Wirtschaftsdeutsch. Учебное пособие
.pdfeine Einheitswährung ganz aufgehoben werden. Die bislang mögliche „Abfederung" von wirtschaftlichen und finanzpolitischen Diskrepanzen zwischen den Nationen durch die anpassungsfähigen Wechselkurse ist damit nicht mehr gegeben. Über die realwirtschaftlichen Konsequenzen kann man gegenwärtig nur spekulieren.
2.4.2 Ursachen von Wechselkursänderungen
Nicht nur flexible Wechselkurse ändern sich, auch bei festen Wechselkursen ist es stets in mehr oder weniger kurzen Abständen zu Anpassungen gekommen. Hieraus ergibt sich die Frage, welche Ursachen für Wechselkursänderungen verantwortlich sind.
Die Wechselkurse bilden sich aufgrund von Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt. Also wird man nach den Bestimmungsgründen für Devisen-Zah- lungen und damit verbundene Devisen-Tauschwünsche fragen müssen.
Generell kann man sagen, dass der Devisentausch notwendig wird bei a) dem Austausch von Gütern und Leistungen, z. B.
-für den Import von Waren und Dienstleistungen,
-für die Zahlung von Einkommen (Lohn, Honorar, Zins, Gewinn) an Ausländer,
-für Zahlungen im Rahmen von Geschenken, Unterstützungen, Wiedergutmachungen oder Verpflichtungen bei internationalen Vereinbarungen;
b) finanziellen Transaktionen, z. B.
-für die Gründung und den Erwerb von Unternehmen oder Beteiligungen, von Grundstücken, für den Kauf von ausländischen Aktien usw., d. h. für ein
langfristiges finanzielles Engagement im Ausland,
- für kurzfristige Spekulationsgeschäfte, bei denen man aus den Zinsdifferenzen oder Wechselkursveränderungen Gewinn ziehen kann.
Weitgehend unabhängig davon, ob die Zahlungen in inländischer oder ausländischer Währung geleistet werden, führen diese Transaktionen im allgemeinen zu einem Angebot an heimischer Währung an den Börsen und
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gleichzeitig zu einer Nachfrage nach ausländischer Währung. Hieraus ergibt sich auf dem Devisenmarkt ein Abwertungsdruck. Umgekehrtes (Aufwertungsdruck) gilt bei hohem Export von Gütern und Leistungen und Geldanlagen durch Ausländer.
Wenn sich aber Devisenbewegungen auf Güterund Kapitalbewegungen zurückführen lassen, so wird man bei der Forschung nach den Ursachen für Wechselkursänderungen in einem weiteren Schritt fragen müssen, warum sich Güterund Kapitalströme verlagern. Grob gesprochen kann man entsprechend der bisherigen Systematik zwei große Ursachenkomplexe unterscheiden:
Änderungen der Güterströme werden hauptsächlich auf
Kaufkraftunterschiede (Preisunterschiede bzw. Inflationsunterschiede) und
Einkommensunterschiede zurückgeführt.
So werden die internationalen Güterbewegungen zunehmen:
- wenn die Preise im Ausland schneller als im Inland steigen, weil (zum alten Wechselkurs) dann inländische Waren im Ausland vergleichsweise billiger angeboten werden können,
- wenn das Einkommen im Inland schneller wächst, weil der sich daraus ergebende Nachfragezuwachs sich auch auf ausländische Waren und Dienstleistungen richtet.
Die Verbesserungen der Kaufkraftparität und der Einkommensdifferenz zugunsten des Inlands erzeugen eine erhöhte Nachfrage nach inländischer Währung - es entsteht ein Aufwertungsdruck. (Wird dem Aufwertungsdruck dann nachgegeben, so führt dies zu einem Abbau der Kaufkraftunterschiede.)
Änderungen der Kapitalströme werden als Investitionsbzw. Anlageentscheidungen hauptsächlich auf Zinsunterschiede
(Rentabilitätsunterschiede) zurückgeführt.
2.4.3Außenwirtschaftliches Gleichgewicht, Leistungsbilanz und
Außenbeitrag
Mit hohem Beschäftigungsstand, angemessenem und stetigem Wirtschafts-
wachstum sowie der Preisniveaustabilität gehört das außenwirtschaftliche
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Gleichgewicht zu den gesamtwirtschaftlichen Zielen, die im Stabilitätsgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert sind.
Ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht wird häufig mit ausgeglichener
Zahlungsoder Handelsbilanz gleichgesetzt. Dies macht jedoch hinsichtlich der Zahlungsbilanz wenig Sinn, denn diese ist - wegen der Methode der doppelten Buchhaltung - immer und überall ausgeglichen.
Die Handelsbilanz gibt dagegen nur den Außenbeitrag eines Landes wieder, der sich auf den Warenimund -export beschränkt. Gelegentlich findet man auch den Ausdruck Außenbeitrag zur Gesamtnachfrage im Inland, womit dann die Zusammenfassung von Handelsund Dienstleistungsbilanz gemeint ist, die manchmal auch als Leistungsbilanz im engeren Sinne bezeichnet wird.
Von außenwirtschaftlichem Gleichgewicht spricht man im Regelfall immer nur dann, wenn die ganze Leistungsbilanz ausgeglichen ist, in der die Summe des
Güterund Leistungsaustausches eines Landes erfasst wird und die damit Aufschluss über die außenwirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes gibt.
Gelegentlich kann es jedoch zweckmäßig sein, das „Gleichgewicht" auch durch die sogenannte Grundbilanz zu beschreiben. Diese erfasst neben dem Mittelab- und -zufluss durch die Güterund Leistungsbewegungen auch die langfristige
Geldanlage im Ausland. Damit wird dann nicht nur die Geldausgabe für Güter und Leistungen, sondern auch für die Anlage von Werten im Ausland erfasst, die zu Devisenabfluss führt.
Ein höheres Zinsniveau im Ausland wird Investoren anlocken. Zur Finanzierung der Investitionen wird ausländische Währung verstärkt nachgefragt und heimische Währung angeboten. Hieraus folgt ein Abwertungsdruck. Wird diesem Abwertungsdruck nachgegeben, so erfolgt ein Abbau der (realen) Zinsunterschiede. Selbstverständlich spielen bei derartigen
Investitionsentscheidungen nicht allein Zinsdifferenzen, sondern auch
Risikoüberlegungen sowie die Kombination (Streuung) verschiedener Anlageformen (Portfolio) eine wichtige Rolle.
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Weiterhin könnte man noch die Spekulation als eigenständiges Motiv anführen. Wir wollen im Augenblick jedoch darauf noch verzichten und dies damit begründen, dass die Spekulation letztlich von unterschiedlichen Erwartungen bezüglich der Wechselkurse bzw. der Ursachen von Wechselkursänderungen genährt wird.
2.5 Ein Brandenburger macht Karriere am Kaukasus
Als Deutscher nahe des Kaukasus leben und arbeiten, geht das? Es geht. Der
Brandenburger Ralf Bendisch lebt seit sieben Jahren in der südrussischen Großstadt Krasnodar. Dort hat er im Auftrag des westfälischen Unternehmens Claas eine Fabrik zur Endmontage von Mähdreschern und Traktoren aufgebaut. Die Niederlassung hat heute 100 Mitarbeiter.
Krasnodar ist russische Provinz. Doch die Stadt mit ihren 650.000
Pannwohnern bietet alle Annehmlichkeiten einer Großstadt: gute Restaurants,
Kinos, Museen und eine Konzerthalle. Ralf Bendisch fühlt sich in der sudrussischen Stadt wohl. „Wir haben hier Nord-italienisches Klima," schwärmt der 52-Jährige. Und das Schwarze Meer ist nur zwei Stunden entfernt.
Im Jahr werden in Russland etwa 8.000 Mahdrescher verkauft. Das westfalische Unternehmen Claas muss sich diesen Markt mit sieben anderen Anbietern aus
Russland und dem westlichen Ausland teilen. Claas hat Mahdrescher extra für die großen Flächen entwickelt. 200.000 Euro kosten diese 500 PS-Monster. Ihr
Schneidwerk ist bis zu zwölf Meter breit, das ist etwa eineinhalb mehr als die
Mahdrescher des russischen Konkurrenten Rostselmasch: Seit der Werksgründung
2003 wurden in Krasnodar 2.000 Mahdrescher montiert und verkauft. Die russischen Claas-Arbeiter verdienen im Schnitt 475 Euro im Monat. Doch der
Hauptgrund das Werk in Südrussland zu bauen, waren nicht die niedrigen Löhne. Es war die Marktnahe, sagt Ralf Bendisch Befürchtungen, Arbeitsplätze konnten von Deutschland nach Russland verlagert werden lässt er nicht gelten. „Wenn ein deutsches Unternehmen heute wachsen will, dann muss es im Ausland wachsen.*'
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Das Unternehmen sei so aufgebaut, dass immer ein hoher Anteil der Einzelteile in Deutschland gefertigt werde.
Bis die Einzelteile der Mahdrescher in Krasnodar montiert werden, legen sie einen sehr langen Weg zurück. Aus Westfalen werden die Teile per Schiff über das
Mittelmeer und das Schwarze Meer transportiert. Der lange Weg ist noch profitabel. Denn die russische Regierung hat die Einfuhrzolle für komplette
Mahdrescher seit der Finanzkrise auf 15 Prozent erhöht. Auch andere westliche
Konkurrenten von Claas haben, um die hohen Einfuhrzolle zu umgehen, eigene Produktionsstandorte in Russland aufgebaut. Doch die russische Regierung will mit ihrer Politik die Schaffung von Arbeitsplätzen in Russland fördern, noch einen Schritt weiter gehen. Sie plant ein Gesetz, das ausländischen Firmen die zollfreie
Einfuhr von Waren erlaubt, wenn bei der Endfertigung mindestens 30 Prozent der Zulieferungen aus Russland kommen. Das Werk in Krasnodar bereitet sich bereits auf das neue Gesetz vor. Man wolle eine neue Halle für die Fertigung von
Einzelteilen bauen, berichtet Bendisch.
Nicht immer waren die Zeiten so günstig wie jetzt. Der Kreml hat erkannt, wie wichtig ausländische Investitionen für Russland sind. Als der deutsche Baumaterial-Hersteller Knauf Mitte der 90er Jahre ein Gips-Werk im Bezirk Krasnodar aufbaute, besetzten Kosaken die Zufahrtswege. Die Demonstranten protestierten gegen den deutschen Investor und verglichen ihn mit der Wehrmacht. Unter diesen Bedingungen verstehe man, dass Top-Manager sich für Leibwächter entscheiden, meint Bendisch. Er selbst aber komme ohne Leibwachter aus. Warum hat nun die Firma Claas ihr erstes Werk in Russland ausgerechnet nahe des Kaukasus gebaut? Das Gebiet Krasnodar sei eines der fruchtbarsten in ganz
Russland, sagt Ralf Bendisch. Die Ernteerträge sind dreimal so hoch wie im russischen Durchschnitt. Deshalb seien die Absatzchancen für Mahdrescher in der
Region am besten. Man liefert aber von Krasnodar aus auch in andere russische Regionen. Die Verwaltung der sibirischen Stadt Blagoweschtschensk habe seit
2008 jährlich zwischen 20 und 50 Mahdreschern gekauft. In Blagoweschtschensk an der Grenze zu China werden die umgerüsteten Claas-Mahdrescher bei der
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Reisernte eingesetzt. Seit dem ersten Russisch-Unterricht in der fünften Klasse verband Ralf Bendisch „eher Liebe als Hass"' mit dem sozialistischen Bruderland im Osten. Eigentlich hatte der Oberschuler Bendisch gehofft, dass man ihn zum Studieren nach Ungarn, Tschechien oder Bulgarien schickt. Doch dass er dann zum Werkzeugmaschinenbau-Studium nach Kiew gesandt wurde, hat er „nie bereuf. Er schloss eine dreijährige Promotion an. Zurück in der DDR wurde Ralf Bendisch Leiter der Arbeitsvorbereitung im Landmaschinenwerk „Fortschritt" in Rostock. Doch als die Sowjetunion zusammenbrach und das Landmaschinenwerk in Rostock seinen Markt im Osten verlor, musste sich der Landmaschinen-Experte nach einer neuen Arbeit umsehen. Der Brandenburger zog mit seiner Familie in den Westen. 1998 heuerte Bendisch beim Mahdrescher-Hersteller Claas an. Der schickte ihn als Geschäftsführer eines Joint Ventures in die Ukraine. „Da passte wohl keiner so gut hin wie ich", sagt Bendisch. Und als Claas sich entschloss, ein
Werk in Russland zu eröffnen, war Bendisch mit seiner Kenntnis von Land und Leuten wieder der geeignete Mann.
Noch denkt der Chef von Claas in Krasnodar nicht daran, nach Deutschland zurückzukehren. Seine drei Kinder sind aus dem Llaus. Seine Frau kommt ihn regelmäßig besuchen und einmal im Monat fliegt der Manager auf Heimaturlaub.
Über Einsamkeit kann der Deutsche in Krasnodar nicht klagen. Am liebsten ist
Ralf Bendisch mit russischen Freunden zusammen, mcist Kollegen. die selbst irgendwo eine leitende Stellung haben. Mit denen geht er dann in die Banja.
2.6 Sotschis Arena wird Vorbild für ganz Russland
Russland plant fast eine Milliarde US-Dollar Investitionen, um seine Zirkusarenen wieder auf Vordermann zu bringen. Die staatliche Zirkusagentur
RosGosZirk will die Immobilien für eine Multifunktionsnutzung umrüsten und so die Einnahmen erhöhen. Vorreiter wird die Olympiastadt Sotschi.
Sotschis Zirkus bleibt von den Umwälzungen in der Olympiastadt nicht verschont. Aus der traditionsreichen Spielstatte im Stadtzentrum soll bis 2014 eine Multifunktions-Arena mit Hotel, Showbühnen, Restaurants und spektakularen
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Wasserspielen werden. So zumindest der Traum von Zirkusdirektor Arkadij
Pogosow. Von einem befreundeten Architekturbüro hat er ein Konzept für die
Zukunft des Hauses entwerfen lassen. Die Immobilie soll mit Laserund Holographie-Spektakeln in Szene gesetzt werden. Künftiges Highlight ist eine über 20 Meter hohe Leinwand, die sich außen um das runde Gebäude spannt. „Flier konnten die Wettkampfe der Winterspiele live übertragen werden", sagte Pogosow.
Ein österreichisches Unternehmen habe bereits vorgeschlagen, diesen 4,5
Millionen Euro teuren Riesen-Bildschirm auf eigene Kosten zu installieren.
Das Zirkusgebäude in Sotschi wurde im Mai 1971 eröffnet und steht nur 250
Meter vom Schwarzen Meer entfernt. Künftig wird das Zirkusrund aber nur noch eine Nebenrolle spielen. Denn ein Hotelanbau für 200 Gaste, ein Saal für
Modenschauen, Wrestlingund Boxkämpfe oder Theatervorführungen sowie ein Parkhaus werden das Areal verändern. Dafür sind rund 75 Millionen Euro
Investitionen nötig. „Wir haben 2,2 Hektar Land in bester Innenstadtlage gleich am Meer", sagt Zirkusdirektor Pogosow. Solch eine Lage würden Investoren in der Stadt heute kaum noch finden. Es habe erste Gespräche mit Interessenten gegeben, die Geld in das Projekt stecken wollen, so der Zirkusmanager. Die Zeit eilt, denn bei den veranschlagten zweieinhalb Jahren Bauzeit musste die Umgestaltung bald beginnen, um zu den Olympischen Winterspielen 2014 fertig zu sein.
2.7 Ihre kleine Farm
CSA-Bauern betreiben ihre Höfe wie private Clubs - Mitglieder erhalten alle
Lebensmittel im Abonnement. Der Profit ist weniger wichtig. Dafür können die
Kunden genau beurteilen, wie ihre Nahrung entsteht.
Münsterland, zwischen Bundesstraße 54 und Autobahn 1, liegt ein Stück Paradies. An der geschotterten Einfahrt zum Hofgelände stehen zwei Esel im Schatten alter Bäume und kauen Heu. In der Morgensonne vor dem Bauernhaus mit der braunroten Klinkerfassade dosen drei Hunde auf dem warmen Pflaster. Neben der Scheune mit dem blitzenden Solardach wählen Schweine im Matsch. Weiter hinten blinken bunte Gemüsebeete, und wer den Blick noch weiter
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schweifen lässt, sieht auf der anderen Seite des kleinen Flusses die Schafe auf der
Weide grasen.
„Diese Vielfalt ist ein Privileg. Sie ist nur möglich durch die CSA", sagt
Kenneth Stange. Der 40-jährige Landwirt mit dem sonnengegerbten Gesicht und dem Baumwollpullover hat nicht viel Zeit, besonders heute nicht. Auch das liegt an der CSA. Morgen ist Abholtag.
Kenneth Stange (40) ist einer der Landwirte des CSA-Hofs „Entrup 119".
CSA, das bedeutet ausgeschrieben Community Supported Agriculture. Es beschreibt ein Wirtschaftsmodell, das Bauern in Japan und Nordamerika entwickelt haben, um dem wachsenden Preisdruck und der Zentralisierung in der Agrarindustrie zu entkommen. CSA-Bauern produzieren nicht für den freien Markt, sondern für einen festen Kreis von Verbrauchern. Diese sind wie in einem
Club Mitglieder der CSA und verpflichten sich ein Jahr im Voraus, den Betrieb jeden Monat mit einem festgelegten Betrag zu unterstützen. Dafür bekommen sie Gemüse, Obst, Eier, Fleisch, Milchprodukte, Brot. Frische Lebensmittel im Abo sozusagen.
Jede Woche werden die Produkte des Hofes „Entrup 119" unter den
Mitgliedern aufgeteilt. Die kommen aus dem Umland - Altenberge, Munster, Billerbeck - auf den Hof gefahren und laden die Kofferräume ihrer Autos voll.
Manche nutzen die kleinen Abholdepots des Hofes in Altenberge und Munster. Seit vier Jahren wirtschaftet der Hof als CSA. Anfangs hatte die
Verbrauchergemeinschaft rund 35 Mitglieder. Den Großteil ihrer Lebensmittel verkauften Stange, seine Frau Susanna Lindeke und das andere Bauern-Ehepaar, mit dem sie den Hof betreiben, auf Wochenmärkten in der Nähe. Heute gehören
125 Menschen zur CSA und nehmen gut 70 Prozent der Lebensmittel des BioHofes ab. Der Rest geht an Wochenmarkte und in den Hofladen.
„Lukas, du musstest dich noch mal um die Radieschen kümmern, die brauchen Wasser", ruft Stange einem jungen Mann zu, der vor dem Stall die Pferde abburstet. Der Lehrling legt die Bürste beiseite und trottet in seinen grünen Plastikpantinen in Richtung Gemüseacker.
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Mehr als 40 Gemüsesorten wachsen auf den Feldern des 30 Hektar kleinen Betriebs. „Das würde sich für einen konventionellen Bauern niemals rechnen", sagt Stange. Die meisten Landwirte spezialisieren sich auf eine oder zwei
Gemüsesorten, die sie in großen Mengen anbauen. Auf dem Entrup-Hof wachsen
Salatköpfe neben Spinat, Schnittlauch neben Fenchel, Tomaten neben Rucola. Es wird von Hand gesät und gepflückt, statt der gewaltigen Pflugmaschinen, die auf konventionellen Ackern zum Einsatz kommen, grabt auf den CSA-Feldern ein alter Pferdepflug die Erde um. Das schont den Boden.
„Durch die CSA können wir Landwirtschaft nachhaltig betreiben, im
Einklang mit der Natur", sagt Bäuerin Susanna Lindeke. Die 33-Jährige und ihr Mann haben sich vor zehn Jahren an der Uni kennen gelernt, am Institut für ökologische Agrarwissenschaft in Witzenhäusern. Beiden war klar, dass sie als
Bauern einen Kontrapunkt setzen wollten gegen all das, was aus ihrer Sicht schief läuft in der Landwirtschaft. Gegen die gigantischen Anlagen zur Hühnerund
Schweinemast, in denen allein im Münsterland, in unmittelbarer Nähe des Entruper
Hofes, Millionen Tiere ihrem Ende als Billig-Fleisch entgegendämmern. Gegen Gensaat und Monokulturen, die den Artenreichtum und die Boden zerstören.
Und auch gegen die Entfremdung des Menschen von der Natur und der Lebensmittelherstellung wollten sie etwas tun - sowohl die der Verbraucher als auch die der Bauern. „Als CSA-Bauer weiß ich, für wen ich produziere. Ich kenne die Mitglieder, viele sind mittlerweile Freunde von uns geworden", sagt Stange. Und die Mitglieder, die die Lebensmittel abnehmen, wissen, wie diese produziert werden und können jederzeit den Hof besuchen. „Die Landwirtschaft, wie sie heute großteils betrieben wird - als industrieller Wirtschaftszweig -, konnte sich nur so entwickeln, weil die Wahrheit über die Produktionsabläufe gezielt von den
Kunden ferngehalten wird", sagt Susanna Lindeke. Dem setzt die CSA Transparenz entgegen.
Ein Uhr, Mittagspause. Im Schatten der Birke vor dem Bauernhaus decken
Jugendliche den Tisch. Auf großen Blechen glänzen Kartoffelecken aus dem Backofen, danebenstehen Schüsseln mit Roter Bete und Kräuterquark.
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Praktikanten sind regelmäßig auf dem Hof zu Gast, viele kommen von
Waldorfschulen aus dem Umland. Wie die biologisch-dynamische Landwirtschaft insgesamt fußt auch die CSA-Idee auf den Lehren des Anthroposophen Rudolf Steiner vom harmonischen Zusammenleben von Mensch und Natur.
Piet Ammann reicht Kenneth Stange einen Fotoapparat über den Tisch. „Guck mal, ich hab' euch was mitgebracht. Das sind die Bilder von dem neuen
Trecker", sagt der 67-jährige Gynäkologe. Er ist Mitglied der CSA und heute zum Mittagessen vorbeigekommen, um den Bauern die mitgebrachten Fotos zu zeigen. Stange klickt sich an dem kleinen Kamerabildschirm durch die Aufnahmen.
„Mensch, der sieht ja super aus!" In ein paar Tagen soll der Traktor, ein Schnäppchen vom Gebrauchtmarkt, auf dem Hof stehen. „Der alte ist uns vor ein paar Wochen kaputtgegangen, Achsenschaden", sagt Stange. „Da hab' ich mich sowas von geärgert." Dass nun so schnell ein Ersatz gefunden ist, haben die
Bauern dem Einsatz ihrer Mitglieder zu verdanken. Sie haben das Angebot ausfindig gemacht und den Preis ausgehandelt. Die Mutter eines Mitglieds hat zudem 2000 Euro für die Anschaffung gespendet.
Wie viel Geld die Gemeinschaft braucht, um über das Jahr kostendeckend wirtschaften zu können, wird zu Anfang jedes Betriebsjahres in einem Wirtschaftsplan festgelegt. Rechtlich ist die CSA als Genossenschaft organisiert. Die vier Landwirte und vier Auszubildenden, die auf dem Hof arbeiten, sind bei der Genossenschaft angestellt.
Zurzeit zählt jedes Mitglied etwa 120 Euro im Monat, für Kinder die Hälfte.
Wer kann, gibt etwas mehr, wer es sich nicht leisten kann, zahlt etwas weniger.
„Das klingt vielleicht erstmal viel. Es ist aber deutlich weniger, als wenn man die
Lebensmittel im Bioladen kauft", sagt CSA-Mitglied Ammann. Und die Qualität sei sogar besser als im Bioladen. „Weil lange Transportwege wegfallen, bekommen die Mitglieder ganz frische Sachen, oft werden sie am selben Tag erst 16 Juma 3/2011.
Es ist zwischen Russland und Deutschland handelswirtschaftlich Zusammenarbeit nicht nur traditionell verhalt sich zu den am meisten
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