Аналитическое чтение. Учебное пособие для студентов третьего курса факультета иностранных языков
.pdfTodesschauer – Schreckenahndung –
Der Autor legt einen großen Wert auf die Wahl der Epitheta: schwarzes, milchendes Blut; hohler, grasser, zuckender Todesblick.
Der Monolog endet mit Fragen, die der Held wieder an sich richtet, und mit einem abgebrochenen Satz, der zerrissene Gedanken des Helden ausdrückt, die er zu einem zusammenhängenden Ganzen in seiner
Aufregung nicht mehr verbinden kann.
Also ist die Sprache des Monologs, wie auch des gesamten Schauspiels, eine typische Sprache der Sturm-und-Drang-Dramatik. Der vom Anfang angeschlagene aufgeregte Ton wird je weiter desto mehr gespannt, was durch Ausrufe, Anreden, versäumte Wörter, nicht zu Ende gebrachte Sätze, rhetorische Fragen, starke Intonierung zur Geltung kommt.
Oft vorkommende Interjektionen, historische und literarische Reminiszenzen, eine lyrische und bittere Pathetik wird durch die Gedankenstriche (die hier auch die Rolle der Gedankenpunkte spielen) betont. Das Toben der Gefühle läßt den Helden nicht regelrecht und korrekt sprechen. Jedes Gefühl erreicht seine höchste Stufe – dazu dient auch der Wortschatz: Todesschauer, Todesblick, schwarzes, rauchendes Blut usw. Und wie wir sehen, wird die Dramatik der Situation und der Rede noch durch die Bühnenanweisungen des Autors unterstützt.
AUFGABEN
1.Sprechen Sie über die Funktionen des Gedankenstriches im
Monolog.
2.Bestimmen Sie die verbalen Formen in den Sätzen der Begrüßung und des Abschieds.
3.Analysieren Sie den Satz:
Warum bin ich hierhergekommen? daß mir’s ginge wie dem Gefangenen, den der klirrende Eisenring aus Träumen der Freiheit aufjagt – nein, ich gehe im mein Elend zurück!
4. Ersetzen Sie das Attribut in der Wortfügung der grasigte Hügel durch ein sinnverwandtes Wort bzw. eine Wortverbindung. Sprechen Sie über das Adjektiv grasigt.
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5.Erklären Sie das Weglassen des Artikels vor den Substantiven im ersten Satz des Monologs.
6.Nennen Sie das Homonym zum Worte die Flur. Sprechen Sie über den Weg der Entstehung dieser Homonyme.
7.Geben Sie acht auf die Vieldeutigkeit und den Gebrauch des Wortes der Strom.
Strom, der: 1. (großer Fluß) ein tiefer, breiter, langer, reißender, gefährlicher, mächtiger, rauschender Strom; in den Strom münden viele Flüsse – 2. (Strömung) mit dem, gegen /wider/ den Strom schwimmen – 3. (elektrischer Strom) ein geschlossener, konstanter, galvanischer, hochfrequenter Strom; auf (umg), mit Strom kochen – 4.
(übertr) der Strom der Völkerwanderung; es regnet, gießt in Strömen; sie vergoß einen Strom von Tränen; im Strom der Welt dahintreiben; er ließ sich vom Strom der Menschen (durch die Straßen) treiben; er ging im Strom der Menge unter.
Ṻben Sie den Gebrauch des Wortes der Strom in Sätzen und Situationen ein.
8.Nennen Sie Synonyme zum Wort der Knabe, Sagen Sie, worin der Unterschied im Gebrauch dieser Synonyme besteht.
9.Sprechen Sie über die Höflichkeitsform Ihr, die in diesem Text gebraucht wird.
10.Kommentieren Sie den Gebrauch des Verbs sinnen in diesem Text.
11.Analysieren Sie den semantischen Zusammenhang zwischen den
Wörtern der Preis, preisen, gepriesen.
12.Erklären Sie die Bedeutung des Fremdwortes der Satrap.
Text für die selbständige Analyse
DIE RÄUBER
Vierter Akt
Zweite Szene
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Franz von Moor in tiefen Gedanken.
FRANZ: Weg mit diesem Bild! weg, feige Memme! was zagst du und vor wem? Ist mir’s nicht die wenigen Stunden, die der Graf in diesen Mauern wandelt, als schlich’ immer ein Spion der Hölle meinen Fersen nach
– Ich sollt’ ihn kennen! Es ist so was Groβes und Oftgesehenes in seinem wilden sonnverbrannten Gesicht, das mich beben macht – auch Amalia ist nicht gleichgültig gegen ihn! Läβt sie nicht so gierig schmachtende Blicke auf dem Kerl herumkreuzen, mit denen sie doch gegen alle Welt sonst so geizig tut? Sah ich’s nicht, wie sie ein paar diebische Tränen in den Wein fallen lieβ, den er hinter meinem Rücken so hastig in sich schlürfte, als wenn er das Glas mit hineinziehen wollte! Ja, das sah ich, durch den Spiegel sah ich’s mit diesen meinen Augen. Holla, Franz! siehe dich vor! dahinter steckt irgendein verderbenschwangeres Ungeheuer! Er steht forschend dem
Porträt Karls gegenüber. Sein langer Gänsehals – seine schwarzen, feuerwerfenden Augen, hm! hm! – sein finsteres, überhangendes, buschigtes Augenbraun. Plötzlich zusammenfahrend. Schadenfrohe Hölle! jagst du mir diese Ahndung ein? Es ist Karl! ja, itzt werden mir alle Züge wieder lebendig – Er ist’s! trutz seiner Larve! – Er ist’s – Tod und Verdammnis! Auf and ab mit heftigen Schritten. Hab’ ich darum meine
Nächte verpraβt – darum Felsen hinweggeräumt und Abgründe eben gemacht – bin ich darum gegen alle Instinkte der Menschheit rebellisch worden, daβ mir zuletzt dieser unstete Landstreicher durch meine künstlichsten Wirbel tölpfe? – Sachte! Nur sachte! – Es ist nur noch Spielarbeit übrig – Bin ich doch ohnehin schon bis an die Ohren in
Todsünden gewatet, daβ es Unsinn wäre, zurückzuschwimmen, wenn das
Ufer schon so weit hinten liegt – Ans Umkehren ist doch nicht mehr zu gedenken – die Gnade selbst würde an den Bettelstab gebracht, und die unendliche Erbarmung bankerott werden, wenn sie für meine Schulden all gutsagen wollte – Also vorwärts wie ein Mann! – Er schellt. Er versammle sich zu dem Geiste seines Vaters und komme; der Toten spott’ ich. – Daniel! he, Daniel! – Was gilt’s den haben sie auch schon gegen mich aufgewiegelt?
Er sieht so geheimnisvoll.
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Theoretischer Stoff
1.Parallelismus und Antithese
E. Riesel. Stilistik der deutschen Sprache, § 112-115, 157, 158
THEODOR STORM
1817–1888
Der bedeutende Vertreter der deutschen realistischen Literatur im 19. Jahrhundert Theodor Storm ist als Lyriker und Novellist weit bekannt. Er stammte aus einer Patrizierfamilie in Norddeutschland. Der junge Storm fügte sich dem Wunsch des Vaters, der in seinem Sohn einen Erben und Nachfolger im Beruf sehen wollte, und studierte von 1837 bis 1843
Jurisprudenz an den Universitäten in Kiel und Berlin.
Früh lernte Storm seine eigenen Wege zu gehen, aber die Heimatstadt Husum, das Elternhaus, die heimische Landschaft und die Überlieferungen seiner Heimat waren Kräfte, die sehr stark auf den Dichter wirkten.
Neben diesen Eindrücken traten auch die Einflüsse des lebendigen Volkslebens: Storm verkehrte mit Menschen aus allen Schichten der
Bevölkerung. Diese Begegnungen fanden einen starken Niederschlag in seinen Werken.
Die Kieler Jahre regten Storm geistig und wirkten sich auf sein späteres schriftstellerisches und dichterisches Schaffen aus. (Das Studentenleben wird in den Novellen „Immensee“, „Auf der Universität“, „Der Herr Staatsrat“ dargestellt.)
Im Februar 1843 kehrte Storm nach Husum zurück und nahm seine Tätigkeit als Advokat auf. Er übte sie bis 1853 hier aus.
1841 erschienen die ersten Märchen und Sagen von Storm, und schon bald zeichneten sich die Grundzüge eines ausdrucksstarken, wirklichkeitsnahen Prosaisten ab. Diese neugewonnene Kunst der lyrischen Aussage zeigt sich auch in seinen Gedichten.
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Außer dem beherrschenden Thema der Liebe wählt Storm jetzt auch andere Themen. Doch vom politischen und öffentlichen Leben seiner Zeit hielt er sich damals noch fern, obwohl sich in jenen bedeutenden Jahren des
Vormärz in dem scheinbar ruhig dahinlebenden Bürgertum die Kräfte der kapitalistischen Entwicklung entfalteten und sich die Arbeiterklasse zu regen begann.
Erst die schleswig-holsteinische Volkserhebung gegen Dänemark erweckte 1848 bei Storm Zorn und Empörung, und seine tiefe Heimatliebe kam zum Durchbruch, er schuf ausdrucksvolle patriotische Gedichte
(„Ostern“, „Im Herbste“, „Abschied”, „Gräber in Schleswig“ и. а.). Während Storm in seiner Lyrik ihn bewegende Lebensfragen aufgriff
und verarbeitete, hielt er seine allmählich sich entwickelnde Erzählkunst völlig frei davon. Hier herrschte eine zeitferne, traumhaft-märchenhafte
Welt, in der das Ideal des stillen Lebens (das Biedermeierideal) seine Darstellung und Verklärung fand („Marthe und die Uhr“, „Im Saal“ и. а.). 1849 erschien die bekannte Novelle „Immensee», die Storms Dichterruhm begründete.
Storm beteiligte sich nicht unmittelbar an der antidänischen
Widerstandsbewegung, doch trug er seine Gesinnung frei zur Schau und im
Jahre 1853 musste er seine an Dänemark angegliederte Heimat verlassen.
Storm ging nach Potsdam, wo er eine unbesoldete Assessorenstelle
übernahm.
In den späteren Jahren wächst seine Lyrik immer mehr aus der privaten Sphäre des eigenen Gefühlslebens in die soziale und öffentliche hinein. Vorläufig stehen aber seine Novellen noch ganz im Banne des bürgerlichen Lebensideals. Das zeitferne Glück von der Liebe und Ehe, das entweder dankbar genossen wird oder auf das der Mensch aus verschiedenen Gründen verzichtet, bildet den Inhalt seiner Novellen jener Jahre („Am Kamin“, „Auf dem Stadthof“ и. а.).
Statt der lockeren Reihung einzelner Bilder (bzw. Situationen) vollzieht sich hier eine geschlossene Handlung, und ein kräftiger Wirklichkeitsgehalt geht in diese Erzählungen ein. Die Novellen erscheinen zum Teil in paarweiser Anordnung: ein ähnliches Motiv wird nach verschiedenen Richtungen – positiv und negativ – abgewandelt („Späte
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Rosen“ und „Veronika“, „Drüben am Markt“ und „Abseits“). 1864 nach dem Abzug der Dänen ergab sich endlich die schon so lange ersehnte Möglichkeit, nach Husum zurückzukehren. Begeistert kam der Dichter in die geliebte Heimatstadt und übernahm die Landvogtei.
In seiner Heimat ist Storm nicht nur als Dichter weit bekannt, sondern auch als vielseitig begabter Musiker, als Dirigent, als Sänger und als Pianist.
Diese musikalische Gabe beeinflusste das ganze Dichtertum Storms.
Musikalisch ist der Klang seiner lyrischen Gedichte und seiner erzählenden
Prosa.
Die folgenden sechzehn Jahre (bis 1880) lebte Storm in Husum, hoch in Ehren gehalten. 1867 war er Amtsrichter geworden.
Theodor Storm verkehrte viel mit anderen Dichtern, seinen
Zeitgenossen: mit Fontane und Heyse, mit Keller und Mörike. Er hatte sogar persönliche Beziehungen zu dem russischen Dichter I. S. Turgenjew, der Storms Dichtung hoch schätzte. Auch in seinen reifen Jahren blieb Storm in politischer Hinsicht nach außen indifferent. Während des Krieges 1870/71 ist er nicht einmal gegen den Krieg oder gegen den deutschen Militarismus
öffentlich aufgetreten. Er zog sich in die Sphäre der Erinnerungen zurück. 1870 erlebte Storm einen neuen Durchbruch seiner schöpferischen
Kräfte, Novelle auf Novelle entstanden jetzt in rascher Folge. In der Mitte der 70er Jahre hat er dann die feine Meisterschaft als Erzähler erreicht. Seine geistige Entwicklung spiegelt sich in Novellen wider, die sich durch strenge Komposition und Einfachheit des Stils auszeichnen.
Aus dieser Zeit stammen mehrere psychologische Problemnovellen, die ganz von dem eigenen Erleben genährt sind, das Vater-Sohn-Problem interessierte damals den Dichter besonders. Zu den besten Leistungen dieser
Periode gehören Novellen: „Aquis submersus“, „Viola tricolor“, „Ein stiller Musikant“ und andere. Darunter sind auch tragische soziale
Schicksalsnovellen, wie „Im Nachbarhause links“, „Draußen im Heidedorf“.
Eine für Th. Storm sehr typische Denkweise findet man in seiner
Novelle „Die Psyche“ (1875), wo der Dichter ein Preislied des Lebens voll antiker Sinnesfreude singt.
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Im Jahre 1880, tief über die militaristische Bismarcksche Politik erbittert, trat Theodor Storm in den Ruhestand. Er übersiedelte nach
Hademarschen, wo der bejahrte und weit gepriesene Dichter an seinen Werken weiterarbeitete.
Die Novelle „Der Schimmelreiter» (1888) krönte seinen langen schöpferischen Weg. Es ist das reifste und vielschichtigste Werk von Th.
Storm. In demselben Jahre nahm ihm eine tödliche Krankheit die Feder aus der Hand.
Die dargebotene Novelle „Pole Poppenspäler“ ist 1874 geschrieben und nimmt einen besonderen Platz im Werk des Dichters ein.
Storm hat dieses Mal eine ihm von außen herangetragene Aufgabe ergriffen. Die Novelle „Pole Poppenspäler» verdankt ihre Entstehung der Anregung des Schriftstellers Julius Yohmeyer, an der von ihm herausgegebenen Jugendschrift „Deutsche Jugend“ mitzuarbeiten.
Storm hatte schon früher Märchen geschrieben und manchmal auch das Leben der Kinder in seinen Erzählungen dargestellt, er sah darin eine bedeutungsvolle künstlerische Aufgabe.
Seine Überlegungen hat er wie folgt formuliert: „Wenn du für die Jugend schreiben willst, so darfst du nicht für die Jugend schreiben, denn es ist unkünstlerisch, die Behandlung eines Stoffes so oder anders zu wenden, je nachdem du dir den großen Peter oder den kleinen Hans als Publikum denkst.“ Damit lehnt er es ab, bewusst und gewollt in die Sphäre des Kindes „hinabzusteigen“, das heißt, Gegenstand und Stil der Erzählung künstlerisch zu vereinfachen und zu verflachen, wie es damals bei den meisten Jugendschriftstellern üblich war. Nur von innen her, aus dem eigenen Erlebnis in der Kindheit heraus kann der Stoff zugleich künstlerisch vollwertig und echt kindertümlich gestaltet werden. Man darf sagen, dass „Pole Poppenspäler» von Th. Storm das selten erreichte Vorbild einer echten Jugendschrift ist.
Aber diese Erzählung ist viel mehr als eine Jugendschrift, sie ist eine richtige Novelle. Storm hat seiner Erzählung einen stark sozialgefärbten und echt novellistischen Konflikt zugrunde gelegt.
Es ist der Gegensatz zwischen der festen Lebensordnung des selbstgefälligen Вürgertums und der abenteuerlichen Welt der fahrenden
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Puppenspieler, eine rührende Liebesgeschichte zwischen dem
Handwerkersohn Paul Paulsen und der Tochter eines verachteten Puppenspielers.
Als Ausgangspunkt und Sinnbild des Konflikts dient der verächtlich gemeinte Spottname „Pole Poppenspäler“. Dieses menschlich-sittliche
Problem wird so gelöst, dass die wandernden Puppenspieler, die früher zu den unehrlichen Leuten gehörten, in die bürgerliche Welt eingeordnet werden.
Die Rahmenerzählung und die reizvolle Kindergeschichte dienen nur als eine weite Exposition, die in den zweiten Teil hineinführt. Erst hier klärt sich das Thema, und man versteht, dass das „dumme Wort“ Pole Poppenspäler das Beste bedeutet, was das Leben dem Erzähler gegeben hat.
Der größte künstlerische Reiz liegt zweifellos in den Kinderszenen.
Die Welt der wandernden Puppenspieler wird aus der inneren Anschauung eines Bürgerjungen dargestellt, diese Welt ist ganz fremdartig, aber auch sehr verlockend dabei, die Kunst bricht in eine empfängliche Kinderseele ein. Scheu suchen die Kinder die gegenseitige Freundschaft, man sieht das immer engere Zusammenwachsen der Kinder, ihren traurigen Abschied und die erneute Begegnung nach zwölf Jahren. Die ganze Atmosphäre, die menschliche Innigkeit und Wärme macht diese Novelle für die Jugend besonders geeignet. Die Novelle „Pole Poppenspäler“ hat einen außerordentlichen Erfolg errungen und wird auch heute noch sehr viel gelesen.
POLE POPPENSPÄLER
Endlich war ich an Ort und Stelle. Die große Tür stand offen, und allerlei Leute wanderten hinein; denn derzeit ging man noch gern zu solchen
Vergnügungen; nach Hamburg war eine weite Reise, und nur wenige hatten sich die kleinen Dinge zu Hause durch die dort zu schauenden
Herrlichkeiten leid machen können. – Als ich die eichene Wendeltreppe hinaufgestiegen war, fand ich Liseis Mutter am Eingange des Saales an der
Kasse sitzen. Ich näherte mich ihr ganz vertraulich und dachte, sie würde mich so recht als einen alten Bekannten begrüßen; aber sie saß stumm und
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starr und nahm mir meine Karte ab, als wenn ich nicht die geringste
Beziehung zu ihrer Familie hätte. – Etwas gedemütigt trat ich in den Saal; der kommenden Dinge harrend, plauderte alles mit halber Stimme durcheinander; dazu fiedelte unser Stadtmusikus mit drei seiner Gesellen. Das erste, worauf meine Augen fielen, war in der Tiefe des Saales ein roter
Vorhang oberhalb der Musikantenplätze. Die Malerei in der Mitte desselben stellte zwei lange Trompeten vor, die kreuzweise über einer goldenen Leier lagen; und, was mir damals sehr sonderbar erschien, an dem Mundstück einer jeden hing, wie mit den leeren Augen daraufgeschoben, hier eine finster, dort eine lachend ausgeprägte Maske. – Die drei vordersten Plätze waren schon besetzt; ich drängte mich in die vierte Bank, wo ich einen Schulkameraden bemerkt hatte, der dort neben seinen Eltern saß. Hinter uns bauten sich die Plätze schräg ansteigend in die Höhe, so dass der letzte, die sogenannte Galerie, welche nur zum Stehen war, sich fast mannshoch über dem Fußboden befinden mochte. Auch dort schien es wohlgefüllt zu sein; genau vermochte ich es nicht zu sehen, denn die wenigen Talglichter, welche in Blechlampetten an den beiden Seitenwänden brannten, verbreiteten nur eine schwache Helligkeit; auch dunkelte die schwere Balkendecke des Saales. Mein Nachbar wollte mir eine Schulgeschichte erzählen; ich begriff nicht, wie er an so etwas denken konnte, ich schaute nur auf den Vorhang, der von den Lampen des Podiums und der
Musikantenpulte feierlich beleuchtet war. Und jetzt ging ein Wehen über seine Fläche, die geheimnisvolle Welt hinter ihm begann sich schon zu regen; noch einen Augenblick, da erscholl das Läuten eines Glöckchens, und während unter den Zuschauern das summende Geplauder wie mit einem
Schlage verstummte, flog der Vorhang in die Höhe. – Ein Blick auf die Bühne versetzte mich um tausend Jahre rückwärts. Ich sah in einen mittelalterlichen Burghof mit Turm und Zugbrücke; zwei kleine ellenlange
Leute standen in der Mitte und redeten lebhaft miteinander. Der eine mit dem schwarzen Barte, dem silbernen Federhelm und dem goldgestickten
Mantel über dem roten Unterkleide war der Pfalzgraf Siegfried; er wollte gegen die heidnischen Mohren in den Krieg reiten und befahl seinem jungen Hausmeister Golo, der in blauem, silbergesticktem Wamse neben ihm stand, zum Schutze der Pfalzgräfin Genoveva in der Burg zurückzubleiben. Der
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treulose Golo aber tat gewaltig wild, dass er seinen guten Herrn so allein in das grimme Schwerterspiel (Archaismen nichtgebräuchlich) sollte reiten lassen. Sie drehten bei diesen Wechselreden die Köpfe hin und her und fochten heftig und ruckweise mit den Armen. – Da tönten kleine, langgezogene Trompetentöne von draußen hinter der Zugbrücke, und zugleich kam auch die schöne Genoveva in himmelblauem Schleppkleide hinter dem Turm hervorgestürzt und schlug beide Arme über des Gemahls Schultern: „Oh, mein herzallerliebster Siegfried, wenn dich die grausamen
Heiden nur nicht massakrieren ((franz) – niedermetzeln (перебить,
вырезать (людей); устроить резню)!“ Aber es half ihr nichts; noch einmal ertönten die Trompeten, und der Graf schritt steif und würdevoll über die Zugbrücke aus dem Hofe; man hörte deutlich draußen den Abzug des gewappneten Trupps. Der böse Golo war jetzt Herr der Burg. –
Und nun spielte das Stück sich weiter, wie es in deinem Lesebuch gedruckt steht. – Ich war auf meiner Bank ganz wie verzaubert; diese seltsamen Bewegungen, diese feinen oder schnarrenden Puppenstimmchen, die denn doch wirklich aus ihrem Munde kamen – es war ein unheimliches Leben in diesen kleinen Figuren, das gleichwohl meine Augen wie magnetisch auf sich zog.
Im zweiten Aufzuge aber sollte es noch besser kommen. – Da war unter den Dienern auf der Burg einer im gelben Nankinganzug, der hieß Kasperl. Wenn dieser Bursche nicht lebendig war, so war noch niemals etwas lebendig gewesen; er machte die ungeheuersten Witze, so dass der ganze Saal vor Lachen bebte; in seiner Nase, die so groß wie eine Wurst war, musste er jedenfalls ein Gelenk haben; denn wenn er so sein dummpfiffiges Lachen herausschüttelte, so schlenkerte der Nasenzipfel hin und her, als wenn auch er sich vor Lustigkeit nicht zu lassen wüsste; dabei riss der Kerl seinen großen Mund auf und knackte, wie eine alte Eule, mit den Kinnbacksknochen. „Pardauz!“ schrie es; so kam er immer auf die Bühne gesprungen; dann stellte er sich hin und sprach erst bloß mit seinem großen
Daumen; den konnte er so ausdrucksvoll hin und wider drehen, dass es ordentlich ging wie „Hier nix und da nix! kriegst du nix, so hast du nix!“ Und dann sein Schielen; – das war so verführerisch, dass im Augenblick
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