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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2770_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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8 Endokrinologie
8.5.3 Diabetisches Koma (hyperglykämes Koma)
? In die Notaufnahme wird eine junge, exsikkierte
Diabetikerin mit Bewusstseinstrübung und Kussmaul­atmung eingeliefert. Ihr Atem riecht nach Azeton. Sie ist hypoton und tachykard, der Blutzucker liegt bei 370 mg/ dl. Die Mutter berichtet, dass ihre Tochter seit einigen Tagen an einer eberhaften Harnwegsinfektion leide. Welche Verdachtsdiagnose haben Sie und wie können Sie sich diese erklären?
Exsikkose, Bewusstseinstrübung, Azidoseatmung, Hyper­glykämie und eine beginnende Schocksymptomatik bei einer jungen Diabetikerin sind typisch für die diabetische Ketoazidose. Durch die eberhafte Harnwegsinfektion ist der Insulinbedarf erhöht. Wird in dieser Situation nicht ausreichend Insulin substituiert, kann sich eine akute Sto-
wechselentgleisung entwickeln.
? Warum ist das ketoazidotische Koma typisch für den
Typ 1-Diabetes?
Das ketoazidotische Koma entwickelt sich praktisch nur bei Patienten mit absolutem Insulinmangel: Der Insulin­mangel aktiviert die Lipolyse und die insulinabhängige Um­wandlung von Fettsäuren in Triglyzeride ist gehemmt. Statt­dessen werden sie zu Ketonkörpern oxidiert, was zu einer
metabolischen Azidose führt.
extrazelluläre Kaliumkonzentration bei den meisten Patien-
ten normal oder erhöht, da Kalium durch den Insulinmangel und die begleitende Azidose nicht in die Zellen transportiert werden kann. Die extrazelluläre Hyperkaliämie kann über das ausgeprägte intrazelluläre Dezit hinwegtäuschen. Un­ter der Insulintherapie wird das extrazelluläre Kalium in die
Zellen verschoben, so dass sich fast regelmäßig eine Hypo- kaliämie entwickelt, die entsprechend ausgeglichen werden
muss. Selten ist der Kaliumspiegel schon vor der Insulinsub­stitution erniedrigt. In diesen Fällen muss vor der Insulinga- be unbedingt Kalium substituiert werden, da sich ansonsten eine bedrohliche Hypokaliämie entwickeln kann.
? Welche Form des diabetischen Komas wird bei Typ
2-Diabetikern beobachtet? Wie unterscheidet es sich von einem ketoazidotischen Koma?
Patienten mit Typ 2-Diabetes entwickeln typischerweise ein hyperosmolares Koma mit ausgeprägter Hyperglykämie, Polyurie und starkem Volumenmangel. Das noch vorhande­ne endogene Insulin verhindert die für die Ketoazidose ent­scheidende Lipolyse und Ketose (siehe Tab. 8.14).
MERKE. Der Blutzuckerspiegel beim hyperosmolaren
Komaliegthäug>800mg/dl!Therapeutischstehendie
Flüssigkeitssubstitution und eine langsame Blutzuckersen­kung durch Insulin im Vordergrund.
8.6 Hyperurikämie und Gicht
? Mit welchem Testverfahren können Sie Ketonkörper
ganz einfach nachweisen?
Ketonkörper lassen sich schnell und sicher mit dem Streifen­test im Urin nachweisen.
? Nennen Sie die 4 entscheidenden Therapiesäulen in
der Behandlung des ketoazidotischen Komas!
Die entscheidenden Maßnahmen sind
Flüssigkeitssubstitution mit 1 Liter 0,9 %-ige Kochsalzlö-
sung/h langsame Blutzuckersenkung von maximal 100 mg/dl/h mit
einer initialen Bolusgabe von 10 IE Normalinsulin und an­schließender i. v.-Dauerinfusion mit 5 IE Normalinsulin/h Kaliumsubstitution in Abhängigkeit von den Serum-Kali-
umwerten Azidosekorrektur mit Bikarbonat, wenn der pH-Wert trotz
Insulingabe < 7,1 liegt
? Welchen Laborwert müssen Sie neben der Glukose-
konzentration während der Insulinzufuhr bei einem Coma diabeticum unbedingt im Auge behalten?
Während der Insulinzufuhr muss unbedingt auf die Kalium­konzentration geachtet werden, da Insulin den Kaliumspie­gel senkt. Trotz ausgeprägter renaler Kaliumverluste ist die
230
? Ein 68-jähriger, adipöser Patient stellt sich mit
folgendem Befund (siehe Abb. 8.9) am Fuß bei Ihnen vor. Über welche Symptome klagt er vermutlich außerdem?
Typisch für den akuten Gichtanfall ist eine äußerst schmerz­hafte Monarthritis, die bei der Hälfte der Patienten das Großzehengrundgelenk betrit und mit Fieber einhergeht.
Die Schmerzen sind häug so stark, dass die Patienten nicht einmal die leichteste Berührung ertragen. Das betroene
Gelenk ist deutlich geschwollen, überwärmt und gerötet.
? Wodurch wird ein akuter Gichtanfall ausgelöst?
Der Auslöser ist ein plötzlicher Anstieg des Harnsäurespiegels oder eine Änderung der Löslichkeitsschwelle für Harnsäure in der Synovia. Harnsäurekristalle fallen aus und werden von neutrophilen Granulozyten phagozytiert. Die Leukozyten ge­hen bei der Phagozytose zugrunde und setzen Entzündungs­mediatorenfrei, die zu einer akuten Synovialitis führen.
8.6 Hyperurikämie und Gicht
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Tab. 8.14 DierenzierungdesDiabetesmellitusTyp1und2.
Diabetes mellitus Typ 1 Diabetes mellitus Typ 2
Pathophysiologie autoimmune
Genetik eineiige
Manifestationsfaktoren Virusinfekte Adipositas
Alter bei Erstmanifestation <
Physiognomie schlanke Patienten adipöse Patienten
Klinik Erstmanifestation durch Hyperglykämie
Insulin und C-Peptid fehlend anfangs
Therapie Insulinsubstitution Diät, Bewegung, orale Antidiabetika bei Erschöp-
Komaform ketoazidotisches Koma hyperosmolares Koma
absolutem Insulinmangel
40Jahre(meistens15.-25.LJ) >40Jahre
(Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust)
Langerhanszell-Zerstörungmit
Zwillinge:30–50% eineiigeZwillinge:100%
MERKE. Von einer Hyperurikämie spricht man bei einer
Serumharnsäure > 6,4 tische Hyperurikämie mit Ablagerung von Uratkristallen in Gelenken und anderen Geweben bezeichnet.
Insulinresistenz mit relativem Insulinmangel
Erstmanifestation
geerkrankungen (Makround Mikroangiopathie) oder begleitendes metabolisches Syndrom
fung der endogenen Insulinreserve: Insulin
häugdurchchronischeFol-
↑,später↓
mg/dl. Als Gicht wird die symptoma-
Abb. 8.9 Befund am Fuß des Patienten (aus Füeßl, H. S., Middeke, M.: Duale Reihe Anamnese und Klinische Unter-
suchung,
5.Auage,GeorgThiemeVerlag,2014).
? Was ist die häugste Ursache des akuten Gicht-
anfalls?
Der akute Gichtanfall ist die akute Manifestationsform der Hyperurikämie. Die häugste Ursache ist die primäre Hyper- urikämie, die in > 99 % auf einer polygen vererbten Störung der renalen Harnsäuresekretion beruht. Bei einer normalen Ernährung macht sich die verminderte Harnsäureeliminati­on nicht bemerkbar. Die entscheidenden Manifestationsfak­toren sind übermäßiger Genuss von purinreichen Nahrungs-
mitteln und Alkohol.
? Welche Ursachen für eine sekundäre Hyperurikämie
kennen Sie?
Eine sekundäre Hyperurikämie entsteht
durch vermehrte Harnsäurebildung bei hämolytischer
Anämie und erhöhtem Zellturnover bei Leukämie, Tumo­ren sowie unter Chemo- und Strahlentherapie oder durch verminderte Harnsäureausscheidung bei Nieren-
erkrankungen, Einnahme bestimmter Medikamente wie Thiazide und Ciclosporin A sowie bei azidotischer Sto­wechsellage, z. B. bei strenger Fastenkur.
? Wie therapieren Sie Ihren Patienten mit akutem
Gichtanfall?
Der Patient erhält symptomatisch Colchicin oder nichtste­roidale Antiphlogistika wie Indometacin oder Diclofenac,
evtl. initial zusätzlich Glukokortikoide, auch intraartikulär. Zusätzlich sind lokale Maßnahmen wie Kühlung und Ruhig­stellung des Gelenks sinnvoll.
? Wie können Sie die Diagnose „Gicht“ sichern?
Die Diagnose kann nur durch den Nachweis phagozytierter Uratkristallen im Gelenkpunktat gesichert werden. Der
Nachweis einer Hyperurikämie ist nur ein indirekter Hin­weis und muss mit der Gelenkerkrankung nicht in kausalem Zusammenhang stehen.
231
8 Endokrinologie
? Beschreiben Sie die klinischen Symptome der chro-
nischen Gicht!
Langfristig führt eine chronische Hyperurikämie zu
chronischen Gelenkschädigungen, der sog. Kristallarthro-
pathie
Uratablagerungen in den Weichteilen und Knochen, sog.
Weichteil- bzw. Knochentophi einer Uratnephropathie und einer Uratnephrolithiasis
? Durch welche Allgemeinmaßnahmen kann der
Harnsäurespiegel gesenkt werden?
Der Harnsäurespiegel kann durch eine purinrestriktive Diät, Gewichtsreduktion, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine Einschränkung des Alkoholkonsums gesenkt werden.
? Bei welchen Patienten ist eine medikamentöse
Senkung des Harnsäurespiegels indiziert?
Indikationen für eine medikamentöse Harnsäuresenkung sind jede symptomatische Hyperurikämie und Patienten mit asymptomatischer Hyperurikämie, die ihren Harnsäurespie­gel trotz nicht-medikamentöser Basismaßnahmen nicht <
9 mg/dl senken können.
? Welche Substanzen setzen Sie für die medikamentö-
se Harnsäursenkung ein?
Das Mittel der Wahl ist das Urikostatikum Allopurinol, das die endogene Harnsäureproduktion hemmt und die Aus­scheidung der besser wasserlöslichen Harnsäurevorstufen
Xanthin und Hypoxanthin erhöht. Alternativ können Uriko­surika wie Benzbromaron oder Probenecid eingesetzt wer-
den, die die renale Harnsäureausscheidung steigern.
? Sollten Sie bereits während des akuten Gichtanfalls
mit einer harnsäuresenkenden Therapie beginnen? Begründen Sie Ihre Antwort!
Grundsätzlich Nein. Zu Beginn einer harnsäuresenkenden Therapie werden Harnsäuredepots mobilisiert. Durch eine Änderung des Lösungsgleichgewichts können in dieser Phase Gichtanfälle ausgelöst werden. Ein früher Beginn einer harnsäuresenkenden Therapie ist aber möglich, wenn prophylaktisch eine kleine Menge Colchizin (0,5–1 mg pro Tag) dazu gegeben wird.
MERKE. Keine Neueinstellung oder Dosisänderung
harnsäuresenkender Medikamente während eines akuten Gichtanfalls!
? Welche Arthropathie wird klinisch häug mit einem
akuten Gichtanfall verwechselt? Wodurch entsteht sie und wie können Sie diese gegenüber der Gicht ab­grenzen?
Sehr ähnlich äußert sich die Chondrokalzinose, die durch Ablagerung von Kalziumpyrophosphat-Dihydrat im Knor-
pel und in anderen Geweben entsteht. Besonders häug betroen ist das Kniegelenk. Anders als bei der Gicht sind
die Harnsäurespiegel normal. Im Röntgenbild imponiert sie durch streifen- oder punktförmige Verkalkungen des Faserknorpels, z. B. an den Menisci der Kniegelenke oder im Discus triangularis des Handgelenks. Die Kalziumpyrophos­phat-Dihydratablagerungen lassen sich polarisationsmikro- skopisch im Gelenkpunktat nachweisen.
MERKE. Da die Symptomatik der Chondrokalzinose
einem akuten Gichtanfall ähnelt, wird sie auch als „Pseu­dogicht“ bezeichnet. Auch die Therapie entspricht der des Gichtanfalls (NSAR, kühlen und ruhig stellen).
8.7 Adipositas und metabolisches Syndrom
? Ab welchem Body-Mass-Index, kurz BMI, spricht man
von Übergewicht bzw. Adipositas? Erläutern Sie kurz die prognostische Relevanz des BMI!
Der BMI ist der Quotient aus dem Gewicht in Kilogramm und dem Quadrat der Körpergröße in Metern. Ab einem Wert von 25 spricht man von Übergewicht, ab 30 von Adipositas. Die Mortalität der Patienten mit einem BMI35 ist gegen­über der Normalbevölkerung verdoppelt (siehe Tab. 8.15).
? Kennen Sie einen weiteren Parameter, der den
BMI hinsichtlich der prognostischen Bedeutung der Adipositas inzwischen abgelöst hat?
Die Prognose wird heute in der Regel mit der sog. Waist­to-Hip-Ratio abgeschätzt. Inzwischen weiß man, dass ins-
besondere die Zunahme des abdominellen Fettgewebes mit einer deutlich erhöhten Mortalität einhergeht. Bei Männern steht ein Taillenumfang > 94 cm, bei Frauen > 80 cm mit Adipositas-assoziierten Stowechselerkrankungen in Zu­sammenhang.
? Durch welche Symptome und Befunde ist das
metabolische Syndrom deniert?
Entscheidend ist die bauchbetonte Adipositas mit erhöhter Waist-to-Hip-Ratio. Zusätzlich müssen mindestens 2 der folgenden Symptome vorliegen:
Hypertriglyzeridämie mit Triglyzeridwerten > 150 mg/dl,
vermindertes HDL-Cholesterin, bei Männern < 40 mg/dl,
bei Frauen < 50 mg/dl, Bluthochdruck mit Werten > 130/85 mmHg und
Nüchternglukosewerte > 100 mg/dl bzw. Typ 2-Diabetes.
MERKE. Die entscheidenden Manifestationsfaktoren des
metabolischen Syndroms sind Übernährung und Adipositas. DaherhäugauchWohlstandssyndrom genannt.
232
8.8 Hyperlipoproteinämie (Hyperlipidämien)
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Tab. 8.15 Body-Mass-Index (BMI): Stadieneinteilung der Adipositas.
BMI (kg/m
18,5–24,9 Normalgewicht
25,0–29,9 Übergewicht (Präadipositas)
30,0–34,9 Adipositas Grad I
35–39,9 Adipositas Grad II
2
) Gewichtsklassikation
40 Adipositas Grad III
? Warum wird das metabolische Syndrom häug als
„tödliches Quartett“ bezeichnet?
Das metabolische Syndrom vereint 4 entscheidende athe­rogene Risikofaktoren: Adipositas, Hypertriglyzerdämie bei
vermindertem HDL, Hyperglykämie und arterielle Hyperto­nie. Die Patienten haben ein deutlich erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.
? Eine adipöse Patientin möchte von Ihnen wissen, wie
sie denn am besten abnehmen könne. Welche Antwort geben Sie Ihr?
Entscheidend und unverzichtbar für die Gewichtsreduktion sind eine Ernährungsumstellung mit reduzierter Kalorien- anzahl und eine Steigerung der körperlichen Aktivität. Bei Adipositas permagna ist auch an eine bariatrische Chirurgie zu denken, hierbei wird der Magen operativ verkleinert oder direkt umgangen (Magenbypass), es tritt frühzeitig ein Sättigungsgefühl auf.
8.8 Hyperlipoproteinämie (Hyperlipidämien)
? Welche Formen der Hyperlipidämien kennen Sie?
Abhängig vom betroenen Lipidtyp werden Hyperlipidä- mien in
Hypercholesterinämien mit einem Cholesterin > 200 mg/dl,
Hypertriglyzeridämien mit einer Triglyzeridkonzentration
> 200 mg/dl und kombinierte Hyperlipidämien eingeteilt.
? Welche Ursachen für Hyperlipidämien kennen Sie?
Hyperlipidämien können
reaktiv-physiologisch bei falscher Ernährung mit fett- bzw.
cholesterinreicher Nahrung und hohem Alkoholkonsum oder sekundär bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus, meta-
bolischem Syndrom, Niereninsuzienz, Glukokortikoid­therapie oder Hypothyreose entstehen oder auch genetisch bedingt sein.
? Sie nden bei einem nüchternen Patienten ein
Cholesterin von 185 mg/dl. Können Sie eine Fettsto­wechselstörung ausschließen?
Nein. Für die Beurteilung des Fettstowechsels ist nicht nur
der absolute Cholesterinspiegel von Bedeutung, sondern auch die Verteilung des Cholesterins auf die beiden Lipopro- teinfraktionen LDL und HDL. Eine Fettstowechselstörung besteht auch, wenn bei normalem Gesamtcholesterin ein Missverhältnis zwischen den beiden Cholesterinfraktionen vorliegt. Die sog. Dyslipoproteinämie bzw. „atherogene Kon- stellation“ mit erhöhten LDL- und erniedrigten HDL-Werten ist ein entscheidender Risikofaktor für die Entwicklung und Verschlechterung einer Atherosklerose mit ihren gravieren­den Folgeerkrankungen.
MERKE.VonFettstowechselstörungensprichtmanbei:
Serumcholesterinkonzentration > 200 mg/dl (Hyper-
cholesterinämie)
LDL-Konzentration > 150 mg/dl bzw. HDL-Konzentration
<
35mg/dl(Dyslipoproteinämie)
Serumtriglyzeridkonzentration > 200 mg/dl (Hyper-
• triglyzeridämie)
? Ein Patient berichtet Ihnen, dass sein Hausarzt beim
letzten Routinecheck erhöhte Cholesterinwerte fest­gestellt habe. Der Arzt habe ihm versichert, dass der Befund nicht schlimm sei, da nur das „gute“ Cholesterin erhöht, jedoch das „schlechte“ Cholesterin in Ordnung sei. Was meint er damit?
Der Patient meint wahrscheinlich HDL und LDL. LDL wird häug als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet. Es ist für den Transport des Cholesterins von der Leber in extrahepatische Organe, z. B. die Gefäße, zuständig. Seine Konzentration steht in direktem Zusammenhang mit einer beschleunigten
Atheroskleroseentwicklung. HDL gilt als „gutes“ Choleste­rin. Es wirkt atheroprotektiv, da es das Cholesterin aus den
extrahepatischen Organen in die Leber transportiert. Bei der Beurteilung der Cholesterinwerte gilt: LDL sollte so niedrig, HDL so hoch wie möglich sein. Das Verhältnis von LDL zu HDL sollte möglichst < 3,5 sein.
MERKE. Das Atheroskleroserisiko steigt mit zunehmen-
den LDL-Konzentrationen und sinkt mit hohen HDLSpie­geln! Für die Beurteilung des atherogenen Risikos eines Patienten ist nicht nur die Gesamtcholesterinkonzentration, sondern auch das Verhältnis von LDL zu HDL entscheidend. Dabei gilt: Liegt die Gesamtcholesterin-Konzentration bei normalen HDL-Werten > 200 risiko deutlich an, ab einer Konzentration von 250 mg/dl verdoppelt es sich. Bei erniedrigten HDL- oder erhöhten LDL-Werten (= Dyslipoproteinämie bzw. „atherogene
Konstellation“)wirkenbereitsGesamtcholesterinwerte<
200 mg/dl atherogen.
mg/dl, steigt das Herzinfarkt-
233
8 Endokrinologie
? Für die anvisierte LDL-Senkung wurden abhängig von
der Risikokonstellation und den Vorerkrankungen 3 Ziel­werte festgelegt. Beschreiben Sie diese kurz!
Für die LDL-Senkung gilt:
Bei Patienten mit 1 atherogenen Risikofaktor sollte der
LDL-Wert < 160 mg/dl liegen. Bei 2 oder mehr atherogenen Risikofaktoren wird ein LDL-
Wert < 100 mg/dl anvisiert. Leidet der Patient an einer manifesten KHK, einem Diabe-
tes mellitus, einem ischämischen Schlaganfall oder pAVK muss das LDL < 70 mg/dl gesenkt werden.
? Auf welcher Grundlage basiert jede lipidsenkende
Therapie?
Die Grundlagen sind eine Steigerung der körperlichen Ak­tivität, eine Gewichtsreduktion, das Vermeiden bzw. die optimale Einstellung weiterer atherogener Risikofaktoren und eine Ernährungsumstellung auf eine cholesterin- und
fettarme, ballaststoreiche Diät.
MERKE. Die wichtigsten Eckpunkte der diätetischen
Lipidsenkung sind:
ReduktionderGesamtfettzufuhrauf<30%derGesamte- nergiezufuhr
ErsatztierischergesättigterFettsäurendurchpanzliche einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren
• Reduktion der Cholesterinzufuhr
• Ersatz schnell verwertbarer Kohlenhydrate durch kom­plexe Kohlenhydrate
• Alkoholkarenz
? Mit welchen Substanzen können Sie den Cholesterin-
spiegel bei einer Hypercholesterinämie senken? Welche Substanzen gelten als Mittel der Wahl?
Die Substanzklasse der Wahl sind die Statine. Sie senken er­folgreich das LDL und haben einen eigenen atherosklerose-
protektiven Eekt. Lässt sich das LDL auch mit der maximal
zugelassenen Dosis nicht ausreichend senken, kann eine Kombination mit einem Cholesterinabsorptionshemmer wie Ezetimib eine weitere Absenkung des LDL-Cholesterins bewirken.
MERKE. Für die HMG-CoA-Reduktase-Hemmer (Statine)
konnte im Gegensatz zu den Anionentauschern und Fibra-
teneineeektiveReduktionkardiovaskulärerEreignisse
(Myokardinfarkte, Schlaganfälle) nachgewiesen werden. Sie sind daher die Substanzen der 1.Wahl in der Primär- und Sekundärprophylaxe der Hypercholesterinämie.
? Einige Tage nach Beginn der Statin-Therapie klagt
Ihr Patient über Schwäche und Schmerzen in der Ober­schenkelmuskulatur. Im Labor ist die CK erhöht. Worum handelt es sich und wie gehen Sie weiter vor?
Die Symptome sprechen für eine Statin-induzierten Myo­pathie. Das Medikament muss abgesetzt und der Patient
auf eine andere lipidsenkende Therapie eingestellt werden ( siehe Tab. 8.16).
MERKE. Da HMG-CoA-Reduktase-Hemmer eine Rhab-
domyolyse auslösen können, sollte die Kreatininkinase regelmäßig überwacht werden.
Tab. 8.16 Medikamentöse Therapieoptionen bei Hyperlipidämien.
Wirkmechanismus Nebenwirkungen Indikation
Statine Hemmung der HMG-CoA-Reduktase
Anionenaus­tauscherharze
Cholesterinre­sorptionshemmer
Fibrate Aktivierung der Lipoproteinlipase
Nikotinsäure Hemmung der Lipolyse, verminderte
(Schlüsselenzym der Cholesterinsyn-
these)→LDL↓(20–60%),HDL↑
(leicht), atheroprotektiv
binden enteral an Gallensäuren und entziehen sie dem enterohepatischen
Kreislauf→LDL↓(20–25%)
Hemmung der enteralen Cholesterin-
resorption→LDL↓(ca.20%),HDL ↑(leicht)
und gesteigerter Abbau der VLDL-Tri-
glyzeride→Triglyzeride↓(40–55%), LDL↓(20%),HDL↑
VLDL-Bildung→alleLipoproteinfrak­tioneninkl.Lipoproteina↓,HDL↑
234
Myopathie(CK↑),Rhabdomyoly­se, gastrointestinale Beschwerden,
Transaminasen↑
häuggastrointestinaleBe-
schwerden, Resorption fettlöslicher
Vitamine↓
selten gastrointestinale Beschwer-
den,Transaminasen↑,Myopathie (CK↑)
gastrointestinale Beschwerden,
Transaminasen↑,Myopathie (CK↑)
Flush, gastrointestinale Störungen,
Juckreiz
Mittel der 1. Wahl bei Hypercholesterinämie
Hypercholesterinämie (in Kombination mit Statinen
additiverEekt)
Hypercholesterinämie (besonders sinnvoll in Kombination mit Statinen
additiverEekt)
kombinierte Hyperlipo­proteinämie und Hyper­triglyzeridämie
kombinierte Hyperlipo­proteinämie und Hyper­cholesterinämie (Reserve­medikament)
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Rheumatologie
9.1 Rheumatoide Arthritis
9.2 Spondyloarthritiden
9.3 Kollagenosen
9.4 Primäre Vaskulitiden
9.5 Fibromyalgiesyndrom
235
9 Rheumatologie
9 Rheumatologie
9.1 Rheumatoide Arthritis
? Eine 64-jährige Patientin klagt über Schmerzen in
den Händen und Fingern. Wie können Sie anhand der Schmerzanamnese, des Gelenksbefallmusters und der klinischen Untersuchung zwischen einer Arthritis und einer Arthrose unterscheiden?
Bei der Arthritis treten die Gelenkschmerzen v. a. in Ruhe auf. Bewegung und die Anwendung von Kälte bessern die Beschwerden typischerweise. Degenerative Gelenkschmer- zen treten in der Regel nur bei Belastung auf, Wärme wird von den Patienten als wohltuend empfunden. Bei der rheumatoiden Arthritis sind typischerweise die Hand­wurzel, die Metakarpophalangeal- und die proximalen Inter-
phalangealgelenke betroen. Die Arthrose betrit meistens
die proximalen und distalen Interphalangealgelenke.
Die betroenen Gelenke sind bei beiden Erkrankungen ver­dickt und geschwollen:
Bei der Arthrose verknöchern die Gelenkstrukturen, so
dass man bei der klinischen Untersuchung eine derbe Gelenkverdickung tastet. Typisch für die Arthritis ist eine weiche Schwellung durch
den entzündlichen Gelenkerguss.
? Beschreiben Sie den typischen klinischen Befund bei
einem Kniegelenkserguss!
Typisch für den Kniegelenkserguss ist das Phänomen der „tanzenden Patella“: Bei Kompression der Patella am ge­streckten Bein spürt man einen weichen, federnden Wider­stand.
? Über welche 3 klassischen Symptome klagen
Patienten bei einem akuten Schub einer rheumatoiden Arthritis?
Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis klagen über Schmerzen in den Gelenken v. a. in Ruhephasen. Die betrof- fenen Gelenke sind geschwollen, gerötet, überwärmt und druckschmerzhaft. Typisch ist die sog. „Morgensteigkeit“,
die von den Patienten als Steigkeit im Bereich der Finger
und Vorfüße empfunden wird und im Laufe des Tages nach­lässt.
? In welchen Gelenken beginnt die rheumatoide
Arthritis typischerweise? Welche Gelenke können im weiteren Verlauf betroen sein?
Die rheumatoide Arthritis beginnt in der Regel symmetrisch an den kleinen Finger- und Fußgelenken. Typisch ist der Befall der Grund- und Mittelgelenke, die Endgelenke sind
praktisch nie betroen. Im weiteren Verlauf werden auch
die größeren Gelenke wie Hand-, Knie-, Sprung-, Hüft-, El­lenbogen- und Schultergelenke und die Halswirbelsäule in den Entzündungsprozess mit einbezogen.
MERKE. Die rheumatoide Arthritis verläuft in der Regel
als Polyarthritis(Arthritisvon≥5Gelenken).
? Warum sollten Sie bei einer Patientin mit gesicherter
rheumatoider Arthritis in regelmäßigen Abständen die Halswirbelsäule mittels Röntgenbild oder MRT kontrol­lieren?
Durch Lockerung des Lig. transversum und Arrosion des Dens axis kann sich eine atlanto-axiale Subluxation mit Kompressi- on des zervikalen Rückenmarks entwickeln. Warnsymptome sind Parästhesien der Hände, Gangunsicherheit und Harnin­kontinenz. Bei einer ruckartigen Überstreckung der Halswir­belsäule ist ein Dens-Abriss mit hoher Querschnittslähmung möglich.
MERKE. Die rheumatoide Arthritis befällt i. d. R. nur die
Halswirbelsäule. Das übrige Achsenskelett ist – anders als
beidenSpondyloarthritiden–nuräußerstseltenbetroen.
? Welches klinische Zeichen können Sie bereits bei der
Begrüßung einer Patientin mit rheumatoider Arthritis nachweisen?
Patienten mit rheumatoider Arthritis empnden einen kräf­tigen Händedruck häug als schmerzhaft, da die entzün-
deten Metakarpophalangealgelenke komprimiert werden. Dieser „Querdruckschmerz“ – oder auch Gaenslen-Zeichen – lässt sich auch an den Vorfüßen durch Kompression der Metatarsophalangealgelenke auslösen.
? Die rheumatoide Arthritis ist eine Systemerkran-
kung, die nicht nur die peripheren Gelenke betreen kann. Welche extraartikuläre Manifestationen kennen Sie? Beginnen Sie mit der häugsten!
Die häugste extraartikuläre Manifestation sind sog. Rheu­maknoten, die sich v. a. an druckbelasteten Stellen bilden.
Typische Lokalisationen sind Sehnen und Subkutis über Knochenvorsprüngen und Streckseiten des Hand- und El­lenbogengelenks. Seltener manifestiert sich die rheumatoi­de Arthritis
an der Lunge als Pleuritis oder Lungenbrose,
an den Augen als Keratoconjunctivitis sicca oder Episkleritis,
an den Gefäßen als rheumatoide Vaskulitis mit periungua-
len Mikronekrosen, Purpura, Hautulzera oder Parästhesien.
? Eine Patientin mit langjähriger rheumatoider Arthri-
tis klagt über Schmerzen und Parästhesien in den ersten 3 Fingern, die Symptome treten v. a. während der Nacht auf. Zu welcher Komplikation ist es bei ihr gekommen? Wie entsteht diese?
Die Symptome sind typisch für das Karpaltunnelsyndrom. Die Ursache ist eine Weichteilschwellung und Tendovagi- nitiden der langen Fingerstrecker, die den N. medianus im Bereich des Lig. carpi transversum komprimieren.
236
? Sie haben bei einer Patientin den Verdacht auf eine
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rheumatoide Arthritis im Frühstadium. Aus Budget­gründen können Sie nur einen einzigen Laborwert be­stimmen. Für welchen Labortest entscheiden Sie sich?
Der spezischste Marker für die rheumatoide Arthritis sind
Antikörper gegen cyclische citrullinierte Peptide, kurz Anti­CCP-Antikörper. Sie sind bei 50
Frühphase nachweisbar, ihre Spezität liegt bei ca. 95
% der Patienten bereits in der
%.
? Was bedeutet der Ausdruck „seropositive“ rheuma-
toide Arthritis?
Von einer seropositiven rheumatoiden Arthritis spricht man, wenn im Serum der sog. Rheumafaktor nachweisbar ist. Rheumafaktoren sind IgM-Antikörper gegen das Fc-Frag-
ment des Immunglobulin G.
? Wie schätzen Sie die Spezität des Rheumafaktors
im Vergleich zu den Anti-CCP-Antikörpern ein?
Die Anti-CCP-Antikörper sind hochspezisch für die rheu­matoide Arthritis, der klassische Rheumafaktor ist jedoch auch bei anderen Immunerkrankungen, chronischen Infek-
tionen und selten auch bei Gesunden im höheren Lebens­alter nachweisbar.
9.1 Rheumatoide Arthritis
Abb. 9.1 Radiologische Veränderungen bei seit Jahr­zehnten bestehender rheumatoider Arthritis (aus Bohn-
dorf, K., Imhof, H., Fischer, W.: Radiologische Diagnostik
derKnochenundGelenke,2.Auage,GeorgThieme
Verlag, 2006).
MERKE. Der Rheumafaktor ist bei etwa 75 % der Patien-
ten mit rheumatoider Arthritis nachweisbar.
? Welche radiologischen Befunde erwarten Sie auf
dem Röntgenbild der Hand bei einer Patientin mit fort­geschrittener rheumatoider Arthritis?
Typisch für die fortgeschrittene rheumatoide Arthritis sind
konzentrische Gelenkspaltverschmälerungen durch den
Knorpelabbau Erosionen durch die Knochendestruktion, besonders häu-
g an den Metakarpalköpfchen
Subluxationen und Fehlstellungen
sekundäre Arthrosen
Ankylosen
Siehe Abb. 9.1 und Abb. 9.2
? Welche Veränderungen können Sie bei der In-
spektion der Hände einer Patientin mit langjähriger, aggressiver rheumatoider Arthritis feststellen?
Typische klinische Veränderungen der fortgeschrittenen rheumatoiden Arthritis sind
Ulnardeviation der Fingergrundgelenke durch Subluxatio-
nen in den Handwurzelgelenken Schwanenhals- und Knopochdeformitäten durch Schädi-
gungen des Kapselbandapparates der langen Strecksehnen eingesunkene Zwischensehnenräume durch Atrophie der
Mm. interossei
Daumenballenatrophie
Abb. 9.2 Spätstadium der rheumatoiden Arthritis mit Atrophie der Interossealmuskulatur, vorstehenden
Metatarsalköpfchen, Knopochdeformitätdes5.Strahls(ausRehart,S.,Sell.S.: ExpertiseOrthopädischeRheumatologie,GeorgThieme
Verlag, 2015).
UlnardeviationderLangngerund
? Im Frühstadium der rheumatoiden Arthritis zeigen
konventionelle Röntgenbilder häug noch keine direkten Arthritiszeichen. Welche beiden bildgebenden Ver­fahren helfen Ihnen in diesen Fällen am ehesten bei der Diagnosestellung und welche Befunde erwarten Sie?
Die frühe rheumatoide Arthritis lässt sich am besten mit der Arthrosonograe und der MRT diagnostizieren. Mit beiden Methoden können frühzeitig Gelenkergüsse, eine Synovialishypertrophie und Erosionen nachgewiesen wer­den. Insbesondere die MRT ermöglicht den Nachweis eines gelenknahen Knochenödems als sehr frühes Zeichen der rheumatoiden Arthritis.
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9 Rheumatologie
INFOBOX. Rheumatoide Arthritis : Klassi kations-
kriterien
Zielpopulation:
• Patienten mit klinischer Synovitis (Schwellung) an
mindestens 1 Gelenk
keineandereUrsachederSynovitiszunden(z.B.
Infektion, Borreliose)
Die Diagnose „rheumatoide Arthritis“ ist gesichert bei
einemScore≥6(sieheTab.9.1).
? Warum ist eine möglichst frühe Diagnose der
rheumatoiden Arthritis so wichtig?
Die rheumatoide Arthritis verläuft v. a. in den ersten Jahren besonders aggressiv. Irreversible strukturelle Gelenkverände-
rungen wie Erosionen und Fehlstellungen treten häu g be­reits in den ersten Monaten nach Symptombeginn auf. Diese
können durch eine frühzeitig eingeleitete Therapie vermie- den werden, so dass sich die Prognose erheblich verbessert.
? Beschreiben Sie das grundsätzliche medikamentöse
Therapiekonzept bei einer gesicherten rheumatoiden Arthritis!
Sobald die Diagnose feststeht, muss mit einer e zienten,
langfristigen Basistherapie mit den sog. Disease-modifying antirheumatic Drugs, kurz DMARDs , begonnen werden. Die­se Gruppe langwirksamer Immunsuppressiva kann den de­struierenden Gelenkprozess verlangsamen und manchmal
sogar aufhalten. Da die Wirkung dieser Basistherapeutika in der Regel erst nach einigen Wochen einsetzt, erhalten die Patienten zusätzlich übergangsweise nicht-steroidale Anti- rheumatika und orale bzw. intraartikuläre Glukokortikoide.
MERKE. Die Basistherapie mit den DMARDs verfolgt das
Ziel,denEntzündungsprozessaufzuhalten,umBewegungs-
einschränkungen und eine progrediente Gelenkzerstörung zu vermeiden. Durch ihren Einsatz kann die notwendige
SteroiddosishäugunterdieCushing-Schwellendosisvon
7,5 mg/d gesenkt werden („steroideinsparende Basisthe-
rapie“).VielePatientenprotierenvoneinerlangfristigen
„Low-Dose“-Steroidtherapie mit 1–3 mg Prednisolon/d.
? Nennen Sie 6 konventionelle und oral applizierbare
Basistherapeutika , die heute in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt werden!
Zu den gängigen Basistherapeutika zählen:
Methotrexat
Sulfasalazin
Le unomid
Azathioprin
Chloroquin bzw. Hydroxychloroquin
Ciclosporin A
MERKE. Die früher gebräuchlichen Substanzen Gold und
D-Penicillamin werden aufgrund ihres ungünstigen Neben­wirkungsspektrums kaum mehr eingesetzt.
Tab. 9.1 KlassikationskriteriendesAmericanCollegeofRheumatologe(ACR ) und der European League against Rheumatism (EULAR) von 2010.
Kriterien Parameter Score
A: Gelenkbeteiligung 1 großes Gelenk 0
2–10 große Gelenke 1
1–3 kleine Gelenke 2
4–10 kleine Gelenke 3
> 10 kleine Gelenke 5
B: Serologie Rheumafaktor und Anti-CCP-Antikörper: negativ 0
Rheumafaktorund/oderAnti-CCP-Antikörper:positiv,aber≤3-facherhöht 2
Rheumafaktor und/oder Anti-CCP-Antikörper: > 3-fach erhöht 3
C: Dauer der Synovitis <6Wochen 0
≥6Wochen 1
D: Entzündungsparameter CRP und BSG: normal 0
CRPund/oderBSG:↑ 1
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9.1 Rheumatoide Arthritis
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? Sie möchten bei einer 24-jährigen Patientin mit gesi-
cherter Diagnose einer rheumatoiden Arthritis erstmalig eine Basistherapie einleiten. Für welches Medikament entscheiden Sie sich?
Therapie der 1. Wahl bei rheumatoider Arthritis ist eine
Monotherapie mit Methotrexat.
? Worauf müssen Sie bei Ihrer 24-jährigen Patientin
vor Beginn der Methotrexat-Therapie unbedingt achten?
Methotrexat ist teratogen und verursacht Aborte und Missbil­dungen. Gebärfähige Frauen sollten es daher nur einnehmen,
wenn sie eektiv verhüten. Außerdem muss die Patientin
über die typischen Nebenwirkungen und die Notwendigkeit regelmäßiger Laborkontrollen aufgeklärt werden.
? Nennen Sie die wichtigsten Nebenwirkungen von
Methotrexat!
Zu den wichtigsten Nebenwirkungen gehören:
gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen
Transaminasenerhöhung
Stomatitis
Leukopenie mit erhöhter Infektanfälligkeit
Pneumonitis
MERKE. Unter einer Methotrexat-Therapie müssen re-
gelmäßig Transaminasen, alkalische Phosphatase, Blutbild,
Dierenzialblutbild
werden. Bei begründetem Verdacht auf eine Pneumonitis sind ein Röntgen Thorax und eine Lungenfunktionsuntersu­chung indiziert.
undRetentionsparameterbestimmt
? Eine Patientin mit neu diagnostizierter aktiver
rheumatoider Arthritis und chronischer Niereninsuzi­enz wird von ihrem Hausarzt mit der Frage nach einer Basistherapie mit Methotrexat an Sie überwiesen. Wie reagieren Sie?
Methotrexat wird zu 80–90 % unverändert renal ausgeschie­den. Bei eingeschränkter Nierenfunktion akkumuliert die Substanz, so dass vermehrt mit unerwünschten Wirkungen gerechnet werden muss. Daher gilt: Methotrexat ist bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion absolut kontraindiziert. Bei dieser Patientin muss eine Basistherapie mit einer anderen Substanz wie z. B. Azathioprin oder Leu-
nomid eingeleitet werden.
? Ein Patient mit rheumatoider Arthritis spricht auch
auf eine Kombinationstherapie mit mehreren oralen Basistherapeutika nicht ausreichend an. Welche Therapie schlagen Sie jetzt vor?
Bei schweren, therapierefraktären Krankheitsverläufen werden die sog. „Biologicals“ eingesetzt.
? Beschreiben Sie kurz das allgemeine Wirkprinzip der
zur Therapie der rheumatoiden Arthritis zugelassenen Biologicals!
Biologicals beeinussen gezielt bestimmte biologische Pro­zesse, die eine Schlüsselrolle in der Pathogenese der rheu­matoiden Arthritis einnehmen. Die eingesetzten Substanzen blockieren relevante Zytokine wie TNF-α oder Interleukin-6, stören die Ko-Stimulation von T-Lymphozyten oder reduzie- ren die Zahl der B-Lymphozyten.
? Wie können Sie das Risiko einiger Methotrexat-
Nebenwirkungen reduzieren?
Die prophylaktische Gabe von Folsäure reduziert das Auf-
treten unspezischer Methotrexat- Nebenwirkungen wie
z.
B. Stomatitis und Transaminasenerhöhung.
MERKE. Spätestens 24 Stunden nach der Einnahme von
Methotrexat muss Folsäure (5–10 iert werden. Die immunsuppressive Wirkung wird dadurch
nicht
beeinusst.
mg pro Woche) substitu-
? Sie möchten bei einem Patienten mit therapierefrak-
tärer rheumatoider Arthritis eine Therapie mit Iniximab beginnen. Was müssen Sie vor Therapiebeginn unbe­dingt ausschließen? Begründen Sie Ihre Antwort!
Vor Beginn einer Iniximab-Therapie muss eine aktive oder latente Tuberkulose ausgeschlossen werden, da diese unter
der Therapie reaktiviert werden kann (siehe Tab.
9.2).
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