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II.5. Stefan George (1868—1933)

Wurde in Bündesheim bei Bingen am Rhein 1868 als Sohn eines Weingutbesitzers geboren. Er studierte in Berlin und München, reiste durch England, die Schweiz, Italien, Spanien, Frankreich, wo er die Symbolisten Verlaine und Mallarme kennenlernte. In Wien befreundete er sich mit für eine Zeit mit Hugo von Hofmannsthal. Im Jahre 1892 wurde S. George zum Begründer der „Blätter für die Kunst“. Der Dichter wurde zum Mittelpunkt des sogenannten Georgekreises, zu welchem solche Literaten und Gelehrten wie Wolfskehl, Wolters, Gundolf, Bertram, Kommerell gehörten. Er hatte keinen festen Wohnsitz, 1933 verließ er Deutschland und starb in demselben Jahr in Minussino im Tessin. Wir empfehlen das jeweilige Kapitel über Leben und Werk des Dichters im 2. Band der „Geschichte der deutschen Literatur“ von Bukajeff A.I. nachzulesen.

Der herr der insel

Die fischer überliefern dass im süden

Auf jeder insel reich an zimmt und öl

Und edlen steinen die im sande glitzern

Ein vogel war der wenn am boden fußend

Mit seinem schnabel hoher stämme krone

Zerpflücken konnte wenn er seine flügel

Gefärbt wie mit dem saft der Tyrer-schnecke

Zu schwerem niedrem flug erhoben: habe

Er einer dunklen wolke gleichgesehn.

Des tages sei er im gehölz verschwunden.

Des abends aber an den strand gekommen.

Im kühlen windeshauch von salz und tang

Die süße stimme hebend dass delfine

Die freunde des gesanges näher schwammen

Im meer voll goldner federn goldner funken.

So habe er seit seit urbeginn gelebt.

Gescheiterte nur hätten ihn erblickt.

Denn als zum erstenmal die weißen segel

Der menschen sich mit günstigem geleit

Dem eiland zugedreht sei er zum hügel

Die ganze teure stätte zu beschaun gestiegen.

Verbreitet habe er die großen schwingen

Verscheidend in gedämpften schmerzeslauten

Fragen und Aufgaben zum Text:

I.

1. Zu welcher dekadenten Stilrichtung gehört das vorliegende Gedicht?

2. Worin macht sich hier der Einfluss Nietzsches bemerkbar?

3. Bestimmen Sie das Menschen- und Lebensideal des Dichters anhand dieses

Gedichts.

4. Welche Themen und Motive prägen den Inhalt des Gedichts.

5. Was kann man von der Struktur dieses Gedichts sagen?

6. Welches Metrum verwendet im Gedicht der Verfasser?

7. Wie ist das Verhältnis von Vers und Satz im Gedicht?

8. Ist das Gedicht ein Ausdruck des dichterischen Ästhetizismus?

II.

1. Was können sie von der Wortwahl im Gedicht sagen?

2. Wirkt sich das Verhältnis von Vers und Satz auf den Rhythmus des Gedichts aus?

3. Was kann man von der Orthographie und Interpunktion im Gedicht sagen? 4. Erschwert dies das Verständnis des Gedichts?

5. Zeugt das nicht vom elitären Charakter derartiger Lyrik?

6. Was können sie von der Satzstruktur und -Länge im Gedicht sagen?

7. Auf welchen Stilmitteln basiert die Bildkraft des Gedichts?

Die Spange

Ich wollte sie aus kühlem eisen

Und wie ein glatter fester streif.

Doch war im schacht auf allen gleisen

So kein metall zum gusse reif.

Nun aber soll sie also sein:

Wie eine große fremde dolde

Geformt aus feuerrotem golde

Und reichem blitzendem gestein.

Fragen und Aufgaben zum Text:

I.

1. Welche Gegenströmungen zum Naturalismus gab es schon in den 90-er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts?

2. Wie verstand S. George die Kunst? (als Alltagswirklichkeit oder als ein Reich des Geistes?) 3. Was wollte der Dichter durch die (strenge oder freie?) Form und durch die (erlesene oder alltägliche?) Sprache überwinden?

4. Wie verhielt sich S. George zu den Begriffen „Vererbung“, „Milieu“?

5. Welche Aufgabe stellte er vor jeden Dichter? (Seher, Priester oder Beobachter?)

6. Sollte nach seiner Vorstellung die Kunst der Unterhaltung oder Belehrung dienen?

7. Wem verdankte S. George seine neue Wertung der Sprache und Schönheit? (Naturalisten, Symbolisten, dem Jugendstil?).

8. Hatte der Dichter etwas Gemeinsames mit Friedrich Nietzsche? (Aristokratische Verachtung des „Pöbels“, Willen zur Erziehung und Formung eines neuen Menschen)

9. Interpretieren Sie das vorliegende Gedicht. Bestimmen Sie dessen Thematik und Motive sowie Pathos.

10. Analysieren Sie die Form des Gedichtes: Vers und Metrum; Strophe, Reim und Rhythmus;

II.

  1. Charakterisieren Sie den Satzbau und die Wortwahl im Gedicht.

  2. Welche Mittel der Bildlichkeit und Bildhaftigkeit setzt der Verfasser in seinem Text ein?

Urlandschaft

Aus dunklen fichten flog uns blau der aar

Und drunten aus der lichtung trat ein paar

Von wölfen, schlürften an der flachen flut

Bewachten starr und trieben ihre brut.

Drauf huschte aus der glatten nadeln streu

Die schar der hinde trank und kehrte scheu

Zur waldnacht, eines blieb nur das im ried

Sein end erwartend still den runden mied.

Hier litt das fette gras noch nie die schur

Doch lagen stämme, starker arme spur

Denn drunten dehnte der gefurchte bruch

Wo in der scholle zeugendem geruch

Und in der weißen sonnen scharfem glühn

Des ackers froh des segens neuer mühn

Erzvater grub erzmutter molk

Das schicksal nährend für ein ganzes Volk.

(aus dem Gedichtband „Der Teppich des Lebens“, 1900).

Fragen und Aufgaben zum Text:

I.

1. Was exponiert der Titel des Gedichtes?

2. Gewinnen in diesem Gedicht mythische Urmächte und Urformen des Lebens Gestalt?

3. Interpretieren Sie das Gedicht.

4. Ist dieses Gedicht ein Bekenntnis oder eine Verkündigung?

5. Welche Züge und Motive dieses Gedichts lassen uns es als typisch symbolistisch und impressionistisch einstufen?

6. Erschließt George in seinem Gedicht neue Bereiche des sprachlichen Ausdrucks? Wie tut er das?

7. Charakterisieren Sie den Strophenbau, den Versrhythmus, das Metrum, das Reimschema in diesem Text.

II.

1. Analysieren Sie das Gedicht aus stilistischer Sicht.

2. Was kann man von der Satzlänge und Wortwahl in diesem Gedicht sagen?

3. Welche Stilmittel dieses Gedichts beeindrucken Sie am stärksten?

III.

Nehmen Sie Stellung zu folgendem Auszug aus Stefan George:

Das junge Geschlecht

Wir sind bereit manche heilsamen einflüsse des „naturalismus“ anzuerkennen vergessen aber einen unberechenbaren schaden nicht: dass er uns daran gewöhnt hat, gewisse begleitende bewegungen einer handlung zur vollständigkeit zu fordern die aber wenn sie vom dichter berücksichtigt werden jedes werk großen zuges unmöglich machen.

Der „naturalismus“ hat nur verhässlicht wo man früher verschönte aber strenggenommen nur die wirklichkeit wiedergegeben.

Mit ernst und heiligkeit der kunst nahen: das war dem ganzen uns vorausgehenden dichtergeschlecht unbekannt.

Dass ein strahl von Hellas auf uns fiel: dass unsre jugend das leben nicht mehr niedrig sondern glühend anzusehen beginnt: dass sie im leiblichen und geistigen nach schönen maßen sucht: dass sie von der schwärmerei für seichte allgemeine bildung und beglückung sich ebenso gelöst hat als von verjährter barbarei: dass sie die steife gradheit sowie das geduckte lasten tragende der umlebenden als hässlich vermeidet und freien hauptes schön durch das leben schreiten will: dass sie schließlich auch ihr volkstum groß und nicht im beschränkten sinne eines stammes auffasst: darin finde man den umschwung des deutschen wesens bei der jahrhundertwende.

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