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Файл:Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_5291_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана.pdf
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- •Impressum
- •Inhalt
- •Wann sollte eine Vorsorgevollmacht erstellt werden?
- •Wo sollte die Vorsorgevollmacht aufbewahrt werden?
- •Kann man eine Vorsorgevollmacht widerrufen?
- •Die Betreuungsverfügung
- •Welche Aufgaben nimmt ein Betreuer wahr?
- •Wer soll mein Betreuer werden?
- •Vorwort
- •1.: Kann ich festlegen, wie ich sterben will?
- •Plötzlich nicht mehr entscheiden können
- •Die Vorsorgevollmacht
- •Warum eine Vorsorgevollmacht erstellen?
- •Wie muss eine Vorsorgevollmacht erstellt werden?
- •Wer soll bevollmächtigt werden?
- •Wann sollte man eine Betreuungsverfügung aufsetzen?
- •Wo soll die Betreuungsverfügung verwahrt werden?
- •Vorsicht, Missbrauch!
- •Die Patientenverfügung
- •Überlegungen zu Sterben und Tod vor der Erstellung einer Patientenverfügung
- •Selbst Verantwortung übernehmen
- •Ärztlichen Rat einholen
- •Die Formvorschriften für eine Patientenverfügung
- •Bin ich an meine Patientenverfügung gebunden?
- •Wo bewahre ich meine Patientenverfügung auf?
- •2.: Dürfen Ärzte mein Leben verlängern?
- •Von einer Sekunde auf die nächste
- •Fangnetz für das Leben
- •Apparate überall
- •Lunge aus Eisen
- •Technik in der Medizin
- •Ärzte im Zugzwang
- •Was machen die Apparate mit mir?
- •Herzschlag
- •Atmung
- •Ernährung und Ausscheidung
- •Froh, nicht gestorben zu sein
- •Selbstbestimmt leben und sterben
- •»Selbsttötung«, »Selbstmord« oder »Freitod«?
- •Geht mein Tod nur mich etwas an?
- •Steht Hilfe zur Selbsttötung unter Strafe?
- •Abschiedspartys und Tod gegen Geld
- •Tötung auf Verlangen
- •Die Rechtslage in Deutschland
- •Sterbehilfe in Europa
- •Die politische Diskussion in Deutschland
- •5.: Wo will ich sterben?
- •Das Sterben der anderen
- •Wunsch und Wirklichkeit
- •Im Krankenhaus
- •Zu Hause
- •Im Hospiz
- •6.: Welche Möglichkeiten gibt es, Schmerzen zu lindern?
- •Am liebsten Vollnarkose
- •Der Sinn des Schmerzes
- •Schmerz erleben
- •Vom Alkohol zum Chloroform
- •Umfassender Schmerz
- •Unter dem Schutzmantel
- •Was leistet die Palliativmedizin?
- •Der rechtliche Rahmen
- •7.: Welche Worte, welche Rituale passen zu mir?
- •Stärker als der Tod
- •Credo des eigenen Lebens
- •»Bin umgezogen«
- •Das Leben Revue passieren lassen
- •Bestattungsvorsorgevertrag und Sterbegeldversicherung
- •Friedhof, Waldgrab oder Seebestattung?
- •Besuch bei den Toten
- •Achtung, Totenruhe!
- •Ende als Anfang
- •Wann bin ich tot?
- •Ablauf einer Todspende
- •Die Rechtslage
- •Wann dürfen Organe entnommen werden?
- •Internationale Regelungen
- •Wie können die verfügbaren Spenderorgane gerecht verteilt werden?
- •Menschenwürde und Organspende
- •Wem gehört »Gottes Geschenk«?
- •9.: Was soll mit meinen Dingen passieren?
- •Wohin mit den Millionen?
- •Die gesetzliche Erbfolge
- •Erben erster Ordnung
- •Erben weiterer Ordnungen
- •Ehe- oder Lebenspartner als gesetzliche Erben
- •Den Nachlass selbst bestimmen
- •Wie schreibe ich mein Testament?
- •Wo aufbewahren?
- •Das Berliner Testament
- •Der Erbvertrag
- •Wann und wie ein Erbe ausschlagen?
- •Brauche ich einen Erbschein?
- •Das schwierige Gespräch
- •Kinder und der Tod
- •Der Tote als Vorbild
- •Die Lebensskizze
- •Altes Leben geht, neues Leben kommt
- •3. Behörden
- •4. Vermögensvorsorge
- •5. Post und Fernmeldeverkehr
- •1.1 Muster Vorsorgevollmacht
- •2. Aufenthalt und Wohnungsangelegenheiten
- •6. Vertretung vor Gericht
- •7. Untervollmacht
- •8. Betreuungsverfügung
- •9. Geltung über den Tod hinaus
- •10. Weitere Regelungen …
- •1.2 Muster Betreuungsverfügung
- •1.3 Textbausteine für eine schriftliche Patientenverfügung
- •Eingangsformel
- •Exemplarische Situationen, für die die Verfügung gelten soll
- •Festlegungen zu Einleitung, Umfang oder Beendigung bestimmter ärztlicher Maßnahmen
- •1.4 Checkliste für notwendige Dokumente
- •1.5 Hospiz- und Palliativdienste
- •Arztsuche
- •Übersichtsinformation der Stiftung Warentest
- •Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin
- •Palliativ- und Hospizarbeit in Deutschland
- •Palliativ- und Hospizarbeit in Österreich
- •Palliativ- und Hospizarbeit in der Schweiz
- •SAPV-Teams im Internet
- •Heimsuche
- •Kriterienkatalog
- •1.7 Bestattung
- •Bestattungsformen
- •Bestattungsverfügung
- •Bestattungsvorsorgevertrag
- •1.8 Muster Erklärung zur Organspende
- •Weitere Informationen
- •1.9 Suizidprävention
- •1.10 Suizidassistenz
- •1.11 Behördengänge
- •1.12 Trauerbegleitung
- •2.1 Palliativmedizinische Versorgung im Krankenhaus
- •Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V)
- •2.2 Ambulante und stationäre Hospizleistungen
- •Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V)
- •2.3 Spezialisierte ambulante Palliativversorgung
- •Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V)
- •Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V)
- •Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB 11)
- •Quellennachweis und Literaturempfehlungen
- •1. Kann ich festlegen, wie ich sterben will?
- •2. Dürfen Ärzte mein Leben verlängern?
- •3. Darf ich meinem Leben ein Ende setzen?
- •4. Wer hilft mir beim Sterben?
- •5. Wo will ich sterben?
- •6. Welche Möglichkeiten gibt es, Schmerzen zu lindern?
- •7. Welche Worte, welche Rituale passen zu mir?
- •8. Was soll mit meinem Körper passieren?
- •9. Was soll mit meinen Dingen passieren?
- •10. Wie kann ich den Menschen, die mich lieben, die Trauer leichter machen?

Schmerzen und andere Symptome, unter denen
Menschen am Ende ihres Lebens leiden, werden meist
körperlich ausgelöst. Ihre Dauer und Intensität werden
aber durch die eigene Bewertung mit bestimmt. Auch
zusätzliche Belastungen machen sich bemerkbar. So lösen
Angst, ein pessimistisches Weltbild oder fehlende Hoffnung
eine Verstärkung der Beschwerden aus. Auch familiäre
Belastungen oder Sorgen um unklare finanzielle
Verhältnisse verstärken häufig das Leiden. Das Wissen um
diese Dinge wird in die palliative Hilfe einbezogen.
Bei einem »normalen« Krankenhausaufenthalt erlebt man
häufig einmal am Tag eine Visite, bei welcher der
Stationsarzt gegenüber Oberarzt oder Chefarzt seine
Maßnahmen erläutern muss und von denen der Patient
wenig versteht. Oft wird über den Menschen hinweg
geredet, an dessen Bett die Ärzte stehen. Zuerst herrscht
Zeitdruck, dann sind plötzlich alle verschwunden, bevor
der Kranke überhaupt eine Frage stellen konnte. Auch das
ist in der Palliativmedizin anders. Hier findet die Visite
üblicherweise im Sitzen statt, um mit dem Patienten auf
Augenhöhe zu sein. Falls dieser aufstehen kann, setzt man
sich zu einem Gespräch zusammen.
Auch die Angehörigen werden eingebunden, denn auch
sie haben Wünsche für die Betreuung, das weitere
Vorgehen, haben Ängste, brauchen Begleitung bei ihrer
Trauer, müssen Dinge regeln oder Anträge stellen, bei
denen eine Unterstützung guttut. Je nach Problemstellung
und Bedürfnissen erfolgt deshalb eine Unterstützung durch
andere Berufsgruppen, meist Psychologen und
Sozialarbeiter.
Unterstützung gibt es auch bei der Entlassung, sei es in
ein Hospiz, ein Heim oder nach Hause. Es werden
Netzwerke aktiviert, welche eine fachliche Versorgung
auch dort sicherstellen, etwa durch den Einsatz von Teams
für spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV).
Dafür notwendige Anträge werden unterstützt, bei der

Auseinandersetzung mit den Kostenträgern wird geholfen.
Falls erforderlich, werden Hilfsmittel zur Erleichterung der
Pflege vor einer Verlegung nach Hause organisiert.
All dies muss nicht während der »offiziellen« Visiten
abgearbeitet werden. Alle Beteiligten sind vorbereitet auf
kurzfristige Situationsänderungen, die sich daraus
ergeben, dass der Patient oder die Zugehörigen spontan
einen Wunsch äußern. Professionalität bedeutet in der
Palliativmedizin auch, empathisch zugewandt und offen zu
kommunizieren, wann immer es verlangt ist.
Vor dem Hintergrund der eigenen Auseinandersetzung
mit Sterben, Tod und Trauer wissen alle Mitarbeiter und
Ehrenamtlichen in der palliativen Versorgung um die
unterschiedlichen Verläufe und Lösungsmöglichkeiten.
Diese Haltung erlaubt auch Raum für Spiritualität. Der
Psychologe Rudolf Sponsel definiert diesen schwer
fassbaren Begriff als Beschäftigung »mit Sinn- und
Wertfragen des Daseins, der Welt und der Menschen und
besonders der eigenen Existenz und seiner
Selbstverwirklichung im Leben«. Die Gewissheit, bald
sterben zu müssen, löst bei den meisten Menschen ein
Denken und Fühlen aus, welches sich mit der eigenen
Vergänglichkeit befasst, häufig verbunden mit Angst und
Abwehr angesichts der Endgültigkeit des Todes. Hier
kehren bestimmte Muster immer wieder, aber letzten
Endes ist es ein ganz individueller Prozess.
Einige Menschen sind religiös gebunden und suchen
Antworten und Trost bei einem Seelsorger, der zum
Palliativteam dazustoßen kann. Manche fühlen sich wohler,
wenn sie ihre Fragen an eine »neutrale« Person richten
können. Andere klären die letzten Fragen mit sich selbst
oder haben vielleicht keine. Den meisten Menschen
allerdings stellen sich am Lebensende Fragen, die vorher
ungefragt blieben oder vom Alltäglichen, sei es freud- oder
leidvoll, überdeckt wurden. Es sind Fragen nach dem Sinn,
den das eigene Leben hatte. Was wird bleiben? Warum

Anh. 2.1–2
kommt der Tod gerade jetzt und gerade so? Wie wird das
Sterben sein? Und was kommt danach?
Der rechtliche Rahmen
Der Anspruch auf Palliativmedizin wird im sogenannten
Sozialgesetzbuch
geregelt: § 39 legt fest, dass nach
einer Einweisung das Krankenhaus
prüfen muss, ob die Behandlung wirklich nur dort möglich
ist. Im Fall einer palliativmedizinischen Behandlung trifft
dies zu, wenn zum Beispiel der Zustand oder auch die
soziale Situation des Betroffenen so sind, dass er zu Hause
nicht versorgt werden kann. Oder die Krankheit so weit
fortgeschritten ist, dass die Lebenserwartung deutlich
eingeschränkt ist. Oder auch, wenn Aussicht auf eine
Stabilisierung oder Besserung des Zustands durch die
Behandlung besteht.
Im Gegensatz zu den vielleicht leidvollen Erfahrungen
eigener Krankenhausaufenthalte gelten die Angehörigen in
der Palliativmedizin als wichtige »Mitarbeiter« und Helfer,
wenn es um die Beziehung zur betroffenen Person geht.
Eine stationäre Versorgung kann demnach auch begründet
sein durch Überlastung der pflegenden Angehörigen, und
zwar so lange, bis diese sich wieder einbringen können.
Oder es wird versucht, die Situation durch
Hilfsmitteleinsatz bzw. Unterstützung durch einen
Pflegedienst zu stabilisieren. Zu den Aufgaben einer
Palliativstation kann es auch gehören, die Angehörigen mit
aufzunehmen, wenn durch deren Schulung eine Entlassung
in die Häuslichkeit wieder möglich wird.
Anspruch auf eine Aufnahme auf eine Palliativstation
besteht immer dann, wenn die Bedingungen des § 39 SGB V
zur Krankenhausbehandlung erfüllt sind. Dort heißt es

sinngemäß, Versicherte haben Anspruch auf vollstationäre
Behandlung, wenn die Aufnahme nach Prüfung durch das
Krankenhaus erforderlich ist, weil das Behandlungsziel
nicht durch andere Formen der Versorgung erreicht
werden kann. Voraussetzung ist die Einweisung durch
einen Arzt. In dieser werden die wichtigen Angaben
übermittelt, welche die Notwendigkeit der Behandlung
darlegen. Folgende Kriterien liegen der Entscheidung
zugrunde:
Eine stationäre Behandlung ist notwendig, weil alle
anderen Möglichkeiten bereits ausgeschöpft oder nicht
durchführbar sind.
Die Erkrankung ist fortschreitend, die Lebenserwartung
deutlich eingeschränkt.
Die Lebensqualität wird durch Krankheitszeichen
eingeschränkt, diese sind im Hause nicht beherrschbar.
Es liegen erhebliche psychosoziale Probleme vor.
Es besteht begründete Aussicht auf Besserung des
Zustandes durch eine palliativmedizinische Behandlung.
Eine der meistgeäußerten Befürchtungen ist, infolge einer
schweren Krankheit oder in der Sterbephase an Schmerzen
leiden zu müssen. Die Palliativmedizin sieht ihre Aufgabe
aber viel umfassender, was die möglichen Bedürfnisse
Sterbender und ihrer Zugehörigen angeht. Meist öffnet
sich das Tätigkeitsspektrum auch im Laufe einer
Betreuung, selbst wenn die Schmerzsymptomatik zunächst
Ausgangspunkt war.
Palliativmedizin erfordert die Zusammenarbeit von
Ärzten, Pflegekräften, Psychologen, Sozialarbeitern und
auch Seelsorgern. Diese können unterstützt werden durch
vielfältige Therapieangebote, zum Beispiel Physiotherapie,
Ergotherapie, Musik- oder Kunsttherapie. Menschen, für
die es keine Heilung mehr gibt, denen auch keine Hoffnung
auf Lebensverlängerung gemacht werden kann, macht die

Kap. 3, 4
Palliativmedizin ein alternatives Angebot zum begleiteten
oder unbegleiteten Suizid.

7.
Welche Worte, welche Rituale passenzu mir?
Wo wird einst des Wandermüden
letzte Ruhstätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?
Werd’ ich wo in einer Wüste
Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh’ ich an der Küste
Eines Meeres in dem Sand?
Immerhin! Mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier,
Und als Totenlampen schweben
Nachts die Sterne über mir.
Heinrich Heine, 1797–1856
(eingemeißelt in Heines Grabdenkmal
auf dem Cimetière de Montmartre)
Stärker als der Tod
Alles, was ein gutes Leben ausmacht, kann nach dem Tod
die Erinnerung an die Einzigartigkeit eines Menschen
begleiten. Wenn Sie aktiv Einfluss darauf nehmen möchten,
können Sie schon zu Lebzeiten Ihre prägenden Erlebnisse
und Wertvorstellungen an andere weitergeben.
»Ich sorge gern für Ausgleich«, schreibt Christine Aguga,
»deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, in Harmonie
mit allen zu leben (…). Ich bin daran interessiert, meine
Arbeit sorgfältig zu erledigen, und vergewissere mich stets,

dass ich meine Ziele erreiche. Ebenfalls sehr wichtig ist
mir, Freunde zu besuchen und ihnen zu helfen.« Christine
Aguga ist 2003 in Uganda an Aids verstorben. Als kranke
Frau hat sie für ihre noch minderjährige Tochter ein
Memory Book geschrieben, damit diese später weiß, was
für ein Mensch ihre Mutter war.
Solche Erinnerungsbücher in Form von kleinen Heften
schreiben in Afrika aidskranke Eltern als eine Art
Vermächtnis für ihre Kinder. Sie erzählen darin das
Besondere an ihrem Leben in Form von kleinen
Ereignissen: was sie als Kinder gern gegessen haben oder
welche Spiele sie gespielt haben. Manche Eltern kleben
kleine Fotos mit ein oder zeichnen Sandkörner, die die
Unendlichkeit des Lebens auf der Erde zum Ausdruck
bringen sollen. Der schwedische Krimiautor Henning
Mankell ist Mitinitiator dieser Erinnerungsbücher. Er
berichtet von Kreidezeichnungen und Strichmännchen oder
Landschaften, die manche Textseiten wie »uralte
Felsmalereien« erscheinen lassen.
Memory Books sind Brücken zum Leben, aber auch
Abschiedsbücher. Als Brücken zum Leben halten sie innere
Werte und Haltungen fest, die für die sterbenden Eltern
wichtig waren, zum Beispiel religiöse Überzeugungen oder
Verhaltensregeln. Es sind Werte wie Liebe und Fürsorge,
die durch den Tod nicht an Gewicht verlieren, sondern
gewinnen, weil sie »stärker als der Tod« sind. Die
Darstellung des eigenen Lebens bezieht sich zwar auf die
Vergangenheit, stiftet aber auch Verbindungen zu den
folgenden Generationen, denn die Autorinnen und Autoren
äußern auch Wünsche für das Leben ihrer Kinder und
anderer Hinterbliebener.
Credo des eigenen Lebens

Anh. 1.7
Man muss nicht unbedingt ein Familienbuch schreiben,
auch ein Selbstporträt trägt dazu bei, einen Dialog zu
führen über die kleinen Dinge, die einem wichtig waren,
und über sich selbst:
Welche Ereignisse haben mein Leben geprägt? Welche
Besonderheiten machen mich zu dem Menschen, der ich
bin? Mit welchen Menschen bin ich gern zusammen? Was
ist das Interessante an meiner Arbeit? Wie lebe ich im
Kreise meiner Familie? Welche Werte gehörten zu meinen
Lebensprinzipien? Welche kleinen »Macken« und
Gewohnheiten versüßen oder versauern meine Tage?
Jeder kann selbst entscheiden, ob und wie er das, was
nach ihm kommt, mitgestalten möchte. Sie müssen Ihr
Leben nicht unbedingt selbst kommentieren, damit Ihre
Angehörigen Sie in guter Erinnerung behalten.
Wenn Sie Ihre individuellen Lebensspuren bewusst
beeinflussen wollen, ohne ein Selbstporträt zu schreiben,
können Sie eine Bestattungsverfügung formulieren. Sie ist
eine Art Wunschliste für den eigenen Tod: von der
Todesanzeige über die Trauerfeier bis hin zum Begräbnis.
Dazu bedarf es keiner besonderen Form. Die Verfügung
wird lediglich mit der Hand geschrieben und sollte Ihren
Willen eindeutig zum Ausdruck bringen. Wenn Sie unsicher
sind, können Sie sie auch notariell beglaubigen lassen oder
einem Testament beifügen: auf das Blatt die Überschrift
»Bestattungsverfügung« oder »Meine Wünsche für die
Bestattung«
schreiben; Name, Anschrift und
Geburtsdatum angeben; mit einer
Eingangsformel kurz skizzieren, welche Wünsche die
Verfügung enthalten wird, zum Beispiel Traueranzeige,
Trauerfeier und Begräbnis; auf jeden Fall die gewünschte
Bestattungsart angeben; am Schluss den Erstellungsort
und das Datum und eigenhändig unterschreiben;
informieren, ob beispielsweise eine Bestattungsvollmacht
(ein bereits geschlossener Vertrag mit einem

Bestattungsunternehmen) oder eine
Sterbegeldversicherung vorhanden sind.
Eine Bestattungsverfügung trägt dafür Sorge, dass der
Abschied von der Welt das Credo des eigenen Lebens
widerspiegelt. Denn wer sich auf das eigene Andenken
konzentriert, stellt einen lebendigen Bezug zum täglichen
Leben her und findet zu einer Verbundenheit mit den ihm
nahestehenden Menschen, die über den Tod hinaus
bestehen bleibt. Der französische Philosoph Michel de
Montaigne meinte aus eigener Erfahrung, je intensiver sich
ein Mensch mit dem eigenen Tod auseinandersetze, desto
eher würde er die Unverwechselbarkeit des eigenen
Lebens erkennen. Das Nachdenken über den Tod im
Labyrinth des Lebens rege dazu an, neben den einfachen
Dingen des begrenzten Daseins auch die Frage nach dem
Sinn des Ganzen zu stellen.
»Bin umgezogen«
Als ich eine meiner Freundinnen einmal fragte, warum sie
jeden Sonnabend mit großer Akribie die Todesanzeigen in
der Tagespresse studierte, antwortete sie mir: »Da wird in
wenigen Worten ein ganzes Leben präsentiert.« Meine
Freundin liest besonders gern Nachrufe auf bekannte
Persönlichkeiten und freut sich dann darüber, wie nach
dem Tod die Lebensleistung als Ganzes gewürdigt wird–
und wie ihr eigenes Leben damit zusammenhängt. Als
beispielsweise Udo Jürgens im Dezember 2014 starb,
erinnerte sie sich wieder daran, dass sie in einem seiner
Konzerte ihren Mann kennengelernt hatte und seither gern
griechischen Wein trinkt.
Wer sich regelmäßig Todesanzeigen anschaut, stellt aber
auch fest, dass die meisten alles andere als individuell sind:
»Unverhofft und plötzlich, nach einem erfüllten Leben

verstorben«, »Nach langer schwerer Krankheit endlich
erlöst« und andere Floskeln kehren regelmäßig wieder. Am
Ende folgt meistens ein prosaischer Abschiedsgruß in
standardisierten Formeln wie »In stiller Trauer« oder »In
Liebe und Dankbarkeit«.
Wer sich diesem Anzeigen-Mainstream entziehen möchte,
sollte sich überlegen, auf welche Lebensstationen oder
Werte seine eigene Traueranzeige Bezug nehmen soll. Gibt
es vielleicht einen Sinnspruch, ein Bibelwort oder einen
philosophischen Gedanken, der etwas Charakteristisches
über Ihren Lebenskompass aussagt? Dabei lässt sich
durchaus ein ungewöhnliches Lebensmotto an den Anfang
stellen wie »Mein Obstgarten blüht jetzt auch ohne mich«.
Jeder Leser erkennt durch so einen Spruch, dass die
Tätigkeit im Garten für den Verstorbenen von Bedeutung
war. Man kann das Motto aber auch einfach gestalten:
»Fußball war mein Leben« oder »Ohne meine Gitarre ging
nichts«. Wer diese Sprüche noch bildlich untermauern
möchte, kann entsprechende Symbole hinzufügen.
Manchmal führt auch eine Frage in die persönliche
Gedankenwelt hinein: »Wer weiß denn, ob das Leben nach
dem Tod nicht weitergeht?«
Statt einen eigenen Sinnspruch für das eigene Leben zu
formulieren, lässt sich auch auf Bewährtes oder Skurriles
zurückgreifen: Ob Rilke oder Tolkien, Woody Allen oder
Kurt Cobain– zum Thema Tod hat fast jeder etwas
beigetragen.
Wer sich traut, etwas Humorvolles in seine persönliche
Abschiedsbotschaft mit einzubeziehen, sollte nicht zögern.
Allerdings muss der Humor zur Persönlichkeit passen, d. h.
jemand, der gerne lustig war im Leben, darf sich auch
lustig verabschieden: »Ich bin dann mal weg«, »Bin
umgezogen« oder »Gern wäre ich mit euch noch mal
angeln gegangen«. Solche Sätze lassen sich entsprechend
witzig illustrieren.
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