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Seetouristik

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Wir waren schon fünfzehn Tage unterwegs, als der Kapitän meinte,
es werde ein Sturm aufkommen. Man sah die Sorge auf seinem Gesicht, denn es sah so aus, als kenne er die Ge­gend nicht genug, um einem Sturm mit Ruhe begegnen zu können. Er ließ alle Segel einziehen, und wir trieben ganz langsam dahin. Es war Nacht geworden, hell und kalt, und der Kapitän glaubte schon, sich geirrt zu haben. Auf einmal kam ein Schiff, das wir vorher nicht gese­hen hatten, dicht an unserem vorbei. Wil-
der Lärm und lautes Schreien kamen her- über, was mich zu dieser angstvollen
Stunde vor einem Sturm nicht wunderte.
Aber der Kapitän an meiner Seite wurde blaß wie der Tod. «Mein Schiff ist verlo-
ren» rief er, «dort segelt der Tod!» Ehe ich ihn fragen konnte, was er damit meine, kamen schon schreiend die aufge­regten Matrosen herein. «Habt ihr ihn gesehen?» schrien sie. «Jetzt ist es aus mit uns!»
Der Kapitän ließ Sprüche aus dem Koran vorlesen, aber alles war vergebliche Mühe. Der Sturm wurde stärker und stärker, und ehe eine Stunde vergangen war, war das Schiff verloren. Die Boote wurden zu Was­ser gelassen, und kaum hatten sich die letzten Matrosen in die Boote ge­rettet, ging das Schiff vor unseren Augen unter.
Als ich mit dem Boot auf die See hinausfuhr, hatte ich mein gan­zes Geld verloren. Aber es kam noch viel schlimmer. Der Sturm war jetzt furchtbar wild; ich hielt mich an meinem alten Diener fest, und wir ver­sprachen uns, immer zusammenzubleiben.
Endlich wurde es Tag. Aber mit dem ersten Licht des Tages
packte der Wind das Boot, in welchem wir saßen, und stürzte es um. Ich
habe keinen der Matrosen mehr gesehen. Der Sturz hatte mich betäubt, und als ich aufwachte, war ich in den Armen meines treuen alten Dieners, der sich auf das umgeschlagene Boot gerettet und mich heraufgezogen hatte.
Der Sturm war jetzt schwächer geworden. Von unserem Schiff war nichts mehr zu sehen, wohl aber sahen wir nicht weit von uns ein an­deres Schiff, auf das wir zutrieben. Als wir näher kamen, sahen wir mit Entsetzen, daß es dasselbe Schiff war, das in der Nacht an uns vorbeigefah­ren war. Der Kapitän hatte recht gehabt, das Schiff sah wirklich unheimlich
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aus. So nahe wir auch herankamen, so laut wir auch schrien, niemand zeigte sich. Dennoch war das Schiff unsere einzige Hoffnung; darum dankten wir dem Propheten, daß er uns gerettet hatte.
Vorne am Schiff hing ein langes Seil herab. Nach einiger Zeit gelang es uns, dieses Seil zu packen, und wir begannen, auf das Schiff zu klettern. Noch einmal rief ich, aber immer noch blieb es still.
Als wir auf dem Deck ankamen, blieb uns vor Entsetzen fast das Herz
stehen. Wie furchtbar! Was mußten meine Augen sehen! Das Deck war vol­ler Blut, und zwanzig bis dreißig Tote in türkischer Kleidung lagen auf dem Boden. Am mittleren Mast stand ein Mann, reich angezogen, den Säbel in
der Hand, aber das Gesicht war totenblaß; durch den Kopf ging ein großer
Nagel, der ihn am Mast festmachte. Auch er war tot.
Jeder Schritt war voll Entsetzen; ich wagte kaum zu atmen. Endlich, nachdem wir in unserer Angst den Propheten angerufen hatten, gingen wir ein paar Schritte weiter. Bei jedem Schritt sahen wir uns um, ob nicht etwas Neues, noch Schrecklicheres geschah, aber alles blieb, wie es war, weit und breit nichts Lebendiges als wir und das Meer. Nicht einmal laut zu sprechen wagten wir aus Angst, der tote, am Mast festgenagelte Kapitän könnte seine toten Augen in unsere Richtung drehen, oder einer der anderen Toten könn- te seinen Kopf umwenden. Endlich waren wir bis an eine Treppe gekommen, die in das Innere des Schiffes führte. Dort blieben wir stehen und sahen ei­nander an, denn keiner wagte zu sagen, was er dachte.
«O Herr», sprach Ibrahim, mein treuer Diener, «hier ist etwas Schreckliches passiert. Doch wenn auch das Schiff da unten voll Mörder ist, so will ich doch lieber bei ihnen sein als längere Zeit unter diesen Toten».
Als wir unten im Schiff ankamen, war es auch dort totenstill, so daß
man nur unsere Schritte hörte. Wir standen an der Tür der Kajüte. Ich legte mein Ohr an die Tür, aber es war nichts zu hören. Ich machte auf. Die Kajüte sah unordentlich aus, Kleider, Säbel und viele andere Dinge lagen herum. Wir verließen die Kajüte und gingen weiter von Raum zu Raum; überall fan-
den wir Mengen von Kleidern, Lebensmitteln und anderen, wertvollen Sa­chen. Meine Freude war groß, denn ich glaubte, das alles für mich nehmen zu können. Ibrahim aber machte mich darauf aufmerksam, daß wir wahr­scheinlich noch sehr weit vom Land seien, wohin wir allein und ohne mensch­liche Hilfe nicht kommen könnten.
Wir aßen und tranken und gingen dann wieder hinauf aufs Deck.
Aber hier fühlten wir wieder tiefes Entsetzen, als wir die schrecklichen Toten
sahen. Wir beschlossen, sie ins Meer zu werfen, um sie nicht immer sehen
zu müssen. Um so schlimmer war es, als wir herausfanden, daß sich keiner der Toten aus seiner Lage bewegen ließ. Sie lagen fest am Boden, und ohne
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Werkzeug konnten wir gar nichts machen. Auch der Kapitän ließ sich nicht
von seinem Mast losmachen; nicht einmal seinen Säbel konnten wir aus seiner Hand nehmen.
Wir verbrachten den Tag damit, über unsere traurige Lage nachzu­denken, und als es Nacht zu werden anfing, erlaubte ich dem alten Ibrahim, sich schlafen zu legen. Ich selbst aber wollte auf dem Deck bleiben und wach sein, falls Hilfe kommen sollte.
Als aber der Mond heraufkam, so etwa um die elfte Stunde, wie ich
aus den Sternen sah, wurde ich ganz plötzlich müde und fiel auf das Deck. Ich war richtig betäubt, hörte aber deutlich das Meer an der Seite des Schif- fes und die Segel im Wind. Auf einmal glaubte ich Stimmen und Männer- schritte auf dem Deck zu hören. Ich wollte mich aufsetzen, um zu sehen,
was dort passierte, aber eine unheimliche Kraft hielt meine Arme und Beine fest; nicht einmal die Augen konnte ich aufmachen. Aber immer deutlicher
wurden die Stimmen; es hörte sich an, als ob Seeleute auf dem Deck hin und her liefen. Manchmal glaubte ich die kräftige Stimme des Kapitäns zu hören; auch hörte ich deutlich, wie die Segel auf- und abgezogen wurden.
Doch nach und nach fiel ich immer tiefer in einen Schlaf, in dem ich nur noch zu hören glaubte, wie mit Säbeln gekämpft wurde.
Als ich aufwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel und
schien mir auf das Gesicht. Überrascht sah ich mich um; Sturm, Schiff, die Toten und was ich in dieser Nacht gehört hatte, kam mir wie ein Traum vor,
aber als ich hochsah, fand ich alles wie gestern. Still lagen die Toten, still
stand der Kapitän am Mast. Ich lachte über meinen Traum und stand auf,
um meinen Alten zu suchen.
Dieser saß in der Kajüte und dachte nach. «О Herr!» rief er aus, als ich zu ihm hereintrat. «Ich wollte lieber auf dem tiefsten Grund des Meeres liegen, als noch eine Nacht in diesem Gespensterschiff schlafen!» Ich fragte ihn, was passiert sei, und er antwortete mir: «Als ich einige Stunden ge­schlafen hatte, wurde ich wach und hörte, wie man oben auf Deck hin und
her lief. Ich dachte zuerst, Ihr wärt es, aber es waren wenigstens zwanzig, die oben herumliefen. Auch hörte ich Leute rufen und schreien. Endlich
kamen schwere Schritte die Treppe herab. Von da an weiß ich nichts mehr, nur ab und zu wurde ich wieder wach. Einmal sah ich denselben Mann, der oben am Mast festgenagelt ist, an jenem Tisch dort sitzen, singend und trin­kend. Andere, die oben auf Deck tot liegen, saßen neben ihm und tranken mit». Dies erzählte mir mein alter Diener.
Ihr könnt mir glauben, meine Freunde, daß ich mich gar nicht wohl fühlte, denn die Toten hatte ich ja auch gehört. In solcher Gesellschaft zu
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leben war furchtbar. «Jetzt hab' ich's!» rief Ibrahim nach einer Weile, nach-
dem er wieder nachgedacht hatte. Es fiel ihm nämlich ein Spruch ein, den er von seinem Großvater, einem klugen, erfahrenen Mann, gelernt hatte und
der gegen Geister und Gespenster helfen sollte. Er sagte auch, wir könnten den schrecklichen Schlaf verhindern, wenn wir fleißig Sprüche aus dem Koran beten würden.
Der Vorschlag des alten Mannes gefiel mir sehr. In großer Angst
warteten wir, bis die Nacht kam. Neben der Kajüte war ein kleiner Raum, in den wir hineingingen. Wir mach ten ein paar Löcher in die Tür, gerade groß genug, um die ganze Kajüte sehen zu können. Dann verschlossen wir die Tür,
so gut es ging, von innen, und Ibrahim schrieb den Namen des Propheten in alle vier Ecken.
So erwarteten wir die schreckliche Nacht. Es war wieder ungefähr elf Uhr, als ich anfing, müde zu werden. Mein Diener sagte mir, ich solle einige Sprüche aus dem Koran beten, was mir auch half. Dann wurde es oben wieder laut; man hörte, wie Leute mit Seilen arbeiteten, Schritte gingen über das Deck, und mehrere Stimmen waren deutlich zu unterscheiden.
Mehrere Minuten hatten wir so dagesessen, da hörten wir jemand die Treppe der Kajüte herabkommen. Als der Alte dies hörte, fing er an, sei-
nen Spruch gegen Gespenster, den er von seinem Großvater hatte, herzusagen:
Kommt ihr herab aus der Luft, Steigt ihr aus tiefem Meer, Schlaft ihr in dunkler Gruft, Kommt ihr vom Feuer her:
Allah ist euer Herr und Meister,
Auf ihn hören alle Geister.
Ich muß sagen, ich glaubte gar nicht so recht an diesen Spruch, und
Entsetzen packte mich, als die Tür aufging. Herein trat jener große Mann, den
ich am Mast festgenagelt gesehen hatte. Der Nagel war auch jetzt in seinem Kopf, den Säbel hatte er an seiner Seite. Hinter ihm trat noch ein anderer her- ein; seine Kleidung war nicht so wertvoll und teuer; auch ihn hatte ich oben
liegen sehen. Der Kapitän, denn das war er ohne Zweifel, hatte ein blasses
Gesicht, einen dichten schwarzen Bart, einen wilden Blick. Ich konnte ihn
ganz deutlich sehen, als er an unserer Tür vorbeiging, aber er schien gar nicht auf die Tür zu achten, hinter der wir saßen.
Beide setzten sich an den Tisch, der in der Mitte der Kajüte stand, und sprachen laut, fast schreiend, miteinander in einer unbekannten Sprache. Sie wurden immer lauter, bis endlich der Kapitän kräftig mit der Hand auf
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den Tisch schlug. Mit einem wilden Lachen sprang der andere auf und winkte
dem Kapitän, ihm zu folgen. Der Kapitän stand auf, nahm seinen Säbel, und beide verließen die Kajüte.
Wir atmeten freier, als sie weg waren, aber unsere Angst hatte noch lange kein Ende. Immer lauter und lauter wurde es auf dem Deck, man hörte die Leute hin und her laufen und schreien und lachen. Endlich wurde der
Lärm so laut, daß wir dachten, das Deck mit allen Masten und Segeln käme
zu uns herab auf einmal dann tiefe Stille. Als wir es nach vielen Stunden wagten, hinaufzugehen, trafen wir alles wie sonst; nicht einer der Toten lag anders als früher.
So waren wir mehrere Tage auf dem Schiff. Es ging immer nach Osten;
in dieser Richtung mußte, so glaubte ich sicher zu wissen, Land liegen, aber
wenn das Schiff auch bei Tag viele Kilometer geschafft hatte, so schien es in der Nacht immer wieder zurückzusegeln: Wir waren immer wieder an dersel- ben Stelle, wenn die Sonne aufging. Wir konnten uns dies nicht anders erklä-
ren, als daß die Toten jede Nacht mit vollem Wind zurücksegelten. Um nun
dies zu verhindern, zogen wir, ehe es Nacht wurde, alle Segel ein; außerdem schrieben wir den Namen des Propheten auf Papier und auch den Spruch des Großvaters dazu und legten alles zu den Segeln.
Voller Angst warteten wir in unserem kleinen Raum. Diesmal schien alles noch viel wilder zu sein, aber am Morgen sahen wir, daß die Segel noch auf dem Deck lagen, so wie wir sie verlassen hatten. Unsere Mühe hatte also Erfolg gehabt.
So kamen wir fünf Tage lang ganz gut voran. Endlich, am Morgen des sechsten Tages, sahen wir Land, und wir dankten Allah und seinem Prophe­ten, daß sie uns gerettet hatten. Diesen Tag und die folgende Nacht trieben wir an einer Küste entlang, und am siebenten Morgen glaubten wir in geringer
Entfernung eine Stadt zu sehen. Wir stoppten das Schiff, ließen ein kleines
Boot zu Wasser und versuchten, die Stadt zu erreichen.
Nach einer halben Stunde kamen wir zu einem kleinen Fluß, der uns
zu einem See führte, und bald hatten wir die Stadt erreicht. Wir erkundigten uns, wie die Stadt heiße, und wir erfuhren, daß es eine indische Stadt sei,
nicht weit von der Gegend, wohin ich am Anfang meiner Reise fahren wollte.
Wir gingen in eine Karawanserei und ruhten uns ein wenig aus. Ich fragte nach einem Mann, der etwas von Gespenstern und Geistern verstand, und der Wirt führte mich in eine kleine Straße und zeigte mir ein Haus. Nach Muley solle ich fragen, sagte er mir.
In dem Haus kam mir ein alter Mann mit grauem Bart und langer Nase entgegen und fragte nach meinen Wünschen. Ich sagte, ich suche den weisen Muley, und er antwortete mir, er sei es selbst. Ich fragte ihn nun um
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Rat, was ich mit den Toten machen solle und wie ich sie aus dem Schiff
bringen könne. Er antwortete mir, die Leute des Schiffes seien wahrscheinlich wegen irgendeiner bösen Tat verzaubert worden; er glaube, der Zauber werde sich lösen, wenn man sie an Land bringe. Dazu müsse man aber die Holz-
bretter, auf denen sie liegen, losmachen. Mir gehöre von Gott und Rechts we- gen das Schiff mit allen Waren, weil ich es gefunden hätte, doch solle ich es niemand sagen und ihm ein kleines Geschenk machen. Dafür wolle er mir mit seinen Dienern helfen, die Toten an Land zu bringen.
Ich versprach ihm ein schönes Geschenk, und wir machten uns mit
fünf Dienern, die alle Werkzeuge bei sich hatten, auf den Weg. Unterwegs
konnte der weise Muley unsere Idee, die Sprüche des Korans auf die Segel zu legen, nicht genug loben. Er sagte, das sei das einzige Mittel gewesen, uns zu retten.
Es war noch ziemlich früh am Tage, als wir beim Schiff ankamen. Wir machten uns alle sofort an die Arbeit, und in einer Stunde lagen schon vier der Toten im Boot. Einige von Muleys Leuten mußten sie an Land bringen, um sie dort zu begraben. Als sie zurückkamen, erzählten sie uns, daß das gar nicht nötig gewesen sei, da die Toten zu Staub geworden seien, als man sie auf die Erde legte. Wir fuhren mit unserer Arbeit fort, und bis vor dem Abend waren alle Toten ans Land gebracht.
Es war endlich keiner mehr auf Deck als der, welcher am Mast festge­nagelt war. Wir versuchten ohne Erfolg, den Nagel aus dem Holz zu ziehen; keine Macht der Welt konnte ihn bewegen. Da wir nicht denganzenMast an
Land bringen konnten, wußte ich nicht, was wir machen sollten. Doch dann half uns Muley. Er ließ schnell von einem der Diener Erde holen, sprach ein
paar Zauberworte, und legte die Erde dann auf den Kopf des Toten. Sofort schlug dieser die Augen auf, holte tief Atem, und die Wunde des Nagels in seinem Kopf fing an zu bluten. Wir zogen den Nagel jetzt leicht heraus, und der Verletzte fiel einem der Diener in die Arme.
«Wer hat mich hierher gebracht?» sprach er, nachdem er sich ein we­nig erholt zu haben schien. Muley zeigte auf mich, und ich trat zu ihm. «Ich danke dir, Fremder, du hast mich von langen, furchtbaren Schmerzen befreit. Seit fünfzig Jahren fährt mein Körper über das Meer, und jede Nacht erwachte ich wieder zum Leben. Aber jetzt hat mein Kopf die Erde berührt, und ich kann in Ruhe zu meinen Vätern gehen».
Ich bat ihn, uns doch zu sagen, wie er zu diesem schrecklichen Zustand gekommen sei, und er sprach: «Vor fünfzig Jahren war ich ein reicher Mann und hatte sehr viel Macht. Ich wohnte damals in Algier. Der Wunsch nach noch mehr Geld trieb mich dazu, ein Schiff zu kaufen und Seeräuber zu wer- den. Eines Tages nahm ich einmal einen Derwisch auf mein Schiff, der kein
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Geld hatte, um zu reisen. Ich und meine Matrosen waren wilde Leute, und wir trieben viele böse Spaße mit dem Mann Gottes. Eines Tages wurde ich so
wütend über etwas, das der Derwisch über mich und meine Leute gesagt hatte, daß ich ihn tötete. Sterbend sagte er, ich und meine Seeleute würden nicht sterben und nicht leben können, bis wir wieder die Erde berührten. Der
Derwisch starb, und wir warfen ihn ins Meer und lachten über seine Worte. Noch in derselben Nacht versuchten einige meiner Leute, mich und meine treuesten Matrosen zu töten; dabei wurde ich an den Mast genagelt, und alle anderen ebenfalls getötet. Bald war mein Schiff ein Schiff der Toten. Aber jede Nacht, zur gleichen Stunde, zu der wir den Derwisch ins Meer geworfen hat­ten, erwachten wir alle. Wir konnten nichts tun und sprechen, als was wir in jener Nacht getan und gesprochen hatten. So segeln wir seit fünfzig Jahren, können nicht leben, nicht sterben, denn wie konnten wir das Land erreichen? Jetzt aber werde ich sterben. Noch einmal meinen Dank, Fremder! Nimm mein Schiff als Zeichen dieses Danks!»
Der Kapitän ließ seinen Kopf sinken und starb. Sofort wurde auch er zu Staub, genauso wie seine Leute. Wir leg ten den Staub in ein kleines Käst- chen und begruben es an Land.
Nun nahm ich mir Arbeiter aus der Stadt, die mein Schiff in guten Zu­stand setzten. Nachdem ich die Waren verkauft und andere ins Schiff geladen hatte, stellte ich Matrosen ein, gab meinem Freund Muley reiche Geschenke und segelte nach Hause. Unterwegs verkaufte ich meine Waren auf vielen Inseln und in vielen Ländern und machte einen großen Gewinn. Nach drei- viertel Jahren kam ich, viel reicher als zuvor, wieder in Balsora an.
Die Menschen waren überrascht, als sie von meinem Gewinn und meinem Glück hörten; viele glaubten, ich hätte die Schätze des berühmten Reisenden Sindbad gefunden. Ich ließ sie in ihrem Glauben; von nun an aber mußten die jungen Männer von Balsora, wenn sie kaum achtzehn Jahre alt waren, in die Welt hinaus, um wie ich ihr Glück zu machen. Ich aber lebte ru-
hig und in Frieden, und alle fünf Jahre mache ich eine Reise nach Mekka, um dem Herrn zu danken und für den Kapitän und seine Leute zu beten, damit er sie in den Himmel holt.
Wörterverzeichnis
der Derwisch – Mitglied einer religiösen Gruppe des Islams; Lehrer und Leiter der Jugend; Helfer in der Not; die Geister – unsichtbare Wesen; Gespenster;
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die Karawanserei – große Gebäude im Orient, in denen die in einer Kara­wane Reisenden wohnen können; der Koran – die heiliege Schrift des Islam; besteht aus 114 Suren; Sindbad ( der Seefahrer) – Figur aus den Geschichten aus «Tausendundei- ner Nacht» (sowohl in Europa wie auch im Orient bekannt).
A Zum Verständnis des Textes
Kreuzen Sie die richtigen Aussagen an:
l.Die Stadt Balsora
a) ist die Heimatstadt des Erzählers. b) liegt an einem Fluß in Indien. c) liegt weit weg vom Meer.
2. Das Schiff, mit dem der Erzähler hinausfuhr,
a) ging im Sturm unter. b) trieb langsam auf Balsora zu. c) wurde von Gespenstern gesegelt.
3. Das Gespensterschiff
a) hatte kein Boot an Bord. b) hatte eine Kajüte für den Kapitän. c) war auf dem Weg nach Indien.
4. Der Kapitän des Gespensterschiffs
a) lag tot im Boot. b) lag tot in der Kajüte. c) war am Mast festgenagelt.
5. Jede Nacht
a) ging der Kapitän des Gespensterschiffs von Bord. b) wurden die toten Matrosen wieder wach. c) hielt der alte Diener Ibrahim Wache auf Deck.
6. Das Schiff war verzaubert worden, weil
a) der Kapitän den Derwisch getötet hatte. b) der Kapitän den Derwisch mitgenommen hatte.
c) der Kapitän Seeräuber geworden war.
B Welches Wort in der Reihe paßt nicht zu den anderen?
1. Bord - Boot - Bremse - Deck - Kajüte - Mast - Schiff - Segel
2. Kapitän - Mörder - Matrose - Seemann - Seeräuber - Schiffsjunge
3. Bergwerk - Gestein - Metall - Schacht - Brot - Finge
4. Angst - Gefahr - Geister - Gewohnheit - Zauber -
Gespenst
5. Bühne - Pause - Programm - Museum - Theater - Vor
hang - Vorstellung
6. Bier - Branntwein - Fest - Tränen - Gesang - Tanz – Feier
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C Bilden Sie Sätze nach folgendem Muster:
als - so - wie
Warum haben Sie das Gespenst nicht gefragt?
(Angst/haben)
Ich hätte es gefragt, wenn ich nicht Angst gehabt hätte.
2. «Ohne Zwei- fel» bedeu­tet...
3. Wenn man sich Mühe gibt, dann ..
a) Warum haben Sie das Schiff nicht verlassen?
(Sturm/schlimm sein)
b) Warum haben Sie den Kapitän nicht begraben?
(Zauber/stark sein)
c) Warum sind Sie nicht in die Kajüte gegangen?
(Lärm/groß sein)
d) Warum haben Sie nicht die Augen aufgehalten?
(müde/sein)
e) Warum haben Sie nicht um Hilfe gerufen?
(jemand/da sein)
D Setzen Sie eines der folgenden Wörter ein:
a) Mein Vater erzog mich,... gut er konnte, b) Ich war sehr glücklich, ... ich meine Heimatstadt wiedersah, c) Das Gespensterschiff war viel größer,... ich dachte, d) Niemand zeigte sich an Bord des Gespensterschiffs,... laut wir auch schrien, e) Ich hörte deutlich,... das Meer gegen die Seite des Schiffes schlug, f) «Ich will lieber auf dem Meeresboden liegen», sagte der alte Diener, „... noch... eine Nacht unter den Toten verbringen». g) Als die Erde ihn berührte, wurde der Kapitän zu Staub, genau seine Leute.
E Wählen Sie die richtige Erklärung für die Wörter und Ausdrücke, die auf der linken Seite stehen:
1. In einem Laden ... a)kann man etwas kaufen. b)kann man wohnen.
c)kann man etwas essen.
a)ganz sicher. b)mit Sorge. c)nicht immer.
d)ohne große Anstrengung.
a)hat man große Sorgen.
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b)strengt man sich an.
4. Wer fleißig
ist, der..
5. Wenn einer die Lust ver­liert,
c)tut man nicht viel.
a)arbeitet viel. b)schläft viel. c)strengt sich nicht an.
a)arbeitet er besonders schnell. b)hat er nicht mehr genug Geld. c)macht er eine Sache nicht mehr gerne. d)findet er etwas nicht mehr.
F Was meinen Sie dazu?
1. Haben Sie schon einmal von einem Schiff wie in der
Geschichte gehört?
2. Wie erklären Sie sich solche Dinge? Gibt es in Ihrem
Land derartige Geschichten?
3. Warum glauben viele Menschen an Gespenster?
Das empfehlende Lesen nach dem grammatischen Thema «Konjunktiv»
Lesen Sie den Text «DIE VERLASSENE BRIGANTINE» mit Hilfe des Wör-
terbuches.
stehen.Wir dachten,das die Brigantine vielleicht Hilfe braucht, und steuer­ten sofort auf sie zu. Als wir näher kamen, konnten wir den Namen lesen, «Schöne Alice» hiess das Schiff.Wir waren sehr erstaunt, das man keine Menschen an Bord sehen konnte.Es schien,dass die Mannschaft das Schiff verlassen hatte.
DIE VERLASSENE
BRIGANTINE
Unser Dampfer befand sich im Stil­len Ozean.Eines Tages bemerkten wir
in der Nähe eine Brigantine.Sie beweg- te sich kaum vorwärts,änderte immer
wieder ihren Kurs und blieb endlich