Добавил:
Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:

Аналитическое чтение. Учебное пособие для студентов третьего курса факультета иностранных языков

.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
12.08.2026
Размер:
1 Мб
Скачать

Wir beobachten Diederich Heßling von Kindheit an bis zum Höhepunkt seiner sozialen Karriere, was den Roman in die Gattung der

Erziehungsund Entwicklungsromane einreiht, allerdings als eine negative Variante.

Wir lernen Diederich Heßling, den Sohn eines kleinen

Papierfabrikanten, zuerst als kleines Kind im Elternhause kennen, dann sehen wir ihn als Gymnasiasten, Studenten der Berliner Universität und endlich als Papierfabrikbesitzer. Wir sehen Diederich als Sohn, als Bruder, als Kamerad (oder besser zu sagen Konkneipant), in seinen privaten Beziehungen und endlich als Gattern.

Als kleiner Junge beobachtet Diederich die verlogenen

Familienverhältnisse im Elternhause. Der Vater verkörpert die Macht im

Haus, der Knabe hat Angst vor ihm; was ihn aber nicht daran hinderte, laut in die Hände zu klatschen, als der Alte wegen seines invaliden Beines die Treppe herunterfiel. Er denunziert die Fabrikarbeiter, er denunziert seine

Gymnasialkameraden, später denunziert er seine Kollegen, er verführt das Mädchen, das er heiraten sollte, und verläßt sie, alles, was er macht, ist gemein und niederträchtig.

Dem Kaiser allein hält er seine Treue, weil der Kaiser die höchste Macht ist und weil er selbst dem Kaiser innerlich und äußerlich so erstaunlich ähnlich erscheint.

Diederich Heßling vertritt den Geist der Epoche, die sittlichen Vorstellungen seiner Klasse, wo Verrat, Betrug, Lüge und Mißhandlung das

Leben der Menschen entstellen.

Diederich Heßling krönt alle Unarten dieser düsteren Zeit, verkörpert alle Eigenschaften seiner Klassengenossen; diese kleinliche Person, ein

Barbar mit Doktorgrad, demonstriert die Ausartung des früheren patriarchalischen deutschen Bürgers, des Vertreters des dritten Standes. Der

Dichter warnt: Diederich und seinesgleichen gehört die Zukunft, sie regieren das Leben und sie genießen es. Schmutzig wird alles, was Diederich berührt. H. Mann zeigt seinen Zeitgenossen, wohin der weitere Weg des Diederich Heßling – er führt unzweifelhaft unmittelbar und direkt zum Faschismus. Der Dichter ermahnt sein Volk. Diese Warnung, wie auch mehrere andere, hat das deutsche Volk übersehen. Etwa 50 Jahre nach der

51

Romanhandlung sind die Diederich Heßling tatsächlich an die Macht gekommen, und zwar in der Gestalt des Faschismus.

Kurt Tucholsky hat treffende Worte für die Charakteristik der Zeit und des Romans gefunden: „Es spricht für den genialen Weitblick des Künstlers..., dass nichts, aber auch nichts, was in diesem Buche steht, so übertrieben ist, wie seine Feinde es gern wahr haben möchten“. Im Jahre 1969 schrieb auch H. Böll über die Aktualität dieses Romans: „Ich war erstaunt, als ich den „Untertan» jetzt wieder las, erstaunt und erschrocken: fünfzig Jahre nach seinem Erscheinen erkenne ich immer noch das Zwangsmodell einer untertänigen Gesellschaft“.

Wir bieten zur Analyse einen Auszug aus dem Roman „Der Untertan“

an.

DER UNTERTAN

Diederich wartete vergeblich auf den Diener, lange Minuten. Dann aber traf der Wulkowsche Hund ein, schritt riesenhaft und voll Verachtung an Diederich vorbei und kratzte an der Tür. Sofort ertönte es drinnen: „Schnaps! Komm herein!“ – worauf die Dogge die Tür aufklinkte. Da sie vergaß, sie wieder zu schließen, erlaubte Diederich sich, mit hineinzuschlüpfen.

Herr von Wulckow saß in einer Rauchwolke am Schreibtisch, wendete den ungeheuren Rücken her.

„Guten Tag, Herr Präsident“, sagte Diederich mit einem Kratzfuß „Nanu, quatschst du auch schon, Schnaps? “ fragte Wulckow, ohne sich umzusehen. Er faltete ein Papier, zündete langsam eine neue Zigarre an… „Jetzt kommt es“, dachte Diederich. Aber dann begann Wulckow etwas anderes zu schreiben, Interesse an Diederich nahm nur der Hund. Offenbar fand er den Gast hier noch weniger am Platz, seine Verachtung ging in

Feindseligkeit über; mit gefletschten Zähnen beschnupperte er Diederichs Hose, fast war es kein Schnuppern mehr. Diederich tanzte, so geräuschlos wie möglich, von einem Fuß auf den anderen, und die Dogge knurrte drohend, aber leise, wohl wissend, ihr Herr könnte es sonst nicht weiter kommen lassen. Endlich gelang es Diederich, zwischen sich und seinen

52

Feind einen Stuhl zu bringen, an den geklammert er sich umherdrehte, bald langsamer, bald schneller, und immer auf der Hut vor Schnaps

Seitensprüngen. Einmal sah er Wulckow den Kopf ein wenig wenden und glaubte ihn schmunzeln zu sehen. Dann hatte der Hund genug von dem

Spiel, er ging zum Herrn und ließ sich streicheln; und neben Wulckows Stuhl hingelagert, maß er mit kühnen Jägerblicken Diederich, der sich den Schweiß wischte.

„Gemeines Vieh!“ dachte Diederich – und plötzlich wallte es auf in ihm Empörung und der dicke Qualm verschlugen ihm den Atem, er dachte, mit unterdrücktem Keuchen: „Wer bin ich, dass ich mir das bieten lassen muss? Mein letzter Maschinenschmierer lässt sich das von mir nicht bieten.

Ich bin Doktor. Ich bin Stadtverordneter! Dieser ungebildete Flegel hat mich nötiger als ich ihn!» Alles, was er heute nachmittag erlebt hatte, nahm den

übelsten Sinn an. Man hatte ihn verhöhnt, der Bengel von Leutnant hatte ihm den Rücken geklopft! Diese Kommißköpfe und adeligen Puten hatten die ganze Zeit von ihren albernen Angelegenheiten geredet und ihn wie dumm dabei sitzen lassen! „Und wer bezahlt die frechen Hungerleider? Wir!“ Gesinnung und Gefühle, alles stürzte in Diederichs Brust auf einmal zusammen, und aus den Trümmern schlug wild die Lohe des Hasses. Menschenschinder! Säbelrassler! Hochnäsiges Pack! ...Wenn wir mal

Schluss machen mit der ganzen Bande –!“

Die Fäuste ballten sich ihm von selbst, in einem Anfall stummer

Raserei sah er alles niedergeworfen, zerstoben; die Herren des Staates, Heer,

Beamtentum, alle Machtverbände und sie selbst, die Macht! Die Macht, die über uns hingeht und deren Hufe wir küssen! Gegen die wir nichts können, weil wir alle sie lieben! Die wir im Blut haben, weil wir die Unterwerfung darin haben! Ein Atom sind wir von ihr, ein verschwindendes Molekül von etwas, das sie ausgespuckt hat! ...Von der Wand dort, hinter blauen Wolken, sah eisern hernieder ihr bleiches Gesicht, eisern, gesträubt, blitzend: Diederich, aber, in wüster Selbstvergessenheit, hob die Faust.

Da knurrte der Wulckowsche Hund, unter dem Präsidenten hervor aber kam ein donnerndes Geräusch, ein lang hinrollendes Geknatter – und Diederich erschrak tief. Er verstand nicht, was dies für ein Anfall gewesen war. Das Gebäude der Ordnung, wieder aufgerichtet in seiner Brust, zitterte

53

nur noch leise. Der Herr Regierungspräsident hatte wichtige Staatsgeschäfte. Man wartete eben, bis er einen bemerkte; dann bekundete man gute Gesinnung und sorgte für gute Geschäfte...

„Na, Doktorchen?“ sagte Herr von Wulckow und drehte seinen Sessel herum. „Was ist mit Ihnen los? Sie werden ja der reine Staatsmann. Setzen Sie sich mal auf diesen Ehrenplatz.“

„Ich darf mir schmeicheln», stammelte Diederich. „Einiges habe ich schon erreicht für die nationale Sache.“

Wulckow blies ihm einen mächtigen Rauchkegel ins Gesicht, dann kam er ihm ganz nahe mit seinen warmblütigen, zynischen Augen und ihrer Mongolenfalte. „Sie haben erstens erreicht, Doktorchen, dass Sie

Stadtverordneter geworden sind. Wie, das wollen wir auf sich beruhen lassen. Jedenfalls konnten Sie es brauchen, denn Ihr Geschäft soll ja 'ne ziemlich faule Karre sein.“ Da Diederich zusammenzuckte, lachte Wulckow dröhnend. „Lassen Sie nur, Sie sind mein Mann. Was meinen Sie, das ich da geschrieben habe?“ Das große Blatt Papier verschwand unter der Pranke, die er darauf legte. „Da verlange ich vom Minister einen kleinen Piepmatz für einen gewissen Doktor Heßling, in Anerkennung seiner Verdienste um die gute Gesinnung in Netzig ... Für so nett haben Sie mich wohl gar nicht gehalten?“ setzte er hinzu, denn Diederich, mit einer Miene, geblendet und wie mit Blödheit geschlagen, machte von seinem Stuhl herab immerfort Verbeugungen. „Ich weiß tatsächlich nicht“, brachte er hervor. „Meine bescheidenen Verdienste –„

„Aller Anfang ist schwer», sagte Wulckow. „Es soll auch nur eine Aufmunterung sein. Ihre Haltung im Prozess Lauer war nicht übel. Na, und

Ihr Kaiserhoch in der Kanalisationsdebatte hat die antimonarchistische

Presse ganz aus dem Häuschen gebracht. Schon an drei Orten im Lande ist deshalb Anklage wegen Majestätsbeleidigung erhoben. Da müssen wir uns Ihnen wohl erkenntlich zeigen.“

Diederich rief aus: „Mein schönster Lohn ist es, dass der LokalAnzeiger meinen schlichtbürgerlichen Namen vor die Allerhöchsten Augen selbst gebracht hat!“

54

ERLÄUTERUNGEN

Der vorliegende Auszug zeigt Diederich unter durchaus typischen

Umständen: in einem Rendezvous mit dem Regierungspräsidenten von

Wulckow. Die beiden Gestalten erscheinen in ihrem Naturell, der Dichter verhöhnt sie beide.

Im Auszug haben wir mit drei Arten der Rededarstellung zu tun. Es sind Figurensprache, Autorrede und erlebte Rede. Alle drei Arten sind miteinander verflochten und ergänzen einander, was einen tiefen Einblick in die Welt der Gedanken und Gefühle der handelnden Personen gewährt und die Stellungnahme des Verfassers in Bezug auf seinen Helden klar und deutlich erkennen lässt.

Die Szene der Audienz beim Präsidenten Wulckow beginnt mit

Diederichs Worten: Guten Tag, Herr Präsident. Die Worte der Begrüßung und das neutrale Verbum dicendi geben noch keine Vorstellung vom Charakter der Beziehungen zwischen den handelnden Personen wie auch nicht über Diederichs Charakter und seine Gefühle. Beides kommt aber durch die Worte des Autors mit einem Kratzfuß zum Ausdruck, besonders

Diederichs Untertänigkeit allen gegenüber, die im Dienst höher als er stehen.

Schon der erste Satz, welchen Wulckow hervorbringt, enthält hingegen die Charakteristik Wulckows:

Nanu, quatschst du auch schon, Schnaps?

Anscheinend wendet sich Wulckow an seinen Hund, es ist aber klar, dass diese unliebenswürdigen Worte dem im Zimmer anwesenden Mann gelten. Die weitere Beschreibung der Handlungsweise von Wulckow bekräftigt und vertieft die Charakteristik, die schon im ersten Satz enthalteт ist.

Nach dieser ersten Gegenüberstellung, in weicher die Autorensprache und Figurensprache zusammenwirken, folgt die Vertiefung in der

Darstellung der Verhältnisse, ganz auf der Beschreibung durch den Autor aufgebaut: Diederich und die Dogge.

55

Besonders hervorzuheben sind in dieser Beschreibung erweiterte

Prädikatgruppen, da eben in Diederichs Handlungen sein Wesen zur

Geltung kommt:

Diederich tanzte, so geräuschlos wie möglich, von einem Fuß auf den anderen...

Endlich gelang es Diederich, zwischen sich und seinen Feind einen Stuhl zu bringen, an den geklammert er sich umherdrehte, bald langsamer, bald schneller, und immer auf der Hut vor Schnaps' Seitensprüngen.

Die Gegenüberstellung von Diederichs Haltung und der des Hundes, erhält einen besonderen Sinn, wenn man sich an die erste Seite des Romans erinnert, wo H. Mann Diederich selbst eigentlich mit einem Hunde vergleicht:

Wenn er (Diederich) genascht oder gelogen hatte, drückte er sich so lange schmatzend und scheu wedelnd am Schreibpult umher, bis Herr Heßling etwas merkte und den Stock von der Wand nahm.

Im nächsten Absatz wird Diederichs plötzlicher Ausbruch gegen die

Macht und die Machthaber dargestellt. Eine hohe Ausdruckskraft erreicht dabei H. Mann durch eine meisterhafte Verbindung verschiedener Arten der Rededarstellung: Diederichs Gedanken treten in zwei Formen auf: in der Form von Figurensprache und in der Form der erlebten Rede.

Diederichs Empörung findet sowohl in der Wortwahl als auch im Ton und in der Gestaltung der Sätze ihren Ausdruck: er gebraucht Schimpfwörter (gemeines Vieh, dieser ungebildete Flegel), drückt seine

Gedanken vorwiegend in Form von Frageund Ausrufesätzen aus. Der letzte Satz der inneren Rede von Diederich ist:

Dieser ungebildete Flegel hat mich nötiger als ich ihn!

Aber schon nach einem Satz der Autorensprache ertönt wiederum Diederichs empörte Stimme, diesmal in Form der erlebten Rede:

Man hatte ihn verhöhnt, der Bengel von Leutnant hatte ihm den Rücken geklopft! Diese Kommißköpfe und adeligen Puten hatten die ganze Zeit von ihren albernen Angelegenheiten geredet und ihn wie dumm dabei sitzen lassen!

56

Der äußeren Form nach gehören diese Worte der Autorensprache. Wir verstehen aber, dass sie der aufgeregte Held hervorbringt. Davon zeugt der

Gebrauch der starken Schimpfwörter, die der Gesellschaft des Präsidenten gelten und die wir in der Figurensprache des Helden vor kurzem getroffen haben: der Bengel von Leutnant, adelige Puten usw.; davon zeugt der aufgeregte Ton der Sätze (auch der Form nach sind es Ausrufesätze).

Die erlebte Rede löst wieder die Figurensprache ab – mit denselben Merkmalen einer starken expressiven Färbung (Gebrauch von Schimpfwörtern, Frageund Ausrufeton der Sätze). Besonders expressiv klingen nominative Ausrufesätze, welchen ein abgebrochener, unvollendeter Satz folgt:

„Menschenschinder! Säbelrassler! Hochnäsiges Pack!... Wenn wir mal Schluss machen mit der ganzen Bande – !“

Zum zweitenmal fließen die Figurenund Autorensprache in der erlebten Rede dort ineinander, wo es sich um eine Stellungnahme zur Macht handelt. Der Ton der Äußerung verändert sich. An Stelle der unaufhaltsamen Wut tritt eine tiefe Ehrfurcht. Die Ausrufesätze klingen gehoben, ja etwas feierlich. Statt Schimpfwörter haben wir hier gewählte

Lexik. Das Wort die Macht erscheint abgesondert, nachdem es durch die Worte sie selbst vorweggenommen wurde. Der nächste Satz beginnt mit demselben Wort die Macht, weiter aber wird das Wort jedesmal durch das entsprechende Pronomen ersetzt. Dieses Mittel bewirkt den Eindruck einer gewissen Verherrlichung und Vergötterung der Macht. Der ganze verherrlichende Wortschwall über die Macht besitzt aber eine Gegenwirkung. Und die Ironie wird besonders spürbar nach dem letzten Satz: durchweg feierliche, gehobene Sätze schließt der letzte Satz, der mit dem Verb ausspucken endet. Die Ironie tritt hier desto deutlicher zutage, da der ganze Auszug in Form der erlebten Rede geschrieben ist.

Diederichs „Ernüchterung“ wird von H. Mann in Verbindung mit dem

Benehmen der Wulckowschen Dogge gebracht. Diesmal gebraucht er bei der Beschreibung Lautmalerei:

Da knurrte der Wulckowsche Hund... – und Diederich erschrak tief.

Nach dieser ausführlichen Analyse von Diederichs Gemütszustand, bei der der Verfasser meisterhaft die Abwechslung der Figurensprache und

57

der erlebten Rede angewandt hat, schenkt H. Mann seine ganze Aufmerksamkeit dem Dialog zwischen Diederich und Wulckow. In diesem Dialog sind zwei Momente von besonderem Interesse: die Rede der Helden selbst und die sog nannte Einkleidung der direkten Rede.

Die Sprache des Präsidenten ergänzt jenen Eindruck, den wir nach seinen ersten Worten von ihm bekommen haben.

Seine Überlegenheit und Herabschätzung Diederich gegenüber коmmt im Gebrauch des Verkleinerungssuffixes im Worte Doktorchen zur Geltung. Die Form Doktorchen wirkt verächtlich, herabschätzend. Das Suffix -chen nähert sich hier in seiner Funktion dem Suffixe -ling in Wörtern Dichterling Schwächling u. a. Ebenso herabschätzend wirken manche umgangssprachliche Redensarten welche Wulckow in seiner Rede gebraucht, als er über Diederichs Tätigkeit spricht (eine faule Karre sein, hatte... aus dem Häuschen gebracht):

Jedenfalls konnten Sie es brauchen, denn Ihr Geschäft soll ja

'ne ziemlich faule Karre sein.

Demselben Zweck dient der Gebrauch des Wortes Piepmatz statt

Orden, Auszeichnung.

Mit der Wortwahl der Sprache Diederichs will H. Mann dessen wesentlichsten Charakterzug zeigen, die Untertänigkeit gegenüber der

Macht:

Ich darf mir schmeicheln... Meine bescheidenen Verdienste…

Mein schönster Lohn ist es, dass der Lokal-Anzeiger meinen schlichtbürgerlichen Namen vor die Allerhöchsten Augen selbst gebracht hat!

Das zweite Merkmal der Sprache von Diederich ist das falsche Pathos:

Einiges habe ich schon erreicht für die nationale Sache. Mein schönster Lohn ist es...

Auf solche Weise schafft H. Mann das sogenannte „Sprachporträt“ seiner Helden.

Das Wesen der Beziehungen zwischen Diederich und Wulckow, wie auch die Veränderungen in Diederichs Stimmung treten auch in der

Einkleidung des Dialogs zutage.

58

Die Einkleidung der direkten Rede von Wulckow machen Verba dicendi mit neutraler Stilfärbung aus: sagen, fragen, hinzufügen. Die Einkleidung der direkten Rede von Diederich widerspiegelt seinen Zustand auf jeder Stufe der Unterhaltung. Am Anfang der Unterhaltung stammelte

Diederich, seine nächsten Sätze brachte er hervor, durch das von Wulckow Gesagte ermuntert, rief er aus.

Also nicht nur die direkte Rede selbst, sondern auch ihre Einkleidung charakterisiert die beiden Gesprächspartner.

Die Stellungnahme des Verfassers zur Macht und zu den Machthabern geht aus der oben erwähnten erlebten Rede hervor. Als Werkzeug der Satire, gegen die politische Macht gerichtet, wird auch die direkte Rede Wulckows ausgenutzt. Die pathetische Rede von Wulckow erreicht eine gegenteilige

Wirkung durch die unlogische Verbindung des Erhabenen und Alltäglichen:

Na und Ihr Kaiserhoch in der Kanalisationsdebatte hat die antimonarchistische Presse ganz aus dem Häuschen gebracht. Schon an drei Orten im Lande ist deshalb Anklage wegen Majestätsbeleidigung erhoben.

(Smoljan, Schischkina. Analytisches Lesen)

AUFGABEN ZUM TEXT:

1.Gliedern Sie den Text! Erklären Sie die Verknüpfung der dialogischen Rede mit monologischer und umgekehrt!

2.Geben Sie die Herkunft und die Etymologie des Wortes das Papier

an!

3.Arbeiten Sie an der Lexik zum Thema „Die Macht»!

Macht, die: 1. (Kraft, Einfluß) /eine/ geringe, große Macht eine gewaltige, verhängnisvolle Macht; die Macht des Anpralls, der Wassermassen war so groß, daß ...; das liegt außerhalb Meiner Macht; da hört meine Macht auf; ich wehre mich mit aller Macht dagegen; er läßt sie seine Macht fühlen, hat viel Macht über sie gewonnen, errungen; das ist die Macht der Gewohnheit, der Verhältnisse – 2. (Staatsod. Heeresgewalt) eine unüberwindliche, unbesiegbare Macht; die Mächte des Weltfriedenslagers; die imperialistischen Mächte; er war durch den Staatsstreich an die /zur/

59

Macht gelangt; die Macht übernehmen, behaupten; die Macht in /den/

Händen haben; j-n von der Macht fernhalten, der Gegner fiel mit bewaffneter Macht in das Land ein.

(E. Agriсо1a. Wörter und Wendungen) Üben Sie den Wortgebrauch in Sätzen und Situationen ein.

4.Geben Sie das literarische und das sprachliche Porträt der Hauptpersonen aus diesem Text!

5.Untersuchen Sie die Expressivität der Sprache, besonders die Mittel zur Veranschaulichung des Gemütszustandes von Diederich, seine Empörung und Aufregung!

6.Welche Funktion übt in diesem Text ideologisch gefärbte Lexik

(letzter Maschinenschmierer, nationale Sache, schlichtbürgerlicher Name, Unterwerfung, Allerhöchste Augen u.a.m.) aus?

7.Gehen Sie auf die Personifizierung des Hundes und die

„Hundifizierung“ von Diederich ein!

8.Lesen Sie die Erläuterungen zum Textauszug von O.A. Smoljan und

I.P. Schischkina! Legen Sie dar, welche Schwerpunkte die Autoren in ihrer Arbeit setzen. Beurteilen Sie die Interpretation darauf hin, ob Ihnen

Wichtiges fehlt oder ob Sie bestimmte Teile für überflüssig halten. Sind Sie mit den inhaltlichen Aussagen einverstanden? Mit der Interpretation der sprachlichen Mittel?

9.Übersetzen Sie den Absatz „Die Fäuste ballten sich ihm..,“ ins

Russische!

10.Arbeiten Sie an dem Wortschatz: sich umsehen, sich festhalten/sich klammern, bleich/blaß, lassen, bringen!

11.Fertigen Sie eine vollständige Analyse des Textes an!

Text für die selbständige Analyse

DER UNTERTAN

Diederich inzwischen hatte wahrhaftig keine Zeit, viel

Aufmerksamkeit zu wenden, an nebensächliche Begleiterscheinungen seines Aufstiegs. Die „Netziger Zeitung“, jetzt unbedingt zu Diederichs

60

Соседние файлы в предмете [НЕСОРТИРОВАННОЕ]