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Практикум по лингвокультурологическому анализу текста. В 2 частях. Ч.1. Учебно-практическое пособие для студентов старших курсов филологических факуль

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Министерство просвещения Российской Федерации Федеральное государственное бюджетное образовательное учреждение

высшего образования «Московский педагогический государственный университет»

И. А. Шипова

ПРАКТИКУМ ПО ЛИНГВОКУЛЬТУРОЛОГИЧЕСКОМУ

АНАЛИЗУТЕКСТА

Учебно-практическое пособие для студентов старших курсов

филологических факультетов, изучающих немецкий язык

В двух частях ЧАСТЬ I

МПГУ Москва • 2022

УДК

811.112.2'27(075.8)

DOI: 10.31862/9785426310742

ББК

81.432.4-006я73-5

 

 

Ш634

 

Рецензенты:

А. В. Аверина, доктор филологических наук, профессор, профессор кафедры германской филологии факультета романо-германских языков МГОУ

Э. Л. Шубина, доктор филологических наук, профессор, профессор кафедры немецкого языка

МГИМО МИД России

Шипова, Ирина Алексеевна.

Ш634 Практикум по лингвокультурологическому анализу текста : учебно-практическое пособие для студентов старших курсов филологических факультетов, изучающих немецкий язык : в 2 ч. Часть I / И. А. Шипова. – Москва : МПГУ, 2022. – 44 с.

ISBN 978-5-4263-1074-2

Практикум по лингвокультурологическому анализу текста (на немецком языке) знакомит студентов с приемами анализа немецкоязычного текста литературно-ху- дожественных произведений с позиции его принадлежности к немецкой языковой

инационально-культурной общности. Цель издания помочь приобрести навыки

иприемы лингвокультурологического анализа, в котором филологический, страно- ведческий, культурологический и исторический аспекты позволяют получить пред- ставление о языковой картине мира носителей немецкого языка в процессе её ис- торического формирования и сопоставить её с картиной мира носителей русского языка.

Издание предназначено для студентов-филологов, учителей, преподающих не- мецкий язык в средних и среднеспециальных учебных заведениях.

УДК 811.112.2'27(075.8) ББК 81.432.4-006я73-5

ISBN 978-5-4263-1074-2

© МПГУ, 2022

DOI: 10.31862/9785426310742

© ШиповаИ. А., текст, 2022

INHALTSVERZEICHNIS

Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

Grundlegende Begriffe

der linguokulturologischen Textanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Ausdrucksmittel zur Beschreibung

des sprachlichen Weltbildes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Methodische Zugangsweise

zu literarischen Texten aus der Sicht

der kulturwissenschaftlich-interkulturellen Linguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Strategien der linguokulturologischen Textanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Methoden der linguokulturologischen Textanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Arbeitsschritte der Textanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Bestimmung der Textfunktion und -intention . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

Literarische Texte

aus der Sicht ihrer Gattung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Das Märchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Texte zur Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

Die Brüder Grimm

Der Bauer und der Teufel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Das russische Volksmärchen «Мужик и медведь» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Die Fabel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Texte zur Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781)

Die Eiche und das Schwein (1759) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Иван Андреевич Крылов (1769–1844)

Свинья под дубом (1823) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Die Ballade . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Texte zur Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1732)

Der Fischer (1778) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Михаил Лермонтов (1814–1841)

Русалка: Стих (1832). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Die Tragödie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Texte zur Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

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Allgemeines

Linguokulturologie befasst sich mit den Wechselbeziehungen von Sprache und Kultur. Diese Disziplin bildete sich im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts heraus, aber die Voraussetzungen dafür gab es schon viel früher. Ihrer Entstehung und ihrem Werdegang trugen viele namhafte Sprachund Kulturforscher sowohl in Russland als auch im Ausland bei. Wilhelm von Humboldt meinte, dass die Sprache eine „äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker“ ist, die „Zwischenwelt zwischen dem Denken des Sprechenden und der Außenwelt bildet“ [Humboldt 1837, c. 37].

Die These, dass die Sprache als Mittel des Ausdrucks von Gedanken oder als Kommunikationsmittel sehr eng mit der Denkweise verbunden ist, wurde durch die Dimension Kultur erweitert, denn:

Sprache und Kultur bilden die Weltanschauung von Menschen ab;

mit Hilfe von Sprache und Kultur wird dem Menschen ein Wertesystem vorgegeben;

für Sprache und Kultur gehören solche Eigenschaften wie Historismus und evolutionärer Charakter;

Sprache und Kultur haben kumulative und intergenerationale Funktion.

Im deutschsprachigen Raum spricht man über kulturwissenschaft- lich-interkulturelle Linguistik, die die kommunikationstheoretischen Grundlegungen, sowie interkulturelle Dimensionen mit der Fremdsprachendidaktik verbindet.

Als Gegenstand der Linguokulturwissenschaft gilt die Erforschung und Beschreibung des sprachlichen Weltbildes, in dem sprachlich-kultu- relle Informationen, Kulturkonzepte, Kulturphänomene in verbaler Form widergespiegelt und festgehalten sind, was vor allem in den Texten zum Vorschein kommt.

Man geht davon aus, dass die Menschen nicht nur sprachliche Mittel für die Kommunikation beherrschen, sondern auch die gleiche Denkweise der meisten Mitglieder der Gesellschaft [Радченко 2005, с. 251] aufweisen. Im Rahmen der Lingukulturologie nennt man diesen Zusammenhang zwischen der Sprache und der Kultur das Weltbild, und zwar das sprachliche Weltbild [Жуманиязова 2017, с. 627], das einen systematisierenden Inhalt der Sprache darstellt. Man geht davon aus, dass jede Sprache die Funktion der Befestigung und der Aufbewahrung aller Kenntnisse und aller Vorstellungen einer sprachlichen Gesellschaft über die Welt erfüllt [Корнилов 2003, с. 4].

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ALLGEMEINES

Seit Anfang der 90er Jahre mehren sich die Studien zur neuen „auswärtigen Kulturkompetenz der Europäischen Gemeinschaft“ an deutschen Universitäten. Das primäre Anliegen ist es, „Texte“ im breiten Sinne des Wortes zu kontextualisieren, d.h. in die Zusammenhänge einzufügen, in denen sie entstanden sind. Man denkt dabei an ein im kulturellen Gedächtnis gespeichertes Repertoires an Texten, das einer Kommunikationsgemeinschaft zur Verfügung steht, um im Rahmen kommunikativer Handlungen eine gemeinsame ‘Welt’ herstellen zu können. Dabei stellt sich die Aufgabe der linguound kulturwissenschaftlichen Textanalyse, die in einem konkreten Einzeltext rekonstruierbaren sprachlichen und kulturwissenschaftlichen Wissensbestände [vgl. Altmayer 2004: 251] zu verallgemeinern.

„Kultur als Text“ bezieht sich auf Kultur als Textur, als Gewebe von sprachlichen und außersprachlichen Symbolen. Die Auffassung von Kultur als Ensemble von Texten markierte die „anthropologische Wende in der Literaturwissenschaft“. Die damit verbundene verstärkte Hinwendung zur Kulturgebundenheit der sprachlichen Phänomene erforderte neue Fragestellungen bezüglich der pragmalinguistischen, kognitiven und kulturalistischen Ansätze. Das Ziel der fremdsprachigen Germanistik war damit nicht nur der Erwerb der Deutschkenntnisse, sondern auch Deutschlandkompetenz. Sie beinhaltet die Kompetenz, Deutschland, seine Kultur, Sprache und Literatur, aber auch Politik und den Alltag zu verstehen bzw. erklären zu können.

Solche Kompetenz sollte den Studierenden ermöglichen, sich über die Phänomene fremder kultureller Zusammenhänge zu informieren und sie für die eigene Kultur nützlich zu machen.

Texte werden von Menschen aufgefasst, sie werden als Ausdruck bestimmter Intentionen im konkreten soziokulturellen Kontext auf der Grundlage von entsprechenden Normen und Werten produziert und fungieren als Repräsentanten einer kulturspezifischen diskursiven Praxis.

Die Metapher „Kultur als Text“ betont die Lesund Beschreibbarkeit kultureller Praktiken. Literarische Texte sind kulturelle Ausdrucksformen, die Konzepte der Kulturwissenschaften den Textbenutzern von der mentalen und sozialen Seite vermitteln und eine sprachlichkulturwissenschaftliche Orientierung möglich machen.

Durch die Analyse von literarischen Texten und den Vergleich der Fremdkultur mit der Eigenkultur soll die Sensibilisierungsund Interpretationsfähigkeit entwickelt werden, die für eine Zeitspanne typischen

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И. А. ШИПОВА. ПРАКТИКУМ ПО ЛИГВОКУЛЬТУРОЛОГИЧЕСКОМУ АНАЛИЗУ. ЧАСТЬ I

Denkund Handlungsmuster einer Gemeinschaft zu erkennen und offenzulegen.

Die zeittypischen Denkund Handlungsmuster sind in ihrer diskursiven Vernetzung (also im konkreten Diskurs) zu beschreiben. Diskurs wird als eine offene semantisch-thematisch und/oder pragmatisch vernetzte Textmenge, als ein transtextuelles Phänomen definiert, das jeden Einzeltext diskursiv prägt und sich auf ein Ereignis bezieht [vgl. Heinemann/ Heinemann 2002: 119]. Somit sind Diskurse durch sprachliche und nichtsprachliche Handlungen erzeugte Texte im Rahmen einer Kulturund Sprachgemeinschaft.

Die Diskursforschungen sind zum festen Bestandteil des universitären Bildungsprogramms der Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften und der Philologien geworden, weil sie komplexe kulturelle, gesellschaftliche und sprachliche Phänomene fixieren und interdisziplinäre Zugangsweise auf die kontextbezogenen Prozesse der sprachlichen Bedeutung realisieren. Die Diskursanalyse hat die Aufgabe die gesellschaftliche und kulturelle Wirklichkeit darzustellen und die Wirklichkeitskonzeptualisierung anzubieten. Diesen Forderungen entspricht die kulturwissenschaftlich orientierte Linguistik, die die Ansätze der kontrastiven, kulturkontrastiven und interkulturellen Linguistik einführen und realisieren soll.

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Grundlegende Begriffe

der linguokulturologischen Textanalyse

Jeder Einzeltext ist diskursiv geprägt, er wird durch sprachliche und nicht-sprachliche Handlungen als Text im Rahmen einer Kulturund Sprachgemeinschaft erzeugt. Die linguokulturologische Textanalyse soll bewusst machen, mit welchen sprachlichen Mitteln bestimmte Wirklichkeitskonstruktionen einer Kulturgemeinschaft in bestimmten Zeiten etabliert werden und damit als ‚kollektives Wissen‘ wichtiger gesellschaftlicher Teilgruppen gelten können [vgl. Wengeler 2005: 285].

Das bestimmt das sprachliche Weltbild, das als eine in der Sprache enthaltene Wirklichkeitsinterpretation gilt. Die Idee über das sprachliche Weltbild hat eine lange Geschichte, darüber wurde von einer Reihe bedeutender Vertreter verschiedener Kulturen geschrieben, unter anderen von Francis Bacon, John Locke, Johann Georg Hamann, Johann Gottfried Herder u.a.

Heutzutage ist dieser Begriff auch ein Gegenstand der Linguokulturologie, denn das sprachliche Weltbild hängt mit der menschlichen Sprache und der Kultur zusammen. Es wird behauptet, dass jede Kultur sein eigenes Weltbild aufweist.

Die Art und Weise, wie ein Mensch denkt, wird stark durch seine Muttersprache beeinflusst. Dabei geht es um den Wortschatz einer Sprache, ihre semantische Struktur, ihre Syntax usw. Wenn man eine andere Sprache spricht, denkt man auch anders. Der polnische Linguist Jerzy Bartminski schreibt: „Das sprachliche Weltbild gilt als eine in der Sprache enthaltene Wirklichkeitsinterpretation, die sich als Menge von Denkmustern über Welt, Menschen, Gegenstände und Ereignisse erfassen lässt. Es ist nicht ein Spiegelbild oder eine Fotografie der realen Gegenstände, sondern deren Interpretation, ein subjektives Porträt“ [Bartminski 2012, 266]. Das bedeutet, dass das sprachliche Weltbild mit der sinnlichen Erfahrung der Menschen zusammenhängt, die eine Sprache sprechen und zu einer Kulturgemeinschaft gehören.

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Ausdrucksmittel zur Beschreibung des sprachlichen Weltbildes

Das ist Wortschatz, der unter anderem als Ausdrucksmittel der Kultur definiert werden kann. Der Wortschatz einer Sprache ist aber nicht geschlossen, er ändert sich mit der Zeit, es entstehen ständig neue Wörter, alte gehen unter. So ergeben sich die Bezeichnungsmöglichkeiten von Erscheinungen der außersprachlichen Wirklichkeit, die sowohl denotativ als auch konnotativ die Welt abbilden. Man unterscheidet kulturelle, lexikalische und enzyklopädische Konnotationen. Die Konnotationen sind für die Rekonstruktion des sprachlichen Weltbildes von besonderer Bedeutung.

Für die Rekonstruktion des sprachlichen Weltbildes ist innere Sprachform wichtig. Die innere Sprachform bezeichnet Weltansicht in einer Einzelsprache, die in ihrem begrifflichen Aufbau und ihren syntaktischen Fügungsmöglichkeiten den „Schlüssel zur Wertung alles dessen, was in der Sprache gedacht und geredet wird“ sieht. Die äußere Sprachform ist materiell.

Die innere Sprachform wird in Konzepten realisiert, die als eine Kategorie in unserem kognitiven System repräsentiert werden. Der Begriff des Konzepts wird von zwei Standpunkten aus betrachtet: aus dem linguokognitiven und dem linguokulturellen. Aus der linguokognitiven Sicht lassen sich Konzepte als „mentale Organisationseinheiten definieren, die die Funktion haben, Wissen über die Welt zu speichern“ [Schwarz 2008: 108]. Nach dem linguokulturellen Ansatz wird Konzept als eine Basiseinheit der Kultur, eine mehrschichtige Sinnbildung betrachtet, in der man Wert-, bildliche und begriffliche Seiten unterscheidet. Kulturkonzepte stellen die Besonderheiten der jeweiligen Kultur dar. Das sprachliche Weltbild wird als Repräsentant des konzeptuellen Weltbilds betrachtet, das relativ flexibel ist und ständig erneut wird.

Das sprachliche Weltbild ist mit der Phraseologie verbunden, die viele Kulturkonzepte verbalisiert. Phraseologie umfasst im engeren Sinne Phraseologismen, Phraseme, Idiome. Im weiteren Sinn sind es Redensarten, Sprichwörter, geflügelte Worte u. ähnl.

Bedeutung der Wörter kann mit Hilfe der Metaphern umgebildet werden. Die Metapher ist ein übertragener Ausdruck, den man an Stelle der eigentlichen, wörtlichen Bedeutung verwendet. Metaphern bilden die Basis von Konzepten, mit deren Hilfe die Welt erfasst wird. Folglich

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AUSDRUCKSMITTEL ZUR BESCHREIBUNG DES SPRACHLICHEN WELTBILDES

sind Metaphern kulturell bedingt, denn sie sind auch Vermittler zwischen Geist und Kultur.

Eine wichtige Rolle in der Widerspiegelung des Weltbildes spielen Präzedenzphänomene

Sogenannte Präzedenzphänomene stellen einen der Gegenstandsbereiche in der Konstellation Sprache - Kultur dar. Unter diesem Terminus versteht man verschiedenartige Erscheinungen wie Situation, Text, Name, Äußerung (sowohl verbalen als auch nicht-verbalen Charakters). Es geht um die Erscheinungen, die oft Präzedenzcharakter tragen, d.h. sie gehen auf reale Begebenheiten aus der Geschichte oder auf fiktive aus Kunstwerken zurück, die sich ins kollektive Gedächtnis eines Soziums eingeprägt haben. Bei der Erwähnung ähnlicher oder gleicher Strukturen in der gesellschaftlichen Praxis (in Texten aller Art) können die Präzedenzphänomene re-aktualisiert werden und im sozialen Diskurs zur Nomination dafür verwendet werden, was die Werte einer bestimmten Kultur erfasst und sich in ihrer inneren Form widerspiegelt.

Präzedenzphänomene werden allgemein im Schulalter erworben und sind im linguokulturellen Bewusstsein der Vertreter einer Kulturgemeinschaft relativ breit vertreten und tief verankert [vgl. Donec; Földes 2019, S. 223].

Es gibt verschiedene Gruppen von Präzedenzphänomenen:

Präzedenzphänomene, die kulturübergreifend sind: die Benennungen von historischen Ereignissen, die Namen von Genies, Bibelzitate

Nationalbedingte Kulturphänomene

Universalien

Nationale Präzedenzphänomene

Jedes Präzedenzphänomen existiert innerhalb einer bestimmten Kultur. Einige der Phänomene sind zeitgebunden.

Eine große Gruppe von nationalen Präzedenzphänomenen bilden die Präzedenzfälle literarischer Anthroponyme, die Vorund Nachnamen von Zeichen aus Kunstwerken der deutschen und Weltliteratur umfassen.

Ein Präzedenzname ist ein individueller Name, der einem bekannten Text zugeordnet ist und sich normalerweise auf eine Präzedenzfallsituation bezieht.

Eine Präzedenzfallaussage ist ein reproduziertes Produkt von Sprachund Gedankenaktivität (z.B. Aller Anfang ist schwer).

Unter Präzedenztexten sind Texte zu verstehen, die für eine Persönlichkeit in kognitiver und emotionaler Beziehung relevant sind und einen überpersönlichen Charakter haben, d.h. auch der breiteren Umgebung

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И. А. ШИПОВА. ПРАКТИКУМ ПО ЛИГВОКУЛЬТУРОЛОГИЧЕСКОМУ АНАЛИЗУ. ЧАСТЬ I

bekannt sind und in einem bestimmten Diskurs wiederholt werden [vgl. Караулов 2010: 216].

Eine Präzedenzfallsituation ist eine bestimmte ideale Situation, die mit einer Reihe bestimmter Konnotationen verbunden ist, deren Zeichen in der kognitiven Basis von den meisten Vertretern einer Kulturgemeinschaft enthalten sind.

Methodische Zugangsweise

zu literarischen Texten aus der Sicht

der kulturwissenschaftlich-interkulturellen Linguistik

Es geht um die Erweiterung des Untersuchungshorizonts für literarische Texte, die als kulturelle Darstellungsformen in den Blick kommen und somit die in ihnen enthaltenen Repräsentationsweisen und Strategien kultureller Selbstund Fremderfahrung offenlegen.

So ein Konzept des Themas betont, dass ein Text nur im Rahmen eines Textuniversums, d.h. nicht isoliert aufgefasst werden darf, wobei Intertextualität und Interdisziplinarität eine wichtige Rolle spielen: Texte umfassen immer vielfältige Bedeutungen und implizieren mehrere Lesarten.

Der Leser der literarischen Werke wird mit der Geschichte und Gegenwart der multiund interkulturellen Interferenzen konfrontiert.

Deshalb trägt die linguokulturologische Textanalyse zur „Vermittlung bedeutender Kulturtatsachen“ (Ereignissen) und „Interpretation der Kulturerscheinungen als ethischer und weltanschaulicher Kategorie bei, die als Wertungssysteme“ auftreten [vgl. Papiór 1991: 208].

Strategien der linguokulturologischen Textanalyse

Der Text ist ein Kulturphänomen, er ist ein Raum, wo Ideen, Sinne und Kulturcodes aufbewahrt und weiter gegeben werden.

Im Prozess der Textanalyse wird die Fähigkeit entwickelt, bestimmte Spracheinheiten als Träger der Kulturinformation zu empfinden und sie entsprechend zu interpretieren. Die Textanalyse als eine linguostilistische

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