Добавил:
Sekretar
kiopkiopkiop18@yandex.ru
t.me/Prokururor I Вовсе не секретарь, но почту проверяю
Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз:
Предмет:
Файл:Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_5299_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана.pdf

Dies e Spezies trägt den Glaubenssatz in sich: »Ich bin un-
ersetzlich, kann nicht nur alles, sondern ich kann alles auch
noch viel besser.«
Wenn der ängstliche Vermeider vom Arz t jetzt die Emp-
fehlung bekommt, er möge so kurz nach seiner Verletzung
doch bitte mit fünf Kilo Gewich t trainieren, und derselbe Rat
einem fröhlichen Durchhalter gegeben wird, wird Folgendes
passieren: Der ängstliche Vermeider wird wahrscheinlich
nur die Ein-Kilo-Hantel schwingen, während der fröhliche
Durchhalter direkt versuchen wird, ob es nicht auch mit
zwanzig Kilogramm geht.
Im Rahmen der psychologischen Schmerztherapie neh-
men die Entspannungsverfahren einen ganz wesentliche n
Stellenwert ein, da Stress und Anspannung - wie schon
erläutert - die Schmerzstärke modulieren. Sie schulen die
Körperwahrnehmung, sie zwingen einen dazu, sich Ruhe-
pausen zu gönnen und sich Zeit für sich zu nehmen . Da-
durch, dass die Aufmerksamkeit i n eine andere Richtung
gelenkt wird, entstehen Schmerzpausen; der Patient kann
Kraft tanken und erfährt Selbstwirksamkeit. Dies sind alle-
samt nebenwirkungsfreie Verfahren und man kann sie so
oft anwenden, wie man will, ohne dass sie je an Wirksam-
keit verlieren.
Progressive Muskelentspannung
Zu den bekanntesten und am besten im Bereich de r Schmerz-
therapie untersuchten Verfahren gehört die progressive Mus-
kelrelaxation nach Jacobson. Das ist ein sehr einfaches Ver-
fahren, das die meisten Patienten auch problemlos mittels
einer CD selbst erlernen können und nicht unbedingt einen
Kurs besuchen müssen. Sie werden aufgefordert, nacheinan -
der verschiedene Muskelgruppen anzuspannen, nach kurzer
15 1

Zeit wieder zu lockern und ihre gesamte Aufmerksamkeit
auf ihre Muskulatur zu richten. Durch diese n Wechsel von
Anspannung und Entspannung gleite t der Körper in einen
wohligen Entspannungszustand. Darüber hinaus lernt der
Betreffende, Spannungszustände früher wahrzunehmen
und rechtzeitig dagegenzusteuern sowie grundsätzlich das
muskuläre Spannungsniveau, aber auch das allgemeine in-
nere Anspannungsniveau zu senken. Es gibt hier nachgewie-
sene Wirksamkeiten sowohl bei Angsterkrankungen und
Schlafstörungen, als auch bei Spannungskopfschmerze n
und grundsätzlich bei allen chronischen und chronifizier-
ten Schmerzen. Zudem sind durch Studien nachweisliche
Effekte im Sinne einer Blutdrucksenkung und Pulsverlang-
samung belegt, wie auch eine deutliche Verbesserung der all-
gemeinen Lebensqualität.
Autogenes Training
Bei diesem Verfahren versucht man in sich selbst das Gefühl
von Wärme und Schwere entstehen zu lassen, zum Beispiel
gezielt in einem Arm oder Bein. Dazu achtet man auf eine
ruhige Atmung und erreicht schon dadurch deutliche Ent-
spannungsreaktionen . Auch hier gibt es, wie schon bei der
progressiven Muskelentspannung, zahlreiche Wirkungs-
nachweise. Dieses Verfahren ist jedoch etwas anspruchsvol-
ler zu erlernen. Vielen Patienten gelingt es nur unter persön-
licher Anleitung. Sie brauchen in der Regel mehr Zeit un d
eine bessere Fähigkei t zur Grundentspannung, als es bei der
progressiven Muskelentspannung der Fall ist.
Hypnose
Ich weiß, was Sie jetzt denken! Sie denken an die klassische
Fernsehshow-Hypnose, bei der ein Zuschauer aus dem Pu-
152

blikum dem Hypnotiseur in die Augen schaut, dieser mit
den Fingern schnippt, der Hypnotisierte nach hinten um-
fällt und danach auf Kommando wie ein Huhn zu gackern
beginnt und mit lustigen Armbewegungen über di e Bühne
hüpft. Nun, die Zielrichtung medizinischer Hypnose un-
terscheidet sich ein klein wenig davon. Ich bin im Rahmen
meiner Ausbildung zum Hypnotherapeuten selbst schon
mehrfach hypnotisiert worden - ganz ohne peinliches Her-
umgackern - und empfinde diesen Bereic h als ein hoch fas-
zinierendes Behandlungsverfahren.
Durch bestimmte Techniken wird der Patient in einen
Trancezustand versetzt, in dem es zu einer Verminderung
von Muskelspannung, Herzfrequenz und Blutdruck kommt.
Man atmet regelmäßiger und langsamer, es kommt zu einer
messbaren Veränderung der Aktivierung bestimmter Hirn-
areale, und der Stresshormonspiegel sinkt. Hypnose, bezie-
hungsweise das Auslösen eines Trancezustandes, hat eine
lange Tradition. In diesem Zustand der Tiefenentspannung
ist die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet und die äußere
Realität tritt in de n Hintergrund. Es findet ein eher bildhaf-
tes Denken statt. Es ist bisweilen möglich, das Schmerzemp-
finden komplett auszublenden. So gibt es beeindruckende
Berichte über Operationen unter alleiniger Hypnose, ohne
Narkose oder Schmerzmedikamente.
Ein wesentlicher Pluspunkt der Hypnose ist, das s man in
diesem Trancezustand auch für Impulse von außen deutlich
zugänglicher ist. Für die Showhypnose kann man das na-
türlich spektakulär »missbrauchen«, aber man kann diesen
Zustand auch nutzen, um dem Patienten bestimmt e Ver-
haltensmuster oder Umbewertungen der eigenen Lebens -
situation schmackhaft zu machen und für Heilungsprozesse
zu nutzen.
15 3

Ein Beispiel, wie Hypnose wirken kann: Wenn ein Patient
panische Angst vor Spinnen hat, im Trancezustand aber
sehr glaubhaft immer wieder versichert bekommt , dass er
diese kleinen putzigen Tierchen total goldig und niedlich
findet, ist das ein probates Mittel, seine Spinnenphobie los-
zuwerden. Hypnose wird zur Raucherentwöhnung genauso
eingesetzt wie in Seminaren gegen Flugangst.
Grundsätzlich öffnet dieses Tor zum Unterbewusstsein
einen Zugang zu verborgenen Fähigkeiten un d zu ungenutz-
ten Potentialen. Es ist total erstaunlich, wie unter Hypnose
ein Phänome n wie die Levitation funktioniert. Das bedeutet,
dass man im Rahmen einer Trance seine n Arm zum Beispiel
im 90-Grad-Winkel neben dem Körper ausgestreckt in die
Luft hält und in diesem Geisteszustand Belastungen ertra-
gen kann, wie es ohne Hypnose niemals möglich wäre. Das
heißt, wir können hier Kräfte mobilisieren, an die wir bei
normalem Bewusstsein gar nicht herankommen .
Laut einem Forschungsgutachten der Bundesregierung
gehört die Hypnose zu den fünf erfolgreichste n und am bes-
ten untersuchten Therapieverfahren im Bereich der Psycho-
therapie.
Die Effekte sind sowohl für Ängste als auch psychosoma-
tische Störungen als auch akute und chronisch e Schmerz-
syndrome inklusive Krebsschmerz nachgewiesen. Dies ist
durch zahlreiche Studien eindrucksvoll belegt. Somit erfüllt
die Hypnose die höchsten Wirksamkeitskriterien bei akutem
Schmerz. Auch bei chronischen Schmerzen aufgrund kör-
perlicher Erkrankungen wirkt Hypnose vergleichba r effek-
tiv wie ein Medikament, das man anfassen und einnehmen
kann. Zudem ist es möglich, Patienten zur Selbsthypnose
anzuleiten und binnen kurzer Zeit auch ohne Therapeut
mittels Eigenübungen in die freie Wildbahn zu entlassen.
154

Die Erfolgsquote der Hypnotherapie liegt bei rund siebzig
Prozent und das ist, glauben Sie mir, ganz schön viel.
Allerdings muss man beachten, dass ma n sowohl für die
Hypnotherapie, als auch für andere psychotherapeutische
Verfahren eine gewisse Grundintelligenz mitbringen sollte,
damit das Verfahren funktionieren kann. Wichtig ist außer-
dem, dass man bereit ist, sich grundsätzlich darauf einzulas-
sen. Wenn man sich massiv dagegen wehrt, funktioniert die
Hypnotherapie fast nie. Allerdings funktioniert sie in der
Regel sehr gut bei Menschen, die sagen: »Ich wehre mich
nicht dagegen, aber ich glaube nicht, dass mich jemand hyp-
notisieren kann.« Die hat man meistens innerhalb kurzer
Zeit in der Trance.
Da immer wieder durchaus verstörende Elemente der
Hypnose im Fernsehen gezeigt werden, die einem ja durch-
aus Angst machen können, ist ein vertrauensvolles Verhältnis
zwischen Therapeut und Patient essentiell. Viele Menschen
hält einzig die Angst vor einem möglichen Kontrollverlust
nämlich davon ab, sich auf eine Hypnose einzulassen. Daher
ist es mir an dieser Stelle ganz wichtig: Patienten dürfen und
müssen sich darauf verlassen können, dass - wenn sie z u
einem Arzt mit Zusatzausbildung »medizinische Hypnose«
oder einem psychologischen Psychotherapeuten mi t Zusatz-
ausbildung »klinische Hypnose« gehen, dieser sowohl die
dafür notwendige Ausbildung besitzt als auch das Vertrauen,
das der Patient zu Recht in den Therapeuten setzt, uneinge-
schränkt achtet.
Ein wesentlicher Nebeneffekt der hypnotherapeutischen
Ausbildung ist auch, dass einem immer wieder deutlich
bewusst gemacht wird, dass Menschen, die sich in einem
Zustand der Trance befinden, Dinge wörtlich nehmen. Von
dem her ist es von eklatanter Wichtigkeit, das s man während
15 5

hypnotherapeutischer Sitzungen sehr auf seine Sprache
achtet , da man ansonsten ungewollt negative Glaubens-
sätze und damit auch eine deutliche Verstärkung der Pro-
bleme des Patienten provozieren kann. Die Verantwortung
des Therapeuten ist hier groß, da de r Patient tatsächlich ein
wenig ungeschütz t Zugriff auf sein Unterbewusstsein bietet,
dafür sind aber die therapeutischen Möglichkeiten auch ent-
sprechend beachtlich.
Meine ersten eigenen Erfahrungen mit Hypnotherapie
waren total faszinierend. Während meiner Ausbildung zum
Schmerztherapeuten hat mir der Schmerzpsychologe und
Hypnotherapeut der Klinik nämlich eine Hypnose angebo-
ten. Als er mich fragte , an welches Thema ich mich denn am
liebsten heranwagen würde, dachte ich sofort, aber ohne mir
große Hoffnungen z u machen, an meine Höhenangst. »Die
wäre ich schon gerne los«, sagte ich zu dem Hypnotherapeut,
»denn das nervt ohne Ende. Ich kan n auf keine Leiter stei-
gen, ab der dritten Stufe wird mir schon schwindeli g und ich
habe, sobald ich auc h nur in die Näh e eines Balkongeländers
komme, das Gefühl, mich zieht's gleich nach unten. Manch-
mal wird das Gefühl so stark, dass ich wirklich denke, das s
ich kurz vor dem Fallen bin.«
All die Jahre wusste ich einfach nicht, woher das kam und
schon gar nicht, wie ich dieses Gefühl, das meine Lebens-
qualität so dramatisch beeinflusst , vernünftig steuern kann.
Nach einer kurzen Trance-Induktion war es mi r dann tat-
sächlich möglich, ein längst verschüttetes Kindheitserlebnis
aus meinem Unterbewusstsein noch einmal freizubuddeln.
Was war geschehen? Ich war noch ein Schulkin d und bin
- obwohl ich meinen Eltern versprochen hatte, es nicht zu
tun - mit einem Freund in ein Haus meiner Nachbarschaft
gegangen, das sich noch im Rohbau befand. Wir habe n uns
156

durc h das Treppenhaus hoch bis in den zweiten Stock ge-
schlichen und versuchten dann, an einer angelehnte n Bau-
tür vorbei, uns in eine der Wohnungen zu zwängen. Dabei
kam die Tür ins Rutschen und mein Freund segelte ein
ganzes Stockwerk nach unten und blieb irgendwo auf dem
Treppenabsatz regungslos liegen.
Die gesamte Szene lief vor meinem geistigen Auge noc h
einmal ab, wie in einem Film, total abgefahren: Ich hab e nach
unten geschaut, habe meinen Kumpel dort liegen gesehen
und dachte, er wäre tot. In dem Moment habe ich das gleiche
Gefühl gehabt , das ich immer habe, sobald ich auch nur aus
geringsten Höhen nach unten schaue . In dieser hypnothera-
peutischen Sitzung ist e s letztendlich dann gelungen, diese
Situation noch einmal anders zu bewerten und ohne diesen
Horror- und Panikaspekt neu abzuspeichern. Und siehe da -
seit dieser einen Sitzung bin ich in der Lage, auf Leitern zu
klettern, und kann selbst von einem höher gelegenen Balkon
auf einmal die Aussicht (selbst nach unten) richtig genießen.
Das Faszinierende dabei war auch, dass mir dieses Kind-
heitsereignis überhaupt nicht mehr bewusst wa r und ich
nicht den geringsten Zusammenhang zwische n diesem
Erlebnis und meiner Höhenangst vermutet hätte. Einige
Monate später bin ich von einer der höchsten Bungee-Brü-
cken der Welt gesprungen und kann seitdem mit Sicherheit
sagen: Dank einer einzigen hypnotherapeutische n Sitzung
ist das Thema Höhenangst für mich ein für alle Ma l ad acta
gelegt. Vielleicht verstehen Si e jetzt, warum mich diese s Ver-
fahren derart fasziniert!
Diejenigen unter Ihnen, die sich an dieser Stelle ausführ-
liche Informationen über Akupunktur, Homöopathie oder
auch Cannabis-Therapie gewünscht hätten, muss ich um
etwas Geduld bitten. Um diese großen und mir persönlich
157

seh r wichtige n Themen werde ich mich in meinem nächsten
Buch über Alternativ- und Komplementärmedizin beschäf-
tigen. Trotzdem kann und möchte ich mir einen kleinen
Ausritt in Bezug auf die Cannabis-Therapie nicht verkneifen.
Medizinisches Cannabis
Seit ich als Arzt arbeite, und das sind immerhin schon sieb-
zehn Jahre, setze ich Cannabinoide als Medizin bei meine n
Patienten ein. Der besseren Lesbarkeit geschuldet, verwend e
ich - obwohl nicht ganz korrekt - den Begriff »Cannabis«,
obwohl eigentlich Delta9-Tetra-Hydro-Cannabinol gemeint
ist. Aber wir reden ja auch vom Blinddarm, obwohl wir den
Wurmfortsatz meinen. Cannabis ist, ähnlich wie Morphium,
ein extrem segensreiches Medikament, aber auch hier darf
ich mich den lieben langen Tag mit Vorurteilen herumpla-
gen: Cannabis würde sich insbesondere bei Kindern nach-
teilig auf die Gehirnentwicklung auswirken , denn wir alle
wissen ja aus eigener Erfahrung oder Berichterstattung, dass
»kiffen« lethargisch macht und einem nach der Einnahme
alles egal zu sein scheint. Leider wird auch hier nicht unter-
schieden zwischen Medikament und dem Einsatz als Droge.
Ich möchte das anhand von Alkohol einmal verdeutlichen.
Wenn jemand zwei- bis dreimal pro Woche abends ei n Gläs-
chen Rotwein trinkt, befindet er sich doch in einer anderen
Situation, als eine Person, die sich jeden Tag zwei Flaschen
Whisky hinter die Binde kippt, um sich geziel t zu betäuben.
Im ersten Fall kann man mit etwas Glück sicherlich hundert
Jahre alt werden , im zweiten Fall sind vermutlich spätestens
mit Mitte fünfzig sowohl die Leber als auch das Gehirn hin-
über.
158

Ich störe mich wahnsinnig daran, dass der Einsatz von
Cannabis als Droge und der Einsat z von Cannabis als Me-
dikament oft in einem Atemzug genannt werden. Wenn wir
Ärzte Cannabis einsetzen, setzen wir es immer unterhalb der
sogenannten psychotropen Schwelle ein, das heißt unter-
halb der Schwelle, bei der die Patienten das Gefühl bekom-
men, dass sie zu fliegen beginnen, also »high« werden. Somit
entsteht erst gar nicht das Verlangen, dass sie diese Substanz
möchten, um dieses schöne Gefühl wiederzubekommen.
Nein, unsere Patienten möchten dies e Substanz haben, weil
sie durch sie weniger Übelkeit haben, dafür aber etwa s mehr
Appetit, weniger Ängste, weniger Schmerzen, weniger Mus-
kelverkrampfung, vielleicht weniger Tic-Störungen beim
Tourette-Syndrom, vielleicht weniger Krampfanfälle.
Ich persönlich halte Cannabis für ein außerordentlich
segensreiches Medikament mit einer exzellenten Verträg-
lichkeit. Auch gibt es seit der Verkehrs- und Verordnungs-
fähigkeit von Cannabinoiden in Deutschland , das heißt seit
1998, keinen einzigen dokumentierten Todesfall durch me -
dizinisches Cannabis. Ich kenne wenige Medikamente, die
zum einen ein so breites Wirkspektrum und zum anderen
eine so exzellente Verträglichkei t verbunden mit einer solch
großen therapeutischen Breite haben. Gott sei Dank wurde
das mittlerweile auch von der Politik erkannt. War die Er-
stattungsfähigkei t einer Cannabis-Therapie bis dato im
Wesentlichen von der Tagesform des zuständigen Sachbear-
beiters der Krankenkasse abhängig, so soll gemäß eine r Ini-
tiative des Bundestages aus dem Januar 2017 insbesondere
für schwerst- und sterbenskrank e Patienten der Zugang zu
einer medizinischen Cannabis-Therapie deutlich erleichter t
werden. Die Monatstherapiekosten, die sich in aller Regel
im Bereich zwischen 250 und 500 Euro bewegen, kann sich
15 9

nun mal nicht jeder Patient aus eigener Tasche leisten. Wie
vielfältig das Spektrum einer Cannabis-Therapie is t und
dass sie weit über die Therapie chronischer Schmerzen hin-
ausgeht, möchte ich gerne anhand von zwei Fallbeispielen
verdeutlichen.
Der dreijährige Paul wurde mit einem schweren Herzfehler
aufgrund eines Chromosomendefektes geboren. Zudem
zeigten sich schon sehr früh schwerste Krampfanfälle, be i
denen Paul immer wieder bis zu dreißig Minuten, und das
zum Teil mehrfach täglich, das Atmen einstellte. Er wurde
auf verschiedene Antikrampf-Medikamente eingestellt, lei-
der mit erheblichen Nebenwirkungen. So bildeten sich zum
Beispiel Nierensteine, die operativ entfernt werden mussten
und immer wieder schlimmste kolikartige Schmerzen ver-
ursachten, ohne dass sich die Krampfsituation wirklich
durchgreifend verbessert hätte. In der insgesamt verzweifel-
ten Situation entschlossen wir uns dazu, eine Cannabis-The-
rapie zu beginnen und siehe da, die schweren Krampfanfälle
mit langem Luftanhalten und der Notwendigkeit, das Kin d
für bis zu dreißig Minuten mehrfach täglic h mit einer Mas-
ke zu beatmen, gingen von zwei bis dre i Anfällen pro Tag
auf zwei bis drei Anfälle pro Woche zurück. Ich glaube, jeder
kann sich ausmalen, was da s an Lebensqualität für den klei-
nen Paul und sein e Familie bedeutet hat .
Ein anderes, ganz aktuelles Beispiel ist ein knapp fünf-
zehnjähriger Patient von mir. Robin leidet unter Epidermo-
lysis bullosa, der sogenannten Schmetterlingserkrankung. Bei
dieser Erkrankung sitzen die einzelnen Hautschichten nicht
fest aufeinander, so dass sich die Hau t schon bei geringstem
Druck blasig abhebt. Diese Kinder entwickeln großflächige
160
Соседние файлы в папке Библиотека им академика М.И. Перельмана
