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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2770_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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8 Endokrinologie
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Abb. 8.2 Sonograsche und szintigrasche Schilddrüsendiagnostik.
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FP
8.2.3 Hypothyreose und Hashimoto­Thyreoiditis
? Eine 40-jährige Patientin klagt über zunehmende
Apathie, Gewichtszunahme und Obstipation. Ihr sei ständig kalt. Bei der klinischen Untersuchung bemerken Sie eine Struma und eine Bradykardie, die Haut der Patientin wirkt teigig. Welchen Verdacht haben Sie? Wie können Sie diesen im Labor sichern?
Die Symptome sind typisch für eine Schilddrüsenunterfunk­tion. Am häugsten ist die primäre Hypothyreose mit erhöh-
tem basalen TSH und erniedrigten Schilddrüsenhormonen.
? Was sind die häugsten Ursachen einer primären
Hypothyreose? Wie können Sie diese diagnostizieren?
Eine primäre Hypothyreose entsteht am häugsten bei
Patienten mit Autoimmunthyreoiditis oder iatrogen nach Strumektomie, Radiojodtherapie oder Einnahme von Lithi­um oder Thyreostatika.
? Sie vermuten bei Ihrer Patientin eine Hypothyreose
bei Hashimoto-Thyreoiditis. Welche sonograschen, laborchemischen und histologischen Befunde erwarten Sie?
Typisch für die Hashimoto-Thyreoiditis sind
eine verkleinerte Schilddrüse mit sonograsch homoge-
nem, echoarmen Binnenmuster
spezische Autoantikörper gegen Thyreoglobulin und die
thyreoidale Peroxidase, die sog. Tg- und TPO-Autoanti-
körper
histologisch eine lymphozytäre Inltration der Schild-
drüse
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? Was wissen Sie über die Ätiologie und Pathogenese
der Hashimoto-Thyreoiditis?
Bei etwa der Hälfte der Patienten besteht eine familiäre Disposition, die mit bestimmten HLA-Merkmalen asso-
ziiert ist. Sporadisch tritt die Hashimoto Thyreoiditis ge­häuft im Rahmen einer Hepatitis C auf. Pathogenetisch ist die Ha shimoto-Thyreoiditis eine Autoimmunerkrankung. Autoantikörper gegen Thyreoglobulin und die thyreoidale Peroxidase führen zu einer chronischen Entzündung der Thyreozyten, die im Verlauf der Erkrankung untergehen.
? Im Anfangsstadium wird die Hashimoto-Thyreoiditis
gelegentlich mit einem Morbus Basedow verwechselt. Haben Sie hierfür eine Erklärung?
Zu Beginn der Erkrankung setzen die zerstörten Thyreozyten zunächst Schilddrüsenhormone frei, die Patienten können daher an den klassischen Symptomen einer Hyperthyreose leiden. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Patienten mit Morbus Basedow häug TPO-Antikörper und bei Hashimoto Thyreoiditis gelegentlich TRAK-Antikörper nachweisbar
sind. Auch der sonograsche Befund mit homogenem, echo- armem Schallmuster ist ähnlich.
? Wie können Sie bei diagnostischer Unsicherheit
zwischen einer Hashimoto-Thyreoiditis und einem Morbus Basedow dierenzieren?
In unklaren Fällen hilft die Schilddrüsenszintigrae, die bei Morbus Basedow eine vermehrte und bei Hashimoto-Thy­reoiditis eine verminderte Radionuklidspeicherung zeigt.
210
8.2 Schilddrüsenerkrankungen
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MERKE. Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis sind lange
beschwerdefrei.DieDiagnosewirdmeistensimRah-
Zeit
men einer Strumaabklärung oder sehr spät bei manifester Hypothyreose gestellt.
? Wie behandeln Sie Ihre Patientin mit Hashimoto-
Thyreoiditis und Hypothyreose?
Die Hashimoto-Thyreoiditis an sich wird nicht therapiert. Entscheidend ist die Behandlung der Hypothyreose mit einer lebenslangen L-Thyroxin-Substitution.
8.2.4 Schilddrüsenkarzinome
? Ein 35-jähriger Patient ist beunruhigt, da er seit
einigen Wochen einen schnell wachsenden Knoten am Hals bemerkt. Bei der Palpation entdecken Sie einen indolenten, derben Schilddrüsenknoten, der sich nicht verschieben lässt. Sonograsch imponiert der Knoten als unscharf begrenztes, echoarmes 3 die Szintigrae zeigt in diesem Bereich eine verminderte Radionuklidspeicherung. Welchen Verdacht müssen Sie unbedingt abklären und wie gehen Sie diagnostisch vor?
Ein derber, mit der Umgebung verwachsener, szintigrasch
„kalter Knoten“ ist immer malignomverdächtig. Zur Abklä- rung ist eine gezielte Feinnadelpunktion mit zytologischer Untersuchung des entnommenen Materials indiziert.
cm großes Areal,
? Wie überprüfen Sie die Verschieblichkeit der Schild-
drüse? Wofür spricht eine fehlende Verschieblichkeit bei einem Patienten mit Schilddrüsenkarzinom?
Der Untersucher steht hinter dem Patienten, umgreift den Hals mit beiden Händen und palpiert die Schilddrüse mit der
Innenäche seiner Finger. Der Patient wird aufgefordert zu
schlucken. Normalerweise gleitet die Schilddrüse während
des Schluckaktes mit dem Kehlkopf nach kranial. Inltriert
ein fortgeschrittenes Schilddrüsenkarzinom die Umgebung, kann die Schilddrüse dem Schluckakt nicht mehr „folgen“.
? Welche klinischen Befunde und Symptome erwarten
Sie bei Patienten mit Schilddrüsenkarzinom? Wann treten die klinischen Symptome auf?
Ein Schilddrüsenkarzinom kann lange Zeit asymptomatisch sein. Der erste Hinweis ist meistens ein schnell wachsender, schmerzloser Strumaknoten, der bei der Palpation derb wirkt und mit der Umgebung „verbacken“ ist. Manchmal lässt sich am Hals eine derbe Lymphknotenvergrößerung tasten. Klinische Symptome treten auf, wenn der Tumor wächst und Nachbarstrukturen wie Ösophagus, Trachea, N. laryngeus recurrens oder Halsganglien und -gefäße inl- triert oder komprimiert. Typische Symptome sind Schluck­beschwerden, Heiserkeit, inspiratorischer Stridor und Dys-
pnoe, ein Horner-Syndrom und eine obere Einussstauung
(siehe Tab.
8.5).
MERKE. Etwa 10 % aller „kalten Knoten“ sind maligne.
80
%dieserMalignomekönnenzytologischveriziertwer-
EinnegativerZytologiebefundschließteinMalignom
den.
aber nicht aus. Patienten mit anamnestischem oder klini­schem Malignomverdacht sollten daher auch bei negativer
Zytologie
operiertundhistologischuntersuchtwerden.
Tab. 8.5 Schilddrüsenkarzinome: Einteilung.
Metastasierung Tumormarker Therapie der Wahl Prognose
papilläres Karzinom (50 %)
follikuläres Karzinom (20 %)
anaplastisches (undif­ferenziertes) Karzinom (10 %)
medulläres Schilddrüsen­karzinom (5–10 %)
1
dierenzierteSchilddrüsenkarzinome
1
lymphogen Thyreoglobulin
1
hämatogen mäßig: 60 % sind
lymphogen und hämatogen
lymphogen und hämatogen
(Nachweis nach Thy­reoidektomie spricht für Metastasen)
totale Thyreoidektomie, Lym-
Kalzitonin totale Thyreoidektomie,
totale Thyreoidektomie, Lym­phadenektomie, postoperative Radiojodtherapie, L-Thyroxin
phadenektomie, postoperative Strahlentherapie
Lymphadenektomie, palliativ Tyrosinkinaseinhibitoren
gut: 80 % sind durch Therapie heilbar
durch Therapie heilbar
schlecht: mittlere Überlebenszeit 6 Monate
5-JahresÜberlebens­rate: 60–70 %
211
8 Endokrinologie
? Nach der zytologischen Untersuchung stellen Sie bei
Ihrem Patienten die Diagnose „papilläres Schilddrüsen­karzinom“. Welche 3 Schritte umfasst die Therapie der Wahl?
Beim papillären Schilddrüsenkarzinom ist die totale Thy­reoidektomie mit Lymphadenektomie die Therapie der
Wahl. Postoperativ wird der gesamte Körper auf jodspei­chernde Schilddrüsenreste gescannt. Sind solche nachweis­bar, werden sie durch eine thyreoablative Radiojodtherapie entfernt. Anschließend erhalten die Patienten L-Thyroxin in TSH-supprimierender Dosis, um den TSH-vermittelten Wachstumsreiz auf Metastasen zu unterbinden.
? Warum wird die postoperative thyreoablative Radio-
jodtherapie nur bei dierenzierten Schilddrüsenkarzino­men eingesetzt?
Undierenzierte und medulläre Schilddrüsenkarzinome nehmen nicht am Jodstowechsel teil, sie können kein Jod
speichern.
? Welche beiden Erkrankungen sind gelegentlich
mit dem familiären medullären Schilddrüsenkarzinom assoziiert?
Im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie können medulläre Schilddrüsenkarzinome gemeinsam mit einem
primären Hyperparathyreoidismus und einem Phäochromo­zytom auftreten.
MERKE. Der Hypoparathyreoidismus entsteht am
häugstenpostoperativnachStrumektomiemitunbeab­sichtigter Entfernung aller Epithelkörperchen. Seltenere Ursachen sind Autoimmunerkrankungen oder eine Aplasie der Nebenschilddrüsen bei DiGeorge-Syndrom.
? Wie können Sie bei Verdacht auf Hypoparathyreoi-
dismus die gesteigerte neuromuskuläre Erregbarkeit klinisch nachweisen?
Klinisch kann eine latente Tetanie mit Hilfe des Chvostek- und des Trousseau-Zeichens nachgewiesen werden:
Das Chvostek-Zeichen ist positiv, wenn das Beklopfen des
N. facialis zu Mundwinkelzuckungen führt. Das Trousseau-Zeichen ist positiv, wenn die Hände nach
Anlegen einer Blutdruckmanschette die charakteristische
Pfötchenstellung einnehmen.
? Kennen Sie neben der hypokalzämischen Tetanie
noch weitere Symptome bei Hypoparathyreoidismus?
Die Patienten klagen häug über psychische Veränderungen mit gesteigerter Reizbarkeit oder depressiver Verstimmung. Zu den typischen Organmanifestationen bei langjährig unerkanntem Hypoparathyreoidismus zählen Katarakt,
Stammganglienverkalkungen sowie Haar- und Nagelwuchs­störungen. Bei einer Manifestation im Kindesalter kann es zu Minderwuchs und Zahnentwicklungsstörungen kommen.
8.3 Erkrankungen der Nebenschilddrüse und metabolische Knochenerkrankungen
8.3.1 Hypoparathyreoidismus und Hypokalzämie
? Ein Patient klagt nach einer Strumektomie über
Parästhesien an den Armen und im Gesicht. Kurze Zeit später verkrampft er plötzlich, Hände und Füße ver­harren in maximaler Beugestellung. Wie erklären Sie sich diese Befunde und wie werden die Hand- und Fußstel­lung bei diesem Krankheitsbild bezeichnet?
Parästhesien und Karpopedalspasmen sind typisch für die hypokalzämische Tetanie. Die Hände und Füße verharren in der sog. Pfötchenstellung bzw. Spitzfußhaltung. Die Ursache einer Hypokalzämie ist ein postoperativer Hypoparathyreoi- dismus als Folge einer versehentlichen Mitentfernung der Epithelkörperchen bei Strumaresektion.
212
? Wie behandeln Sie Ihren Patienten mit akuter hypo-
kalzämischer Tetanie?
Der Patient erhält 20 ml 10 %-ige Kalziumglukonatlösung sehr langsam i. v.
? Welche Dauertherapie leiten Sie bei Ihrem Patienten
mit postoperativem Hypoparathyreoidismus ein? Welches Ziel verfolgt die Therapie?
Ziel ist eine dauerhafte Anhebung der Kalziumkonzentration im Serum bis in den unteren Normbereich. Hierfür erhalten die Patienten oral 1–2 g Kalzium pro Tag und Vitamin D-Prä- parate zur Steigerung der intestinalen Kalziumaufnahme.
8.3 Nebenschilddrüsen- u. metabolische Knochenerkrankungen
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8.3.2 Hyperparathyreoidismus und Hyperkalzämie
? Eine 44-jährige Patientin klagt über diuse Knochen-
schmerzen, Übelkeit und Polyurie. Die Laborund Urinana­lyse zeigt eine erhöhte Kalziumkonzentration in Serum und Urin, eine gesteigerte renale Phosphatausscheidung bei Hypophosphatämie und eine erhöhte Konzentration der alkalischen Phosphatase. Welche Störung liegt diesen Befunden zugrunde und wodurch wird sie ausgelöst?
Symptome und Laborbefunde sind typisch für einen primä­ren Hyperparathyreoidismus. Die häugste Ursache ist ein solitäres Nebenschilddrüsenadenom, seltener eine Hyper-
plasie aller 4 Epithelkörperchen.
? Wie kommt es zu der typischen Laborkonstellation
des primären Hyperparathyreoidismus?
Bei primärem Hyperparathyreoidismus produziert die Ne­benschilddrüse unabhängig von der Kalziumkonzentration im Blut Parathormon. PTH
steigert die intestinale und die tubuläre Kalziumresorption
fördert die ossäre Kalzium- und Phosphatmobilisation
erhöht die renale Phosphatausscheidung
Die Konzentration der alkalischen Phosphatase steigt re­aktiv durch den erhöhten Knochenumsatz.
? Nennen Sie die wichtigsten Dierenzialdiagnosen der
Hyperkalzämie!
Häuge Ursachen einer Hyperkalzämie sind
osteolytische Knochenmetastasen bei Bronchial-, Mam-
ma- und Prostatakarzinom primär osteolytische Knochentumoren wie das Plasmozy-
tom paraneoplastische Bildung parathormonverwandter Pep-
tide, häug bei kleinzelligem Bronchialkarzinom
primärer Hyperparathyreoidismus
längere Immobilisation
medikamentöse Hyperkalzämie bei Einnahme von Vita-
min D, Tamoxifen, Thiaziddiuretika oder Lithium
Sarkoidose
chronische Nebenniereninsuzienz
MERKE. 90 % der Hyperkalzämien werden durch
Malignome oder einen primären Hyperparathyreoidismus ausgelöst. Der primäre Hyperparathyreoidismus ist die einzige Form der Hyperkalzämie, die mit einer erhöhten Parathormonkonzentration einhergeht!
? Welche Symptome treten bei Patienten mit Hyper-
kalzämie auf?
Die Hyperkalzämie führt zu einer Reihe unspezischer funk- tioneller Symptome, die unter dem Begri des „Hyperkalzä- miesyndrom“ zusammengefasst werden. Hierzu zählen
gastrointestinale Störungen wie Übelkeit, Erbrechen, Ob-
stipation und Appetitlosigkeit neuromuskuläre Symptome mit rascher Ermüdbarkeit,
Apathie, Muskelschwäche, Hyporeexie und depressiver
Verstimmung Störungen der renalen Tubulusfunktion mit Polyurie und
Polydipsie kardiovaskuläre Symptome mit Bradyarrhythmien, Hy-
pertonie und verkürzter QT-Zeit.
? Typisch für den primären Hyperparathyreoidismus ist
die Kombination aus Hyperkalzämiesymptomen, der Ske­lettmanifestation und den gastrointestinalen Störungen. Beschreiben Sie die radiologischen Skelettveränderungen und die gastrointestinalen Symptome!
Am Skelettsystem führt der gesteigerte Knochenabbau zu einer diusen Osteopenie und subperiostalen Akroosteoly-
sen. Die Patienten leiden unter diusen Knochenschmerzen
und Spontanfrakturen. Die Maximalvariante der ossären Manifestation ist die sog. Ostitis brosa cystica generalisa- ta von Recklinghausen mit typischen „braunen Tumoren“ durch Einblutungen in die Resorptionslakunen. Am Gastro­intestinaltrakt führt der primäre Hyperparathyreoidismus gehäuft zu peptischen Magen-Darm-Ulzera und akuten Pan- kreatitiden.
MERKE. Da der primäre Hyperparathyreoidismus
heute
häugfrühzeitigbeiderAbklärungeinerzufällig
entdeckten Hyperkalzämie entdeckt wird, wird die cha­rakteristische Trias der „Stein-, Bein-, und Magenpein“ nur
noch
seltenbeobachtet.InsbesonderedieOstitisbrosa
cystica generalisata von Recklinghausen ist inzwischen eine absolute Rarität. Führendes klinisches Symptom ist meist die Nephrolithiasis.
? Wodurch wird ein sekundärer Hyperparathyreoidis-
mus ausgelöst? Bei welchen Grunderkrankungen wird diese Störung beobachtet?
Der sekundäre Hyperparathyreoidismus entsteht reaktiv bei chronisch erniedrigter Kalziumkonzentration im Blut. Die
häugsten Grunderkrankungen sind
eine chronische Niereninsuzienz mit verminderter Vita-
-Aktivierung und Phosphatretention,
min D
3
eine Malabsorption mit gestörter intestinaler Kalziumund
Vitamin D-Resorption und eine Leberzirrhose mit gestörter Vitamin D3-Bildung.
? Wie sichern Sie die Diagnose „primärer Hyperpar-
athyreoidismus“?
Lässt sich in mehrfachen, voneinander unabhängigen Mes­sungen eine erhöhte Parathormonkonzentration bei Hyper- kalzämie nachweisen, ist die Diagnose zu 95 % gesichert. Zur Lokalisationsdiagnostik eignen sich Sonograe und MRT des
Halses.
213
8 Endokrinologie
? Wie unterscheidet sich die Therapie des primären
Hyperparathyreoidismus bei solitärem Nebenschilddrü­senadenom von der bei Epithelkörperchenhyperplasie?
Das solitäre Adenom wird vollständig operativ entfernt. Bei einer Hyperplasie werden alle Nebenschilddrüsen reseziert. Ein kleiner Epithelkörperchenrest wird anschließend auto­log in den M. brachioradialis oder den M. sternocleidomas­toideus transplantiert, um einen postoperativen Hypopar­athyreoidismus zu vermeiden. Bei einem Rezidiv kann der Epithelkörperchenrest an diesen Stellen einfach und un­kompliziert reseziert werden.
? Zu welcher Komplikation kann es bei Patienten mit
erhöhtem Serumkalziumspiegel kommen? Welche Symp­tome treten auf?
Eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation ist die
hyperkalzämische Krise. Typische Symptome sind Erbre­chen, Polyurie, Exsikkose, Hyperpyrexie, Herzrhythmusstö­rungen und Somnolenz bis hin zum Koma.
8.3.3 Osteoporose
? Eine 62-jährige Patientin klagt über starke Rücken-
schmerzen, die ganz plötzlich während einer Radtour aufgetreten sind. Beschreiben Sie die folgende Röntgen­aufnahme der Wirbelsäule (siehe Abb. 8.3) und stellen Sie eine Diagnose!
Das Röntgenbild zeigt eine Sinterungsfraktur eines Lenden­wirbelkörpers mit Einbruch der Grund- und Deckplatten.
Die übrigen Wirbelkörper wirken wie „umrahmt“: Die Strahlentransparenz ist verstärkt, so dass Grund- und Deck­platten und die vertikalen Spongiosatrabekel hervortreten. Der Befund ist typisch für einen Wirbelkörperbruch mit ge­neralisierter Knochendemineralisierung bei Osteoporose.
? Um welche Form der Osteoporose handelt es sich
wahrscheinlich bei Ihrer 62-jährigen Patientin?
Die wahrscheinlichste Diagnose bei einer 62-jährigen Pa­tientin ist die sog. primäre postmenopausale Osteoporose. Sie tritt etwa 10 Jahre nach Beginn der Menopause auf: Der
Östrogenmangel führt zu einem gesteigerten Knochenabbau.
? Ist die Wirbelkörperfraktur typisch für die postmeno-
pausale Osteoporose? Begründen Sie Ihre Antwort!
Ja. Da bei der postmenopausalen Osteoporose v. a. die spon- giöse Knochenmasse abnimmt, manifestiert sie sich am häugsten an der Wirbelsäule und am distalen Radius.
Abb. 8.3 Detailaufnahme der Lendenwirbelsäule (aus
Imhof, H., Halpern, B., Herneth, A. M. et al.: Pareto-Reihe Radiologie Wirbelsäule, Georg Thieme Verlag, 2006).
? In welchem Alter tritt die sog. primäre senile
Osteoporose auf? Wodurch wird sie ausgelöst?
Die senile Osteoporose tritt in der Regel jenseits des 70. Le­bensjahrs auf. Auslöser sind der normale Alterungsprozess des Knochens, ein alimentärer Kalzium- und Vitamin D-Mangel, mangelnde Sonnenlichtexposition und Bewegungsmangel.
MERKE.DiesenileOsteoporosebetritbeideGeschlech-
ter,FrauenjedochetwadoppeltsohäugwieMänner.
? Welche Fraktur ist bei Patienten mit seniler Osteopo-
rose am häugsten? Begründen Sie Ihre Antwort!
Bei der senilen Osteoporose nehmen die kortikale und die spongiöse Knochenmasse gleichermaßen ab. Frakturen tre­ten v. a. in den langen Röhrenknochen auf, da die Kortikalis hier besonders stark ausgeprägt ist. Die häugste Fraktur­form ist die Schenkelhalsfraktur.
? Welche Grunderkrankungen führen zu einer se-
kundären Osteoporose?
Ursachen einer sekundären Osteoporose sind
Endokrinopathien wie Hyperkortisolismus, Hypogonadis-
mus, Hyperparathyreoidismus und Hyperthyreose
Immobilisation
Malabsorption und Laktoseintoleranz mit verminderter
intestinaler Kalzium- und Vitamin D-Resorption Medikamente wie Glukokortikoide und Heparin
rheumatische Erkrankungen
MERKE.DiehäugstenUrsacheneinersekundärenOs-
teoporose sind eine Langzeittherapie mit Glukokortikoiden und eine längere Immobilisation.
214
8.3 Nebenschilddrüsen- u. metabolische Knochenerkrankungen
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? Bei der klinischen Untersuchung Ihrer Patientin mit
postmenopausaler Osteoporose bemerken Sie mehrere Hautfalten am Rücken und einen Rundrücken. Wie kommt es zu diesen Befunden?
Das Zusammensintern mehrerer Wirbelkörper führt zu einer ausgeprägten Kyphose mit Rundrücken. Die Patienten bemerken diese Veränderungen v. a. an ihrer abnehmenden
Körpergröße. Die überschüssige Haut bildet am Rücken schräge Falten, die von der Mitte der Wirbelsäule nach au-
ßen schwingen. Aufgrund des typischen Verlaufs der Haut­falten bezeichnet man den Befund auch als „Tannenbaum-
Phänomen “.
? Eignet sich das Röntgen für die Früherfassung einer
Osteoporose?
Nein. Im Röntgenbild ist eine Osteoporose erst erkennbar, wenn > 30 % der Knochenmasse abgebaut sind.
MERKE. Das Röntgen ist wichtig für die Frakturdiagnostik
beimanifesterOsteoporose.
? Was ist die sensitivste Untersuchungsmethode zum
Nachweis einer Osteopenie bzw. Osteoporose? Welche Parameter werden bestimmt?
Entscheidend für die Diagnosestellung einer Osteoporose ist der Nachweis einer verminderten Knochendichte in der Knochendichtemessung bzw. Osteodensitometrie. Methode der Wahl ist die Dual X Ray-Absorptiometrie, kurz DXA . Sie ist sehr genau, die Strahlenbelastung ist gering und die Er­gebnisse sind gut reproduzierbar. Bestimmt werden die Knochendichte und der sog. T-Score, also die Anzahl der Standardabweichungen, die der individuelle Messbefund vom Mittelwert der Knochendichte gesunder 30-Jähriger abweicht.
INFOBOX. Osteoporose: Stadieneinteilung
DieOsteoporosewirdabhängigvonT-Score und Klinik in 4 Stadien eingeteilt (siehe Tab. 8.6).
? Welche Maßnahmen umfasst die Basistherapie
bei einer Patientin mit manifester postmenopausaler Osteoporose?
Die Basistherapie umfasst
die Reduktion der Risikofaktoren wie Rauchen, hoher Al-
koholkonsum, Mangelernährung und fehlende Sonnen­lichtexposition, die tägliche Zufuhr von 1000 mg Kalzium und 800 IE Vita-
sowie
min D
3
ein moderates körperliches Training mit Druckbelastung
der Knochen, um den Knochenaufbau zu stimulieren.
? Zusätzlich zur Basistherapie sollten Sie in diesem
Fall eine knochenspezi sche Therapie einleiten. Welche Medikamente setzen Sie hierfür bevorzugt ein?
Substanzklasse der 1. Wahl sind die oralen Bisphosphonate , z. B. Alendronat oder Risedronat.
? Früher wurde bei postmenopausaler Osteoporose
häu g eine Hormonersatztherapie mit einer Östrogen- Gestagen-Kombination durchgeführt. Warum gilt diese Therapieoption heute als obsolet und welche Alternative nutzt man stattdessen?
Die Hormonersatztherapie erhöht das Risiko für Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen, Mammakarzinome und Thromboembo­lien. Heute wird stattdessen der selektive Östrogenrezeptor- modulator Raloxifen eingesetzt, der nur im Knochen- und
Lipidsto wechsel östrogenagonistisch wirkt, an Brustdrüse
und Gebärmutter jedoch antiöstrogen (siehe Tab. 8.7).
Tab. 8.6 WHO-StadieneinteilungderOsteoporose.
Stadium DXA-Messung Klinik
präklinische Osteoporose (Osteopenie) T-Score: -1 bis -2,5 SD keine Frakturen
Osteoporose T-Score:<-2,5SD keine Frakturen
manifeste Osteoporose T-Score:<-2,5SD 1–4 spontane Wirbelkörperfrakturen
fortgeschrittene Osteoporose T-Score:<-2,5SD multiple spontane Wirbelkörperfrakturen, extraspinale
Frakturen
SD = Standardabweichung
215
8 Endokrinologie
Tab. 8.7 AntiresorptiveundstimulierendeSubstanzeninderOsteoporosetherapie.
antiresorptive Substanzen
(Knochenabbau ↓)
stimulierende Substanzen
(Knochenaufbau ↑)
8.3.4 Morbus Paget
? Eine 53-jährige Patientin klagt über dumpfe Schmer-
zen im Becken und in den Beinen. Außerdem habe sie das Gefühl, dass ihr Kopfumfang zugenommen habe. Bei der klinischen Untersuchung bemerken Sie, dass sich die Unterschenkel nach außen biegen. Die radiologische Becken- und Tibiaaufnahme zeigt den folgenden Befund (siehe Abb. 8.4). Beschreiben Sie den radiologischen Befund und stellen Sie eine Verdachtsdiagnose!
Der Beckenbefund zeigt osteolytischen Auockerungen
und Sklerosierungen. Die Tibia ist aufgetrieben und nach außen verbogen. Subperiostal nden sich deutliche Sklero- sierungen, subkortikal wirkt der Knochen wie aufgefasert.
In Kombination mit den klinischen Symptomen spricht der Röntgenbefund für einen Morbus Paget.
Bisphosphonate: Mittel der 1. WahlbeiallenOsteoporoseformen,Wirbelkörper-undSchenkel­halsfrakturrisiko↓
selektiver Östrogenrezeptor-Modulatur (Raloxifen): Mittel der 2. Wahl bei postmenopau-
salerOsteoporoseundWirbelkörperbefall(Wirbelkörperfrakturrisiko↓,aufperiphereFrakturen keineWirkung,zusätzlich:Mammakarzinomrisiko↓)
Strontiumranelat: gute Alternative zu Bisphosphonaten, Wirbelkörper- und Schenkelhalsfrak-
turrisiko↓
Denosumab (monoklonaler Anti-RANKL-Antikörper): Wirbelkörper- und Schenkelhalsfraktur-
risiko↓
PTH-Analogon (Teriparatid):Mittelder2.WahlbeischwererOsteoporose,RisikovonWirbelkör- perfrakturenundnichtvertebralenFrakturen↓(Nachteil:sehrteuer!)
D
? Wie kommt es beim Morbus Paget zu den typischen
radiologischen Veränderungen und Symptomen?
Der Morbus Paget ist durch einen pathologisch gesteigerten Knochenumbau gekennzeichnet. Zu Beginn der Erkrankung
ist die Aktivität der Osteoklasten vermehrt, es kommt zu einem überschießenden, v. a. subkortikalen Knochen- abbau. Mit zunehmender Dauer der Erkrankung werden kompensatorisch die Osteoblasten aktiviert und es über­wiegt der unkoordinierte Knochenanbau, vorwiegend am Periost. Durch den subperiostalen Knochenanbau wirkt der Knochen aufgetrieben und verdickt. Durch die ungenügende Mineralisierung ist der Knochen mechanisch wenig belast­bar und instabil und neigt zu schmerzhaften Verbiegungen und Frakturen.
MERKE.DerMorbusPagetistnachderOsteoporosedie
zweithäugsteKnochenerkrankung.
216
E
Abb. 8.4 Röntgen. aBecken(ausBattegay,E.:Dierenzial­diagnoseInnererKrankheiten,21.Auage,GeorgThieme
Verlag, 2017); b Unterschenkel (aus Reiser, M., Kuhn, F.-P.,
Debus,J.:DualeReiheRadiologie,2.Auage,GeorgThieme
Verlag, 2006).
8.4 Nebennierenerkrankungen
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? Bei der Anamnese Ihrer Patientin mit Morbus Paget
müssen Sie Ihre Fragen häug wiederholen, da sie schlecht hört. Auf Nachfrage gibt sie zu, dass ihr Gehör im letzten Jahr immer schlechter geworden sei. Wie passt dieser Befund zu der Grunderkrankung?
Befällt der Morbus Paget das Felsenbein, kann sich durch Ankylosierung der Ohrknöchelchen bzw. Kompression des N. vestibulocochlearis eine Schallleitungs- bzw. Innenohr-
schwerhörigkeit entwickeln.
? Mit welchen Serum- bzw. Urinparametern können
Sie Aktivität und Verlauf des Morbus Paget beurteilen?
Zur Aktivitäts- und Verlaufsbeurteilung eignen sich die Serumkonzentration der alkalischen Phosphatase und die
Hydroxyprolinkonzentration im Urin.
? Welche Untersuchung sollten Sie bei der Erstdiagno-
se eines Morbus Paget immer durchführen?
Am empndlichsten können befallene Knochenabschnitte
mit der Knochenszintigrae nachgewiesen werden. Der Technetium-Uptake ist bereits erhöht bevor die Läsionen zu klinischen oder radiologischen Befunden führen.
? Wie therapieren Sie einen symptomatischen Morbus
Paget?
Therapie der Wahl ist die Gabe von Bisphosphonaten zur Hemmung der Osteoklastentätigkeit.
8.3.5 Osteomalazie und Rachitis
? Ihre Großmutter klagt seit Jahren darüber, dass der
2.Weltkrieg an ihren O-Beinen Schuld sei. Hat sie mit
dieser Behauptung Recht?
Wahrscheinlich hat sie Recht. Während des Krieges litten viele Kinder an einer Mangelernährung, die zu einer Vitamin D-Unterversorgung mit Rachitis geführt hat.
Knochenverformungen werden nur bei langer Krankheits­dauer beobachtet.
? Nennen Sie die wichtigsten Auslöser der Rachitis
bzw. Osteomalazie!
Da die Mineralisierung des Knochens v. a. durch Vitamin D
geregelt wird, sind die häugsten Auslöser
Vitamin D-Mangel durch verminderte alimentäre Zufuhr,
Malassimilationssyndrom oder ungenügende Sonnen­lichtexposition gestörter Vitamin D-Stowechsel bei Leberzirrhose und
chronischer Niereninsuzienz
Vitamin D-unabhängige Mineralisationsstörungen sind selten, sie können z. bei distal-tubulärer Azidose oder Phosphatdiabetes aus­gelöst werden.
B. durch einen renalen Phosphatverlust
? Beschreiben Sie den typischen Röntgenbefund bei
Patienten mit Osteomalazie!
Charakteristisch sind linienförmige Aufhellungen, die quer zur Knochenlängsachse verlaufen. Diese Kontinuitätsunter­brechungen des Knochens werden auch als Looser-Umbau-
zonen bezeichnet. Sie nden sich häug an Skelettanteilen, die besonders hohen statischen Belastungen ausgesetzt sind.
8.4 Nebennierenerkrankungen
8.4.1 Primärer Hyperaldosteronismus (Morbus Conn)
? Nennen Sie das klassische klinische und das labor-
diagnostische Leitsymptom des primären Hyperaldoste­ronismus!
Das klassische Leitsymptom des primären Hyperaldostero-
nismus ist eine häug schwer einstellbare hypokaliämische Hypertonie mit metabolischer Alkalose.
? Wodurch entstehen Rachitis und Osteomalazie? Was
ist der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Erkrankungen?
Beide Erkrankungen entstehen durch eine ungenügende Mi­neralisierung der unverkalkten Knochengrundsubstanz.
Tritt diese Mineralisationsstörung während der Wachs-
tumsphase auf, führt sie zum Krankheitsbild der Rachitis. Da hier wachsende Knochen und Wachstumsfugen betrof-
fen sind, entwickeln sich häug Wachstumsstörungen und
Skelettdeformierungen, der Knochen ist frakturanfällig. Bei der Osteomalazie tritt die Mineralisationsstörung am
erwachsenen Skelett auf, die Wachstumsfugen sind bereits geschlossen. Im Vordergrund stehen Knochenschmerzen
und Muskelschwäche. Ist die Glutealmuskulatur betroen, zeigen die Patienten häug einen typischen Watschelgang.
? Nennen Sie die beiden häugsten Ursachen des
primären Hyperaldosteronismus!
In etwa 70 % der Fälle entsteht er durch ein Aldosteron­produzierendes Adenom der Nebennierenrinde. 20 % der Patienten leiden an einem sog. idiopathischen primären Hyperaldosteronismus durch eine bilaterale Nebennieren­rindenhyperplasie (Abb. 8.5).
217
8 Endokrinologie
Abb. 8.5 Nebennierenrindenhyperplasie. Die Pfeile zei­gen die beidseitig vergrößerten Nebennieren (aus Baenkler,
H.-W.,Goldschmidt,H.,Hahn,J.-M.etal.:Kurzlehrbuch InnereMedizin,3.Auage,GeorgThiemeVerlag,2015).
? Wodurch wird ein sekundärer Hyperaldostero-
nismus ausgelöst? Bei welchen Erkrankungen wird er beobachtet?
Die häugsten Ursachen sind
verminderte Nierenperfusion bei maligner Hypertonie,
Nierenarterienstenose, renoparenchymatösen Erkrankun­gen, absolutem Volumenmangel und Erkrankungen mit
Ödembildung wie Herzinsuzienz, Leberzirrhose oder
nephrotisches Syndrom Hyponatriämie, z. B. durch tubuläre Natriumverluste
gestörter Aldosteronabbau bei Leberzirrhose
? Sie haben bei einem Patienten den Verdacht
auf einen primären Hyperaldosteronismus. Welche Werte bestimmen Sie im Plasma, um Ihren Verdacht zu erhärten? Welche Medikamente sollten die Patienten vorher absetzen?
Als Screeningtest eignet sich die Bestimmung des Aldos­teron-Renin-Quotienten im Plasma. Bei Patienten mit
primärem Hyperaldosteronismus liegt der Quotient durch die gesteigerte Aldosteron- und die supprimierte Renin­produktion > 200. ACE-Hemmer, Sartane, Diuretika und
β-Blocker beeinussen die Aldosteronsekretion und müssen
2 Wochen vor dem Test abgesetzt werden.
MERKE. Bei Patienten mit sekundärem Hyperaldostero-
nismus sind sowohl Renin als auch Aldosteron erhöht, der Quotient also normal.
? Der Aldosteron-Renin-Quotient im Plasma liegt bei
Ihrem Patienten mit Verdacht auf primären Hyperaldos­teronismus > 200. Mit welchem Funktionstest bestätigen Sie Ihre Diagnose?
Eine autonome, Regelkreis-unabhängige Aldosteronproduk­tion kann mit dem Kochsalzbelastungstest nachgewiesen werden. Normalerweise nimmt die Aldosteronproduktion der Nebennierenrinde nach Kochsalzzufuhr ab. Bei primä­rem Hyperaldosteronismus wird die Aldosteronproduktion nur unzureichend oder gar nicht supprimiert.
? Die Labor- und Funktionsdiagnostik hat Ihren
Verdacht auf einen primären Hyperaldosteronismus bestätigt. Wie können Sie nun zwischen einem Neben­nierenrindenadenom und einem idiopathischen Hyper­aldosteronismus unterscheiden?
Diese Dierenzierung gelingt mit bildgebenden Verfahren
wie der Abdomen-MRT oder -CT und dem Orthostasetest. Der Orthostasetest misst die Plasmaaldosteronkonzen­tration nach einer Ruhephase, also z. B. morgens vor dem Aufstehen, und nach 2–4-stündiger Bewegung oder Stehen. Da die Nierendurchblutung im Stehen abnimmt, steigt die Aldosteronkonzentration bei funktionierendem Regelkreis reaktiv an.
Typisch für das Aldosteron-produzierende Adenom sind
der Nachweis eines einseitigen Nebennierenrindentumors in der MRT oder CT und ein fehlender Aldosteronanstieg im Orthostasetest. Bei bilateraler Nebennierenrindenhyperplasie ist die bild-
gebende Diagnostik häug unauällig, nur gelegentlich zeigt sich eine bilaterale Raumforderung. Da die Rück­kopplung durch das Renin-Angiotensin-Aldosteron-Sys­tem noch funktioniert, steigt die Aldosteronkonzentration im Orthostasetest an.
? Nach Abschluss der Diagnostik stellen Sie bei Ihrem
Patienten die Diagnose „primärer Hyperaldosteronismus bei linksseitigem Nebennierenrindenadenom“. Wie therapieren Sie ihn?
Nebennierenrindenadenome werden operativ entfernt. Prä- operativ erhält der Patient einen Aldosteronantagonisten wie Spironolacton, um den Blutdruck zu senken und die Hypokaliämie auszugleichen.
MERKE. Der idiopathische Hyperaldosteronismus mit
bilateraler Nebennierenrindenhyperplasie wird medikamen­tös mit Aldosteronantagonisten behandelt.
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8.4.2 Hyperkortisolismus (Morbus
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Cushing und Cushing-Syndrom)
? Eine 44-jährige Patientin klagt über eine Gewichtszu-
nahme in den letzten Monaten, insbesondere der Bauch sei immer fülliger geworden. Sie fühle sich abgeschlagen und schwach, Treppensteigen sei eine echte Strapaze. Bei der Inspektion bemerken Sie die folgenden Befunde. Für welche Störung sprechen die Symptome? Siehe Abb.
Die Patientin hat ein ausgeprägtes Vollmondgesicht mit Ge­sichtsrötung und einen verbreiterten Nacken. An der Bauch-
haut nden sich mehrere rötlich-livide Streifen. Die verän- derte Physiognomie, die Striae distensae, die stammbetonte Adipositas und die Abgeschlagenheit sind typisch für das Cushing-Syndrom bei chronischem Hyperkortisolismus.
8.6
? Was ist die häugste Ursache eines chronischen
Hyperkortisolismus?
Die häugste Ursache ist eine medikamentöse Langzeitthe­rapie mit Glukokortikoiden.
8.4 Nebennierenerkrankungen
? Die Patientin mit Cushing-Syndrom gibt glaubhaft
an, dass sie noch nie mit Glukokortikoiden oder anderen Medikamenten behandelt worden sei. Ein exogenes Cus­hing-Syndrom können Sie demnach ausschließen. Was sind die wichtigsten Ursachen des endogenen Cushing­Syndroms? Nach welchem Gewichtspunkt können Sie diese einteilen?
Beim endogenen Cushing-Syndrom werden ACTH-abhängi­ge und –unabhängige Formen unterschieden.
ACTH-abhängig sind der zentrale Morbus Cushing bei
ACTH-produzierendem Hypophysenvorderlappenadenom und das paraneoplastische Cushing-Syndrom durch ektope ACTH-Produktion. ACTH-unabhängig ist das adrenale Cushing-Syndrom bei
Kortisol-produzierendem Nebennierenrindenadenom.
MERKE. Der zentrale Hyperkortisolismus bei ACTH
produzierendem Hypophysenvorderlappenadenom wird als Morbus Cushing bezeichnet. Alle anderen Formen des Hy­perkortisolismuswerdenunterdemBegri„Cushing-Syn­drom“ zusammengefasst!
? Fassen Sie die typischen klinischen Symptome des
Cushing-Syndroms zusammen!
Die wichtigsten Symptome sind
Gewichtszunahme mit stammbetonter Fettverteilung,
Vollmondgesicht mit Plethora, sowie Fettpolster in Nacken und Supraklavikulargruben metabolische Veränderungen mit Hyperlipidämie, gestör-
ter Glukosetoleranz und Steroiddiabetes
arterielle Hypertonie
Hautatrophie mit Striae distensae und Hämatomneigung
Abb. 8.6 Makroskopischer Aspekt der Patientin (aus Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C. et al.: Duale Reihe
Medizin,3.Auage,GeorgThiemeVerlag,2012).
Innere
Wundheilungsstörungen
Osteoporose, Muskelschwäche und Adynamie
Akne
erektile Dysfunktion und Libidoverlust bei Männern
Virilismus, Hirsutismus und sekundäre Amenorrhö bei
Frauen erhöhte Infektanfälligkeit und Neigung zu Furunkeln
psychische Veränderungen mit Stimmungslabilität, De-
pression, Euphorie und Angstattacken
? Welche Laborveränderungen erwarten Sie bei chro-
nischem Hyperkortisolismus?
Im Labor zeigen sich eine Eosino- und Lymphopenie, eine Leuko-, Thrombo- und Erythrozytose, eine Hypokaliämie und eine Hypernatriämie.
? Wie weisen Sie bei Ihrer Patientin mit Verdacht auf
Hyperkortisolismus die inadäquat gesteigerte Kortisolse­kretion nach?
Typisch sind die erhöhte Ausscheidung des freien Kortisols im 24-Stunden-Sammelurin und die aufgehobene Tages­rhythmik im Kortisoltagesprol. Die autonome Kortisolpro­duktion kann im niedrig dosierten Dexamethason-Hemm- test nachgewiesen werden. Bei intaktem Regelkreis fällt der morgendliche Kortisolspiegel nach Einnahme von 2
Dexamethason um Mitternacht auf < 3 μg/dl. Bei Patienten
mit Cushing-Syndrom bleibt diese Suppression aus oder ist unzureichend.
mg
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