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II.15. Franz Werfel (1890 – 1945)

Wurde am 10. September 1890 in Prag geboren. Nach dem Schulbesuch 1910 wirkte er als Verlagslektor in Leipzig. Zwischen 1910 und Mitte der zwanziger Jahre veröffentlichte er mehrere Gedichtbände: „Der Weltfreund“(1911), „Wir sind“(1913, „Der Gerichtstag“ (1919) und „Beschwörungen“(1923) Sie brachten ihm frühen Ruhm. In der Zwischenkriegszeit wurde er als Romancier und Dramatiker bekannt. Er war befreundet mit F. Kafka und M. Brod. Im Jahre 1938 emigrierte er zuerst nach Frankreich, dann in die USA. Sein größter Bestseller „Das Lied der Bernadette“ wurde in den Vereinigten Staaten veröffentlicht und verfilmt. Der Dichter starb am 28 August 1945 in Beverly Hills (Cal./ USA).

Das Gesamtschaffen und den Lebensweg Franz Werfels überschauend kann man nicht umhin, ihn als einen der profiliertesten Dichter der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zu sehen, dessen Gedichte ein neues Weltgefühl erweckten. Sein lyrischer Held fühlt mit allen Menschen mit, mit dem Heizer, mit der Gouvernante, dem Akrobaten, der Erzherzogin oder der Dirne. Er predigt Weltfreundschaft und All-Liebe, Freundlich- und Gutsein, liebevolle Beachtung des Nächsten, allseitige Verbrüderung. Derartige Welthaltung war typisch für den Expressionismus. Gerade damit sprach der Dichter seine Leser unmittelbar an. Leider wurde damit gegen die grässliche Wirklichkeit nicht protestiert, sie wurde nur noch stilisiert und glorifiziert.

Die gesteigerte Emotionalität seiner Gedichte vermochte es nicht, die Menschen zu erlösen und zu befreien, sie beschränkte sich auf „Schwung und Lieb’ und jagende Begeisterung”. Die jubelnde oder beschwörende Rhetorik dieser Lyrik musste bloß pathetischer Aufruf bleiben.

Die Gedichte der Kriegszeit mussten so oder so andere Töne anschlagen, denn Weltfreundschaft und All-Liebe ließen sich mit den Schreckbildern des Krieges nicht vereinbaren. Der Krieg erschien dem Lyriker als Ausfluss des Bösen und Gott-Fernen. Die „jagende Begeisterung“ der Vorkriegszeit war nicht mehr möglich. Der Schwung wandelte sich nunmehr in Klage, Trauer und Beschwörung um. In den ersten Gedichten der Kriegszeit wurde der Krieg als Resultat des Verzichts auf Gott verstanden, als Durchbruch böswilliger Dummheit und bestialischer Gewalttätigkeit lügnerischer und verräterischer Unmenschen. Der lyrische Held muss in Anbetracht dieser Situation auf die Weltfreundlichkeit der früheren Gedichte verzichten. Und trotzdem wuchs die neue Welthaltung nicht zum scharfen Protest empor, sie verlagerte sich bloß ins Transzendente. Die Gedichte wurde Predigt, Gebet, Beichte und nichts mehr. Und dies führte zweifelsohne zum Verlust des Lyrischen und zur Propaganda abstrakter Haltungen.

Franz Werfels erzählerisches Spätwerk weist den Weg ins einfache Naturleben, in christliche Demut und Wunderglauben zurück. Eine Ausnahme bleibt wohl der Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ (1934), in dem humanes Handeln noch als möglich sichtbar gemacht wird. In den dreißiger Jahren bekennt sich der Schrifsteller zum künstlerischen Antirealismus und in politischer Hinsicht zum Antikommunismus. Die Weltgeschichte wird von ihm als Katastrophe interpretiert. Seine historischen Prognosen nehmen pessimistische Färbung an. Das Religiöse und Mythische spielt nunmehr in seinen Texten eine immer größere Rolle. Dies beweist vor allem sein Roman „Der gestohlene Himmel“ (1938), der im nächsten Jahr unter dem Titel „Der veruntreute Himmel“ veröffentlicht wurde. Im Mittelpunkt des Werkes steht die Entwicklung Österreichs bis zur Okkupation durch Hitlerdeutschland. Das obenan erwähnte „Lied von Bernadette“ hat nichts mehr zeitkritisches in sich. Es führt vor allem die „Wunder“ der Muttergottes von Lourdes vor. Der letzte Roman des Schriftstellers „Der Stern der Ungeborenen“(1946) wurde in der Literaturwissenschaft der DDR als eine „negative Utopie, der Angsttraum von einer technisch perfekten Welt , in der Menschlichkeit völlig verlorengegangen ist“. Darin wird die zukünftige menschliche Gesellschaft als völlig anonym und undurchschaubar und dabei durchreguliert dargestellt. Schmerzlich empfinden die Helden des Werkes dieses sinnentleerte Dasein und sehnen sich nach einem „natürlichen“ Leben, das nicht genormt, sondern völlig frei ist. Die Geschichte erscheint im Roman als fortschreitender Abfall von Gott und Bewegung auf Katastrophen zu. Besonders aufgeregt zeigten sich die DDR-Wissenschaftler, weil im Roman die Handlungen der Kommunisten, Kapitalisten und Faschisten als gleich sinnlos und inhuman interpretiert waren.

An den Leser

Mein einziger Wunsch ist, dir, o Mensch verwandt zu sein!

Bist du Neger, Akrobat, oder ruhst du noch in tiefer Mutterhut,

Klngt dein Mädchenlied über den Hof, lenkst du dein Floss im Abendschein,

Bist du Soldat, oder Aviatiker voll Ausdauer und Mut.

Trugst du als Kind auch ein Gewehr in grüner Armschlinge?

Wenn es losging, entflog ein angebundener Stöpsel dem Lauf.

Mein Mensch, wenn ich Erinnerung singe,

Sei nicht hart, und löse dich mit mir in Tränen auf!

Denn ich habe alle Schicksale durchgemacht. Ich weiß

Das Gefühl von einsamen Harfenistinnen in Kurkapellen,

Das Gefühl von schüchternen Gouvernanten im fremden Familienkreis,

Das Gefühl von Debutanten, die sich zitternd vor den Souffleurkasten stellen.

Ich lebte im Walde, hatte ein Bahnhofsamt,

Saß gebeugt über Kassabücher, und bediente ungeduldige Gäste.

Als Heizerstand ich vor Kesseln, das antlitz grell überflammt,

Und als Kuli aß ich Abfall und Küchenreste.

So gehöre ich dir und allen!

Wolle mir, bitte, nicht wiederstehn!

O, könnte es einmal geschehn,

Dass wir uns, Bruder, in die Arme fallen!

Fragen und Aufgaben zum Text

I.

1. Bestimmen Sie die Thematik und Motivik dieses Gedichts!

2. Welche Themen und Motive dieses Gedichtes machen es zu einer typisch expressionistischen Dichtung.

3. Welcherart Pathos durchdringt dieses Gedicht?

4. Mit welchen Menschen sympathisiert der lyrische Held?

5. Wie bewerten Sie das Weltgefühl des Dichters?

6. Bestimmen Sie die Strophik dieses Textes.

7. Was können sie vom Reimschema im Gedicht sagen.

8. Bestimmen sie die Qualität der Reime im Gedicht!

9. Welche lyrische Sprechweise verwendet der Dichter in seinem Text?

10. Wie bewerten Sie das Verhältnis von Vers und Satz in diesem Gedicht?

II.

1. Wie finden Sie die Satzstrukturen und Satzlängen im Gedicht?

2. Was können sie von der Wortwahl im vorliegenden Text sagen?

3. Enthält das Gedicht viele übertragene Stilmittel, die die Bildkraft des Textes

steigern?

4. Was sagen Sie von den Wiederholungen und Aufzählungen im lyrischen Text?

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