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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_5556_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана.pdf
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17.2 Jumping-Man-Plastik (Syn: Dancing-Man-Plastik, Fünappenplastik nach Hirschowitz oder
nach Mustardé)
Indikation Narbenstränge/Kontrakturen der Interdigitalfalten, besonders der 1. Zwischenfingerkommissur (nach Hirsch-
owitz), Segelbildung im Bereich des Gesichts z. B. perioral oder periorbital, z. B. Epikanthus (nach Mustardé).
Aufklärung Wunddehiszenz, Teillappennekrose.
Operationsschritte
Operation in Lokalanästhesie und Rückenlagerung. Steriles Abwaschen und Abdecken des OP-Gebiets. Team-Timeout
nach WHO-Checkliste.
Zuwenden zur 1. Zwischenfingerkommissur. Zunächst Inspektion des Befunds. Es besteht ein ca. 4 cm großer Narben-
strang mit Bewegungseinschränkung. Entschluss zur Kontrakturlösung und Jumping-Man-Plastik nach Hirschowitz.
Markierung des Lappens: Der Narbenstrang stellt den horizontalen Schenkel dar. Anzeichnen eines dreizackförmigen
Lappens, sodass der mittlere Verschiebelappen dorsal platziert wird. Die Winkel zwischen dem horizontalen Schenkel und
den lateralen Schenkeln betragen 80°, während der mittlere Schenkel senkrecht (90°-Winkel) positioniert ist. Palmar des
horizontalen Schenkels, zentral beginnend, wird ein um 60° invertiertes V angezeichnet, sodass sich zusammen mit dem
o.g. medialen Schenkel das Bild eines invertierten Y ergibt. Alle Schenkel, bis auf den medialen, sind gleich lang. In-
filtration von 10 ml einer 1 % Lidocainlösung, 1:100.000 mit Adrenalin versetzt. Ausschneiden des Narbenstrangs und
Hautinzision entlang aller Markierungen, bis die Lappen ausreichend mobil sind. Eine Lappenunterminierung wird nach
Möglichkeit vermieden. Anschließend Transposition der Lappenspitzen. Die dreieckigen Lappen werden gegeneinander
verschoben, mit gleichzeitiger Durchführung der Y-V-Plastik zentral, sodass am Ende alle fünf Lappen nebeneinander, im
Sinne einer Zickzack-Nahtlinie, platziert sind. Spannungsfreies Vernähen der Lappen miteinander mittels resorbierbaren
Einzelknopfnähten der Stärke 5-0. Alle Lappen zeigen sich stets gut durchblutet. Steriler Verband.
Anmerkungen
• Der Begriff wird angewendet, um zwei verschiedene Lappen zu beschreiben. Beide Lappen haben eine Verschiebe-
sowie eine Transpositionskomponente, d. h., es handelt sich um Z-Plastiken asymmetrischer Winkel.
• Das invertierte V stellt die Beine des Jumping Man dar.
• Bei der Jumping-Man-Plastik der Zwischenfingerkommissur nach Hirschowitz (1975) handelt es sich um eine Dop-
pelte-Opposition-Z-Plastik mit einer gleichzeitigen Y-V-Plastik. Hierfür wurde der Begriff „Short-Jumping-Man-Plas-
tik“ empfohlen.
• Bei der Jumping-Man-Plastik des Epikanthus nach Mustardé (1963) handelt es sich um eine Doppelte-Opposition-Z-
Plastik mit einer gleichzeitigen V-Y-Plastik. Es gibt noch einen Vektor zwischen dem horizontalen Schenkel und dem
invertierten V, welcher den „Rumpf“ des Jumping Man darstellt. Streng gesehen ist diese Variante die echte Jumping-
Man-Plastik.
• Die Länge des zentralen Zackens bestimmt die Höhe des mittleren Dreiecks im resultierenden Lappen.
Literatur
Al Omran Y, Jester A (2020) Will the real jumping man flap please jump up? J Plast Reconstr Aesthet Surg 73(5):983–
1007
Hirshowitz B, Karev A, Rousso M (1975) Combined double Z-plasty and Y-V advancement for thumb web contracture.
Hand 7(3):291–293
Hirshowitz B, Karev A, Levy Y (1977) A 5-flap procedure for axillary webs leaving the apex intact. Br J Plast Surg
30(1):48–51
Mustardé JC (1963) Epicanthus and telecanthus. Br J Plast Surg 16:346–356
17.2 Jumping-Man-Plastik (Syn: Dancing-Man-Plastik, Fünappenplastik nach Hirschowitz oder nach Mustardé)
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17 Kontrakturlösung

17.3 W-Plastik

Indikation Narben mit Verlauf gegen die Hautentspannungslinien, Narben auf konkaven und konvexen Oberflächen (z. B.
entlang der Mandibularlinie), ggf. kontrahiert, „trapdoor-förmige“, U-förmige Defekte, Narben in anatomischen Über-
gangsregionen einschließlich der Haargrenze sowie sonstige Indikationen, z. B. Gaumenspalten, peristomale Stenosen, pla-
tysmale Halserschlaffung.
Varianten Rautenförmige W-Plastik nach Penn (mit multiplen W-Plastiken auf beiden Seiten der Narbe), Stair-W-Plastik
(Treppenmusterform, 90°-Winkel).
Aufklärung Verlängerte Narbe, Wundheilungsstörung.
Operationsschritte
Operation in Lokalanästhesie und Rückenlagerung. Steriles Abwaschen und Abdecken des OP-Gebiets. Team-Timeout
nach WHO-Checkliste.
Zuwenden zur Narbenkontraktur. Zunächst Inspektion des Befunds. Es besteht eine ca. 6 cm lange Narbe an der
Mandibularlinie. Entschluss zur Narbenkorrektur mittels W-Plastik.
Anzeichnen mehrerer gleichseitiger Dreiecke in einem Zickzackmuster ober- und unterhalb der zu exzidierenden Narbe.
Infiltration von 10 ml einer 1 % Lidocainlösung, 1:100.000 mit Adrenalin versetzt. Hautinzision entlang der Markierung
mit gleichzeitigem vollständigem Ausschneiden der alten Narbe. Vorsichtige Abpräparation der Lappen, sodass sie aus-
reichend durchblutet und mobil sind. Verlagerung der Lappen, sodass die obigen Lappenspitzen genau den Winkeln, die an
der Basis der Dreiecke von unten gebildet werden, entsprechen und umgekehrt. Spannungsfreies Vernähen der Lappen mit-
einander in der Form mehrerer vereinheitlichter W mittels Poliglecapron-25-Einzelknopfnähten der Stärke 5-0. Alle Lap-
pen zeigen sich stets gut durchblutet. Steriler Verband.
Anmerkungen
• Geschichte der Prozedur:
– Der kubanische plastische Chirurg Albert Borges war der Erste, der 1959 eine W-förmige Technik mit gebrochener
Linienführung veröffentlichte.
– Eine ähnliche Technik wurde bereits 1937 von Ombredanne beschrieben, um ein angeborenes, einschnürendes Band
an der unteren Extremität zu korrigieren.
– Laut Borges war der chilenische plastische Chirurg Paul Covarrubias der Erste, der die Idee eines Zickzackmusters
mit kleinen dreieckigen Hautlappen, die der Richtung der Hautspannungslinien folgen, entwickelte. Covarrubias prä-
sentierte seine Methode 1954 auf dem siebten Kongress der Lateinamerikanischen Gesellschaft für Plastische Chir-
urgie unter dem Titel „Originaltechnik bei der Behandlung von Gesichtsnarben“.
– Borges nannte die Methode „W-Plastik“ nach der Form des Schnittmusters, das verschiedenen aneinandergereihten
W ähnelt.
• Es gibt verschiedene Meinungen über die Winkel, d. h. die Form der Dreiecke, die bei der W-Plastik verwendet werden
sollen.
• Bei der Erstbeschreibung von Borges 1959 wurden gleichschenklige Dreiecke (zwei 65°- und ein 50°-Winkel) ver-
wendet. 1979 empfiehlt Borges 55- bis 60°-Winkel (gleichseitige Dreiecke), welche bis auf 90° (ungleichseitige Drei-
ecke) erhöht werden können.
• Fleming und Williams favorisieren einen 60°-Winkel (gleichseitige Dreiecke). Ein 45°-Winkel am Apex des Dreiecks
führe zu einer Reduktion der Spannung um 29 %, während ein 60°-Winkel eine Reduktion von 50 % bewirke.
• Die Effektivität der W-Plastik sollte nicht nur der Ausrichtung der Narbe in Bezug auf die relaxierten Hautspannungs-
linien zugeschrieben werden, sondern auch dem speziellen Design der verwendeten dreieckigen Hautlappen.
Literatur
Borges AF (1959) Improvement of antitension-lines scar by the “W-Plastic” operation. J Plast Reconstr Aesthet Surg
12:29.
Borges AF (1979) W-plasty. Ann Plast Surg 3:153
207
Fleming JH, Williams HE (1977) Mathematical analysis of the W-plasty and related scar revisions. Clin Plast Surg 4:275
Goutos I, Yousif AH, Ogawa R (2019) W-plasty in scar revision: geometrical considerations and suggestions for site-speci-
fic design modifications. Plast Reconstr Surg Glob Open 7(4):e2179
Papadakis M, Manios G, Zacharopoulos G, Koumaki D, Manios A (2023) Biomechanical explanation of W-plasty effecti-
veness using a finite element method approach. Sci Rep 13(1):18109
Penn J (1948) Zigzag modification of the tubed-pedicle flap. Br J Plast Surg 1948;1:110
17.3 W-Plastik
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Hauttransplantation

18

18.1 Hauttransplantation

Varianten Spalthauttransplantation/Vollhauttransplantation,
gemesht/gestichelt.
Indikation Hautdefekte mit granuliertem/gut durchblute-
tem Wundgrund.
Aufklärung Nicht-Anheilung, Infekt, Wundheilungsstö-
rung.
Operationsschritte (Spalthauttransplantation)
Operation in Allgemeinnarkose. Rückenlagerung mit Ab-
polsterung der Druckpunkte. Steriles Abwaschen und Ab-
decken des OP-Gebiets. Team-Timeout nach WHO-Check-
liste.
Zuwenden zum Defekt. Zunächst Inspektion des Be-
funds. Es besteht ein ca. 4 × 4 cm großer Defekt, wel-
cher sich nach Dehnungsplastik nicht verschließen lässt.
Entschluss zum Defektverschluss mittels Spalthauttrans-
plantation.
Spalthautentnahme vom kontralateralen Oberschenkel
lateral mit dem Elektrodermatom, 0,3 mm, nach vorherigem
Bestreichen der Haut mit Wasser. Meshen 1:1,5. Anlage
einer zurechtgeschnittenen, trockenen Kompresse auf die
Entnahmestelle. Transplantation der Spalthaut in den De-
fekt und Fixierung mit rPoliglecapron-25-Einzelknopfnäh-
ten der Stärke 5-0. Annähen des Transplantates mit Poligle-
capron-25-Einzelknopfnähten der Stärke 4-0. Vorlegen von
mehreren Polyglactin-Einzelknopfnähten der Stärke 3-0 zur
Anlage eines Überknüpfverbands. Auflegen von Fettgaze
und Kompressen. Einknüpfung zur Kompression des Haut-
transplantats. Steriler Verband.
Verlegung in den Aufwachraum.
Nachbehandlung
Entfernung des Überknüpfverbands am fünften post-
operativen Tag.
Anmerkungen
•
Geschichte der Prozedur:
– Die früheste bekannte Beschreibung von Hauttransplan-
tationen findet sich im Ebers-Papyrus, einem altägyp-
tischen medizinischen Papyrus aus dem Jahr 1500 v. Chr.
– Jacques-Louis Reverdin entwickelte 1869 die Technik
des „epidermischen Graftings“, bei der kleine Haut-
stücke auf Wunden transplantiert wurden, um die
Epithelisierung und Geweberegeneration zu fördern.
Obwohl ursprünglich als rein epidermisch angesehen,
enthielten die Grafts auch Anteile der Dermis und
wurden erstmals erfolgreich bei einem Patienten mit
Hautverlust am Daumen angewendet.
– In seinen Memoiren erzählt Winston Churchill, wie
er nach der Schlacht von Omdurman (1898) einem
verwundeten Kameraden, Richard Molyneux, half,
indem er ein Stück Haut von seinem eigenen Unter-
arm spendete. Ein Arzt entnahm ihm diese Haut, um
sie auf Molyneux’ Verletzung zu transplantieren.
• Spalthaut-Spenderregionen: Oberschenkel, Rumpf,
Oberarm, Kopfhaut. Die gleiche Stelle sollte nicht noch
einmal verwendet werden.
• Es gibt mehr als 20 Therapiemodalitäten für die Ver-
sorgung der Entnahmestelle bei Spalthauttransplantationen.
– Klassifikationen: feucht/trocken, biologisch/nichtbio-
logisch.
– Biologische Verbände umfassen menschliche
Amnionmembran, Honig, Keratinauflage (Kerama-
trix
®
), OxyBand
TM
, und Plasmakonzentrate.
– Nichtbiologische Verbände umfassen Alginatver-
bände, Xeroform-Gazen, Vaselinegaze, paraffin-
getränkte Auflagen, Polyurethanauflagen.
– Biologische Verbände beschleunigen die Wund-
heilung um fünf Tage.
• Vollhaut-Spenderregionen: Leiste, Oberschenkel, Unter-
bauch, postaurikuläre Region, supraklavikuläre Region.
Die Entnahmestelle muss verschlossen werden.
© Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer-Verlag GmbH, DE, ein Teil von Springer Nature 2025
M. Papadakis und P. Lytsikas-Sarlis, Operationsberichte Plastische Chirurgie, https://doi.org/10.1007/978-3-662-71871-1_18
210
18 Hauttransplantation
Papadakis M (2022) Chirurgie der Haut und der Haut-
anhangsgebilde. In: Klinikleitfaden Allgemeinchirurgie
Viszeralchirurgie. Urban & Fischer, S 294
Rahman S, Langridge B, Al-Hadad A, Khan RA, Ju-
nejo MH, Mosahebi A (2020) Biological versus non-bio-
logical dressings in the management of split-thickness skin-
graft donor sites: a systematic review and meta-analysis. J
Wound Care 29(10):604–610
Singh M, Nuutila K, Collins KC, Huang A (2017) Evo-
lution of skin grafting for treatment of burns: Reverdin
pinch grafting to Tanner mesh grafting and beyond. Burns
43(6):1149–1154
• Bei stationären Patienten wird oft ein VAC-System an-
stelle eines Überknüpfverbands angewendet.
• Das Transplantat muss engen Kontakt mit dem Wundgrund
haben. Je dünner das Transplantat, umso besser heilt es ein
(höhere Diffusionsstrecke bei dicken Transplantaten).
• Bei der Vollhauttransplantation wird nach der Hebung ein
komplettes Entfetten des Transplantats durchgeführt. Nicht
selten, wird hierbei auch ein Teil der Dermis entfernt.
Literatur
Brody GS (2004) Winston Churchill as a skin donor. Plast
Reconstr Surg 113(6):1865