum Nachweis einer frischen Infektion (wird vor Beginn der klinischen Symptome positiv)
2
Marker für Virusvermehrung (Freisetzung bei Virusreplikation)
3
Marker für nachlassende Viruslast
4
Marker für Ausheilung und Impfung
5
Marker für stattgehabte Infektion (lebenslange Persistenz, „Seronarbe“)
HBs-Antigen, Anti-HBe, Anti-HBc-IgG, ggf. HBV-DNA (wenige Kopien)
HBs-Antigen, HBe-Antigen, HBV-DNA, Anti-HBc-IgG Anti-HBe und Anti-HBs
2
, HBV-DNA Anti-Hbe
4
1
, HBe-Antigen, HBV-DNA Anti-HBs
5
148
3
HBs-Antigen, HBe-Antigen
Anti-HBc-IgG
HBe-Antigen und Anti-HBs
5.5 LEBERERKRANKUNGEN
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? Wie und wann therapieren Sie einen Patienten mit
chronischer Hepatitis B?
Behandlungsbedürftig sind die chronisch aktive Hepatitis B und die Hepatitis B-assoziierte Leberzirrhose. Das Therapie­ziel ist das Erreichen des gesunden HBs-Trägerstatus, also das Verschwinden der HBV-DNA und die Serokonversion von HBe-Antigen zu Anti-HBe-Antikörpern. Ein komplettes Therapieansprechen mit Anti-HBs-Konversion wird selten erreicht. Therapie der Wahl ist die Gabe von pegyliertem Interferon α für 4–6 Monate. Die Ansprechrate liegt hier­mit bei etwa 40 Lamivudin, Entecavir, Tenefovir und Telbicudin eingesetzt werden.
%. Alternativ können Nukleosidanaloga wie
IXOPLQDQWH
+HSDWLWLV
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+%V$J
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Abb. 5.8 Verlaufsformen der
B.
Hepatitis
(UNUDQNXQJV EHJLQQ
,NWHUXVXQG 7UDQVDPLQDVHQ
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$QWL+%F
$QWL+%H
$QWL+%V
? Erläutern Sie kurz, wie die Hepatitis D und die
Hepatitis B zusammenhängen!
Das Hepatitis D-Virus, kurz HDV, ist ein Viroid, das nur aus einem RNA-Molekül besteht. Für seine Vermehrung ist es auf die Hülle des Hepatitis B-Virus angewiesen, weshalb sich nur
Hepatitis B-Träger mit HDV inzieren können.
? Warum ist der zeitliche Zusammenhang zwischen
Hepatitis B- und D-Infektion für die betroenen Patien­ten prognostisch entscheidend?
Abhängig von dem zeitlichen Zusammenhang zwischen der HBV- und HDV-Infektion werden 2 Infektionsformen unter­schieden:
Bei der Superinfektion inziert sich ein HBV-Träger nach-
träglich mit HDV. Klinische Folge ist häug eine fulminant verlaufende akute Hepatitis, die chroniziert und in eine
Zirrhose übergeht.
 0RQDWH
Abb. 5.9 Zeitliche Entwicklung der Hepatitis B-Seromar­ker (aus Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C. et al.: Duale
ReiheInnereMedizin,3.Auage,GeorgThiemeVerlag,
2012).
Bei der Simultaninfektion inzieren sich die Patienten
gleichzeitig mit dem HBV und HDV. Die akute Hepatitis
verläuft häug schwer, heilt aber in 95 % vollständig aus.
? Wie können Sie serologisch zwischen einer Super-
und einer Simultaninfektion unterscheiden?
Der entscheidende serologische Marker ist Anti-HBc-IgM. Dieser Antikörper beweist eine frische Hepatitis B-Infektion und ist in der Regel nur bei Patienten mit Simultaninfektion nachweisbar. Zum Zeitpunkt einer Superinfektion ist der
Antikörper bereits häug verschwunden.
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