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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2770_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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9 Rheumatologie
Tab. 9.2 Rheumatoide Arthritis: Disease-modifying antirheumatic Drugs (DMARDs) und Biologicals.
Wirksto Indikation unerwünschte Wirkungen
Methotrexat (MTX)
Le unomid Unverträglichkeit oder Kon-
Sulfasalazin milde RA
(Hydroxy) chloroquin
Ciclosporin A Mittel der 2. Wahl,
Biologicals (s. u.) therapierefraktäre RA Reaktionen an der Einstichstelle, Reaktivierung einer Tuberkulose, erhöhte
RA=rheumatoideArthritis,MTX=Methotrexat,HWZ=Halbwertszeit ZudenBiologicals zählen:
TNF-α-Inhibitoren :Etanercept,Iniximab,Adalimumab,Golimumab,Certolizumab
B-Zellantikörper: Rituximab
Interleukin-6-Antagonisten : Tocilizumab
Ko-Stimulationsblocker: Abatacept
Mittel der 1. Wahl gastrointestinale Beschwerden, Mukositis (Stomatitis, Gastritis), Alopezie,
traindikationen gegen MTX Kombinationstherapie
Kombinationstherapie
milde RA Kombinationstherapie
Kombinationstherapie
Myelosuppression,Nierenfunktionsstörungen,Transaminasen↑,
Pneumonitis, Teratogenität (Cave:ezienteKontrazeption!) Beachte: 24 h nach MTX-Gabe muss Folsäure substituiert werden!
gastrointestinale Beschwerden, Myelosuppression, Blutdruckerhöhungen,
Hautausschläge,Teratogenität(langeHWZ→voreinerSchwangerschaft
Auswaschphase mit Cholestyramin)
Kopfschmerzen, allergisches Exanthem, gastrointestinale Beschwerden, Myelosuppression, Leberfunktionsstörungen
Hornhauteinlagerungen mit irreversibler Retinopathie, gastrointestinale Beschwerden, neurologische Störungen (Kopfschmerzen, Schwindel, Hör­störungen, Polyneuropathie) Cave: regelmäßige Augenarztkontrollen!
nephro-, hepato- und neurotoxisch, Gingivahyperplasie, Hypertrichose, Ödeme, Bluthochdruck
Infektneigung
9.2 Spondyloarthritiden
9.2.1 Allgemeines
? Welche Erkrankungen werden unter dem Sammelbe-
gri der Spondyloarthritiden zusammengefasst?
Unter den Sammelbegri der Spondyloarthritiden fallen fol-
gende Erkrankungen:
Spondylitis ankylosans
Psoriasisarthritis
reaktiven Arthritiden
enteropathische Arthritis
undi erenzierte Spondyloarthritis
? Über welche gemeinsamen Kriterien sind die Spon-
dyloarthritiden de niert?
Gemeinsame Kriterien der Spondyloarthritiden sind
potenzielle Wirbelsäulenbeteiligung mit Spondylitis und
Sakroiliitis periphere Gelenkbeteiligung mit asymmetrischer Oligoar-
thritis v. a. der unteren Extremität Enthesiopathien durch Befall von Sehnen und Sehnen-
ansätzen genetische Disposition durch Assoziation mit dem HLA-
B27-Merkmal
240
MERKE. Die HLA-B27-Assoziation ist bei den einzelnen
Spondyloarthritiden unterschiedlich stark ausgeprägt, die stärkste Assoziation besteht bei der Spondyloarthritis ankylosans: 90 % der Patienten sind HLA-B27 positiv. Die Assoziation mit den anderen Erkrankungen (z. B. reaktive Arthritis und Psoriasis-Arthritis) ist deutlich schwächer. Sie
steigtabersignikantbeieinemBefallderWirbelsäule.
INFOBOX. Spondyloarthritiden
ZurKlassikationmüssen1Haupt-undmindestens 1Zusatzkriteriumvorliegen.
Hauptkriterien:
• entzündlicher Rückenschmerz
asymmetrischeOligoarthritis(v.a.derunterenExtre- mität)
Zusatzkriterien:
• positive Familienanamnese für Spondylitis ankylosans, Psoriasis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, reaktive Arthritis
• aktuelle chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Morbus Whipple)
• aktuelle oder anamnestische Psoriasis vulgaris
• Enthesiopathien
• radiologischer Nachweis einer Sakroiliitis
? Welche Rolle spielen Autoantikörper in der Diagnos-
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tik der Spondyloarthritiden?
Autoantikörper wie Rheumafaktoren, Anti-CCP-Antikörper oder ANA sind bei den Spondyloarthritiden typischerweise nicht nachweisbar.
MERKE. Aufgrund des fehlenden Rheumafaktors werden
dieErkrankungenhäugals„seronegativeSpondyloarthri-
tiden“ bezeichnet.
9.2.2 Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew )
Unter welchem Leitsymptom leiden Patienten mit
?
beginnender Spondylitis ankylosans?
Das typische Leitsymptom ist der „entzündliche Rücken­schmerz“. Die Patienten klagen über chronische, tiefsitzen- de Rückenschmerzen, die ihr Maximum charakteristischer- weise in den frühen Morgenstunden erreichen und sich bei Bewegung bessern. In manchen Fällen strahlen die Schmer-
zen ischiasartig in die Kniekehlen und Beine aus.
? Durch welche Veränderung entsteht der ent-
zündliche Rückenschmerz bei Patienten mit Spondylitis ankylosans? Mit welcher Untersuchung können Sie diese klinisch nachweisen? Beschreiben Sie kurz den Ablauf der Untersuchung!
Die Rückenschmerzen entstehen durch entzündliche Verän­derungen in den Sakroiliakalgelenken. Klinisch lässt sich die Sakroiliitis durch den Menell-Handgri nachweisen: Der Pa-
tient liegt auf dem Bauch, Kreuzbein und Becken werden vom
Untersucher mit einer Hand  xiert. Anschließend wird der
Oberschenkel mit der anderen Hand nach dorsal überstreckt. Klagen die Patienten bei diesem Manöver über Schmerzen in der Sakroiliakalregion, liegt vermutlich eine Sakroiliitis vor.
MERKE. Die Sakroiliakalgelenke sind bei der Spondylitis
ankylosanstypischerweisezuerstbetroen.
? Welches bildgebende Verfahren eignet sich am
besten zur Frühdiagnose einer Sakroiliitis? Beschreiben Sie den charakteristischen Befund!
Am sichersten lässt sich eine Sakroiliitis in der MRT nach­weisen. Bei gesichertem Nachweis einer Sakroilitis im MRT und noch fehlenden Veränderungen in der konventionellen Röntgendiagnostik spricht man heute von einer nicht-radio- gra schen axialen Spondyloarthritis. Typisch für die Sakroi­litis im konventionellen Röntgen sind das „bunte Bild“ mit verwaschenem und unregelmäßig erweitertem Gelenkspalt und das Nebeneinander von ausgeprägten subchondralen Sklerosen und Erosionen.
9.2 Spondyloarthritiden
Abb. 9.3 MRT: Sakroiliitis bei aktiver Spondylitis ankylosans (ausBattegay,E.:DierenzialdiagnoseInnerer
Krankheiten,21.Auage,GeorgThiemeVerlag,2017).
INFOBOX. Sakroiliitis: Radiologische Charakteristika
Stadium 1: verwaschener Gelenkspalt, unregelmäßige
Gelenkspalterweiterungen, leichte subchondrale Sklerosierung
Stadium 2: unregelmäßige Gelenkspalterweiterungen,
ausgeprägte subchondrale Sklerosierung, Erosionen (typisches „Perlschnurbild“, „buntes Bild“)
Stadium 3: eingeengter Gelenkspalt, Erosionen, sub-
chondrale Sklerosierung, partielle Ankylosierung
Stadium 4: totale Ankylosierung
? Der Patient hat gelesen, dass es einen genetischen
Marker gibt, der die Diagnose „Spondylitis ankylosans sichern könne. Welchen Marker meint er und welche Bedeutung hat dieser Marker für die Diagnose?
Gemeint ist HLA-B27 , das bei etwa 90 % der Patienten mit Spondylitis ankylosans nachweisbar ist. In der Gesamt­bevölkerung sind ca. 8 % aller Menschen HLA-B27 positiv, es erkranken aber nur etwa 2 % aller Merkmalsträger an einer Spondylitis ankylosans. Der alleinige HLA-B27-Nachweis reicht daher nicht aus, um die Diagnose zu sichern. Lässt er sich bei Patienten mit typischem entzündlichem Rücken­schmerz nachweisen, ist die Diagnose aber wahrscheinlich und es sollte eine weiterführende Diagnostik veranlasst werden.
MERKE. 90 % der Patienten mit Spondylitis ankylosans
sind HLA-B27-positiv.
241
9 Rheumatologie
? Beschreiben Sie kurz den typischen klinischen Habi-
tus eines Patienten mit langjähriger und fortgeschritte­ner Spondylitis ankylosans! Wodurch entsteht er?
Bei diesen Patienten kommt es zu einer Versteifung der gesamten Wirbelsäule: Charakteristisch sind eine Hyper­kyphose der BWS und eine Hyperlordose der LWS. Die Ver-
änderungen werden durch einen entzündlichen Befall des Achsenskeletts, die sog. Spondylitis, ausgelöst. Zu Beginn
ist in der Regel der thorakolumbale Übergang betroen, im
Verlauf greift die Entzündung auch auf Brust- und Halswir­belsäule über. Siehe Abb. 9.4
? Mit welchen beiden Bewegungsmaßen können Sie
die Beweglichkeit der Brust- bzw. Lendenwirbelsäule überprüfen? Beschreiben Sie kurz den Ablauf der Unter­suchungen!
Die Beweglichkeit der BWS wird mit dem Bewegungsmaß nach Ott quantiziert. Hierfür werden am stehenden Pa-
tienten Hautmarken über dem Dornfortsatz C7 und 30 cm weiter kaudal gesetzt. Bei Personen mit normaler Beweg­lichkeit der BWS vergrößert sich der Abstand bei maximaler Vorwärtsneigung auf mindestens 33 cm. Die Beweglichkeit in der LWS wird mit dem Schober-Maß beurteilt. Am stehen­den Patienten werden Hautstellen über dem Dornfortsatz S1 und an einem Punkt 10 cm weiter kranial markiert. Bei nor­maler Beweglichkeit in diesem Wirbelsäulenabschnitt ver­größert sich der Abstand bei maximaler Vorwärtsneigung auf mindestens 15 cm. Siehe Abb. 9.5
Abb. 9.4 Typische Haltung bei fortgeschrittener Spondylitis ankylosans (aus Manger, B., Schulze-Koops,
H.:ChecklisteRheumatologie.4.Auage,GeorgThieme
Verlag, 2012).
242
C 7
30 cm
10 cm
S 1
FBA
32 cm
17 cm
Abb. 9.5 Ott- und Scho­berzeichen (aus Niethard,
F.U.,Pfeil,J.,Biberthaler, P.:DualeReiheOrthopädie
und Unfallchirurgie, 8. Auf­lage, Georg Thieme Verlag,
29 cm
7 cm
2017).
cba
? Nennen Sie die typischen konventionell-radio-
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logisch nachweisbaren Veränderungen der Spondylitis ankylosans an der Brust- und Lendenwirbelsäule!
Hochcharakteristisch für die Spondylitis ankylosans sind
Syndesmophyten durch Verknöcherungen des Anulus
brosus, die im fortgeschrittenen Krankheitsstadium zum
radiologischen Bild der sog. Bambusstabwirbelsäule führen, Spondylitis anterior bzw. Romanus-Läsionen mit Bildung
von Kasten- und Tonnenwirbeln und sterile Spondylodiszitis bzw. Anderson-Läsionen.
Siehe Abb.
9.6
? Kennen Sie neben der Sakroiliitis und der Spondylitis
noch weitere Manifestationen der Spondylitis ankylosans?
Weitere häuge Manifestationen der Spondylitis ankylosans
sind
Enthesiopathien mit Sehnenansatzschmerzen typischer-
weise an den Fersen und den Sitzbeinhöckern
periphere Oligoarthritis, häug an der unteren Extremität
rezidivierende Iridozyklitiden mit geröteten Augen und
brennenden Schmerzen
? Ein Patient mit langjähriger Spondylitis ankylosans
berichtet Ihnen, dass er in den vergangenen 12 Monaten eine schleichend zunehmende Luftnot bei Belastung verspüre.Was ist die häugste Ursache für diese Be­schwerden?
Durch die entzündlichen Veränderungen in den Interver­tebralgelenken und dem Bandapparat der Brustwirbelsäule wird die Thoraxbeweglichkeit eingeschränkt, so dass sich eine restriktive Ventilationsstörung entwickeln kann.
9.2 Spondyloarthritiden
? Beschreiben Sie die beiden therapeutischen Haupt-
säulen bei der Spondylitis ankylosans!
Die beiden wichtigsten Maßnahmen sind
eine entzündungshemmende Schmerztherapie mit klassi-
schen nicht-steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR, wie Diclofenac, Ibuprofen oder Indometacin und eine regelmäßige krankengymnastische Behandlung, um
die Bewegungsfähigkeit zu erhalten und die progrediente Bewegungseinschränkung aufzuhalten.
MERKE. Eine konsequente Physiotherapie ist bei der
Spondylitis ankylosans die wichtigste prophylaktische Maßnahme zur Vermeidung einer kompletten Wirbelsäu­lenversteifung.
? 5 Monate nach Beginn der NSAR-Therapie klagt Ihr
Patient mit Spondylitis ankylosans, dass er trotz der maximal zulässigen Diclofenacdosis unter neu aufgetre­tenen, wiederkehrenden Schmerzen in den Knie- und Sprunggelenken leide. Welche ergänzende medikamen­töse Therapie empfehlen Sie in diesem Fall?
Abb. 9.6 Verknöcherung der Längsbänder und Inter­vertebralgelenke an der Wirbelsäule (sog. Bambus­stabwirbelsäule) (aus
P.:DualeReiheOrthopädieundUnfallchirurgie,8.Auage,
Georg Thieme Verlag, 2017).
Bei einer peripheren Gelenkbeteiligung werden konventio­nelle Basistherapeutika eingesetzt. Besonders eektiv sind Sulfasalazin und Methotrexat.
Niethard,F.U.,Pfeil,J.,Biberthaler,
? Sie verschreiben Ihrem Patienten mit Spondylitis
ankylosans und peripherer Oligoarthritis Methotrexat. Der Patient möchte von Ihnen wissen, ob er in dieser Situation auf die Einnahme von Diclofenac verzichten könne, da das neue Medikament doch sicherlich auch gegen seine Rückenschmerzen wirke. Was antworten Sie ihm?
Methotrexat hat keinen Einuss auf den entzündlichen Rü- ckenschmerz, der Patient muss weiterhin Diclofenac ein-
nehmen.
243
9 Rheumatologie
MERKE. Methotrexat und Sulfasalazin werden bei Patien-
ten mit Spondylitis ankylosans ausschließlich zur Therapie der peripheren Arthritis eingesetzt. Auf den entzündlichen
RückenschmerzhabensiekeinenEinuss!
? Ein Patient mit gesicherter Diagnose einer Spondyli-
tis ankylosans leidet unter der Therapie mit verschiede­nen NSAR in maximal möglicher Dosierung an anhaltend starken entzündlichen Rückenschmerzen. BSG und CRP sind deutlich erhöht. Welche Therapie empfehlen Sie?
In diesem Fall kommt in erster Linie eine Therapie mit TNF- α-Inhibitoren wie z. B. Iniximab, Adalimumab oder Etaner- cept oder dem IL-17-Antagonisten Secukinumab in Frage.
9.2.3 Psoriasisarthritis
? Ein Patient mit bekannter Psoriasis vulgaris klagt
über Gelenkschmerzen. Auf welche typischen Gelenkver­teilungsmuster müssen Sie bei Verdacht auf Psoriasis­arthritis bei der klinischen Untersuchung achten?
Für die Psoriasisarthritis sind 5 Gelenksbefallsmuster be­schrieben:
asymmetrische Oligoarthritis v. a. der proximalen und
distalen Interphalangealgelenke; charakteristisch ist die
Daktylitis mit strahlförmigem Befall von Grund-, Mittel­und Endgelenk einer Phalanx und begleitender Weichteil­schwellung, die zum typischen Aspekt des sog. „Wurst-
ngers“ führt;
symmetrische Polyarthritis
axialer Befall mit Sakroiliitis und Spondylitis
distale interphalangeale Arthritis mit Transversalbefall der
distalen Interphalangealgelenke eine schwer verlaufende Arthritis mutilans mit rascher
Zerstörung der Gelenkstruktur
? An welchen Körperregionen sollten Sie nach psoriati-
schen Hautveränderungen suchen?
Prädilektionsstellen der Psoriasis sind
behaarte Kopfhaut
Streckseiten von Knie und Ellenbogen
Sakral- und Analregion
Handächen und Fußsohlen
äußerer Gehörgang bzw. retroaurikuläre Region
? Häug sind die Veränderungen der Psoriasis an der
Haut nur diskret ausgeprägt. Wo können Sie noch nach charakteristischen Veränderungen suchen und wie sehen diese aus?
Häug nden sich bei einer Psoriasis Veränderungen an den
Finger- und Zehennägeln. Typisch für die Nagelpsoriasis sind
Tüpfel- oder Krümelnägel
Querrillen
Weißeckungen
subunguale Keratosen am Nagelbett
In fortgeschrittenen Stadien sind Onycholysen möglich.
? Ist der anamnestische oder aktuelle Befund einer
Psoriasis vulgaris notwendig, um die Diagnose „Psoriasis­arthritis“ zu stellen?
Nein. Bei einigen Patienten geht der Gelenkbefall dem Auf­treten der Hautveränderungen um Jahre voraus. In diesen Fällen spricht man auch von einer „Psoriasisarthritis sine
Psoriase“.
? Sie haben bei einer Patientin den Verdacht auf eine
Psoriasisarthritis mit symmetrischem, polyarthriti­schem Befallsmuster. An welche andere rheumatische Erkrankung müssen Sie dierenzialdiagnostisch denken und wie können Sie die beiden Gelenkerkrankungen von­einander abgrenzen?
Die wichtigste Dierenzialdiagnose der symmetrischen,
polyarthritischen Psoriasisarthritis ist die rheumatoide Ar­thritis. Entscheidende Unterschiede zeigt die Labor- und die radiologische Diagnostik:
Bei rheumatoider Arthritis sind im Labor meistens Anti-
CCP-Antikörper und/oder Rheumafaktoren nachweisbar. Bei der Psoriasisarthritis fehlen diese Autoantikörper. Radiologisch zeigen sich bei der rheumatoiden Arthritis
konzentrische Gelenkspaltverschmälerungen und Erosio­nen. Typisch für die Psoriasisarthritis ist das Nebeneinan­der osteoproliferativer Veränderungen mit sog. Protube-
ranzen und Osteolysen.
? Welche radiologischen bzw. makroskopischen
Befunde können Sie häug bei Patienten mit mutilieren­der Psoriasisarthritis nachweisen?
Typisch für die mutilierende Psoriasisarthritis sind das
„Pencil in Cup-Phänomen“ und der sog. Teleskopnger. Das „Pencil in Cup-Phänomen“ entsteht durch zuspitzende Os-
teolysen an den Fingern, die gegenüberliegenden Gelenkan­teile wirken ausgehöhlt. Der Befund erinnert an einen Füll­halter in seiner Kappe. Bei den sog. Teleskopngern sind die Finger durch die Osteolysen verkürzt, so dass die Haut wie bei einem Teleskop ausgezogen werden kann. Siehe Abb. 9.7
? An welche Dierenzialdiagnose sollten Sie bei
einem Patienten mit Psoriasis und Transversalbefall der Endgelenke denken?
Bei diesen Patienten muss dierenzialdiagnostisch an eine
aktivierte Heberden-Arthrose gedacht werden, eine idio­pathische Arthrose der distalen Interphalangealgelenke, die durch genetische oder hormonelle Faktoren sowie durch Überbelastungen bedingt sein kann.
244
9.2 Spondyloarthritiden
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Bleiben NSAR wirkungslos, sollte ähnlich wie bei der rheu­matoiden Arthritis eine Basistherapie mit langwirksamen Immunsuppressiva eingeleitet werden. Das Mittel 1. Wahl ist Methotrexat, da es sowohl die Arthritis als auch die pso-
riatischen Hauteoreszenzen bessern kann.
? Was können Sie tun, wenn die Psoriasisarthritis Ihres
Patienten auch nach einer mehrmonatigen Therapie mit Methotrexat noch aktiv ist?
Spricht die Psoriasisarthritis unzureichend auf konventio­nelle Basistherapeutika wie Methotrexat an, haben sich Biologika (TNF-α-Inhibitoren, Secukinumab, Ustekinumab) und der PDE5-Hemmer Apremilast als wirksam erwiesen. TNF-α-Inhibitoren können auch die kutane Psoriasis ein­drucksvoll verbessern.
D
E
Abb. 9.7 Mutilierende Psoriasisarthritis: a klinischer Aspekt (aus Greten, H., Rinninger, F., Greten, T.: Innere Medizin,13.Auage,GeorgThiemeVerlag,2010);b Röntgenbild einer linken Hand: Arthritis psoriatica mit schwersten Mutilationen: Teleskop-Phänomene an den Strahlen I, II, IV und V sowie deutliche Flexionsfehlstellun­gen. Subluxation des Caput ulnae (aus Schmitt, R., Lanz,
U.:BildgebendeDiagnostikderHand,3.Auage,Georg
Thieme Verlag, 2014).
? Welche medikamentöse Therapie empfehlen Sie ei-
nem Patienten mit hochaktiver polyartikulärer Psoriasis­arthritis trotz hochdosierter Diclofenaceinnahme?
? Unter welchen Symptomen leiden Patienten mit
SAPHO-Syndrom?
Patienten mit SAPHO Syndrom leiden an
Synovitis
Akne
palmarer oder plantarer Psoriasis pustulosa oder vulgaris
sternoklavikulären Hyperostose
Osteitis
9.2.4 Reaktive Arthritis und Reiter­Syndrom
? Ein 32-jähriger Patient klagt über Schmerzen und
Schwellungen in den Knie- und Sprunggelenken. Nachts kann er wegen starker Rückenschmerzen kaum schlafen. Auf Nachfrage berichtet er, dass er vor etwa 1 Monat Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen gehabt habe, behandelt habe er diese Symptome aber nicht. Für welche Diagnose sprechen die klinischen und anamnesti­schen Befunde?
Eine Oligoarthritis und eine Sakroiliitis, die mit einer Latenz von einigen Wochen nach einer Urethritis auftreten, spre­chen für eine reaktive Arthritis.
? Was verstehen Sie unter dem Begri „Reiter-Syn-
drom“?
Das Reiter-Syndrom ist das klinische Vollbild der reaktiven Arthritis und ist durch die klassische Trias
Oligoarthritis, v. a. im Bereich der unteren Extremität,
Konjunktivitis und
Urethritis gekennzeichnet.
Bei einigen Patienten treten zusätzlich Haut- bzw. Schleim- hautsymptome wie eine Balanitis circinata, aphthöse Ver­änderungen der Mundschleimhaut, psoriasiforme Eores­zenzen und ein Keratoderma blenorrhagicum hinzu.
245
9 Rheumatologie
? Durch welchen Erreger wurde die Urethritis bei
Ihrem Patienten mit reaktiver Arthritis vermutlich aus­gelöst? Wie können Sie den Erreger am besten nach­weisen?
Die posturethritische reaktive Arthritis wird am häugsten
durch Chlamydia trachomatis ausgelöst. Eine urethrale Chla- mydieninfektion lässt sich am besten durch den Nachweis von Chlamydien-Antigenen im Morgenurin belegen.
? Kennen Sie neben der Urethritis noch eine weitere
bakterielle Infektionserkrankung, die zu einer reaktiven Arthritis führen kann? Welche Erreger spielen hier die wichtigste Rolle?
Eine reaktive Arthritis tritt häug nach bakteriellen Ente­ritiden auf. Typische Erreger sind Yersinien, Salmonellen, Shigellen und Campylobacter.
MERKE. Eine reaktive Arthritis tritt v. a. nach bakteriellen
Enteritiden und nach Harnwegsinfektionen (v. a. durch Chlamydien, Gonokokken und Mykoplasmen) auf.
? Wie hängen die bakterielle Infektionserkrankung
und die reaktive Arthritis pathogenetisch zusammen?
Die auslösenden Bakterien induzieren im Organismus eine
Immunreaktion. Bakterienbestandteile und zirkulierende Immunkomplexe gelangen in das Gelenk und lösen dort eine chronische Synovialitis aus. Es wird vermutet, dass der gene- tische Marker HLA-B27 an der Pathogenese beteiligt ist, da er
mit den auslösenden Bakterien bestimmte Oberächenanti­gene teilt. Dieses molekulare Mimikry zwischen wirtseige­nen und -fremden Molekülen ist für die immunologische Toleranz des Organismus gegenüber den eingedrungenen Mikroorganismen und für die Bildung von kreuzreagieren­den Antikörpern verantwortlich.
MERKE. Die reaktive Arthritis ist eine sterile Synovialitis.
Anders als bei der septischen Arthritis lassen sich daher
dieauslösendenErregernichtinderSynovialüssigkeit
nachweisen.
? Wie erklären Sie die zeitliche Latenz zwischen der
klinisch manifesten Enteritis bzw. Harnwegsinfektion und dem Auftreten der reaktiven Arthritis?
Die reaktive Arthritis ist eine exogen induzierte Immun­reaktion. Vor der eigentlichen Erkrankung ndet also immer
eine Sensibilisierung im Organismus statt. Diese Phase ist unterschiedlich lang, so dass die zeitliche Latenz einige Tage bis mehrere Wochen betragen kann.
? Tatsächlich können Sie bei Ihrem Patienten mit
reaktiver Arthritis Chlamydienantigene im Morgenurin nachweisen. Wie behandeln Sie ihn?
Bei der posturethritischen reaktiven Arthritis mit orider
Chlamydieninfektion steht die Infektsanierung mit Tetrazy­klinen wie Doxyzyklin im Vordergrund. Hierdurch wird der
auslösende Erreger eliminiert und die Gefahr einer Inferti­lität durch die unbehandelte Chlamydieninfektion vermie­den. Die Arthritis wird durch die antibiotische Therapie al-
lerdings nicht beeinusst. Sie wird symptomatisch mit NSAR
und Kälteanwendung behandelt.
MERKE. Bei einer urogenitalen Chlamydieninfektion muss
der Sexualpartner immer mitbehandelt werden, um einen
„Ping-Pong-Eekt“zuvermeiden.
? Würden Sie einen Patienten mit Yersinienarthritis
antibiotisch behandeln? Begründen Sie!
Nein, eine Yersinienarthritis wird nicht antibiotisch behan-
delt, da dies den Verlauf der Arthritis nicht beeinusst und
die Enteritis zu diesem Zeitpunkt in der Regel nicht mehr symptomatisch ist.
? Welche Form der reaktiven Arthritis tritt üblicher-
weise nach Infektionen der oberen Atemwege auf?
Das rheumatische Fieber ist eine reaktive Arthritis und tritt typischerweise im Anschluss an eine Streptokokkenpharyn-
gitis oder -tonsillitis auf.
? Unter welchen Symptomen leiden Patienten mit
rheumatischem Fieber?
Mögliche Symptome des rheumatischen Fiebers sind
schmerzhafte, typischerweise von Gelenk zu Gelenk sprin-
gende Polyarthritis der großen Gelenke Fieber
bläulich-rosafarbende Eoreszenzen am Körperstamm,
das sog. Erythema anulare rheumaticum
subkutane Rheumaknoten
Pankarditis mit Herzrhythmusstörungen und verruköser
Endokarditis Enzephalitis, die typischerweise zum Bild der Chorea minor
mit unwillkürlichen Bewegungen und Grimassieren führt
246
9.2 Spondyloarthritiden
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INFOBOX. Rheumatisches Fieber : Jones-Kriterien
ZurDiagnosestellungwerden2Hauptkriterienoder1
Haupt- + 2 Nebenkriterien gefordert.
Hauptkriterien:
• Polyarthritis
• Karditis
• Chorea minor
• subkutane Knötchen
• Erythema anulare rheumaticum
Nebenkriterien:
• Fieber
• Arthralgien
BSGundCRP↑
PQ-Zeit↑
• rheumatisches Fieber oder Karditis in der Anamnese
? Was ist die wichtigste Langzeitkomplikation des
rheumatischen Fiebers?
Das rheumatische Fieber ist nach der Atherosklerose die häu gste Ursache für Herzklappenveränderungen mit kon- sekutiv erhöhtem Endokarditisrisiko .
MERKE. Die Bedeutung des rheumatischen Fiebers
liegt heute v. a. in den sekundären Klappenveränderungen bei älteren Patienten mit rheumatischem Fieber in der Kindheit. Durch die heute gängige Antibiotikatherapie der Streptokokkenangina ist das rheumatische Fieber in den entwickelten Industrienationen quasi ausgestorben und
spieltdierenzialdiagnostischinderRheumatologiekeine
wesentliche Rolle mehr.
MERKE.DieOligoarthritisbzw.Sakroiliitisisthäugdas
erste Symptom eines Morbus Whipple und kann den intesti-
nalenSymptomenumbiszu10Jahrevorausgehen.
? Unter welchem Überbegri werden die Oligoarthritis
bzw. Sakroiliitis beim Morbus Whipple zusammenge­fasst? Kennen Sie noch weitere Erkrankungen, die zu diesem Krankheitsbild führen können?
Die Arthritis bzw. Sakroiliitis beim Morbus Whipple gehört in die Gruppe der enteropathischen Arthritiden bei Patien­ten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Wei-
tere häu ge Grunderkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
? Ein Patient mit Morbus Crohn entwickelt eine chro-
nische Arthritis des rechten Kniegelenks. Er fragt Sie, ob er als Dauertherapie Ibuprofen einnehmen könne. Was antworten Sie ihm?
Ibuprofen und andere NSAR können die enterale Symptomatik bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen verschlech­tern und sind daher für eine Dauertherapie nicht geeignet.
? Wie würden Sie eine erstmalige isolierte Kniege-
lenksarthritis bei einem Patienten mit Morbus Crohn zunächst behandeln?
Eine isolierte Monoarthritis muss schon aus di erenzial-
diagnostischen Gründen immer punktiert werden. Ist die Punktat üssigkeit nicht eitrig, kann die Arthritis durch eine intraartikuläre Glukokortikoidinjektion in der gleichen Sit­zung behandelt werden.
? An welche Di erenzialdiagnosen müssen Sie bei
9.2.5 Enteropathische Arthritiden und
DierenzialdiagnosederMono-
arthritis
?
Ein 45-jähriger Patient leidet seit Jahren an einer un­klassi zierten, seronegativen, asymmetrischen Oligoar­thritis und Sakroiliitis. Aktuell klagt er über chronische Diarrhö, Fettstühle und Fieber. Die CT zeigt vergrößerte mesenteriale Lymphknoten, einen leichten Pleuraerguss und einen Aszites. Ihr Oberarzt ordnet eine Duoden­albiopsie an. Welche Überlegung steckt vermutlich hinter dieser Anordnung?
Die jahrelange Oligoarthritis bzw. Sakroiliitis und das ak­tuelle Beschwerdebild mit Diarrhö, Steatorrhö, Fieber, Polyserositis und Lymphadenopathie weisen auf einen Morbus:Whipple hin, eine systemische Infektion mit dem Bakterium Trophyrema whipplei , das sich am besten in einer Duodenalbiopsie nachweisen lässt.
einer isolierten Kniegelenksarthritis denken?
Eine isolierte Kniegelenksarthritis kann ausgelöst werden durch
Monoarthritis im Rahmen einer Spondyloarthritis
aktivierte Arthrose
monoarthritischen Verlauf einer rheumatoiden Arthritis,
insbesondere bei Late-Onset rheumatoider Arthritis
Lyme-Arthritis
septische Arthritis
Kristallarthropathie bei Gicht oder Chondrokalzinose
? Welche Therapieoptionen haben Sie, wenn es bei
Ihrem Patienten mit Morbus Crohn trotz der intraarti­kulären Steroidinjektion immer wieder zu Kniegelenks­arthritiden kommt?
Bei einer chronischen bzw. rezidivierenden enteropathischen Arthritis sollten langwirksame Basistherapeutika eingesetzt
werden, die auch einen günstigen E ekt auf die zugrundelie-
gende chronisch entzündliche Darmerkrankung haben. Be­sonders geeignet sind Sulfasalazin und Methotrexat.
247
9 Rheumatologie
? Welche Rolle spielen TNF-α-Inhibitoren in der
Therapie der enteropathischen Arthritis?
TNF-α-Inhibitoren werden bei therapierefraktären Verlaufs­formen eingesetzt. Sie haben einen positiven Eekt sowohl
auf die chronisch entzündliche Darmerkrankung als auch auf die assoziierte Arthritis. Besonders geeignet sind die
TNF-α-Antikörper Iniximab und Adalimumab.
? Beschreiben Sie den typischen klinischen Aspekt und
die Synoviaanalyse bei einer septischen Arthritis!
Typisch ist eine sehr schmerzhafte Arthritis, die meistens nur ein Gelenk betrit. Das Gelenk ist stark gerötet, über- wärmt und geschwollen. Häug haben die Patienten hohes Fieber mit Schüttelfrost. Die Synoviaanalyse zeigt eine aus-
geprägte Leukozytose mit hohem Granulozytenanteil und eine bakterielle Besiedlung.
? Nennen Sie 3 Ursachen für eine septische Arthritis!
Welche Erreger sind am häugsten nachweisbar?
Eine septische Arthritis kann durch eine direkte Erreger­invasion nach traumatischer oder iatrogener Gelenkerö- nung oder sekundär hämatogen bei Sepsis entstehen. Der häugste Erreger ist Staph. aureus, gefolgt von Gonokokken, Streptokokken und gramnegativen Keimen.
? Wie wird eine septische Arthritis behandelt?
Direkt nach Diagnosestellung muss mit einer kalkulierten antibiotischen Therapie begonnen werden, die nach Eingang
des Antibiogramms modiziert werden kann. Frühzeitig
sollte ein Chirurg oder Orthopäde hinzugezogen werden, um die Notwendigkeit einer operativen Therapie zu prüfen. Bei hohen Leukozytenzahlen im Punktat und ausgedehntem Lokalbefund ist in der Regel eine zeitnahe arthroskopische Spülung mit Anlage einer Saug-Spül-Drainage sinnvoll.
MERKE. Die septische Arthritis ist ein absoluter Notfall,
dasiedasGelenkinnerhalbkürzesterZeitvollständig
zerstören kann.
? Ein Patient mit Polyarthralgien lässt bei seinem
Hausarzt auf eigenen Wunsch eine Borrelienserologie anfertigen. Er habe gehört, dass die Borreliose nicht selten zu einer Gelenkerkrankung führen könne. Klinisch erscheinen die Gelenke weder geschwollen noch über­wärmt. Der ELISA-Suchtest zeigt positive IgM-Antikörper, IgG-Antikörper sind nicht nachweisbar. Was sagen Sie dem Patienten?
Die ELISA-Analyse und der klinische Befund sprechen gegen eine Borrelienarthritis. Die Lyme-Arthritis verläuft typischer­weise mono- oder oligoartikulär mit einer klinisch manifes-
ten Arthritis, am häugsten ist das Kniegelenk betroen. Sie
gehört zu den späten Manifestationsformen der Borreliose, im Serum müssten daher IgG-Antikörper nachweisbar sein.
MERKE.DieLyme-Arthritisbetritin80%derFälledas
Kniegelenk. Diagnostisch wegweisend sind
• der anamnestische Befund eines Erythema chronicum migrans (kann fehlen!),
derklinischeNachweiseinerMono-oderOligoarthritis und
spezischeBandenvonBorrelienantikörpernderSubklas­se IgG im Serum (ELISA und Westernblot).
? Wie wird eine Lyme-Arthritis behandelt?
Die Lyme-Arthritis wird primär antibiotisch therapiert, z. B. mit Doxyzyklin über 3 Wochen. Zur symptomatischen Be­handlung erhalten die Patienten NSAR und Glukokortikoide, die bei ausgeprägten Gelenkergüssen auch als intraartikulär injiziert werden können.
9.3 Kollagenosen
9.3.1 Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
? Eine 29-jährige Patientin leidet seit einigen Wochen
unter Abgeschlagenheit, rezidivierenden Fieberschüben, Gelenkschmerzen und diusem Haarausfall. Aktuell klagt sie über einen Ausschlag im Gesicht, der nach einem ausgedehnten Sonnenbad aufgetreten ist. Sie hat vor 2 Monaten ihr erstes Kind zur Welt gebracht. Bei der klinischen Untersuchung bemerken Sie die folgenden Hautveränderungen im Gesicht (siehe Abb. 9.8). Be­schreiben Sie den Hautbefund und stellen Sie eine Ver­dachtsdiagnose!
Das Gesicht der Patientin zeigt ein Erythem über Nase und Jochbein, das die Nasolabialfalten ausspart. Der Befund wird aufgrund seiner Ausdehnung auch als Schmetterlingser-
ythem bezeichnet und ist typisch für den systemischen Lupus erythematodes, kurz SLE. Charakteristisch ist das Auftreten
nach Sonneneinwirkung, da Patienten mit SLE ausgesprochen
lichtempndlich sind. Die Erkrankung beginnt meist mit un- spezischen Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit
und Fieber. Weitere typische Symptome sind die von der Patientin beklagte Polyarthritis und der diuse Haarausfall.
? Welche typischen Haut- und Schleimhautverände-
rungen werden bei SLE-Patienten beobachtet?
Typische Haut- und Schleimhautmanifestationen sind
Photosensibilität
Schmetterlingserythem
rötliche, diskoidale papulöse Eoreszenzen mit nicht ab-
lösbarer Schuppenbildung und follikulärer Hyperkeratose
diuser Haarausfall
orale Aphthen
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MERKE. Der Hautbefall ist so charakteristisch, dass er
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der Erkrankung ihren Namen gegeben hat (Lupus = Wolf). Hautveränderungen werden bei > 70
beobachtet.
dass die Veränderungen v. a. nach Sonnenlichtexposition an lichtexponierten Stellen (Gesicht und Dekolleté) auftreten.
TypischistdieerhöhteLichtempndlichkeit,so
% der Patienten
? Gibt es bei der Patientin einen Zusammenhang
zwischen dem Auftreten des SLE und der Geburt ihres Kindes vor 2 Monaten?
Der SLE wird häug durch hormonelle Umstellungen, z. B. die Geburt eines Kindes, Schwangerschaft oder die Einnah­me der Pille ausgelöst.
9.3 Kollagenosen
Abb. 9.8 Schmetterlingserythem bei SLE (aus Moll,
DualeReiheDermatologie,8.Auage,GeorgThieme
I.:
Verlag, 2016).
MERKE.ZudenwichtigstenAuslösefaktorenzählen
hormonelle Umstellungen (Schwangerschaft, Pille, Entbindung), UV-Licht und Medikamente (z. D-Penicillamin).
B. Hydralazin,
? Welche extrakutanen Organmanifestationen des SLE
kennen Sie?
Typische Organmanifestationen des SLE sind
Polyarthritis und Myositis
kardiopulmonaler Organbefall mit Pneumonitis, Lun-
genbrose, Endokarditis Libman-Sacks, Myokarditis und
Myokardinfarkt durch frühzeitige Atherosklerose Polyserositis mit Pleuritis und Perikarditis
Nierenbefall mit Immunkomplex-Glomerulonephritis
„ZNS-Lupus“ mit Migräne, Stimmungsveränderungen,
Psychosen, Vigilanzstörungen oder Krampfanfällen, sekundäre Immunkomplexvaskulitis mit Polyneuropathie
und akralen Gefäßverschlüssen Beteiligung des Blutzellsystems mit Autoantikörper-ver-
mittelter Zytolyse einer oder mehrere Zellreihen
MERKE. Der SLE gilt als „klinisches Chamäleon“, da er
praktischanjedemOrganmanifestierenkann.Daher
sich
gilt: Es gibt fast kein Symptom, das nicht durch einen SLE verursacht werden kann!
? Wie unterscheidet sich der Verlauf einer Polyarthritis
bei SLE-Patienten von dem bei rheumatoider Arthritis?
Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis verläuft die Poly­arthritis bei SLE in der Regel nicht erosiv. Typisch ist die sog. Jacoud-Arthritis mit ausgeprägter Luxationsneigung, die am Daumen zur sog. 90 °/90 °-Deformität bzw. zum Z-Daumen führt.
bei allen SLE-Patienten nachweisen, so dass für die Diagno-
sendung gilt: Ohne ANAs kein SLE!
? Im Plasma Ihrer Patientin mit Verdacht auf SLE nden
Sie hochtitrige ANAs. Ist die Diagnose damit gesichert?
Nein. ANAs sind zwar sehr sensitiv, aber wenig spezisch für den SLE, da sie auch bei vielen anderen Autoimmunerkran­kungen und bei Gesunden vorkommen können.
? Durch welche beiden Parameter können Sie Ihren
Verdacht auf SLE bei Ihrer Patientin mit typischen Symp­tomen und positivem ANA-Titer sichern?
Bei klinischem Verdacht und positivem ANA-Nachweis werden die ANAs hinsichtlich ihrer Subspezität weiter
dierenziert. Hochspezisch und pathognomonisch für den
SLE sind
Autoantikörper gegen Doppelstrang-DNA, kurz An-
ti-ds-DNA-Antikörper
Autoantikörper gegen nukleäres Glykoprotein, kurz Anti-
Sm-Autoantikörper.
MERKE. Für die immunologische Diagnostik des SLE
dieGrundregel:OhnedenNachweisvonantinuklä-
gilt
ren Antikörpern (ANAs) kein SLE. Da ANAs aber wenig
spezisch
sind,wirdzusätzlichderNachweisspezischer
Anti-ds-DNA-Antikörper (positiv bei 60–80 %) und/oder Anti-Sm-Autoantikörper (positiv bei 10–20 %) gefordert. Auch andere Antikörper wie Anti-SSA- oder Anti-Histon-An­tikörper können vorkommen.
? Welchen Parameter bestimmen Sie bei Verdacht auf
SLE?
Die geeignetsten Screeningparameter sind die sog. anti­nukleären Antikörper, kurz ANAs. Sie lassen sich praktisch
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