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Аналитическое чтение. Учебное пособие для студентов третьего курса факультета иностранных языков

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Die Kräfte der Natur rings um mich her enthüllen?

Goethe nutzt im Monolog auch seine Neuschöpfungen aus. Es sind hauptsächlich Verben und verbale Formen, die bildhaft sind oder die Bedeutung des Stammverbs verstärken und konkretisieren: segenduftend, durchklingen, herangewacht, erfleht, erwühlen, neuglühend.

Manche Zeilen verlangen nach einer näheren Erläuterung, denn die schöpferische Einbildungskraft des Dichters hat die Gedanken in eine äußerst bildhafte poetische Form gebracht.

Habe nun, ach! Philosophie... – Faust nennt Philosophie, Jurisprudenz

(Juristerei), Medizin und Theologie. Goethe meint dabei alle vier Fakultäten einer Universität im Mittelalter. Juristerei – ironische Benennung der Jurisprudenz, das Suffix -ei äußert Goethes Verachtung der damaligen Jurisprudenz gegenüber.

...leider! auch Theologie... – Die Theologie, meint Goethe, führt am unmittelbarsten in unlösbare Fragen.

Ob mir durch Geistes Kraft und Mund... – Faust will unmittelbar von der Natur alle ihre Geheimnisse erfahren, durch die Naturkräfte die Gesetze der Natur erkennen.

Daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält. – Er will wissen, welche Naturgesetze die Welt regieren. Sein Denken ging nicht wie das seiner Mitgelehrten auf bloße Vermehrung seines Vorstellungsschatzes und auf einen sorgfältig gegliederten Aufbau von Begriffsbestimmungen aller Art. Ihn verlangte nach unmittelbarer Erkenntnis, nach Wesensschau der Urgründe alles Seins.

Die metaphysischen Wissenschaften in Goethes Zeiten konnten dieses

Streben des Helden nicht stillen. Diese Zeilen zeigen, daß keine Bücher eine Erklärung über die wahre Natur der Dinge geben konnten, wonach Faust dürstete.

Der zweite Abschnitt lautet:

O! sähst du, voller Mondenschein,

Zum letzten Mal auf meine Pein,

Den ich so manche Mitternacht

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An diesem Pult herangewacht:

Dann, über Büchern und Papier,

Trübsel'ger Freund, erschienst du mir!

Ach! könnt ich doch auf Bergeshöhn

In deinem lieben Lichte gehn,

Um Bergeshöhle mit Geistern schweben,

Auf Wiesen in deinem Dämmer weben,

Von allem Wissensqualm entladen

In deinem Tau gesund mich baden!

Hier beginnt die Personifikation einer Naturkraft, mit der Faust sich befreunden möchte, er will mit Geistern schweben, die das elementare Leben der wirkenden Natur symbolisieren. Von allem Wissensqualm entladen – Überfülle des Wissens bringt keine Klarheit, sondern eben den

Blick noch mehr vernebelt. Von allen trockenen Kenntnissen befreit, wünscht Faust einen unmittelbaren Verkehr mit der Natur, er will ein gesundes natürliches Leben führen.

In den Zeilen: Weh! steck ich... bis das heißt eine Welt! drückt Faust Entsetzen über sein bejammernswertes Dasein aus, seine Verzweiflung über die verlorenen Jahre, die er dem nutzlosen scholastischen Studium widmete.

Er haßt alles, was mit seinen Studien verbunden ist: seine Bücher, sein

Studierzimmer, seine gesamte Umgebung, er verspottet sie und sich selbst:

Umgibt in Rauch und Moder nur

Dich Tiergeripp und Totenbein.

Alles, was Faust in seinem Studierzimmer umgibt, ist tot, darunter tote Tierund Menschenknochen.

Nostradamus – diesen Namen führte in Deutschland Fausts

Zeitgenosse Michel de Nostre-Dame (1503-1566) (-amus – infolge der

Latinisierung des Namens), französischer Wundarzt und Astrologe-, Wetterkünder und Prophet, berühmt durch seine gereimten Weissagungen. Sein Zauberbuch sollte Faust in das Reich der Naturgeister Geleit gewähren.

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... und erblickt das Zeichen des Makrokosmus – Was Denken und Wissen nicht vermochten, soll jetzt die Zauberkunst Faust verschaffen. Mit dem Zeichen des Makrokosmus will er den Weltgeist selbst, den Grund alles Weltgeschehens zwingen, sich ihm unmittelbar zu offenbaren.

Du mußt! dumußt! und kostet es mein Leben! – Im Augenblick der höchsten inneren Spannung entscheidet sich Faust, den Teufel zu rufen, auch wenn es ihm sein Leben kosten wird.

AUFGABEN

1.Fassen Sie die Grundgedanken des Monologs zusammen.

2.Verfolgen Sie die Abwechslung der Versmaße im Monolog. Versuchen Sie diese Abwechslung zu erklären.

3.Beobachten Sie die Akzentuierung der Verse im letzten Teil des Monologs (ab: Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein!) in Verbindung mit dem Inhalt dieses Teils.

4.Analysieren Sie die rhythmisch-syntaktischen Mittel im Auszug ab: Flieh! auf! hinaus ins weite Land! bis: Die ird'sche Brust im Morgenrot!

5.Bestimmen Sie, welche Wörter und grammatische Formen archaisch wirken. Geben Sie Ihre Erläuterungen dazu.

6.Analysieren Sie die Mittel der Bildlichkeit im Monolog.

7.Sprechen Sie über die Bedeutung der Präfixe in den verbalen

Neubildungen von Goethe.

Theoretischer Stoff

Stilistische Ausdruckswerte der metrischen Formen

E. Riesel. Stilistik der deutschen Sprache, § 177, 178, 180, 182.

MÄCHTIGES ÜBERRASCHEN

Ein Strom entrauscht umwölktem Felsensaale,

Dem Ozean sich eilig zu verbinden;

Was auch sich spiegeln mag von Grund zu Gründen,

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Er wandelt unaufhaltsam fort zu Tale.

Dämonisch aber stürzt mit einem Male –

Ihr folgen Berg und Wald in Wirbelwinden –

Sich Oreas (Oreas (grch) – nach der griechischen

Mythologie eine Bergnymphe, deutsch Oreade),

Behagen dort zu finden,

Und hemmt den Lauf, begrenzt die weite Schale.

Die Welle sprüht und staunt zurück und weichet

Und schwillt bergan, sich immer selbst zu trinken;

Gehemmt ist nun zum Vater hin das Streben.

Sie schwankt und ruht, zum See zurückgedeichet;

Gestirne, spiegelnd sich, beschaun das Blinken

Des Wellenschlags am Fels, ein neues Leben.

ERLÄUTERUNGEN

Das Sonett1 „Mächtiges Überraschen», das erste im Sonettzyklus, hat Goethe, wie auch den gesamten aus 17 Sonetten bestehenden Zyklus, im Jahre 1807 geschrieben. Goethes Altersliebe zu Bettine Brentano

(Elisabeth Arnim, 1785-1853) hat in diesen Sonetten ihren Widerhall gefunden.

1 Das Sonett kam nach Deutschland im 16. Jahrhundert aus Italien, wo es seit den Zeiten Dantes gepflegt worden war. Das italienische Sonett besteht aus zwei Vierzeilern (Quartetten) und zwei Dreizeilern (Terzetten). Die Vierzeiler besitzen als Regel die Reimstellung abba, abba, manchmal auch abab, abab. Die Reime in den

Dreizeilern können in verschiedenen Varianten erscheinen. Das ist das „klassischeSonett. Außer dieser Form ist das sogenannte „Shakespearesonettbekannt, das aus dem England der Shakespearezeit stammt. Dieses Sonett besteht ebenso aus 14 Zeilen, die aber anders gruppiert werden: es sind drei Vierzeiler und ein Zweizeiler mit der Reimstellung abab, eded, efef, gg.

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Das vorliegende Sonett von Goethe ist ein Beispiel der klassischen Sonettform. Dieses lyrische Gedicht hat 14 Zeilen, die zwei vierzeilige und zwei dreizeilige Strophen bilden. Die vierzeiligen Strophen sind umschlungen gereimt. In der ersten Strophe haben wir den sogenannten unreinen Reim: gereimt sind Wörter verbinden Gründen. Das Reimen der labialisierten und unlabialisierten Vokale ist eine verbreitete Erscheinung in der deutschen Dichtung. Sie ist durch die mundartliche Delabialisierung der labialisierten Vokale (und umgekehrt) bedingt und wird in der deutschen Poetik seit dem 17. Jahrhundert zugelassen.

Die Endsilben der zwei letzten Strophen sind auf eine andere Weise gereimt. Die Zeilen innerhalb einer Strophe bleiben ungereimt, der Reim entsteht zwischen entsprechenden Zeilen der dritten und vierten Strophe.

Das Versmaß des Gedichtes ist der fünffüßige Jambus mit dem übervollständigen Verszeilenschluß.

Jede Zeile beginnt und endet unbetont. Das verleiht den Zeilen eine besondere rhythmisch-melodische Vollendung. Diese Vollendung der Zeilen ist nicht nur eine melodisch-rhythmische, sondern auch semantische und syntaktische Vollendung, d. h. jede Zeile enthält entweder einen abgeschlossenen Satz oder einen selbständigen Teil eines zusammengesetzten Satzes.

Das Sonett beginnt mit dem Bilde einer gewaltigen, unaufhaltsamen, ungehinderten Bewegung eines Stromes. Zum Ausdruck dieser Unaufhaltsamkeit und Gewalt trägt das Versmaß des Gedichtes bei – der fünffüßige Jambus, der episch und feierlich in seinem etwas verlangsamten Tempo wirkt.

Die zweite Strophe gibt den Konflikt an; die Stimmung des Gedichtes verändert sich, obwohl das Versmaß und die rhythmischmelodische Vollendung der Zeilen unverändert bleiben. Aber eine ganz andere Struktur der Strophe verändert den Charakter des Gedichtes.

Die zweite Strophe beginnt mit dem Adverbiale dämonisch, welches, seiner Wichtigkeit wegen, die stilistische Spitzenstellung einnimmt und dadurch eine besonders nachdrückliche emphatische Betonung erhält. Das zweitwichtigste Wort dieser Zeile ist das Prädikat stürzt, das auch eine

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nachdrückliche Betonung hat, da es dem Dienstwort aber folgt, das (wie alle

Dienstwörter) schwächer betont wird.

Die akzentmäßige Hervorhebung dieser zwei Wörter macht sie zum semantischen Zentrum der Zeile und zum Ausgangspunkt des Themas der gesamten Strophe.

Der so ungewöhnlich begonnene Satz wird in der zweiten Zeile durch einen Schaltsatz unterbrochen: Ihr folgen Berg und Wald In Wirbelwinden, der sich eigentlich auf das Subjekt bezieht, welches noch ungenannt bleibt.

Dadurch erreicht der Dichter eine große innere Spannung der zweiten Strophe; diese Spannung löst sich erst in der dritten Zeile auf, wenn das

Subjekt genannt wird.

Von zwei Seiten (durch einen Schaltsatz und die Infinitivgruppe

Behagen dort zu finden) vom Satz, zu dem es gehört, abgesondert, wird dieses Subjekt (Oreas) zum melodischen und logischen Höhepunkt der

Strophe.

In der vierten Zeile wird das Prädikat hemmt nachdrücklich betont durch seine Stellung nach der Trennungsgrenze wie auch nach der abgesonderten Infinitivgruppe Behagen dort zu finden.

Also: semantisch sind die Zeilen der zweiten Strophe keineswegs vollendet. Der Gedanke schlängelt sich von einer Zeile auf die andere durch alle vier Zeilen.

Durch das Heranwachsen und die nachfolgende Auflösung der Spannung erhält die zweite Strophe eine ganz andere innere Rhythmik der Unruhe und Aufregung, welche durch die abgesonderte Infinitivgruppe in der dritten Zeile und die zwei asyndetisch verbundenen Prädikatgruppen in der vierten Zeile unterstützt und verstärkt werden.

In der dritten Strophe wird die gehemmte, in sich selbst geschlossene Wellenbewegung durch polysyndetisch verbundene lautmalerische

Prädikate dargestellt:

Die Welle sprüht und staunt zurück und weichet

Und schwillt...

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Das logisch Wesentlichste, der Ausgang dieses Kampfes in der Natur wird wiederum durch die stilistische Spitzenstellung des Prädikativs gehemmt in der dritten Zeile hervorgehoben. Das Prädikat der zweiten

Strophe hemmen wird in der dritten wiederholt. Das erste Mal diente es in seiner Präsensform zur Bezeichnung des Kampfes zwischen Oreas und den Wellen, das andere Mal weist die Form des Prädikats darauf hin, daß dieser

Kampf zu Ende ist. Die in der zweiten Strophe entstandene Spannung ebbt ab. In der vierten Strophe befindet sich die Form des Gedichtes in einem vollendeten Einklang mit der inneren Ruhe und Harmonie in der Natur.

Diese vollkommene innere Ruhe kommt durch den epischen Ton der vierten Strophe zur Geltung: 1) durch die «neutrale» Wortfolge in Sätzen;

2) durch die Trennung des Genitivattributs von dem zu bestimmenden Wort (das Blinken des Wellenschlags) an der Grenze der zweiten und dritten Zeile. Das Wort das Blinken mit seiner Attributgruppe wird als eine rhythmische Einheit ausgesprochen und läßt dadurch die Zeile länger erscheinen; 3) durch die Lautinstrumentierung der letzten Zeile: Des Wellenschlags am Fels, ein neues Leben. Die letzten Worte, die das Gedicht abschließen – eine abgesonderte, absolut selbständige Wortgruppe ein neues

Leben – bilden die dichterische und philosophische Vollendung des Sonetts.

Text für die selbständige Analyse

FREUNDLICHES BEGEGNEN

Im weiten Mantel bis ans Kinn verhüllet,

Ging ich den Felsweg, den schroffen, grauen,

Hernieder dann zu winterhaften Auen,

Unruh'gen Sinns, zur nahen Flucht gewillet.

Auf einmal schien der neue Tag enthüllet:

Ein Mädchen kam, ein Himmel anzuschauen,

So musterhaft wie jene liehen Frauen

Der Dichterwelt. Mein Sehnen war gestillet.

Doch wandt ich mich hinweg und ließ sie gehen

Und wickelte mich enger in die Falten,

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Als wollt ich trutzend in mir selbst erwarmen;

Und folgt ihr doch. Sie stand. Da war's geschehen!

In meiner Hülle könnt ich mich nicht halten,

Die warf ich weg – Sie lag in meinen Armen.

Theoretischer Stoff

1.Das Sonett

E. Riese1. Stilistik der deutschen Sprache, § 159, 160, 175.

HEINRICH MANN

Zeittafel

1871 Heinrich Mann am 27. März in Lübeck geboren.

1885/91 Erste poetische und novellistische Versuche Heinrich Manns.

1892/94 Niederschrift des ersten Romans „In einer Familie.“ 1897 „Das Wunderbare und andere Novellen.“

1898 „Ein Verbrechen und andere Geschichten.“

1900 „Im Schlaraffenland. Ein Roman unter feinen Leuten.“

1902 Niederschrift des Romans „Die Göttinnen.“

1903 Niederschrift des Romans „Die Jagd nach Liebe.“

1904 Niederschrift des Romans „Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen.“

1905 „Flöten und Dolche“, Novellen. – „Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen“, Roman.

1905/06 „Eine Freundschaft. Gustave Flauvbert und George Sand“,

Essay.

1906 Erste Notizen zum Roman „Der Untertan“. – „Schauspielerin“, Novelle. – „Stürmische Morgen“, Novellen. – „Mnais und Ginevra“. –

Novellen.

1907 „Zwischen den Rassen“, Roman.

1907/09 Niederschrift des Romans „Die kleine Stadt“.

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1908 „Die Bösen“, Novellen.

1909 „Die kleine Stadt“, Roman.

1910 „Das Herz“, Novellen. – „Variete“, Einakter.

1911 „Die Rückkehr vom Hades“, Novellen. – „Schauspielerin“,

Drama.

1912 „Die große Liebe“, Drama.

1912/14 Niederschrift des Romans „Der Untertan“. 1913 „Madame Legros“, Drama.

1916„Der Untertan“, Roman.

1917„Die Armen“, Roman.

1925 „Der Kopf“, Roman.

1927 „Mutter Marie“, Roman.

1935 „Die Jugend des Königs Henri Quatre“, Roman.

1938 „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“, Roman.

1950 Der Tod des Schriftstellers.

Der Dichter Heinrich Mann ging den Weg seines Jahrhunderts. Aus einer Patrizierfamilie stammend, beobachtete H. Mann in seiner Jugend die Unarten, des wilhelminischen Reiches interessiert aus der Nähe. Erst mit der

Zeit kam die Empörung gegen die sozialen und politischen Umstände der

Epoche, und in seinen reifen Jahren wird der Dichter zu einem unerschrockenen humanistischen Kämpfer.

Seinen Schaffensweg beginnt H. Mann mit einem ziemlich unbedeutenden Roman („In einer Familie“), wird später jedoch zum Schöpfer des ersten deutschen politischen Romans.

Der dichterische Nachlass H. Hanns ist außerordentlich und vielleicht auch unerwartet reich – 18 Romane, etwa 70 Novellen, 8 Dramen und mehrere Essayssammlungen. Die Weltanerkennung brachten dem Dichter bei weitem nicht alle seine Werke, sondern in erster Linie nur „Der Untertan“, der erste Teil der Trilogie „Das Kaiserreich“.

Heinrich Mann hat sich ungewöhnlich lange und intensiv mit dem Stoff des „Untertan» beschäftigt: von 1906 bis 1914. Die Grundidee des Werkes könnte man so formulieren: H. Mann zeigt am Untertanen und seiner Erbärmlichkeit den Charakter der Macht, personifiziert im Kaiser, ihre Leerheit und Schauspielerei. Das ist ein Entwicklungsroman, aber in

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absteigender Richtung: die Hauptperson wird immer schlechter, karikaturmäßiger.

Das Grotesk-Komische des „Untertans» hat seinen Anfang in manchen früheren jugendlichen Werken von H. Mann („Im Schlaraffenland“, „Professor Unrat“ usw.). Im „Untertan“ erreicht die böse und bittere Groteske der Gegenwart ihren Höhenpunkt, das Buch gehört zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Der in den Jahren 1906-1914 geschriebene Roman ist 1918, erst nach der Novemberrevolution an die Öffentlichkeit gelangt. Er stellt das deutsche wilhelminische Reich in seiner raschen wirtschaftlichen Entwicklung nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1871 dar.

Die unaufhaltsame Entwicklung der deutschen Bourgeoisie neuer imperialistischer Prägung, die Stelle des patriarchalischen deutschen

Bürgertums tritt und es rücksichtslos verdrängt und zum Aussterben treibt, bildet das Thema des Romans.

H. Mann zeigt die Lebensweise dieser neuen Bourgeoisie und ihre

Lebensumstände.

Der Held des Romans, oder – vielleicht besser gesagt – die Hauptperson, Diederich Heßling, verkörpert die schlimmsten Eigenschaften dieser Klasse. In keinem anderen Werk der Weltliteratur wird wohl der Haß, die vernichtende Verachtung der literarischen Hauptperson gegenüber so konsequent verschärft und so weit getrieben wie im „Untertan».

Schonungslos behandelt H. Mann seinen Diederich Heßling. Er tritt im

Roman als ein Angeklagter auf; H. Mahn legt ihm alle möglichen Sünden zur Last, und doch bleibt die Gestalt trotz dieser Übertreibung durchaus realistisch.

Von widerspruchsvollen Gefühlen zerrissen, erscheint vor uns Diederich Heßling. Das erste Gefühl ist die Herrschsucht, die ihn überheblich macht, das andere ist die Kriecherei, die Diederich liebedienern läßt.

Diederich Heßling (schon der Name selbst ist symbolisch) genießt seine Macht über die Schwachen, mißhandelt sie, ist erbarmungslos, grob und frech. Den Stärkeren gegenüber zeigt er seine ergebenste Untertänigkeit, er kriecht und wedelt.

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